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Benutzername: mosaik
Wohnort: Neumarkt am Wallersee, Salzburg
Über mich: meine Leidenschaft gehört der Geografie, meine "zweite Heimat" war über Jahrzehnte Italien und alles rund ums Kulinarische interessiert mich immer. So versuche ich eben auf das eine oder andere Buch aufmerksam zu machen und hoffen, mit meinem Rezensionen ein wenig weiter zu helfen
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Bewertungen

Insgesamt 406 Bewertungen
Bewertung vom 06.04.2021
Magischer Chiemgau und Rupertiwinkel
Limpöck, Rainer

Magischer Chiemgau und Rupertiwinkel


ausgezeichnet

Interessante, abwechslungsreiche Wanderungen und Besichtigungen mit aussagekräftigen Bildern

Rainer Limpöck ist Alpenschamane und weiß, dass über vielen ehemaligen Kultplätzen die katholische Kirche Gotteshäuser errichten hatte lassen, um kultische Handlungen an diesen Orten auszulöschen. Was der Kirche nicht immer gelang und noch heute Menschen diese magischen Kraftorte zur Heilung oder Stärkung aufsuchen. Limpöck hat sich in historischen Gebieten des Erzbistums Salzburg, im Rupertwinkel und im Chiemgau auf Spurensuche nach Kraft- und Kultorten begeben. Aber nicht nur Orte wie die Kirche St. Jakobus in Urschalling bei Prien am Chiemsee mit einem Schalenstein und den drei Heiligen Madln oder den Schlupfstein-Altar Sankt Wolfgang hat er besucht und beschrieben, sondern auch Quellheiligtümer wie jenes am Schnappenberg oder die Weizenreiter Quelle bei Frasdorf sowie Wasserfälle und keltische Kultorte. Einen besonderen Ort stellt dabei für ihn die Wallfahrtskirche Maria Eck in Siegsdorf dar. Hier treffen zehn bemerkenswerte magische, kultische und Faktoren der katholischen Kirche aufeinander.

Limpöck schreibt über die Geschichte dieser Orte, über Sagen und Legenden (wie beispielsweise beim Bärnsee bei Aschau), über seine Sicht dieser Kultstätten und beschreibt gut verständlich, wie man sie erreicht, wo man parken kann und welche Anforderungen die Wege an den Wanderer stellen (durch drei farbliche Symbole einfach einzuordnen) mit ungefähren Wegzeiten. Am Beginn gibt das Inhaltsverzeichnis der 53 Ziele Aufschluss über die Anforderungen und in einem Satz, um welche Art des Ortes es sich handelt. Am Ende des Buches sind im Stichwortregister die Orte alphabetisch gereiht ebenfalls mit Hinweisen, um welche Art der (Kult)Orte es sich handelt. Auf einer Übersichtskarte findet man die ungefähre Lage des Ortes und wieder farblich gekennzeichnet die Weganforderung an den Besucher.

Limpöck führt den Leser zu den unterschiedlichsten Orten, zu romantischen wie der Sankt Michaelsgrotte bei Ruhpolding, zu kuriosen wie den verkehrsumtosten Traunstein an der Traun und zu ruhigen wie St. Coloman bei Tengling. Es ist ein Buch, das breitgestreute Information bietet und für Schamanen, Pilger und Erholungssuchende gleichermaßen ein gutes Tourenbuch sein kann.

Bewertung vom 24.03.2021
Das Waldviertel
Waldstein-Erasmus, Mella

Das Waldviertel


ausgezeichnet

Ein facettenreicher Gang durch die Waldviertler Geschichte gut recherchiert

In Litschau im Norden des Waldviertels begann die Geschichte der weltberühmten „Wiener“ Schrammel-Musik, 22 Stunden dauerte die Reise eines Holzstammes in den Schwemmkanälen bis in die Donau, die Eisschneider erzählten gerne die Geschichte, dass am andere Ende der Eissäge – unter Wasser – der zweite Mann sägte, in den ehemaligen Dörfern des Truppenübungsplatzes Allensteig lebten die Vorfahren von Adolf Hitler, woher Schüttkästen und Kredenzen ihre Namen haben und viele andere Geschichten schildert die Autorin in diesem lesenswerten Buch.

Sie beginnt ihr Buch mit der Beschreibung der derzeit überall im Entstehen befindlichen Topotheken, Datenbanken, die alte Bilder archivieren, im Internet zeigen und so die Bevölkerung zu Beschreibungen dieser Aufnahmen aufrufen. Es gibt keine „roten Faden“ in dem Sinn, der durch das Buch führt – die Themen sind einfach derart vielfältig. Da erfährt man von noch bestehende lehmgestapfte Kegelbahnen, von Prügelkrapfen, deren Zubereitung tagelang dauert, von einem noch aktiv bespielten Kinosaal, in dem auch Hochzeiten stattfinden, von der legendären Krokobar – mit echtem Krokodil, dem Milchhaus und dem Kühlhaus, über Wald, Gestein und Mineralien, Braunkohletagbau, Webereien, Ziegelwerken und Glasfabriken, vom „Zug, der durch den kalten Krieg“ fuhr, dem „Vindobona“ – die Betonung liegt auf der zweiten Silbe – und von vielen anderen kleinen und größeren Dingen aus der Vergangenheit.

Die Autorin hat bei jedem Kapitel gut recherchiert und bietet mehr als nur einen „nostalgischen Satz“. So bleibt das Lesen immer durch interessante Details und Hintergründe spannend. Beispielsweise war das Kapitel „Eissägen, Eiskasten und Kunsteis“ für mich sehr interessant, da ich als Kind noch ländliche Gemeinschaftskühlhäuser in Weilern in Oberösterreich kennengelernt hatte. Auch das Kapitel „Mit Volldampf in die Vergangenheit“, u. a. mit besagtem „Vinobona“-Schnellzug, aber auch andere Züge und Bahnen im Waldviertel, über deren Entstehung und Zweck, gibt einen interessanten Einblick in die Verkehrsentwicklung dieser Region. Zahlreiche historische Bilder veranschaulichen das Geschriebene.

Ich habe schon einige Bücher gelesen, die sich mit „Vergessenem und Verschwundenem“ befassten. Dieses Buch zählt darunter sicherlich zu den Informativsten und Interessantesten.

Bewertung vom 27.02.2021
Genießen in Slowenien
Tschernitz-Berger, Elisabeth

Genießen in Slowenien


ausgezeichnet

Lebendig und hungrig machend geschrieben mit vielen persönlichen Eindrücken

Vor dem Lesen sollte man gut gegessen haben, denn beim Lesen von derart vielen Köstlichkeiten, von Nudeln, Fleischgerichten, Süßem und Weinen, wird einem der Mund wässrig. Die Autorin besucht die unterschiedlichsten Lokale, der Untertitel „die besten Adressen“ zeigt Vielfalt: unscheinbare Lokale, Lokale mit Spezialitäten, Lokale, die gut, aber (sehr) teuer sein können – so gibt sie bei einem Lokal, in dem sie ausgezeichnet gegessen hatte, den Tipp, vor Bestellung nach den Preisen zu fragen, rustikale Lokale mit unschlagbarer Küche („das Menü zum wohlfeilen Preis von neun Euro“) , aber auch Lebensmittelproduzenten für Nudeln, Züchterin von Wolfsbarschen oder auch eine Mehlmühle, die auch nach Österreich liefert aufgrund der besonderen Mehlqualität.

Bei rund 300 Adressen scheint die Autorin wohl einige Jahre mit dem Testen beschäftigt gewesen zu sein. Jedenfalls liest man beim Großteil der Lokale, dass sie selbst auch tatsächlich dort gespeist hatte. Doch nicht nur Lokaltipps hat sie für den Leser aufbereitet. Sie teilt das kulinarische Slowenien in vier Regionen, bei deren Beschreibungen sie jeweils einen Tages- oder Zweitagesvorschlag mit Besichtigungs- und Restauranttipps parat hat. „Die besten Fünf“ am Ende jedes Kapitels bieten jeweils fünf Kurzbeschreibungen von Sehenswürdigkeiten, Naturdenkmälern, Unterkünften, Urlaubsmöglichkeiten am Bauernhof, Sporteinrichtungen, Thermen, Geschäften, kulinarischen Festen, typischen Speisen und typischen Produkten.

Das mit vielen Bildern recht unterschiedlicher Qualität (manche Bilder von Speisen sind doch etwas dunkel und einige Portraits der handelnden Personen ebenfalls dunkel und klein) ausgestattete Buch macht wirklich Lust auf eine kulinarische Reise durch Slowenien. So erklärt denn auch im Vorwort Tomaž Kavčič, Küchenchef eines Restaurants im Vipava-Tal, dass Slowenien in wenigen Jahren an der kulinarischen Weltspitze sein wird. Das Buch ist auch eine Reise durch das Land und mit Schilderungen seiner Menschen in der Küche, im Service oder Weingarten, mit vielen persönlichen Eindrücken der Autorin. Es hat bei mir kulinarische Erinnerungen an meine letzte Slowenienreise 2019 wieder aufleben lassen.

Bewertung vom 06.11.2020
Ausseerland und Umgebung
Auferbauer, Günter; Auferbauer, Luise

Ausseerland und Umgebung


sehr gut

Mit vielen Details, manches nicht ganz verständlich oder unbedingt notwendig

Die allgemeinen Hinweise und einleitenden Texte bieten hilfreiche und interessante Informationen (z. B. ein Beitrag zur Benutzung des Wegenetzes in Google Earth, über die Geschichte der Tauplitzalm oder über die Moorlandschaften um Bad Mitterndorf). Kritische Beiträge beschäftigen sich mit Wild, Wald und Tourismus und „Alpentourismus heute aus der Sicht eines Hüttenwirtes“. Jedoch hätten die Autoren den einen oder anderen allgemeinen Textteil kürzen oder weglassen können, weil dieser nicht unbedingt für ein Wander-Erlebnis nötig wäre. Z. B. bei „Transport und Logistik“ u. a. die Erklärung „Fahrkarte ist nicht gleich Fahrkarte“, das Sonder-Tarifsystem in der Steiermark oder das „Ausseer Wetter“, in dem eigentlich keine verwertbaren Informationen für eine Wanderung zu finden sind, wenn man von der Aussage absieht, dass es seit 1990 keine wochenlangen Regenperioden zu beobachten gibt.

Den Hauptteil des Wander-Erlebnisführer bilden rund 150 Seiten mit vier anspruchsvollen Touren für bergerfahrene Wanderer, 18 Touren für „umsichtige und ausdauernde Bergwanderer“ sowie 13 allgemein einfach begehbare Wanderstrecken. Jede Tourenbeschreibung bietet eine Einleitung, einen Infokasten mit diversen Angaben über Gehzeiten, Höhenmeter, Charakteristik, Ausgangspunkt, Tipps u. a., ein Höhenprofil mit eingezeichneten Gipfelnamen, Detailübersicht aus einer Wanderkarte und ansprechende Bilder. Geografisch ist das Ausseerland etwas erweitert mit dem Grimmingstock, der ja ins Ennstal hinunterreicht sowie Stainach-Pürrg und Wörschach, die sich geografisch an die Tauplitzalm anschließen.

In den Texten finden sich persönliche Erfahrungen der Autoren, was manchmal unterhaltsam ist, aber auch eigenartig erscheinen kann. Beispiel „Ein schmales Felsenfenster weckt Neugierde. Vorsicht! Nicht zu nahe herantreten.“ „Handschlag! Gipfelrast.“ „Wer kennt die Berge? Kennt die Namen?“, [Tour 7, Bräuningzinken]. Auch ihre persönlichen Vorlieben beim Einkehren spürt man hie und da, was aber auch ein wenig schade ist, da andere, durchaus erwähnenswerte Lokale „unter den Tisch fallen“. So geschehen bei Tour 9 – Uferwege am Altausseer See. Der vom Zentrum Altaussee etwa einen Kilometer entfernte Jausenstation Kahlseneck wird eine gute halbe Seite gewidmet, obwohl kaum von Start der Tour entfernt (die Autoren schreiben aber „eineinhalb Stunden Unterwegszeit“). Die beiden Gasthäuser am anderen Ende des Sees bei der Seewiese, die bei einer Seeumrundung so etwa in der Mitte der Strecke liegen, werden dafür gar nicht erwähnt. Ich bin auch nicht ganz der Meinung der Autoren bei dieser Tour, dass Warnhinweise im Winter auf Lawinengefahr „mehr und mehr Einschränkungen, Gebote, Verbote, Warnungen gegen freies Bewegen“ wären.

Aber objektiv betrachtet ist dieser Wanderführer ein gut gemachter Begleiter, der am Ende des Buches auch noch eine Kurzbeschreibung aller Wegnummern, ein Hüttenverzeichnis und Stichwortregister mit Tourennummern umfasst.

Bewertung vom 23.09.2020
Via Habsburg
Matt-Willmatt, Hubert

Via Habsburg


ausgezeichnet

Ein interessant und vielseitig geschriebener geschichtlicher Reiseführer

Autor Hubert Matt-Willmatt nimmt den Leser auf eine Reise durch vier Länder und 800 Jahre Geschichte (in Kurzform) mit. Fotograf Heinz Linke hat sowohl geschichtlich Relevantes in Bildern festgehalten als auch das eine oder andere touristische Bild von Orten beigesteuert. Zusammen ergibt es einen geschichtlichen Reiseführer, der weder das eine (Geschichte) noch das andere (Reiseinformationen) zu ausführlich darstellt, aber sich durchaus für einen Begleiter bei der Spurensuche eignet.

Jeder Abschnitt über eines der vier Länder beginnt mit einem Kapitel „Wissenswertes“ im Zusammenhang mit den Habsburgern. Anschließend werden Orte und Ereignisse beschrieben, die von Bedeutung für die Habsburger oder deren Geschichte waren. Die für mich überraschendste Information ist dabei, dass es eine „Habsburg“ gibt. [Zitat] „Seltsam schmucklos steht die Habsburg“, der „Stammsitz einer Weltdynastie“, als Burg und Ruine auf dem Wülpelsberg“ [Zitat Ende] in der Schweiz. Auch anderenorts findet man noch Habsburgisches. So sieht man im deutschen Radolfszell am Bodensee am Portal des „Österreichischen Schlösschen“ das Wappen Österreichs und des Erzherzogs Leopold V. der seit 1618 Herr über Tirol und der Vorlande war und dem das Schloss als Residenz diente.

Die Bilder sind alle von sehr guter Qualität und Aussagekraft. Auch ein interessante Schwarzweißbild ist dabei. Darauf sieht man die Hochzeitgesellschaft von Kaiser Karl I. mit Zita von Bourbon-Parma 1911, bei der auch Kaiser Franz Joseph I. zugegen war und auf dem Bild zu sehen ist.

Am Ende des Buches gibt es ein Literaturverzeichnis, ein Orts- und Städteregister (mit Adresse, Website und E-Mail des jeweiligen Tourismusbüros). Beschrieben sind 13 Orte in Frankreich, 15 in Deutschland, neun in der Schweiz und zwölf in Österreich. In der vorderen und hinteren Umschlagklappe gibt es eine Übersichtskarte, wo sich die beschriebenen Orte befinden.

Gut geschriebene und abwechslungsreiche Texte boten immer wieder eine interessante Neuigkeit für mich, einen touristischen Hinweis auf einen sehenswerten Ort oder ein sehenswertes Museum, ja sogar ein Weingut wird kurz beschrieben samt Bildern. Dieses Buch bietet einen umfassenden und interessanten Überblick über das Herrschaftsgebiet und die Geschichte des Hauses Habsburgs. Ich finde dieses Buch als sehr lesenswert.

Bewertung vom 18.08.2020
Lernen S' Geschichte, Herr Reporter!
Brunner, Ulrich

Lernen S' Geschichte, Herr Reporter!


ausgezeichnet

Ein aufschlussreiches und sehr gut geschriebenes Buch über einen großen Staatsmann

Zwei Sozialisten. Der eine, Autor Ulrich Brunner, begann bei den sozialistischen Studenten und wurde ein erfolgreicher Journalist, der andere, ebenfalls von Jugend an mit den Sozialisten verbunden, wurde einer erfolgreichsten Politiker der Nachkriegszeit. Beide kannten einander und Brunner berichtet in diesem Buch über seine Begegnungen mit Kreisky, seine Lebensgeschichte und allerlei sonstige Geschichten.

Brunner beginnt mit seinem eigenen journalistischen Weg bei der „Arbeiter-Zeitung“. Dann schildert er die Gefängniszeit von Kreisky 1935 und von dessen schwieriger Rückkehr nach Kriegsende in die österreichische Politik. „Kreisky am Weg ins Kanzleramt“ gibt aber auch ausgezeichnete Einblicke in politische Grabenkämpfe innerhalb der Sozialistischen Partei und das damalige politische Umfeld.

Dann kommt Brunner auf seine Kernkompetenz: Kreisky und die Journalisten. Dabei gibt es unterhaltsame wie ernste Beiträge, dass Kreisky ein Meister der präzisen Unschärfe war (Zitat Kreisky, ob er nach einer Niederlage der Zwentendorf-Abstimmung zurücktreten werde: „Ich werde sicher nicht sagen, dass ich sicher nicht zurücktreten werde!“), über das Pressefoyer und von jenem, in dem der dem Buch seinen Titel gebende Satz Kreiskys „Lernen S‘ Geschichte, Herr Reporter“ fiel.

Und über einige weitere Facetten des Politikers schreibt Brunner: Kreisky, der Unbeherrschte, der rastlose Politiker, Kreisky und ORF-Intendant Gerd Bacher. Auch über den Fall Karl Schranz, dem die Teilnahme an den Olympischen Spielen verweigert worden war und die Rolle Kreiskys dabei, ist ein Thema von Brunner.

Im Abschnitt Kreisky und die Macht geht es u. a. um die Rivalität mit Broda und um Androsch, den er eigentlich als Kronprinz gedacht hatte. Brunner schreibt über Kreisky und die Fristenlösung, die Frauenbewegung und die Schulden in der Ära Kreisky. Wie Kreisky zum Judentum stand, seine Angst vor dem Antisemitismus, die Wiesental-Affäre, über seinen Humor und seine jüdische Identität berichtet Brunner im vorletzten Abschnitt. Im letzten Kapitel beschreibt er das Ende der Ära Kreisky, über das sogenannte Mallorca-Paket, den schwerkranken und narzisstischen Kreisky und seinem Ende.

Nachdem Brunner von Jugend an mit der sozialistischen Partei verbunden war, trat er 2007 nach 50 Jahren aus der Partei aus und schildert im Epilog ausführlich seine Gründe dafür. Postskriptum, Bibliografie, Personenregister, Zeittafel und Bildnachweis finden sich am Ende des Buches.

Brunner hat bewusst, wie er schreibt, die außerordentlichen Verdienste Kreiskys in der Außenpolitik in diesem Buch weggelassen und schildert den innenpolitischen Kreisky und sein Verhältnis zu den Medien. Es gibt ein interessantes und informatives Bild dieses großen Staatsmannes, der Österreich in ein neues Zeitalter geführt hatte und dessen soziale Verbesserungen noch heute vorhanden sind. Ich finde, dass es ein sehr lesenswertes Buch ist, auch wenn jemand sich politisch nicht besonders interessiert.

Bewertung vom 18.08.2020
Jochen Rindt
Kräling, Ferdi

Jochen Rindt


ausgezeichnet

Faszinierende Einblicke in das Leben eines Rennfahrers und den Rennsport der 1960er-Jahre

Ich habe als Zwölfjähriger Jochen Rindt eine Woche vor seinem tödlichen Unfall in Monza in Italien noch selbst am Salzburgring bei einem Formel-2-Rennen erlebt. Dieses Buch lässt Erinnerungen an einen der ganz Großen der damaligen Rennsportzeit lebendig werden.

Rennfahrerkollege Jacky Steward portraitiert in seinem Vorwort diesen wohl einzigartigen österreichischen Rennfahrer mit deutschem Pass. In den folgenden Kapiteln erlebt der Leser verschiedene Aspekte von Rindt: Wie er sich vom ersten Popstar der Formel 1 über den Le-Mans-Rennfahrer hin zum Formel-1-Star entwickelte; Völker beschreibt Rindt im Kapitel über dessen Lebensstil als „einen Wilden mit Manieren“. Fahrkunst, Ecclestone und Colin Chapman sind weitere Kapitel. Das traurige Ende während des Trainings in Monza 1970 bildet das letzte Kapitel. Abschließend gibt es noch eine Übersicht über alle seine Rennteilnahmen und -erfolge von 1961 bis 1970 mit Angaben über Pole Positions und Ausfallgründe.

Aber das wirklich Eindrucksvolle sind die Bilder von Kräling. Sie zeigen Jochen Rindt in Portraitaufnahmen, ganz privat mit seiner Frau Nina, in den Boxen, im Rennwagen, im Anzug, im Urlaub, in Gesprächen, auch in einem Pelzmantel – für Werbeaufnahmen und in vielen anderen Ansichten. Rindt fliegt über Straßenkuppen, sitzt Eis essend auf einem Klappsessel in der Box und auch sein letztes Bild – seine letzte Boxenausfahrt am 5. September 1970: nackter Lotus 72, alle Flügel sind weg, eine Aufnahme von hinten. Und immer wieder Portraitaufnahmen eines unvergesslichen Gesichts.

Ob Karten spielend oder mit seiner Nina beim Frühstück, ob beim Rallyecross in der Nähe von Wien oder die spannende Geschichte von seinem Formel-1-Sieg 1970 in Monte Carlo, bei dem der Rennleiter ungläubig der Situation vergaß, die Zielflagge zu schwenken – die oft großformatigen, meist schwarzweißen Bilder – es ist ein Buch, das eine längst vergangene motorrennsportliche Epoche und einen ihrer prägendsten Fahrer wieder aufleben lässt. Ein Stück legendäre Zeitgeschichte.

Bewertung vom 12.07.2020
Schladminger-Tauern-Höhenweg
Auferbauer, Günter; Auferbauer, Luise

Schladminger-Tauern-Höhenweg


ausgezeichnet

Informativ, detailliert mit persönlichen Erfahrungen und einem geschichtlichen Teil

Man merkt diesem Wander-Erlebnis-Führer, so steht es auf der Buchvorderseite, an, dass die beiden Autoren dieses Buch mit viel persönlichem Einsatz geschrieben haben. Die ersten rund 70 Seiten beschäftigen sich mit Anreise- und praktischen Tipps, Weblinks, sowie folgenden Fachbeiträgen: Melitta Fuchs schreibt über die Natur- und Montanwelt (zehn Seiten), Johannes Gepp gibt auf sieben Seiten einen Einblick in die tierische Vielfalt und Besonderheiten (z. B. welche Tiere in Millionenzahl die Alpen in diesem Bereich alljährlich überfliegen), mit den Mineralien und Erzen beschäftigt sich der sechsseitige Beitrag von Tobias Schachinger, Uwe Kolitsch und Herbert Kraml, Anton Streicher, Leiter der Höhlenforschergruppe im Alpenverein Schladming erzählt über die Bergbaugeschichte. Schließlich skizzieren Walter Kovar und Johannes Bauer die Geschichte der Erschließung der Schladminger Tauern (19 Seiten), ein Kapitel, das sehr aufschlussreich und wie Kapitel im Buch, sehr gut bebildert ist.

Dann folgen auf rund 90 Seiten die Wegbeschreibungen des Höhenweges in acht Abschnitten, wobei jeder noch Alternativstrecken enthält. Die umfangreichen Informationen der einzelnen Kapitel umfassen Streckenprofile mit Höhenmeter- und Längenangaben sowie Gehzeiten der Autoren inkl. Pausen als Richtwerte. Weiters werden ganzseitige Kartenausschnitte mit Wegverläufen, Wegnummern, Hütten und anderen Informationen geboten.

Die eigentlichen Abschnittsbeschreibungen umfassen alle wesentlichen Informationen, die ein Bergwanderer benötigt: von den erwähnten Höhen- und Streckenangaben über Ausgangspunkte und mit welchen öffentlichen Verkehrsmitteln man diese erreicht, Hinweis mit Seitenzahl auf das Streckenprofil, Charakteristik, Kartenausschnittsverweise, Wegnummern, Einkehrstätten und Schutzhütten sowie wesentliche Wegbeschreibungspunkte. Diese sind aufgrund der vielen Verweise auf Karten und Profile auf jene Dinge reduziert, die Besonderheiten der einzelnen Abschnitte darstellen.

Bei den erwähnten Hütten gibt es immer eine kurze Information oder Geschichte und ein Bild der Hüttenwirte. Zahlreiche Bilder zeigen Landschaft, Hütten, Vegetation oder Besonderheiten der Wegstrecke. In allen Beschreibungen finden sich immer wieder Hinweise der Autoren, was sie aus eigener Erfahrung für wichtig oder erwähnenswert halten. Schließlich gibt es am Ende des Buches auf 20 Seiten eine Übersicht aller Wanderwege mit Nummern, Länge, Wegbetreuer und Verlauf, sowie deren Anschlussstrecken und Abzweigungen. In den Umschlagklappen gibt es eine Übersicht der einzelnen Abschnitte mit diversen Angaben, unter anderem Zeitangaben für Teilabschnitte.

Als durchaus Ortskundiger finde ich diesen Wanderführer wirklich umfangreich und informativ, mit gutem Bildmaterial und hilfreichen Karten ausgestattet. Bei allen persönlichen Angaben der Autoren gilt wie stets, dass es Zeitangaben und subjektive Eindrücke sein können, die andere Wanderer wieder anders erleben.

Bewertung vom 24.06.2020
Die ganze Wahrheit über Münchhausen & Co.
Breckwoldt, Tina

Die ganze Wahrheit über Münchhausen & Co.


ausgezeichnet

Interessante Biografien und umfangreiche Hintergrundinformationen

Das Buch bietet eine umfassende Information zu den Themen, wer Münchhausen tatsächlich war, wer seine Geschichten – unerlaubter Weise und anonym – veröffentlichte, über Hintergründe und Arten des Lügens, über mögliche Quellen und Vorläufer dieser Geschichten (ja, die gibt es teilweise), Auszüge aus den Abenteuern, über weitere literarisch-künstlerische Nachahmer und Verfilmungen. Was das Buch aber nicht ist – und das möchte ich vorsichtshalber erwähnen – eine Wiedergabe der Abenteuer des Barons.

Das erste Drittel des Buches beschäftigt sich mit der interessanten Lebensgeschichte des Hieronymus Carl Friedrich Freiherr von Münchhausen, der im Dienst der russischen Zaren stand. Dabei erlebte er tatsächlich Abenteuerliches. Die Autorin zitiert immer wieder aus Briefen in Originalschreibweise seinerzeit. Dann folgen die Biografien der beiden Autoren, die diese Geschichten anonym veröffentlicht hatten: Rudolph Erich Raspe und Gottfried August Bürger. Alle drei Biografien geben auch einen guten Einblick in das damalige Zeitgeschehen und sind durchaus abwechslungsreich gehalten.

Die Autorin geht dann dem Lügen – geschichtlich betrachtet – auf den Grund. Dabei erfährt der Leser u. a. wie Jägerlatein und Seemannsgarn entstanden sind. Im Kapitel der Münchhausen-Geschichten vom Vade Mecum (quasi der Erstausgabe) bis zum Volksbuch veröffentlicht die Autorin einzelne Abenteuer in der Originalschreibweise des 18. Jahrhunderts, erläutert diese, nicht nur inhaltlich, sondern auch in Bezug auf ihre beiden „Autoren“ und wie diese die Geschichten selbst noch fälschten. Interessantes erfährt der Leser dabei unter anderem über die wohl bekannteste Geschichte - des „Ritts auf der Kanonenkugel“ - diese Erkenntnis hatte mich am meisten erstaunt.

Es gab den Münchhausen als Theaterstücke und verfilmt. Auch in diesem Kapitel gibt es einiges Interessantes zu lesen, so beispielsweise warum der von Hitler mit Schreibverbot belegte Erich Kästner dann doch ein Drehbuch für einen Film für Goebbels lieferte, der beinahe nicht aufgeführt werden konnte.

Das Buch hat ein Leseband und ist mit Farb- und Schwarzweißbildern sowie Zeichnungen illustriert. Am Ende gibt es ein Anmerkungsverzeichnis, Personenglossar und eine Bibliografie. Die Autorin schreibt in ihrer Einleitung, sie hatte an zehn Originalschauplätzen recherchiert, Archive und Originalhandschriften (von denen einige im Buch abgedruckt sind) durchforstet. Man merkt es im Buch und bei den Anhängen, dass es sich um ein ausgezeichnet recherchiertes und gut geschriebenes Buch handelt.

Bewertung vom 24.05.2020
Das ist doch der Gipfel
Lesti, Andreas

Das ist doch der Gipfel


gut

Nette Kurzgeschichten über alpinistische Ereignisse von Personen, aber auch nicht mehr

Zweifellos stimmt der Buchtitel und -untertitel mit dem Inhalt überein. Es ist aber eben die Frage, was sich der Leser erwartet. Ich hätte mir ausführlichere Geschichten erwarten. Das doch sehr kleine Buchformat bietet auf 144 kleinen Seiten neben einer fünfseitigen Einleitung 15 Geschichten, zwischen vier und acht Seiten, mehrheitlich um die fünf Seiten kurz, kleine Seiten. Zwischen den Geschichten gibt es immer links eine leere Seite und am Ende mancher Kapitel eine einseitige Übersicht zu verschiedenen Themen (Große Gipfel der Alpen, die bis 1800 bestiegen wurden; Geschichte der Höhenrekorde, u. a.).

Über Belsazar Hacquet – ein vergessener Held, habe ich doch wenig erfahren, Goethe stiefelte im Winter in den Schweizer Alpen umher, Alexander Humbold bestieg den höchsten Berg Spaniens, eine Amerikanerin bestieg mit ihrem Hund Berge in der Schweiz, ein Sachse war am K2, vier Österreicher auf der längsten Skitour der Alpen oder ein Interview mit Norman Dyhrenfurth kurz vor seinem Tod in Salzburg sind Themen im Buch sowie David Lama, Familie Barmasse oder Theodor von Lerch, der in Japan Skifahren ging. Am Ende des Buches ein kommentiertes Literaturverzeichnis.

Lesti schreibt, wie der Titel verspricht und hält, Geschichten. Vielleicht ist der eine oder andere Satz eine persönliche Interpretation von Personen oder deren Verhalten, der eine oder andere Satz, damit die Geschichte nicht zu kurz gerät. Ich fand das Buch nett zum Lesen, aber wirklich inhaltsschwer es in meinen Augen nicht.