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Benutzername: mosaik
Wohnort: Neumarkt am Wallersee, Salzburg
Über mich: meine Leidenschaft gehört der Geografie, meine "zweite Heimat" war über Jahrzehnte Italien und alles rund ums Kulinarische interessiert mich immer. So versuche ich eben auf das eine oder andere Buch aufmerksam zu machen und hoffen, mit meinem Rezensionen ein wenig weiter zu helfen
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Bewertungen

Insgesamt 395 Bewertungen
Bewertung vom 26.03.2020
Alles Gute vom Onkel Franz
Ranzenberger, Klaus

Alles Gute vom Onkel Franz


sehr gut

Fast wieder „der alte Onkel Franz“, jedenfalls unterhaltsam mit kleinen Abstrichen

Der Onkel Franz findet in diesem Buch wieder zu seiner Innviertler Verbundenheit zurück, nachdem er sich im letzten Buch nach Wien verirrt hatte. In diesem Buch schildert Ranzenberger Geschichten im Jahreslauf, beginnend mit einem nervenden Besuchsnachmittag am Neujahrstag bis hin zu einer eigenartig verlaufenden Silvesterparty.

Aber nicht alle Geschichten hat der Onkel Franz „selbst erlebt“, etliche schildert der Autor in seinem eigenen Namen. Wobei sich dieser stets bemüht einen Überleitungs- oder Schlusssatz zu finden, damit auch „seine“ Kapitel doch etwas mit dem Onkel zu tun hätten. 23 Geschichten sind es, bei einigen musste ich schmunzeln, andere wiederum sind zwar unterhaltsam, kommen nicht an die Geschichten des ersten Buches „Der Onkel Franz“ heran. Durchaus gelungen ist der Exkurs über die Feinheiten des Sprachgebrauchs [im Innviertel], dass Ostereier eine politische Wahl beeinflussen und wie mehrere Flaschen Prosecco bzw. mehrere Halbe Bier eine Ehekrise retten können, zählen zu den guten lustigen „alten Onkel Franz“-Geschichten.

Weniger unterhaltsam, aber das Buch füllend fand ich die Beiträge „Von null auf hundert“ (sechs Seiten), eine Aufzählung aller „runden Geburtstage“, die weder Innviertel- noch Onkel-Franz-spezifisch sind und „Alle heiligen Zeiten“ (drei Seiten) über verschiedene Feiertage, wie sie ablaufen und alle im Wirtshaus enden. Das „Neujahrsessen, Drama in einem Akt“ passt so gar nicht zur Art und zum Inhalt dieses Bandes finde ich. An und für sich zum Lachen gedacht wäre der Beitrag [sic!], in dem ein Stammtischmitglied über einen Motorradausflug berichtet oder dabei viele, sehr viele, zu viele Fremdwörter falsch verwendet. Anfangs noch [r]echt lustig wird es dann aber bei acht Seiten fast zu viel des Guten. Aber jedenfalls kreativ, was Ranzenberger da gedichtet hat.

In manchen Geschichten hält uns Ranzenberger, manchmal auch der Onkel Franz, einen Spiegel vors Gesicht. Bei „all inclusive“ erfährt der Leser wie „toll“ so ein all-inclusive-Urlaub ist, bei dem sogar der Prosecco zum Frühstück „gratis“ (!) ist. Der „Erlkönig“ ist wieder etwas typisch Innviertlerisches, der „Hausball“ im „Partykeller“ weckt Erinnerungen an die 1970er-Jahre und „Sauber spät dran“ oder „der Stammtischausflug“ sind typische Onkel-Franz-Geschichten.

Um mich nach neuerlicher Unterweisung im Buch über die Innviertler Sprache abschließend auszudrücken: Angeblich erlebte der Onkel alle Geschichten im Buch tatsächlich. Leicht möglich, dass sie aber der Autor alle erfunden hat. Höchstwahrscheinlich beruhen sie auf tatsächliche Begebenheiten. Jedenfalls bin ich mir nach dem Lesen des Buches zu 90 Prozent ziemlich sicher, dass es praktisch offenbar eigentlich ein gutes Buch ist. Genau genommen hat mir das Buch irgendwie gefallen.

Bewertung vom 24.03.2020
PRG - Pauschalreisegesetz

PRG - Pauschalreisegesetz


ausgezeichnet

Kein „Kurzkommentar“, sondern ein umfangreiches, detailliertes Nachschlagewerk für den Fachmann

Dr. Bammer ist mit seinem Autorenteam entgegen des bescheidenen Hinweises auf dem Buchtitel „Kurzkommentar“ mit mehr als 450 Seiten ein überaus umfangreiches Werk gelungen. Gleich vorweg: Kein Sachbuch für den Reisebüromanager oder Konsumenten, sondern ein echtes Nachschlagewerk für Juristen.

Bevor ich auf ein paar Details eingehe möchte ich den Aufbau der Kapitel kurz erklären. Zunächst wird der aktuelle Paragraf des Pauschalreisegesetzes sowie der anderen Verordnungen, die im Buch behandelt werden, abgedruckt. In Fettdruck, damit er sich von folgenden Texten besser abhebt. Nach Erläuterungen zur Regierungsvorlage (ErlRV) folgen jeweils korrespondierende Bestimmungen aus den Vorgängerbestimmungen im Konsumentenschutzgesetz (KSchG), Parallelnormen des deutschen Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB), der Pauschalreiseverordnung (Reiserichtlinie [Reise-RL] des Europäischen Parlaments unterteilt in Anwendungsbereich und Erwägungsgründe) sowie des Unionsrechts. Erst dann folgen die eigentlichen „Kurzkommentare“ der Fachautoren.

Ich greife als Beispiel für die Ausführlichkeit den § 2 PRG - Begriffsbestimmungen – heraus. Die Begriffsbestimmungen werden auf vier Seiten zitiert, die ErlRV umfassen sechs Seiten in einer etwas kleinerer Schriftgröße, KSchG eine halbe Seite (aufgehoben durch BGBl), Reise-RL acht Seiten, BGB-Erläuterungen vier Seiten gefolgt von fast einer Seite Literaturhinweise (kleine Schriftgröße); dann folgen 20 Seiten Erläuterungen der Autoren. Die Besprechung des § 2 umfasst somit 78 Seiten.

Durch die sehr genauen Literaturangaben und Verweise auf bisherige Urteile oder Interpretationen anderer Anwälte in Österreich und Deutschland wird dieses Sachbuch ein sehr umfangreiches Nachschlagewerk. Neben dem PRG werden noch die Verordnung (VO) der EU über die gerichtliche Zuständigkeit und die Anerkennung und Vollstreckung von Entscheidungen in Zivil- und Handelssachen, die VO über das auf vertragliche Schuldverhältnisse anzuwendende Recht sowie die Pauschalreiseverordnung (PRV) behandelt.
Zu Beginn des Buches werden die sieben Autoren kurz vorgestellt und das Verzeichnis, welche Paragrafen sie besprechen, gefolgt von einem vierseitigen Abkürzungsverzeichnis und einem allgemeinen Literaturverzeichnis. Am Ende des Buches bietet das Stichworteverzeichnis auf knapp 20 Seiten zweispaltig Suchbegriffe nach Paragrafen, Artikel und Randzahlen.

Ich habe mich in einige Kapitel eingelesen, um mir ein Bild über die Verständlichkeit und Praxistauglichkeit machen zu können. Beides setzt unbedingte Kenntnisse der Materie und wortgenaues Lesen voraus. Letztlich ist es ein Buch „der tausend Möglichkeiten“ für Anwälte, aber vieles wird sich wohl in der Praxis einfacher lösen lassen.

Bewertung vom 14.02.2020
Gebrochenes Brot. Geschichte eines Frauenordens zwischen den Weltkriegen
Lucic, Iva

Gebrochenes Brot. Geschichte eines Frauenordens zwischen den Weltkriegen


ausgezeichnet

Sehr fundierter Einblick in die Entstehungsgeschichte des Ordens und die zeitgeschichtlich-politische Umgebung

Das Buch erregte meine Neugier, weil sich dieser Frauenorden in meiner Geburtsstadt Salzburg nach dem Zweiten Weltkrieg angesiedelt hatte. Das Buch schildert die Zeit der geistigen Entstehung des Ordens, etwa ab dem Ersten Weltkrieg, bis zur Vertreibung 1946 aus der damaligen Tschechoslowakei. Dabei bildet das Leben der Ordensgründerin Ada Marie Gabriele Gräfin Chodek den Schwerpunkt im Buch.

Zunächst erläutert die Autorin die Fragestellung dieser Buchstudie sowie den Hintergrund dieser Auftragsarbeit. Es folgen Einführungen in die Adelsgeschichte des 19. und 20. Jhd., die Kirchengeschichte in Böhmen im 20. Jh. sowie bisherige Forschungen in der Geschichte der Eucharistieschwestern.

Aufbauend auf dieses Wissen versteht man dann vieles besser im Leben und vom Denken von Ada Chorek. Auch die folgenden Kapitel über den politischen Kontext der Gründung des Ordens und seiner Vorstufen werden so für den Leser verständlicher. Ausführlich beschäftigt die Autorin die einsetzende Entwicklung der äußeren Gemeinschaftsstruktur. Der Prozess der kirchlichen Entwicklung von 1930 bis 1937 sowie die neuen politischen und internen Umstände zur Zeit des Nationalsozialismus sind weitere Abschnitte im Buch, die Nachkriegsverhältnisse und Übersiedlung nach Salzburg werden nur auf wenigen Seiten behandelt.

Die Autorin war zur Recherche ihres Buches längere Zeit in Salzburg bei den Schwestern. Sie bediente sich vor allem schriftlicher Unterlagen von Ada Chodek, Briefe an ihre adeligen Cousinen und andere Personen, z. B. an die ihr vorgesetzten Bischöfe und geistlichen Betreuer. Sie erläutert immer wieder ausführlich ihre Erkenntnisse und Vermutungen, die sie daraus ableitet. Manchmal sind ihre Ausführungen doch sehr wissenschaftlich, die ich nur überflogen habe. Aber überwiegend finde ich den Inhalt sehr interessant und aufschlussreich. Die Autorin schildert verständlich die schwierigen und komplizierten Umstände, unter denen Chotek den Orden gründete. Die Auflösung der Donaumonarchie bedeutete für Chotek als adelige Deutsche in Böhmen enorme Umstellungsprobleme in Bezug auf den sozialen Umgang in der „neuen“ Welt. Selbst nach Gründung ihres Ordens wohnte sie noch eine Weile im elterlichen Schloss und war nur tagsüber bei ihren Schwestern. Sie fand diese soziale Unterscheidung trotz ihres tief religiösen Glaubens angebracht und behielt auch später noch eine soziale Distanz zu einfachen Schwestern aufrecht. Die Schwestern der Gründung stammten fast ausschließlich aus adeligen Familien und so hatte Chodek eine gewisse gewohnte soziale Umgebung.

Im Buch wird auch die deutliche Hierarchie in der katholischen Kirche behandelt. Chodek musste beim Bischof um Genehmigung der Gründung ansuchen. Über die Gründung wurde dann unter Ausschluss von Chodek beraten und Männer erteilten die Genehmigung. Sie erhielt einen Pater als geistlichen Beistand, der auch darüber zu wachen hatte, dass alles im katholischen Sinn verläuft. Das Buch bietet interessante Details aus der damaligen Zeit, der Denk- und Handlungsweisen der katholischen Kirche, den Wandel des Adels und der politischen Verhältnisse.

Auch wenn ich nicht alle Seiten genau gelesen habe, so doch die Mehrheit und finde das Buch sehr interessant und sehr gut recherchiert geschrieben (was auch rund 900 Fußnoten und das mehrere Seiten zweispaltig lange Quellen- und Literaturverzeichnis belegt).

Bewertung vom 12.02.2020
PRG Pauschalreisegesetz
Mayer-Ertl, Katharina; Rupp, Lisa; Pondorfer, Viola

PRG Pauschalreisegesetz


ausgezeichnet

Ein umfangreiches, relativ verständlich geschriebenes Fachbuch für die Reisebranche und Hotellerie

Drei Personen, die direkt mit den Auswirkungen des seit 2018 in Kraft befindlichen Pauschalreisegesetzes (PRG) zu tun haben, erläutern an Hand ihrer Erfahrungen diese doch recht trockene Materie: Mag.a Viola Pondorfer (Hrsg.) ist im Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus (BMNT) für die Betreuung der außergerichtlichen Konfliktlösung der Reisebranche zuständig und auch Mitglied der Expertengruppe zur Pauschalreiserichtlinie (PRL) der Europäischen; Mag.a Lisa Rupp betreut seit 2014 als juristische Referentin im Fachverband Hotellerie in der Wirtschaftskammer Österreich inhaltlich das neue PRG aus der Sicht der Hotellerie und Mag.a Katharina Mayer-Ertl ist stellvertretende Leiterin der Tourismus-Servicestelle im BMNT; sie betreute die Entwicklungen zur Pauschalreiserichtlinie (die Grundlage des PRG) von Beginn an und nahm an den Verhandlungen zur Umsetzung der PRL teil.

Diese Fachkompetenzen merkt man sofort beim Lesen des Buches. Die teilweise schwierige Materie erläutern sie überwiegende verständlich auch für nicht so in der Sache erfahrenen Betroffene. Für jene, die noch mehr wissen möchten, geben Fußnoten Hinweise auf Entscheidungen und Quellen zum Weiterforschen. Bei jedem Abschnitt gibt es darüber hinaus noch Literaturhinweisen. Natürlich setzt das Lesen und Verstehen dieses Buches eine gewisse Kenntnis der Reisebranche und Hotellerie voraus. Es ist also ein Fachbuch für Personen in leitenden Funktionen in diesen Wirtschaftsbereichen, aber auch ein Handbuch für Anwälte.

Die drei Autorinnen erklären immer wieder welche Überlegungen die Europäische Kommission bei einzelnen Formulierungen gehabt hatte und geben Hinweise zur praktischen Handhabung, zum besseren Verständnis von einzelnen Passagen.

Im Abschnitt der Neuerungen in der Gewerbeordnung werden etliche Praxisbeispiele angeführt, beispielsweise mit welchen Einzelleistungen, die ein Hotelier anbietet, eine Pauschalreise entsteht und welche Einzelleistungen unter den in der GewO fallenden Ausnahmetatbestand für Hoteliers fallen. Ein kompliziertes Thema betrifft die Reisebürobranche – die acht verschiedenen vorvertraglichen Informationsformulare und wie sie zu verwenden sind. Stichwort verbundene Reiseleistungen, eine von der Europäischen Kommission neu geschaffene Reiseart, nicht Pauschalreise, nicht Einzelreiseleistung. Da dürfte es sogar für manchen Touristiker schwer werden, das richtige Formular zu verwenden. Es werden auch alle möglichen Fälle der Vermittlung von nicht im EWR (Europäischer Wirtschaftsraum) ansässigen Reiseveranstaltern besprochen.

Schließlich wird noch auf die Pauschalreiseverordnung eingegangen, die die Erstattung von geleisteten Zahlungen und die Rückbeförderung im Fall einer Pauschalreise oder verbundenen Reiseleistungen bei Insolvenz des Veranstalters oder des Vermittlers regelt. Auch hier werden die Neuerungen erläutert und den bisherigen Regelungen gegenübergestellt.

Am Ende des über 360seitigen Buches wird die Richtlinie über Pauschalreisen und verbundene Reiseleistungen im Wortlaut wiedergegeben. Eine Tabelle stellt die einzelnen Artikel der alten Richtlinie (90/3147/EWG) den neuen geltenden gegenüber. Ein vernünftiges und hilfreiches Stichwortverzeichnis hilft einen gewünschten Begriff schnell zu finden. Optisch werden im Text durch Fettdruck die einzelnen aktuelle Paragrafen sowie in den Erläuterungen wesentliche Stichworte hervorgehoben. Das macht dann das Finden von gesuchten Themen innerhalb eines Kapitels einfacher. Beim Lesen muss man aber dann schon auf jedes Wort achten, will man den Sinn und die Anwendung richtig verstehen.

Ich beschäftigte mich berufsbedingt seit den 1980er-Jahren mit österreichischem Reiserecht und der Gewerbeordnung und finde das Buch verständlich geschrieben und ein praktikables Nachschlagewerk. Grundkenntnisse der Materie, wie oben erwähnt, sind unerlässlich, aber man muss auc

Bewertung vom 20.01.2020
Straßen der DDR
Krone, Michael

Straßen der DDR


ausgezeichnet

Vielfältige eindrucksvolle Schwarzweiß-Momente einer vergangenen Epoche

Als Student, der Foto-Film Design studierte, brach Michael Krone im Mai 1990 zu einer 4000 Kilometer lange Reise durch die Deutsche Demokratische Republik auf. Gerade erst, im November 1989, war die Mauer gefallen und Krone wollte sich ein fotografisches Bild von der DDR machen.

Das ist im gründlich gelungen und aus heutiger Sicht, 20 Jahre später, ein interessantes Zeitzeugnis. Auf 240 Seiten in größerem Format zeigt Krone Landschaften, Gebäude, Personen und Stimmungen, wie er sie nur wenige Monate nach der Öffnung der DDR gesehen und erlebt hatte. Trabant, IFA-Lkw, Dacia-Pkw, Wartburg – sie kommen auf fast allen Bildern vor, die Straßen mit Kopfsteinpflaster, moderne Bauten aus der DDR-Zeit, verkommene Bahnhöfe, Menschen, in deren Gesichtern man manchmal Ratlosigkeit sehen vermag, ländliche Idyllen, Fachwerkhäuser und anderes zeigen.

In 18 Kapitel gliedert Krone seine 396 Schwarzweißbilder, von Magdeburg über MZ-Motorräder und Silberbergbau bis hin nach Thüringen. Es sind viele Kuriositäten, die Krone da sah und abbildete. Beispielsweise zeigt er auf zwei Seiten einen Tempo-Dreirad-Lieferwagen, einen IFA F8 Kombiwagen oder eine Bahnwärterin, die gerade einen Schranken mit Hand kurbelt. Er besuchte die Pferderennbahn von Dresden, auf der im Frühjahr 1990 noch in DDR-Mark gewettet wurde. Und da möchte ich auch erwähnen, dass Krone seine Bilder wirklich sehr gut beschreibt. Beispielsweise erklärt er beim Bild über das Bauhaus in Dessau auch kurz die Geschichte. So versteht der Leser besser, was er sieht und welche Bedeutung gerade dieses Gebäude hatte. Gleiches macht er bei den Bildern über das MZ-Werk in Zschoppau. Alle Bilder sind in sehr guter Qualität und Schärfe, wie man es sich von einem Foto-Design-Studenten erwarten konnte.

Nicht versäumen sollte man das Lesen der Einleitung des Autors und des Essays von Peter Richter zu Beginn des Buches, die sehr aufschlussreich sind und mich auch manchmal schmunzeln ließen. Krone hat diese zweite Auflage neugestaltet und Anregungen der ersten aufgegriffen. Ich kenne nur seine zweite Auflage, aber diese finde ich interessant und gut aufbereitet.

Bewertung vom 09.12.2019
Bacchus in Salzburg
Ammerer, Gerhard; Waitzbauer, Harald

Bacchus in Salzburg


ausgezeichnet

Eine Mischung aus Fachbuch und Spaziergang durch die jüngere Weinlokale-Geschichte Salzburgs

Schon die beiden Zeitbilder der Autoren am Anfang, in denen sie von ihren Wein-Erlebnissen in Salzburg in ihren Jugendzeiten erzählen, sind bereits Erinnerungsspaziergänge für uns Salzburger und wohl auch für etliche Touristen von seinerzeit. Bilder aus den 1970er-Jahren erinnern an Mode und Trinkkultur von damals.

Dann geben die beiden sehr sachkundigen Autoren einen Überblick über die Herkunft der einst importierten Weine. Diesem Kapitel folgen „Wein am fürsterzbischöflichen Hof“ und „Wein in der Bürgerschaft“. Beide Kapitel fallen unter „Fachbuch“ und bieten zahlreiche historische Dokumente mit Auflistungen von Verbrauch, Kosten und Besteuerung seit dem Mittelalter bis in die Neuzeit. Mit dem Kapitel „Salzburger Weinbau einst und jetzt“ begeben sich die beiden auf Spurensuche Salzburger Weingüter in Wien und Niederösterreich-Wachau (wo noch heute die Benediktiner-Erzabtei Weingärten besitzt) sowie über einstigen und seit Jahren wieder kultivierten Weinbau in der Stadt Salzburg und Umgebung.

Das folgende Kapitel über die Weingastronomie bis zum Ende des 18. Jahrhunderts ist dann bereits eine Mischung aus Fachbeitrag und für den Salzburger schon teilweise bekannten Geschichten. Es geht um Wirtshäuser in der Altstadt, die wir namentlich schon gehört haben und um kulturgeschichtliche Beiträge. Mit der „Weingastronomie im 19. und beginnenden 20. Jahrhundert“ sind wir dann in unserer Zeit der Erinnerung angekommen. Bilder wie vom „Weinkeller zur stillen Klause“, heute das Irish Pub O’Malleys, aus der bereits 100 Jahre alten „Andreas Hofer Weinstube“ an der Steingasse sowie andere Bilder und Geschichten lassen Erinnerungen wach werden. Schließlich führen die Kapitel „Trends der letzten Jahrzehnte“ und „Tour de Vin – Weinparcours durch die Stadt Salzburg“ auf Spuren einstiger und noch existierender Lokale mit Geschichten dazu. Zu den Texten gibt es viele Bilder, auch aus jüngerer Vergangenheit.

Das Lesen oder auch nur Blättern mit Bilderschauen bringt immer wieder Neues und Interessantes. Nicht zuletzt durch das Einfließen von persönlichen Erlebnissen der beiden Autoren seit den 1970er-Jahren ist es ein lebendiges und durchaus nicht nur fachtrockenes Buch. Die fachliche Sorgfalt dokumentiert sich auch im Anhang zahlreicher Endnoten und einem Literaturverzeichnis. Nach dem Buch über 600 Jahre Braukultur, in dem sich die beiden Autoren mit dem Bier beschäftigten, zeigt nun „Bacchus in Salzburg“, dass Wein eine ebenso bedeutende (Trink)Rolle im Leben der Salzburger gespielt hatte und auch noch hat.

Bewertung vom 09.12.2019
Sagenreiches Kremsmünster
Fetz-Lugmayr, Dagmar

Sagenreiches Kremsmünster


sehr gut

Geschichten und Sagen von lokaler Bedeutung

Wer im oberösterreichischen Kremsmünster oder seiner Umgebung wohnt wird in diesem kleinen Buch etliche Geschichten über Orte und Bauwerke aus seinem Lebensraum finden. Sie sind inhaltlich größtenteils unspektakulär und bieten geschichtliche Hintergrundinformation. Fetz-Lugmayr schmückt sie sprachlich sehr gut aus und macht so aus eigentlich kurzen Informationen kleine literarische Dokumente. Ergänzt werden diese Geschichten und Erzählungen mit Bildern, die ein wenig die Orte des Geschehens oder örtliche Stimmungen zeigen.

Bewertung vom 31.10.2019
Leuchttürme
Guichard, Jean

Leuchttürme


ausgezeichnet

Interessantes und eindrucksvolles Bilderbuch mit guter Hintergrundinformation

Kern des Buches sind Bilder von Leuchttürmen und ihrer Umgebung. 14 in Frankreich werden ausführlich mit mehreren Bildern präsentiert sowie weitere Kurzportraits von Leuchttürmen in Deutschland, den USA, Kanada, Island, Finnland, Irland, Schottland und Großbritannien. Doch das 280seitige Buch bietet nicht nur eindrucksvolle Aufnahmen aus verschiedenen Jahres- und zu verschiedenen Tageszeiten, sondern auch interessante Beiträge über die Geschichte der Leuchttürme und Leuchtturmwärter in Frankreich.

Nach etlichen Bildern, die alle auch kurz die Geschichte des abgebildeten Turms schildern, kommt man zum ersten von vier mehrseitigen Beiträgen, der Geschichte des Berufes des Leuchtturmwärters. Obwohl es seit der Antike Leuchtfeuer gab, begann die französische Geschichte der Leuchttürme eigentlich erst nach der französischen Revolution Anfang des 19. Jahrhunderts. Es war das „Services des Phares“, die „Organisation der Leuchttürme“, die mit dem systematischen Aufbau, der Betreuung und Bemannung der Leuchttürme an der französischen Atlantikküste begann. Der Beitrag schildert den Alltag und die Aufgaben eines Leuchtturmwärters, die Beschaffenheit des Leuchtturmwärterhauses und die Entwicklung des Berufes vom Wärter zum Elektromechaniker.

Der Beitrag über die große Zeit der Leuchttürme erzählt von der Gefährlichkeit der Wachablösung auf den „offshore“-Leuchttürmen, berichtet aus alten Leuchtturm-Wachtagebüchern und von der Feuerwache. Zur Unterhaltung der Wärter richtete man im 19. Jahrhundert eine Leuchtturm-Bibliothek ein. Ob der Leuchtturm eine Erfindung der Bretagne war, damit beschäftigt sich der dritte Beitrag im Buch. Und er berichtet von der Entwicklung der Besichtigungsmöglichkeiten von Leuchttürmen, mit denen sich die Wärter ein Taschengeld zu ihrem sehr geringen Gehalt – sie waren Beamte des Staates – verdienten. Der Leuchtturm war auch in der Literatur zu finden wie beispielsweise in einem Roman von Jules Verne und Thema von Filmen. Die Automatisierung der Leuchtfeuer führte zum Ende der Leuchtturmwärter und zur Entdeckung der Leuchttürme als Fotomotive. Werden die Leuchtfeuer erlöschen wird im letzten Beitrag gefragt. Darin wird auch über den letzten Leuchtturm von Paris erzählt, der 1992 vom Dienstgebäude des „Service des Phares“ am Trocadéro-Platz abmontiert wurde.

Jean Guichard besuchte die Leuchttürme mehrmals und fing faszinierende Bilder ein. Den roten Backsteinbau des Leuchtturms auf dem Cap Fréhel in den rotbraunen Farben des Abendlichts, die felsenreiche Umgebung von Leuchttürmen bei Ebbe, bei Flut und bei Stürmen, Bauwerke auf Felsen mitten im Meer, bei denen man sich fragt, wie hier wohl die Wachablöse aufgrund der Brandung und Felsenhöhe erfolgen konnte. Es gibt aber auch Bilder von Leuchttürmen, die am Festland landeinwärts errichtet wurden und von kleinen Ansiedlungen umgeben mitten in Feldern stehen, wie beispielsweise auf der „Île de Batz“. Eindrucksvoll sind die Aufnahmen, auf denen die Gischt bis zur Laterne hinauf, 20, 30 oder mehr Meter, schäumt. Den Beiträgen kann man auch entnehmen, dass die Türme unter der Wucht der Naturgewalten wanken.

Die Bilder der Leuchttürme in den anderen Ländern sind ebenso interessant und abwechslungsreich. So sieht man einen roten Turm in der Schneelandschaft von Island, finnische Leuchttürme, die aus dem Eismeer herausragen oder Irische, die wie Schwalbennester an mächtigen Felsen in der See kleben. Am Ende des Buches gibt es Übersichtskarten mit den Standorten der nummerierten Leuchttürme.

Es ist ein interessantes und eindrucksvolles Bilderbuch mit Geschichten, das einen guten Einblick in einen Beruf bietet, der schon fast verschwunden ist.

Bewertung vom 23.10.2019
Vorbilder mit und ohne Heiligenschein
Putz, Gertraud

Vorbilder mit und ohne Heiligenschein


ausgezeichnet

Ein Kalenderbuch mit 424 interessanten Personenbeschreibungen aus der ganzen Welt

Schon die äußere Aufmachung des Buches - Hardcover mit Lesebändchen – deutet darauf hin, dass es ein Gebrauchsbuch sein soll. So finden sich dann auch auf den ersten Seiten Monatskalender. Auf der linken Seite die Tage mit den Geburts-, Gedenk- oder Sterbedaten jener Personen, die im Buch beschrieben werden. Auf der rechten Seite werden die Zeilen weitergeführt und man kann darin eigene Einträge vornehmen.

Nach einer mehrseitigen Einführung der Autorin werden 424 Persönlichkeiten von einst und jetzt aus Ländern rund um den Erdball kurz oder länger vorgestellt. Jede Personenbeschreibung beginnt mit dem Namen der Personen sowie Geburts- und Sterbedaten, darunter ein die Person charakterisierender kurzer Satz. Dann folgt die Beschreibung. Diese kann einmal nur einen Absatz, manchmal fast eine ganze Seite lang sein. Aber alle bieten einen Überblick über das Wirken und die Bedeutung dieser Personen.

Neben bekannten Persönlichkeiten finden sich auch Namen, die ich zum ersten Mal las, wie beispielsweise Anne de Xainctonge, Mary Wollstonecraft-Godwin, Ester Mujawayo oder Nadia Basee Taha. An meinem Geburtstag ist der Todestag von Friedrich von Bodelschwingh, ein deutscher Pastor im 19. Jahrhundert, der sich für Kranke und Arbeitslose einsetzte.

1532 Endnoten, sieben Seiten Literaturnachweise, eine Seite Abkürzungserklärungen sowie drei Seiten Personenregister, alle Seiten zweispaltig in Kleindruck, zeigen, dass die Autorin große Sorgfalt bei der Recherche aufgewendet hatte. Und noch eine interessante Übersicht hat die Autorin im Anhang zusammengestellt: eine Übersicht nach Themen, Auszeichnungen oder Kontinenten: Einsatz für Frauen, gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit, Opfer des Nationalsozialismus, Vorbilder nach Kontinenten gereiht, natürlich Heilige und Selige sowie andere Themen listen die entsprechend passenden Namen auf, um gezielter im Buch nachschlagen zu können.

Es ist ein Buch, in dem ich sicherlich immer wieder blättern und Neues lesen werde.

Bewertung vom 02.10.2019
Vergessen & verdrängt
Lux, Georg

Vergessen & verdrängt


sehr gut

Interessante, einige makabre Beiträge, aber gut geschrieben

Handelten die beiden ersten Bücher der beiden Autoren noch von vergessenen Paradiesen und „lost places“, also verlassenen Stätten, so beschäftigen sie sich in ihrem dritten Buch mit „dark places“, also dunklen Orten. Orte, an denen Grauenhaftes geschehen ist oder die in einem eigenartigen Besucher-Trend liegen.

Die Orte handeln u. a. vom Teufel, einem Giftmord, einem ehemaligen Schlachthof, Mumien, einer psychiatrische Klinik, dem einzigen KZ auf italienischem Staatsgebiet, einem „kopflosen“ Adelsgeschlecht, einem Totentanz, einem von der Pest leergefegten Dorf und dem Zug von Marschall Tito, in dem sein Sarg durch Jugoslawien gefahren wurde.

Bei den einzelnen Beiträgen gibt es auch allgemeine Informationen rund um den Ort oder das Objekt sowie unter dem Titel „am Rande“ Sehenswertes in der Umgebung und Restauranttipps. Die Texte sind durchaus spannend geschrieben und informativ. So gibt beispielsweise der Beitrag über den Untergang einer deutschen Sprachinsel in der Gottschee (heute Slowenien) einen guten Überblick über die Gottscheer, die als Hausierer einst sehr bekannt waren. Auch die Beiträge über die Mumien in Venzone oder über das Feld der steinernen Linsen im Görtschitztal bieten viel Information. Die Bilder sind von sehr guter Qualität und aussagekräftig. Sie schildern, dass sogenannte „escape rooms“ ‚boomen‘. Dabei lassen sich Menschen gegen Bezahlung z. B. in einem ehemaligen Schlachthof einsperren, in dem literweise Kunstblut an die Wände gespritzt wurden. Wie überhaupt der Besuch von „dark places“ offenbar recht aktuell ist.

Doch es gibt auch Schwachstellen. Der Beitrag über die Vajont-Katastrophe in Longarone war bereits im ersten Buch zu finden. Der Beitrag über die Insel Poveglia in Venedig ist „Alpen-Adria“ grenzwertig und jener über die psychiatrische Klinik Mombello in Limbiate bei Mailand schon weit außerhalb des Alpen-Adria-Gebiets. Es mag natürlich sein, dass sonst das Buch zu schmal ausgefallen wäre. Aber solche „Füller“ irritieren mich immer.

Die beiden weisen in ihren Büchern immer darauf hin, dass viele Orte eigentlich nicht offen für Besucher sind, dass es an manchen Orten gefährlich sein kann (Ein- oder Absturzgefahr u. a.). Trotzdem betreten die beiden auch in diesem Buch z. B. die für Besucher gesperrte Insel Poveglia in Venedig. Mit diesem Buch tragen die beiden aber auch dazu bei, das Interesse eines Besuches solcher verbotenen oder gefährlichen Orte zu wecken. Das finde ich jetzt weniger gut.

Das dritte Buch ist interessant, hat aber einige makabre Kapitel. Trotzdem finde ich, dass das Buch an sich gut recherchiert und geschrieben ist. Aber vielleicht sollte, wenn ein viertes Buch geplant ist, der Bogen der „Grauslichkeiten“ nicht überspannt werden.