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mosaik
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Neumarkt am Wallersee, Salzburg
Über mich: 
meine Leidenschaft gehört der Geografie, meine "zweite Heimat" war über Jahrzehnte Italien und alles rund ums Kulinarische interessiert mich immer. So versuche ich eben auf das eine oder andere Buch aufmerksam zu machen und hoffen, mit meinem Rezensionen ein wenig weiter zu helfen

Bewertungen

Insgesamt 417 Bewertungen
Bewertung vom 13.05.2022
Berghütten
Simon, Daniel; Herb, Armin

Berghütten


sehr gut

20 unterschiedliche Touren, weit verstreut in den Ostalpen

20 Touren in der Ostschweiz (3), Vorarlberg (1), Nordtirol (4), Osttirol (1), Salzburg (3) , Bayern (3), Südtirol (3) und im Trentino (2) haben die beiden Autoren in Beschreibungen und Bildern in diesem Buch dokumentiert.

In der Einleitung fehlt zwar in der Aufzählung der beschriebenen Touren das Salzburger Land, aber sie macht Lust auf genussvolle Touren und kulinarische Hüttenerlebnisse, auf prachtvolle Bergblicke und „glückliche Kühe“ (Zitat). Die Packliste für Tagestouren ist für noch nicht so erfahrene Mountainbiker sicherlich sehr hilfreich. Wenngleich sich aus eigener Erfahrung nicht alle an die von den beiden Autoren empfohlenen Verhaltenstipps für Mountainbiker im Gebirge halten, finde ich diese in einem Kasten hervorgehobenen Hinweise sehr gut.

Die Beschreibungen der einzelnen Touren sind so ausreichend, dass sich jeder Interessierte ein gutes Bild davon machen kann. Die Autoren verschweigen nicht, wenn es wo steil wird, zum Tragen des Rades kommt oder nur auf Schotter dahingeht. Dazu gibt es Höhenmeterprofile mit Angaben über Streckenlänge, Höhendifferenz, Schwierigkeitsgrad, Fahrzeiten mit MTB und mit E-MTB sowie detaillierte Angaben der Asphalt-, Radweg-, Schotter-, Waldweg- und Trail-Längen innerhalb einer Tour. Eine Orientierungskarte (Ausschnitte aus Karten) geben einen Überblick. Abgerundet werden diese Angaben durch einen ganzseitigen Infoblock mit den beschriebenen Hütten, über die „Bike-Region“, den Tour Charakter, Tourstartpunkt, Varianten, weitere Einkehrtipps, Bike-Verleihmöglichkeiten, geführte Touren, Bike-Hotels, empfohlene Landkarten und Touristeninformations-Adresse.

Die Bilder ergänzen recht anschaulich das Geschriebene, zeigen Ausblicke, Wegbeschaffenheit, Hütten und Landschaft. Die Bilder sind durchwegs von guter bis sehr guter Qualität. Am Ende des Buches findet sich ein Hinweis, wo man die GPS-Daten für die Touren herunterladen kann.

Manchmal äußern die Autoren leise Kritik an Mountainbike-Fahrverboten oder über zu wenige Strecken, wie beispielsweise bei der Tour am Rande des Berchtesgadener Nationalparks. Das ist eben ihre Sichtweise, Wanderer, Grundbesitzer und Naturschützer werden es wohl anders sehen. Aber ansonsten sind die Texte sehr neutral und nicht fanatisch gehalten. Mir persönlich gefällt es nicht so, wenn ich sehe, wie da über Wurzelstock-Waldböden geradelt wird oder auf schmalen Wanderwegen um Felsblöcke herum mit dem unvermuteten Auftauchen eines Radfahrers zu rechnen ist. Bei einem Bild bei der Singletrailtour Stafelalp in Davos musste ich schmunzeln: Es zeigt einen steil ansteigenden, unterhalb eines Grads entlang verlaufenden schmalen Wanderweg, an dem sich die Biker „oben“ anstellen und warten müssen, bis „unten“ quasi der „Auslauf“ frei wird. Wanderer kämen ohne Probleme aneinander vorbei. Das sind dann die „Trails“, von denen die beiden Autoren im Buch schwärmen.

Bewertung vom 08.05.2022
Der Perchtweg
Limpöck, Rainer

Der Perchtweg


sehr gut

Eine Wanderwegbeschreibung aus der Sicht eines Schamanen mit Besichtigungsvorschlägen

Das 10,5 × 14,8 × 4 cm Format mit 88 Seiten passt sicherlich in jede Tasche und bietet eine Orientierung bei einer rund 59 Kilometer langen Wanderung rund um den Untersbergstock, einen Gebirgsstock, der sich zu einem Teil im deutschen Berchtesgadner Land und zum anderen Teil im österreichischen Salzburger Land erhebt.

Der Autor, der sich seit Jahrzehnten als Alpenschamane mit dem Untersberg und seinen Phänomen beschäftigt, bietet eine Wanderung in drei Etappen an, die man in drei bis sieben Tagen unternehmen kann. Sie führt am Fuß des Berges entlang zu Kult- und Kraftplätzen, Quellen und Kirchen. Limpöck zitiert Konfuzius mit dem Satz „Der Weg ist das Ziel“ und so liest sich auch das Buch. Limpöck weist immer wieder an Orten darauf hin, dass der Wanderer – Limpöck nennt ihn Pilger - sich zum Verweilen Zeit nehmen soll. Er gibt in einem einleitenden Kapitel Hinweise, was man beim Verweilen tun könnte: Steinwesen kontaktieren, Steinmandln setzen, Steinkreise besuchen, durch Spaltfelsen schlupfen, den Quellen und Bächen zuhören, Bäume umarmen und Höhlengeister kontaktieren.

Die einzelnen Wegabschnitte sind übersichtlich und ausreichend beschrieben, eine gute Wanderkarte sollte dennoch mitgeführt werden. Eingangs der Kapitel werden Varianten, ungefähre Gehzeit, Länge der Etappe, Höhenmeter und Stationen, die man besuchen sollte, aufgezählt. Es gibt jeweils eine grobe Übersichtskarte und am Kapitelende Einkehr- und Übernachtungshinweise. Limpöck spart nicht mit Hinweisen, wo man vorsichtig sein sollte oder besser nicht geht, wo man vor Betreten eines Grundstücks den Besitzer fragen sollte, wo man ein besonderes Naturerlebnis genießen kann, was man besichtigen kann und beschreibt die Wegbeschaffenheit.

Es sind aufgrund der Kleinheit des Büchleins nicht umfangreiche Informationen, doch ausreichend und Limpöck verweist auf seine Bücher, wo man nachlesen kann.

Bewertung vom 07.09.2021
Die Villen vom Ausseerland
Arnbom, Marie-Theres

Die Villen vom Ausseerland


ausgezeichnet

Interessante jüdische Familiengeschichten im Zusammenhang mit Hausgeschichten

Viel treffender als Titel für dieses Buch wäre sein Untertitel – wenn Häuser Geschichten erzählen. Wobei nicht die Geschichten der Häuser das Buch so spannend machen, sondern die Geschichten ihrer Bewohner. Die Autorin schreibt dazu in ihrem Vorwort „Das Ausseerland ist geprägt von starken Frauen: frühe Frauenrechtlerinnen und Schriftstellerinnen, Studentinnen und Schauspielerinnen, Salondamen und Reformpädagoginnen. Sie alle zeigen eines: Sommerfrische ist weiblich“.

Es sind also Lebensgeschichten von überwiegend Frauen, die entweder ihre Sommerfrische im Ausseerland verbracht hatten oder dort wohnten. Arnbom belebt diese Erzählungen mit zeitgenössischen Zeitungszitaten und mit vielen wirklich interessanten historischen Bildern, die ihr aus privaten Archiven zur Verfügung gestellt wurden.
Manche Frauennamen ziehen sich wie ein roter Faden durch das Buch. Eine dieser Personen ist Eugenie Schwarzwald, eine große Pädagogin, die dem autoritären Schulsystem um 1900 eine völlig neue Schul-„Erziehung zum Glück“ gegenüberstellt. In den Sommern bot sie mit ihrem „Erholungsheim Seeblick“ am Grundlsee die Möglichkeit der Sommerfrische für „schaffende, strebende und strebernde Kapazitäten“ – ein intellektueller Treffpunkt im Ausseerland. Geführt wurde der Seeblick von Marie Stiasny, die eine unersetzbare Seele und ein guter Geist des Hauses war. Beide Biografien, jene von Eugenie Schwarzwald und Marie Stiasny stellen zwei faszinierende Beiträge von modern denkenden Frauen zwischen 1900 und 1938 dar. Sie geben, wie viele andere Beiträge in diesem Buch, einen Einblick in die friedliche Gesellschaft und glückliche Zeit der Sommerfrische im Ausseerland vor dem grausamen und alles zerstörenden Hitler-Regimes.

Die Geschichten dieser Personen und ihrer Familien fließen in die Geschichten ihrer Häuser ein. Ein Beispiel wäre der Kais. Rat Dr. Josef Schreiber (* 1835; † 1908 in Bad Aussee), Obmann der Kurärztevereinigung und Ehrenbürger von Bad Aussee. Zunächst errichtete er eine Villa in Aussee, wo er wenige Meter von seiner Villa entfernt ein Sanatorium bauen ließ und neben seiner Villa später auch noch die „Cur- und Wasserheilanstalt Alpenheim“. Seine Frau Clara war eine frühe Frauenrechtlerin, seine Töchter Adele Schriftstellerin, Ida betrieb in Wien ein Sanatorium und Lilli, verh. Baitz, war eine gefeierte Schaufenster-Designerin, die vor allem mit Motiven aus ihren Kindheitserinnerungen im Ausseerland und aus Märchen bis nach Amerika bekannt wurde.

Viele der Häuser und Villen, über die Arnbom in ihrem Buch schreibt, existieren heute nicht mehr, manche bestehen noch fast im Original, andere wurden umgebaut oder es stehen noch Teile von ihnen. Das Buch ist eine geschichtliche Fundgrube und Spurensuche in einer Ecke Österreichs, die auch als der geistige Geburtsort der Salzburger Festspiele gilt. Marie-Theres Arnbom schildert in angenehm politisch-geschichtlich neutral gehaltenen Beschreibungen Haus- und überwiegend jüdische Familiengeschichten. Ein empfehlenswertes Buch.

Bewertung vom 27.05.2021
100 x Österreich
Spera, Danielle

100 x Österreich


ausgezeichnet

Vielseitige interessante Geschichten: Ohne Juden wäre Wien nicht das heutige Wien geworden

Über 250 Seiten geballte Geschichte und Information über das Judentum in Österreich, vor allem in Wien. In den 1920er-Jahren lebten 1,9 Menschen in Wien, wovon mehr als 200 000 Juden waren. Die drittgrößte jüdische Gemeinschaft in Europa hatte sich in der Gesellschaft etabliert. In vielen Bereichen wie in der Medizin, als Rechtsanwälte, in Forschung, Wirtschaft und sehr stark in der Kunst und Kultur, prägten diesen Menschen die Stadt Wien, ihre Geschichte und Kultur – in fast jedem Kapitel erfährt der Leser von Bauten, wissenschaftlichen Entdeckungen, Kunstwerken, Musikstücken, Filme u. a., der Schöpfer dem Judentum angehörten. Wien ohne Juden wäre heute wohl nur die halbe Stadt.

Die Autorin führt den Leser in den ersten Kapiteln in die Geschichte der Juden in Wien ein. Geliebt und gehasst, als Geldgeber für Kaiser geholt, von der Wiener Neidgesellschaft verjagt oder in isoliert, durch ihre Salonkultur Wien im 19. Jahrhundert zur Weltstadt gemacht und vieles mehr. Immer wieder gibt es Kapitel, die den Leser mit der Kultur und der Religion dieses Volkes vertraut machen, immer in Verbindung mit Österreich, meist mit Wien, so beispielsweise über Mikwaot, Orte der spirituellen Reinigung (Bäder). Eigentlich müsste ich hier zumindest 50 bis 60 Themen anführen, um die Vielfalt der Beiträge zu illustrieren, belasse es aber mit Beispielen wie den Geschichten der Familien Rothschild und Ephrussi, die Entstehung der Wiener Kaufhäuser, der Ottakringer Brauerei oder des Wiener Prater durch jüdische Geschäftsleute, über jüdischen Humor und Hollywood-Größen, die Wiener Cafés und die Salzburger Festspiele, gegründet durch Hugo von Hofmannsthal, das Jüdische Museum, die Tante Jolesch oder Jiddisch im Wienerischen von Arik Brauer (Beisl, Haberer …).

In sehr sachlicher und emotionsfreier Art erwähnt Spera die schäbige Haltung Wien gegenüber Juden zu allen Zeiten. So sollte etwa der Besitzer einer Villa, der 1938 fliehen musste, der Stadt Wien die Grundsteuer bis 1945 nachzahlen, dann bekäme er seinen Besitz wieder zurück. Der Besitzer jedoch schenkte die Villa dem Staat Israel, der darin seine Botschaft in Wien einrichtete.

Das Wiener Fiakerlied geht auf Gustav Pick zurück, Fritz Löhner-Beda schrieb die Texte zu viele Operetten wie beispielsweise „Das Land des Lächelns“ oder Schlager wie „In der Bar zum Krokodil“. Mehr als dreitausend jüdische Kinder konnten zu Beginn der nationalsozialistischen Herrschaft durch Kindertransporte in europäische Länder gerettet werden – ein berührendes Beispiel zeigt die Autorin anhand der Schachtel für Lilly Bial, gefüllt mit deren Lieblingsgegenständen. Lilly Bial überlebte in Großbritannien.

Jedes Kapitel umfasst in der Regel zwei Seiten und ein Bild, manchmal auch etwas länger. Grundlegende Begriffe im Judentum werden am Ende des Buches erklärt, gefolgt von einem umfangreichen Literaturverzeichnis und Namensregister. Ein Buch, das den Leser bewegt, gleichzeitig informiert über Vergangenes und Gegenwärtiges. Ich finde, es bietet einen ausgezeichneten Einblick in das Judentum, wenngleich natürlich Danielle Spera anfangs schrieb, dass die 100 Themen von ihr subjektiv ausgewählt wurden (und wohl noch um 100 ergänzt werden könnten).

Bewertung vom 27.05.2021
Wiener Parkgeschichten
Hlavac, Christian

Wiener Parkgeschichten


sehr gut

Viel Geschichte über mehr und weniger bekannte Parks mit etlichen historischen Aufnahmen

25 Wiener Parkanlagen werden vom Gartenkunstexperten Hlavac näher beschrieben. Hlavac zitiert eingangs des Buches den bengalischen Dichter und Philosophen Rabindranath Tagore (* 1861; † 1941): „Dumme rennen; Kluge warten; Weise gehen in den Garten.“ Wenn ich nach Wien komme, besuche ich gerne Parks. So war ich an einem sonnigen Frühlingstag vor einigen Jahren im Kurpark Oberlaa, der auch in diesem Buch beschrieben wird.

Jeder Park-Artikel beginnt jeweils mit der Geschichte und endet mit der heutigen Nutzung. Dabei erfährt der Leser allerlei Unterhaltsames und Interessanten: Von weidenden Kühen in der Parkanlage des Schlosses Belvedere, wo auch Tonnen von Gemüse angebaut wurde, von einem Park, in dem ehemals ein Flugzeughangar stand, der später als Hallenbad mit Schiebetüren verwendet wurde, von einem österreichischen Kaiser, der „nebenberuflich Gärtner“ im Burggarten war, in welchen Parks sich der „Schmierfink“ Joseph Kyselak verewigte, von Klein-Venedig im Prater, dass im Donaupark der Donauturm für die Gartenschau „WIG 1964“ errichtet wurde, aber nicht rechtzeitig fertig wurde und viele andere Details. Überhaupt ist das Lesen der Park-Geschichten auch ein Gang durch die Wiener Geschichte. So erfährt der Leser beispielsweise, wie Maria Theresia in den Besitz des Schlosses Hof im Marchfeld kam.

Wertheimsteinpark und Rothschildpark in Döbling, Schloss Laudon und Umgebung in Penzing oder ein „verschwenderischer Schlosspark“ in Pötzleinsdorf sind Beispiele für vielleicht weniger bekannte Parks. Ein umfangreiches Literaturverzeichnis und ein ebenfalls langes Namensregister ergänzen dieses mit 240 Seiten und vielen Bildern, teilweise historischen Aufnahmen, abwechslungsreiche Buch. Ich kann mir vorstellen, dass sogar für Wiener noch Neues in diesem Buch zu lesen ist.

Bewertung vom 26.05.2021
Europa
Edwards-May, David

Europa


sehr gut

Praktischer Überblick ohne zu viel ins Detail zu gehen

Der Autor, David Edwards-May, ist ein international anerkannter Berater, Kartograf, Verleger und Autor für die Entwicklung von Wasserstraßen. Seine Werke sind stets sehr gut recherchiert. In diesem Fall handelt es sich um eine große beidseitig bedruckte und herausnehmbare Faltkarte, die auf der einen Seite eine Gesamtübersicht der europäischen Wasserstraßen im Maßstab 1:3,800.000 und auf der anderen Seite alle Wasserwege im zentralen Teil Europas im Maßstab 1:1,500.000 zeigt. Beide Karten geben eine eindrucksvolle Übersicht über die Vielfalt und Verbundenheit europäischer Wasserwege.

In dem Beiheft werden auf 62 Seiten mit 77 Bildern von 34 europäische Länder deren Wasserwege kurz vorgestellt. Am Beginn des Beihefts geben einige Beiträge interessante Einblicke in die aktuelle Lage zu den Themen „[Wasserwege]Politik der Europäischen Union“, „Internationale Übereinkommen“, „Historische Kanäle“, „Internationale Körperschaften“ sowie unter dem Titel „Auf großer Fahrt“ europäische Vorschriften bzgl. Bootsgröße, technische Anforderungen und internationales Befähigungszeugnis.

Bei den einzelnen Ländern variiert der Seitenumfang je nach Größe des Wasserwegenetzes. Bei Großbritannien sind es z. B. 4 ½ Seiten, die einen ausführlichen geschichtlichen Rückblick, einen Kartenausschnitt der „Birmingham Canal Navigations“ mit eingezeichneten Schleusen, eine Übersicht über Adressen regionaler Schifffahrtsbehörden, nationale Verbände und Beratungsgremien sowie Internet-Adressen von Restaurierungsvereinen und -stiftungen bieten. Eine Übersicht der Erweiterung der Klassifizierung der Wasserstraßen sowie eine Karte des europäischen Binnenwasserstraßennetzes für die Sport- und Freizeitschifffahrt beenden das Beiheft. Die Bilder zeigen häufig interessante Schleusen oder Eindrücke von Kanälen, wie beispielsweise das Titelbild. Es zeigt einen Wasserweg in Frankreich.

Interessant ist u. a. zu lesen, dass die EU seit rund 20 Jahren den Ausbau von Wasserwegen unterstützt und mittlerweile einige imposante technische Meisterwerke von Schiffshebewerken entstanden sind. Beiheft und Karten bieten eine gute Übersicht über die Möglichkeiten sich in Europa auf Wasserwegen fortzubewegen. Sie sind sicherlich eine gute Hilfe für die Auswahl von Urlauben auf europäischen Wasserstraßen. Ergänzend dazu gibt es dann detaillierte Länderwasserstraßenführer im Buchhandel.

Bewertung vom 26.05.2021
Essig natürlich vergoren
Buchart, Karin

Essig natürlich vergoren


ausgezeichnet

Sehr viel Wissenswertes und fast 100 Seiten Essigrezepte

Karin Buchart ist eine versierte Fachfrau in Belangen der traditionellen Heilkunde und beim Lesen ihrer Bücher merke ich stets, dass sie aus der Praxis berichtet und nicht nur irgendetwas abschreibt. So auch in diesem Buch über Essig. Essig an sich ist ja ein uraltes Hausmittel, das beispielsweise die römischen Legionäre zusammen mit Wasser als Erfrischungsgetränk bei sich trugen und im Mittelalter bei Pestausbrüchen zur Reinigung eingesetzt wurde.

Das mit ansprechenden Bildern von Michael Brauer und Illustrationen von Anna Frohmann bereicherte Buch bietet eine Fülle an praktischen Informationen. Buchart beginnt mit der Erklärung der verschiedenen Essigqualitäten (acht Seiten); es folgt ein Kapitel über Gärungsessig von Hand gemacht (zwölf Seiten), gesundheitliche Wirkungen von Apfelessig im Körper (zehn Seiten), Essigauszüge und Essigzubereitungen von Hand gemacht (zehn Seiten), Anwendungsmöglichkeiten von Essig (von morgendlichem Essigwasser über Sauerhonig und Inhalationsessig bis zum Essigwinkel, elf Seiten), Experimente mit Essig – z. B. Enzym- oder Rhabarber-Essig-Experiment (sechs Seiten) und schließlich fast 100 Seiten Essigrezepte (von Essigauszügen über „Shrubs“ und in Essig einlegen bis zum Reinigen und Waschen mit Essig).

Gerade bei den Rezepten finden sich die unterschiedlichsten Vorschläge, beispielsweise Bärlauchblütenessig, Gundelrebenessig als Gesichtswasser, Erdbeer-Minz-Essig, Essigschokolade, Tomaten-Zimt-Weißweinessig, Knoblauchessig, Karotten-Ingwer-Shrub, Grüntee-Essiglimonade, Posca, ein Getränk aus der griechisch-römischen Antike, Kapuzinerkresse-Kapern oder Venenwickel.

Vor allem die Vielfalt der Rezepte macht dieses praktische Buch zu einem ständigen Nachschlagewerk. Verständlich geschrieben mit allem Wissenswerten über Zubereitung und Anwendung finde ich dieses Buch ausgesprochen gut gelungen.

Bewertung vom 12.05.2021
Julius Payer
Berger, Frank

Julius Payer


ausgezeichnet

Umfassendes Portrait einer stets nur als Polarforscher dargestellten Persönlichkeit

Der österreichische Alpenverein schrieb 2015 nach dem Erscheinen dieses Buches „… über den kühnen Bergsteiger, der auch als Nordpolfahrer und als Maler Berühmtheit erlangte…“ Dieser Satz bringt das Leben auf den Punkt und zeigt auf, dass Payer „nicht nur Nordpolfahrer“ war. Liest man dieses spannende Buch, so erfährt man, dass er zwischen 1864 und 1868 als Kartograf und Erschließer der Adamello- und der Presanella-Alpen sowie des Ortlergebiets mit über 70 Gipfelbesteigungen, darunter 38 Erstbesteigungen, einer der bedeutendsten Alpinisten in Südtirol und im Trentino war. Von 1876 bis zu seinem Tod, 1915, widmete er sich aber dann der Malerei. Nur wenige Jahre, nämlich von 1869 bis 1874 war er drei Mal bei Expeditionen im Nordmeer dabei. Mit der „Österreich-Ungarischen Nordpolarexpedition“ von 1872 bis 1874, bei der das Franz-Josefs-Land entdeckt und erforscht wurde, erlangte Payer internationale Bekanntheit. Die Eindrücke, die er bei dieser Expedition sammelte, flossen in seine monumentalen Historienbilder ein, die ihm zu weiterem Ruhm verhalfen. Er selbst wendete sich dann schon bald von der Polarforschung ab. Er soll sogar später einmal gesagt haben, als man ihm einen Bericht einer Expedition zeigte, dass ihn dies nicht mehr interessierte.

Rund 50 Seiten über seine alpinistischen Erfolge, rund 80 Seiten über seine Nordpolarreisen und rund 120 Seiten über sein Leben als Maler, seine Ehe, aus der er Hals über Kopf ausbrach und seine letzten Lebensjahre, auf einem Auge blind und letztlich auch der Verlust der Sprache, beschreiben die Schwerpunkte seines Lebens. Berger erläutert in einem eigenen kurzen Kapitel, welcher Quellen und Hinweise er sich bediente, um dieses hervorragend recherchierte Buch zu schreiben. Zwei Seiten Erklärungen über im Buch abgekürzte zitierte Literatur, 1 ½ Seiten Literaturhinweise über Payer, ein Verzeichnis an Danksagungen und eine ganze Seite detailliertes Abbildungsverzeichnis untermauern diese durchaus wissenschaftliche Arbeit.

Der Autor schildert alle Ereignisse so ausführlich wie sie noch gut lesbar und so kurz wie zum Verständnis notwendig sind. Und genau dieser Stil macht dieses Buch so interessant und lesenswert. Er räumt auch mit der Vorstellung auf, dass Julius Payer nur ein Held war. Mit seinem sofortigen Ausschneiden aus dem österreichischen Militär, dem er seit 1857 angehörte, nach Rückkehr der Österreich-Ungarischen Expedition 1874 wollte er einem drohenden Militärverfahren wegen unehrenhaftem Verhalten während der Expedition zuvorkommen. Wer am Scheitern seiner Ehe schuld war lässt sich nicht eindeutig sagen. Bei den arktischen Unternehmungen fiel den Offizierskollegen seine schwer erträgliche Arroganz auf. Nach seiner Reise zum Franz-Josef-Land stritt er mit dem Kommandanten des Expeditionsschiffs und der Expedition, Carl Weyprecht, darüber, wem der Erfolg gebührt. Mit jenem Mann, der ihn als Journalist seiner alpinistischen Beiträge früh förderte und für die Nordpolarreisen vorschlug, brach er im Streit. Seine Frau, die er des Geldes wegen heiratete, warf er vor, sie wäre schuld gewesen am Verlust seines Auges und ließe ihn nicht Herr im Haus sein. Im Alter haderte er über den Undank Österreichs.

Das Buch schildert aber nicht nur Fakten, sondern bringt auch Brief- und Artikelauszüge, zahlreiche Abbildungen, darunter Portraits, Zeichnungen und Gemälde aus der Berg- und Polarwelt, historische Dokumente u. a. Es gibt einen umfassenden Einblick in das interessante Leben dieses Bergpioniers, Polarfahrers und Historienmalers.

Bewertung vom 04.05.2021
Wozu ein Himmel sonst?
Dyhrenfurth, Norman G.

Wozu ein Himmel sonst?


ausgezeichnet

Das Buch ist von der ersten bis zur letzten Seite spannend

Norman Dyhrenfurth schildert in diesem Buch Erlebnisse von seinen drei wichtigsten Expeditionen: Von der Schweizer Everest-Expedition im Herbst 1952 (24 Seiten), die den Grundstock für die im darauffolgenden Jahr erfolgreiche Erstbesteigung durch eine britische Expedition legte; von der internationalen Himalaya-Expedition 1955 zum Lhotse, deren Erfolg durch einsetzende Winterstürme misslang (50 Seiten) und über die erfolgreiche amerikanische Everest Expedition 1963 (39 Seiten), bei der Dyhrenfurth selbst bis auf 200 Meter unter den Gipfel gelangte.

Es ist faszinierend den spannend beschriebenen Ereignissen im Buch zu folgen. Der Leser erhält eine Vorstellung davon, unter welchen Bedingungen sich die Bergsteiger den Gipfeln näherten. Unvorstellbar sind die Strapazen, die sie dabei auf sich nahmen. Sauerstoffmangel, Eisbrüche, orkanartige Stürme, Erschöpfung, Kälte und gleichzeitig Lasten von bis zu 25 Kilogramm auf dem Rücken – das Buch ist von der ersten bis zur letzten Seite spannend. Es ist aber nicht überfrachtet mit zu vielen Details oder etwa langatmigen Passagen. Dyhrenfurth beherrscht es seine Leser mitzunehmen, ihnen seine Gefühle und die Landschaft so zu schildern, dass es nie langweilig wird.

Natürlich habe ich mich mehr als nur einmal beim Lesen gefragt, warum Menschen bis an ihre psychischen und physischen Grenzen gehen, nur um „einen Berg“ oder „einen Grat“ zu erklimmen. Das werden wohl nur Bergsteiger verstehen können. Aber es bleibt auf jeden Fall meine Hochachtung vor den Leistungen dieser Alpinisten. Auf Bildlegenden bei den eindrucksvollen Bildern aus dem Himalaya wurde verzichtet, weil die Original-Dias unbeschriftet sind. Sie stammen von der ersten und dritten beschriebenen Expedition. Ein ausgesprochen gutes Buch.

Bewertung vom 21.04.2021
Nationalpark Hohe Tauern
Schaber, Susanne

Nationalpark Hohe Tauern


ausgezeichnet

Ein außergewöhnliches Buch, das Persönlichkeiten aus und den Nationalpark eindrucksvoll präsentiert

2021 vor 50 Jahren wurde von den Landeshauptleuten der österreichischen Bundesländer Kärnten, Salzburg und Tirol die Erklärung zur Errichtung des Nationalparks unterzeichnet, vor 40 Jahren setzte Kärnten als erstes Bundesland diese Erklärung um, 1984 folgte Salzburg und vor 30 Jahren Tirol und 2021 findet der 20. Jahrestag der Anerkennung durch die internationale Weltnaturschutzorganisation IUCN statt. Diese vier waren der Anlass, dass der Tyrolia Verlag Innsbruck einen Bildband über dieses größte Schutzgebiet der Alpen herausbrachte. Und was für einen!

Beim Anblick der Aufnahme der Jagdhausalm im Defreggental fühlt man sich ins tibetische Hochland versetzt, die doppelseitige winterliche Aufnahme des Hohen Sonnblick lässt den Betrachter leicht erschaudern, wenn er daran denkt, dass auf diesen fast 90 Grad steilen Gipfel eine Seilbahn führt. Denn dort oben befindet sich Europas älteste durchgehend besetzte Gipfelwetterwarte und mit knapp unter 3 106 m ü. A. ist es auch das höchst gelegene Observatorium Europas. Das ist der Arbeitsplatz Elke Ludewig, der Leiterin des Observatoriums, den Schaber in ihrem Beitrag beschreibt.

Und damit bin ich beim zweiten Teil des spannenden Bildbandes, dem Textteil. In acht von neun Kapiteln stellt Susanne Schaber sprachlich ausgesprochen gut geschrieben, interessante Personen und deren Tätigkeiten im Nationalpark vor. Neben der Meteorologin werden u. a. ein Geologe, ein Bergführer und Bergretter sowie der „Herr über vier charakterstarke, eigenwillige Burschen“, Peter Embacher, Werkstättenleiter bei der Großglockner Hochalpenstraße und seit über 40 Jahren Leiter der alljährlichen Schneeräumung der Straße vorgestellt; mit seinen „vier Burschen“, betagte Wallack-Rotations-Schneefräsen. Herbert Raffelt zeigt in diesem Beitrag u. a. mit einem eindrucksvollen Bild, welche Schneehöhen an dieser hochalpinen Panoramastraße noch im April liegen können und wie sich die „die vier Burschen“ Meter für Meter durch den Schnee fräsen.

Wenn Schaber in ihrem Beitrag über den Nationalpark-Ranger Emanuel Egger schreibt, dass er im Nationalpark wurzelt, dann bestätigt das auch das Bild von ihm, das Raffelt vor dem Hintergrund der Venedigergruppe geschossen hat. Und so setzt es sich im Buch fort: Spannende Geschichten mit viel Information und dazu absolut sehenswerte Bilder. Die gigantische Bergwelt um den Krimmler Tauern türmt sich fast erdrückend über dem Ahrntal auf – das Bild visualisiert sehr eindringlich, welche Strapazen 1947 die mehreren Tausend Juden bei ihrer sogenannten „Krimmler Judenflucht“ auf sich nehmen mussten. Schaber beschreibt sich diese Geschichte näher.

Am Ende des Buches sitzt der Leser „mit langer Zunge“ da und hat nun noch auf gut 50 Seiten „die Qual der Wahl“ in einer Übersicht über Sehenswertes im Nationalpark und vier Mehrtagestouren.

Ein außergewöhnliches Buch, das durchaus bekannte Berge und Täler aus anderen Perspektiven zeigt, das über Menschen und ihre Arbeit in dieser einmaligen Bergwelt berichtet, spannend und vielfältig, das sicherlich nicht alles und jeden präsentieren konnte, aber am Ende ein umfassendes Bild des Nationalparks Hohe Tauern beim Leser hinterlässt!