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Benutzername: booklooker
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Bewertungen

Insgesamt 40 Bewertungen
Bewertung vom 06.12.2018
Lenz / Kommissar Eschenbach Bd.6
Theurillat, Michael

Lenz / Kommissar Eschenbach Bd.6


gut

Unterhaltsam aber wenig spannend

Ewald Lenz, hochintelligent, arbeitete im Polizeiarchiv der Schweizer Polizei. Seinen Freund, Kommissar Eschenbach versorgte er gelegentlich mit Informationen, die für die Polizei hilfreich waren.
Als Lenz nun selbst zum Verdächtigen wird und verschwunden zu sein scheint, schlägt Eschenbach sich auf seine Seite. Er ermittelt mit seiner Assistentin Rosa in einem brisanten Fall, der eigentlich der Einheit zur Terrorismusabwehr obliegt. Lenz wird vorgeworfen, sich gemeinsam mit zwei seiner früheren Studienkollegen terroristischer Vergehen schuldig gemacht zu haben.

Es ist ein eher ruhiger aber sehr politischer Kriminalroman, der sich unter anderem mit der Macht der Medien, mit den sogenannten 'Alternativen Fakten' bzw 'Fakenews' befasst und damit, wie sich politische Entwicklungen beeinflussen lassen.

Der Schreibstil des Autors ist unterhaltsam, wie auch der Aufbau der zwei Handlungsstränge. Erzählt wird abwechselnd aus Sicht von Lenz und Eschenbach. Die Erzählstränge werden am Ende gekonnt und sinnvoll miteinander verbunden.

Mir hat das Lesen zwar einige unterhaltsame Stunden beschert, der Funke hat jedoch nicht richtig gezündet. Die Figuren waren durchaus interessant, sogar sympathisch, hätten für meinen Geschmack aber ruhig etwas ausführlicher herausgearbeitet werden können. Der bei Lesern so beliebte Spannungsbogen gleicht eher einer verhaltenen Krümmung.

Dennoch ein guter, lesenswerter Kriminalroman.

Bewertung vom 06.12.2018
Sieben Tage Wir
Hornak, Francesca

Sieben Tage Wir


sehr gut

Familie- ein turbulentes Abenteuer

Sieben Tage mit der Familie könnten tatsächlich etwas lang werden. Nicht jedoch die sieben Tage in diesem Roman.

Olivia, Tochter und Ärztin in einem Krisengebiet in Liberia, kehrt zu Weihnachten heim um dieses Fest mal wieder im Kreise der Familie zu feiern. Da sie mit einem tödlichen Virus infiziert sein könnte, muss die komplette Familie Birch kurzerhand, aber geplant, in Quarantäne. Vater Andrew, Denker, Skeptiker und kolumnenschreibender Restaurantkritiker, Mutter Emma, die Adelige und alle Umsorgende und Tochter Phoebe, die Oberflächliche, das Fähnchen im Winde.
Die kurz vorher diagnostizierte Erkrankung von Emma, ein plötzlich auftauchender unehelicher Sohn und ein Verlobter, der sich seiner Gefühle für die Zukünftige nicht sicher ist, machen das Fest der Liebe und die Zeit der Besinnlichkeit bisweilen zu einem turbulenten Abenteuer.

Der Schreibstil ist gut lesbar.
Die Figuren haben alle einen unverwechselbaren Charakter - wobei mir Jesse etwas farblos bleibt - und machen im Verlauf der Geschichte eine schöne Entwicklung durch. Der Aufbau des Romans ist sehr übersichtlich.

Eine tolle Familiengeschichte für die kalte Jahreszeit. Ich fühlte mich zu jeder Zeit gut unterhalten, auch wenn die Story an manchen Stellen recht vorhersehbar war.

Bewertung vom 24.10.2018
Alchimie einer Mordnacht
Black, Benjamin; Banville, John

Alchimie einer Mordnacht


sehr gut

Detailverliebter Mittelalterkrimi mit Längen
Das Beeindruckendste an dem Roman 'Alchemie einer Mordnacht' von Benjamin Black ist zweifellos sein Schreibstil.

Er beschreibt alle Dinge, die Umgebung, die Charaktere und Empfindungen bis ins kleinste Detail. Als Leser geht man so neben Christian Stern durch das mittelalterliche Prag. Alles wirkt sehr lebendig aber der Preis dafür ist, dass der Fortgang der Geschichte seitenweise lahmgelegt wird. So dauert es nach dem ersten Wendepunkt, den die Figur Christian Stern mit dem Auffinden der Leiche der Jungfer Kroll erlebt, sehr lange, bis die Geschichte an Fahrt aufnimmt. Wenngleich die tollen Beschreibungen bemerkenswert sind, hätten sie für meinen Geschmack stellenweise etwas zurückhaltender eingesetzt werden dürfen. Wenn mit vielen Adjektiven gearbeitet wird UND nach der Prämisse "Show, don't tell" gearbeitet wird, ist das to much für mich.

Die gewählte Erzählperspektive finde ich wiederum sehr gelungen.
Banville wählt für seinen historischen Krimi die Ich-Erzählperspektive.
Der Erzählende (Christian Stern) blickt auf die Ereignisse, die sich im Winter 1599/1600 in Prag zugetragen haben zurück. Dabei spricht er den Leser immer mal wieder persönlich an, - ,,Urteilt nicht zu streng über mich. Ich war jung, kaltschnäuzig und zielstrebig..." - und gibt dabei auch preis, dass er zu der Zeit seines Rückblicks alt ist und an der Küste der Ostsee wohnt.

Die Geschichte an sich ist gut konstruiert und hat einige interessante Wendungen.
Insgesamt ein lesenswerter Krimi, der seine Längen hat.
Für Leser, die detaillierte, einfallsreiche Beschreibungen lieben, ein toller Roman.

Bewertung vom 23.10.2018
Hippie
Coelho, Paulo

Hippie


sehr gut

Paulo Coelhos autobiographischer Roman Hippie nimmt den Leser mit auf eine Reise durch verschiedene Länder, vor allem aber in das Seelenleben 'seiner' Figuren, zu einer Zeit, in der die sogenannte Hippie-Generation den Traum einer freieren, friedlicheren Welt träumte.

Paulo trifft in Amsterdam auf die junge Holländerin Karla. Diese hatte seit Tagen auf dem Dam auf eine männliche Reisebegleitung für ihre Reise im 'Magic Bus' gehofft und gewartet. Der Brasilianer Paulo scheint ihr der Richtige zu sein und so setzt sie alles daran, ihn für ihr Vorhaben zu begeistern.
Paulo, der zu dieser Zeit bereits auf - teilweise traumatische Erfahrungen als reisender Hippie - zurückblickt, lässt sich auf dieses Abenteuer ein. So besteigen sie im Jahr 1970 den Magic Bus, auf dessen Route (dem Hippie-Trail folgend) sie über Istanbul nach Kathmandu reisen wollen.

Paulo Cohelo erzählt diesen Roman in der dritten Person, um jeder Figur eine eigene Stimme zu geben. Die Beweggründe, die die Figuren haben, werden auf diese Weise sehr deutlich und der Leser bekommt einen umfassenden Zugang zu deren Seelenleben.
Letztlich treibt sie alle die Suche nach einem tieferen Lebenssinn an. Das gilt für Paulo und Karla, aber ebenso zum Beispiel für Jaques, der nach einer Nahtoderfahrung neu leben lernen will und auch für seine Tochter Marie, die sich nach Unendlichkeit sehnt.

Die eigentliche Reise, also das Fortbewegen einer Person von A nach B spielt in diesem Roman eine untergeordnete Rolle. Vielmehr reisen die Figuren zum Kern ihrer selbst und machen während der Zeit Entwicklungen durch, die philosophischer, teils spiritueller Natur sind.
Am schönsten lässt sich das meiner Meinung nach an der Figur der Karla nachvollziehen, die auf diesem Weg die Liebe findet.

'Hippie' ist für mich eine schöne, wenn auch nicht immer kurzweilige Lektüre.
Mir gefielen viele seiner tiefsinnig beschriebenen Ausflüge in die menschliche Seele. An so mancher Stelle war mir das aber auch zu viel, wenn das was bereits gesagt war, wiederholt wurde.
Lesenswert ist der Roman in jedem Fall.

Bewertung vom 05.10.2018
Unverfrorene Freunde
Pütz, Klemens;Batarilo, Dunja

Unverfrorene Freunde


ausgezeichnet

Forschung aus und mit Leidenschaft

Es war mir eine große Freude, dieses wunderbare Buch über das Leben der Pinguine zu lesen.

Klemens Pütz (in Zusammenarbeit mit Dunja Batarilo) gelingt es, unter anderem durch seine sympathische Erzählweise, den Leser von Beginn an für seine Arbeit zu begeistern.
Durch seine mehr als 30jährige Erfahrung bei der Erforschung von Lebensraum und Lebensweise der liebenswerten Tiere, ist ihm das Schreiben eines authentischen Sachbuchs gelungen.
Er berichtet über die verschiedenen Pinguinarten und den damit einhergehenden Besonderheiten beim Nestbau, dem Balz- und Brutverhalten. Beim Lesen des gesamten Buches wird die Leidenschaft, mit der er Pinguinforschung betreibt - wozu ihn übrigens ein glücklicher Zufall brachte - überaus deutlich. Ihm liegen diese besonderen Vögel einfach am Herzen und er möchte sie schützen.
Er weist außerdem auf die sich von Jahr zu Jahr - oftmals zum Nachteil für die Tiere - verändernden Umweltbedingungen hin. Dies gelingt ihm jedoch ohne "erhobenen Zeigefinger".

Dieses Buch ist eine Bereicherung für all jene, die sich für unsere (Um)Welt interessieren. Nicht nur für Pinguinfans!

Bewertung vom 24.09.2018
Deutsches Haus
Hess, Annette

Deutsches Haus


ausgezeichnet

Absolut lesenswert!
Vorweg: Dieser Roman hat mich sehr bewegt!

Annette Hess schildert in "Deutsches Haus" den Prozessablauf des ersten Auschwitz-Prozesses im Jahre 1963 in Frankfurt. Dabei gelingt es ihr über die Protagonistin, die als Übersetzerin im Prozess fungiert, den Opfern eine eindringliche, unvergessliche Stimme zu geben. Zudem stellt sie sehr gekonnt die Persönlichkeitsentwicklungen der Figuren dar, die sich im Laufe des Prozesses vollziehen.

Die junge Eva Bruhns nimmt entgegen dem Willen ihrer Familie und ihres Verlobten, die Übersetzungstätigkeit im Prozess gegen die Kriegsverbrecher von Auschwitz an. Eva, die zuvor nie von Auschwitz gehört hatte, berühren die Schicksale der Opfer und die die zur Schau gestellte Ignoranz und Untätigkeit der Täter- und Mitwisser zutiefst (... "Was haben Vati und Mutti denn gemacht?" Eva antwortete: "Nichts." Wie sollte sie ihrem Bruder erklären, wie richtig diese Antwort war?).

Die charakterliche Entwicklung, die die Protagonistin dabei durchläuft - von der naiven Unwissenden zur selbstbestimmten, lebenserfahren wirkenden Frau - ist in beeindruckender Weise dargestellt.
Die Nebenfiguren und deren Motive sind stark herausgearbeitet. Jede Figur weckt Emotionen, jede Figur hat besondere charakterliche Eigenarten, Geheimnisse, Schwächen.

Die Frage, warum die Eltern, die ältere Schwester und ihr Verlobter
gegen Evas Beteiligung am Prozess sind, wird im Laufe der Geschichte klar. Die Konflikte der Figuren werden nach und nach immer deutlicher.

Für mich ein besonderer Roman. Durch den Schreibstil der Autorin werden Emotionalität und Sachlichkeit in bemerkenswerter Art und Weise miteinander vereinigt. Auf sehr eindrückliche Weise wird Spannung aufbaut und gehalten. Ich konnte das Buch nicht aus den Händen legen.

Auch, für denjenigen, der sich mit der Deutschen Geschichte hinreichend vertraut wähnt, ein absolut lesenswerter Roman, der mitreißt und nachdenklich zurücklässt.

Bewertung vom 16.09.2018
Das Vogelhaus
Meijer, Eva

Das Vogelhaus


sehr gut

Bunte Vogelwelt - triste Figuren
Das Leben der Len Howard, einer britischen Musikerin und Naturforscherin, inspirierte die Autorin Eva Meijer zu diesem Roman. Durch sie wird eine relativ unbekannte Vogelkundlerin (hoffentlich) nochmals etwas Beachtung finden, denn ihr Wirken auf dem Gebiet der Vogelkunde war einzigartig.

Gwendolen Howard widmete ihr Leben zunächst der Musik, dann - in ihrer zweiten Lebenshälfte - der Verhaltensforschung der Vögel. Dazu erwarb sie im Jahr 1938 ein Haus in Südengland - "Das Vogelhaus", welches sie mit ihren gefiederten Freunden teilte. Sie dokumentierte deren Verhalten und schrieb schließlich erfolgreich Artikel für eine Zeitschrift und veröffentlichte Bücher. Ihre Forschungsmethode war einzigartig, da sie im Einklang mit den Vögeln und der Natur stand.

Der Roman ist schön gegliedert und weitgehend chronologisch geschrieben. Die einzelnen Kapitel sind mit dem jeweiligen Jahr überschrieben und zwischen den Kapiteln steht der als "Sternchen" gekennzeichnete Bericht über die Beobachtungen der Vögel.
Es ist ein ruhiger Roman über eine interessante Lebensgeschichte.

Leider bleiben die Charaktere - auch der der Hauptfigur - für meinen Geschmack etwas farblos. Emotionen konnten sie bei mir nicht hervorrufen, obwohl auch einige Nebenfiguren schwere Schicksale zu verkraften hatten. Eine Identifikation fiel mir, vielleicht auch wegen der teilweise extrem großen Zeitsprünge schwer. (Ist in den 16 Jahren von 1921 bis 1937 nichts von Bedeutung im Leben von Len passiert?)
Der Teil, der ihr Leben in London beschreibt war für mich wiederum zu langatmig und ich konnte es kaum abwarten, dass Len endlich ihr "Vogelhaus" findet (da ist bereits die Hälfte gelesen) und das Buch das vielversprechende  Zusammenleben mit den Vögeln schildert. Dies zu lesen hat viel Spaß gemacht und davon hätte es ein wenig mehr sein dürfen!

Das Cover spricht mich an und die am Buchende abgedruckten Fotos finde ich sehr schön.

Insgesamt empfehlenswert!

Bewertung vom 11.09.2018
Die Welt war so groß
Jaffe, Rona

Die Welt war so groß


ausgezeichnet

Diese Neuauflage ist ein Gewinn!

Der Roman beginnt und endet im Jahr 1977.
Anlässlich ihres 20jährigen Collegejubiläums treffen die Absolventinnen Daphne, Annabell, Chris und Emily im Radcliff College aufeinander. Teilweise hatten sie sich aus den Augen verloren, teilweise haben sie eine 20 Jahre währende Freundschaft hinter sich.

1957 machen die 4 jungen Frauen ihren Abschluss, womit sich ihre Hoffnung auf eine erfolgreiche Collegelaufbahn für alle erfüllt. Was das Schicksal für sie in den folgenden 20 Jahren für sie alle bereithält - darum geht es in diesem Roman.
Konnten sie sich ihren Traummann angeln und entpuppte er sich dann auch als solcher? Konnten berufliche Ziele erreicht und Jugendträume erfüllt werden?

Rona Jaffe beschreibt in einer wunderschönen Erzählsprache die Entwicklung der Frauen, sowohl charakterlich als auch deren soziales Umfeld. Dabei sind alle Figuren so unterschiedlich und so gut herausgearbeitet, dass man mit jeder Einzelnen mitfühlt, sich vielleicht sogar in dem ein oder anderen Charakter wiedererkennen kann.
Es geht um das Frauenbild der 50er Jahre und dessen Wandel im Laufe der Jahre. Um die Stellung des Mannes innerhalb der Familie, um oberflächliche und tiefe Freundschaften, Sexualität, persönliche Geheimnisse und um all das was das Leben sonst noch so zu bieten hat.

Der Roman hat mich tief berührt und ich empfehle ihn gerne weiter. Schön, dass es diese Neuauflage gibt!

Bewertung vom 07.09.2018
Das rote Adressbuch
Lundberg, Sofia

Das rote Adressbuch


sehr gut

Mitreißend und spannend

"Hast du genug geliebt?"

Doris ist 96 Jahre alt und verfasst mithilfe eines Adressbuchs ihre Lebensgeschichte. Diese möchte sie ihrer amerikanischen Nichte Jenny - sie ist die Einzige, die ihr geblieben ist - hinterlassen.

Doris, die 1918 geboren wurde blickt auf ein bewegtes Leben zurück. Als Jugendliche verlässt sie Schweden und landet als Modell in Paris. Die Wirren des 2. Weltkrieges führen sie nach New York und von dort zurück nach Europa. Als der Krieg zu Ende ist, lebt sie wieder in Schweden und bleibt in ihrer alten Heimat. In ihrem Leben muss sie viele Verluste verkraften und Gewalt erleben. Am schmerzhaftesten ist der Verlust ihrer großen Liebe, der ihr Leben bestimmt und sie immer begleitet.

Die Kapitel sind mit den Namen der Menschen überschrieben, die Doris begegnet sind. Dadurch ist die Geschichte schön gegliedert - jedes mal, wenn der Name durchgestrichen ist, erfährt der Leser auch die Umstände des Todes dieser Person. Nach und nach lässt die Autorin so ein Doris Leben vor dem Auge des Lesers sichbar werden.

Es gibt jedoch Episoden, die sind mir zu vorhersehbar bzw. zu weit her geholt. Die immer wiederkehrenden Sätze, in denen erwähnt wird, wie schön Doris und Jenny sind - die ebenfalls gemodelt hat - waren mir zu viel.

Trotzdem ein schönes Buch für mitreißende und spannende Lesestunden welches sich gut lesen lässt.

3 von 3 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 04.09.2018
Das Flimmern der Wahrheit über der Wüste
Schwenke, Philipp

Das Flimmern der Wahrheit über der Wüste


sehr gut

Spannend und amüsant

Ich möchte vorausschicken, dass ich bislang keinen einzigen Roman Karl Mays gelesen habe. Lediglich die Winnetoufilme habe ich in meiner Kindheit gesehen, wohl deshalb, weil mein Vater ein Fan des Autors war.
Neugierig auf den Roman von Philipp Schwenke wurde ich durch den Klappentext, der eine amüsante Geschichte und Einblicke in die Biografie eines berühmten deutschen Schriftstellers verspricht und durch das toll gestaltete Cover.

Karl May, der seine Romane stets so verfasste, als hätte er die darin beschriebenen Abenteuer selbst erlebt, muss sich mit vielen Zweiflern auseinandersetzen. Vor allem die Presse mutmaßt, dass seine beschriebenen Abenteuer allesamt seiner Phantasie entsprungen sind. Da Karl dies vehement abstreitet, kommt es zu allerlei Verwicklungen.
Mit knapp 60 Jahren begibt er sich auf eine eineinhalbjährige Reise "zu seinen eigenen Abenteuern" und muss feststellen, dass er einem Kara Ben Nemsi nicht wirklich das Wasser reichen kann. Es geht auch um das Zusammenleben mit seiner Frau Emma und um ein "beste Freunde" Ehepaar, das eine große Rolle in Karl Mays Leben spielt.
Vor allem aber geht es um Wahrheiten, die ja oftmals im Auge des Betrachters liegen.

Die Kapitel wechseln zwischen den Erlebnissen auf seiner Reise und den Geschehnissen in seiner Heimat ab. Durch die Überschriften weiß man stets wo man sich in der Geschichte befindet.
Im Prolog wird aus Karls jungen Jahren berichtet, während es im Epilog um die Jahre geht, die sich an die Geschehnisse des Hauptteils anschließen.

Ich fand die Geschichte von der ersten bis zur letzten Seite spannend, amüsant, schön strukturiert und vor allem sehr unterhaltend.
Dies ist ein Verdienst der lockeren Erzählweise des Autors, der es versteht, den Leser - teilweise durch persönliche Ansprache - mitzureißen.

Die Charaktere, insbesondere der des Karl May, sind sehr gelungen dargestellt. Über seinen Hang zur Selbstüberschätzung musste ich mehr als einmal lachen - ein Charakterzug, den er mit seiner Frau Emma teilte.
Auch sämtliche Nebenfiguren - die realen, wie die phantasierten - sind sehr interessant und unterhaltsam.

Man muss kein Karl-May-Kenner oder -Fan sein, um diesen Roman zu mögen.

Ich wünsche Nick Hornby - und allen, die das Buch in englischer Sprache lesen möchten oder müssen -, dass der Brexit einer Übersetzung nicht im Wege steht.