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zu den Top-Rezensenten

Benutzername: Penelope
Wohnort: Koblenz
Über mich: Ich lese eigentlich alles, was Buchstaben hat und sofern der Covertext vielversprechend ist.
Danksagungen: 35 (erhaltene)


Bewertungen

Insgesamt 49 Bewertungen
Bewertung vom 25.10.2013
Astrid Lindgren
Dankert, Birgit

Astrid Lindgren


ausgezeichnet

Eine äußerst vielschichtige Biographie ! Birgit Dankert geht recht ausführlich auf die meisten Werke von A. Lindgren ein, gibt viele Hintergrundinformationen und lässt Pippi, die Kinder von Bullerbü, Michel aus Lönneberga, usw. dadurch in einem völlig neuen Licht erscheinen. Der Leser erfährt z.B. dass die Vorlage zu Pippis Limonadenbaum der Eulenbaum von A. Lindgren war, erfährt, was aus den Kinderschauspielern Pippi, Annika, Michel usw. geworden ist. Aber hauptsächlich gibt uns B. Dankert natürlich Einblick in Astrid Lindgren's Persönlichkeit, die viele Überraschungen bereithält und wohl den wenigsten Lesern bekannt sein dürften. Dabei ist diese Biographie sehr ehrlich, respektvoll und durch zahlreiche eingeflochtene Zitate, Briefe und Fotos äußerst unterhaltsam ! Sehr lesenswert für alle Liebhaber von Pippi Langstrumpf, Ronja Räubertochter, Ferien auf Saltrokan und und und... !!!

Bewertung vom 02.08.2013
Verschwörung im Zeughaus
Schier, Petra

Verschwörung im Zeughaus


ausgezeichnet

Im Zeughaus der Stadt Köln geschieht ein Mord. Der Täter steht nach der Identifizierung des gefundenen Dolches schnell fest: Tilmann, Hauptmann der Stadtgarde im historischen Köln, gilt als Hauptverdächtiger. Was niemand weiß: in der gleichen Nacht sucht der schwer verletzte Tilmann Unterschlupf bei seiner Schwester Adelina, die in Köln eine Apotheke führt. Adelina ist in Bedrängnis, schließlich versteckt sie nun einen vermeintlichen Mörder und bringt dadurch ihre eigene Familie in Gefahr. Sie sucht nach der Wahrheit und will unbedingt wissen, was in der Mordnacht geschehen ist, um eine Entscheidung treffen zu können. Und Adelina wäre nicht Adelina, wenn sie den Ereignissen nicht auf den Grund gehen würde.



Meine Meinung:

Im inzwischen fünften Band der Adelina-Reihe begibt sich der Leser mit der inzwischen vertrauten Familie Adelinas auf ein neues Abenteuer. Eingebettet in die Umgebung und Lebensumstände des mittelalterlichen Kölns begleiten wir die tatkräftige Apothekerin auf ihren Ermittlungen, bei denen sie wieder einmal so einige Erfahrungen machen muss. Gleich zu Beginn des Romanes wird man in die sympathische Familie Adelinas aufgenommen, man fühlt sich sofort „Zu Hause“ , trifft auf jede Menge altbekannte Figuren und so fällt es leicht, sich schnell in ihre Situation hineinzuversetzen. Dazu trägt auch der äußerst flüssige und lebendige Erzählstil bei, der einfach zum Geschehen und zur Handlung passt und den Eindruck verstärkt, „mittendrin“ zu sein.

Vor dem Hintergrund des Mordes und der Verschwörung im Zeughaus geht das Leben in Köln und in der Apotheke seinen Gang (oder umgekehrt …? ) Sowohl die stets auf aller Wohl bedachte Adelina, ihre Familie, ihre Mägde, und natürlich Tilmann, der Adelina in Sachen Eigensinnigkeit kaum nachsteht, machen das Buch zu einem äußerst unterhaltsamen Lesevergnügen. Da ist es kaum verwunderlich, dass man sich auf der letzten Seite des Buches fragt, ob und wann man wieder etwas von den liebgewonnen Personen lesen darf...

Fazit:

Eine gelungene Fortsetzung der Adelina-Reihe, in der man sich sofort heimisch fühlt. Äußerst unterhaltsam und mit einem gehörigen Schuss Spannung. Auch wenn man jeden Band für sich sehr gut eigenständig lesen kann, ohne die anderen Bände zu kennen. Aber Achtung: wer einmal EINEN Band gelesen hat, wird sicherlich auch die anderen Adelina-Romane kennenlernen und lesen wollen !

2 von 2 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 30.05.2013
Fürchtet euch
Cash, Wiley

Fürchtet euch


ausgezeichnet

n einem abgelegenen Ort in North Carolina ist Glaube nicht nur ein Wort: Glaube wird zelebriert –ja geradezu fanatisch ausgelebt, angeführt von Prediger Chambliss, der sich selbst nur zu gerne in der Rolle des „Erlösers“ sieht. Die Menschen scheinen die Augen vor der realen Welt zu verschließen. Nur wenige können sich dem Bann des charismatischen Predigers entziehen. Eines Tages kommt es während einer Abendandacht zu einem Todesfall: der dreizehnjährige Christopher, der während der Messe von seiner Taubheit geheilt werden soll, überlebt die Messe nicht. Während niemand der Gottesdienstteilnehmer über die Vorgänge in der Kirche spricht, hat der 8-jährige Bruder des Verstorbenen eine Ahnung, was in der Kirche vor sich gegangen sein könnte. Als die Last seines Wissens ihn zu erdrücken scheint, bricht er das Schweigen – das Schicksal nimmt seinen Lauf…



Meine Meinung:

In dieser außergewöhnlichen Geschichte geht es um die Macht des Glaubens . Ein fanatischer Prediger, der es selbst nicht allzu genau mit der Einhaltung der Gottesgebote hält, übt einen großen – allzu großen Einfluss – auf die Gemeindemitglieder aus und bringt sie sogar soweit, dass sie ihre Scheunen abbrennen, giftige Klapperschlangen herausfordern usw., alles im Zeichen des Glaubens…

Es fällt schwer, sich vorzustellen, dass die Menschen so unvoreingenommen und kritiklos glauben, was Chambliss ihnen „vorsetzt“ , doch in der Hoffnung auf ein besseres Leben sind sie scheinbar zu fast allem bereit.



Wiley Cash ist ein Debüt-Roman gelungen, der den Leser fasziniert. Aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet er die Situation – einerseits aus der Sicht des 8-jährigen Bruders, der in seiner Naivität der Wahrheit näher kommt als er denkt und dessen Gefühle und Eindrücke sehr bewegend und authentisch widergegeben werden. Man fühlt mit dem kleinen Jungen, der von der Macht der Ereignisse gerade erdrückt wird, und man möchte ihn zu gerne trösten.

Des weiteren ist da noch der Sheriff des Ortes, dessen persönliches Schicksal ihn aufmerksam gegenüber Prediger Chambliss gemacht haben, sowie die ehemalige Hebamme und Gemeindeschwester Adelaide, die sich besonders mit den Kindern der Gemeinde verbunden fühlt. Durch diese verschiedenen Perspektiven erhält man einen guten Eindruck darüber, wie der Prediger von den verschiedenen Personen seiner Umgebung wahrgenommen wird und was sowohl die Menschen, die ihm hörig sind, über ihn denken, als auch die kritischen Personen, die ihre eigene Meinung vertreten. Dies macht den Roman noch vielschichtiger.

Besonders beeindruckt war ich von der Authentizät und der Nähe, die der Autor im ersten Teil der Geschichte vermittelt hat. Die Schilderungen der Ereignisse sind so bildhaft und lebendig, dass ich quasi neben dem 8-jährigen Bruder stand und genau wie er die Luft anhielt, als er auf Entdeckungstour ging, die er nie wieder vergessen wird…

Insgesamt fühlte ich mich ich zu dem jungen Jess verständlicherweise am meisten hingezogen. Seine Seele liegt vor dem Leser wie ein offenes Buch, während die anderen Charaktere zwar mehr oder weniger intensiv beschrieben werden – besonders „Erlöser“ Prediger Chambliss, aber dennoch hinter Jess verhältnismäßig blass bleiben. Dadurch ergeben sich natürlich auch Möglichkeiten für unerwartete Wendungen und Entwicklungen.

Im zweiten Teil lässt diese Nähe und Ausdruckskraft etwas nach - man verfolgt das Geschehen, das sich immer mehr zuspitzt, jedoch vermochte mich der Autor hier nicht mehr ganz so fesseln wie im ersten Teil.

Fazit:

Ein gelungener Debüt-Roman, der sich auf spannende und elektrisierende Weise mit dem Thema Glaube und Macht auseinandersetzt und dabei den Leser gleichzeitig schockiert und nachdenklich stimmt. Ich bin sehr gespannt darauf, was wir von diesem Wiley Cash in Zukunft noch lesen dürfen !

Bewertung vom 20.05.2013
Bevor sie mich liebte
Dymott, Elanor

Bevor sie mich liebte


sehr gut

Inhalt:

Alexander liebt seine Frau Rachel sehr. Sie genießen ihr Glück, bis es in einer Mittsommernacht ein jähes Ende findet: Rachel wird bei einem Ehemaligentreffen auf dem Gelände der Universität Oxford ermordet. Alexander ist fassungslos, umsomehr, als er von ehemaligen Kommilitonen Hinweise über Rachel’s Vergangenheit erhält, über die sie selbst bisher nie sprechen wollte. Liegen hier die Wurzeln für ihren Mord? Was hat sie ihm verschwiegen – und warum ? Wer war die Frau, mit der er so glücklich war? Je tiefer er – mehr oder weniger unfreiwillig - in die Geschichte ihre Vergangenheit eindringt, umso mehr muss er feststellen, dass sie offensichtlich nicht die Frau war, für die sie sich ausgab. Doch wer war die Frau, die er liebte?





Meine Meinung:

Dieser Roman ist mehr als ein Krimi – er ist neben der Suche nach dem Mörder von Rachel ein Roman um eine tiefe Liebe, um Vertrauen, um Trauerarbeit – und um das Verständnis und Wahrnehmen von Wahrheit. Elanor Dymott lässt den trauernden Witwer Alexander – kurz „Alex“ genannt, aus seiner Sichtweise die Vergangenheit seiner Frau Rachel entdecken. Dabei ist der Leser hautnah dabei, wenn Alex in eigenen Erinnerungen schwelgt, dabei von einer Anekdote oder Begebenheit zur nächsten treibt, von dort wieder zum nächsten Erlebnis. Dies empfand ich teilweise recht anstrengend, obwohl mir bewusst ist, dass eigene Erinnerungen genauso „funktionieren“: man schweift nur zu oft und gerne ab. Auch waren diese Rückblicke hilfreich, um Rachel – und ihre Beziehung zu Alex – besser kennenzulernen und Zusammenhänge zu verstehen. Trotzdem hatte ich hin und wieder Angst, selbst den Faden zu verlieren und nicht mehr zum Ausgangspunkt zurückzufinden, „verirrte“ mich teilweise regelrecht in den zeitlichen Ebenen und war froh, wenn der Erzähler Alex wieder zu einem Fixpunkt zurückzukehrte und ich gedanklich eine kleine Pause einlegen konnte.

Alex‘ Trauer wird sehr deutlich und beeindruckend geschildert, man spürt auf jeder Seite, wie sehr er seine Frau geliebt haben muss und wie sehr er mit sich kämpft, ob er all diese Neuigkeiten, die ihm mehr oder weniger unfreiwillig von Rachel’s ehemaligen Literaturprofessor Harry offenbart werden, überhaupt wissen will. Doch kann er sich wirklich dagegen wehren?

Immer deutlicher wird, wie eng Wahrheit, Lüge, Glaubwürdigkeit und persönliche Wahrnehmung zusammenliegen.



Der Schreibstil bzw. die Erzählweise erscheint einerseits etwas nüchtern – Alex ist Anwalt – und genauso sachlich und manchmal erschreckend objektiv scheint er auch in seinen Gedanken und Überlegungen vorzugehen: er überdenkt vergangene Ereignisse und die früheren Geschehnisse auf dem College mehrmals, untersucht sie immer wieder in der Hoffnung, hier doch noch einen entscheidenden Hinweis auf ein mögliches Mordmotiv oder zumindest auf ihre Liebe zu ihm entdecken zu können. Andererseits erscheint Alex oft überraschend sentimental und so erhält der Leser gleichzeitig ein berührendes Bild eines trauernden Mannes, der seine Frau ohne Vorbehalte geliebt hat.



Am Ende gibt es keine eindeutige Auflösung – diese kann es auch nicht geben, wie auch dem Leser schließlich klar wird. Dennoch werden die einzelnen Fäden schlüssig zusammengeführt, genauer gesagt, Alex führt sie zusammen – Stück für Stück – und lässt dem Leser genügend Raum, sich seine eigenen Gedanken zu machen.

Diese Geschichte hat mich durch die oft recht verwirrenden Zeitsprünge und Ausschweifungen gefordert, mich dabei jedoch gleichzeitig fasziniert und gut unterhalten.



Fazit:

Ein Roman, der mehr als ein Krimi ist: eine berührende Geschichte über einen Mord, eine tiefe Liebe, über Vertrauen, Wahrheit und Glaubwürdigkeit. Kein „schnelles“ oder gar „einfaches“ Buch, sondern eines, das die Aufmerksamkeit des Lesers einfordert und dabei unterhaltsam, faszinierend und absolut lesenswert ist !

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 04.05.2013
Die Rose von Darjeeling
Lott, Sylvia

Die Rose von Darjeeling


ausgezeichnet

Inhalt:

1930: Die junge Engländerin Kathryn Whitewater wächst in
Darjeeling/Indien auf, wo ihr Vater eine Teeplantage führt. Eines Tages erhalten sie Besuch von zwei deutschen Freunden,die im nahegelegenen
Himalaya-Gebirge Teepflanzen für den Import nach Deutschland und bisher unbekannten Rhododendron-Sorten entdecken wollen.
Kathryn begleitet den
abenteuerlustigen Carl und Gustav auf ihrer spannenden Expedition und entdeckt
ihre Liebe zur außergewöhnlich schönen Natur Sikkims– und zu den
beiden attraktiven Männern. Kathryn muss
eine wichtige Entscheidung für ihre Zukunft treffen: zwischen Liebe und
Verantwortung…



Meine Meinung:

Dieser Roman führt den Leser in die faszinierende Landschaft
Indiens, die die Autorin gekonnt und bildhaft zu schildern versteht. Man sieht
die überwältigende Natur genauso wie die detailliert beschriebenen
Rhododendron-Pflanzen förmlich vor sich – in all ihrer Farbenpracht ! Während
der naturverbundene Carl auf der Suche nach
einer neuen Rhododendron-Züchtung ist, hält Gustav Ausschau nach neuen Teesorten
für sein Geschäft in Deutschland. Da Kathryn und ihr Vater eine Teeplantage in
Darjeeling betreiben, erhält der Leser neben ausführlichen Einblicken in die
verschiedenen Rhododendron-Formen und –Blüten auch äußerst informative und
stimulierende Einsichten in Teegenuss und Teeanbau, sodass man direkt Appetit
auf eine gepflegte Tasse Tee bekommt.

Die Liebe des Gärtners Carl zur Natur und besonders zum Rhododendron ist auf jeder Seite spürbar – ich konnte nicht umhin, auch etwas von der Begeisterung für diese
farbenprächtige Pflanze aufzunehmen. Auch der Teegarten gibt tiefe
Einblicke in die Welt des Teeanbaus und welche Feinheiten zu beachten sind,
will man den puren Teegeschmack genießen.



Die Geschichte der neuen Züchtung „Queen of Darjeeling“
führt nach Ammerland in Deutschland genauso wie nach Indien zur Zeit des
Kampfes um Unabhängigkeit und ebenso auf
die Kanalinsel Jersey. Dabei gelingt es der Autorin sehr gut, die Spannungen zwischen Einheimischen und den
britischen Kolonisten in Indien um 1940 zu beschreiben. Der Zwiespalt, in dem sich
Kathryn befindet, wird sehr deutlich, sie muss eine Entscheidung treffen, die
ihr als sozial engagierte und dennoch eigenwillige junge Dame alles andere als
leicht fällt. Wie wird ihre Entscheidung ausfallen? Doch auch die beiden Blutsbrüder Carl und Gustav befinden sich im Zwiespalt: ihre Freundschaft wird auf eine harte Probe gestellt...

Besonders hervorzuheben ist die faszinierende und
gleichzeitig fesselnde Beschreibung der Natur im Himalaya, die den Leser
förmlich mit auf diese Abenteuerreise nach Sikkim nimmt, den Tee aus den heimischen
Teeblättern schmecken lässt und das
Lesen einfach in jeder Hinsicht zu einem Genuss macht. Auch die Einblicke in
die Rhodendron-Zucht haben ihren besonderen Reiz und machen Lust, sich näher
mit dieser außergewöhnlichen Pflanze zu beschäftigen und sich vielleicht sogar
auf den Weg ins Ammerland zu machen, woher rund 90% aller in Deutschland
gezüchteten Rhododendron-Pflanzen stammen und wo im April/Mai viele
Rhododendron-Gärten und-Ausstellungen in all ihrer Farbenpracht locken.





Fazit:

Mich hat „Die Rose von Darjeeling“ sehr gut unterhalten. Ein wirklich beeindruckendes Debüt der Autorin Sylvia Lott - ich freue mich bereits jetzt schon auf ihre weiteren Romane ! Besonders genossen habe ich die faszinierenden Landschaftsbeschreibungen ebenso wie die interessanten Informationen über Tee und Rhododendren - und natürlich hat mich auch Kathryn’s Schicksal sehr berührt. Sehr
empfehlenswert für alle Leser, die Naturbeschreibungen mögen – hier werden sie
voll auf ihre Kosten kommen und in Verbindung mit einer außergewöhnlichen und
romantischen Liebesgeschichte steht
einem Leseerlebnis auf über 600 Seiten – am besten bei einer Tasse frisch
aufgebrühten Tee’s nichts im Wege !

2 von 2 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 18.04.2013
Kapital
Lanchester, John

Kapital


ausgezeichnet

Wer in der Pepys Road in London wohnt, ist stolz darauf, es hierhin geschafft zu haben. Denn die Häuserpreise in diesem Wohnviertel steigen und steigen seit Jahrzehnten. Ein Besitz in der Pepys Road ist somit eine lohnenswerte Geldanlage.
Es gibt nur noch wenige Bewohner aus der Zeit, als sie noch eine einfache Arbetierstraße war. Zu diesen gehört z.B. die Witwe Petunia Howe, die die erstaunliche Entwicklung skeptisch betrachtet. Ganz anders hingegen der Banker Roger Yount mit seiner verschwendungssüchtigen Frau, die das Geld mit vollen Händen ausgibt und das Leben in der Pepys Road in vollen Zügen zu genießen scheinen. Und der neue Star am englischen Fußballhimmel, Freddy Kamo aus dem Senegal, kommt ebenfalls in den Vorzug, ein Jahr lang in dieser besonderen Straße wohnen zu dürfen. Werden sich seine Träume hier erfüllen?
Als die Hausbesitzer eines Tages eine ganz einfache Postkarte mit den Worten: „Wir wollen, was ihr habt“ im Briefkasten finden, machen sie sich Gedanken darüber, was genau ihr Leben, das sie führen, für andere so beneidenswert macht. Die Ereignisse des nun folgenden Jahres in der Pepys Road zeigen, ob und inwiefern die Straßenbewohner hier etwas Besonders sind – Freud und Leid, Wünsche, Sorgen und Hoffnungen – fühlen sie sich hier anders an…?

Meine Meinung:
Ein vielschichtiger Roman, dessen Protagonisten stellvertretend für die Gesellschaft unserer Zeit steht. Die Bewohner der Pepys Road halten sich für etwas Besonders – zumindest die meisten. Doch eine schlichte Postkarte, die zunächst niemand beachtet, bringt die Menschen doch zum Nachdenken. Ist ihr Leben, das sie führen, wirklich so erstrebenswert, dass jemand anderes es gerne eintauschen würde? Der Autor zeigt anhand einiger Bewohner der Pepys Road, wie sie unterschiedlicher kaum sein könnten, dass es keinen Schutz vor Torheit, Kriminalität, Sorgen, Wünschen usw. gibt. Das Leben findet überall statt und es gibt keinen Schutz davor. Auch Handwerker, Politessen und Kindermädchen, die in der Pepys Road ihren Dienst tun, bekommen einen Einblick in deren Lebensstil - und machen sich ihre eigenen Gedanken darüber. Dem Autor gelingt es, die einzelnen Schicksale der verschiedenen Personen so hautnah, so lebensecht und warmherzig darzustellen, dass man sich dazugehörig fühlt und mit ihnen hofft und mit ihnen empfindet. Obwohl der Leser die Charaktere nur ein Jahr lang begleitet, erhält er tiefe Einblicke in deren Sehnsüchte, Alltag, und auch ihre Hoffnungen für die Zukunft. Dabei werden Sympathien und persönliche Aversionen aufgebaut und die Seiten blättern sich quasi von alleine um. Selten hat mich eine Geschichte so gefesselt, die aus so vielen einzelnen persönlichen Schicksalen zusammengewürfelt scheint, doch zusammen ergibt sich ein stimmiges gesellschaftliches Gesamtbild über das Großstadt-Leben.
Der einfache Satz „Wir wollen, was ihr habt“ ging mir während des Lesens nicht aus dem Kopf und es gibt genügend Gelegenheiten, diesen Satz in Verbindung mit den Bewohnern der Pepys Road zu überdenken. Gleichzeitig die spannende Frage im HIntergrund: wer hat die Karte geschrieben – wer hat ein Interesse daran, die Bewohner aufzuschrecken und wie wird das enden…?

Fazit:
Eine beeindruckender Roman, der anhand einzelner persönlichen Schicksale in einer scheinbar außergewöhnlichen Straße in London ein faszinierendes Gesellschaftsbild unserer Gegenwart zeichnet.
Absolut lesenswert für alle, die sich auf unterhaltsame Weise mit der Gesellschaft unserer heutigen Zeit auseinandersetzen wollen. In „Kapital“ gelingt es brillant, den Leser zu begeistern, nachdenklich zu stimmen und gleichzeitig zu unterhalten !

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 18.04.2013
Sehet die Sünder
Winterberg, Liv

Sehet die Sünder


ausgezeichnet

Als in der Bretagne im Jahr 1440 Menschen verschwinden, die später ermordet aufgefunden werden, sitzt der Schock tief: Wer kommt als Mörder infrage – ist es womöglich ein wahnsinnig gewordener Bewohner des Ortes ? Misstrauen und Angst breiten sich unter den Einwohnern gleichermaßen schnell aus, was dazu führt, dass sie sich argwöhnig beobachten. Lebt ein Teufel unter ihnen? Baron Amédé de Troyenne vom nahegelegenen Schloss verspricht Hilfe und Unterstützung bei der Suche nach dem Täter, um dem grauenvollen Morden so schnell wie möglich ein Ende zu setzen und die Menschen von ihrer Angst zu erlösen. Auch Bauer Mathis begibt sich zusammen mit der jungen Catheline, der Haushälterin des Pfarrers, auf Spurensuche und als sie denken, der Lösung näher gekommen zu sein, können sie es kaum fassen – zu unglaublich ist ihr Verdacht…
***

Diesem historische Roman, der ein Krimi ist, liegt eine wahre Begebenheit zugrunde – die näheren Angaben hierzu findet man im Nachwort. Liv Winterberg gelingt es, die angespannte Atmosphäre im Dorf Saint Mourelles, in dem kurz hintereinander mehrere Menschen verschwinden, sehr nahe zu beschreiben. Sie lässt den Leser am Schock teilhaben, den die Angehörigen, aber auch die anderen Bewohner des Ortes trifft. Der Schmerz sitzt tief und die Gefühle werden so realistisch dargestellt, dass man mit den Charakteren mitleidet. Dabei stehen der junge Bauer Mathis und die Haushälterin Catheline im Vordergrund, die beide zunächst eine tragende Rolle bekommen und von allen mehr oder weniger als Vertrauensperson angesehen werden. Doch nichts scheint so zu sein wie es ist, denn seltsame Zufälle sorgen dafür, dass Misstrauen wirklich überall aufkommt.
Die Charakterisierung der Protagonisten ist bildhaft, ohne dabei zu starr zu werden. Egal, ob Magd, Baron, Bauer, Pfarrer, Bediensteter usw. - Entwicklungen und Überraschungen der Figuren bleiben möglich – was dafür sorgt, dass keine Langeweile aufkommen kann.
Durch die abwechselnde und zeitgleiche Darstellung der verschiedenen Perspektiven lädt die Autorin zum miträtseln ein. Der Spannungsbogen, der bereits zu Beginn des Buches aufgebaut wird, bleibt bis zum Ende erhalten, auch wenn man ab einem gewissen Punkt ahnt, wer der Täter/die Täterin ist, so gelingt es dennoch, den Leser durch unerwartete Wendungen bis zur letzten Seite zu fesseln.

Fazit:
Mich hat auch das zweite Buch von Liv Winterberg überzeugt – sowohl in Schreibstil als auch in der Handlung. Ein gelungener Roman, der historische Begebenheiten in einen fesselnden Krimi verwandelt. Mich hat diese mehr oder weniger wahre Geschichte fasziniert und ich erwarte gerne Liv Winterberg’s zukünftige Bücher !

Bewertung vom 18.04.2013
Gleitflug
Goemans, Anne-Gine

Gleitflug


ausgezeichnet

Die Autorin führt den Leser bereits zu Beginn direkt ins Geschehen: sie führt ihn auf den Polder des Flughafens, gleich neben der Landebahn. Zusammen mit Gieles begibt man sich zu ihm nach Hause, zu seinem Vater Willem, seinem Onkel Fred, den vier Hausgänsen, und natürlich zu all den anderen Personen, die am Rande des Flughafens versuchen, das Beste aus ihrer Wohnsituation zu machen. Ein Umzug kommt für die meisten nicht infrage, jeder ist auf seine Art hier tief verwurzelt.

Wir lernen Gieles‘ Umfeld kennen, seinen Freund, die anderen Anwohner des Flughafengeländes und schließlich auch den geheimnisvollen und außergewöhnlich dicken Journalisten Waling, der Gieles nach und nach immer mehr in die arbeitsame und entbehrungsreiche Entstehungs-Geschichte des Polders einweiht. Diese Geschichte um die Trockenlegung des Marschlandes hat mich genauso fasziniert wie das aktuelle Geschehen und ich konnte es wie Gieles kaum abwarten, bis er einen weiteren Fortsetzungsteil von Waling erhielt. Dass am Ende alle Erzählstränge passend und zusammengeführt werden, versteht sich dabei von selbst.

Es ist erfrischend und beruhigend zugleich zu sehen, wie Gieles mit seinen zutraulichen Gänsen umgeht, die jedoch –„gans“ ihrer Natur gegeben, nicht immer so reagieren, wie er es sich wünscht – was ihn oftmals an den Rand der Verzweiflung bringt. Denn immerhin ist ihr Mitwirken für seinen gefassten Plan unerlässlich und somit auch ihr Gehorsam.

Gieles‘ Gedanken und Handlungen sind für den Leser umso besser nachvollziehbar, als sie in „seiner“ Sprache bzw. der Sprache eines Jugendlichen erzählt werden. Man spürt, dass die Autorin nicht vergessen hat, wie es sich in diesem Alter anfühlt, die von innerer Unruhe, Zerrissenheit, Zweifel und der Suche nach der eigenen Identität geprägt ist. Berührend stellt sie sein Verhältnis zu seiner meist abwesenden Mutter dar, die Gieles zwar innig liebt, aber einfach viel zu weit weg ist, um ihm ihn dieser wichtigen Zeit wirklich ein Hilfe sein zu können. Kein Wunder, dass er nach einem Weg sucht, sie von weiteren Reisen in die Ferne abzuhalten….

Sehr berührt und oft nachdenklich gestimmt hat mich ebenso der Umgang der Menschen miteinander – Menschen mit Stärken und Schwächen, die aber hin und wieder auch durch unerwartete Handlungen für Überraschung sorgen und die man einfach liebgewinnen muss. Auch wenn bei den Bewohnern nahe der Landebahn bei weitem nicht immer alles „rundläuft“, so sind Respekt, Verantwortung und Liebe klare Werte, die beim Lesen eindeutig vermittelt werden.

Dieses Buch ist beruhigend, beruhigend wie ein Gleitflug. Er benötigt keinen lauten Motor, sondern es sind eher die leisen Töne, die dieses Buch und diese Geschichte ausmachen, die den Leser faszinieren, in das Geschehen hineinziehen und jede Gleit- bzw. Leseminute genießen lassen. Dabei ist es keineswegs langweilig, sondern besticht im Gegenteilt durch viele kleine Begebenheiten, durch einen flüssigen und lebendigen Erzählstil , große und kleine, ernste und auch lustige Begebenheiten und natürlich durch die Frage, ob Gieles‘“Geniale Rettungsaktion 3032“ am Ende erfolgreich verlaufen wird. Ich fand es schade, als ich am Ende meines Fluges und somit am Ende des Buches angelangt war – ich wäre gerne noch ein wenig mit Gieles und seinen Gänsen weitergeflogen…

Fazit: Autorin Anne-Gine Goemans hat einen modernen Roman geschrieben, der ans Herz geht und für Familie, Freundschaft, Liebe, Schuld und Identitätsfindung steht. Dabei ist er unterhaltsam, facettenreich und fesselnd zugleich. Absolut empfehlenswert für alle, die Wert auf anspruchsvollere und gute Unterhaltung legen !

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.