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zu den Top-Rezensenten

Benutzername: Penelope
Wohnort: Koblenz
Über mich: Ich lese eigentlich alles, was Buchstaben hat und sofern der Covertext vielversprechend ist.
Danksagungen: 35 (erhaltene)


Bewertungen

Insgesamt 49 Bewertungen
Bewertung vom 25.11.2014
Eis
Lundberg, Ulla-Lena

Eis


ausgezeichnet

Ulla-Lena Lundberg’s Roman „Eis“ wurde in Finnland bereits mit dem Finlandia-Preis – Finnlands wichtigstem Literaturpreis, ausgezeichnet. Entsprechend hoch waren meine Erwartungen. Und sie wurden nicht enttäuscht, soviel sei vorab verraten…
Die Autorin beschreibt in diesem Roman das Leben in der Nachkriegszeit auf einer finnischen Inselgruppe in der Ostsee. Nahezu auf sich allein gestellt ist und nur durch Telefon und die mehr oder weniger regelmäßigen Fahrten des Fährschiffes mit der Außenwelt verbunden, folgt das Inselleben hier seinen eigenen Gesetzen. Die Autorin beschreibt sehr bildhaft Landschaft, Menschen und ihre Lebensumstände – ihr Misstrauen Fremden oder Neuem gegenüber, ihren Kampf ums tägliche Überleben, was besonders in den Nachkriegsjahren, in denen dieser Roman spielt, zum Tragen kommt. Gleichzeitig wird aber ebenso deutlich, wie sehr die Gemeinde zusammenhält, wie groß ihr Gottvertrauen ist, ihre Schicksalsergebenheit. „Es ist nun einmal so“, sagen sie, nehmen hin, was nicht zu ändern ist, tragen jedoch gleichzeitig auch tatkräftig das ihre dazu bei, wenn es gilt, etwas zu ändern, was eben doch zu ändern ist. So schnell bringt sie nichts aus der Ruhe, doch wehe wenn…
Mittendrin Pfarrer Kummel mit seiner Familie, der sich – genauso wie der Leser – nach und nach einlebt in die eingeschworene Gemeinschaft, wobei ihm sein freundliches Naturell und seine Offenheit von großer Hilfe sind. Ebenso wie Petter und seine Familie fühlt sich auch bald der Leser auf der kleinen Insel zu Hause, nimmt Anteil am Schicksal der Figuren, trotzt Wind und Wetter und entwickelt seine eigenen Sympathien zu den einzelnen Bewohnern. Kein Wunder, denn einfühlsam und dabei unglaublich intensiv geht die Autorin auf die Menschen in der Inselgemeinde ein. Dabei lässt sie ebenso starke wie auch schwache Charaktere entstehen, die launisch, frohgelaunt, offen oder misstrauisch sind – sehr authentisch und menschlich.
Das Zusammenspiel zwischen Naturgewalten, Gemeinde und persönlichen Schicksalen zieht den Leser nur allzu schnell in das Geschehen, das keineswegs spektakulär oder spannend ist, aber dennoch – oder gerade deshalb – einen Zauber auf den Leser ausübt, dem man sich kaum entziehen kann. Selbst Alltagsbeschreibungen werden zum Erlebnis, zum besinnlichen Ruhepunkt, bei dem man so manches über Land und Leute, Sitten und Gebräuche erfährt. Und wie im wahren Leben, so sind es auch in „Eis“ die kleinen Begebenheiten, die den Leser aufmerken lassen: die freudigen, hoffnungsvollen, zornigen oder traurigen Momente, die ans Herz gehen und den Roman zu einem unvergesslichen Leseerlebnis machen!

Bewertung vom 08.11.2014
Aufstieg und Fall großer Mächte
Rachman, Tom

Aufstieg und Fall großer Mächte


ausgezeichnet

Meine Meinung:

Der Autor Tom Rachman hat mit seinem Roman „Aufstieg und Fall großer Mächte“ einen Roman geschrieben, der den Leser durch Toolys abenteuerliche Vergangenheit führt – durch Städte wie Bangkok, Brooklyn, Wales und durch einen Zeitraum von rund 23 Jahren, in denen sich nicht nur in Tooly’s Leben, sondern auch in der Weltgeschichte viel ereignet hat. Dabei bedient er sich drei zeitlicher Rückblenden, die in die maßgeblichen Lebensabschnitte der Protagonistin führen. Dadurch erfährt man so manches über ihr Umfeld, das sehr unbeständig und geradezu unberechenbar war – viele Ortswechsel machen einen Schulbesuch nicht gerade zum Vergnügen, Freundschaften sind schwer zu erhalten wenn nicht gar unmöglich. Gleichzeitig lernt man die Schlüsselfiguren kennen, die Menschen, die Tooly quasi als Familienersatz nahestanden, die sie über Jahre mehr oder weniger begleitet haben, sie „großgezogen“ haben.

Rachman zeigt diese Personen so, wie Tooly sie wahrgenommen hat: der schachspielende und intellektuelle Humphrey, die überschwängliche, flatterhafte Sarah, der charismatische Venn. Alle mit ihren eigenen Vorstellungen vom Leben und jeder mit seinem bewussten oder unbewussten Einfluss auf die heranwachsende Tooly. In welchem Maß sie jedoch tatsächlich von ihnen – bewusst oder unbewusst – beeinflusst und manipuliert worden ist, soll ihr erst später klarwerden:

Nach dem Erhalt des hilfesuchenden Briefes macht die Buchhändlerin Tooly es sich nämlich nicht nur zur neuen Lebensaufgabe herausfinden, wer ihr Vater ist, sondern auch, die Wahrheit über die Menschen, die für sie lange einen Familienersatz darstellten und sie prägten - sie will ihre eigene Beziehung zu ihnen klären, Näheres über ihre Motive erfahren - doch dafür muss sie nun erst einmal finden…

Dabei ist Tooly nun ihre neue Perspektive hilfreich, sie ist nicht mehr das kleine Kind, das sich an den Erwachsenen orientiert und sich blenden oder gar manipulieren lässt, sie ist selbst erwachsen geworden, hat sich entwickelt , auch wenn sie längst noch nicht am Ende ihrer Persönlichkeit angelangt ist. Und letzteres ist genau der Grund, warum sie nun nicht aufgibt, Personen und Wahrheiten sucht, ihre Vergangenheit abschließen will, um frei zu sein für ihre eigene Zukunft. Immer noch persönlich involviert, aber gleichzeitig dennoch als Außenstehende fallen ihr nun Dinge auf, die sie früher nicht bemerkt hat, hinterfragt diese und ist kritisch gegenüber modernen Verhaltensmustern Dabei ist auch sie selbst keineswegs ein Kind von Traurigkeit: Ehrlichkeit und Liebe sind Werte, mit denen sie es nicht so genau nimmt bzw. mit denen sie scheinbar nicht recht umzugehen weiß und die sie gerne so auslegt, wie es ihr gerade passt. Die Ursachen hierfür liegen auf der Hand...

Rachman zeichnet seine Figuren sehr sehr authentisch, lässt sie sich innerhalb des Zeitraums von 23 Jahren entwickeln, altern - mit allen Konsequenzen. Alle Altersgruppen sind vertreten, anhand derer man die unterschiedlichen Erwartungen an das Leben erkennen kann

Bewertung vom 03.09.2014
Mein Wildkräuterführer
Malm, Liesel

Mein Wildkräuterführer


ausgezeichnet

Zugegeben: ich bin ein Fan der Kräuter-Liesel und ihrem Wissen und so war es natürlich für mich keine Frage, dass ich auch dieses neue Buch von ihr „Mein Wildkräuter-Führer“ haben musste ! Und tatsächlich: auch mit diesem neuen Buch setzt sie und der Verlag fort, was sie mit ihren beiden bereits erschienen Kräuter-Büchern begonnen hat:

Dieses handliche Taschenbuch ermöglicht es Natur-Interessierten, die Kräuter am Wegesrand zu bestimmen. Über 100 Kräuter werden aufgeführt, sortiert nicht nach Alphabet, sondern nach Blütenfarbe und Anzahl der Blütenblätter. Jedem der Kräuter ist eine Doppelseite gewidmet, bestehend aus einem ganzseitigen Farbbild und einer kleinen Nahaufnahme der Blüte. Im Text, der jedes Bild begleitet, erläutert die Kräuter-Liesel zusätzlich Aussehen, Standort, Vorkommen und Wachstum und weist ggf. auf die Giftigkeit einer Pflanze hin. Auch einige Gräser, Farne, Bäume und Sträucher werden aufgeführt, diese jedoch nicht nach Blütenfarbe, sondern nach Alphabet, .z.B. Quecke, Bärlapp, Apfelbaum, Heidekraut, Liguster, Linde…

Das Büchlein ist durchgehend farbig, die Seiten und sogar die Seitenzahlen sind der Blütenfarbe angepasst, sodass man beim schnellen Durchblättern und Suchen schnell die passende Blüte und die entsprechende Pflanze findet.

Besonders praktisch finde ich den „Notizteil“ auf jeder Doppelseite mit ausreichend Platz für eigene Eintragungen und Anmerkungen, z.B. über eigene Fundorte usw. Eine sehr gute Idee .

Das Taschenbuch ist handlich und hat ein wischfestes Cover, dem selbst Regentropfen oder ein feuchtes Tuch so schnell nichts anhaben können. Auch die Hochglanzseiten machen einen robusten und hochwertigen Eindruck, die einen Transport in Rucksack/Hosentasche oder ein häufiges Durchblättern – man kann auch sagen, den häufigen Gebrauch, nicht so schnell anzusehen sind.

Hier zeigt sich eben, dass bei der Gestaltung des Buches wirklich mitgedacht wurde: über die praktische Anwendung, die farbliche und liebevolle Gestaltung hinaus bis übe die Notizen... Wie gesagt: ich bin begeistert und werde dieses Büchlein nicht nur selbst verwenden, sondern sicherlich noch häufig weiter verschenken…

Fazit:

Ein übersichtlicher, hilfreicher und liebevoll gestalteter Wildkräuter-Führer für alle (Erwachsene und Kinder), die sich für die oft unscheinbaren Pflanzen am Wegesrand, in Feld und Flur interessieren und einige dieser Kräuter bestimmen und näher kennenlernen wollen.
Ideal für unterwegs, für die Jackentasche, den Rucksack, aber auch zu Hause ein Buch, das man gerne zum Stöbern in die Hand nimmt.

Beachten sollte man jedoch, dass es sich hier nicht um einen Heilkräuter-Führer handelt, wie man bei der Kräuter-Liesel vielleicht vermuten könnte. „Mein Wildkräuterführer“ ist ein reines Bestimmungsbuch und gibt keinerlei Hinweise zu möglichen Heilwirkungen der einzelnen Pflanzen.
Diese kann man jedoch in den beiden bereits erschienenen Büchern der Kräuter-Liesel nachlesen…

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 12.06.2014
Der Garten über dem Meer
Corry, Jane

Der Garten über dem Meer


ausgezeichnet

Nach „Perlentöchter“ hat Jane Corry nun ihren zweiten Roman veröffentlicht, der sich mit einem Familiengeheimnis beschäftigt: „Der Garten über dem Meer“.
Auch in diesem neuen Buch zeigt sie, dass sie die Leser zu fesseln versteht. Während man einerseits in der Gegenwart am Schicksal von Laura Marchmont und ihrer jungen Familie teilnimmt, leidet man auf der anderen Seite im 19. Jahrhundert mit der jungen und überaus naiven Mary Rose, die nach dem Tod ihrer Mutter einen steinigen Weg beschreiten muss. Beide Perspektiven sind nahezu gleichwertig, beide stecken voller Dramaturgie, haben ihren eigenen Reiz und so freut man sich stets auf die Rückkehr in beide Zeitebenen, findet sich sowohl in der Vergangenheit als auch in der Gegenwart schnell wieder zurecht.

Der mit Rubinen besetzte Ring, ein Erbstück der Familie seit Generationen, zieht sich als roter Faden durch die Geschichte. Seine Bedeutung und die Warnung der Mutter schweben stets zwischen den Zeilen und geben der Geschichte einen mystischen Hauch.

Die Charaktere der beiden weiblichen Protagonisten Mary Rose und Laura Marchmont werden sehr deutlich herausgearbeitet, sie wachsen dem Leser schnell ans Herz. Während die junge Mary Rose durch ihre Naivität und Kindlichkeit den Beschützerinstinkt im Leser wachruft, sind es bei Laura ihre Ängste und ihre Schuldgefühle – und der Wunsch nach einem trauten Heim. Fast alle anderen Figuren bleiben hingegen recht blass, sodass man sich stets fragt, ob und wer von ihnen noch für eine Überraschung sorgen könnte… Es sind eindeutig die Frauen, die in diesem Roman den Ton angeben, während die Männer zwar bedeutende, aber dennoch eher unscheinbare Rollen einnehmen und somit im Hintergrund bleiben.

Die 600 Seiten des Buches lesen sich überraschend schnell – man fließt durch die Geschichte, bleibt neugierig auf die Geheimnisse und das Schicksal beider Frauen und ihrer Familien.

Fazit:
Ein äußerst unterhaltsamer Frauen-Roman mit einem geheimnisvollen Ring - einem Familiengeheimnis - und fesselnden Schicksalen.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 03.06.2014
Windige Geschäfte
Hamann, Kerstin

Windige Geschäfte


ausgezeichnet

Kerstin Hamann hat mit „Windige Geschäfte“ bereits ihren dritten Wiesbaden-Krimi um das Ermittlerteam K11 veröffentlicht. Und sie hat wieder einmal gezeigt, dass sie es versteht, ein hoch aktuelles Thema in einen spannenden Krimi einzubinden. Windenergie – ökologisch wertvoll – oder nicht?
Ohne übertriebenen Spezifizierung dieses Themas, dabei jedoch fundiert recherchiert und informativ gibt sie einen Einblick in Energiewirtschaft und Politik – und macht dabei neugierig auf das Thema Pro & Contra Windenergie.

Gleichzeitig lässt sie den sympathischen Ermittler Martin Sandor zum dritten Mal mit seinem Team ermitteln, ohne ihn und sein Privatleben jedoch zu sehr in den Vordergrund zu rücken. Die Ermittlungsarbeit ist gründlich, der Leser ist über nahezu jeden Schritt informiert und kann mitdenken, miträtseln. Dabei stehen keineswegs blutige Beschreibungen der Morde im Vordergrund – auch wenn der Mord/die Morde alles andere als harmlos sind und Schauer über den Rücken laufen lassen, sondern der Focus liegt eindeutig auf den Ermittlungen, den Hintergründen - und bleibt gleichzeitig erfreulich übersichtlich und absolut authentisch.

Der flüssige Erzählstil überfordert den Leser nicht mit technischen Einzelheiten oder spezifischen Details, bietet dabei aber trotzdem äußerst interessante Einblicke in das Thema. Dabei sind die Ermittlungen natürlich nicht nur auf diese Sequenz begrenzt, denn die Kommissare müssen in alle Richtungen ermitteln: privates Umfeld, Universität, mögliche Feinde, auch hier gibt es interessante Entwickungen und Aspekte, die es zu betrachten und bedenken gilt und diesen Krimi nicht einseitig werden lassen. Im Gegenteil: gerade diese Mischung macht für mich den besonderen Reiz aus!

Die einzelnen Kapitel sind recht kurz – sie geben dem Krimi ein angenehmes Tempo, man hetzt nicht atemlos von einem Ereignis zum nächsten, sondern die Übergänge sind fließend, neue Wendungen - Drohungen, Epressungen, Bestechungen, Mord - werden geschickt integriert und sorgen dafür, dass der Spannungsbogen nicht ständig ganz neu gespannt, aber stetig aufrecht erhalten wird ! Ebenfalls sehr positiv aufgefallen ist mir, dass dieser Krimi sehr gut durchdacht und konstruiert ist - und auch am Ende wird der Leser nicht allein gelassen, sondern die Sehne wird vollkommen entspannt,

„Windige Geschäfte“ gilt zwar als Regional-Krimi - wer sich in Wiesbaden auskennt, wird sich sicherlich an die einzelnen Schauplätze versetzen können, aber auch ortsfremde (wie ich) genießen den Lokalkolorit und erhalten ein recht anschauliches, aber unaufdringliches Bild dieser Stadt.

Fazit:
Ein fundierter, lesenswerter Krimi, spannend, informativ und empfehlenswert für alle, die sich gerne unterhaltsam mit aktuellen Themen auseinandersetzen!

Bewertung vom 08.05.2014
Der Sommer der Blaubeeren
Simses, Mary

Der Sommer der Blaubeeren


ausgezeichnet

Meine Meinung:
Bisher hat Mary Simses sich mit dem Schreiben vom Kurzgeschichten befasst – nun hat sie mit „Der Sommer der Blaubeeren“ ihren ersten Roman geschrieben – und was für einen !
Dieser Roman ist ein echtes Highlight unter den Urlaubsbüchern: mit einer etwas chaotischen, temperamentvollen und dabei überaus sympathischen Protagonistin, die von einem Fettnäppfchen ins nächste tritt, mit einer interessanten und dabei romantischen Familiengeschichte, sorgt die Autorin für ein paar unterhaltsame und erfrischende Lesestunden - für eine erholsame Pause aus dem Alltag.

Nur allzu gerne lässt man sich in den kleinen Küstenort Beacon entführen, der von Blaubeerfeldern umgeben ist und mit dem Ellen’s Großmutter Ruth in einer besonderen Weise verbunden ist. Es ist äußerst interessant und kurzweilig mitzuerleben, wie Ellen nach und nach der Geschichte ihrer geliebten Grandma auf die Spur kommt, dabei immer wieder neue Überraschungen erlebt und neue Erfahrungen macht. Witzig, spritzig, romantisch, mit viel Esprit und dabei gleichzeitig auch mit so mancher Anregung, seine eigene Perspektive auf viele Dinge des alltäglichen Lebens zu überdenken („Es gibt so viele verschiedene Arten, ein und dasselbe zu betrachten.“ S. 161) habe ich diesen Roman sehr genossen. Der Flair dieser Kleinstadt, der erfrischende Schreibstil, die authentischen und natürlichen Charaktere haben mich genauso gefangengenommen wie die romantische Familiengeschichte selbst.
Nicht zu vergessen natürlich die Blaubeeren, die im Roman nahezu
allgegenwärtig sind und geradezu Appetit auf diese Köstlichkeit machen
:-) Das genial-lockere Rezept über Blaubeer-Muffins im Innenteil des
Covers durfte natürlich nicht fehlen und rundet das Buch somit
schließlich noch perfekt ab !


Fazit:
Ein erfrischender und dabei romantischer Familienroman mit viel Flair und Esprit. „Der Sommer der Blaubeeren“ sorgt für unterhaltsame Lesestunden, in denen man den Alltag für eine Weile vergessen kann. Das ideale Urlaubs- und Sommerbuch !

28 von 38 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 07.04.2014
Perlentöchter
Corry, Jane

Perlentöchter


sehr gut

Eine Familiensaga, die mitreißend, faszinierend und äußerst facettenreich ist.
Das Hauptaugenmerk liegt auf vier Generationen – auch wenn die Perlenkette noch viel älter ist…
Dabei lässt die Autorin die Frauen dieser Generationen lebendig werden, sie lässt uns an deren Schicksal teilhaben und dies so intensiv, dass man geradezu mit ihnen hofft, lebt und bangt. Die Kapitel sind klar getrennt und schildern die Lebenssituationen der Frauen in den verschiedenen Generationen sehr eindringlich. Während die malerisch begabe Rose „das Auge“ hat und von ihrem Großvater das Malen erlernt, muss ihre Tochter Helen darum kämpfen, ihrer Begabung nachgeben zu können. Wird sie die ersehnte Kunstakademie besuchen – dort studieren dürfen?
Doch es gibt vieles zu bedenken, viele Faktoren beeinflussen das Leben: der Krieg, Mitschüler, Männer – und immer wieder im Hintergrund die Angst, dass sich das Schicksal wiederholen könnte…

Die Autorin baut eine Atmosphäre auf, die den Leser in den Bann zieht, auch wenn sie dabei überwiegend eher düster und fast schon deprimierend wirkt. Kein Wunder: das Leben dieser Frauen war alles andere als einfach - Verluste mussten hingenommen, Enttäuschungen weggesteckt werden und immer wieder dieser Kampf gegen Verrat und Vorurteile… Erfreuliche oder gar glückliche Momente kommen ein wenig kurz – es gibt sie zwar, aber sie gehen im Trübsal des Alltags eher unter. Dennoch kann man die Liebe deutlich spüren – die Liebe zu den Kindern, den Geschwistern, der unerfüllten Liebe…

Und immer wieder sind es die Frauen, die zu Wort kommen – die offensichtlich ihr Schicksal in die Hand nehmen, ihre Charaktere werden sehr lebendig und tiefgehend beschrieben, während die Männer überraschend blass bleiben – ein wenig schade, beeinflussen sie die Lebensläufe unserer
Protagonistinnen doch am meisten…

„Perlentöchter“ - der Titel bezieht sich wohl auf die Rolle der Perlenkette in dieser Familiensaga: ein altes Familienerbstück, das von Generation zu Generation weitergegeben wird. Und tatsächlich zieht sich der Einfluss und die Macht dieser Kette auf die Menschen, die die zunächst kühl wirkenden Perlen tragen, sehr gekonnt und allgegenwärtig als roter Faden durch die gesamte Geschichte und durch das Schicksal der Familie.

Fazit:
Eine facettenreiche, unterhaltsame Familiensaga – ein wenig düster, aber sehr intensiv und mitreißend ! Ein Frauenroman – aus der Sicht von Frauen – für Frauen…

0 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 14.03.2014
Deiner Seele Grab / Kommissar Dühnfort Bd.6
Löhnig, Inge

Deiner Seele Grab / Kommissar Dühnfort Bd.6


ausgezeichnet

Der sechste Fall des Münchner Kommissars Dühnfort hat bei mir wieder voll ins Schwarze getroffen: ein überaus spannender Kriminalfall vor einem stets aktuellen Hintergrund: Wie ergeht es den Senioren in unserer Gesellschaft? Inge Löhnig versteht es m.E. meisterhaft, dieses Thema aufzugreifen, ohne dabei anzuprangern oder gar den mahnenden Finger zu erheben. Tatsachen werden aufgegriffen und geschildert, dem Leser fällt es leicht, sich mit der Situation auseinanderzusetzen, sich seine eigenen Gedanken zu machen, sich in die unterschiedlichen Personen und Protagonisten hineinzuversetzen. Auch psychologisch trifft die Autorin den richtigen Nerv: sie "spielt" mit Begriffen wie "Schuld", "Gewissen", "Verantwortung" und bringt dadurch umsomehr Tiefe und ins Geschehen.

Dieser Krimi ist einerseits sehr flüssig geschrieben, besticht aber gleichzeitig durch Raffinesse und eine Authentizität, die nicht selbstverständlich ist und gerade dadurch auffällt und in Erinnerung bleibt. Er ist natürlich, lebensnah und gleichzeitig abstrus. Die diversen Handlungsstränge bleiben übersichtlich und durchschaubar – und trotzdem wird der Leser geschickt und geradezu unauffällig auf dunkle, verwirrende Pfade und Fährten geschickt, die ihn dazu verleiten, eigene Verdächtige ins Auge zu fassen…

Besonders gelungen empfinde ich außerdem die Kombination des Kriminalfalles und deren Ermittlungen mit dem Privatleben des Kommissars uns seiner Kollegen. Dadurch erstarrt die Institution „Polizei“ und „Kommissar“ nicht, sondern bleibt lebendig und persönlich, ohne jedoch vom eigentlichen Fall abzulenken.


Fazit:
Inge Löhnig hat wieder einmal gezeigt, dass sie es versteht, die Leser in ihren Bann zu ziehen: ein überaus spannender Kriminalroman von der ersten bis zur letzten Seite, äußerst raffiniert, vor einem Hintergrund, mit dem sich wohl fast jeder – früher oder später – einmal auseinandersetzen muss. Dies macht einen lesenswerten Krimi aus – und ich freue mich bereits jetzt auf den nächsten Fall von Inspektor Dühnfort !

3 von 3 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 14.03.2014
Meine liebsten Wildkräuter
Malm, Liesel

Meine liebsten Wildkräuter


ausgezeichnet

Nachdem ich bereits von Liesel Malm’s erstem Kräuterbuch ("Die Kräuter-Liesel") begeistert war, freute ich mich sehr, als ich erfuhr, dass es nun Neues von der Kräuter-Liesel gibt, nämlich ein Buch über ihre liebsten Wildkräuter, das dann natürlich auch recht schnell den Weg in mein Bücherregal fand. Ich selbst interessiere mich sehr für Kräuter, habe einen eigenen Garten, und beschäftige mich seit knapp zwei Jahren immer intensiver mit ihrer Anwendung. Daher bin ich ständig auf der Suche nach anschaulichen Informationen und Anregungen.

Liesel Malm, die auf einen Erfahrungsschatz von über 30 Jahren zurückgreifen kann, hat in diesem Buch fast 150 heimische Wildkräuter zusammengefasst, alphabetisch sortiert, mit vielen interessanten und wissenswerten Informationen. Diese Pflanzen kann man in Feld und Flur finden - viele von ihnen im eigenen Garten anbauen, sofern man einen solchen besitzt.

Jeder Pflanze ist mindestens eine Seite gewidmet, die neben farbigen, deutlichen Fotos von Pflanze/Blüten/Blättern fundierte Informationen über Herkunft und Standort enthält.
Hin und wieder hat sie kleine, unterhaltsame Geschichten eingeflochten, die diesem Sachbuch eine lebendige und persönliche Note geben. Der Leser erhält den Eindruck, Liesel Malm auf einer Kräuterführung zu begleiten..Dabei macht sie aufmerksam auf die zahlreichen Pflanzen am Wegrand oder in Feld und Flur, weist dabei auf Artentschutz, Giftigkeiten und Ähnlichkeiten hin. Zahlreiche Anregungen für die Anwendung, z.B. in Form von Rezepten für Tee/Aufgüsse, Tee-Kuren, Tinkturen, Ölen, Salben und Likören werden übersichtlich und einladend auf den entsprechenden Seiten gegeben, zusammen mit vielen zusätzlichen Tipps und Tricks.

„Giftpflanzen, die jeder kennen sollte“ werden in einem separaten Kapitel aufgelistet, nach dem gleichen Schema wie die übrigen Pflanzen.

Meine liebsten Wildkräuter“ ist als Ergänzung von Liesel Malms ersten Buch zu verstehen, da kaum eines der genannten fast 150 Pflanzen doppelt aufgelistet ist, und wenn, dann mit zusätzlichen Informationen und/oder Rezepten.

Farbenfroh, anschaulich, gebunden, stabil - ein Buch, das man einfach gerne in die Hand nimmt und bei dem einfach alles stimmt – sogar der Preis. Es macht einfach Spaß, darin zu blättern, sich von den Fotos und den Rezepten inspirieren zu lassen und am liebsten möchte man sich gleich auf den Weg machen, um weitere Kräuter am Wegesrand zu entdecken – in jeder Jahreszeit gibt es etwas zu entdecken, zu ernten…

Fazit:

Ein übersichtliches, liebevoll gestaltetes Kräuterbuch mit heimischen Pflanzen, das ich jedem ans Herz legen kann, der sich für Wildkräuter interessiert und die Schätze am Wegesrand näher kennenlernen und anwenden möchte - egal ob als Heilkraut, zum Kochen, oder für die Kosmetik, egal ob Einsteiger oder Fortgeschritten im Umgang mit Kräutern - hier ist für jeden etwas dabei !

2 von 2 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 12.03.2014
Sonnentau
Hensel, Kai

Sonnentau


ausgezeichnet

Inhalt:
Ein Vater erhält die Nachricht, dass seine Tochter Jooly in Haiti an den Folgen eines Autounfalles verstorben ist. Gelähmt vor Trauer, bittet er eine Schulfreundin von Jooly, die Barkeeperin Maria Brecht, nach Haiti zu reisen, um mehr über ihren Tod und die genauen Umstände ihres Aufenthaltes zu erfahren.

Maria begibt sich auf die Reise nach Haiti, ein Land, das immer noch unter den Folgen des Erdbebens von 2010 leidet – und begibt sich auf die Suche nach Hinweisen darüber, warum ihre Freundin auf Haiti war – was hat sie hierher geführt – und, noch wichtiger: warum will niemand sie gekannt haben? Je tiefer Maria in das Land und seine Kultur eindringt, je mehr Einblicke sie in die Mentalität der Einheimischen, der Machenschaften der Politik und Hilfsbereitschaft der Helfer erhält, umso mehr wird ihr klar, dass die Wahrheit hier ihre eigenen Gesetze hat…

Meine Meinung:
Ein Thriller, der eindeutig „anders“ ist… der tiefer geht, bei dem es nicht nur um einen Unfall/Mord an einer jungen Frau geht – oder um dessen Aufklärung. Die Protagonistin – Maria Brecht, eine junge Barkeeperin, ist keineswegs eine erfahrene Kommissarin, sondern eine sympathische Studentin mit Ecken und Kanten, die in „Sonnentau“bereits in ihrem zweiten „Fall“ privat unterwegs ist, dieses Mal nach Haiti, wo sie Informationen über ihre alte Freundin Jooly sammelt.

Haiti, ein Land, das im Jahr 2010 von einem schweren Erdbeben erschüttert wurde, und bis heute verzweifelt versucht , sich davon zu erholen.

Kai Hensel, der sich dort intensiv umgesehen und recherchiert hat, nimmt den Leser mit auf diese Insel, gibt ihm einen eindrucksvollen und nachhaltigen Eindruck über die Mentalität der Menschen dort, über die Aufbauversuche der diversen Hilfsorganisatoren, ihre vielfältigen Ansichten. Dabei scheut er sich nicht, die dunklen Seiten anzusprechen – im Gegenteil, es scheint so, als ob er genau dies beabsichtigt: aufmerksam machen auf die Not, auf Missstände, auf Möglichkeiten - und Gefahren - der Entwicklungshilfe. Dies gelingt ihm auf nahezu grandiose Weise: Er verbindet eine spannende Handlung um den Tod einer jungen Frau mit so widersprüchlichen Begriffen wie Habgier, Mitleid, Machtkampf, Aufopferung, Korruption, Wahrheit - und diese Verbindung hat es in sich, ihrer Sogwirkung kann man sich kaum entziehen.
Verschiedene Handlungsstränge und Perspektiven geben diesem Roman eine besondere Raffinesse, aufmerksames Lesen ist gefragt, will man den Überblick behalten und Zusammenhänge frühzeitig erkennen.

Eine brisante Thematik, eine spannende Handlung, die sich mit einem überaus flüssigen Schreibstil verbinden – so zieht man Leser in den Bann!

Ich zumindest folgte fasziniert dem Geschehen, tauchte immer tiefer in eine Welt hinter den Kulissen ein, die mich regelrecht erschüttert und bewegt hat. Doch was bzw. wieviel davon ist Fiktion, was Realität ? Hier hätte ich mir persönlich ein (er)klärendes Nachwort gewünscht, um wenigstens einen kleinen Überblick über Fakten/Fiktion zu erhalten. Dieser Thriller ist spannend, keine Frage – doch er ist weit mehr: er rüttelt auf, regt zum Nachdenken an und regt zu weiteren Recherchen an.

Fazit:
Ein spannender Thriller vor dem Hintergrund Haitis, anspruchsvoll, ohne zu überfordern, und absolut empfehlenswert für alle Liebhaber von spannender Unterhaltung, die sich gerne mit aktuellen Themen auseinandersetzen…