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Benutzername: Danion
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Bewertungen

Insgesamt 22 Bewertungen
Bewertung vom 14.08.2016
Lügenmauer / Emma Vaughan Bd.1
Bierach, Barbara

Lügenmauer / Emma Vaughan Bd.1


ausgezeichnet

Der wichtigste Punkt, warum ich auf dieses Buch aufmerksam geworden bin, ist der Schauplatz, Irland. Ein Land, das bei mir wie bei vielen anderen Laien mit grünen Wiesen, Felsen am Meer, Wellen am Strand, geheimnisvollen Wesen und Ruhe assoziiert wird. Ich war sehr neugierig darauf, wie Irland in einem Krimi präsentiert werden kann. Und fand nicht nur das, was ich lesen wollte, sondern auch eine tolle spannende Geschichte.
Der Anfang, das erste Kapitel, erinnerte mich an einen historischen Roman. Irgendwie hatte ich das Gefühl, die Geschichte, die beschrieben wird, passiert nicht in den 1960-er Jahren, sondern im Mittelalter. Aber irgendwann hatte ich dann die Vorstellung, dass das Leben in abgelegenen Orten Irlands schon etwas Mittelalterliches an sich hat.
Die nächsten Kapitel brachten mich zurück in die Gegenwart. Was ich schön fand, - im Laufe des Romans entwickeln sich parallel 3 Geschichten, die am Ende vereint werden. Wie die Autorin das geschafft hat, wie sie die Übergänge aufgebaut hat, fand ich sehr gut. Die Geschichte bleibt größtenteils spannend. Nur in der Mitte passierte irgendwie lange Zeit nichts – was ich allerdings nicht schlimm fand, denn da konnte man sich besser in die Stimmung der Ermittlerin hineinversetzen, die lange Zeit keine Theorien hatte und selbst wenn, kam sie keinen Schritt weiter.
Die Sprache des Romans fand ich sehr gut, der Schreibstil sehr angenehm, fließend und leserfreundlich. Die zahlreichen Aufzeichnungen der irländischen Landschaften, der einfachen Leute und ihrer Lebensweise waren für mich besonders wertvoll. Einfach schön zu lesen!
Insgesamt ein lesenswertes Buch, das ich in ein paar Wochen sicherlich noch einmal lesen werde, einfach um noch ein Mal die Stimmungen zu erleben, die im Buch herrschen, und um noch ein Mal die Beschreibungen Irlands zu genießen.

Bewertung vom 14.06.2016
Du hättest es wissen können
Korelitz, Jean Hanff

Du hättest es wissen können


gut

Ich bin auf das Buch durch das Cover aufmerksam geworden. Die farbliche Gestaltung wirkt sehr ansprechend. Allerdings sagt es so gut wie nichts über das Buch aus, außer dass die Geschichte in New York spielt. Die Inhaltsangabe versprach ein sehr spannendes Buch, das ich unbedingt lesen wollte und es nicht bedauert habe.

Zum Inhalt:

Der Einstig in die Geschichte ist SEHR langsam und nach den ersten 35 Seiten (Kapitel 1) hatte ich überhaupt keine Lust, weiter zu lesen. Hier lernen wir Grace kennen, eine 40-jährige Familientherapeutin, die sehr erfolgreich in ihrem beruflichen und privaten Leben zu sein scheint. In Kürze soll ihr erstes Buch erscheinen, in dem sie den Lesern sagen will, dass man bei der Wahl der Lebenspartner auf eigene erste Eindrücke hören sollte, auf die innere Stimme und nicht sich selbst eine Geschichte konstruieren, die der Realität fern ist und die Beziehung letztendlich nicht retten kann. Sehr interessante und zugleich einfache Gedanken (allerdings wenig spannend). Und dann passiert in ihrem Leben genau das, wovor sie ihre Leser warnt: Sie versteht langsam, dass ihr Mann, Jonathan, gar nicht der ist, den sie sich in den 19 Jahren Ehe vorstellte. Sie hörte nicht auf die Warnungen ihrer besten Freundin, sie bemerkte nicht, wie sie sich von allen abgrenzte, die ihre Vorstellung von ihrem idealen Mann hätten beeinflussen können. Und dieser ideale Mann entpuppt sich als ein geistlich kranker Mensch, der eine Frau tötet, die sein Kind erwartete (nicht das einzige Kind, von dem Grace nichts wusste). Nun ist Jonathan spurlos verschwunden...
Grace flieht vor ihrem alten Leben und findet Zuflucht im Sommerhaus am See, das ihren Eltern gehört hatte. Zuerst isoliert sie sich völlig von der ganzen Welt, versteckt sich unter den Decken und will nichts mehr von dem wissen, was um sie herum passiert. Nur ihren Sohn will sie beschützen. Eine Frau, die der Leser sich am Anfang als eine starke Person vorstellt (sie ist ja Psychologin, eine Familientherapeutin, die es genau wissen sollte, wie man in Konfliktsituationen handeln sollte!) kann sich kaum beherrschen, erscheint sehr schwach und hilflos. Ihr 12-jähriger Sohn dagegen wirkt erwachsener und stärker als sie es dachte. Langsam kehrt Grace dann aber doch zurück ins Leben, trifft sich mit ihrer alten Freundin, die sie seit vielen Jahren nicht mehr gesehen hatte (Vita war die, die sie von Jonathan gewarnt hatte). Sie fährt zu Jonathans Eltern, die sie nie kennen gelernt hatte. Sie glaubte an die Geschichte, die ihr Mann ihr erzählte, sie wären die schlimmsten Eltern der Welt. Hier erkennt sie, wie blind sie war. Alles, was sie von Jonathan wusste, stimmte nicht. Alles war nur eine Geschichte, die er ihr erzählte und die sie ohne Bedenken glaubte und für sich selbst glaubhafter machte. Nun lernt sie aber neue Menschen kennen, will eine neue Praxis eröffnen und vielleicht ihr Buch endlich veröffentlichen lassen.

Zum Buch:

Ich muss gestehen, für mich war es kein einfaches Buch. Nicht einfach in dem Sinne, dass ich mehrmals kurz davor war, es wegzulegen und mit dem Lesen aufzuhören. Die ersten 100 Seiten fand ich ziemlich langatmig. Aber ich wollte verstehen, was die vielen positiven Kritiken an sich hatten, die auszugsweise am Anfang des Buchs abgedruckt sind. Sie versprechen eine „fesselnde“ Geschichte, einen „Spannungsroman“, „unfassbar gut“. Dass das Buch gut geschrieben ist (was die Sprache betrifft), kann ich nicht bestreiten. Aber die Spannung, die man hier verspricht, findet man leider nur in einem kleinen Teil des Buchs. Und erst die letzten 150 Seiten erschienen mir wirklich lesenswert.

Fazit:

Leider hat es mir an Spannung in großen Teilen des Romans gefehlt. Ein wirklich kluger Roman, tief psychologisch und in seiner Idee sehr interessant. Ein Buch, das zeigt, wie sich auch sehr kluge Menschen irren und sich betrügen lassen. Nur wenn die Umsetzung der Idee etwas besser überlegt worden wäre. Vielleicht 100 Seiten kürzer, dafür aber spannender…

Bewertung vom 14.06.2016
Die Birken wissen's noch
Mytting, Lars

Die Birken wissen's noch


ausgezeichnet

„Die Birken wissen’s noch“ ist ein Meisterwerk. Für diesen Roman kann es nicht genug Lob geben...

Schon der erste Augenblick, als ich das Buch in die Hände nahm, war ein besonderer: Die Covergestaltung, die Struktur des Papiers hat mich sehr beeindruckt. Auf dem Bild sieht das Cover vielleicht nicht so interessant aus, aber wenn man das Buch in den Händen hält und das raue Papier fühlt, seine Struktur, seine Unebenheit, dann hat man schon den ersten Vorgeschmack, das etwas Besonderes auf einen kommt.

Der Autor schreibt die Geschichte von der ersten Person. Edvard ist ein 23-jähriger Mann, der sich nach dem Tod des letzten Verwandten, seines Großvaters auf die Entdeckungsreise in die Vergangenheit begibt, um herauszufinden, was mit seinen Eltern passiert ist. Er weiß nur, dass sie bei einem geheimnisvollen Unfall ums Leben gekommen sind, als Edvard erst 3 Jahre alt war. Seitdem kümmerte sich der Großvater Sverre um ihn. Er sprach aber nie darüber, was damals, 1971 passiert war. Nun findet Edvard die ersten Hinweise, die ihm helfen sollen, und macht sich auf den Weg von einem norwegischen Dorf zu den Shetland-Inseln. Auf die Suche nach Antworten auf die Fragen, die ihn nun quälen: Warum starben seine Eltern? Was geschah tatsächlich mit ihm an dem Tag (laut Zeitungsberichten wurde er wohl entführt – aber von wem und warum)? Was ist aus seinem Großonkel geworden, der angeblich 1944 starb? Und was hat es an sich mit dem geheimnisvollen Erbe? Während der Reise gewinnt Edvard in kleinen Portionen immer wieder neue schockierende Erkenntnisse über seine Familie, Geschichten, von denen nie geredet wurde. Am Ende kehrt ein ganz anderer Mensch zurück nach Norwegen, einer, der nun in Ruhe leben kann...

Die Geschichte hat mich von den ersten Seiten mitgenommen. Ich vergaß immer wieder Zeit und Raum, versetzte mich komplett in Edvards Rolle und folgte jedem seiner Schritte auf dieser Reise, erlebte die Erschütterungen, die er hatte, und quälte mich mit den gleichen Fragen, die er sich stellte. Das Wichtigste, was ich dabei erwähnen soll: Das ist das Spannendste, was ich seit langem gelesen habe! Die Art, wie die Spannung aufgebaut wird, kann ich nur mit einem Wort bezeichnen: MEISTERHAFT! Das Interessanteste wird wie nebenbei erwähnt. Der Autor schmeißt einfach einen Satz in den Text hinein und löst damit immer wieder neue Explosionen aus. Mein Herz fing mehrmals zu rasen, als nach mehreren Seiten der relativ ruhigen Geschichte so ein Satz kam, der plötzlich alles auf den Kopf stellte. Ein unbeschreiblich schönes Gefühl! Der Roman fesselt den Leser und lässt ihn bis zur letzten Seite nicht aus seinem Bann!

Ein absolut lesenswertes Buch!!!

Bewertung vom 18.12.2015
Blut und Seide
Spang, Marita

Blut und Seide


ausgezeichnet

Es gibt Bücher, die man nach der ersten gelesenen Seite zuklappt und für immer weglegt. Es gibt Bücher, die man nicht erst mal in die Hände nimmt. Es gibt Bücher, die man schnell durchliest und genauso schnell vergisst. Es gibt auch solche, durch die man lange durchkämpft und am Ende doch denkt, dass sich das Lesen nicht gelohnt hat. Und es gibt Bücher, die einen vom ersten Satz an sich fesseln, tage- oder wochenlang begleiten und noch lange nach dem Lesen nicht aus dem Kopf gehen. Ein schönes Beispiel für die letzteren ist Marita Spangs „Blut und Seide“.

Dieses Buch ist erst der zweite Roman der Autorin, aber hier trifft ein Meisterwerk auf den Leser. Nach mehreren historischen Romanen, die ich gelesen hatte, kann ich von „Blut und Seide“ sagen, dass dieses Buch mich am meisten beeindruckt und überzeugt hat:

- mit filigran ausgearbeiteten Figuren, die absolut authentisch und lebendig erscheinen, vielseitig und nicht nach dem Schema „die bösen Figuren müssen bösartig bis auf den Knochenmark sein und dazu möglichst dumm, die guten – engelhaft rein, vorbildlich, schlau, an ihnen gibt es nichts auszusetzen“;

- mit der bis in die kleinsten Details überlegte Geschichte, die zum großen Teil auf historisch belegten Geschehnissen basiert und dadurch noch realer klingt. Hier scheint fast nichts zufällig zu sein. Auch Wunder scheinen nicht so märchenhaft wie man es manchmal liest;

- mit Spannung, die durch das ganze Buch den Leser hält. Ich musste mich mehrmals anhalten, damit ich das Buch nicht zu schnell las und es länger genießen konnte;

- mit Geheimnissen, die lange Geheimnisse bleiben. Die Autorin gibt nicht zu viel von ihnen preis, sodass der Leser nicht jedes Mal sicher sein kann, was auf den nächsten 50 Seiten passiert;

- mit der psychologischen Tiefe, die das Buch wohl der Hauptbeschäftigung der Autorin zu verdanken hat. Jede Handlung einzelner Figuren wird dadurch nachvollziehbar, und man kann das Schicksal jeder von ihnen miterleben, ihre Freuden und ihre Schmerzen spüren;

- mit der philosophischen Tiefe: das Buch beschreibt nicht nur eine große Geschichte, sondern versucht, dem Leser noch mehr zu sagen (absolutes Highlight in diesem Sinne ist das Gespräch zwischen der männlichen Hauptfigur Simon und Bruder Basileus im Kapitel 38);

- mit der erzählerischen Dichte: bei einigen historischen Romanen hat man als Leser das Gefühl, das einige Textpassagen, Seiten oder gar ganze Abschnitte absolut sinnlos sind, dass die Autoren damit nur versuchen, das Buch aufzufüllen, um auf die gewünschte Seitenzahl zu kommen. Und da Erscheinen schon Beschreibungen von irgendwas, die keinen Bezug auf die Geschichte haben und die man einfach überspringen kann. Bei „Blut und Seite“ konnte ich keinen einzigen Satz ungelesen weglassen. Denn jedes Detail hier scheint eine Bedeutung zu haben (und so ist es auch meistens). Und was noch schöner ist: ich fühlte mich damit auf keinen Fall überfordert. Die 824 Seiten erschienen mir nach der Lektüre gar zu wenig: Ich hätte so gerne noch weiter gelesen. Aufhören zu müssen war einfach schmerzhaft;

- mit der Liebe, mit der die Autorin an ihrem Buch gearbeitet hatte. Das erkennt man am Schreibstil, an den Details, an den Figuren, an gut recherchierten Erkenntnissen über das Leben im Mittelalter. Man erkennt hinter diesem Buch eine enorm große Arbeit, die mich mit ihrem Ergebnis absolut überwältigt hat.

Ich könnte weiter fortsetzen, womit mich das Buch noch überzeugt und beeindruckt hatte. Doch ich lasse es lieber die anderen Leser selbst entdecken. Ein so lesenswertes Buch wie „Blut und Seide“ findet man nicht oft, sodass es ein großer Versäumnis wäre, an diesem Buch vorbeizugehen, ohne es gelesen zu haben!

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 29.11.2015
Scheiß auf Intelligenz
Lahnstein, Petra

Scheiß auf Intelligenz


ausgezeichnet

Miriam, 36, ist eine sehr erfolgreiche Frau. Zumindest in ihrem Beruf. Sie wird von ihrem Chef und Kollegen hoch geschätzt, auch wenn sie in ihr lieber einen Mann sehen würden. Sie ist zu intelligent für eine Frau, wie einer ihrer Kollegen sagt. Und das mag der Grund sein, warum sie kein Glück in ihrem privaten Leben hat. In den letzten 8 Jahren hatte sie keine Beziehung, die länger als 3 Monate dauerte. Und nun ist auch ihre aktuelle Beziehung zu Ende, als Miriam ihren Freund beim Sex mit einer Putzfrau erwischt. Nach den Gesprächen mit ihrem Bruder und ihrer Freundin kommt sie zum Schluss, dass gerade ihre Intelligenz ihr im Wege steht, und beschließt, dagegen zu kämpfen. Mit Alkohol. Der Versuch bringt nichts außer Kopfschmerzen. Miriam sucht nach einem anderen Weg. Und wenn sie schon nicht dumm sein kann, dann muss sie sich wenigstens dumm stellen. Damit beginnt das Projekt: sich dumm stellen, um einen Traummann zu kriegen.
Miriam nimmt einen 3 Monate langen unbezahlten Urlaub, färbt ihre Haare wasserstoffblond, tauscht ihr Auto und ihre Wohnung gegen die ihres Bruders und beginnt ihre neue Arbeit als Aushilfe in einer Bäckerei. Hier will sie von den „dummen“ Frauen hinter der Theke lernen, wie es ist, wenn man nicht besonders intelligent ist. Silvie ist ein gutes Beispiel für sie. Aber die andere Kollegin, Miriam, soll ihr für einiges einen neuen Blick ermöglichen.
Die frisch gefärbte Blondine beginnt mit ihren männlichen Kunden zu flirten, was das Zeug hält, meldet sich bei einem Flirtportal im Internet und macht die ersten Dates aus. (Liebessuche im Internet – lustig und sicherlich auch es wert, so etwas zu erleben!) Die allerdings scheitern. Sie versteht schnell, dass sie es einfach nicht kann, dumm zu sein und vor allem die Männer auszustehen, die sie für dumm halten. Die Männer sind entweder arrogant und eingebildet, oder zu schüchtern, oder einfach nicht die, mit denen sie sich ein Leben vorstellen könnte. Bis sie von Kai angeschrieben wird. In ihm sieht sie nach wenigen Tagen einen, denn sie wirklich kennen lernen möchte. Aber das Treffen wird erstmals verschoben. Dazwischen kommen „Trainingdates“ und eine Liebeserklärung vom ehemaligen Kollegen, in den sie fast verliebt war, der ihr aber nie seine Gefühle gezeigt hatte. Aber nach dem Date mit ihm versteht Miriam, dass sie einen ganz anderen Mann liebt, den sie bisher nicht als Mann wahrgenommen hatte. Den Chris, Verkäufer aus dem Fahrradladen. Und nun beginnt der Kampf um diese Liebe, der am Ende des Buches glücklich ausgeht.
Also, die Geschichte ist sehr spannend geschrieben. Ich habe sie gelesen und hatte einen ganzen Film vor den Augen. Die Figuren fand ich ausnahmsweise sehr sympathisch (na doch, Jonas ist die Ausnahme - da würde man sagen - "ein eingebildetes Arschloch!"). Marie... wie liebevoll ist denn diese Frau! Nächstes Mal, wenn ich in die Bäckerei gehe, schaue ich genauer hin, wer da hinter der Theke steht. Vielleicht ist da Marie und Silvie? :-)
Von Miriam war ich von Anfang an begeistert. So eine liebenswerte Frau, aber wenn ich mir überlege, wenn ich ihr auf der Arbeit begegnet wäre, hätte ich mich wahrscheinlich genauso auf Distanz von ihr gehalten. Sie macht auf Arbeit den Eindruck einer sehr starken, selbstbewussten und unabhängigen Frau, die auch ohne Mann gut zurechtkommt. Oder besser: ohne Mann geht sie besser zurecht als mit einem :-) Als „Intelligenzbestie“ wird sie von ihrem Kollegen Adrian bezeichnet…
Ihr Projekt fand ich zur gleichen Zeit sehr originell, mutig und ein bisschen verrückt. Und diese Mischung macht das Buch aus, macht das Lesen zu einem Genuss. Dass sie bei der Suche nach ihrem Traummann andere Menschen übersieht und sich für sie so gut wie gar nicht interessiert, konnte ich nachvollziehen. Mir würde es wohl genauso gehen...
Kurz zusammengefasst: so ein leichtes (im positiven Sinne) Buch habe ich lange nicht mehr gelesen. Ein Buch, bei dem man sich entspannt und das Lesen regelrecht genießt. Einfach nur toll!

Bewertung vom 15.11.2015
Sehnsucht auf blauem Papier, 5 Audio-CDs
Fischer, Julia

Sehnsucht auf blauem Papier, 5 Audio-CDs


ausgezeichnet

"Die Sehnsucht auf blauem Papier" ist eine ergreifende Geschichte über den bodenlosen Schmerz des Verlusts, über die alles zerreißende Trauer und die Menschenliebe, die diese Wunden heilen kann.
Milli Grube, eine geheimnisvolle Heilpraktikerin mit besonderer Gabe, Menschen zu spüren, ist verliebt in Paul. Als seine Frau bei einem Autounfall ums Leben kommt, beschließt Milli, ihm ihre Schulter anzubieten, ihn zu unterstützen. Statt direkt zu ihm zu gehen und ihr Beileid auszusprechen, entscheidet sie sich für Briefe. Ab diesem Moment schreibt sie ihm jeden Tag einen Brief, auf blauem Papier. Das sind Briefe, die anfangs ihr Beileid ausdrücken, ihr Verständnis für seinen Schmerz und das Versprechen, für Paul da zu sein. Mit der Zeit versucht Milli mit ihren Worten Paul aus seiner Trauer rauszuholen, ihn zurück ins Leben zu rufen. Sie weist ihm kleine Schritte, die ihn aus der Finsternis seiner Trauer führen sollen. Ein Jahr dauert es, aber das Ziel wird am Ende erreicht.
In dieser Zeit passiert vieles sowie im Leben von Milli als auch im Leben von Paul. Er verliert seinen an Demenz erkrankten Vater und versucht einen Selbstmord. Sie verliert beinahe ihr Rehlein, ein Mädchen, das in dieser Zeit fast zum Mittelpunkt ihres Lebens wird. Sie findet einen leidenschaftlichen Verehrer, erkennt aber, dass die Liebe zu Paul so vollkommen ist, dass nur sie gelebt werden darf.
"Die Sehnsucht auf blauem Papier" ist eine wunderschöne Liebesgeschichte voller Sehnsucht, die langsam gelesen werden muss: Sie ist gefüllt mit kleinen Weisheiten, die nicht verpasst werden dürfen. Kleine Weisheiten über die wahre Liebe, über die Kostbarkeit des Lebens, über die Kraft der Hoffnung, über das Wesen der Seelen.
Berührend geschrieben und mit viel Gefühl gelesen - so ist die blaue Sehnsucht!

2 von 2 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 04.10.2015
Trauer ist eine lange Reise
Koeniger, Georg

Trauer ist eine lange Reise


ausgezeichnet

Als ich den Titel dieses Buchs gelesen hatte, wusste ich gleich, dass es ein sehr intimes Buch sein soll, ein Buch voller Schmerz und Suche nach Neuanfang. Das schildert auch die Buchzusammenfassung. Und das Buch ist genau das, was der Klappentext verspricht. Ein Buch, in dem die Stimmung schon in den ersten Sätzen tief verankert ist: Trauer und Trennung.

Etwa ein Jahr nach dem Tod seiner Frau macht sich Georg Koeniger, der Autor, auf den Weg nach Santiago de Compostela, mit dem Fahrrad. So wie es seine Frau Andrea machen wollte. (Er wollte diese Reise eigentlich nicht machen, was er auch offen gesteht, die Legenden um den Jakobsweg kritisch betrachtet oder sogar auslacht, aber er macht diese Reise doch, zuerst für seine Frau, aber später merkt er selbst, dass es vor allem eine Reise für ihn selbst ist.)

Das Buch beschreibt, wie die Reise von Würzburg über Frankreich und Spanien verlief, was der Autor dabei erlebte und wie er sich langsam vom früheren Leben trennte: zuerst ungewollt (wo z.B. das Handy seiner Frau gestohlen wird, in dem noch die Nachrichten und Fotos gespeichert waren) oder später als die Realisierung des Reiseziels (indem er die Urne mit der Asche seiner Frau auf dem Jakobsweg hinterlässt). Wie viel Kraft es ihm kostete, denn er musste das auseinanderreißen, was zusammengehörte. Aber diese Reise war es offensichtlich wert: Schon bald stellt der Autor fest, wie sie seinen Blick auf verschiedenste Sachen änderte. Er sieht vieles mit anderen Augen. Parallel zur Reisebeschreibung wird die Entwicklung der Krebserkrankung der Frau beschrieben, wie sie gelitten hatte und was es für den Mann bedeutete. Den Mann, der hauptberuflich ein Kabarettist ist. Er schreibt, wie es war, den Wahnsinn des Kampfes gegen Krebs mit der Arbeit zu verbinden, wo er Menschen zum Lachen bringen sollte. Das gleiche versucht der Autor auch auf den Seiten des Buches zu machen (z.B. mit seiner Version der Welterschaffung). Allerdings fand ich die meisten Witze nicht wirklich lustig. Wahrscheinlich war ich zu sehr auf die traurige Seite fokussiert.

Für mich war das Buch eine emotional sehr schwere Lektüre, denn ich kenne das aus meiner eigenen Familie. Und das meiste, was der Autor in seinem Buch schildert, konnte ich auch erleben, ich hatte wieder diese Bilder vor den Augen. Eine Krankheit, die keine Hoffnung auf Besserung lässt... Also machte ich diese Reise mit dem Autor mit. Ein schönes Gefühl!

Ein sehr gut geschriebenes Buch, ein sehr persönliches Buch, das mich sehr gerührt hat.
Ich würde es sehr gerne weiterempfehlen, vor allem denen, bei denen die lange Reise, die Trauer heißt, auch noch nicht abgeschlossen ist...