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Benutzername: Danion
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Bewertungen

Insgesamt 25 Bewertungen
Bewertung vom 24.09.2020
Das Buch eines Sommers
Kast, Bas

Das Buch eines Sommers


ausgezeichnet

Von „Das Buch eines Sommers. Werde, der du bist“ habe ich von Anfang an sehr viel erwartet. Schon der Klappentext verspricht eine großartige Lektüre: „Eine lebensphilosophische Erzählung, die einen wachrüttelt“.
Und, um es vorwegzunehmen, - der Roman hält, was er verspricht!
In der ersten Hälfte geht es ziemlich entspannt voran, ohne dass man irgendwie besonders beeindruckt, erschüttert, „wachgerüttelt“ wird. Ich dachte mir an einem Punkt sogar, ich wäre enttäuscht, meine Erwartungen wären zu groß gewesen.
Doch, wie es auch im Klappentext steht, kommt es dann zu diesem einen „unwahrscheinlichsten Ort“, wo der Roman mich tatsächlich zum Staunen brachte. Die Gespräche zwischen dem Protagonisten und einem gewissen Christopher stellen einen Spiegel vor den Leser, werfen auf ihn Fragen zurück, die einen nicht kalt lassen. Über das eigene Leben, den Wert der Zeit und all unserer Bemühungen. Eine Weisheit jagt die andere, in einer einfachen Sprache, die den Weg direkt zum Herzen findet.
Ich liebe diesen Roman! Eine absolute Kaufempfehlung!

Bewertung vom 10.08.2020
Der letzte Satz
Seethaler, Robert

Der letzte Satz


sehr gut

„Der Letzte Satz“ von Robert Seethaler erzählt von den letzten Stunden im Leben eines der größten Komponisten und Dirigenten der Spätromantik – Gustav Mahlers. Der Roman zeigt den totkranken Musiker, der sich allmählich von seinem Leben verabschiedet, indem er sich die markantesten Ereignisse durch den Kopf gehen lässt.
Es sind Erinnerungen, die ihn als eine private Person, als Komponisten und einen erfolgreichen Dirigenten zeigen, der ständig auf der Suche ist, sein Werk perfektioniert und dabei manche Rückschläge bekommt, vor allem als Vater und Ehemann.
Die Idee des Romans fand ich sehr interessant, allerdings habe ich mir davon ein bisschen mehr versprochen. Einzelne Szenen, Erinnerungen, die der Autor aufs Papier legt, sind zum Teil recht spannend, bei anderen habe ich nur durchgelesen, ohne dass sie bei mir einen Eindruck hinterlassen haben. An manchen Stellen haben mir der rote Faden und die emotionale Entwicklung gefehlt. Erst auf S. 118-119 war ich wirklich in der Geschichte, beeindruckt von dem ausdrucksstarken Bild, das in dieser Szene geliefert wird, aber da war das Buch auch schon zu Ende. Schade irgendwie. Vielleicht ist der Roman doch zu kurz, um richtig beeindrucken zu können.

Bewertung vom 25.01.2020
Das Gerücht
Kara, Lesley

Das Gerücht


ausgezeichnet

Inhalt
Die Ich-Protagonistin Joanna hört auf dem Schulhof, als sie ihren Sohn zum Unterricht bringt, ein Gerücht, dass eine Kindermörderin in ihrer kleinen ruhigen (fast idyllischen) Stadt unter einer neuen Identität leben soll. Als zehnjähriges Mädchen hat Sally McGowan einen fünfjährigen Jungen erstochen und soll nun viele Jahre später in gefährlicher Nähe sein. Joanna nimmt die Worte erstmal nicht ernst. Nebenbei trägt sie sogar dazu bei, dass das Gerücht sich weiter ausbreitet und immer mehr Mütter in der Stadt von dem „Ungeheuer“ reden. Mit jedem Tag arbeitet es in Joanna aber immer intensiver. Der Gedanke, ihr Sohn könnte in Gefahr sein, verlässt sie nicht mehr. Eine nach der anderen rücken in ihr Verdächtigen-Feld immer mehr Frauen. Das Gerücht breitet sich aus und erreicht Ausmaße, mit denen Joanna nie gerechnet hätte. Bis ihr eigenes Leben vor Angst beinahe unerträglich wird und sie in jeder Nachbarin eine potenzielle Mörderin sieht.

Mein Eindruck
Der Klappentext und das Coverbild haben bei mir hohe Erwartungen geweckt. Ein düsteres Foto und das Versprechen, jede Seite würde „vor Spannung und einem Gefühl der Bedrohung vibrieren“, haben mich auf das Buch neugierig gemacht.
Nach dem ziemlich spannenden Einstieg gab es längere Passagen, bei denen ich das Gefühl hatte, die Autorin würde sich in dem Text verlieren und das Spannungspotential vergeuden. Sehr viele Beschreibungen aus dem Leben einer alleinerziehenden Mutter, ihrem Alltag, ihren Gedanken usw., die mich etwas gelangweilt haben. Doch etwa ab dem zweiten Drittel wird es tatsächlich wieder so spannend, wie es im Klappentext versprochen wird.
Durch die Ich-Perspektive und starke Beschreibungen der Gefühle und der Gedanken der Hauptfigur wird die Geschichte vom Leser aktiv miterlebt. Die Spannung wird schön aufgebaut, einzelne Handlungsschritte sind nachvollziehbar und realistisch, sodass ich der Autorin jedes Wort geglaubt habe. Das Gefühl der Bedrohung und der Angst, die die Hauptfigur bald in den Wahnsinn treiben, sind spürbar. Durch eine „normale“ Figur, eine Frau, von denen jeder aus seiner Nachbarschaft kennen könnte, werden die Authentizität und die Glaubwürdigkeit der Geschehnisse gesichert.
Genauso wie das Thema des Buches. Überzeugend und lebensnah – wie sich ein Gerücht ausbreiten kann, wie es wächst, sich modifiziert, von immer gefährlicheren Elementen ausgeschmückt wird, bis es über Knochen rollt – absolut glaubhaft.
Ich war von dem Buch insgesamt begeistert und habe es sehr gerne bis zum letzten Wort gelesen, wurde dabei von der Autorin unterhalten und ständig an der Geschichte gebannt gehalten. Eine absolute Leseempfehlung.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 16.11.2019
Missing Boy
Fox, Candice

Missing Boy


sehr gut

„Ziemlich perfekt in jeder nur erdenklichen Weise.“
„Frischer, lebendiger Stil, der keine Schocks scheut.“
„Grandiose Kriminalliteratur.“
„Candice Fox schreibt originell, spannend und total süchtig machend.“

Mit solchen Worten wird „Missing boy“ auf dem Cover geprahlt. Kling sehr vielversprechend. Ob diese Versprechungen gehalten werden?

Das Cover sieht für das Genre schon sehr ansprechend aus und die Bilder erklären sich im Laufe der Geschichte (spätestens zu deren Höhepunkt) von selbst. Mich hat dieses Cover auf jeden Fall fasziniert.
Der Einstieg liest sich sehr gut, flüssig und spannend, sodass man eine wirklich spannende Geschichte erwartet. Es wird dargestellt, dass ein Junge spurlos aus einem Hotelzimmer verschwindet. Die Polizei sucht nach ihm und gleichzeitig ermitteln zwei Privatdetektive, beide mit ziemlich außergewöhnlichen persönlichen Vorgeschichten für ihren Beruf, finde ich zumindest. Zwei sehr unterhaltsame und interessante Figuren, muss man dazu sagen.
Das Buch selbst liest sich ganz gut, obwohl es nach meinem Geschmack relativ viele Stellen gibt, wo die Autorin seitenweise Informationen ausschüttet, die ich als Leser in dem Moment gar nicht brauche. Da musste ich einige Sätze / Absätze überspringen, um im Flow zu bleiben.
Was die Spannung betrifft, so finde ich, dass sie für einen Thriller an manchen Stellen doch ziemlich schwach ist. Nichts mit atemberaubend und nach einigen solchen Spannungsmomenten auch relativ vorhersehbar – zumindest in dem Sinne, dass man irgendwie weiß, dass für die beiden Hauptfiguren alles gut ausgeht, egal wie mies gerade ihre Lage ist und in welcher Gefahr sie stecken. Die Lösungen nach diesen Stellen fand ich viel zu eintönig. Es wird wieder seitenweise berichtet, was nach so einer überraschenden Szene passierte. Man erlebt die Szenen nicht mit, sondern bekommt eine Zusammenfassung, die für mich persönlich wenig mit „grandios“ und „ziemlich perfekt“ zu tun hat. Dazu kommen ein paar schräge Nebenfiguren, die für Konflikte sorgen sollen und sogar das Leben von den beiden Ermittlern bedrohen. Und das, wie diese Konflikte zu Ende der Geschichte gelöst werden, fand ich nun tatsächlich komisch. Unrealistisch. Die versprochenen „Schocks“ von dem Cover brachten mich letztendlich nur zum Schmunzeln.
Zurück zu meiner Frage am Anfang – ob die Zitate auf dem Cover ihre Versprechen halten – vielleicht für jemanden schon. Allerdings finde ich die meisten Thriller, die ich bisher gelesen hatte, um einiges spannender. „Missing boy“ ist für mich eher ein mittelmäßiges Buch.

Bewertung vom 01.11.2019
Die Wanderschriftsteller
Lorentz, Iny

Die Wanderschriftsteller


weniger gut

Den Namen Iny Lorentz habe ich zum ersten Mal vor etwa 11 Jahren gehört. Damals habe ich gerade Deutsch gelernt und war auf der Suche nach Büchern, die mich dabei unterstützen sollten. Einer von meinen Freunden hatte mir 2008 zwei Bücher geschickt – beide von Iny Lorentz – „Die Wanderhure“ und „Die Kastellanin“. So waren diese Romane die ersten, die ich in der deutschen Sprache gelesen hatte. Und durch diese hatte sich bei mir die Liebe zu historischen Romanen entwickelt. Später habe ich noch einige Romane von dem Autorenpaar gelesen und fand sie alle ganz gut was mein Interesse am Autorenpaar festhielt.
Als ich nun dieses Buch entdeckte – „Die Wanderschriftsteller“ – war ich sehr gespannt. Der Klappentext verspricht Einblicke in die Entstehung der Bestseller von Iny und Elmar, man würde die beiden auf den Recherchereisen begleiten und viel Neues erfahren. Das klang sehr vielversprechend. So griff ich ohne lange zu überlegen nach diesem Buch.
Die Ausmachung des Bandes ist sehr ansprechend – schöne Bilder, die meist Motive zeigen, die man auf den Covern der Romane wiederfindet, oder auch Bilder von den Autoren auf ihren Reisen – wahrscheinlich größtenteils von den Autoren selbst gemacht und daher nicht immer besonders gut gelungen (so mein Eindruck).
Was den Text betrifft, so muss ich sagen, dass ich etwas mehr von diesem Buch erwartet habe. Es wird von unzähligen Reisen berichtet, wobei man schon nach wenigen Seiten total verwirrt wird durch die chronologischen Sprünge. Ich finde, da hätten sich die Autoren ein bisschen mehr Gedanken machen müssen, wie das Ganze geordnet werden sollte. Chronologisch war es jedenfalls nicht und nach Entstehungsgeschichten einzelner Romane auch nicht wirklich. So werden z.B. die Reisen, die dem ersten Roman von Iny Lorentz – „Die Kastratin“ – zugrunde liegen – durch das ganze Buch verstreut. Letztendlich hatte ich den Überblick verloren und habe nicht weiter versucht, für mich das Ganze zeitlich einzuordnen.
Es wird von vielen Reisen erzählt, aber nach meinem Geschmack nur sehr oberflächlich. Ich hatte das Gefühl, dass die Autoren darum kämpften, irgendwie die 220 Seiten zu füllen. Und so liest man immer wieder Beschreibungen von Campingplätzen, Sanitäranlagen, Cafés und Hotels, was gegessen und getrunken wurde. Zum Teil sieht es nach einem Möchte-gern-Reiseführer aus, dabei aber sehr oberflächlich, unsystematisch und lieblos.
Das, was mich am meisten interessiert hatte, - die Entstehung der Romane – kann man in wenigen Absätzen zusammenfassen, denn es geht immer gleich: Die Autoren finden eine Idee, machen eine Liste von Orten, die sie besuchen wollen, dann fahren sie los, besuchen alle möglichen Museen, kaufen Bücher in den lokalen Buchhandlungen ein, gehen essen, diskutieren über das Gesehene / Gehörte / Gelesene und fahren nach Hause. Zwischendurch werden einige kuriose Geschichten reingeschoben, die das Ganze unterhaltsamer machen sollen (was ich aber nicht besonders gelungen empfand).
Ehrlich gesagt, fand ich dieses Buch ziemlich enttäuschend. Meiner Meinung nach hält dieses Buch bei weitem nicht das, was es verspricht (oder meine Erwartungen waren zu hoch). Inhaltlich eher mittelmäßig und literarisch - .... Leider hat dieses Buch das Autorenpaar für mich nur fremder gemacht und daher keine Leseempfehlung. Lieber einen Roman von den beiden für das Geld kaufen!

Bewertung vom 01.10.2019
Der Geschmack unseres Lebens
Fischer, Julia

Der Geschmack unseres Lebens


ausgezeichnet

Wenn man dieses Buch zum ersten Mal in den Händen hält und das Cover betrachtet, kann man nicht erahnen, wie viel in diesem Roman steckt, welche Gefühle darin brodeln, wie emotional geladen er ist. Man sieht eine wunderschöne Landschaft, die im Zusammenhang mit dem Titel etwas von la dolce vita verspricht. Auch der Klappentext verrät kaum etwas über die (Un-)Tiefen, in die man schon nach wenigen Seiten stürzt. Und so öffnet man das Buch, in Erwartung eines Liebesromans, vielleicht mit viel Leidenschaft, was zu Italien passen würde. Auch die ersten Seiten des Prologs vermitteln dieses heitere Gefühl und dann kommt es zu einer ersten Erkenntnis, die einen wie ein Blitzschlag trifft. Und man versteht: Nein, ein einfacher Liebesroman ist es ganz bestimmt nicht. Und man beginnt zu lesen, ohne aufhören zu können. Denn man ist einem Familiengeheimnis auf der Spur. Einem, von dem man nicht so einfach und offen mit den anderen spricht. Einem, das viel Mut verlangt. Nicht nur von den Figuren, die es nach und nach lüften, sondern auch von der Autorin, die hier meisterhaft ihre eigene Familiengeschichte einbaut.

Nach und nach erfährt der Leser zusammen mit der Hauptfigur Ella die Geschichte ihrer Mutter und die Umstände, die ihrem Tod vorangingen (der Tod war schon im Klappentext angedeutet, aber man würde niemals erwarten, dass es um einen solchen Tod geht).

Ich war zutiefst beeindruckt von Ellas Familiengeschichte, von den Geheimnissen, die ihr Vater und ihr Bruder jahrelang mit sich trugen. Es sind Geschichten, die mich beim Lesen zum Zittern brachten. Denn man fühlt sich in die Geschichte miteinbezogen, man fühlt mit den Figuren mit, man glaubt, ihre Gefühle zu kennen. Und dann kommt noch die gewaltige Sprache von Julia Fischer dazu, mit ihren Bildern und Metaphern, mit Andeutungen und Vergleichen, die erschüttern können. Man glaubt hier sehr viel Persönliches zu lesen, so gut ist es der Autorin gelungen, die Geschichte(n) aufzubauen und aufs Papier zu bringen.

Nebenbei bekommt man auch viel Wissen über die Region, in der der Roman spielt, über einige Traditionen, über die Mentalität der Menschen dort und über Sachen, die sie von Tag zu Tag beschäftigen. Ehrlich gesagt, ich war so tief in der Hauptgeschichte drin, dass diese Nebenstränge mich weniger interessierten. man muss gestehen: Diese Skizzen des Lebens in einer italienischen Kleinstadt kommen sehr gut herüber.

Dieser Roman gibt dem Leser viel mehr als man anfangs vielleicht erwartet. Als ein „warmherziger Familienroman“ im Klappentext bezeichnet, ist er psychologisch unglaublich beeindruckend. Eine absolute Leseempfehlung!

Bewertung vom 01.03.2019
Liebes Kind
Hausmann, Romy

Liebes Kind


ausgezeichnet

Ein Cover in schwarz, weiß, grau und rot. Eine einfache Hütte darauf, die wie eine Gefängniszelle mit Dach aussieht. Und dazu die Überschrift „Liebes Kind“. Sachen, die nicht zusammengehören. Und die sofort neugierig machen. Wer ist dieses Kind? Was hat es mit der Hütte an sich? Warum sieht sie wie eine vergitterte Zelle aus? Ich nehme das Buch in die Hände, lese den Klappentext auf der Rückseite und bin noch mehr gespannt. Es soll nicht nur ein, sondern zwei Kinder geben. Und eine Frau, die in einer Hütte eingesperrt ist, mit mit Dämmplatten verschraubten Fenstern. Entführt? Wer ist sie, diese Frau? Wer ist der Mann, der sie da festhält? Ein Verrückter? Und woher kommen die Kinder?

Gespannt beginne ich zu lesen, einen Roman, der mit einer Vermisstenanzeige beginnt. Ein vielversprechender Anfang. Ich ahne noch nicht, wie viel spannender es weiter wird!
Die Handlung baut sich aus den Perspektiven von drei Figuren, jede von denen mich immer wieder ins Erstaunen versetzt. Manche Textabschnitte schließen mit explosionsartigen Erkenntnissen ab. Mit einfachen, lässig hingeworfenen Sätzen, die sich wahnsinnig anhören und wiederholte Adrenalinportionen in mein Blut treiben. Ich lese. Ich zittere. Ich lege das Buch weg, mache ein paar Schritte im Zimmer, um mich etwas zu beruhigen. Greife aber erneut nach dem Buch. Es ist unmöglich, nicht weiter zu lesen. Zwischendurch frage ich mich, wie genial muss man sein, um so etwas zu Schreiben. Um SO zu schreiben.

Ich kann nicht mehr viel zu diesem Thriller sagen. Man muss dieses Buch gelesen haben. Auf jeden Fall! So ein Debüt... Ist das möglich?

„Er macht den Tag. Und die Nacht“ steht in großen Buchstaben auf der Rückseite des Covers, auf den Mann bezogen, der in diesem Thriller den Gott spielt.
.
„Und sie schafft ein Meisterwerk“ ergänze ich, auf die Autorin bezogen, genial so wie sie ist, wenn sie dermaßen starke Gefühle beim Leser auslösen kann.

Bewertung vom 21.01.2018
Olga
Schlink, Bernhard

Olga


ausgezeichnet

Meine Entdeckung von Bernhard Schlink fing 2010 mit dem Roman „Der Vorleser“ an, der eines der ersten deutschsprachigen Büchern im Original war, das ich gelesen hatte, und der bis heute zu meinen Lieblingsbüchern gehört. So waren die Erwartungen an „Olga“ sehr groß. Ich liebte den Schreibstil dieses Autors, die Gedankentiefe und das Dramatische, was klug formuliert den Leser zutiefst trifft.
Als ich anfing, „Olga“ zu lesen, war ich nicht begeistert. Die beiden Hauptfiguren entwickelten sich auf den Seiten, aber die Handlung war mir ein bisschen zu trocken, zu linear. Außerdem suchte ich nach den Emotionen, die in mir „Der Vorleser“ vor knapp 8 Jahren ausgelöst hatte. Und ich fand sie, allerdings erst im zweiten Drittel des Romans.
Das Buch ist in drei Teile gegliedert. Im ersten Teil erfährt der Leser die Geschichte der beiden Hauptprotagonisten: Olga, die schon als Kind durch ihre Fähigkeit auffällt, zu beobachten, das Mädchen, das sich zu einer weisen Frau entwickelt, die am Ende ihres Lebens feststellen muss, sich nie geliebt gefühlt zu haben. Und dann Herbert, der schon bei seinen ersten Schritten versucht zu rennen, was sein ganzes Leben charakterisiert: ein ständiges Rennen, ohne klares Ziel, ein Rennen ins Nichts, ein Wegrennen, das Olga so unglücklich macht. Die beiden sind ein Paar, ohne es sein zu dürfen, ohne es sein zu können. Ein Paar ohne Zukunft. Weil Herbert weiter rennen muss, weil es ihn ständig in die Ferne zieht.
Im zweiten Teil lernen wir Olga als eine reife Frau kennen, die die beiden Weltkriege überlebt hatte, die allein lebt und immer noch innig auf ihren Herbert wartet. Ihre Liebe schenkt sie nun Ferdinand, einem Jungen, in dessen Familie sie als Näherin arbeitet und sich allmählich zum Familienmitglied entwickelt. Sie versucht, die besten Eigenschaften in Ferdinand zu fördern und ihn von dem Unsinn abzuhalten, der ihren Herbert und später ihren Schüler (eigentlich mehr als nur Schüler – das Geheimnis wird später gelüftet) Eik ins Verderben führt. Gerade in diesem Teil kommen immer wieder Sätze vor, die mich mit ihrer Aussagekraft besonders beeindruckt hatten, Sätze, die man als Aphorismen benutzen könnte. Die Weisheiten des Lebens, die Olga aus ihrer eigenen Erfahrung formuliert. So wie zum Beispiel „Das Leben ist eine Kette von Verlusten, und man muss beizeiten lernen, seinen Frieden damit zu machen“.
In diesem Teil findet sich auch mein persönlicher emotionaler Höhepunkt – der Tod von Olga. Als hätte ich sie gekannt, als wäre ich Ferdinand, so lebendig wurde für mich die Hauptfigur des Romas.
Im dritten Teil darf der Leser einen Einblick in Olgas Briefe an Herbert bekommen, die der Empfänger nie gelesen hatte. In diesen Briefen offenbaren sich noch ein paar Geheimnisse, die die Bewunderung für diese Frau noch weiter hochtreiben. Eine richtig faszinierende Lebensgeschichte und eine unglaublich beeindruckende Figur.
Mit „Olga“ hat Bernhard Schlink ein weiteres Meisterwerk geschaffen, das bereits seinen Ehrenplatz im Regal meiner Lieblingsbücher eingenommen hat.

Bewertung vom 26.03.2017
Sein blutiges Projekt
Burnet, Graeme Macrae

Sein blutiges Projekt


ausgezeichnet

Dieser Thriller ist etwas ganz besonderes, was ich bisher nicht kannte. Darin wird die Geschichte eines Mörders erzählt, wobei diese aus verschiedenen Perspektiven dargestellt wird: durch die Zeugenaussagen, medizinische Gutachten und Protokolle einer psychologischen Untersuchung, aber auch aus der Perspektive des Mörders.
Von Anfang an stellte ich fest, dass dieses Bcuh einfach besonders ist - die Stimmung wird vom Autor wunderbar in Worte gefasst bzw. durch seine Worte geschaffen, die Sprache erweckt den Eindruck, man lese einen Klassiker der Weltliteratur. Anfangs war die Geschichte für mich ein wenig zu langwierig, zu detailliert und ich konnte es kaum erwarten, bis es zum eigentlichen Verbrechen von Rody kommt. Man bekommt eine sehr ausführliche Vorgeschichte, erzählt durch den Täter, und dann passiert alles so schnell, auf 2 Seiten, dass der Leser einfach verblüfft ist von der Intensität...
Sehr interessant fand ich die Analysen des kriminologischen Antropologen, der seine Schlüsse zieht, ohne auf solches wichtige Dokument, wie die schriftlichen Ausführungen des Täters zum Fall zu beachten. Ohne diese zu lesen, schreibt er: "Ich zweifle keine Sekunde daran, dass die Seiten /.../ lediglich wirres, sinnloses Gefasel enthielten..."
Eine faszinierende Geschichte!

Bewertung vom 18.02.2017
Minus 18 Grad / Fabian Risk Bd.3
Ahnhem, Stefan

Minus 18 Grad / Fabian Risk Bd.3


ausgezeichnet

Wenn man diesen Klappentext liest, hat man schon ziemlich große Erwartungen - das Ganze klingt sehr spannend. Aber dass der Roman SO SPANNEND sein kann, hätte ich nicht gedacht!
Ich muss gestehen, der Anfang war für mich kompliziert. Vor allem dadurch, dass auf den ersten 50 Seiten über 20 Figuren eingeführt wurden. So viele Namen, die man sich merken muss, um der Geschichte (bzw. den Geschichten) zu folgen - das hat bei mir gedauert. Aber dann ging es richtig los. Eine nach der anderen wurden neue Wendungen eingebaut. Die Erkenntnisse der Ermittler waren mal verblüffend, mal schockierend und immer wieder atemberaubend. Welche Geschichte sich der Autor mit dem Identitäten-Diebstahl ausgedacht hatte - das ist bemerkenswert, war für mich neu und sehr unheimlich.
Die Sprache des Autors unterstützt den spannenden Aufbau auf allen Etappen. Das Buch liest sich sehr leicht (sobald man mit den zahlreichen Namen zurechtkommt) und es macht sehr viel Spaß!
Eine besondere Stelle im ganzen Buch waren für mich die Seiten 509-510. So viel Brutalität, so viel nackte Gewalt habe ich noch nie in Büchern gelesen. Ich war total entsetzt von dieser Szene, zumal sie unheimlich realistisch wirkt, zumindest auf mich.
Im großen Ganzen ist "Minus 18 Grad" ab sofort mein absoter Favorit in der Kategorie "Kriminalroman". Von Stefan Ahnhem will ich nun noch mehr!