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Benutzername: Danion
Wohnort: Jena
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Danksagungen: 2 (erhaltene)


Bewertungen

Insgesamt 18 Bewertungen
12
Bewertung vom 21.01.2018
Olga
Schlink, Bernhard

Olga


ausgezeichnet

Meine Entdeckung von Bernhard Schlink fing 2010 mit dem Roman „Der Vorleser“ an, der eines der ersten deutschsprachigen Büchern im Original war, das ich gelesen hatte, und der bis heute zu meinen Lieblingsbüchern gehört. So waren die Erwartungen an „Olga“ sehr groß. Ich liebte den Schreibstil dieses Autors, die Gedankentiefe und das Dramatische, was klug formuliert den Leser zutiefst trifft.
Als ich anfing, „Olga“ zu lesen, war ich nicht begeistert. Die beiden Hauptfiguren entwickelten sich auf den Seiten, aber die Handlung war mir ein bisschen zu trocken, zu linear. Außerdem suchte ich nach den Emotionen, die in mir „Der Vorleser“ vor knapp 8 Jahren ausgelöst hatte. Und ich fand sie, allerdings erst im zweiten Drittel des Romans.
Das Buch ist in drei Teile gegliedert. Im ersten Teil erfährt der Leser die Geschichte der beiden Hauptprotagonisten: Olga, die schon als Kind durch ihre Fähigkeit auffällt, zu beobachten, das Mädchen, das sich zu einer weisen Frau entwickelt, die am Ende ihres Lebens feststellen muss, sich nie geliebt gefühlt zu haben. Und dann Herbert, der schon bei seinen ersten Schritten versucht zu rennen, was sein ganzes Leben charakterisiert: ein ständiges Rennen, ohne klares Ziel, ein Rennen ins Nichts, ein Wegrennen, das Olga so unglücklich macht. Die beiden sind ein Paar, ohne es sein zu dürfen, ohne es sein zu können. Ein Paar ohne Zukunft. Weil Herbert weiter rennen muss, weil es ihn ständig in die Ferne zieht.
Im zweiten Teil lernen wir Olga als eine reife Frau kennen, die die beiden Weltkriege überlebt hatte, die allein lebt und immer noch innig auf ihren Herbert wartet. Ihre Liebe schenkt sie nun Ferdinand, einem Jungen, in dessen Familie sie als Näherin arbeitet und sich allmählich zum Familienmitglied entwickelt. Sie versucht, die besten Eigenschaften in Ferdinand zu fördern und ihn von dem Unsinn abzuhalten, der ihren Herbert und später ihren Schüler (eigentlich mehr als nur Schüler – das Geheimnis wird später gelüftet) Eik ins Verderben führt. Gerade in diesem Teil kommen immer wieder Sätze vor, die mich mit ihrer Aussagekraft besonders beeindruckt hatten, Sätze, die man als Aphorismen benutzen könnte. Die Weisheiten des Lebens, die Olga aus ihrer eigenen Erfahrung formuliert. So wie zum Beispiel „Das Leben ist eine Kette von Verlusten, und man muss beizeiten lernen, seinen Frieden damit zu machen“.
In diesem Teil findet sich auch mein persönlicher emotionaler Höhepunkt – der Tod von Olga. Als hätte ich sie gekannt, als wäre ich Ferdinand, so lebendig wurde für mich die Hauptfigur des Romas.
Im dritten Teil darf der Leser einen Einblick in Olgas Briefe an Herbert bekommen, die der Empfänger nie gelesen hatte. In diesen Briefen offenbaren sich noch ein paar Geheimnisse, die die Bewunderung für diese Frau noch weiter hochtreiben. Eine richtig faszinierende Lebensgeschichte und eine unglaublich beeindruckende Figur.
Mit „Olga“ hat Bernhard Schlink ein weiteres Meisterwerk geschaffen, das bereits seinen Ehrenplatz im Regal meiner Lieblingsbücher eingenommen hat.

Bewertung vom 26.03.2017
Sein blutiges Projekt
Burnet, Graeme Macrae

Sein blutiges Projekt


ausgezeichnet

Dieser Thriller ist etwas ganz besonderes, was ich bisher nicht kannte. Darin wird die Geschichte eines Mörders erzählt, wobei diese aus verschiedenen Perspektiven dargestellt wird: durch die Zeugenaussagen, medizinische Gutachten und Protokolle einer psychologischen Untersuchung, aber auch aus der Perspektive des Mörders.
Von Anfang an stellte ich fest, dass dieses Bcuh einfach besonders ist - die Stimmung wird vom Autor wunderbar in Worte gefasst bzw. durch seine Worte geschaffen, die Sprache erweckt den Eindruck, man lese einen Klassiker der Weltliteratur. Anfangs war die Geschichte für mich ein wenig zu langwierig, zu detailliert und ich konnte es kaum erwarten, bis es zum eigentlichen Verbrechen von Rody kommt. Man bekommt eine sehr ausführliche Vorgeschichte, erzählt durch den Täter, und dann passiert alles so schnell, auf 2 Seiten, dass der Leser einfach verblüfft ist von der Intensität...
Sehr interessant fand ich die Analysen des kriminologischen Antropologen, der seine Schlüsse zieht, ohne auf solches wichtige Dokument, wie die schriftlichen Ausführungen des Täters zum Fall zu beachten. Ohne diese zu lesen, schreibt er: "Ich zweifle keine Sekunde daran, dass die Seiten /.../ lediglich wirres, sinnloses Gefasel enthielten..."
Eine faszinierende Geschichte!

Bewertung vom 18.02.2017
Minus 18 Grad / Fabian Risk Bd.3
Ahnhem, Stefan

Minus 18 Grad / Fabian Risk Bd.3


ausgezeichnet

Wenn man diesen Klappentext liest, hat man schon ziemlich große Erwartungen - das Ganze klingt sehr spannend. Aber dass der Roman SO SPANNEND sein kann, hätte ich nicht gedacht!
Ich muss gestehen, der Anfang war für mich kompliziert. Vor allem dadurch, dass auf den ersten 50 Seiten über 20 Figuren eingeführt wurden. So viele Namen, die man sich merken muss, um der Geschichte (bzw. den Geschichten) zu folgen - das hat bei mir gedauert. Aber dann ging es richtig los. Eine nach der anderen wurden neue Wendungen eingebaut. Die Erkenntnisse der Ermittler waren mal verblüffend, mal schockierend und immer wieder atemberaubend. Welche Geschichte sich der Autor mit dem Identitäten-Diebstahl ausgedacht hatte - das ist bemerkenswert, war für mich neu und sehr unheimlich.
Die Sprache des Autors unterstützt den spannenden Aufbau auf allen Etappen. Das Buch liest sich sehr leicht (sobald man mit den zahlreichen Namen zurechtkommt) und es macht sehr viel Spaß!
Eine besondere Stelle im ganzen Buch waren für mich die Seiten 509-510. So viel Brutalität, so viel nackte Gewalt habe ich noch nie in Büchern gelesen. Ich war total entsetzt von dieser Szene, zumal sie unheimlich realistisch wirkt, zumindest auf mich.
Im großen Ganzen ist "Minus 18 Grad" ab sofort mein absoter Favorit in der Kategorie "Kriminalroman". Von Stefan Ahnhem will ich nun noch mehr!

Bewertung vom 29.12.2016
Eltern haften an ihren Kindern
Zingsheim, Martin

Eltern haften an ihren Kindern


sehr gut

Als ich den Cover gesehen hatte, war ich sehr gespannt auf das Buch. Ich erwartete ein Buch voller Humor und das zu einem nicht einfachen Thema, Kindererziehung. Der Vater von drei Kindern beschreibt, wie er mit dieser Aufgabe zurechtkommt, wie verblüfft man manchmal dabei ist (z.B. wenn Kinder ganz einfache Fragen stellen, die man aber nicht erwartet) und wie viel Spaß man auf dieser Entdeckungsreise durch Kinderpsychologie hat.
Ich fand das Buch zwar unterhaltsam, aber weniger beeindruckend als ich es erwartete. Ein bisschen gestört haben mich etwas abschweifende Überlegungen zu verschiedensten Themen, die natürlich etwas mit dem Thema Erziehung zu tun haben, viel besser aber in ein anderes Buch gepasst hätten. So hat mich das Buch leider nicht völlig in seinen Bann gezogen.

Bewertung vom 03.12.2016
Nenne drei Hochkulturen: Römer, Ägypter, Imker
Greiner, Lena; Padtberg-Kruse, Carola

Nenne drei Hochkulturen: Römer, Ägypter, Imker


sehr gut

Ich bin seit 3 Jahren Lehrer, allerdings im Bereich Erwachsenenbildung. Und ich muss sagen - die Erwachsenen machen nicht weniger lustige Fehler, Versprecher oder Ausreden, sodass sie sich nicht selten mit den Protagonisten dieses Buches vergleichen lassen.
Ich lese sehr gerne solche witzigen Geschichten, vor allem wenn ich abends unterwegs nach Hause bin, im Zug. Da kann man sich entspannen und ein bisschen schmunzeln.
Das Buch von den beiden Autorinnen verspricht Lachanfälle bis Schmerzen im Bauch. Das hatte ich leider nicht, aber geschmunzelt habe ich schon. Ich denke, die meisten Antworten, die die Schüler gegeben hatten, waren gar nicht ernst gemeint. Für mich sahen sie eher wie Versuche aus, eigenes Unwissen nicht so dramatisch aussehen zu lassen, sondern daraus etwas Lustiges zu lachen. Man nimmt dann die Situation nicht so ernst, wenn man darüber lachen kann. Das kenne ich sowohl aus meiner Schul- und Studiumzeit, als auch aus meiner heutigen Praxis. Was das über den Stand der Bildung der deutschen Schüler aussagen kann, würde ich an dieser Stelle nicht bewerten.
Im großen Ganzen ist "Nenne drei Hochkulturen...." eine unterhaltsame Lektüre, mit der sich die Zeit angenehm vertreiben lässt.

Bewertung vom 05.10.2016
Sieben minus eins / Berger & Blom Bd.1
Dahl, Arne

Sieben minus eins / Berger & Blom Bd.1


gut

Mit „Sieben minus eins“ beginnt der schwedische Autor Arne Dahl eine Krimiserie, die viel Spannung verspricht. Das erste Buch präsentiert dem Leser die beiden Hauptfiguren der Reihe – den Kriminalkommissar Sam Berger und Molly Blog, die bei einem Geheimdienst arbeitet. Beide sind auf den Spuren eines Serienmörders. Wer der Mörder sein könnte – darüber habe ich mehrere Hypothesen gestellt und keine davon hat sich gehalten. Unter Verdacht standen bei mir unter anderem die beiden Hauptfiguren. Und sobald meine Erwartungen und Vermutungen sich wenigstens ein bisschen Grund fanden, warf der Autor eine unerwartete Wendung (davon gibt es im Buch sehr viele, allerdings wirken einige davon ziemlich konstruiert und unglaubwürdig). Sie jagen die Spannung hoch und verwirren zugleich. Alles, was man annimmt, wird über den Bord geworfen. Und am Ende steht man vor dem nächsten Rätsel, das eventuell im zweiten oder gar im letzten Buch der Reihe gelöst wird.

Der Schreibstil des Autors fand ich anfangs ziemlich anspruchsvoll und nicht wirklich ansprechend. Ich habe Zeit gebraucht, um mich einzulesen, um die Spannung auf mich wirken zu lassen, um sie überhaupt zu finden. Auf den ersten 40-50 Seiten dachte ich mehrmals, ob ich das Buch doch in die Seite legen soll. Aber danach ging es einigermaßen spannender. Es gab zwischendurch immer wieder Stellen, bei denen ich umblättern wollte und einige Absätze habe ich tatsächlich weggelassen (Dialoge zwischen Sam und seinem Chef als Beispiel). Dafür gab es aber auch einige Höhepunkte, psychologisch raffiniert und sprachlich gut realisiert. Wer sich am Ende als der gesuchte Täter entpuppte, war für mich ein bisschen enttäuschend – einige andere Figuren hätten für diese Rolle besser gepasst, wären für mich interessanter. Und die beiden Hauptfiguren – die haben mich leider nicht überzeugt und ich glaube nicht, dass ich das zweite Buch aus der Serie lesen werde.

Fazit: im großen Ganzen war das Buch für mich spannend genug, um es zu Ende zu lesen, aber danach hatte ich nicht das Gefühl, das sich das Lesen wirklich gelohnt hat.

Bewertung vom 14.08.2016
Lügenmauer / Emma Vaughan Bd.1
Bierach, Barbara

Lügenmauer / Emma Vaughan Bd.1


ausgezeichnet

Der wichtigste Punkt, warum ich auf dieses Buch aufmerksam geworden bin, ist der Schauplatz, Irland. Ein Land, das bei mir wie bei vielen anderen Laien mit grünen Wiesen, Felsen am Meer, Wellen am Strand, geheimnisvollen Wesen und Ruhe assoziiert wird. Ich war sehr neugierig darauf, wie Irland in einem Krimi präsentiert werden kann. Und fand nicht nur das, was ich lesen wollte, sondern auch eine tolle spannende Geschichte.
Der Anfang, das erste Kapitel, erinnerte mich an einen historischen Roman. Irgendwie hatte ich das Gefühl, die Geschichte, die beschrieben wird, passiert nicht in den 1960-er Jahren, sondern im Mittelalter. Aber irgendwann hatte ich dann die Vorstellung, dass das Leben in abgelegenen Orten Irlands schon etwas Mittelalterliches an sich hat.
Die nächsten Kapitel brachten mich zurück in die Gegenwart. Was ich schön fand, - im Laufe des Romans entwickeln sich parallel 3 Geschichten, die am Ende vereint werden. Wie die Autorin das geschafft hat, wie sie die Übergänge aufgebaut hat, fand ich sehr gut. Die Geschichte bleibt größtenteils spannend. Nur in der Mitte passierte irgendwie lange Zeit nichts – was ich allerdings nicht schlimm fand, denn da konnte man sich besser in die Stimmung der Ermittlerin hineinversetzen, die lange Zeit keine Theorien hatte und selbst wenn, kam sie keinen Schritt weiter.
Die Sprache des Romans fand ich sehr gut, der Schreibstil sehr angenehm, fließend und leserfreundlich. Die zahlreichen Aufzeichnungen der irländischen Landschaften, der einfachen Leute und ihrer Lebensweise waren für mich besonders wertvoll. Einfach schön zu lesen!
Insgesamt ein lesenswertes Buch, das ich in ein paar Wochen sicherlich noch einmal lesen werde, einfach um noch ein Mal die Stimmungen zu erleben, die im Buch herrschen, und um noch ein Mal die Beschreibungen Irlands zu genießen.

Bewertung vom 14.06.2016
Du hättest es wissen können
Korelitz, Jean Hanff

Du hättest es wissen können


gut

Ich bin auf das Buch durch das Cover aufmerksam geworden. Die farbliche Gestaltung wirkt sehr ansprechend. Allerdings sagt es so gut wie nichts über das Buch aus, außer dass die Geschichte in New York spielt. Die Inhaltsangabe versprach ein sehr spannendes Buch, das ich unbedingt lesen wollte und es nicht bedauert habe.

Zum Inhalt:

Der Einstig in die Geschichte ist SEHR langsam und nach den ersten 35 Seiten (Kapitel 1) hatte ich überhaupt keine Lust, weiter zu lesen. Hier lernen wir Grace kennen, eine 40-jährige Familientherapeutin, die sehr erfolgreich in ihrem beruflichen und privaten Leben zu sein scheint. In Kürze soll ihr erstes Buch erscheinen, in dem sie den Lesern sagen will, dass man bei der Wahl der Lebenspartner auf eigene erste Eindrücke hören sollte, auf die innere Stimme und nicht sich selbst eine Geschichte konstruieren, die der Realität fern ist und die Beziehung letztendlich nicht retten kann. Sehr interessante und zugleich einfache Gedanken (allerdings wenig spannend). Und dann passiert in ihrem Leben genau das, wovor sie ihre Leser warnt: Sie versteht langsam, dass ihr Mann, Jonathan, gar nicht der ist, den sie sich in den 19 Jahren Ehe vorstellte. Sie hörte nicht auf die Warnungen ihrer besten Freundin, sie bemerkte nicht, wie sie sich von allen abgrenzte, die ihre Vorstellung von ihrem idealen Mann hätten beeinflussen können. Und dieser ideale Mann entpuppt sich als ein geistlich kranker Mensch, der eine Frau tötet, die sein Kind erwartete (nicht das einzige Kind, von dem Grace nichts wusste). Nun ist Jonathan spurlos verschwunden...
Grace flieht vor ihrem alten Leben und findet Zuflucht im Sommerhaus am See, das ihren Eltern gehört hatte. Zuerst isoliert sie sich völlig von der ganzen Welt, versteckt sich unter den Decken und will nichts mehr von dem wissen, was um sie herum passiert. Nur ihren Sohn will sie beschützen. Eine Frau, die der Leser sich am Anfang als eine starke Person vorstellt (sie ist ja Psychologin, eine Familientherapeutin, die es genau wissen sollte, wie man in Konfliktsituationen handeln sollte!) kann sich kaum beherrschen, erscheint sehr schwach und hilflos. Ihr 12-jähriger Sohn dagegen wirkt erwachsener und stärker als sie es dachte. Langsam kehrt Grace dann aber doch zurück ins Leben, trifft sich mit ihrer alten Freundin, die sie seit vielen Jahren nicht mehr gesehen hatte (Vita war die, die sie von Jonathan gewarnt hatte). Sie fährt zu Jonathans Eltern, die sie nie kennen gelernt hatte. Sie glaubte an die Geschichte, die ihr Mann ihr erzählte, sie wären die schlimmsten Eltern der Welt. Hier erkennt sie, wie blind sie war. Alles, was sie von Jonathan wusste, stimmte nicht. Alles war nur eine Geschichte, die er ihr erzählte und die sie ohne Bedenken glaubte und für sich selbst glaubhafter machte. Nun lernt sie aber neue Menschen kennen, will eine neue Praxis eröffnen und vielleicht ihr Buch endlich veröffentlichen lassen.

Zum Buch:

Ich muss gestehen, für mich war es kein einfaches Buch. Nicht einfach in dem Sinne, dass ich mehrmals kurz davor war, es wegzulegen und mit dem Lesen aufzuhören. Die ersten 100 Seiten fand ich ziemlich langatmig. Aber ich wollte verstehen, was die vielen positiven Kritiken an sich hatten, die auszugsweise am Anfang des Buchs abgedruckt sind. Sie versprechen eine „fesselnde“ Geschichte, einen „Spannungsroman“, „unfassbar gut“. Dass das Buch gut geschrieben ist (was die Sprache betrifft), kann ich nicht bestreiten. Aber die Spannung, die man hier verspricht, findet man leider nur in einem kleinen Teil des Buchs. Und erst die letzten 150 Seiten erschienen mir wirklich lesenswert.

Fazit:

Leider hat es mir an Spannung in großen Teilen des Romans gefehlt. Ein wirklich kluger Roman, tief psychologisch und in seiner Idee sehr interessant. Ein Buch, das zeigt, wie sich auch sehr kluge Menschen irren und sich betrügen lassen. Nur wenn die Umsetzung der Idee etwas besser überlegt worden wäre. Vielleicht 100 Seiten kürzer, dafür aber spannender…

Bewertung vom 14.06.2016
Die Birken wissen's noch
Mytting, Lars

Die Birken wissen's noch


ausgezeichnet

„Die Birken wissen’s noch“ ist ein Meisterwerk. Für diesen Roman kann es nicht genug Lob geben...

Schon der erste Augenblick, als ich das Buch in die Hände nahm, war ein besonderer: Die Covergestaltung, die Struktur des Papiers hat mich sehr beeindruckt. Auf dem Bild sieht das Cover vielleicht nicht so interessant aus, aber wenn man das Buch in den Händen hält und das raue Papier fühlt, seine Struktur, seine Unebenheit, dann hat man schon den ersten Vorgeschmack, das etwas Besonderes auf einen kommt.

Der Autor schreibt die Geschichte von der ersten Person. Edvard ist ein 23-jähriger Mann, der sich nach dem Tod des letzten Verwandten, seines Großvaters auf die Entdeckungsreise in die Vergangenheit begibt, um herauszufinden, was mit seinen Eltern passiert ist. Er weiß nur, dass sie bei einem geheimnisvollen Unfall ums Leben gekommen sind, als Edvard erst 3 Jahre alt war. Seitdem kümmerte sich der Großvater Sverre um ihn. Er sprach aber nie darüber, was damals, 1971 passiert war. Nun findet Edvard die ersten Hinweise, die ihm helfen sollen, und macht sich auf den Weg von einem norwegischen Dorf zu den Shetland-Inseln. Auf die Suche nach Antworten auf die Fragen, die ihn nun quälen: Warum starben seine Eltern? Was geschah tatsächlich mit ihm an dem Tag (laut Zeitungsberichten wurde er wohl entführt – aber von wem und warum)? Was ist aus seinem Großonkel geworden, der angeblich 1944 starb? Und was hat es an sich mit dem geheimnisvollen Erbe? Während der Reise gewinnt Edvard in kleinen Portionen immer wieder neue schockierende Erkenntnisse über seine Familie, Geschichten, von denen nie geredet wurde. Am Ende kehrt ein ganz anderer Mensch zurück nach Norwegen, einer, der nun in Ruhe leben kann...

Die Geschichte hat mich von den ersten Seiten mitgenommen. Ich vergaß immer wieder Zeit und Raum, versetzte mich komplett in Edvards Rolle und folgte jedem seiner Schritte auf dieser Reise, erlebte die Erschütterungen, die er hatte, und quälte mich mit den gleichen Fragen, die er sich stellte. Das Wichtigste, was ich dabei erwähnen soll: Das ist das Spannendste, was ich seit langem gelesen habe! Die Art, wie die Spannung aufgebaut wird, kann ich nur mit einem Wort bezeichnen: MEISTERHAFT! Das Interessanteste wird wie nebenbei erwähnt. Der Autor schmeißt einfach einen Satz in den Text hinein und löst damit immer wieder neue Explosionen aus. Mein Herz fing mehrmals zu rasen, als nach mehreren Seiten der relativ ruhigen Geschichte so ein Satz kam, der plötzlich alles auf den Kopf stellte. Ein unbeschreiblich schönes Gefühl! Der Roman fesselt den Leser und lässt ihn bis zur letzten Seite nicht aus seinem Bann!

Ein absolut lesenswertes Buch!!!

Bewertung vom 18.12.2015
Blut und Seide
Spang, Marita

Blut und Seide


ausgezeichnet

Es gibt Bücher, die man nach der ersten gelesenen Seite zuklappt und für immer weglegt. Es gibt Bücher, die man nicht erst mal in die Hände nimmt. Es gibt Bücher, die man schnell durchliest und genauso schnell vergisst. Es gibt auch solche, durch die man lange durchkämpft und am Ende doch denkt, dass sich das Lesen nicht gelohnt hat. Und es gibt Bücher, die einen vom ersten Satz an sich fesseln, tage- oder wochenlang begleiten und noch lange nach dem Lesen nicht aus dem Kopf gehen. Ein schönes Beispiel für die letzteren ist Marita Spangs „Blut und Seide“.

Dieses Buch ist erst der zweite Roman der Autorin, aber hier trifft ein Meisterwerk auf den Leser. Nach mehreren historischen Romanen, die ich gelesen hatte, kann ich von „Blut und Seide“ sagen, dass dieses Buch mich am meisten beeindruckt und überzeugt hat:

- mit filigran ausgearbeiteten Figuren, die absolut authentisch und lebendig erscheinen, vielseitig und nicht nach dem Schema „die bösen Figuren müssen bösartig bis auf den Knochenmark sein und dazu möglichst dumm, die guten – engelhaft rein, vorbildlich, schlau, an ihnen gibt es nichts auszusetzen“;

- mit der bis in die kleinsten Details überlegte Geschichte, die zum großen Teil auf historisch belegten Geschehnissen basiert und dadurch noch realer klingt. Hier scheint fast nichts zufällig zu sein. Auch Wunder scheinen nicht so märchenhaft wie man es manchmal liest;

- mit Spannung, die durch das ganze Buch den Leser hält. Ich musste mich mehrmals anhalten, damit ich das Buch nicht zu schnell las und es länger genießen konnte;

- mit Geheimnissen, die lange Geheimnisse bleiben. Die Autorin gibt nicht zu viel von ihnen preis, sodass der Leser nicht jedes Mal sicher sein kann, was auf den nächsten 50 Seiten passiert;

- mit der psychologischen Tiefe, die das Buch wohl der Hauptbeschäftigung der Autorin zu verdanken hat. Jede Handlung einzelner Figuren wird dadurch nachvollziehbar, und man kann das Schicksal jeder von ihnen miterleben, ihre Freuden und ihre Schmerzen spüren;

- mit der philosophischen Tiefe: das Buch beschreibt nicht nur eine große Geschichte, sondern versucht, dem Leser noch mehr zu sagen (absolutes Highlight in diesem Sinne ist das Gespräch zwischen der männlichen Hauptfigur Simon und Bruder Basileus im Kapitel 38);

- mit der erzählerischen Dichte: bei einigen historischen Romanen hat man als Leser das Gefühl, das einige Textpassagen, Seiten oder gar ganze Abschnitte absolut sinnlos sind, dass die Autoren damit nur versuchen, das Buch aufzufüllen, um auf die gewünschte Seitenzahl zu kommen. Und da Erscheinen schon Beschreibungen von irgendwas, die keinen Bezug auf die Geschichte haben und die man einfach überspringen kann. Bei „Blut und Seite“ konnte ich keinen einzigen Satz ungelesen weglassen. Denn jedes Detail hier scheint eine Bedeutung zu haben (und so ist es auch meistens). Und was noch schöner ist: ich fühlte mich damit auf keinen Fall überfordert. Die 824 Seiten erschienen mir nach der Lektüre gar zu wenig: Ich hätte so gerne noch weiter gelesen. Aufhören zu müssen war einfach schmerzhaft;

- mit der Liebe, mit der die Autorin an ihrem Buch gearbeitet hatte. Das erkennt man am Schreibstil, an den Details, an den Figuren, an gut recherchierten Erkenntnissen über das Leben im Mittelalter. Man erkennt hinter diesem Buch eine enorm große Arbeit, die mich mit ihrem Ergebnis absolut überwältigt hat.

Ich könnte weiter fortsetzen, womit mich das Buch noch überzeugt und beeindruckt hatte. Doch ich lasse es lieber die anderen Leser selbst entdecken. Ein so lesenswertes Buch wie „Blut und Seide“ findet man nicht oft, sodass es ein großer Versäumnis wäre, an diesem Buch vorbeizugehen, ohne es gelesen zu haben!

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