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Benutzername: D.Lubimov
Wohnort: Thüringen
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Danksagungen: 4 (erhaltene)


Bewertungen

Insgesamt 30 Bewertungen
Bewertung vom 13.06.2021
Die Sprache des Lichts
Kramer, Katharina

Die Sprache des Lichts


ausgezeichnet

Von dem Roman „Die Sprache des Lichts“ habe ich aus einer regionalen Zeitung erfahren. In einer Buchbesprechung wurde er als sprachgewaltig und sehr spannend gepriesen, was mein Interesse geweckt hat.
Die hohen Erwartungen und die vielen zum Teil überschwänglichen Kommentare zu diesem Buch sind völlig berechtigt. Der Roman von Katharina Kramer ist nicht nur sprachlich ein Meisterwerk, sondern bietet viel Spannendes an.
Die Geschichten um den ehemaligen Pforta-Lehrer Jakob Greve und die Spionin der katholischen Liga Margarète Labé fesseln von den ersten Szenen. Zwei höchst interessante Figuren treiben die Handlung voran, sorgen für Spannung und Staunen durch ihr Wissen und Wissensdurst, aber auch durch die Leidenschaft, mit der sie ihre Ziele verfolgen.
Das geheimnisvolle Buch „Soyga“, das Jakob zu entschlüsseln versucht, wird für manchen Leser eine Entdeckung sein. Die Suche nach der Sprache der Schöpfung, die so gewaltig ist, dass sie Dinge entstehen lässt; die rätselhafte Pfeifsprache der Hirten, mit der geheime Botschaften übermittelt werden und zwei Figuren, die sich mit ganzem Herzen ihrer Mission widmen – was für eine Grundlage für einen historischen Roman!
„Die Sprache des Lichts“ ist ein anspruchsvoller, sehr informativer und ausgezeichnet recherchierter Roman. Der Leser erfährt viele spannende Details und Hintergründe, nicht nur durch die Handlung, sondern auch durch ausführliche Kommentare und Literaturtipps am Ende des Buchs. So wird die Geschichte noch erlebbarer, fundierter. Ein Roman von beeindruckender Qualität!

Bewertung vom 17.05.2021
My Traveling Piano
Löhrmann, Joe

My Traveling Piano


sehr gut

Was für eine tolle Idee ist es, mit einem eigenen Klavier um die Welt zu reisen und an atemberaubend schönen Orten Naturkonzerte zu spielen! Um diesen Traum und den Weg zu ihm geht es im Buch von Joe Löhrmann. Von den ersten Versuchen am Klavier als Kind über die qualvollen Ausbildungsjahre und scheinbar nicht schönere Studienjahre bewegte sich der freiheitliebende Pianist seinem Traum näher – den starren Alltagsstrukturen entkommen, reisen, Musik machen und frei sein.
In diesem Buch gewährt Joe Einblicke in sein Leben, wie der Frust von dem „normalen“ Leben ihn krank machte und wie er einen Weg für sich entdeckte – durch die Musik. Als Straßenmusiker mit einem rollenden Klavier auf den Marktplätzen in deutschen Städten hatte er angefangen und durch schicksalhafte Begegnungen ein Konzept für sein Traumleben entwickelt. Hier und da schildert er die Hindernisse, die ihm auf dem Weg standen, Herausforderungen, die er überwinden oder umgehen musste. Zum Beispiel beschreibt er, mit welchen Schwierigkeiten man als Straßenmusiker zu tun hat, wie die Vorschriften ihm die Grenzen setzten und wie er sich dagegen zu wehren versuchte.
Besonders interessant waren für mich persönlich allerdings die Passagen, in denen Joe Löhrmann über seine Musik schreibt, die Entstehungsgeschichten seiner eigenen Songs. Leider kommen diese Passagen etwas zu kurz. Wenn ich seine Musik heute höre, interessiert es mich schon sehr, wie diese Musikstücke entstanden sind, was die Inspirationen waren. Im Buch findet man nur wenige Geschichten dazu.
Dafür bietet es einige Anekdoten aus dem Leben des reisenden Musikers – Betrüger in China, Kriminelle in den USA, aber auch die Geschichten von zahlreichen Begegnungen mit Leuten, die das Leben des Pianisten nachhaltig beeinflusst zu haben scheinen, die seine Einstellungen zum Leben geändert haben.
Mit seinem Beispiel versucht Joe Löhrmann zu zeigen, dass man auf sein Herz hören sollte, seine Träume nicht auf später verschieben oder diese gar zu verdrängen, aus welchen Gründen auch immer. Es sei nie zu spät, mit dem Leben anzufangen, wie sehr es einem auch Angst machen kann, die Komfortzone zu verlassen und das große Abenteuer einzugehen. Es ist ein Aufruf, dem man folgen möchte. Doch man fragt sich, ob das wirklich funktionieren kann, wenn man einen Beruf hat, mit dem man doch nicht so einfach auf die große Reise gehen kann, weil man dann nicht weiß, wie man überlebt, wie man das ganze finanziert und was ist, wenn die Reise endet. Oder gibt es für jede Person ein Konzept, mit dem man seine Träume leben kann? Joe Löhrmann sagt „Ja!“. Ich habe noch immer meine Zweifel.

Bewertung vom 22.03.2021
Die große Lombarden-Box, 3 MP3-CD
Schier, Petra

Die große Lombarden-Box, 3 MP3-CD


ausgezeichnet

Die große Lombarden-Box hält, was sie verspricht – drei ungekürzte Romane mit insgesamt über 37 Stunden Laufzeit, gelesen von einer Meisterin ihres Handwerkes.

Der Leser begleitet eine junge Frau, die mit gerade mal 20 Jahren Witwe wird und die Geschäfte ihres Mannes übernimmt. In Köln des 15. Jahrhunderts muss sie sich behaupten lernen, wenn sie das Vermögen und die Geschäfte ihres Mannes behalten möchte. Denn sie muss nicht nur für sich selbst sorgen, sondern auch für die Familie des verstorbenen Geldwechslers.

Schon bald nach seinem Tod – der sich als Mord bestätigt – taucht Aleydis in die dunklen Geheimnisse der Wechselstube ein. Durch Kölner Bürger, Kunden der Wechselstube, aber auch durch Personen aus ihrer nächsten Umgebung erfährt sie nach und nach, dass ihr Mann nicht der war, den sie gekannt hatte, dass er gefürchtet und gehasst wurde. Diesem Hass fällt nun Aleydis selbst zum Opfer.

Doch sie bleibt stark und kämpft sich durch drei Bände durchs Leben voran. Es gelingt ihr nicht nur, den Mord an ihrem Mann aufzuklären und ihre Familie vor Armut zu retten, sondern auch ein neues Leben angefangen. Dieses ist zwar voller Herausforderungen, doch sie hat Leute an ihrer Seite, die sie unterstützen und sie letztendlich zum Erfolg führen. Nicht zuletzt (oder vor allem) hat sie das einem Mann zu verdanken, durch den sie viel lernt – für ihr Geschäft, für sicheres Leben aber auch für ihre Gefühlswelt.

Neben drei gelungenen Hauptgeschichten aus dem Leben von Aleydis gelingt es Petra Schier, noch eine Menge Wertvolles in die Bücher zu holen. Vor allem sind es historische Details, die das Leben in Köln des Spätmittelalters widerspiegeln. Details aus dem Alltagsleben wie Wohnsituation, Bräuche, Aberglauben, Kleidung, Essen, Umgangsformen, Vorgehen bei Streitigkeiten und Vergehen usw. Diese Details sind gekonnt in die Handlung eingebunden und sorgen für die Entdeckung dieser Zeit auf unterhaltsame Art und Weise.

Die Charaktere der Trilogie sind allesamt gut ausgearbeitet. Sie zeigen im Laufe der Geschichte(n) eine erkennbare Entwicklung. Jede Figur bekommt eine eigene unverkennbare Stimme, die durch die hohe Kunst der Sprecherin Brigitte Carlsen besonders stark zum Ausdruck kommt.

An manchen Stellen hätte ich die Geschichten für die Hörbuch-Ausgabe gekürzt. Manche Passagen waren dann doch zu ausholend und an den Stellen, wo es einen Cliffhanger gibt, hätte man die Szenen beenden können, statt weitere lange Gespräche dranzuhängen. Das hätte aus meiner Sicht dem Hörbuch mehr Spannung verliehen. Im gedruckten Buch könnten diese Passagen noch berechtigt sein, doch in einer Hörbuch-Fassung werden sie ein wenig zu ausführlich.

Nichtsdestotrotz bietet die Lombarden-Box eine spannende, unterhaltsame Reihe, Geschichten, denen man gerne lauscht und von denen man nicht genug bekommt.

Bewertung vom 27.02.2021
Eine Ahnung von Pan
Mahrenholz, Jobst

Eine Ahnung von Pan


ausgezeichnet

„Eine Ahnung von Pan“ besteht im Grunde genommen aus zwei Geschichten, wobei die beiden so miteinander verflochten sind, dass die eine ohne die andere nicht mehr vorzustellen ist. Zum einen die, die gelebt wird – vom Ich-Erzähler und Zino, zum anderen die, die der Erzähler schreibt – von Peer und Lasse. Zwei wundervolle Geschichten, voller leiser Gefühle, die eher angedeutet als beschrieben werden, aber beim Leser mit voller Kraft ankommen.
Es sind vor allem die Figuren, die diesen Roman ausmachen. Es sind Charaktere, die die Handlung vorantreiben, so wie es in einem guten Roman auch sein muss. Allesamt Figuren, die man im realen Leben kennen lernen möchte.
Zum einen ist es der Ich-Erzähler, Ingar Pirandello, ein Schriftsteller, der auf der Suche eines Teils seiner Identität ist, „nebenbei“ an einem Roman arbeitet und zum Schluss etwas viel Wertvolleres entdeckt. Der Erzähler, dem man unendlich lange lauschen möchte. Denn das, was er zu erzählen hat, und die Art, wie er das tut, sind fabelhaft!
Dann ist es Zino, der hinkende, verfilzte Ziegenhirte, der im Laufe des Romans nicht nur seine dramatische Geschichte offenbart, nach und nach, sondern auch seine innere Welt zum Vorschein bringt. In kurzen Sätzen, die voller Philosophie sind. Einfach und zugleich so weise! Seine rätselhafte Seite bezaubert gleich am Anfang der Geschichte, sein inneres Universum verblüfft und versetzt ins Staunen bis zur letzten Seite.
Maria Carissi, eine italienische Großmutter, eine Frau, die von der ersten Szene den Leser für sich gewinnt – mit ihrer Art zu sprechen – manchmal philosophisch-nachdenklich, manchmal mit Humor, auch Ironie ist ihr nicht fremd. Doch was auch immer sie sagt und tut, sie bleibt immer sympathisch. Erst recht, wenn man ihre Geschichte erfährt.
Erwähnenswert und bemerkenswert ist der Schreibstil des Autors. Wenn man einmal im Lesefluss ist, kommt man da nicht mehr raus. Der Text ist flüssig und schlicht. Knappe und prägnante Sätze, kurze aber einprägsame Szenen, ohne überflüssige Worte, ausschweifende Beschreibungen. Alles dient dem Zweck, alles dient der Geschichte. Es scheint keinen einzigen Satz zu geben, der die Seiten füllen soll. Keiner der Figuren fällt eine Phrase, die kein Gewicht im Ganzen hätte.
Ich habe mich in diese Geschichte verliebt. In diesen Pan und das Drama, das er stoisch in sich herumträgt. In Maria Carissi, keine Frau vieler Worte, manchmal ein wenig hart, aber bewundernswert für ihre Denkweise und die Kraft, die sie vorzeigt, trotz all der Schicksalsschläge. In Ingar Pirandello, der in Italien viel mehr findet, als das Vermächtnis seines Vaters. Und natürlich in die Kunst, die Jobst Mahrenholz schafft. Ein Werk, das einen auch nach dem Lesen beschäftigt, über das man nachdenkt, das man sicherlich nicht nur (ein-)mal durchlesen sollte.

Bewertung vom 15.02.2021
Die Frau vom Strand
Johann, Petra

Die Frau vom Strand


gut

Der Klappentext verspricht eine spannende Geschichte, voller Geheimnisse und überraschende Wendungen. Genau das, was einen guten Thriller ausmachen sollte. Dazu eine interessante Figurenauswahl, die zumindest auf mich frisch wirkt. Ein lesbisches Paar mit einem Kind und eine geheimnisvolle Frau, die etwas von den beiden will – das klingt nach Spannung.
Der Thriller beginnt aus der Ich-Perspektive und erzählt aus der Sicht von Rebecca die Geschichte, die bereits im Klappentext geschildert wird. Dann ändert sich die Perspektive und der Großteil des Romans wird aus den Perspektiven von mehreren Personen entwickelt. Hier kommt mein erster Kritikpunkt: Es gibt insgesamt zu viele Figuren, aus deren Perspektive die Handlung vorangetrieben wird. Da gibt es die Kommissarin Edda, die meiner Ansicht nach die wichtigste von den Nebenfiguren ist, aber es kommen noch mindestens 5 weitere Personen dazu, die zumindest in einzelnen Szenen in den Vordergrund rücken. Das hat mich an manchen Stellen irritiert, weil ich mich fragte, warum diese Figur auf einmal mehr Gewicht in der Szene hat als Edda. Oder ob ich mich konzentrieren und mir die Figur merken soll, weil sie eine besondere Rolle spielt – was bei mindestens 2 oder 3 Nebenfiguren nicht der Fall war. Sicherlich ging es der Autorin dabei darum, möglichst viele Indizien im Text zu streuen, die bei den Ermittlungen helfen oder irreführen sollten, aber für mich war es an diesen Stellen ein (handwerklicher) Bruch und unnötige Ablenkung.
Die Hauptstory an sich ist recht spannend, wobei die Spannung sich erst auf den letzten Seiten richtig entfaltet. Im mittleren Teil sind solche überraschende Wendungen zwar nicht unbedingt vorhersehbar, aber sie haben bei mir keine „kalte Schaue“ hinterlassen, wie es der Klappentext verspricht. Manche solche Momente werden detailliert vorbereitet, durch die Dialoge wird darauf hingearbeitet, sodass der Ach-Effekt ausbleibt. Cliffhanger klingen viel zu oft gleich: „In diesem Moment klingelte es“ oder „Sie griff nach ihrem Handy“. Auf einige Nebengeschichten wie z.B. die Affäre der Schwägerin eines Ermittlers mit ihrem Angestellten hätte ich gerne verzichtet – sie haben mit dem Hauptkonflikt nichts zu tun und blasen die Geschichte nur auf.
Der Schreibstil / Die Sprache insgesamt ist sehr flüssig, wodurch die Geschichte sich sehr schnell und leicht lesen lässt. Nur ab und zu rutschte das eine oder andere Wort, das nach meinem Geschmack eher zu einem Frauenroman / Liebesroman als zu einem Thriller passen würde. Dass sich jede zweite weibliche Figur schnäuzen musste, sobald es zu Vernehmungen kam, klang irgendwann belustigend. Wie viele Taschentücher im Laufe der Geschichte gereicht wurden, habe ich bald aufgehört zu zählen. Und immer wieder tauchten wertende Ausdrücke auf, die meines Erachtens nicht in den Roman hineingehören, so in etwa „Er machte eine interessante Entdeckung“. Dadurch wächst zwischen mir und den Figuren die Distanz. Denn das, was sie als interessant werten, muss für den Leser nicht unbedingt genauso spannend sein. Ich frage mich, ob das vom Lektorat anders gesehen wird. Der Leser sollte selbst eine Meinung bilden, sie nicht aufgetischt bekommen, besonders wenn es um einen Thriller geht.
Insgesamt fand ich das Buch unterhaltsam, fragte mich allerdings immer wieder (vor allem in der Mitte), ob das wirklich ein Thriller oder doch ein Krimi ist. Es ist ein gut geschriebenes Buch, aber keins, das bei mir Schauer hinterlässt und mich nach dem Lesen weiter beschäftigt.

Bewertung vom 24.09.2020
Das Buch eines Sommers
Kast, Bas

Das Buch eines Sommers


ausgezeichnet

Von „Das Buch eines Sommers. Werde, der du bist“ habe ich von Anfang an sehr viel erwartet. Schon der Klappentext verspricht eine großartige Lektüre: „Eine lebensphilosophische Erzählung, die einen wachrüttelt“.
Und, um es vorwegzunehmen, - der Roman hält, was er verspricht!
In der ersten Hälfte geht es ziemlich entspannt voran, ohne dass man irgendwie besonders beeindruckt, erschüttert, „wachgerüttelt“ wird. Ich dachte mir an einem Punkt sogar, ich wäre enttäuscht, meine Erwartungen wären zu groß gewesen.
Doch, wie es auch im Klappentext steht, kommt es dann zu diesem einen „unwahrscheinlichsten Ort“, wo der Roman mich tatsächlich zum Staunen brachte. Die Gespräche zwischen dem Protagonisten und einem gewissen Christopher stellen einen Spiegel vor den Leser, werfen auf ihn Fragen zurück, die einen nicht kalt lassen. Über das eigene Leben, den Wert der Zeit und all unserer Bemühungen. Eine Weisheit jagt die andere, in einer einfachen Sprache, die den Weg direkt zum Herzen findet.
Ich liebe diesen Roman! Eine absolute Kaufempfehlung!

Bewertung vom 10.08.2020
Der letzte Satz
Seethaler, Robert

Der letzte Satz


sehr gut

„Der Letzte Satz“ von Robert Seethaler erzählt von den letzten Stunden im Leben eines der größten Komponisten und Dirigenten der Spätromantik – Gustav Mahlers. Der Roman zeigt den totkranken Musiker, der sich allmählich von seinem Leben verabschiedet, indem er sich die markantesten Ereignisse durch den Kopf gehen lässt.
Es sind Erinnerungen, die ihn als eine private Person, als Komponisten und einen erfolgreichen Dirigenten zeigen, der ständig auf der Suche ist, sein Werk perfektioniert und dabei manche Rückschläge bekommt, vor allem als Vater und Ehemann.
Die Idee des Romans fand ich sehr interessant, allerdings habe ich mir davon ein bisschen mehr versprochen. Einzelne Szenen, Erinnerungen, die der Autor aufs Papier legt, sind zum Teil recht spannend, bei anderen habe ich nur durchgelesen, ohne dass sie bei mir einen Eindruck hinterlassen haben. An manchen Stellen haben mir der rote Faden und die emotionale Entwicklung gefehlt. Erst auf S. 118-119 war ich wirklich in der Geschichte, beeindruckt von dem ausdrucksstarken Bild, das in dieser Szene geliefert wird, aber da war das Buch auch schon zu Ende. Schade irgendwie. Vielleicht ist der Roman doch zu kurz, um richtig beeindrucken zu können.

Bewertung vom 25.01.2020
Das Gerücht
Kara, Lesley

Das Gerücht


ausgezeichnet

Inhalt
Die Ich-Protagonistin Joanna hört auf dem Schulhof, als sie ihren Sohn zum Unterricht bringt, ein Gerücht, dass eine Kindermörderin in ihrer kleinen ruhigen (fast idyllischen) Stadt unter einer neuen Identität leben soll. Als zehnjähriges Mädchen hat Sally McGowan einen fünfjährigen Jungen erstochen und soll nun viele Jahre später in gefährlicher Nähe sein. Joanna nimmt die Worte erstmal nicht ernst. Nebenbei trägt sie sogar dazu bei, dass das Gerücht sich weiter ausbreitet und immer mehr Mütter in der Stadt von dem „Ungeheuer“ reden. Mit jedem Tag arbeitet es in Joanna aber immer intensiver. Der Gedanke, ihr Sohn könnte in Gefahr sein, verlässt sie nicht mehr. Eine nach der anderen rücken in ihr Verdächtigen-Feld immer mehr Frauen. Das Gerücht breitet sich aus und erreicht Ausmaße, mit denen Joanna nie gerechnet hätte. Bis ihr eigenes Leben vor Angst beinahe unerträglich wird und sie in jeder Nachbarin eine potenzielle Mörderin sieht.

Mein Eindruck
Der Klappentext und das Coverbild haben bei mir hohe Erwartungen geweckt. Ein düsteres Foto und das Versprechen, jede Seite würde „vor Spannung und einem Gefühl der Bedrohung vibrieren“, haben mich auf das Buch neugierig gemacht.
Nach dem ziemlich spannenden Einstieg gab es längere Passagen, bei denen ich das Gefühl hatte, die Autorin würde sich in dem Text verlieren und das Spannungspotential vergeuden. Sehr viele Beschreibungen aus dem Leben einer alleinerziehenden Mutter, ihrem Alltag, ihren Gedanken usw., die mich etwas gelangweilt haben. Doch etwa ab dem zweiten Drittel wird es tatsächlich wieder so spannend, wie es im Klappentext versprochen wird.
Durch die Ich-Perspektive und starke Beschreibungen der Gefühle und der Gedanken der Hauptfigur wird die Geschichte vom Leser aktiv miterlebt. Die Spannung wird schön aufgebaut, einzelne Handlungsschritte sind nachvollziehbar und realistisch, sodass ich der Autorin jedes Wort geglaubt habe. Das Gefühl der Bedrohung und der Angst, die die Hauptfigur bald in den Wahnsinn treiben, sind spürbar. Durch eine „normale“ Figur, eine Frau, von denen jeder aus seiner Nachbarschaft kennen könnte, werden die Authentizität und die Glaubwürdigkeit der Geschehnisse gesichert.
Genauso wie das Thema des Buches. Überzeugend und lebensnah – wie sich ein Gerücht ausbreiten kann, wie es wächst, sich modifiziert, von immer gefährlicheren Elementen ausgeschmückt wird, bis es über Knochen rollt – absolut glaubhaft.
Ich war von dem Buch insgesamt begeistert und habe es sehr gerne bis zum letzten Wort gelesen, wurde dabei von der Autorin unterhalten und ständig an der Geschichte gebannt gehalten. Eine absolute Leseempfehlung.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 16.11.2019
Missing Boy
Fox, Candice

Missing Boy


sehr gut

„Ziemlich perfekt in jeder nur erdenklichen Weise.“
„Frischer, lebendiger Stil, der keine Schocks scheut.“
„Grandiose Kriminalliteratur.“
„Candice Fox schreibt originell, spannend und total süchtig machend.“

Mit solchen Worten wird „Missing boy“ auf dem Cover geprahlt. Kling sehr vielversprechend. Ob diese Versprechungen gehalten werden?

Das Cover sieht für das Genre schon sehr ansprechend aus und die Bilder erklären sich im Laufe der Geschichte (spätestens zu deren Höhepunkt) von selbst. Mich hat dieses Cover auf jeden Fall fasziniert.
Der Einstieg liest sich sehr gut, flüssig und spannend, sodass man eine wirklich spannende Geschichte erwartet. Es wird dargestellt, dass ein Junge spurlos aus einem Hotelzimmer verschwindet. Die Polizei sucht nach ihm und gleichzeitig ermitteln zwei Privatdetektive, beide mit ziemlich außergewöhnlichen persönlichen Vorgeschichten für ihren Beruf, finde ich zumindest. Zwei sehr unterhaltsame und interessante Figuren, muss man dazu sagen.
Das Buch selbst liest sich ganz gut, obwohl es nach meinem Geschmack relativ viele Stellen gibt, wo die Autorin seitenweise Informationen ausschüttet, die ich als Leser in dem Moment gar nicht brauche. Da musste ich einige Sätze / Absätze überspringen, um im Flow zu bleiben.
Was die Spannung betrifft, so finde ich, dass sie für einen Thriller an manchen Stellen doch ziemlich schwach ist. Nichts mit atemberaubend und nach einigen solchen Spannungsmomenten auch relativ vorhersehbar – zumindest in dem Sinne, dass man irgendwie weiß, dass für die beiden Hauptfiguren alles gut ausgeht, egal wie mies gerade ihre Lage ist und in welcher Gefahr sie stecken. Die Lösungen nach diesen Stellen fand ich viel zu eintönig. Es wird wieder seitenweise berichtet, was nach so einer überraschenden Szene passierte. Man erlebt die Szenen nicht mit, sondern bekommt eine Zusammenfassung, die für mich persönlich wenig mit „grandios“ und „ziemlich perfekt“ zu tun hat. Dazu kommen ein paar schräge Nebenfiguren, die für Konflikte sorgen sollen und sogar das Leben von den beiden Ermittlern bedrohen. Und das, wie diese Konflikte zu Ende der Geschichte gelöst werden, fand ich nun tatsächlich komisch. Unrealistisch. Die versprochenen „Schocks“ von dem Cover brachten mich letztendlich nur zum Schmunzeln.
Zurück zu meiner Frage am Anfang – ob die Zitate auf dem Cover ihre Versprechen halten – vielleicht für jemanden schon. Allerdings finde ich die meisten Thriller, die ich bisher gelesen hatte, um einiges spannender. „Missing boy“ ist für mich eher ein mittelmäßiges Buch.

Bewertung vom 01.11.2019
Die Wanderschriftsteller
Lorentz, Iny

Die Wanderschriftsteller


weniger gut

Den Namen Iny Lorentz habe ich zum ersten Mal vor etwa 11 Jahren gehört. Damals habe ich gerade Deutsch gelernt und war auf der Suche nach Büchern, die mich dabei unterstützen sollten. Einer von meinen Freunden hatte mir 2008 zwei Bücher geschickt – beide von Iny Lorentz – „Die Wanderhure“ und „Die Kastellanin“. So waren diese Romane die ersten, die ich in der deutschen Sprache gelesen hatte. Und durch diese hatte sich bei mir die Liebe zu historischen Romanen entwickelt. Später habe ich noch einige Romane von dem Autorenpaar gelesen und fand sie alle ganz gut was mein Interesse am Autorenpaar festhielt.
Als ich nun dieses Buch entdeckte – „Die Wanderschriftsteller“ – war ich sehr gespannt. Der Klappentext verspricht Einblicke in die Entstehung der Bestseller von Iny und Elmar, man würde die beiden auf den Recherchereisen begleiten und viel Neues erfahren. Das klang sehr vielversprechend. So griff ich ohne lange zu überlegen nach diesem Buch.
Die Ausmachung des Bandes ist sehr ansprechend – schöne Bilder, die meist Motive zeigen, die man auf den Covern der Romane wiederfindet, oder auch Bilder von den Autoren auf ihren Reisen – wahrscheinlich größtenteils von den Autoren selbst gemacht und daher nicht immer besonders gut gelungen (so mein Eindruck).
Was den Text betrifft, so muss ich sagen, dass ich etwas mehr von diesem Buch erwartet habe. Es wird von unzähligen Reisen berichtet, wobei man schon nach wenigen Seiten total verwirrt wird durch die chronologischen Sprünge. Ich finde, da hätten sich die Autoren ein bisschen mehr Gedanken machen müssen, wie das Ganze geordnet werden sollte. Chronologisch war es jedenfalls nicht und nach Entstehungsgeschichten einzelner Romane auch nicht wirklich. So werden z.B. die Reisen, die dem ersten Roman von Iny Lorentz – „Die Kastratin“ – zugrunde liegen – durch das ganze Buch verstreut. Letztendlich hatte ich den Überblick verloren und habe nicht weiter versucht, für mich das Ganze zeitlich einzuordnen.
Es wird von vielen Reisen erzählt, aber nach meinem Geschmack nur sehr oberflächlich. Ich hatte das Gefühl, dass die Autoren darum kämpften, irgendwie die 220 Seiten zu füllen. Und so liest man immer wieder Beschreibungen von Campingplätzen, Sanitäranlagen, Cafés und Hotels, was gegessen und getrunken wurde. Zum Teil sieht es nach einem Möchte-gern-Reiseführer aus, dabei aber sehr oberflächlich, unsystematisch und lieblos.
Das, was mich am meisten interessiert hatte, - die Entstehung der Romane – kann man in wenigen Absätzen zusammenfassen, denn es geht immer gleich: Die Autoren finden eine Idee, machen eine Liste von Orten, die sie besuchen wollen, dann fahren sie los, besuchen alle möglichen Museen, kaufen Bücher in den lokalen Buchhandlungen ein, gehen essen, diskutieren über das Gesehene / Gehörte / Gelesene und fahren nach Hause. Zwischendurch werden einige kuriose Geschichten reingeschoben, die das Ganze unterhaltsamer machen sollen (was ich aber nicht besonders gelungen empfand).
Ehrlich gesagt, fand ich dieses Buch ziemlich enttäuschend. Meiner Meinung nach hält dieses Buch bei weitem nicht das, was es verspricht (oder meine Erwartungen waren zu hoch). Inhaltlich eher mittelmäßig und literarisch - .... Leider hat dieses Buch das Autorenpaar für mich nur fremder gemacht und daher keine Leseempfehlung. Lieber einen Roman von den beiden für das Geld kaufen!