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Benutzername: rewa
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Bewertungen

Insgesamt 138 Bewertungen
Bewertung vom 06.12.2020
Sterbewohl (eBook, ePUB)
Monti, Olivia

Sterbewohl (eBook, ePUB)


ausgezeichnet

Das Deutschland, so wie man es früher einmal gekannt hat, gibt es nicht mehr. Eine Scheindemokratie hat das Sagen und Menschlichkeit ist mittlerweile ein Fremdwort. Damit die Renten überhaupt noch ausbezahlt werden können hat sich die Regierung etwas besonderes einfallen lassen. Das Non plus ultra für die ältere Bevölkerung. Wer über 65 Jahre alt ist bekommt eine besondere Einladung, dass man an einem exklusiven Sterbeseminar im Hotel Paradies auf der Ostseeinsel Fehmarn teilnehmen darf. Alles was dort geboten wird ist nur vom Feinsten und die Einnahme der Sterbewohl Pille ist natürlich freiwillig. Doch als die vier Freunde Nadja, Anna, Max und Fred sich in dem Hotel einfinden wird ihnen schon bald klar, dass hier nicht alles mit rechten Dingen zu geht und im Grunde keiner wirklich bereit ist jetzt schon zu sterben.
Die Autorin Olivia Monti entführt ihre Leser in dem dystopisch angehauchten Krimi ,, Sterbewohl“ in ein bedrückendes Szenario an Unmenschlichkeit und Kaltblütigkeit, wo man alte Menschen so schnell und so leicht als möglich loswerden möchte. Die Gedanken dabei sind einfach erschütternd wenn Rentner als Last und Belastung angesehen werden, die doch freiwillig aus dem Leben scheiden sollen, damit sie den Staat finanzieren können und wer besonders viel an Ehrgefühl besitzt, kann ihn gleich sein Erbe vermachen. Die Geschichte an sich macht einfach betroffen und regt sehr zum Nachdenken an. Der Schreibstil der Autorin wirkt dabei einfach und wenig anspruchsvoll, aber gerade diese Kombination macht den besonderen Reiz der Geschichte aus. Die ICH Erzählerin Nadja lässt dadurch tief in ihre Gefühlswelt blicken und man ist als Leser betroffen was der Staat von Arbeitslosen, kranken oder alten Menschen hält. Die teils unheimlichen und schrecklich dargestellten Szenen im Hotel gehen unter die Haut und man spürt direkt die Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit der Menschen, die an den Seminaren teilnehmen müssen. Ein toller Roman, wo man hoffentlich nie solche Momente erleben muss wo alt gleichbedeutend wie wertlos und somit zum freiwilligen sterben, gleichzusetzen ist.

Bewertung vom 30.11.2020
Mörder Quoten
Lukas, Leo

Mörder Quoten


sehr gut

Was macht ein Auftragskiller, der nicht mehr weiß, ob er einen Mord begangen hat oder nicht? Er geht zu einem Psychiater. Das dachte sich der geheimnisvolle Bravo, als er sich Hilfe von ebendiesen holen wollte. Blöd dabei ist nur, dass er aus Versehen bei Peter „Pezi“ Szily, in der psychiatrischen Ordination gelandet ist,der als Schauspieler und Kabarettist ungeplant den Psychiater mimt. Dieses Zusammentreffen sollte für beide nicht ohne Folgen bleiben, denn der redegewandte Pezi darf von nun an den unfreiwilligen Assistenten für Bravo spielen und gemeinsam begeben sie sich in die Welt der Spieler, Buchmacher und sonstigen legalen und illegalen Wettgeschäften und nebenbei versuchen sie den wahren Mörder zu finden, denn schließlich steht der gute Ruf von Bravo auf dem Spiel.
Der Kriminalroman ,,Mörder Quoten“ entführt den Leser in eine aberwitzige Geschichte des Auftragskillers Bravo und des armen Pezi, der in im Laufe des Romans in Kreise gerät, die er lieber nicht kennen lernen würde. Der Autor Leo Lukas, der nebenbei als SF Autor der ,,Perry Rhodan“ tätig ist und als Kabarettist gewohnt ist mit spitzer Zunge sein Publikum zu unterhalten, hat in seinem Roman mit Wortwitz und Situationskomik die ungewöhnliche ,,Beziehung“ zwischen Bravo, dem Killer und dem Schauspieler Pezi dargestellt. Man begleitet als Leser das ungleich Duo durch viele interessante und humorvolle Szenen, wo man merkt, dass der Autor einen Schalk im Nacken sitzen hat und diesen gerne auf seine Leser los lässt. Es wird in dem Roman sehr viel an Lokalkolorit geboten, wo man selbst als Wiener noch überrascht ist, wie viele schöne und interessante Plätze und Gebäude es doch bei uns gibt. Dass der Autor sich für Sport und Wetten interessiert hat man sehr oft in der Geschichte erkennen können. Wo ich für meinen Geschmack manchmal ein wenig zu viel an Informationen erhalten habe. Die ganzen Details wann, wo und wer ein Wettbüro eröffnet hat oder wie sich die Wettmafia verhält waren zwar sehr gut recherchiert, aber für die Geschichte selbst etwas zu umfangreich. Was mir trotzdem gut gefallen hat war, dass Leo Lukas auch immer wieder tatsächliche Ereignisse wie z.B das bekannte Ibiza Video oder Personen wie den ehemalige österreichische Fußballspieler Matthias Sindelar, erwähnt und eingebaut hat. In dem Kriminalroman findet man zwar die eine oder andere Leiche, aber die Geschichte lebt mehr von der ,,Beziehung“ zwischen dem ungleichen Duo, wo er mit bissigen Dialogen die Szenen lebhaft auflockert. Auf die Lösung und den wirklichen Mörder kommt man überhaupt nicht, weil es diesbezüglich keine Hinweise gibt, da war dann das Ende doch ein wenig überraschend. Ich könnte mir sogar vorstellen, dass sich Bravo und Pezi wieder an einem gemeinsamen ,,Fall“ heranwagen, denn die Mischung zwischen ,,knallharten“ Killer und Möchtegern Schauspieler ist eine besondere, die einiges an Potenzial bietet, wenn es um spritzigen Humor geht.

Bewertung vom 27.11.2020
Wittgensteiner Schatten
Halbe, Sandra

Wittgensteiner Schatten


ausgezeichnet

Caroline König ist nicht gerade glücklich darüber, dass ihre Strafversetzung beim BKA sie zurück in ihre alte Heimat Bad Laasphe im Wittgensteiner Land führt, wo sie wieder bei ihrer Mutter wohnt und ihren alten Freund Alex trifft, der ebenfalls bei der Polizei arbeitet. Der letzte Fall ihres verstorbenen Vaters hat sie damals völlig aus der Bahn geworfen und genau dieser Serienmörder will kurz vor seinem Tod Antworten auf die ungelösten Fragen zu den vier toten Frauen geben. Für Caro wird es ein langer und harter Weg werden, denn der Mörder Robert Hellmar betreibt mit ihr ein Katz- und Mausspiel, wo er nur ihre Fragen beantwortet, wenn auch sie bereit ist, seine Fragen zu beantworten. Mit der Zeit dringt sie immer tiefer in die Gefühlswelt von Hellmar ein und Caro bemerkt, dass er anscheinend doch nicht der kaltblütige Mörder ist, wie man es von einem Serienmörder annimmt. Aber auch ihre Gefühle ändern sich, nicht nur zu ihrer Mutter, sondern auch zu Alex und viele Erinnerungen von früher kommen bei ihr hoch.
,,Wittgensteiner Schatten“ ist der berührende und spannende Kriminalroman aus der Feder der Autorin Sandra Halbe. Ihr Krimi überzeugt von Beginn weg und die ,,Beziehung“ zwischen dem Mörder Hellmar und Caro ist zwar ungewöhnlich, aber glaubhaft dargestellt. Man begibt sich als Leser auf eine spannende Schnitzeljagd und man tappt wie Caro immer wieder im Dunkeln. Dabei schafft es die Autorin nicht nur die Kommissarin sondern auch den Leser immer wieder zu überraschen und führt dabei Wendungen herbei, mit denen man nicht gerechnet hat. Ihr Schreibstil ist sehr angenehm und es gelingt ihr dabei sogar, dass man Hellmar sympathisch findet und mit ihm mit leidet. Der Auslöser dieser Leidensgeschichte ist sogar recht aktuell und erschüttert gleichermaßen. Die Protagonisten agieren alle glaubwürdig und die zwischenmenschlichen Probleme und Ängste besonders zwischen Caro und Alex werden ebenfalls gut erzählt. Ein sehr emotionaler Roman, mit einem unerwarteten, aber schönen Ende, wo man sich freut, wenn es mit Caro eine Fortsetzung gibt.

Bewertung vom 22.11.2020
Liebe, Männer, Eierlikör und andere Katastrophen
Stern, Elsa

Liebe, Männer, Eierlikör und andere Katastrophen


ausgezeichnet

Es ist schon schlimm genug, wenn man Elsa-Antoinette „Sternderl“ Stern heißt, aber wenn man fast 30 ist, noch dazu unverheiratet und mit einer Männerbegleitung, die man ja nicht hat auf die Hochzeit der ungeliebten Cousine Helene gehen soll, dann steht man vor einem großen Problem. Doch Elsa schafft es sich selbst von einer Katastrophe in die andere zu manövrieren. Dank ihrer guten Freundin E. landet sie nach einem Unfall vor Gericht und lernt dort den geheimnisvollen Herr Q. kennen, der ihr Leben gehörig durcheinander bringen wird. Von nun an geht alles schief, was nur schief gehen kann und Elsa ist nicht nur einmal der sprichwörtliche Elefant im Porzellanladen.
,,Liebe, Männer, Eierlikör und andere Katastrophen“ ist der unglaublich witzige Roman der Autorin Christina Loböck, die unter dem Pseudonym Elsa Stern schreibt und somit gleich zeigt, dass sie und die gleichnamige Protagonistin, sehr viel Humor haben. Alleine das farbenfrohe und auffällige Cover zieht den Leser sofort an. Ich habe schon viele lustige Romane gelesen, aber dieser hier schlägt alle um Längen. Es ist unglaublich, dass auf jeder Seite entweder eine kleine oder große Katastrophe passiert, wo man als Leser Bilder projiziert bekommt, wo man einfach lachen muss, ob man will oder nicht. Slapstickartige Einlagen der Protagonistin möchte man dabei sofort auf einer Kinoleinwand sehen, weil sie so toll und lebhaft beschrieben sind. Ich bin von der Ideenvielfalt, die die Autorin dabei aufs Papier bringt, fasziniert. Aber auch ihre Gedankengänge und erfundenen Wortschöpfungen sind einfach zum niederknien. Ich habe mich oft gefragt, woher sie diese Einfälle hat. Dass dieses Niveau bis zum Schluss aufrecht erhalten bleibt ist eine Kunst, die nicht jeder beherrscht. Ihre Protagonisten, allen voran Elsa werden sehr lebhaft dargestellt. Mich hat dabei überhaupt nicht gestört, dass die Freundinnen nur als die E. und die A. bezeichnet wurden und dass der Traummann den Namen Herr Q. hat. Schon alleine das zeigt, dass die Geschichte sich von anderen abhebt. Wenn dann Fräulein Stern den Leser auch noch persönlich anspricht hat man das Gefühl direkt in das Geschehen mit einbezogen zu sein. Jede Figur hat ihre Eigenheiten und Macken, die sie wunderbar in der Geschichte ausleben dürfen. Der Hauch vom österreichischen Dialekt lässt den Leser noch intensiver an manchen Szenen teilhaben und es wirkt noch lebendiger, als es eh schon ist. Elsa, eine liebenswürdige Chaos Queen, die von einem Fettnäpfchen ins andere tappt und wo man als Leser, der Autorin nur gratulieren kann und hofft, dass sie uns bald an einer Fortsetzung teilhaben lässt.

Bewertung vom 20.11.2020
Tegernsee-Connection
Ahrens, Jürgen

Tegernsee-Connection


sehr gut

Gleich bei seinem ersten Fall bekommt es Kommissar Markus Kling mit einem brisanten Thema zu tun. Dass ein ehemaliges Luxushotel bis auf die Grundmauern abgebrannt ist, wäre ja noch nicht so schlimm, dass man aber in der Brandruine ein Todesopfer findet, schon. Schon bald stößt er bei seinen Ermittlungen auf Dinge, die man in der feinen Tegenseer Gesellschaft gerne vertuschen würde. Da das Hotel unter Denkmalschutz gestanden ist und es Käufer gegeben hat, die gerne diesen bei einem Abriss umgangen hätten, ist es nicht ausgeblieben, dass so mancher mit Schmiergeld und Intrigen seinen Vorteil gesucht hat. Markus Kling verfolgt viele Spuren, die aber nie so richtig zum Ziel führen. Als es aber mit der Brandstiftung weiter geht und es wieder einen Toten gibt weiß der Kommissar, dass er schnellstens den Brandstifter finden muss.
,,Tegernsee- Connection“ ist der erste Kriminalroman rund um den sympathischen Kommissar Markus Kling. Der Autor Jürgen Ahrens hat in seinem Krimi die sogenannte feine Gesellschaft unter die Lupe genommen, wo es darum geht alles zu tun, damit man zu seinem Vorteil kommt. Egal ob es der russische Multimillionär ist oder der Bürgermeister, jeder versucht mit nicht ganz legalen Mitteln zu arbeiten. Es ist ein eher ruhiger Krimi, der gerade zu Beginn seine Zeit braucht, bis man wirklich in die Geschichte einsteigt. Im Laufe des Romans bekommt man als Leser dann etwas mehr an Rasanz zu spüren. Der Kommissar ist ein ruhiger und besonnener Ermittler, der mir sogar ein wenig zu sensibel ist, weil er sich vieles sehr zu Herzen nimmt und er gerade in seinem Job eine gewisse Härte braucht. Aber es ist ja sein erster Fall und er wird sicher noch ,,heranreifen“. Ein angenehm zu lesender Krimi, wo man schon gespannt ist, wie es mit dem Kommissar und seinem Privatleben weiter gehen wird.

Bewertung vom 15.11.2020
Sie packen aus
Schwabeneder, Mathilde

Sie packen aus


ausgezeichnet

Die österreichische Journalistin Mathilde Schwabeneder, die viele Jahre die ORF- Außenstelle als Korrespondentin in Italien, dem Vatikan und Malta geleitet hat, zeigt in ihrem Roman ,, Sie packen aus – Frauen im Kampf gegen die Mafia`` anhand von 9 Geschichten einen beeindruckenden Einblick in das mutige, aber auch gefährliche Leben von Frauen, die es gewagt haben sich gegen Cosa Nostra, Camorra und `Ndrangheta aufzulehnen.
Die Autorin hat bei ihren Recherchen viele mutige Frauen begleitet, die ihr Ziel oft auch unter Einsatz ihres Lebens und mit viel Engagement verfolgen. Die Anti- Mafia – Bewegung, die lange Zeit in den Händen der Männer gelegen ist, wird nun immer mehr auch von Frauen geleitet. Aus verschiedenen Blickwinkeln, sei es aus der Sicht einer Bürgermeisterin, einer Anwältin oder einer Camorra Jägerin, lernt der Leser das gefährliche Leben dieser mutigen Frauen kennen. Das erschütternde dabei ist oft, wie verwurzelt in Traditionen dabei die Mafia lebt und wie schwer es, vor allem für Frauen dabei sein kann, aus diesen brutalen Familien auszubrechen. Wenn man liest, wie immer wieder die Jugend manipuliert wird und diese gar keine wirkliche Chance haben ein freies und ehrliches Leben zu führen, dann merkt man als Leser, wie wichtig es ist, dass nicht nur von außen gegen die Mafia gekämpft wird, sondern auch von innen, wo es viele Mütter bereits gibt, die ihre Kinder schützen wollen und dabei auch ihr Leben verlieren.
Die Autorin wird in den Geschichten immer wieder Zeugin davon, wie aufopfernd diese selbstlosen Frauen kämpfen, wie sie oft selbst auf eine eigene Familie verzichten, damit diese nicht Opfer von Gewaltverbrechen werden können. Man erfährt vieles, das im Geheimen passiert, wo oft nur der Zufall Regie führt um eine skrupellose Machenschaft aufzudecken. Viele Dinge passieren so unscheinbar, dass kaum jemand auf die Idee kommen könnte, dass bisher angesehene Bürger der Gesellschaft hinter einem Verbrechen stehen könnten.
Ein toller Tatsachenroman, wo man nicht nur der Autorin gratulieren muss, die sich an dieses heikle und nicht ungefährliche Thema heran gewagt hat, sondern vor allem auch den Frauen, wo viele lieber im Hintergrund agieren möchten, aber alle das gleiche Ziel haben, nämlich die Machenschaften der Mafia zu unterbinden und den Menschen eine friedliche und angstfreie Zukunft bieten zu können.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 08.11.2020
Der letzte Papierkranich - Eine Geschichte aus Hiroshima
Drewery, Kerry

Der letzte Papierkranich - Eine Geschichte aus Hiroshima


ausgezeichnet

Der letzte Papierkranich- Eine Geschichte aus Hiroshima,ist der zu Herzen gehende Roman der Autorin Kerry Drewery. Auch wenn er dem Jugendgenre zugeordnet wird, ist es ein Roman den man als Erwachsener ebenfalls lesen sollte, da es eine berührende und sehr emotionale Geschichte ist über den Abwurf der Atombombe, über Freundschaft und Schuld.
Der Roman ist in drei Abschnitte gegliedert, wo die Besonderheit darin liegt, dass der erste und dritte Teil in einer sehr lyrischen Art und Weise geschrieben ist, nämlich in der Form eines Haiku, einer traditionellen japanischen Gedichtform. Das Haiku gilt als die kürzeste Gedichtform der Welt, wo oft nur mit wenigen Worten viel ausgedrückt wird. Hier begleitet der Leser Mizuki, die Enkelin von Ichiro, der 1945 mit 17 Jahren miterleben musste, wie seine Heimat vom Bombenabwurf zerstört wurde und er gemeinsam mit seinem Freund Hiro dessen kleine 5 jährige Schwester Keiko aus dem Inferno retten wollte. Doch Ichiro verliert seinen Freund Hiro. Dass er das Versprechen nicht einlösen konnte auf die kleine Keiko aufzupassen und er sie trotz Suche nicht mehr findet, lastet schwer auf seinen Schultern und verfolgt ihn ein Leben lang. Hunderte Origami Papierkraniche lässt er mit seiner Adresse zurück in der Hoffnung, dass jemand von ihrem Verbleib etwas weiß. Im Mittelteil des Romans ist man als Leser hautnah dabei und erlebt die schrecklichen Erlebnisse und die verzweifelte Flucht und auch die nachfolgende Suche nach Keiko hautnah mit. Die Autorin hat dabei sehr intensiv und auch erschütternd offen Bilder im Kopf des Lesers entstehen lassen, wo man sich den furchtbaren Abwurf und die Zeit danach gar nicht vorstellen man. Dabei muss man auch die Übersetzerin Meritxell Janina Piel erwähnen, die es geschafft hat, diesen ausdrucksstarken Roman mit den passenden deutschen Wörtern zu übersetzen, sodass die emotionale Wirkung der Geschichte erhalten geblieben ist. Aber auch die Illustratorin Natsko Seki hat mit ihren zwar wenigen, aber ausdrucksstarken Bildern ihren Teil zum gelingen eines tollen Romans beigetragen. Sie fängt dabei die Stimmung vom Bombenabwurf und den darauffolgenden Tagen sehr gut ein.
Eine sehr berührende Geschichte über tiefe und aufopfernde Freundschaft und die Zeit zwischen 1945 bis 2018, wo man auf zwei Zeitebenen mitleidet und auf ein gutes Ende hofft. Der Autorin ist es wirklich gelungen nicht nur Gänsehautgefühl zu erzeugen, sondern auch die eine oder andere Träne fließen zu lassen, weil sie die Stimmung mit einer sehr emotionalen Intensität zu Papier gebracht hat.

Bewertung vom 31.10.2020
Der gläserne Dolch
Lonski, Günter von

Der gläserne Dolch


sehr gut

Es wütet der Dreißigjährige Krieg und der junge Ziegenhirte Jost muss hilflos mitansehen, wie Menschen brutal ermordet werden und seine Heimat aufhört zu existieren. Es bleibt ihm nur die Flucht, wo er viele Bekanntschaften macht, die für ihn und sein weiteres Leben von großer Bedeutung sein werden. Viele Abenteuer muss er bestehen, bis er schließlich in Venedig und letztendlich auf der Glasinsel Murano landet, die für viele Jahre sein neues Zuhause sein wird. Doch ein lukratives Angebot des französischen Königshofes ist so verlockend, dass Jost nicht widerstehen kann und er das tut, was man eigentlich nicht darf. Er flieht nach Frankreich obwohl er weiß, dass nach einer Jahrhunderten alten Tradition eine grausame Todesstrafe folgt, wenn die Geheimnisse der Glasherstellung verraten werden.
,, Der gläserne Dolch“ ist ein spannender Roman des Autors Günter von Lonski, der seine Leser nicht nur auf eine abenteuerliche Reise von Jost Bicker mitnimmt, sondern auch Einblicke in das damalige schwere Leben der Glasbläser bietet. Man begleitet Jost viele Jahre, der nicht viel an Glücksmomenten erleben darf. Der Autor schildert dabei bildhaft die schwierigen Lebensbedingungen der Menschen, die unter Hungersnöten gelitten haben und wo keiner dem anderen über den Weg trauen konnte. Manche Szenen waren mir ein wenig zu schnell abgehakt , wo gerade etwas beginnt und kurz darauf die nächste Handlung folgt, wo ich nicht wusste, ob diese Szenen jetzt wirklich von Bedeutung waren oder nicht. Leider finden sich auch einige Rechtschreibfehler oder Wortwiederholungen darin, die man ausbessern sollte.
Ein interessanter Roman wo man als Leser nicht nur mit tatsächlichen geschichtlichen Ereignissen konfrontiert wird, sondern auch einiges über das Leben und die Lebensbedingungen der Menschen auf der Glasinsel erfährt und welch großer Aufwand es war Glas überhaupt herstellen zu können. Spannung, große Emotionen und eine interessante Geschichte, begleiten den Leser vom Beginn bis zum Ende.

Bewertung vom 18.10.2020
Der vierte Spatz
Zweyer, Jan

Der vierte Spatz


ausgezeichnet

Als nach einem Unfall aus einem Forschungslabor ein Vogel entkommt, der mit einem
hochansteckenden Virus infiziert worden ist, ahnt noch niemand , dass dies weitreichende Folgen haben wird. Es dauert nur ein paar Monate, bis annähernd sämtliche Vögel auf der Erde diesem Virus zum Opfer fallen. Aber was passiert, sollte das Virus auch für Menschen gefährlich werden? Die beiden Journalisten Karola Rothschild und Alex Stewart kommen indessen an geheime Unterlagen, die ahnen lassen, dass in dem Forschungslabor nicht alles mit rechten Dingen zugegangen ist. Ihre Nachforschungen sind nicht ungefährlich und die Zeit arbeitet gegen sie, denn mittlerweile ereignen sich Naturkatastrophen ungeahnten Ausmaßes.
Der Öko- Thriller ,, Der vierte Spatz“ von Jan Zweyer lässt den Leser keine Zeit in Ruhe den Roman zu lesen, denn die Geschichte ist nicht nur ungemein spannend, sondern teilweise auch beängstigend nahe an der Realität. Sein erfundenes Szenario mit dem Auslöschen der Vögel zieht weitläufige Katastrophen nach sich, die man vorher nie bedenken würde. Angefangen von Insekten, die sich ungehindert vermehren und keine Fressfeinde mehr haben, bis zu Hungersnöten ausgelöst durch abgefressene Kulturpflanzen. Der Autor beschreibt dabei sehr bildhaft seine Geschichte und hat mich als Leser gleich für sich eingenommen. Es geht Schlag auf Schlag und eine spannende Szene kommt nach der anderen. Selbst wenn man denkt, dass es nicht noch schlimmer kommen kann, passiert das nächste Unglück. Der Autor hat geschickt nicht nur erfundene Geschichten erzählt, sondern auch immer wieder tatsächliche Ereignisse einfließen lassen wie z.b die Demonstrationen der Gelbwesten oder die in China 1958 statt gefundene Ausrottung der Spatzen. Es ist keine leichte Kost, die der Autor seinen Lesern vorlegt, aber ich denke, dass man hierbei gezwungen wird nachzudenken, welche Folgen so eine Katastrophe wirklich haben kann und man nie weiß, was hinter verschlossenen Türen erforscht wird. Ein gelungener Thriller, der Spannung vom Beginn bis zum Ende bietet.

Bewertung vom 05.10.2020
ELBFANG
Wollschlaeger, Nicole

ELBFANG


sehr gut

Nichts wird es mit einem romantischen Picknick am Flussufer der Krückau für Moritz und Hanna. Denn ein unheimlicher Fährmann mit einer Sense in der Hand fährt mit seinem Boot an ihnen vorbei. Dass die beiden Beamten Hauke Thomsen und Peter Brandt die ,,Ermittlung“ nicht ganz ernst nehmen, liegt nicht nur daran, dass die Geschichte doch ein wenig seltsam klingt, sondern auch daran, dass ihr Chef Philip Goldberg seit einiger Zeit spurlos verschwunden ist. Doch spätestens als Peter einen Scheiterhaufen am Ufer entdeckt und ein harmloser Schäfer im Koma liegt spüren die Beamten, dass anscheinend mehr hinter dem Auftauchen des unheimlichen Sensenmannes steckt. Wenn doch nur Philip hier wäre, denn er ihr Chef hätte nun gewusst, wie man an diese Sache herangehen muss.
,,Elbfang“ von Nicole Wollschlaeger ist bereits der 5. Kriminalroman rund um den Kophusener Beamten Philip Goldberg und seinen beiden Kollegen Hauke und Peter. Wer einen Teil kennt, wird süchtig nach den sympathischen Protagonisten, wo es immer eine Freude ist die drei bei ihren Ermittlungen zu begleiten. Die Autorin bietet dem Leser dabei eine Mischung aus Spannung und Humor, wo sie die witzigen Szenen stets recht bildhaft beschreibt. Dabei sind die Sticheleien zwischen den Beamten immer wieder ein Vergnügen. Es gibt aber auch ernstere Themen die die Autorin in ihre Geschichte mit einfließen lässt. Es gibt einige Spuren, wo man als Leser nicht so genau weiß, wie sie zusammen hängen. Auch wird das Verschwinden von Philip emotional erzählt und man leidet mit ihm mit und hofft, dass alles gut ausgeht. Wie immer tappt man lange Zeit im Dunkeln und man wird immer wieder mit der einen oder anderen Situation überrascht. Es macht immer Spaß mit den drei Beamten auf Verbrecherjagd zu gehen und mittlerweile sind die anderen Freunde, Bekannten und Familienmitglieder nicht mehr aus der Reihe wegzudenken.