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Benutzername: rewa
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Bewertungen

Insgesamt 138 Bewertungen
Bewertung vom 02.08.2020
Vor dem Abgrund
Hirtzy, Michael

Vor dem Abgrund


sehr gut

Was könnte es für einen Studenten schöneres geben, als an einem eigenen Projekt arbeiten zu dürfen. So ergeht es gleich 5 Studenten, die unverhofft die Möglichkeit erhalten, eine neu entwickelte Nanotechnologie auf ihre Marktreife zu prüfen. Voller Eifer und Einsatz stürzen sie sich in diese Arbeit, wo sie aber bald schon merken, dass das neue Produkt nicht so fehlerfrei arbeitet wie es eigentlich sollte. Also beschließen sie heimlich eine bessere Variante heraus zu bringen und was niemand wirklich zu hoffen gewagt hat ist eingetroffen. Sie haben Erfolg und schließlich etabliert sich ihr Unternehmen und jahrelang geht die Kurve steil nach oben. Ihre Nanoroboter werden immer ausgereifter und die Selbstreplikation funktioniert ebenso. Doch mit der Zeit stellen sich Probleme ein, wo keiner die Ursache dafür findet und plötzlich ist das Leben nicht mehr so, wie vorher.

Mit dem Roman ,, Vor dem Abgrund - Bilder der Apokalypse – Teil 1“ startet der Autor Michael Hirtzy, seine mehrteilige Reihe rund um das spannende Thema der Nanotechnologie. Der Leser erlebt in dem Zeitraum zwischen 2029 bis 2042 in 4 Kapiteln ein Abenteuer, wo man am Ende überrascht wird und man die Entwicklung der Geschichte so nicht vorher gesehen hat. Der Autor fesselt mit seinem gut strukturierten Schreibstil seine Leser gleich von Beginn weg und man ist gleich in der Geschichte mitten drinnen. Die Studenten werden von ihm als begeisterungsfähig und klug dargestellt, die einen großen Erfolg erzielen ohne zu merken, dass sich über die Jahre hinweg ihre ,,Erfindung“ selbständig weiterentwickelt. Lebhaft dargestellt werden in dem Roman auch die externen Meldungen wie z.b Pressemeldungen oder Chatverläufe. Ebenso werden auch die Erinnerungen von Ralph, der als Student von Beginn weg an der Nanotechnologie mitgearbeitet hat in kursiver Schrift wieder gegeben. Es war spannend und auch interessant zu lesen, wie die Entwicklung voran schreitet und wie von der anfänglichen Euphorie immer mehr Zweifel aufgekommen sind, dass sie vielleicht etwas geschaffen haben, das sie letztendlich nicht mehr kontrollieren können. Zwei Handlungsorte, am Anfang Wien und am Ende der Berliner Flughafen, bilden den Spannungsbogen, wo es ein fulminantes Ende bildhaft und auch erschütternd dargestellt wird. Da mir persönlich gewisse Kenntnisse bezüglich Computertechnik und Informatik fehlen, haben mich die detaillierten Beschreibungen diesbezüglich immer wieder etwas überfordert, weshalb ich ,,nur“ 4 Sterne vergeben kann. Für Computerfreaks wird es wohl keine Probleme bereiten und sie werden sich in ihrem Element befinden. Trotzdem hat mir die Geschichte gut gefallen und es war interessant zu lesen, was mit diesen Nanorobotern alles möglich ist. Ich freue mich schon auf die Fortsetzung, auch wenn ich ein wenig ,,Angst“ davor habe wie sich die Dinge noch weiterentwickeln werden.

Bewertung vom 29.07.2020
Die Sache mit den Wünschen
Wälz, Sabine

Die Sache mit den Wünschen


ausgezeichnet

Die drei Schleiermeier-Schwestern  Vroni, Walburga und Gundi zieht es hinaus in die Welt, wo sie hoffen, interessante Abenteuer zu erleben. Vroni, die sich nach dem Tod ihrer Eltern in ein Kloster zurück gezogen hat, hätte nie gedacht, dass eine kleine Schwindelei so große Folgen haben würde. Nicht nur, dass die beschauliche Ruhe durch unzählige Pilger plötzlich gestört wird, macht sie auch noch die Bekanntschaft mit einem Vampir und dass das im Kloster nicht jedem gefällt, ist wohl zu verstehen. Walburga hingegen ist froh, wenn sie auf ihrer Reise viele Abenteuer erleben kann, doch dass sie dabei die Meisterin eines Flaschengeistes werden würde, hätte sie auch nie vermutet. Gundi hingegen schwebt im siebenten Himmel, denn Prinz Balduin hat, wie es scheint ein Auge auf sie geworfen, was seiner boshaften Mutter Amaranta so gar nicht gefällt. Denn die einfältige Gundi passt wahrlich nicht zu ihrem geliebten Sohn.
,, Die Sache mit den Wünschen“ - Eine Geschichte aus den Chroniken der Bromwaldhauser,ist die gelungene Fortsetzung der Familie Schleiermeier, die die Autorin Sabine Wälz auf humorvolle Art und Weise erzählt hat. Das Cover sieht zwar etwas schräg aus, aber es passt zu der Geschichte wo man als Leser nicht nur seltsame Tiere und sonstige Lebewesen kennen lernt sondern auch die Abenteuer der drei Schwestern mitverfolgen kann. Die Autorin beweist dabei viel Fantasie und ihr Schreibstil ist witzig und humorvoll. Drei originelle Geschichten fügen sich am Ende zusammen und es hat wirklich Spaß gemacht von Vroni, Walburga und Gundi zu lesen und ich bin schon gespannt ob es eine Fortsetzung gibt, weil die Welt der Bromwaldauser wirklich eine besondere ist, wo ich gerne als Leserin eintauche und mich verzaubern lassen möchte.

Bewertung vom 19.07.2020
Schwanenfeder, Ginster & Gold
Vogel, Daniela

Schwanenfeder, Ginster & Gold


sehr gut

Eigentlich sollte der 15 Geburtstag für Isabelle Ferguson ein besonderer werden, doch das Schicksal meinte es nicht gut mit ihr. Ihre geliebte Mutter stirbt unerwartet bei einem Reitunfall und ihr Vater verfällt in seiner Trauer in einen Wahn, der für Isabelle weitreichende Folgen hat. Plötzlich ist sie nicht mehr seine Tochter, sondern er glaubt in ihr seine Frau wieder zu erkennen und beginnt um sie zu werben. Jahrelang gelingt es ihr nur dank ihrer treuen Amme Edyth durch scheinbar unlösbare Aufgaben ihn davon abzuhalten sie zu heiraten. Aber eines Tages bleibt Isabelle nichts mehr anderes über als die Flucht. Dabei lernt sie Patrick, den jungen Laird des Sinclairclans kennen, doch er darf noch nicht wissen, wer sie ist. Wären da nur nicht die geheimnisvollen Prophezeiungen, die die alte Noirin immer für Isabelle und auch für Patrick bereit hält, denn beide spüren, dass sie etwas miteinander verbindet, obwohl keiner so richtig weiß, was. Aber es gibt auch noch einen Gegner, der in seinem Wahn beide in Gefahr bringt und auch vor Gewalt nicht zurück schreckt.
,,Schwanenfeder, Ginster und Gold“ ist die gelungene Märchenadaption eines schottischen Märchens, das die Autorin Daniela Vogel mit rauem, aber herzlichen Charme umgesetzt hat. Dazu passt das liebevoll und wunderschön gestaltete Cover wunderbar dazu. Der Leser taucht ein in eine romantische, gefährliche und auch mystische Stimmung, wo Isabelle und Patrick einige Abenteuer erleben müssen. Man findet immer wieder Anlehnungen zu anderen Märchen, die die Autorin neu interpretiert hat und für ihre Geschichte eingefügt hat. Von Beginn weg leidet man mit der jungen Isabelle mit, man spürt ihre Verzweiflung, ihre Ängste und ihre Hoffnungslosigkeit. Es gibt nicht nur sympathische Protagonisten, wovon die Autorin einige zu bieten hat und wo man sich freut, wenn sie auftauchen. Sondern auch unsympathische, die perfekt in die Geschichte hineinpassen und so wie bei den althergebrachten Märchen der Kampf zwischen Gut und Böse darstellen. Der Schreibstil ist angenehm und Daniela Vogel fängt dabei die Stimmung gut ein und man kann sich als Leser bildhaft die dargestellten Szenen vorstellen.
Ein schönes und romantisches Märchen im neuen ,,Gewand“, wo man als Leser gerne in eine Fantasiewelt eintauchen kann.

Bewertung vom 12.07.2020
Aussortiert: Kind 351 (eBook, ePUB)
Gebert, Anke

Aussortiert: Kind 351 (eBook, ePUB)


ausgezeichnet

Frank wird bereits als Säugling in einem Kinderheim abgegeben, wo er fortan viele schreckliche Dinge erlebt. Aber er ist ein Kämpfer und sorgt sich auch später um den jüngeren Andi, der im Gegensatz zu ihm , seine Mutter gekannt hat und immer noch hofft, dass sie ihn eines Tages hier raus holt. Mittlerweile ist Frank erwachsen und hat seine eigene kleine Familie, einen Job, den er gerne macht und seine Erinnerungen an früher verblassen immer mehr. Bis zu dem Tag, als ein Brief vom Sozialamt ihn auffordert seine ihm unbekannte Mutter finanziell zu unterstützen. Mit Hilfe seiner Anwältin versucht er dagegen gerichtlich vorzugehen. Doch dass das nicht so einfach ist, muss Frank schmerzlich erfahren, denn dafür muss er alle Erinnerungen an seine Zeit im Heim wieder hervor holen und diese sind alles andere als schön.
,,Aussortiert: Kind 351“ ist der erschütternde, auf wahren Begebenheiten basierende Roman von Anke Gebert, die den echten Protagonisten kennen lernen durfte und seine unfassbare Geschichte erzählt hat. Nämlich die, dass Kinder für Eltern, die nicht ihren Lebensbedarf decken können, für ihren Unterhalt aufkommen müssen. Die Geschichte spielt auf zwei Handlungsebenen. Abwechselnd erfährt der Leser wie es Frank in den 60iger Jahren im katholischen Kinderheim ergangen ist und wie er 1995 gemeinsam mit seiner Anwältin versucht sich gegen das unglaubliche Urteil des Gerichtes zu wehren. Als Leser erlebt man viele negative Gefühle, ausgelöst von den unmenschlichen und brutalen Methoden, wie man mit den Heimkindern umgegangen ist. Sowohl auf körperlicher Ebene, wenn man die Kinder beim Schlafen auf ihren Betten fixiert hat, bis hin auf physischer, wenn man ihnen ihre Identität geraubt hat indem man sie statt ihres Namens mit einer Zahl gerufen hat. Die Autorin schafft es dabei eine Atmosphäre zu erzeugen, in der man sich als Leser total unwohl fühlt und froh ist, wenn man nur als Außenstehender an der Geschichte teil haben muss, anders als Frank, der nicht fliehen konnte. Eine mutige Geschichte also, wo es den Betroffenen sicher nicht leicht fällt, damit an die Öffentlichkeit zu gehen. Ebenso war es interessant, wie die Rechtslage ist, bezüglich der Unterstützung der Kinder an ihren Eltern. Wo man sich fragt, was bedeutet Recht und was ist Gerechtigkeit. Mit 147 Seiten ist das Buch schnell gelesen. Da die Geschichte so berührend und traurig ist und sie aber gleichzeitig auch wütend macht ob der brutalen Machtspiele der Erzieher gegenüber schutzloser Kinder, ist man direkt froh, wenn das Ende kommt. Ein Roman, den ich mit gutem Gewissen empfehlen kann.

Bewertung vom 08.07.2020
Der unsichtbare Garten
Lambert, Karine

Der unsichtbare Garten


ausgezeichnet

Ein tragischer Schicksalsschlag ändert das Leben des jungen Vincent von einem Tag auf den anderen. Innerhalb weniger Wochen, wird er erblinden. All seine Träume, die Liebe zum Tennis und die Liebe zu seiner Freundin Emilie, zerplatzen wie Seifenblasen. Verzweifelt und ruhelos versucht er so viele Wünsche auf seiner Liste noch abzuarbeiten, bevor es zu spät ist. Als er sich auf das Land zurückzieht und bei dem alten Häuschen, das seinem Großvater gehört hat den alten Garten entdeckt hat er ein Ziel, das von nun an sein weiteres Handeln bestimmt. Er möchte den Gemüsegarten wieder zum Leben erwecken, auch wenn er keine Ahnung hat, wie er das mit seiner ständig fortschreitenden Erblindung bewerkstelligen soll. Obwohl er sehr zurückgezogen lebt, schafft es seine Nachbarin Colin zu ihm durchzudringen und Vincent beginnt sein bisheriges und zukünftiges Leben mit anderen ,,Augen zu sehen“.
,,Der unsichtbare Garten“ ist ein wunderschöner, berührender und zu Herzen gehender Roman von Karine Lambert. Auffällig ist zuerst einmal der ,,milchig“ erscheinende Schutzumschlag, der, wenn man ihn abnimmt, farbenkräftige Blumen auf dem Cover versteckt hat. So ähnlich kann man sich wohl die Erblindung von Vincent vorstellen, der im Laufe der Geschichte immer mehr an Sehschärfe verliert. Als Leser wird man gleich mit diesem Schicksalsschlag konfrontiert und man leidet von Beginn weg gleich mit Vincent mit. Die Geschichte lässt manchmal kaum Luft zum Atmen, weil sie schnell erzählt wird und Vincent immer wieder an vergangenen Ereignisse denkt, die ihn verletzt, erfreut oder nachdenklich gemacht haben. Es war berührend zu lesen, welche Wünsche er noch gehabt hat, was er sich von seiner Zukunft erwartet hat und wie er nun sein Leben vollkommen umstellen musste. Schön waren dabei seine Notizen, die im Laufe des Romanes immer größer wurden und somit den Fortschritt seiner Erblindung auch optisch anzeigten. Mir haben die intensiven Beschreibungen gefallen, wenn Vincent seine Umgebung plötzlich mit allen anderen Sinnen, außer dem Sehen, eingesetzt hat und er nun viel intensiver alles wahrgenommen hat. Dass es auch gute Freunde für ihn gibt, die ihn unterstützen, hat die Autorin gut erzählt, aber auch, wie schwer es den Eltern gefallen ist, mit ihrem Sohn umzugehen, hat mir ebenfalls gefallen. Vincents Hartnäckigkeit, seinen Gemüsegarten auf Vordermann zu bringen ist sehr schön beschrieben worden und man hat dabei als Leser selbst das Gefühl gehabt, die Langsamkeit, die sich Vincent nun angewöhnt hat, selbst zu spüren. Ein schön geschriebener Roman, der zeigt, dass manchmal erst ein Unglück geschehen muss, damit man lernt, das Leben intensiver als bisher wahrzunehmen und dass jeder Tag ein Geschenk sein kann, wenn man bereit ist, sich darauf einzulassen und man versuchen sollte mir Ruhe und Gelassenheit sein Leben zu genießen.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 04.07.2020
So oder so ist es Mord
Gust, Anja

So oder so ist es Mord


gut

Der bekannte Professor Wittenburg verbringt nach der Ermordung an seiner Frau sein weiteres Leben in einer geschlossenen Anstalt, während seine Tochter Solveig um ihr Erbe kämpft, da der charismatische Politiker Uwe Lindholm sich bisher darum gekümmert hat. Als die junge Referendarin Katharina von Hardenberg, genannt Kathi, im Zuge ihres Praktikums mit diesem Fall konfrontiert wird, kann keiner ahnen, welch tragische Ereignisse wegen ihrer Hartnäckigkeit ob ihres Verdachtes, dass es damals in der Beweisführung Mängel und Widersprüchlichkeiten gegeben hat, sich noch ereignen werden. Selbst ihr Partner Hauptkommissar Alexander Knoblich, warnt sie, dass sie die Finger von dem Fall lassen soll. Aber Kathis Neugierde ist geweckt und schon bald merkt sie, dass sie anscheinend manchen Leuten gehörig auf die Füße getreten ist. Auch Uwe Lindholm, der mitten in einem Wahlkampf steckt ist beunruhigt, da Solveig beginnt Schwierigkeiten zu machen und das alles andere als förderlich ist. Schon bald weiß keiner mehr wirklich, wem er noch trauen kann. Die Grenze zwischen Wahrheit und Lüge kann dabei keiner mehr ziehen und es wird gnadenlos über Leichen gegangen.
,,So oder so ist es Mord“, so lautet der Titel des Kriminalromans von Anja Gust. Angefangen mit Alex und Kathi, die gemeinsam mit dem Fall Wittenburg betreut werden. Sowohl Kathi, als auch Alex machen im Laufe der Geschichte eine Wandlung durch um 180°, wo ich diese am Ende nicht ganz nachvollziehen konnte. Kathi stammt aus reichen Hause, wo sie aber ziemlich bald rebelliert, Drogen nimmt, straffällig wird und im Grunde niemanden mag und eigentlich auch mit sich selbst Probleme hat. Sie ist aber eine Kämpferin und lässt sich nicht so leicht unterkriegen auch nicht von Alex, der von sich eingenommen ist, der nur seine Beförderung im Kopf hat und stets versucht den Weg des geringsten Widerstandes zu gehen. Wie sich beide verändern, möchte ich nicht verraten. Es gibt sehr viele Personen in dem Roman, wo es nicht immer leicht war den Überblick zu bewahren. Was die Autorin immer gut macht ist ihre Recherche zu einem Thema, so wie hier über Politik oder die Polizeiarbeit. Dabei liefert sie viel Hintergrundwissen und man taucht als Leser tief in die Materie ein. Hautnah lässt sie einem teilhaben an den korrupten Machenschaften des Politikers, wo man von Betrug, Machtspielen oder Manipulationen nicht verschont wird. Meine Sympathie gehört in dem Roman eher den Randfiguren wie z.b Dirk Rebhuhn und seiner Frau Susanne. Obwohl die Szenen mit dem erhofften bahnbrechenden Chip, den Dirk erfunden hat , nämlich damit die Gefühle seines Gegenübers manipulieren zu können, für mich noch einen Höhepunkt mehr haben hätte können, war diese Geschichte gut erzählt. Dirk, ein Spinner, wie er im Buche steht. Da haben mir seine Hoffnungen, Wünsche und kindlichen Emotionen gefallen. So wie seine Frau Susanne, die ihre Gefühle offen und ehrlich zeigt und dabei Solveig noch mehr verwirrt, als diese bereits schon ist. Solveig wird in ihrer widersprüchlichen Art und Weise zu handeln, sehr gut dargestellt. Dabei lässt die Autorin ihre Protagonistin mit jeder Faser ihres Körpers und ihres Verstandes Dinge tun, die schon beängstigend sind, da sie zeigen, wozu der Mensch fähig sein kann, wenn die Wahrnehmung nicht mehr zwischen Recht und Gerechtigkeit unterscheiden kann. Wie immer ist auch der Schreibstil und die Ausdrucksweise von Anja Gust eine besondere, wo man sprachliche Schätze findet, die fast schon philosophisch anmuten und zeigen, dass sie ein Gespür für tiefe Gedanken hat.
Seite 43: Wenn interessiert schon die Wahrheit, so lange sie nicht die allgemeine Bequemlichkeit stört.
Da ich für ehrliche Kritik bin, vergebe ich für den Roman ,,nur“ drei Sterne, die aber von Herzen kommen. Für mich hätte auch die Anzahl der Seiten weniger sein können, damit die vielen Handlungen nicht so sehr in die Länge gehen. ,,So oder so ist es Mord“ ist ein Krimi, der sicher jeden Leser zum Nachdenken bringen wird und das ist

Bewertung vom 27.06.2020
Tod in Perchtoldsdorf
Schleifer, Christian

Tod in Perchtoldsdorf


sehr gut

Eigentlich sollten die Sommerspiele im Heurigenort Perchtoldsdorf für alle ein Vergnügen sein, doch keiner hat damit gerechnet, dass während der Aufführung der Hauptdarsteller plötzlich verstirbt. Gut dass die ehemalige Polizistin Charlotte Nöhrer zur Stelle ist, die zwar als Neu- Winzerin ihren Wein dem Publikum näher bringen wollte, aber so wittert sie schon bald, dass es vielleicht doch Mord sein könnte und sie beginnt zu ,,ermitteln“. Charlotte wird bald hin und her gerissen zwischen Zweifel, ob die Witwe Renate Obermayer, mit der sie sich ziemlich schnell anfreundet, nicht doch etwas mit dem Mord zu hat und der Hoffnung, dass es doch noch andere Verdächtige gibt. Auch gibt es im elterlichen Betrieb einiges das sie fordert, da ihre Ideen für einen innovativen Weinbaubetrieb nicht bei jedem gut ankommt. Bald schon findet sich Charlotte in einem Gewirr aus Lügen und Betrügen wieder und sie kommt dem Mörder immer näher.
In dem Debütkrimi "Tod in Perchtoldsdorf" von Christian Schleifer wird der Leser entführt in einen ungewöhnlichen Krimi, den der Autor selbst als ,,tragisches Kriminallustspiel in fünf Aufzügen“, bezeichnet. In fünf,,Aufzügen“ wird man nicht nur mit viel Lokalkolorit belohnt, sondern auch mit einer Mischung aus Spannung und Humor. Gewöhnungsbedürftig ist vor allem, dass vor jedem Namen ein Artikel steht. Doch im Laufe der Geschichte fällt das gar nicht mehr auf und ich habe es als eine besondere Note empfunden. Der Humor nimmt einen großen Teil des Krimis ein, der nicht nur handlungstechnisch auftritt, sondern sehr oft auch in den Dialogen, wo es ein Genuss war die Dialekt gefärbten Ausdrücken zu lesen. Der Autor lässt die sympathische Charlotte ,,ermitteln“, wo sie tatkräftig von ihrer Lebensgefährtin Andrea unterstützt wird. Christian Schleifer greift in seinem Roman auch ernste Themen auf, wo es um Erpressung, Eifersucht und auch um Menschen geht, die nicht immer das große Los gezogen haben. Es gibt einige liebenswerte Charaktere, wo vor allem, der Zusammenhalt innerhalb der Familie groß geschrieben wird. Der Autor hat einen angenehmen Schreibstil, wo er gerne auch manche Szenen ein wenig in die Länge zieht. Man wird als Leser gut unterhalten, weil man selber auch mit rätseln kann wer der Mörder sein könnte. Ein guter und solider Krimi also, wo man schon gespannt sein darf, wie es mit Charlotte und ihrem kriminalistischen Spürsinn weitergeht.

Bewertung vom 21.06.2020
Der Grüne Planet
Falke, Tino; Schiedel, Karlheinz; Zillig, Werner; Weigand, Karla; Weigand, Jörg; Isbel, Ursula; Wehrle, Ute

Der Grüne Planet


sehr gut

,Der Grüne Planet“ beinhaltet 23 Anthologien die sich mit dem spannenden Thema ,, Zukunft im Klimawandel“ beschäftigen. Der Verlag Hirnkost mit seinem Herausgeber Hans Jürgen Kugler, hat sich mit dem Buch sehr viel Mühe gegeben. Angefangen von dem wunderschön gestalteten Hardcover, das bildhaft andeutet, wie es um unsere Umwelt steht, bis hin zu der tollen Aktion, dass jeweils 2 € eines verkauften Buches an die Organisation ,,scientists4future“ gespendet wird.
Das Thema Klimawandel wird in den Geschichten auf vielfältige Art und Weise von den Autor*innen betrachtet und darauf eingegangen. Von berührend über humorvoll, von utopisch bis zu SF angehaucht, ist alles darin vertreten. Zu jeder Geschichte gibt es auch eine farbige Abbildung in der Art einer digitalen Collage, wo man viele Szenen aus der Geschichte wieder entdecken kann.
In den Anthologien findet man viele schreckliche Szenarien wieder , die wir bereits jetzt schon kennen und man das Gefühl hat, dass es nicht besser wird, weil die Menschen die tickende Uhr noch immer nicht hören wollen. Themen wie Überschwemmungen, Tornados, Abholzung des Regenwaldes... findet man darin ebenso wie Menschen, die versuchen zu retten, was noch zu retten ist.
Es gibt vier Themenfelder über die ich einen kleinen Auszug anbieten möchte.
* Apokalypse Now- Die Katastrophe hat stattgefunden
,, Die Tage nach dem Lärm“ hier lässt der Autor Uwe Hermann auf berührende und auch interessante Art und Weise vorprogrammierte Roboter sich um die tägliche Arbeit nach der Klimakatastrophe kümmern. Was sie dabei erleben hat mit sehr überrascht.
In der Geschichte ,, Wenn der Großvater erzählt“ von Monika Niehaus wird man selbst in die Erzählung des Großvaters verstrickt, wenn er von früher erzählt und die Enkel in der ungemütlichen und kalten Höhle gebannt zuhören.

*Cisis? What Crisis? - Noch einmal davongekommen. Wie wir der Welt ein Schnippchen geschlagen haben.
Karlheinz Schiedel zeigt in der Geschichte ,, Die große Vernunft“ , wie man die Erde noch retten kann, selbst wenn die Methode recht ungewöhnlich ist.

* Heiße Zeiten- Der Klimawandel hat auch seine schönen Seiten..
Die Autorin Marianne Labisch lässt in der Geschichte ,, Der Traum“ einen Herzenswunsch der kleinen Protagonistin in Erfüllung gehen. Selbst wenn es unter Strafe untersagt ist Wasser zu verschwenden ist ihr Opa bereit ihr zu zeigen, wie sich Schnee anfühlt.
Wie weit darf Rache gehen, selbst wenn unzählige Menschen dabei sterben müssen? ,,Die Eispiratin“ von Friedhelm Schneidewind, wird diese Frage auf drastische Art und Weise beantworten.

*Mad World- War da was?
,,Die Nähe der Krähe“ von Wolf Welling zeigt inmitten der bereits eingetretenen Katastrophen, dass der Wille zu Überleben bis zuletzt aufrecht bleibt und der Verstand den Protagonisten dabei in eine neue und schönere Welt begleitet.
Der humorvolle Abschluss bildet die Geschichte ,,Quallengeflüster“ von Anne Grießer wo der Leser Zeuge wird von drei sehr klugen Quallen, die ganz genau wissen, warum die Welt nicht mehr so ist, wie sie einmal war.
Bei den vielfältigen Geschichten wird jeder Leser seine Favoriten finden und selbst wenn es in vielen nicht mehr gut für die Menschen und den gesamten Planeten aussieht, so gibt es auch manchmal einen kleinen Hoffnungsschimmer darin. Vielleicht wird deshalb auch immer wieder einmal Greta Thunberg darin erwähnt, denn wenn es bei uns schon 5 vor 12 ist, sollte es für die nächsten Generationen nicht 5 nach 12 werden.

Bewertung vom 13.06.2020
Sieben mal geplagt / Französisch von unten Bd.2
Gogolin, Wolfgang A.

Sieben mal geplagt / Französisch von unten Bd.2


ausgezeichnet

Im kleinen verschlafenen französischen Fischerdorf Arnaud, scheint wie so oft die Zeit still zu stehen, doch die trügerische Ruhe täuscht. Auf der einen Seite schlägt sich Kater Merlin mehr recht als schlecht durch sein, wie er findet kümmerliches Leben, dank der Katzengöttin Isis, die immer noch sehr nachtragend ist und auf der anderen Seite läuft immer noch der Mörder von Bürgermeister Laval herum. Obwohl dieser nicht sehr beliebt war, ist es doch ein mulmiges Gefühl für die Bewohner in Arnaud. Da hilft es auch nicht wirklich, dass man aus Paris extra einen Ermittler schickt, der noch dazu alles andere als beliebt ist. Ebenso frustriert ist auch der Stadtbuchhalter Juste Simon, der nicht nur schwerwiegende Liebesprobleme mit seiner Freundin Blanche hat, sondern auch noch von Madame Lazar, der Bordellchefin gedrängt wird den Mörder Lavals zu finden. Doch es passiert noch ein weiterer Mord und plötzlich scheint nichts mehr so zu sein, wie es den Anschein hat.

,,Sieben mal geplagt“ ist die gelungene Fortsetzung aus der Reihe ,,Französisch von unten“, wo der Leser wieder einmal auf humorvolle Art und Weise am Leben des Kater Merlins, sowie den Bewohnern des Fischerdorfs Arnaud, teilhaben darf. Man kann zwar den Band ohne Vorkenntnisse lesen, aber ich empfehle dennoch mit dem ersten Band zu beginnen, weil es einfach mehr Spaß macht, wenn man weiß, was Merlin alles angestellt hat und wie die Dorfbewohner zueinander stehen. Dieses Mal wird Merlin von der ,,Isis- Schnepfe“, wie er sie so schön uncharmant benennt, mit sieben Plagen gestraft, ob diese helfen aus einen Machokater einen wohlerzogenen zu machen, der weiß, wie man Kätzinnen umzugehen hat, bleibt dahin gestellt. Der Autor beschreibt wunderschön und intensiv das Leben in dem kleinen Dorf. Man fühlt als Leser jede Stimmung mit und es ist ein eintauchen in eine bildhafte Geschichte. Man lebt richtig mit und man sieht und hört alles, so wie die Protagonisten. Man bekommt Spannung, humorvolle Szenen, bissige Dialoge und auch Szenen, die man einfach mit einem Augenzwinkern betrachten sollte, denn nur dann kann man sich wirklich gut amüsieren. Jede Person hat ihren eigenen unverwechselbaren Charakter, wo ich wirklich sagen kann, dass mir alle Figuren sympathisch sind. Die Dialoge sind einfach herrlich und so wie so mancher Protagonist dabei leidet, ob der Einfältigkeit und Naivität seines Gegenübers, so sehr muss ich als Leser dabei schmunzeln. Der Roman hat seinen eigenen Charme, wo man sich nicht wundern darf, wenn plötzlich der ,,Heiland“ in der Geschichte auftaucht, aber gerade diese Mischung zwischen Fantasie und Wirklichkeit macht für mich den Roman zu einem Lesevergnügen. Der Abschlussband der Trilogie wird sehnsüchtig erwartet.

Bewertung vom 07.06.2020
Entlassen (Farbedition)
Falkner, Andy

Entlassen (Farbedition)


sehr gut

Eigentlich sollte der Tauchausflug für Doris und ihrem Freund Gregor sowie dem befreundeten Paar Elvira und Christian eine willkommene Abwechslung sein. Besonders für Doris, deren geliebte Tante Margret auf mysteriöse Weise gestorben ist und in deren Haus einige Dinge auftauchen, für die es scheinbar keine Erklärung gibt. Auch gestaltet sich das Erbe nicht ganz einfach, da ihre verhasste Schwester Brigitte so viel Gewinn als möglich aus einem möglichen Hausverkauf herausschlagen möchte. Als auch noch Doris in einen seltsamen Autounfall verwickelt ist, wo sie sich nicht wirklich daran erinnern kann, wie es zu dem Unfall gekommen ist, ist sie dankbar für die Auszeit in Ägypten. Doch selbst der Tauchurlaub endet in einer Katastrophe und alle sind dankbar, dass nichts schlimmeres passiert ist. Mittlerweile findet Doris aber immer mehr Indizien, dass der Tod ihrer Tante kein natürlicher war und bei ihren Nachforschungen reist sie in die Vergangenheit, wo es viele Familientragödien gegeben hat, deren Nachwirkungen auch sie heute noch betreffen. In ihr reift ein nicht ungefährlicher Plan heran, der Sache bis zum Schluss auf den Grund zu gehen. Doch dafür muss sie mit Gregor nach Kroatien zum Höhlen klettern fahren, damit sie die ganze wahre Geschichte erfährt.
,,Entlassen“ ist das Erstlingswerk des Autors Andy Falkner, der seinen ,,Fotobeweisthriller“ mit persönlichen Fotos gespickt hat und dabei den Leser an teils biografischen Erlebnissen hautnah teil haben lässt. Er entführt uns nach Niederbayern, Ägypten und Kroatien wo er eine spannende und interessante Reise mit seinen Protagonisten unternimmt. Besonders gefallen haben mir auch die kurzen Rückblenden in die Vergangenheit, wo man als Leser gespannt war, wie sich die beiden verschiedenen Handlungssträngen sich mit der jetzigen Geschichte zusammen fügen, weil es zu Beginn scheinbar keine Verbindung dazu gibt.
Die Protagonisten sind ebenfalls interessant zu beobachten, da man sich als Leser kaum auf jemanden verlassen kann. Viele drehen sich in der Geschichte um 180° und der Autor überrascht dabei immer wieder mit Wendungen, die man so nicht erwartet hätte. Der Roman lässt sich flüssig lesen, wo ich denke, dass er sprachlich sicher noch ausbaufähiger wäre. Trotzdem ist er als Debütroman ob seiner interessanten Handlung eine erfrischende Geschichte. An manchen Stellen geht es zwar etwas zu tränenreich zu, was aber der Erinnerungen des Autors an diesen wirklichen Erlebnissen geschuldet ist. ,, Entlassen“ von Andy Falkner ist spannend, originell und eine interessante Geschichte zwischen Wahrheit und Fiktion.