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Benutzername: rewa
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Bewertungen

Insgesamt 77 Bewertungen
Bewertung vom 19.01.2020
Nackt (eBook, ePUB)
Olsson, Sven J.

Nackt (eBook, ePUB)


sehr gut

In der Novelle ,, Nackt“ entführt der Autor Sven j. Olsson den Leser in eine Stadt, die es überall geben kann und wo man Menschen trifft, die in Selbstgesprächen über ihre Ängste, Hoffnungen und verlorenen Träumen erzählen. Wenn man zu lesen beginnt ist man zuerst noch eine wenig verwirrt, ob oder wie die einzelnen Geschichten zusammen gehören. Es findet auch immer wieder ein schneller Wechsel zwischen den Personen und deren Erlebnissen und Erinnerungen statt. Die Novelle gehört auf alle Fälle langsam und aufmerksam gelesen, weil so vieles zwischen den Zeilen steht und es schade ist, wenn man nur schnell drüber lesen würde.
Der Autor beschreibt eine Woche im Leben von 5 Menschen, die zwar alle unterschiedlich von ihrer Herkunft, der Vergangenheit und deren Lebensumständen sind, aber eines haben alle gemeinsam,
letztendlich präsentieren sie sich dem Leser ,,nackt“, indem sie ihre Gedanken und Gefühle offen und schonungslos darlegen.
Inez, die illegal als Putzkraft arbeitet und sich nach ihrer Familie sehnt und spürt, dass sie hier nicht ein neues zu Hause finden wird.
Otto, der Obdachlose, der sein weniges Hab und Gut täglich mit sich herumschleppt und sich noch kaum an sein früheres Leben erinnern kann.
Volker, der Vergewaltiger, der jahrelang seine Strafe im Gefängnis verbüßt hat und ruhelos von Stadt zu Stadt zieht weil er nirgends erwünscht ist.
Piet, der selbstbewusste Politiker, der stets weiß wie er medienwirksam die Abschaffung der Privatsphäre unters Volk bringen kann.
Und Anna, die Autistin, die in ihrer eigen Welt lebt und nur selbst versteht, was sie mit sich selbst tagtäglich redet.
Der Autor hat in teils berührenden Selbstgesprächen spürbar das Leid, die Angst und vor allem auch die Hoffnungslosigkeit der Personen rüber gebracht. Als Leser hat man sich dabei oft direkt angesprochen gefühlt, wenn eine Frage an eine ,, unsichtbare“ Person gestellt wurde und man dafür selbst keine Antwort gewusst hat.
Sven j. Olsson hat die Erlebnisse und Handlungen zwischen belanglos und sehr detailliert beschrieben, wo man sich als Leser diese bildhaft vorstellen konnte. Man verrichtet oft unbewusst jeden Tag Tätigkeiten und denkt gar nicht darüber nach , was ein anderer zur selben Zeit erlebt und selbst wenn man einen Obdachlosen, einen Behinderten.......sieht, interessiert es einem zumeist gar nicht wirklich, welches menschliche Schicksal dahinter steckt.
Eine schöne und auch traurige Novelle, die sehr einfühlsam geschrieben ist.

Bewertung vom 11.01.2020
Würdest du schweigen (eBook, ePUB)
Kunz, Alfred

Würdest du schweigen (eBook, ePUB)


weniger gut

Im Handwerkerverein brechen neue Zeiten an, als der unerfahrene Günter Godano den Marketing Bereich übernimmt. Der seit Jahren für den Verlag zuständige Ben Barnebas erlebt in den nächsten Jahren ein Arbeitsklima, bei dem er machtlos miterleben muss, wie langjährige Mitarbeiter unter fadenscheinigen Begründungen entlassen werden, wie Gelder veruntreut werden und wie auch er schlussendlich entlassen wird. Auf schmerzvolle Art und Weise wird Ben mit Mobbing der perfiden Art konfrontiert und er muss erkennen, wie hilflos man dabei sein kann.
Der Autor Alfred Kunz hat mit dem Roman ,,Würdest du schweigen“ einen Business Roman über das Thema Mobbing geschrieben. Darin beschreibt er mit welchen Mitteln und Wegen Personen es schaffen einen ganzen Verein zu schädigen und deren Mitarbeiter zu ihren Gunsten zu manipulieren. Ein wenig überfordert war ich schon einmal über die Menge an Personen, die namentlich immer wieder erwähnt wurden und sich alleine auf ca. 30 Stück alleine nur im Handwerkerverein beliefen, wo die anderen Protagonisten noch nicht einmal mitgezählt sind. Das Thema Mobbing ist natürlich wichtig und sehr facettenreich. Hier konnte mich der Autor aber leider nicht wirklich von seiner Geschichte überzeugen. Die Gespräche und Gedankengänge haben sich im Grunde immer wieder im Kreis gedreht und haben sich dadurch auch oft wiederholt. Fragen wie ,,Warum ist das passiert?, Wieso hat keiner etwas gesagt?“ ...... sind dabei ständig zu finden. Auch war es beim Lesen wirklich verwunderlich, dass eine Person, die von dem ganzen Geschäft keine Ahnung hat, so sang- und klanglos schalten und walten konnte, und dabei Millionen Verluste dabei gemacht hat, viele Mitarbeiter gekündigt wurden und sich fast jeder finanziell kaufen ließ. Es hat noch einen zweiten Erzählstrang gegeben, der weitgehend den Tatsachen entsprochen hat, nämlich des vom Autor selbst gegründeten Story Hauses. In der Form des Journalisten Timos hat er den Weg, die Probleme und Möglichkeiten beschrieben wie man vom Gedanken der Schriftstellerei bis hin zum eigenen Buchprojekt und eigenem Verlag kommen kann.
Der Autor hat sich sichtlich bemüht auf ein wichtiges Thema aufmerksam zu machen, aber die Umsetzung war nicht wirklich gut gelungen. Viele unnötige Beschreibungen z.b was es jedes Mal zu Essen gibt, immer wieder um das gleiche drum herum reden und die Geschichte von Timos, die für mich in dem Roman jetzt nicht wirklich hinein gepasst hat. Der Schreibstil war mir ein wenig zu sachlich und unpersönlich, ein bisschen mehr an Lebendigkeit und Schwung hätten den Roman sicher gut getan. Weniger detailreiche Wiederholungen, die Geschichte von Timos in einem anderen Buch unterbringen und auch aufzeigen, dass es sehr wohl auch Konsequenzen für diejenigen einmal gibt, die des Mobbings überführt werden. Dann wäre der Business Roman ,,Würdest du schweigen“ sicher interessanter zu lesen.

Bewertung vom 25.12.2019
Denk-an-Sätze
Engel, Andreas

Denk-an-Sätze


ausgezeichnet

Dank dem Autor Andreas V. Engel bekommt man in seinem neuesten Werk ,, Denk-an -Sätze“, sogenannte weitere humoristische Sichtweisen, von Menschen, Tieren und sonstigen lebenden und toten Personen. Besonders der Wiener in seiner bekannten grantigen, zynischen, aber im Grunde liebenswürdigen Art und Weise, bekommt hier wieder einmal das ,, Fett weg“. Bereits aus dem ersten Buch ,, Gemischte Sätze“,hat der Leser die grantelnde Frau Mariann kennen gelernt, die sich auch hier wieder austoben kann. Herrlich beschreibt hier der Autor in gereimter Form die Tücken des Alltages, die Frau Mariann regelmäßig zum Explodieren bringt.
Aber auch die beiden Herren Havlitschek und Einfalt dürfen wieder in guter alter Manier der
Doppelconference a la Waldbrunn und Farkas, ihre Gespräche wieder geben. Diese Texte muss man mit einem großen Augenzwinkern lesen, da sie doch ein wenig überspitzt geschrieben sind, aber trotzdem hat man seine Freude dabei.
Andreas V. Engel ist im Grunde ein richtiger ,, Bengel“, der Gott und die Welt sprichwörtlich auf die Schaufel nimmt und nichts und niemand ist vor seiner spitzen Feder sicher. Das Buch ist wie ein kleines Schatzkästchen, aus dem jedes Mal, wenn man es öffnet, ein anderer literarischer Schatz heraus kommt. Das schöne und abwechslungsreiche bei ihm ist, dass es für ihn kein Tabu gibt, wie er seine Texte zu Papier bringt. Egal ob es Kurzgeschichten, Gedichte oder gereimte Texte sind, man bekommt als Leser stets etwas zum Lachen, zum Schmunzeln oder zum Nachdenken.
Man merkt, dass der Autor ein guter Beobachter und Zuhörer ist und viele Dinge haargenau auf den Punkt bringt. Sind es die nervigen Werbungen, die alles versprechen, was man bisher in seinem Leben vermisst hat oder die Vorurteile die viele anderen gegenüber haben ohne sie wirklich zu kennen, immer wieder bringt es der Autor pointenreich, aber auch manchmal etwas zynisch dem Leser rüber. Herrlich sind natürlich die vielen im Dialekt geschriebenen Zeilen die Spaß machen sie
zu lesen, auch wenn sie anderen vielleicht ein wenig Probleme bereiten.
Ich bin jedes Mal überrascht welch witzige und oft auch kuriose Einfälle der Autor hat. Ist es der legendäre fast schon zu Tode bringende ,, Männerschnupfen“ oder Fluss- und Städtenamen, die er originell in einem Text unterbringt, immer wieder schafft es Andres V. Engel mich zu überraschen. Wer also den ,,typischen Wiener „ kennen lernen möchte der grantelnd durch die Stadt zieht und zuhören möchte wie sich Mäuse und Promille mit schwerwiegenden Themen auseinander setzen müssen, der kommt hier auf seine Kosten.

Bewertung vom 25.12.2019
Wiener Lebensspiel
Herzog, Hubert

Wiener Lebensspiel


sehr gut

Der Justizpalast brennt und Eduard Tauber wird geboren. In einer Zeit des Krieges und vieler Entbehrungen wächst er mit seinen zwei Geschwistern auf und er entwickelt, so wie sein Vater, eine Leidenschaft, die ihn viele Jahre begleiten wird. Fußballspielen wird bald für ihn nicht nur ein Hobby, sondern auch in späteren Jahren sein Beruf. Bis es aber soweit ist gibt es für ihn noch vieles zu sehen und auch zu erleben. Seine Bekanntschaft mit Herrn Alpi, der im Tiergarten arbeitet, lässt Eduard in eine neue Welt eintauchen, da er von nun an jederzeit die Tiere im Zoo besuchen darf und so manche schöne Stunden dabei verbringt. Doch der Krieg fordert seine Opfer und Eduard schafft es immer wieder, dass ihm jemand hilft und er vom Militärdienst verschont bleibt und er und seine Familie gut durch die Kriegsjahre kommen. Es folgen noch viele schöne Jahre, in denen er sich seine Lebenswünsche erfüllen und dankbar auf sein Leben zurückblicken kann.

Der Autor Hubert Herzog hat mit seinem Roman ,,Wiener Lebensspiel“ eine liebenswürdige Geschichte rund um den fußballbegeisterten Eduard Tauber geschrieben. Als engagierter Fußballhistoriker hat der Autor viel zu diesem Thema recherchiert und gewährt seinem Leser dazu einen interessanten Einblick. Tatsächliche Ereignisse, wie der Brand des Justizpalastes bis zu diversen Bombenangriffen auf Wien vermischt er gekonnt mit fiktiven Geschichten der Familie Tauber. Auf teils humorvoller, berührender und informativer Art und Weise erzählt er dabei eine Lebensgeschichte, in der es Eduard zwar nicht immer leicht gehabt hat, aber er seinen Lebenstraum Fußballer zu werden konsequent durchgezogen hat. Fußballfreunde werden sicher dabei ihre Freude haben wenn sie auf bekannte Namen wie Sindelar, Happel oder Hanappi treffen.

Hubert Herzog schafft es immer wieder in liebevollen kleinen Szenen die damalige Zeit mit all ihren Sorgen, Nöten, aber auch Glücksmomenten bildhaft darzustellen. Selbst die tatsächliche Begebenheit, dass im Zweiten Weltkrieg im Tiergarten Schönbrunn der Nashornbulle ,,Toni“ seinen Pfleger auf sich reiten ließ, hat der Autor emotional und schön beschrieben. Vom Schreibstil her kann man die Geschichte fast schon als ,,naiv“ bezeichnen, ohne das abwertend zu sehen. Es passt einfach zu der Zeit und den damaligen Verhältnissen dazu. Eduards Oma wird dabei als zwar einfache, aber kluge Frau mit vielen schönen Gedanken beschrieben, die ihrem Enkel viele Tugenden wie Bescheidenheit oder Hilfsbereitschaft mitgegeben hat, nach denen Eduard auch sein Leben ausgerichtet hat.
,,Wiener Lebensspiel“ bietet einen schönen Einblick in die Vergangenheit, wo sicher auch nicht Fußballfreunde gerne Eduard Tauber von der Geburt bis zu seinem Lebensende begleiten möchten.

Bewertung vom 18.12.2019
Schutzpatrone
Trink, Rudolf

Schutzpatrone


sehr gut

Der ehemalige Kriminalbeamte Johann Rumpler genießt mit seiner alten Katze Rosamunde seine Pension, trotzdem kann er es nicht lassen wenn ihn sein ehemaliger Kollege Moser ihn bittet bei seinen ungeklärten Mordfällen an Obdachlosen zu unterstützen. Froh, wieder eine Aufgabe zu haben, stürzt sich Rumpler gleich in die Arbeit, die sich nicht gerade als leicht gestaltet. Der bisher einzige Zeuge, der Obdachlose Rudi Schätter, befindet sich in einer Psychiatrie, der in seiner kindlichen Welt von Kasperl, Gretel und Teufel spricht. Als auch noch eine junge Frau verschwindet und ein Verdächtiger Selbstmord begeht spürt Johann, dass alle Fälle irgendwie zusammen hängen und so begibt er sich auf eine nicht ungefährliche Reise ins Waldviertel, wo menschliche Tragödien ans Licht kommen und noch viele Personen in Lebensgefahr geraten werden.
Der Kriminalroman ,,Schutzpatrone“ ist der zweite Band aus der Reihe des pensionierten Kriminalisten Johann Rumpler, geschrieben vom Autor Rudolf Trink. Das Cover mit der Kasperlfigur, dem Stierschatten und der Patrone , wirkt sowohl unschuldig, als auch unheimlich und beide Komponenten findet man sehr gut umgesetzt in der Geschichte.
Der Autor erzählt in einer ruhigen und auch humorvollen Art und Weise eine spannende Geschichte, wo zwei verschiedene Fälle sich langsam, aber sicher wie ein Puzzle zusammen setzen. Er beschreibt viele Szenen sehr genau und man findet Handlungen, wie z.B das Füttern der Katze Rosamunde, immer wieder. Obwohl ich so genaue Beschreibungen nicht unbedingt mag und auch ähnliche Wiederholungen nicht sein müssen, haben mich diese in der Geschichte nicht gestört, weil sie einfach so liebevoll rüber gekommen sind.
Der Autor hat einen angenehmen Schreibstil und die Sprache ist auch abwechslungsreich, wenn es Sätze im herrlichen wienerischen Dialekt gibt oder,,vornehme“ wo Rumpler von der netten Zimmerwirtin Frau Meier in der 3. Person angesprochen wird. Rudolf Trinkl hat auch sehr viel an Lokalkolorit mit einfließen lassen. Ist es die Wiener Kaffeehaus Atmosphäre , der Spatziergang durch den Volksgarten oder die Reise ins Waldviertel, man sieht die Landschaft vor sich und man spürt das Gefühl, das der Autor in seine Geschichte hinein gelegt hat. Nicht zu vergessen sind aber auch die kulinarischen Leckerbissen, die nicht nur Rumpler, sondern auch seine Katze präsentiert bekommen haben. Da hätte der Autor mit seinen Kochkünsten am Ende des Romanes mit den Rezepten dem Leser eine doppelte Freude machen können.
Ein spannender, humorvoller und auch emotionaler Roman, wo ich mich freuen würde, von Rumpler und Rosamunde wieder lesen zu dürfen.

Bewertung vom 16.12.2019
LORENA (eBook, ePUB)
Prebil, Stefan

LORENA (eBook, ePUB)


gut

Es ist das Jahr 2032 als der fast 70 jährige Jacko Brevic unverhofft Besuch seiner schwangeren Enkelin Lorena erhält. Er ist darüber sehr erstaunt, da er bisher nur einmal Kontakt mir ihr hatte. Die junge Frau stellt nun sein bisher einsames Leben gehörig auf den Kopf, denn sie dringt in seine Vergangenheit und somit in sein langes Leben ein, wo viele Dinge bis heute unausgesprochen sind Seine Enkelin möchte mit ihren Fragen herausfinden, ob sie genauso wie Jacko seinen Sohn Rolf damals auch ihr Kind zur Adoption freigeben soll oder nicht. Viele Erlebnisse von früher machen Jacko auch heute noch das Leben schwer und Loren lernt ihren Großvater mit all seinen Stärken und Schwächen kennen. Auch lernt Lorena Jackos alten Freund Chris kennen, der gemeinsam mit ihm vor langer Zeit einen nie dagewesenen Betrug angeleitet hat, der für die Schweiz und die Gesellschaft ungeahnte Folgen hatte.
In dem Roman ,,Lorena 2032- Die Zeit der Wahrheit“ lässt der Autor Stefan Prebil seine Leser in eine Zukunft blicken, wo man nicht sicher ist, ob oder wie weit Fantasie und Wirklichkeit noch voneinander entfernt sind. Technologische Fortschritte wie Roboter, die selbständig handeln oder Hochgeschwindigkeits U- Bahnen, die Städte miteinander verbinden sind ebenso zur Selbstverständlichkeit geworden wie computergesteuerte Armbänder, die bei Krankheiten den Arzt ersetzen und die richtige Medikation verschreiben. Der Autor hat eine Gesellschaft auferstehen lassen, die von Fortschritt und scheinbar ungeahnten Möglichkeiten erschaffen worden ist. Aktuelle Themen wie Manipulation bei Wahlen oder Experimente im Bereich der Kryonik hat er dabei in eine interessante Geschichte rund um Jacko und Lorena mit einfließen lassen. Jacko wird als Einzelgänger beschrieben, der nichts in seinem Leben anbrennen hat lassen. Er hat viel erlebt und viele Dinge aus seiner Vergangenheit lassen ihn auch noch heute zweifeln, ob er richtig gehandelt hat. Seine Enkelin Lorena ist bereit sich auf den für sie im Grunde fremden Menschen einzulassen um eine wichtige Entscheidung für ihr weiteres Leben zu fällen. Der Autor hat viel Gefühl in seine Protagonisten gesteckt, wo es auch tiefgründige und selber zum Nachdenken enthaltene Themen gibt.
Ein Roman der sich um wahre Freundschaft, Betrug an einer ganzen Nation und um Zukunftsvisionen dreht, die vielleicht bald schon einmal wahr werden können.

Bewertung vom 15.12.2019
Franki goes Hiddensee (eBook, ePUB)
Mannhardt, Bernd

Franki goes Hiddensee (eBook, ePUB)


sehr gut

Der im Immobilien Geschäft tätige Horst-Frank Demmler, von seiner Frau Gitti liebevoll Franki genannt, wird von seinem Chef am 24. Dezember zu einer großen Feier auf der Insel Hiddensee eingeladen. Da er sich erhofft der neue ,,Deichgraf“ zu werden wird die Reise für ihn und seine Familie zu einem großen Ereignis, wo Franki schon bald merken muss, dass es gar nicht so einfach ist sicher und wohlbehalten bei seinem Chef anzukommen.
In ,,Franki goes Hiddensee“ beschreibt der Autor Bernd Mannhardt einen humoristischen Insel- Winter – Trip der Familie Demmler, wo Vater Franki, Mutter Gitti, Sohn Leon, genannt Engelchen und Hund Trixi, den Leser und vor allem seine Lachmuskeln gehörig auf die Probe stellt.

Der Autor lässt seine Protagonisten von einem Schlamassel in den anderen gleiten und man erhält Szenen, die zwar manchmal übertrieben wirken, aber herrlich zu dieser slapstikartigen Komödie passen. Franki, der zu allem bereit ist im Immo- Geschäft aufzusteigen und so manche Katastrophe auf sich nimmt und teuer für eine Kutschenfahrt bezahlt, die im Grunde gar nicht notwendig gewesen wäre oder sich in Boxershorts auf der Fähre vor fremden Menschen zeigt, immer macht er gute Miene zum bösen Spiel. Oder seine Frau Gitti, die auf Hansi Hinterseer steht und stets vermittelt zwischen ihrem Mann und ihrem Sohn, wenn jeder der Meinung ist etwas besser zu wissen. Sowie mein heimlicher Held der Geschichte nämlich Leon, der zwar schon 10 Jahre alt ist, aber immer noch ,,Engelchen“ genannt wird, der jede Katastrophe mit seinem Tablet filmt und seine Eltern gerne nervt mit seinen Fragen, vor allem mit seinem Lieblingssatz ,,Das verstehe ich nicht“.
Aber auch das Hündchen Trixi, das gerne in der Handtasche verschwindet und Schutz sucht, denn bei Familie Demmler ist man nie sicher, was als nächstes passiert. Obwohl es eine herrliche Komödie ist, muss ich einen Stern abziehen, weil mich der ständige Ausspruch von Franki ,, Ja, nee- klar“, der fast auf jeder Seite vorkommt, mit der Zeit tierisch genervt hat.
Die Dialoge sind humorvoll und der ständige Schlagabtausch zwischen den Familienmitgliedern waren wirklich witzig zu lesen. Vor allem wenn Franki stets seinen Sohn ermahnt hat nicht zu schimpfen und er dann von ,,Engelchen“ aber darauf hingewiesen wurde, wenn er etwas gesagt hat, was eigentlich nicht erlaubt war. Ich konnte mir bildhaft vorstellen, wie Leon mit Begeisterung
alles mitgefilmt hat, denn passiert ist in dem Roman ständig etwas. Der Autor hat auch den rauen Charme der Inselbewohner herrlich beschrieben und ein einfaches ,,Jo“ hat sehr vielmehr ausgesagt, als ein ganzer Satz.
Wer sich also auf einen Roman mit humorvollen Dialogen und witzigen Szenen einlassen möchte, kommt hier voll auf seine Kosten.

Bewertung vom 13.12.2019
Stille (eBook, ePUB)
Boyd, Lyl

Stille (eBook, ePUB)


ausgezeichnet

Tommys Eltern sind verzweifelt, da ihr geliebter Sohn einfach nicht reden will. Selbst Logopäden und Psychologen dringen nicht durch die Mauer des Schweigens. Nur die Musik schafft es, dass Tommy sogar in verschiedenen Sprachen mitsingt und dabei glücklich ist.

Die Short Story ,, Stille“ vom Autor Lyl Boyd hält auf eindringliche Art und Weise unserer heutigen digitalen Gesellschaft einen Spiegel vor, in dem man besser nicht hinein blicken möchte.

Der Autor hat in seiner Geschichte ein erschreckendes Szenario dargestellt, wo man als Leser merkt, dass er sich große Gedanken um die Zukunft der Menschen gemacht hat. Unsere digitale Revolution bestimmt schon jetzt einen Großteil unseres Lebens, sei es der Computer, das Smartphone ..... und nimmt uns Menschen immer mehr die Möglichkeit einer echten und persönlichen Kommunikation. Die Geschichte regt sehr zum Nachdenken an und auch zum Überdenken seiner eigenen täglichen Handlungen, wo man sich selbst immer wieder ertappt schnell ein paar Kürzeln oder Smileys zu verschicken und somit das wertvolle Gespräch mit seinem Gegenüber wegfällt.
Eine schöne, berührende aber auch etwas düstere Geschichte, wo man sich wirklich um die Zukunft speziell der Jugend Sorgen und Gedanken machen muss. Toll, wie der Autor immer wieder spannende Themen aufgreift und seine Leser dabei überrascht.

Bewertung vom 10.12.2019
Fremd! (eBook, ePUB)
Stone, Deborah B.; Conrad, Ulrich; Pfeiffer, Nicole; Koparan, Ilkay; Bandurski, Leonie; Klein, Irene; Danck, Anne; Klimkowsky, Slavica; Hartmann, Laszlo; Krupicka, Sylvia; Bertini, Hanna; Maluga, Andrea

Fremd! (eBook, ePUB)


ausgezeichnet

In der Anthologie ,, Fremd “ haben sich 12 AutorInnen zusammen gefunden mit einer originellen Umsetzung ihrer Geschichten. Die Themen fremd sein, sich fremd fühlen und fremd bleiben haben sie jeweils aus zwei Perspektiven geschrieben, sodass man im Grunde 24 Geschichten erhalten hat. Jede AutorIn ist auf ihre eigene Art und Weise an das Thema herangegangen. Ein kurzes Autorenporträt vor jeder Geschichte, sowie eine kleine Graphik der Autorin Anne Danck, begleiten den Leser in eine spannende, berührende und meist sehr emotionale Geschichte.

Wo fühle ich mich fremd? In einem neuen Land, in dem ich unerwünscht bin, oder in meiner alten Heimat, wo vor Jahrzehnten vieles schlimmes passiert ist und man bei seiner Rückkehr merkt, dass die Wurzeln längst ausgerissen sind. Hierbei wird der Leser mit gesellschaftlichen Problemen konfrontiert, die leider auch heute noch sehr aktuell sind.

Wann fühle ich mich fremd? Wenn ich von einer religiösen Wohngemeinschaft zwar liebevoll aufgenommen werde, ich aber dabei meine Freiheit und Identität verliere?

Und wie fühle ich mich fremd? Bin Ich noch Ich, wenn ich ein neues Herz transplantiert bekommen habe oder ist meine Seele mit dem alten Herz mit gestorben? Aber auch das Gefühl wenn man merkt, dass die Flügel des Lebens einem nicht mehr tragen können und man unaufhaltsam in die Tiefe stürzt, bis zum bitteren Ende, lösen das Fremd sein auf seine eigene Art und Weise aus.

Die unterschiedlichen Geschichten die wahr sein können, die fantasievoll sind oder auch märchenhafte Züge haben, wo man in einer wunderschönen bildhaften Sprache in die Gedankenwelt der AutorInnen eintauchen kann, lassen die Anthologie zu einem wirklichen Lesegenuss werden.

Eine originelle Idee, die perfekt umgesetzt wurde mit einem spannenden Thema lassen mich schon gespannt auf die zweite Ausgabe warten.

Bewertung vom 09.12.2019
Zwielicht Classic 14
Michael Schmidt (Hrsg.)

Zwielicht Classic 14


ausgezeichnet

Zwielicht Classic 14 , das Magazin für phantastische Literatur, bietet wieder einmal dem Leser alles was das Herz begehrt.
In 10 verschiedenen Geschichten kann man schmunzeln, sich gruseln oder sich einfach überraschen lassen, welche spannende und originelle Ideen die Autoren sich ausgedacht haben.
Egal ob man bei Erik Hauser in ,,Onkel Herberts große Stunde“ mit dem Thema Werwolf auf amüsante Art und Weise konfrontiert wird, so wird man tragisch bei Uwe Voehl in ,, Kreationen in Samt und Tod“ in eine erschütternde Welt entführt, wo der menschliche Müll grausam entsorgt wird. Aber auch Liebhaber von SF kommen auf ihre Kosten bei der Geschichte von Frederic Brake in ,,Flüchtige Gedanken“ , wenn versucht wird Gott zu spielen, was natürlich nicht gut ausgeht. Es gibt aber auch schöne berührende Geschichten wie von Julia Annina Jorges in ,, Symbiose“, wenn sich ein Haus mit seinen Bewohnerinnen auf intensive Weise verbindet. Die Mischung zwischen neuen Geschichten oder alten Klassikern wie von Gustav Meyrink ,, Wie Dr. Hiob Paupersum seiner Tochter rote Rosen schenkte“ aus dem Jahre 1916, machen diese Ausgabe wieder einmal abwechslungsreich und originell. Den Abschluss liefert Karin Reddemann mit ihrem Artikel ,, Die dunkle Muse“, der humorvoll, spannend und interessant ist.
Auch finde ich die Mischung gut, dass nicht nur bekannte Autoren sondern auch immer wieder junge neue Autoren und Autorinnen die Möglichkeit bekommen ihre Werke zu präsentieren. Und auch alte Werke bieten durchaus eine interessante Abwechslung.