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Benutzername: agatha4ever


Bewertungen

Insgesamt 14 Bewertungen
12
Bewertung vom 23.09.2019
Fünf Wörter für Glück
Dove, Ella

Fünf Wörter für Glück


sehr gut

Heidi verliert durch einen vermeintlich harmlosen Sturz beim Joggen ihren linken Unterschenkel. Nach dem Erwachen im Krankenhaus und der furchtbaren Diagnose muss sie sich mit der neuen Situation erst zurecht finden. In der Rehaklinik freundet sie sich mit ihrer Zimmergenossin der 80jährige Maud an. Durch diese lernt sie Jack, den Enkel von Maud kennen. Jack erscheint beim ersten Zusammentreffen arrogant und überheblich, entpuppt sich aber als bald als ein wahrer Freund. Er überredet / überzeugt Heidi immer wieder, dass sie sehr wohl alles schaffen kann was sie möchte und dass sie sich Ziele setzten soll und diese Stück für Stück dann abarbeiten kann.

Ella Dove, hat in oder mit diesem Roman ihre eigene wahre Geschichte verarbeitet. Ich denke, dass dürfte das Geheimnis des Buches sein. Der Autorin gelingt es hervorragend, die physischen und psychischen Probleme, Folgen etc. auf dem Weg in ein „normales Leben“ aufzuzeigen. Ich finde die Charaktere der Protagonisten sind ihr wunderbar gelungen. Man kann sie sich förmlich bildhaft vorstellen. Insbesondere Heidi und Maud, gefallen mir besonders gut. Heidi die zwischen Wut, Verzweiflung, Hoffnung und völligem Gefühlschaos hin- und her schlingert. Und sich für sämtliche Probleme die durch ihren Sturz entstanden sind die Schuld gibt, da nicht nur sie allein sondern ihre ganze Familie unter der neuen Situation leidet. Interessant fand ich auch die Wandlung die mit Heidi während des Genesungsprozesses von statten geht. Sie scheint regelrecht entsetzt über ihr altes Ich / Leben zu sein. Ich halte auch die Reaktionen ihrer alten Freunde „einfach wie früher weiterzumachen“ für sehr realistisch. Die Freundschaft zwischen Maud und Heidi zeigt, dass Altersunterschiede oder Handicaps keine Hindernisse für wahre Freundschaften sind.

Der Roman regt einem zum Nachdenken an und schafft es einem bewusst zu machen, dass viele Alltagsdinge (Rolltreppe fahren, Kochen, etc.) doch nicht einfach selbstverständlich sind und wie schnell man selbst in eine solche Situation geraten kann. Er macht einem aber auch Mut, dass man es aus dem tiefsten Tal wieder herausschaffen kann. Für Heidi ist im ersten Moment eine Welt zusammengebrochen, aber diese Änderung hat ihr einen neue Chance auf ein ganz anderes Leben gegeben.

Das bunte Buchcover mit dem tanzenden einbeinigen Mädchen, passt in meinen Augen hervorragend zum Roman. Man spürt die Fröhlichkeit der Tänzerin.

Bewertung vom 05.09.2019
Die schönste und die traurigste aller Nächte
Gomyde, Maurício

Die schönste und die traurigste aller Nächte


sehr gut

Victor lebt sehr zurückgezogen auf seinem Weingut im Süden von Brasilien. Er hat es geschafft, einen der besten Schaumweine des Landes zu produzieren und wird auch der „Prinz des Schaumweines“ genannt. Allerding ist diese Zurückgezogenheit bewusst von ihm gewählt worden, da er seine große Jugendliebe Amanda verloren hat und seitdem unter dem mysteriösen Phänomen von Zeitsprüngen leidet. Durchlebt er einen glücklichen Moment springt er in die Vergangenheit, spürt er aber Trauer oder Traurigkeit dann springt er in die Zukunft. Er kann diese Gabe oder Plage (?) nicht kontrollieren. Die Dauer der Zeitsprünge sind abhängig von der jeweiligen Intensität seiner Gefühle.

Allerdings ist Amanda gar nicht Tod. Sie hat das Attentat damals in Kenia, bei dem ihre Eltern getötet wurden überlebt. Heute lebt sie in Buenos Aires und arbeitet in einer Buchhandlung. Sie ist mit dem Politiker Juan unglücklich verheiratet, bleibt aber aus Angst und Schuldgefühlen bei ihm.

Eines Tages erhalten beide die Einladung zum 20. jährigen Klassentreffen und nach langem Zögern nehmen sie diese Einladung an. Beide reisen mit gemischten Gefühlen an und werden vom plötzlichen und unerwartenden Aufeinandertreffen überwältigt.

„Die schönste und die traurigste aller Nächte“ von Maurício Gomyde ist eine schöne Liebesgeschichte über die Suche nach dem Glück bzw. der Definition von Glück. Der Schreibstil war angenehm und der Roman leicht zu lesen.

Die Charaktere der einzelnen Protagonisten sind sehr gut dargestellt und man kann sich wunderbar in die zwei Hauptfiguren hineinversetzten. Die Schuldgefühle, Verletztheit, Unsicherheit und Verzweiflung von Amanda die in einer unglücklichen Ehe gefangen ist und unter einem gewalttätigen Ehemann leidet und kein Ausweg daraus sieht. Victor, der mit seinen Zeitsprüngen und vor allem dem Kaschieren von diesen nicht klar kommt da er einfach die Ursache / den Auslöser oder das Unterbinden von ihnen nicht in den Griff bekommt. Und Beide suchen das Glück oder was man darunter versteht.

Das Buchcover mit dem Mond, der jungen Frau und der „schönen“ Landschaft gefällt mir ausgesprochen gut und passt in meinen Augen hervorragend zum Roman. Besonders schön fand ich auch die Gestaltung der einzelnen Kapitel mit den Zitaten und Blättern

Bewertung vom 06.08.2019
Die Gärten von Monte Spina
Scriverius, Henrike

Die Gärten von Monte Spina


ausgezeichnet

Antonia, genannt Toni, arbeitet als Gärtnerin auf Beaulie House, wo sie sich nach dem Tod ihres Mannes Leon vor dem Rest der Welt verkrochen und eine neue Stelle gefunden hat. Eines Tages stellt ihre Chefin Mrs. Heligan eine Miss Thorn vor. Diese unterbreitet ihr ein Stellenangebot als Gärtnerin auf Monte Spina, eine kleine Inseln vor Lanzarote, an. Nach kurzem Zögern willigt Toni schließlich ein und nimmt den Job bei „Mr. Bror“ – ihrem unbekannten und zukünftigen Arbeitgeber an.

Als sie auf Monte Spina ankommt erwartet sie ein liebloser, verwilderter und herunter gewirtschafteter Garten. Von Mr. Bror ist allerdings weit und breit keine Spur, was bis auf die Hausdame Helene niemanden zu stören scheint. Voller Elan stürzt sich Toni in die Arbeit und beginnt dem Garten Stück für Stück wieder in neuem Glanz erstrahlen zu lassen. Dabei scheint auch sie sich ganz langsam zu verwandeln. Ganz vorsichtig schließt sie mit den anderen Angestellten (Sophia, Lou und Carlos) Freundschaft, den auch diese scheinen alle ihr Päckchen mit sich herumzutragen. Als nach ein paar Monaten endlich Mr. Bror auf der Insel eintrifft, ist das wie ein Schlag in die Magengrube. Er ist kalt, berechnend und sucht immer die Schwachstelle von anderen, um diese dann schamlos auszunutzen. Im ersten Moment will Toni alles hinwerfen und gehen, aber dann kommt die Kämpferin in der „kleinen Gärtnerin“ zum Vorschein und sie will mehr wissen über Mr. Bror. Was verbirgt sich hinter dieser glatten, kalten Schale? Was muss passiert sein?

Den Schreibstil empfand ich als sehr angenehm und flüssig zu lesen.

Henrike Scriverius hat es geschafft die Charaktere der einzelnen Protagonisten sehr bildhaft und echt darzustellen. Man kann sich wunderbar in die Gefühlslage von Toni hineinversetzten. Ihr Verkriechen / verstecken in bzw. hinter der Arbeit, um über den Tod von Leon hinwegzukommen und dann die Verwandlung. Ganz langsam kommt sie aus ihrem Schneckenhaus heraus. Den polarisierenden Charakter von Mr. Bror = „ Das Arschloch“ hätte man nicht besser abbilden können.

Ursprünglich hatte ich eine etwas andere Geschichte erwartet, aber trotz der „Überraschung“ hat mich die Geschichte mit den vielen Emotionen bis zum Ende gefesselt.

Das Buchcover mit den kräftigen und leuchtenden Farben, die Blumen und die Vulkaninseln im Meer passen hervorragend zum Buch. Das Cover dürfte ein Eyecatcher in der Buchhandlung sein.

Bewertung vom 04.08.2019
Die Verschwundenen vom Mondscheinpalast / Die Spiegelreisende Bd.2
Dabos, Christelle

Die Verschwundenen vom Mondscheinpalast / Die Spiegelreisende Bd.2


ausgezeichnet

"Die Verschwundenen vom Mondscheinpalast" ist der 2. Band der Spiegelreisende-Saga.

Als Ophelia endlich Faruk, dem Familiengeist des Pols, vorgestellt wird ernennt dieser sie kurzer Hand zur Vize-Erzählerin. Was ihre Position als Verlobte von Thorn und die damit einhergehenden Anfeindungen nicht wirklich verbessert. Leider ist auch noch Ophelias Familie angereist. Diese sind über die Himmelsburg und ihren Bewohnern sowie Gebräuche sehr verwundert. Nach dem mehrere bedeutende Persönlichkeiten auf mysteriöse Weise verschwunden sind, wird Ophelia von Faruk mit der Suche beauftragt. Als sie auch noch Drohbriefe von „Gott“ erhält, in denen sie aufgefordert wird den Pol sofort zu verlassen wird die Lage immer prekärer. Wem kann sie noch trauern? Wird sie das Rätsel um die verschwundenen Personen lösen können? Und wie geht es mit ihr und Thorn weiter?

Christelle Dabos versteht es hervorragend die einzelnen Charaktere darzustellen. Im aktuellen Band erfährt man immer mehr Hintergründe und bekommt noch tiefere Einblicke in die Vergangenheit der einzelnen Charaktere.
Ophelia hat sich von einem schüchternen ruhigen Mädchen in eine mutige junge Frau entwickelt und auch Thorn, Bernhilde und Tante Rosalinde wachsen einem immer mehr ans Herz. Man kann sich wundbar in die einzelnen Protagonisten hineinversetzten und mit ihnen mitfühlen. Die von Christelle Dabos geschaffene Phantasiewelt mit magischen Kräften, Sanduhren, Verschwörungen etc. ist wunderbar gelungen und hält dem Harry Potter - Vergleich von Band 1 stand!

Der Schreibstil ist angenehm und flüssig zu lesen. Die 613 Seiten waren innerhalb kürzester Zeit gelesen :-). Ich bin schon sehr sehr gespannt wie es im 3. Band der Saga weitergeht und fiebere dem Erscheinungsdatum entgegen.

Das Buchcover im zarten pastellgelb und der schwebenden Himmelsburg gefällt mir sehr gut. Das Organigram über die Familien vom Pol, welches sich gleich am Anfang des Buches befindet, fand ich sehr hilfreich um auf einen Blick nochmals die ganzen Verstrickungen und Zusammenhänge der einzelnen Clans und ihrer Beteiligten zu sehen. Das gleiche gilt für Skizze der Himmelsburg.

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