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Renas Wortwelt

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Insgesamt 256 Bewertungen
Bewertung vom 14.01.2026
Maly, Beate

Mord im Planetarium


gut

Die heimliche Hobbydetektivin Ernestine darf wieder ermitteln. Diesmal geschieht ein heimtückischer Mord, während Ernestine, Anton und die ganze Familie einer Aufführung im Planetarium beiwohnen. Der Getötete ist Teil einer wohlhabenden, aber heftig zerstrittenen Familie.
So wittert Ernestine, die ehemalige Lehrerin und Lebensgefährtin von Apotheker Anton, gleich Unrat, zumal es vor dem Mord noch eine Handgreiflichkeit zwischen den Familienmitgliedern der reichen Sippe gab. Überhaupt finden sich innerhalb dieser Familie viele Verdächtige, waren sich alle gegenseitig gram. Und während in der Stadt schlimme Unruhen stattfinden aus Protest gegen ein Gerichtsurteil, sucht Ernestine nach Informationen, recherchiert in der Vergangenheit der Familie, horcht einzelne Personen aus und denkt sich so ihren Teil.
Derweil kämpfen Antons Tochter Heide und ihr Mann Erich, der ermittelnder Kommissar in diesem Tötungsdelikt ist, mit der Müdigkeit dank ihres nachtaktiven Säuglings. So muss Anton in der Apotheke, die eigentlich seine Tochter inzwischen führt, aushelfen, was sich aber durchaus als nützlich erweist, kommt er doch so zu weiteren Informationen für Ernestines Ermittlungen.
Trotz der wie immer sehr liebenswert geschilderten Protagonisten Ernestine, Anton und die ganze Familie, und trotz des gut konstruierten Mordfalls ist diesmal der Roman von Beate Maly eher spannungsarm, langsam und gemütlich erzählt. Mit vielen Szenen aus dem Familienleben der Protagonisten, mit zwar interessanten, aber auch ablenkenden Szenen aus dem politischen Leben in Wien im Jahr 1927, mit zahlreich auftretenden Figuren, gelingt es der Story diesmal nicht so recht zu fesseln.
Die Figuren, insbesondere die Fabrikantenfamilie, in welcher der Mord geschah, wirken steif, stereotyp, klischeehaft, mit nicht allzu scharfem Profil. Und die Hauptfigur Ernestine erscheint manches Mal ein bisschen unglaubhaft, erkennt sie doch viele Spuren, gewinnt sie viele Erkenntnisse, ohne dass sich der Leserin ihr Weg dorthin immer erschließt. Andererseits sind manche Hinweise arg überdeutlich gestreut.
Der Roman ist eine nette Lektüre, unterhaltsam, manchmal witzig, manchmal historisch informativ, aber auch eher seicht. Die Dialoge sind recht hölzern, wie aus einem Fundus aus Floskeln und Phrasen gegriffen. Die Geschichte macht einerseits Spaß, auf der anderen Seite aber fehlt es an Drama, an Tempo, an Spannung.
So ist diesmal meine Leseempfehlung eher etwas zurückhaltend.
Beate Maly - Mord im Planetarium
emons, November 2025
Taschenbuch, 254 Seiten, 16,00 €

Bewertung vom 14.01.2026
Meyer, Kai

Das Antiquariat am alten Friedhof


sehr gut

Kai Meyers Romane, die sich stets um außergewöhnliche oder auch gefährliche Bücher drehen, sind meist fesselnd, stets dramatisch und immer voller historischer Ereignisse. So auch der neue Band, dessen Handlung sich spannt von 1930 bis 1945 und nicht nur in Leipzig, sondern auch in der Ägäis oder in Amalfi spielt.
Im Mittelpunkt steht Felix, der 1930 als gerade Zwanzigjähriger Teil einer Gruppe junger Männer ist, die sich regelmäßig im Antiquariat ihres Freundes Vadim treffen. Die anderen beiden sind Julius und Eddie. Alle kommen aus gut situierten Familien, vertreiben sich die Zeit mit Diskussionen über Bücher und mit dem Stehlen von Büchern, die Vadim wiederum in seinem Laden unter der Hand weiterverkauft, um das Antiquariat halbwegs am Leben zu erhalten.
Schließlich bekommen sie sogar einen Auftrag für den Diebstahl eines bestimmten Gegenstands. Dabei lernt Felix Eva kennen, die sich kurz darauf als Schwester von Eddie entpuppt. Eva gehört von nun an zur Clique und ist die mutigste der Fünf, diejenige, die die anderen zu immer gefährlicheren Taten anstiftet. Dadurch aber geraten die jungen Leute ins Visier besonders bedrohlicher Männer, was noch Folgen für ihr weiteres Leben haben wird.
Dies alles wird in Rückblicken erzählt. Das Buch beginnt im Jahr 1945, als Felix, der bereits seit vielen Jahren in Amerika lebte und dort eine Familie gründete, den offiziellen Auftrag der Amerikaner bekommt, in Leipzig einen geheimnisvollen Mann zu verhören, der angeblich nur mit ihm sprechen wolle. Es geht um die angebliche Bibliothek Hitlers, die sich die Amerikaner unbedingt sichern wollen. All dies muss unter hohem Zeitdruck geschehen, denn in Kürze übernehmen die Sowjets die Stadt, so wie es zwischen den Siegermächten ausgemacht wurde.
Felix kommt mit gemischten Gefühlen in seine Geburtsstadt zurück, hofft und fürchtet gleichzeitig, Eva wiederzusehen, in die er damals unsterblich verliebt war.
Eva wiederum hatte eine ganz andere Art der Karriere gemacht, die sich für sie als lebensgefährlich herausstellen sollte. Bei seinen Recherchen, nicht immer mit dem Segen der Amerikaner, gerät schließlich auch Felix in Gefahr.
Wie immer bei Kai Meyer ist der Plot sehr kompliziert, viele Fäden sind miteinander verwoben, manchmal verknotet. Die Erzählweise springt immer wieder von einer Zeitebene zur anderen, mal folgt man den Geschehnissen im Jahr 1930, mal den Handlungen von Felix 1945 und schließlich auch den Ereignissen um Eva in dem Jahren im Krieg, 1943 und 1944. Vieles ist recht verworren, oft bleiben Dinge unerklärt oder werden sehr verzwickt geschildert.
Die Figuren sind zwar einerseits sehr plastisch beschrieben, die vier jungen Männer mit ihren ganz unterschiedlichen Manierismen und Befindlichkeiten gut nachvollziehbar dargestellt. Andererseits ist Eva für mich eine arg unrealistische Figur, eine Frau, in die zu viel hineingepackt wurde, die Fähigkeiten entwickelt, die wenig authentisch, wenig plausibel erscheinen.
Überhaupt wirkt alles wenig emotional, die Darstellung der Protagonisten und der Ereignisse ist recht verkopft, sie können kaum Emotionen wecken, trotz all der Dramen, die sich ereignen. Dazu kommt die hohe Anzahl an Figuren, immer wieder tauchen neue Personen auf oder bekannte unter neuem Namen, das trägt zur Verwirrung bei, aber eher weniger zur Spannung. Auch ist die Erzählweise diesmal ein wenig zäh, was ebenfalls die Spannung, die sich durchaus immer wieder entwickeln will, zu sehr dämpft.
Insgesamt trotz allem selbstverständlich wieder ein unbedingt lesens- und empfehlenswerter Roman von Kai Meyer, wenn auch mit einigen Abstrichen und wenn er auch nicht mit allen seinen Vorgängerbänden mithalten kann. Zu diesen vorigen Romanen gibt es im Übrigen einige Verbindungen, treten doch die eine oder andere Figur aus den damaligen Büchern auch in diesem neuen auf.
Kai Meyer - Das Antiquariat am alten Friedhof
Knaur, November 2025,
Gebundene Ausgabe, 511 Seiten, 24,00 €

Bewertung vom 09.01.2026
Borrmann, Mechtild

Lebensbande


sehr gut

Das Buch schildert, auf Basis der Erinnerungen von Zeitzeugen, die Erlebnisse von drei Frauen in der Zeit vor, während und nach dem zweiten Weltkrieg. Drei Frauen, die wohl mehr oder weniger typisch sind für das, was damals vielen Menschen geschah und für die Folgen, die das für ihr weiteres Leben hatte.
Mechtild Borrmann, deren Romane „Trümmerkind“ und „Feldpost“ ich ungemein spannend und emotional fand, erzählt hier auf mehreren Zeitebenen. Es beginnt in der Zeit kurz nach dem Mauerfall, mit der Erzählperspektive einer zuerst noch namenlosen älteren Frau. Sie lebt allein mit ihrem Hund, hat einen Garten und wenig Kontakt abgesehen von einem befreundeten Ehepaar. Sie schweigt zu ihrer Vergangenheit, wofür sie, wie sich später herausstellt, einen guten Grund hat.
Dann begegnen wir Lene im Jahr 1931, die später, nach einer unerlaubten Liebe zu einem Holländer, heiratet und einen Jungen zur Welt bringt, der scheinbar behindert ist, da er nicht oder nur sehr langsam spricht. So kommt Lene mit Nora in Kontakt, einer Kinderkrankenschwester, die wie sie selbst vom Niederrhein stammt und um mehrere Ecken auch mit Lene verwandt ist. Nora arbeitet in einem Krankenhaus, von wo nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten Kinder in Euthanasie-Kliniken verbracht werden, Kinder, die behindert, in den Augen der Nazis „unwert“ sind. Nora kann jedoch verhindern, dass Lenes Sohn dieses Schicksal erleidet, was jedoch dazu führt, dass für sie nun ein Leben auf der Flucht beginnt.
Nora lernt Liselotte kennen, die zuerst ein eher unbeschwertes Leben führt, dann aber, nach Kriegsende, zusammen mit Nora von den Russen in ein Lager weit im Osten der Sowjetunion verbracht wird. Dort müssen die Frauen unendlich hart arbeiten unter unmenschlichen Bedingungen für viele Jahre, bis sich eine Möglichkeit der Flucht ergibt.
Währenddessen kämpft Lene um ihren Sohn, den sie immer wieder verstecken muss, damit er ihr nicht fortgenommen wird. Dabei hilft ihr auch ihrer frühere Liebe, der Niederländer.
Zwischen all diese vergangenen Ereignisse gibt es immer wieder kurze Einschübe, die im Jahr 1991 in der dann ehemaligen DDR spielen. Die immer noch lange namentlich nicht genannte ältere Frau tut dabei nicht viel, sie geht in den Garten, pflückt Gurken, führt ihren Hund aus. Diese Einschübe sind – leider – unendlich langweilig und bringen die Handlung in keiner Weise voran. Dennoch ahnt man irgendwann, worauf das hinauslaufen wird.
Die Schilderungen der Ereignisse zwischen den Jahren 1931 und 1948 sind da zwar einerseits spannender. Aber dank des typischen Schreibstils von Mechtild Borrmann fehlen fast gänzlich Emotionen. Das Ganze liest sich wie ein Tatsachenbericht, es packt nicht, man fühlt nicht mit den Protagonistinnen, man kann sich nicht in sie hineinfühlen, sie bleiben stets auf Distanz zur Leserin.
Auch wirken sie etwas stereotyp, wie Beispielfiguren für das Schicksal vieler Menschen, vieler Frauen vor allem, in jener Zeit. Das liegt daran, dass zu viel in die jeweilige Figur hineingepackt wurde, um alle Themen irgendwie abzudecken. Auch das trägt dazu bei, dass mir die Charaktere, so sehr man dem Verlauf der Ereignisse mit einer gewissen Spannung und mit Interesse folgt, nie nah genug kamen, um mich in die Geschichte wirklich hinein zu ziehen.
So ist dieser Roman zwar lesens- und in jedem Fall empfehlenswert, jedoch nicht unbedingt berührend oder gar rührselig.
Mechtild Borrmann – Lebensbande
Droemer, November 2025
Gebundene Ausgabe, 281 Seiten, 24,00 €

Bewertung vom 07.01.2026
Schreiber, Jasmin

Da, wo ich dich sehen kann


sehr gut

Die Rezension dieses Buchs fällt mir nicht leicht. Denn einerseits greift der Roman ein ganz wichtiges und schweres Thema auf, über das es nicht genug Romane oder Sachbücher geben kann. Andererseits empfand ich die Art der Darstellung, die Schilderung des Schicksals der Protagonisten als nicht völlig überzeugend. So muss meine Rezension trennen zwischen diesen beiden Aspekten.
Der Roman widmet sich dem traurigen und leider längst nicht genug thematisierten Problem des Femizids, der Tötung von Frauen, meist durch den Partner oder Ex-Partner. Emma, junge Mutter, wird von ihrem Mann vor den Augen der kleinen Tochter Maja getötet. In Rückblicken schildert die Autorin, aus vielen wechselnden Perspektiven, die Folgen, die diese Tat auf die Angehörigen hat. Natürlich insbesondere auf die neunjährige Maja, aber auch auf Emmas Eltern Per und Brigitte, auf Emmas beste Freundin Liv, die auch Majas Patentante ist.
Maja ist traumatisiert, wird von einer Psychologin betreut, lebt bei den Großeltern, doch auch die Eltern ihres Vaters, des Mörders ihrer Mutter, möchten das Sorgerecht, worüber später ein Rechtsstreit entbrennt.
Per und Brigitte ebenso wie Liv wiederum hadern vor allem damit, dass sie nie merkten, dass Emma von ihrem Mann verprügelt und gequält wurde, dass Emma nie mit ihnen darüber sprach, dass sie die Tat nicht verhindern konnten. Dies ist einer der besonders wichtigen und herausragenden Aspekte des Romans, zu zeigen, wie wichtig, wie entscheidend es ist, dass Frauen, die sich in solchen Situationen befinden, darüber reden. Leider jedoch verhindert die Scham meistens, dass sie sich öffnen, sich mitteilen.
Zwischen die jeweiligen Kapitel aus wechselnden Perspektiven sind Rückblicke auf die Ereignisse in der Vergangenheit und rund um den Mord eingefügt. Darüber hinaus gibt es Prozessakten, Zeitungsberichte, Studien zu Femiziden und vieles mehr, was die Autorin ergänzend zur Handlung hinzufügt.
Weiterhin schiebt sie Szenen ein, die es nie gab, die sich die Figuren erträumen, wünschen. Szenen, in welchen Emma mit ihnen gesprochen hat, Momente, in welchen sie hätten agieren, die Tat verhindern können.
All das ist sehr ergreifend, es macht wütend, verzweifelt, gerade weil es immer wieder geschieht und weil so wenig geschieht, es zu verhindern. Von dieser Seite betrachtet ist der Roman von Jasmin Schreiber ein wichtiger Beitrag zum Thema und muss unbedingt zur Lektüre empfohlen werden.
Auf der anderen Seite jedoch hadere ich mit dem Stil, mit der Weise, in welcher die Autorin die Dinge darstellt, beschreibt. Das ist mir oft zu plakativ, mit zu dickem Stift, zu breitem Strich gezeichnet. Durch die vielen, ständig wechselnden Perspektiven – sogar der Hund hat eine eigene Erzählperspektive! – gelang es mir nicht, einer der Figuren wirklich nah genug zu kommen, nah genug, um mich in sie hinein zu fühlen, ihre Emotionen mitfühlen zu können.
Was nicht meint, dass ich die Gefühle nicht nachvollziehen konnte, dass ich die Wut und die Trauer der Eltern, das Trauma des kleinen Mädchens nicht verstehen konnte. Für mich war aber alles ein wenig zu penetrant ausgeführt, zu tränenreich. Dazu gab es viele Wiederholungen, innerhalb einer Perspektive sowie zwischen den jeweiligen Schilderungen der Figuren.
Einige der Kniffe, die Jasmin Schreiber anwendet, sind gelungen und glücklich gewählt, wie diese Einschübe von Wunschträumen. Andere sind weniger genial, es gibt zahlreiche missglückte Vergleiche, Metaphern, zahlreiche unnötige Phrasen. So war mir manches am Ende einfach too much.
Das ist somit ein Roman, bei dem Thema und Stil unbedingt getrennt zu bewerten sind. Eine Leseempfehlung kann ich dennoch aussprechen.
Jasmin Schreiber - Da, wo ich dich sehen kann
Eichborn, Oktober 2025,
Gebundene Ausgabe, 428 Seiten, 24,00 €

Bewertung vom 05.01.2026
Nöldeke, Renate;Wittmann, Rebekka

KUNTH Zeitreise


sehr gut

Natürlich ist auch diese Neuerscheinung wieder „nur“ ein Reiseführer, ein Buch, das uns Lust aufs Reisen machen soll. Aber ich liebe diese Bildbände, die es mir erlauben, zuhause im Sessel sitzend durch die Welt zu reisen, viele interessante Orte zu besuchen und gleichzeitig einiges darüber zu lernen.
Dabei können die jeweiligen Texte, die die wie immer absolut gelungenen Fotos begleiten, stets nur einen kleinen Informationsgehalt vermitteln, dafür aber machen sie dann schlicht neugierig. Man möchte, nachdem man auf diese Art hineingeschnuppert hat, mehr erfahren.
Hier nun also ein Buch, das sich den geschichtsträchtigen Orten Europas widmet. Nach Epochen gegliedert und beginnend in der Zukunft, schlendern wir quasi über den Kontinent und entdecken die „Hotspots der Geschichte“, so der Untertitel.
Unterteilt in die Abschnitte „Zukunft“, „Moderne“, „Neuzeit“, „Mittelalter“, „Antike“ und schließlich „Erd- und Frühgeschichte“ zeigt der Band all die Plätze an denen „Geschichte lebendig wird“, wie es im Vorwort heißt.
Im Abschnitt „Zukunft“ besucht man diverse Museen, die sich u.a. mit moderner Technik befassen oder mit dem Blick in die Sterne. Es folgen Orte, in denen man der Zeit der Kriege in Europa begegnet ebenso wie der digitalen Welt.
Im Kapitel „Industrielle Revolution“ im Teil „Neuzeit“ werden interessante und spektakuläre Industriebauten gezeigt, wie z.B. Arbeitersiedlungen oder eine Railwaystation in England oder das Lilienthal-Museum in Anklam. Unter dem Titel „Reformen und Revolutionen“ sehen wir u.a. versteckte Kirchen, besuchen selbstverständlich die Wartburg, entdecken die Kathedrale von Canterbury. Es sind aber nicht nur die allbekannten Orte, auch geschichtsträchtige Sehenswürdigkeiten, die nicht so prägnant, nicht so bekannt sind, werden vorgestellt.
Unter dem Teil „Antike“ besucht man selbstverständlich Griechenland, aber natürlich auch Rom und das damalige Römische Imperium mit den heute noch existierenden Bauten.
Bis das Buch schließlich weit zurück führt in die Erdgeschichte, die ersten Hochkulturen vorstellt und natürlich ebenso die Dinosaurier zeigt, deren Skelette man u.a. in Museen in Berlin oder Wien bestaunen kann.
Zwischen die einzelnen Kapitel sind sogenannte „Specials“ eingeschoben, die sich jeweils einem Thema widmen, das zur entsprechenden Zeitspanne passt. Da gibt es ein Special über das Tulpenfieber, das im 17. Jahrhundert entfacht wurde, als in Amsterdam mit Tulpenzwiebeln an der Börse spekuliert wurde. Ein Special informiert über die Suffragetten und die Einführung des Frauenwahlrechts in Europa.
So ist dieses Buch eben dann doch mehr als „nur“ ein Reiseführer. Es ist ein Buch, das neugierig macht, das lockt und das informativ ist, das Lust auf mehr und aufs Reisen macht. Ein Buch, für das ich uneingeschränkt eine Empfehlung aussprechen kann.
Renate Nöldeke & Rebekka Wittmann – Zeitreise
Kunth Verlag, Oktober 2025
Gebundene Ausgabe, 319 Seiten, 29,95 €

Bewertung vom 02.01.2026
Dechant, Klaus Maria

Krimis und Thriller schreiben für Dummies


sehr gut

Wie heißt es doch bekanntlich? Man lernt immer noch etwas dazu. So geht es auch mit den Ratgebern zum Kreativen Schreiben. Auch nach mehreren Dutzend Sachbüchern über das Schreiben lässt sich doch in jeder Neuerscheinung immer noch etwas entdecken, ein neuer Tipp, eine neue Anregung, eine neue Herangehensweise. Und für die Motivation finde ich die Lektüre von Schreibratgebern auch immer wieder sehr nützlich.
So gibt es also auch in diesem neuen Buch über das Schreiben von Krimis und Thrillern natürlich etliche Dinge, die man überall in den sonstigen Schreib-Büchern ebenfalls findet. Es enthält die immer gleichen Tipps, die immer gleichen Ratschläge zum Plotten, zur Figurengestaltung, zur Ausarbeitung von Szenen, zur Schaffung von Spannung und so fort. Das alles selbstredend stets unter dem Aspekt des Schreibens von Kriminalromanen oder Thrillern.
Dass für dieses Genre ein paar andere Dinge zu beachten sind als beim Schreiben von Liebesromanen oder von Kinderbüchern, muss nicht erwähnt werden. Dabei geht der Autor des vorliegenden Buchs auch auf die Unterschiede und Gemeinsamkeiten von Krimis und Thrillern ein, wobei es durchaus auch Überschneidungen geben kann und darf.
Auch beschäftigt er sich mit Sprache, hier gefielen mir unter anderem die Hinweise auf die passenden Vergleiche. Denn oft begegnet man in Romanen eher grotesken und gar nicht angemessenen Vergleichen oder Metaphern. Daher ist es durchaus angebracht, diesem Thema einen Abschnitt im Buch zu widmen. Ansonsten bringt der Teil über das Schreiben nicht viel neues.
Dafür aber hat mir der Teil, der sich mit all den Tätigkeiten beschäftigt, die nach dem Schreiben anfallen, sehr gut gefallen. Da geht es zuerst natürlich um das Überarbeiten, dann aber folgen – und das immerhin auf angemessen vielen Seiten – reichlich Tipps und Ratschläge über das Veröffentlichen, die Verlagssuche, das Selfpublishing, das Marketing und vieles mehr. Gerade dieses Kapitel finde ich ausgesprochen hilfreich, denn die meisten Schreibratgeber hören beim Wort Ende unter dem Roman auf.
Daher kann ich das neue Buch aus der Dummies-Reihe guten Gewissens empfehlen, auch für jene, die sonst eher nicht zu Büchern über das Schreiben greifen. Aber wenn es nur eine winzige Kleinigkeit, ein bisher nicht bewusster Kniff, ein bislang noch unbekannter Schritt hin zum eigenen Buch, wenn es nur dieses Wenige ist, was man aus der Lektüre eines solchen Buchs mitnimmt, dann hat es sich auf jeden Fall gelohnt.
Klaus Maria Dechant - Krimis und Thriller schreiben für Dummies
Wiley, September 2025
Taschenbuch, 331 Seiten, 19,99 €

Bewertung vom 19.12.2025
Lonely Planet

LONELY PLANET Bildband Bücherschätze


ausgezeichnet

Das ist nicht der erste Bildband über Büchereien, Bibliotheken oder Buchhandlungen, den ich lese und betrachte. Doch immer wieder gibt es neues zu entdecken, erstaunliches zu bewundern und überraschendes zu finden.
So in diesem Band über ungewöhnliche Bibliotheken in der ganzen Welt. Sortiert nach Kontinenten stellt das Buch wirklich außergewöhnliche Ort vor, in welchen man Bücher finden, lesen oder leihen kann.
Da gibt es in Nordamerika das „Prison Library Project“, wie der Name sagt ein Gefängnisbibliothek. Allerdings eine, welche Gefängnisse mit Büchern versorgt, den Wünschen und Anfragen der Gefangenen entsprechend. Die Bücher stammen überwiegend aus Spenden.
Oder es gibt oder vielmehr gab die Bibliotheken der Maya und Azteken, von deren Codices und Büchern nur einige wenige erhalten blieben, dafür aber kann man heute noch die Überreste der Gebäude an Ausgrabungsstätten besichtigen.
In Kolumbien werden die Bücher in einer reisenden Bibliothek zu den Leserinnen und Lesern gebracht – und zwar von einem Esel.
Auf dem afrikanischen Kontinent gibt es natürlich ebenfalls viele kuriose und alte Bibliotheken zu entdecken. Wie in Ägypten die „Schätze im Katharinenkloster“ auf dem Berg Sinai. Dort findet sich neben dem Vatikan die größte Sammlung frühchristlicher Manuskripte.
Doch das Buch zeigt auch heutige, moderne Bibliotheken. Wie die Airport Bibliothek in Baku, Aserbaidschan. Oder die Lewinsky Garden Library in Tel Aviv.
Oder es stellt die inzwischen berühmte Bücherei an der U-Bahn-Station Bethnal Green in London vor, wo während des Zweiten Weltkriegs bei Luftangriffen bis zu 5000 Menschen Schutz suchten und Bücher fanden. Interessant ist auch die Bibliothek In Longyearbyen auf Spitzbergen oder die Büchereien auf Rädern auf den Hebriden.
Zu jeder Art von Bibliothek oder Bücherei gibt es längere Texte, die erzählen, was das Besondere oder Außergewöhnliche an diesem Ort ist, über die Geschichte des Ortes berichten und auch ein paar Angaben, wie man diesen Ort erreichen könnte.
Besonders faszinierend finde ich bei der Betrachtung dieses Buches, dass Menschen immer und überall das Bedürfnis nach Lektüre, nach Literatur empfinden und Mittel und Wege finden, sich mit Lesestoff zu versorgen. Ein beruhigender Gedanke, gerade heute.
DC Helmuth – Bücherschätze
Lonely Planet, Oktober 2025
Gebundene Ausgabe, 208 Seiten, 24,95 €

Bewertung vom 19.12.2025
Rowell, Rainbow

Slow Dance


gut

Ihren Roman „Eleanor und Park“ habe ich wirklich sehr gemocht, er ist etwas Besonderes. Und auch das Buch „Zwei Worte vor und eins zurück“ von dieser Autorin gefiel mir gut. Daher war ich froh zu erfahren, dass es einen neuen Roman von ihr gibt.
Doch hier ist der Titel des Buch wohl Programm, denn „slow“ geht es voran in dieser Geschichte. Sie handelt von Shiloh und Cary, die zusammen zur Schule gingen und gemeinsam mit Mickey, dem dritten im Bund, ein unzertrennliche Gruppe bildeten. Inzwischen sind sie erwachsen, Shiloh ist geschieden und hat zwei kleine Kinder, ist wieder bei ihrer Mutter eingezogen. Cary ist bei der Navy und immer wieder monatelang auf einem Schiff zuhause. Zwischendurch kommt auch er immer mal wieder zurück in ihre Heimatstadt und kümmert sich dort um seine Mutter (oder welchen Verwandtschaftsgrad sie auch immer haben).
Da begegnen sich die Beiden wieder auf Mickeys Hochzeit und ihre damaligen Gefühle, die beide bislang eher vor sich selbst verleugnet haben, kehren mit Macht zurück. Doch aus irgendwelchen Gründen kommen sie nicht zusammen. Darüber wird seitenlang diskutiert, debattiert und gegrübelt.
Zwischen die Szenen der aktuellen Handlung eingeschoben sind immer wieder Rückblicke, die nicht stets chronologisch auftreten. Rückblicke auf die gemeinsame Schulzeit, auf geplante und unverhoffte Wiedertreffen später, beispielsweise an Shilohs Studienort. Immer wieder kommen die Beiden zusammen, trennen sich, können sich nicht für- und nicht gegeneinander entscheiden.
Als Shiloh damals dann länger nichts von Cary hört und sie Ryan trifft, kommt sie mit diesem zusammen, heiratet und bekommt die beiden Kinder. Die Ehe scheiterte jedoch, auch wenn sie sich weiterhin einigermaßen gut mit Ryan versteht und er sich auch regelmäßig um die Kinder kümmert.
So zieht sich die ganze Geschichte über lange, sehr lange 470 Seiten, auf denen wirklich nicht viel passiert außer den erwähnten stundenlangen Gesprächen, quälend langsam, um nicht zu sagen langweilig. Dabei sind die beiden Hauptfiguren und auch die Nebenrollen wie Mickey oder Shilohs Mutter durchaus liebenswert, sympathisch und auch recht authentisch dargestellt. Man fühlt schon mit ihnen, auch wenn ich nie wirklich verstehen konnte, wo eigentlich das Problem liegt.
Daher war die Lektüre zwar nett, aber lang nicht so emotional und berührend wie die mir bisher bekannten Romane von Rainbow Rowell.
Rainbow Rowell - Slow Dance
aus dem Amerikanischen von Jana Hartmann
Gutkind Verlag, Oktober 2025
Klappenbroschur, 471 Seiten, 17,00 €

Bewertung vom 19.12.2025
Henss, Rita;Schuhmacher, Stefanie

KUNTH Bildband Heimat Deutschland


ausgezeichnet

Grundsätzlich habe ich es überhaupt nicht mit der Deutschtümelei und auch mit dem Begriff Heimat kann ich nicht immer etwas anfangen. Zumal wenn er eher missbraucht wird. Dass der Kunth Verlag nun einem Bildband den Titel „Heimat Deutschland“ herausgibt, könnte also gegen die Lektüre sprechen.
Doch ich bin froh, dass ich mich davon nicht abhalten ließ und daher durch dieses wunderschöne Buch lesen und blättern konnte. Wie immer bei diesem Verlag ist das Buch gut strukturiert, geordnet nach Norden, Westen, Osten und Süden. Durch jeden dieser vier Teile des Landes führt uns das Buch. Diese vier Oberkapitel sind dann wieder nach Regionen unterteilt, so dass man, mit Hilfe des Inhaltsverzeichnisses, auch gezielt nach bestimmten Gegenden suchen kann.
Dabei beginnt es stets mit einem Satz in der ortstypischen Sprache bzw. dem dortigen Dialekt – dankenswerterweise jeweils mit Übersetzung ins Hochdeutsche. Dann folgt ein einführender Text, nicht zu lang, mehr so als Einstieg. Als nächstes bekommt man „Heimatkunde“, hier werden Kuriositäten, regionale Gerichte oder Einkehrmöglichkeiten, typische Eigenheiten, außergewöhnliche Sehenswürdigkeiten und auch mal was über die lokalen Kleidungsstile (z.B. den Friesennerz) oder sprachliche Besonderheiten vorgestellt. Allein schon diese Seiten, die es für jede Region, also mehrfach innerhalb der vier Überkapitel, gibt, sind des Lesens wert und haben einen hohen Unterhaltungswert.
Danach folgen, wie immer bei diesen gelungenen Bänden begleitet von großformatigen brillanten Fotos, kleine Texte zu einigen Orten, Städten, Inseln, Dörfern oder einfach besonders sehenswerten Stellen in diesen Regionen. Und immer wieder wörtliche Zitate im jeweiligen Dialekt, Tipps für Einkehr, Museumsbesuche, Ausflugsziele.
Zwischen diese Kapitel und Unterkapitel eingeschoben finden sich noch zusätzliche Infos bzw. Fotos unter der Überschrift „Heimatliebe“. Hier erfährt man etwas über die schönsten Weingüter an der Mosel, über Rheinromantik, die schönsten Aussichtsberge, den deutschen Wald und vieles mehr.
Natürlich bringt der Band vor allem vieles Bekannte, etliche wirklich berühmte Sehenswürdigkeiten werden erwähnt und/oder mit Bild gezeigt. Aber es finden sich doch auch dazwischen immer wieder kleine, feine Örtlichkeiten, die locken, die man noch nicht kennt und die man unbedingt kennenlernen möchte.
So ist das Buch zwar kein Reiseführer im wörtlichen Sinn und es nennt auch nicht, wie in vielen anderen solcher Bücher von DuMont Reisen, konkrete Adressen von Unterkünften oder verweist auf entsprechende Webseiten. Es ist mehr ein Buch zum Schwelgen, zum Träumen, zum Reisen im Traum und zum sich eine Reise wünschen.
Ein Buch, das man immer wieder gerne zur Hand nimmt und das, trotz des doch recht hohen Preises, sicher auch ein schönes Geschenk ist für alle, die nicht immer nur ins Ausland streben.
Heimat Deutschland: Ein Gefühl, das mehr ist als ein Ort
Kunth, Oktober 2025
Gebundene Ausgabe, 360 Seiten, 39,95 €

Bewertung vom 10.12.2025
Illies, Florian

Wenn die Sonne untergeht


ausgezeichnet

Man meint, mit der Familie am Tisch zu sitzen, wenn sie sich zum Mittagessen versammelt. Man glaubt, dabei zu sein, wenn Thomas und Heinrich Mann am Meer spazieren gehen. Man windet sich mit den Kindern, die aus Angst vor dem Übervater zittern und sich nichts zu sagen trauen. Man leidet mit „Tommy“, dem Nobelpreisträger, der sich so sehr entwurzelt fühlt.
Das geniale Buch von Florian Illies – so wunderbar geschrieben, so perfekt Stimmungen beschreibend und Personen entlarvend – liest sich wie ein spannender, humorvoller und sehr sensibler Roman. Durch dessen Seiten man jagt, die man nicht schnell genug umblättern kann, so sehr fesselt das Erzählte.
Etwas mehr als ein halbes Jahr folgt Illies den Geschehnissen und Handlungen der Familie Mann. Beginnend im Februar 1933 zeichnet er das Bild einer heimatlos gewordenen Sippe, hin und her taumelnd, von Ort zu Ort ziehend, ohne sich wirklich heimisch fühlen zu können.
Thomas Mann, auf Vortragsreise in Amsterdam und in der Schweiz, kann plötzlich nicht mehr nach Deutschland zurückkehren. Seine politische Haltung macht ihn im nationalsozialistischen Deutschland zur unerwünschten Person. Aber er begreift das erst nach und nach, will es nicht wahrhaben, hofft, dass sich alles aufklärt, dass dieser Spuk vorübergeht.
Seine ältesten Kinder Erika und Klaus sehen das klarer, realistischer. Sie drängen ihn, mit Deutschland abzuschließen, sein im Werden begriffenes neues Buch nicht mehr dort erscheinen zu lassen. Dabei sind sie selbst Gejagte, werden selbst nicht sesshaft. Erika zieht es zusammen mit ihrer Lebensgefährtin Therese Giese in die Schweiz, während Klaus in den Niederlanden eine neue Zeitschrift gründen will.
Derweil muss der drittälteste Sohn Golo die dem Vater wichtigsten Dinge aus dem Haushalt in München retten, dabei ist er doch selbst ebenfalls mit sich selbst nicht im Reinen. Und dann sind da noch Moni, die ungeliebte Tochter, die niemand vermisst, wenn sie fehlt. Sowie die beiden jüngsten, Elisabeth, genannt Medi, Thomas Manns Lieblingskind und Michael, der Geige spielende und ebenfalls den Vater fürchtende.
Sie alle landen schließlich für die Sommermonate in Sanary sur Mer, in Südfrankreich nahe Nizza. Doch nicht nur die Manns stranden dort in diesen Monaten, immer mehr Geflüchtete kommen aus Deutschland. Thomas‘ Bruder Heinrich, Lion Feuchtwanger und seine Frau, Aldous Huxley, Bertold Brecht, Arnold Zweig, Ludwig Marcuse und viele mehr. Man trifft sich, man diskutiert, es werden Lesungen veranstaltet, Liebschaften beginnen und enden. Und dazwischen immer Thomas Mann, der unendlich leidet, sich nicht entscheiden kann, der seine Heimat, sein Haus, seine gewohnte Umgebung vermisst. Der es nicht über sich bringt, deutlich und öffentlich seine Meinung über die Nazis zu bekunden.
All das erzählt Florian Illies auf so unnachahmliche Weise, dass man jede Szene, jede Begebenheit hautnah miterlebt. Seine Art, seine Sprache sind so genial, so unglaublich witzig, ohne dabei entblößend oder verunglimpfend zu sein, sein Blick auf die Stimmungen, die Manieriertheiten der Literaten und Künstler so klar und gleichzeitig auch auf eine gewisse Weise liebevoll. Nie verurteilt er, aber er beschönigt auch nicht.
Dazu die herrlich formulierten Sätze, die ich manchmal zwei- oder dreimal las, einfach um sie zu genießen. Daran hätte vermutlich auch Thomas Mann seine große Freude gehabt. Die Art der Darstellung, die kurzen Streiflichter, die mal auf dieses, mal auf jenes Familienmitglied gerichtet sind, erinnerte mich an die Bücher „Marseille 1940“ und „Februar 33“ von Uwe Wittstock. Diese beiden Bücher und das vorliegende geniale neue Buch von Florian Illies muss man einfach gelesen haben.
Uneingeschränkt und auf jeden Fall ein Jahreshighlight. Ganz große Empfehlung (fünf Sterne reichen dafür nicht)
Florian Illies - Wenn die Sonne untergeht: Familie Mann in Sanary
S. Fischer, Oktober 2025
Gebundene Ausgabe, 329 Seiten, 26,00 €