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Luise-21
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Berlin

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Insgesamt 333 Bewertungen
Bewertung vom 11.01.2026
Eriksson, Sami

Die Gesichter des Mithras


sehr gut

In seinem Romandebüt „Die Gesichter des Mithras“ verwebt der Autor Sami Eriksson, ein okkultes Historiendrama auf zwei Zeitebenen miteinander.

Inhalt:
Rom im Jahr 190 nach Christi Geburt. Das Weltreich ist gezeichnet von religiösen und gesellschaftlichen Gegensätzen, die sich unter Kaiser Commodus weiter zuspitzen. Im fernen Dalmatien verliebt sich der Sklave Lucius in die Tochter eines alten Adelsgeschlechts. Als das unwahrscheinliche Paar ein Kind erwartet, gerät ihre Romanze unter den Einfluss einer uralten Macht aus dem Orient. Zwei Jahrtausende später macht die deutsche Nachwuchsarchäologin Nora während einer Ausgrabung auf dem Balkan eine sensationelle Entdeckung. Sie stößt auf ein verborgenes Mithras-Heiligtum und erweckt dadurch das tödliche Grauen aufs Neue, das Lucius’ und ihr Schicksal miteinander verbindet.

Meine Meinung:
Der Schreibstil ist angenehm flüssig und mit seinen kurzen Kapiteln im Wechsel der beiden Zeitebenen, bringt eine angenehme Spannung in die Erzählung.

Lucius gerät in der Verganenheit im Jahr 190 n. Chr., immer mehr unter den Einfluss des Mithraskultes und merkt zu spät, wie stark er manipuliert wurde und in welche Gefahr er sich und seine Familie gebracht hat.
Ein sehr interessanter Handelsstrang, der sehr mysthisch endet.

Zwei Jahrtausende später entdeckt die deutsche Nachwuchsarchäologin Nora durch Zufall einen Mithrastempel und plötzlich begleiten sie nächtliche Visionen, die ihr die Augen für die Vergangenheit, öffnen. Sie ist ihrem Chef und ihren Kollegen immer einen Schritt voraus und gewinnt die Aufmerksamkeit eines Kunsthändlers, der ihr eine Stelle an der Universität in Chicago, anbietet.

Zwischen Lucius und Nora ergeben sich immer mehr Parallelen aber wie sich ihr Schicksal letztendlich miteinander verbindet, muss jeder selbst lesen …

Besonders Interessant und lesenswert finde ich das ausführliche Nachwort des Autors.

Fazit:
Dem Autor gelingt es hervorragend seine persönliche Leidenschaft, die römische Antike und sein Verständnis für archäologische Grabungen, an denen er auch selbst teilgenommen hat, glaubwürdig und lebendig in seinem Romandebüt, darzustellen. Für mich war es sehr Interessant etwas über die Lebensweise aus der Antike und über den Mithraskult zu lesen.
Von mir 4 von 5 Sternen und gerne eine Leseempfehlung!

Bewertung vom 05.01.2026
Elfgren, Sara B.

Die Insel meiner Schwester


gut

„Die Insel meiner Schwester“ ist ein außergewöhnliches Debüt der in Stockholm lebenden Autorin Sara B. Elfgren. Neben ihren international erfolgreichen Kinder- und Jugendbüchern, schreibt die mehrfach ausgezeichnete Autorin u.a. für Theater, Oper, Radio und Film. Sie war bereits für den August-Preis und den Literaturpreis des Nordischen Rates nominiert.

Mit psychologischem Gespür erzählt Sara B. Elfgren ein packendes Drama inmitten der rauen Landschaft der Stockholmer Schären.

Inhalt:
Mirjam leidet noch unter der Trennung von ihrem langjährigen Freund, als ihre Schwester Nia sie zum ersten Mal nach langer Zeit kontaktiert. Sie lädt sie zu ihrem vierzigsten Geburtstag auf die Schäreninsel ein, auf der die beiden die Sommer ihrer Kindheit verbracht haben. Auf Tallholmen waren sie unzertrennlich. Aber das ist lange her. Mirjam entscheidet sich, der Einladung zu folgen und zurückzukehren – an den Ort, der einst ihr gemeinsames Paradies war. Doch sie ahnt nicht, was hier vor sich geht. Als die Nacht hereinbricht und ein Sturm aufzieht, muss Mirjam eine Entscheidung treffen: Ist sie bereit, bedingungslos an der Seite ihrer Schwester zu stehen?

Meine Meinung:
Das wunderschöne Cover konnte mich von Anfang an begeistern, denn es ist sehr stimmungsvoll und zeigt die Insel Tallholmen, dazu noch ein Bestseller aus Stockholm, das musste ich lesen.

Die Ich-Erzählerin Mirjam erzählt die Geschichte aus ihrer Sicht und immer wieder schweift sie plötzlich ab in ihre Erinnerungen aus ihrer Kindheit und wie sie Nia ihre Halbschwester kennenlernte und was sie zusammen erlebten. Diese Rückblicke passieren recht abrupt und machten mich oft stutzig, wo und in welcher Zeit, ich gerade bin. Eine geschmeidige Verknüpfung beider Ebenen hätte mir durchaus besser gefallen.

Mirjams Erzählungen deuten daraufhin, dass sie krankhaft auf ihre Schwester fixiert ist, während Nia zwar auch an ihrer Halbschwester hängt aber scheinbar nicht so krankhaft besessen. Schade finde ich, dass Nia nicht zu Wort gekommen ist und ihre Ansichten hier geteilt hat. Oft hatte ich den Eindruck, dass Mirjam das Zepter in der Hand hielt und die Richtung vorgab oder wollte sie Nia nur schützen ...

Nach langer Zeit stehen sich Mirjam und Nia auf der einsamen Schäreninsel wieder gegenüber und eine geheimnisvolle Spannung breitet sich aus. Unerwartet treffen zum Geburtstagsdinner nicht nur Nias Freundinnen ein sondern auch Knut, der nicht locker lässt und sich beharrlich nach Nias Ehemann Konrad, erkundigt.
Und während draußen ein Sturm aufzieht, braut sich drinnen eine Katastrophe zusammen ...

Fazit:
Die Geschichte ist zwar flüssig geschrieben aber die einseitige Erzählung der Ich-Erzählerin, brachte aus meiner Sicht keinen lebhaften Schwung in die ganze Handlung. Selbst das Drama zum Ende konnte mich nicht ganz überzeugen.

Bewertung vom 04.01.2026
Orontes, Peter

Hiobs Tochter


sehr gut

Das wunderschöne Cover wirkt schlicht mit seinem dunklen Blauton aber dafür sehr edel mit seiner hervorgehobenen goldenen Schrift.

In seinem neuen Roman „Hiobs Tochter - Schatten des Verrats“ erzählt der Autor Peter Orontes, eine detailreiche und gut recherchierte Geschichte über den historisch nachgewiesenen Pogrom an der jüdischen Bevölkerung der niederbayerischen Stadt Deggendorf am 30. September 1338.

Inhalt:
Deggenfeld im Jahre 1338. Die junge Miriam, eine ausgebildete Medica und Jüdin, stürzt in ein Netz aus Intrigen und Gefahr, als sie zufällig eine Verschwörung belauscht. Im Schatten wachsender Spannungen und angesichts einer drohenden Attacke auf die jüdische Gemeinde, muss Miriam Mut, Klugheit und Tatkraft beweisen, um ihre Liebsten zu beschützen und Gerechtigkeit zu suchen. Doch das ist einfacher gesagt als getan, denn Miriams eigenes Leben und dass ihrer Tochter Rebecca ist, eng mit der Verschwörung verknüpft. Und auch wenn Miriam als Ärztin einiges an Ansehen genießt und so an manche Information gelangt, bleiben ihr als Frau und Jüdin viele Privilegien verwehrt.

Hauptprotagonistin ist die junge Jüdin Miriam, die nach ihrem Studium in Salerno als ausgebildete Medica, sich auf den Weg in ihre Heimat macht. Unterwegs in Koblenz beobachtet Miriam zwei Mönche, die scheinbar einen Mord begehen. Nachdem sie verschwunden sind, nähert sich Miriam dem Sterbenden und erkennt in ihm eine Freundschaft aus Kindertagen. Er drückt ihr eine abgebrochene Gänsefeder in die Hand und stammelt ihr noch ein paar Wortfetzen ins Ohr, die Miriam erschauern lassen. Schnell macht sie sich aus dem Staub, denn einer Jüdin, schenkt man keinen Glauben.

Miriam möchte so schnell wie möglich zu ihren Großeltern nach Deggenfeld und dort erfährt sie, dass ihre zwölfjährige Tochter verschwunden ist.

Im Schatten wachsender Spannungen und angesichts einer drohenden Attacke auf die jüdische Gemeinde und einer gewaltigen Heuschreckenplage, beschließt Miriam nach ihrer Tochter zu suchen und stößt auf eine perfide Intrige, die in die höchsten Kreise aus Politik und Klerus bis an den päpstlichen Hof in Avignon zu reichen scheint. Dabei gerät sie selbst ins Visier der Verschwörer und muss um ihr eigenes Leben und dass ihrer Tochter Rebecca fürchten.

Fazit:
Dem Autor gelingt es in „Hiobs Tochter“, eine vergangene Epoche von fiktiven Charakteren mit realen historischen Ereignissen und einer authentischen Atmosphäre, lebendig werden zu lassen. Eine verzweigte Spannung wird zwar stetig aufgebaut aber das Ende kommt dann doch ziemlich abrupt daher und lässt einiges offen, wohl bis zur Fortsetzung. Der Schreibstil von Peter Orontes ist flüssig und gut verständlich. Einige vielleicht unbekannte Begriffe werden am Ende in einem Glossar erklärt.
Von mir 4 von 5 Sternen und eine Leseempfehlung für alle, die historische Romane lieben.

Bewertung vom 18.12.2025
Hewlett, Rosie

Medea


ausgezeichnet

Mit „Medea - Die Hexe von Kolchis“ aus der Feder von Rosie Hewlett, ist der Autorin eine beeindruckende Nacherzählung der Geschichte der furchterregendsten (und unvergesslichen) weiblichen Protagonistin der griechischen Mythologie, gelungen.

Medea sehnt sich nach einem anderen Leben, denn seit ihrer Kindheit wird sie meistens von ihrer Schwester getrennt, von ihrer Mutter gemieden und von ihrem Bruder und Vater verfolgt und gequält. Und das alles wegen eines einzigartigen und gefährlichen Talents: der Hexerei. Medeas Tante Circe reist sogar an um sie zu unterrichten, bis diese eines Tages, spurlos verschwindet und nicht mehr auftaucht. Medea füllt sich von ihrer Tante verlassen und lässt sich von ihrem Vater zu ausgefallenen Zaubereien erpressen. Ihr Vater nutzt ihre Magie schamlos aus und hält sie gefangen, ja er sieht sie als sein Eigentum an.

Als eines Tages der tollkühne junge Held, Jason, auftaucht, um das berühmte Goldene Vlies einzufordern, das ihr Vater so vehement beschützt, sieht Medea ihre Chance zur Flucht. Sie macht Jason ein Angebot, ihm bei der Überwindung der von ihrem Vater auferlegten Prüfungen zu helfen und setzt damit eine Reise in Gang, die jedes Quäntchen ihrer Stärke, Magie und Loyalität auf die Probe stellt; eine Reise, auf der sie gegen Monster kämpfen, Könige entthronen und sich verlieben wird.

Aber als Medea mit dem ultimativen Verrat konfrontiert wird, wird sie zu einer Verzweiflungstat getrieben, die so brutal ist, dass sie das Leben aller Beteiligten zerreißt...

Bei manchen Entscheidungen von Medea musste ich schon schwer durchatmen aber letztendlich passten sie zu ihrem Leben.

Fazit:
Mit „Medea - Die Hexe von Kolchis“ schildert die Autorin in ihrer Neuinterpretation den Anfang von Medeas Geschichte als junges verletzliches Mädchen, bis zu ihrem berüchtigten Ende. Eine atmosphärische, kraftvolle Neuerzählung, bei der ich tief in die griechische Mythologie eintauchen konnte. Mir hat in diesem Roman der flüssige und packende Schreibstil richtig gut gefallen.
Von mir 5 Sterne und eine absolute Leseempfehlung!

Bewertung vom 09.12.2025
Ebert, Sabine

Das Ende der Welt / Der Silberbaum Bd.2


sehr gut

„Der Silberbaum - Das Ende der Welt“ ist der 2. Band der historischen Mittelalter-Saga “Der Silberbaum“ der Autorin Sabine Ebert, die uns hervorragend weiter auf die Reise durch das Leben von Heinrich dem Erlauchten, dem Markgraf von Meißen und Landgraf von Thüringen, führt.


Heinrich und Konstanze von Babenberg, Tochter des Herzogs Leopold VI von Österreich, könnten nicht glücklicher sein, denn sie führen eine Ehe auf Augenhöhe und haben zwei gesunde Söhne Albrecht und Dietrich.

Wäre da auf der anderen Seite nicht die drohene Gefahr, dass die Tataren nur wenige Tagesritte vor Meißen stehen und die Menschen um ihr Leben bangen. Heinrich muss sich der nie da gewesenen Bedrohung stellen, doch dann drehen die Tataren ab und greifen Ungarn an, nachdem sie weite Teile des Landes verwüstet haben. Alles geschieht so plötzlich und unerwartet.


Als endlich bessere Zeiten anbrechen, Heinrich glänzende Turniere veranstaltet, sogar die Aussicht bekommt, Thüringen zu erben und seinen Sohn mit einer Kaisertochter zu vermählen, trifft ihn ein schmerzlicher Verlust ...


Papst Gregor IX setzt den Stauferkaiser Friedrich II. ab und verlangt eine Neuwahl zu Gunsten der Kirche doch Heinrich steht fest auf der Seite des legitimen Herrschers Friedrich. Heinrich muss viele Stufen von Verrat miterleben, als sogar enge Verwandte die Seiten wechseln. In diesen dunklen Zeiten stehen ihm vor allem Marthes Sohn Thomas, ihr Enkel Christian und ihre Enkelin Änne zur Seite. Die Dichterin Milena wird nicht nur zur Chronistin der Ereignisse, sie beweist auch die Kraft von erzählter Geschichte.


Heinrich der Erlauchte gilt bis heute als Herrscher mit glanzvoller Hofhaltung und Förderer der Städte. Er zählt auch zu den bekanntesten Minnesängern seiner Zeit. Sabine Eberts „Silberbaum“-Trilogie schlägt den Bogen zu ihrer beliebten Bestseller-Reihe um die Hebamme Marthe.

Auf den 3. Band bin ich schon sehr gespannt.


Fazit:

„Der Silberbaum – Das Ende der Welt“ ist eine fesselnde Erzählung, die historische Gegebenheiten mit einer packenden fiktiven Handlung rund um den Markgrafen Heinrich von Meißen und Lausitz verwebt.

Besonders gut gefällt mir das Cover und die Gestaltung des Buches, mit den wunderschönen Landkarten, Personenverzeichnis und dem ausführlichen Anhang. Mit ihrem flüssigen Schreibstil und ihrer hervorragenden Recherche, gelingt es der Autorin, eine glaubhafte Atmosphäre zu schaffen. Wer sich für deutsche Geschichte interessiert, findet auch in diesem Roman wieder einen guten und lebendigen Einblick in die damalige Zeit.

Von mir 4 von 5 Sternen und eine Leseempfehlung!

Bewertung vom 04.12.2025
Keweritsch, Katja

Das Flüstern der Marsch


ausgezeichnet

In ihrem neuen Roman „Das Flüstern der Marsch“ erzählt die Autorin Katja Keweritsch nicht nur mit leisen Tönen über die Marsch, nördlich von Hamburg an der Elbe sondern auch eine emotionale Familiengeschichte.

Die Geschichte ist in vier Handlungssträngen von 1964 bis 2024 aufgebaut und wird aus der Perspektive von Oma Annemarie, der Enkelin Mona, der Schwiegertochter Janne – die mit Sohn Stefan verheiratet und Mutter von drei Kindern ist und von Freya, deren Verhältnis zur Familie lange offen bleibt.

Alles beginnt mit dem spurlosen Verschwinden von Oma Annemarie. Ihre Enkelin Mona macht sich große Sorgen und versucht, ihre Oma zu finden und stößt dabei auf falsche Erinnerungen und erschreckende Geschehnisse, von denen kaum jemand etwas weiß.

Erst nach und nach offenbart sich, was es mit dem Verschwinden von Annemie auf sich hat und wie sich die Handlungsstänge zum Ende geschickt verknüpfen.

In den 60/70iger Jahren waren Frauen nicht nur aus moralischer und gesellschaftlicher Sicht, sondern auch durch mangelnde Unterstützung innerhalb der Familie, geprägt und in ihren Handlungen total eingeschränkt. Kein Wunder, das es im Laufe mehrerer Generationen zu Geheimnissen und Lügen - überwiegend verursacht durch Schweigen, kam.

Fazit:
„Das Flüstern der Marsch“ ist der erste Roman, den ich von der Autorin gelesen habe. Mir gefällt ihr Schreibstil und wie sie die unterschiedlichen Generationen der Frauen in den Mittelpunkt stellt. Ein atmosphärisch dichter Roman, den ich sehr gerne gelesen habe.
Von mir 5 Sterne und eine Leseempfehlung!

Bewertung vom 25.11.2025
Borrmann, Mechtild

Lebensbande


ausgezeichnet

Basierend auf realen Begebenheiten erzählt Bestseller-Autorin Mechtild Borrmann in ihrem großen zeitgeschichtlichen Roman „Lebensbande“ die Lebensgeschichten dreier Frauen, deren Schicksale sich zwischen dem 2. Weltkrieg und dem Fall der Berliner Mauer kreuzen.

Vom Zweiten Weltkrieg bis zum Mauerfall verbinden die Fäden des Schicksals Lene, Nora und Lieselotte: Obwohl sie sich in einer Zeit der Angst und des Terrors als Fremde begegnen, werden sie zu Freundinnen, die einander Halt geben und große Risiken auf sich nehmen. Krankenschwester Nora tut alles, um Lene zu helfen, das Leben ihres kleinen Sohnes Leo zu retten. Denn wegen eines leichten Handicaps gilt Leo als „Reichsausschusskind“. 1942 lernt Nora Lieselotte in Danzig kennen. Drei Jahre später werden die Frauen in einen Gulag der Sowjetunion verschleppt – als Teil der 900.000 Arbeitskräfte, die Stalin unter anderem im Rahmen der Reparationszahlungen zugesichert worden waren. Als Adenauer 1949 beginnt, diese Deutschen zurückzukaufen, gibt Lieselotte alles auf, was sie noch hat, um Nora die Rückkehr in die Heimat zu ermöglichen. Viele Jahre später, kurz nach dem Mauerfall, erhält diese einen verstörenden Brief, der sie schlagartig in die Vergangenheit zurückkatapultiert ...

Auf zwei Zeitebenen: 1931 bis 1953 am Niederrhein, in Danzig und Workuta und 1991 in Kühlungsborn, enthüllt die Autorin mit großer Spannung die Lebensgeschichten von Lene, Nora und Lieselotte und wie sich ihre Wege, verknüpfen.

Kurz nach dem Mauerfall erhält die zunächst unbekannte Frau, die in Kühlungsborn an der Ostsee lebt ein Schreiben der Rentenversicherung mit der Aufforderung, ergänzende Angaben zu Zeiten aus den Jahren vor 1953 zu machen. Sie ist völlig aus dem Häuschen, denn ihre lang verdrängte Vergangenheit, wird langsam brüchig und drängt sich an die Oberfläche. Es folgt noch ein Brief eines Neffen, der sie als Tante anschreibt und sie unbedingt besuchen möchte. Jetzt wird ihr klar, sie muss sich ihrer Vergangenheit stellen und ihre Lebensgeschichte von der Seele schreiben, denn nur ihr verstorbener Mann Gustav, kannte sie.

In zwei Schulheften enthüllt sie nach und nach ihren schicksalhaften Lebensweg und die Schuld, die sie auf sich geladen hat.

Fazit:
Die Autorin schreibt in ihrem Nachwort, dass die Geschichte auf den Erinnerungen, Erzählungen und Dokumenten verschiedener Zeitzeuginnen und Zeitzeugen beruht und von ihr fiktional und literarisch verdichtet, wurde.
Zu ihrem Schreibstil muss man eigentlich nichts mehr sagen, denn der Spannungsbogen ist perfekt aufgebaut und die Erzählstränge souverän aufgeblättert und zusammengeführt. Die Charaktere sind entweder total sympathisch oder einfach nur schrecklich. Der Autorin ist es hervorragend gelungen ein Stück brisante Zeitgeschichte mit großer Spannung zu erzählen.
Von mir 5 Sterne und eine absolute Leseempfehlung!

Bewertung vom 19.11.2025
Szántó, Henrik

Treppe aus Papier


sehr gut

In seinem neuen Roman „Treppe aus Papier“ erzählt der Autor Henrik Szántó eine autobiografische Erzählung eines alten Hauses, in dem sich die Schicksale dreier Bewohnerinnen von der NS-Zeit bis heute überkreuzen.

Inhalt:
Das alte Haus erzählt. Denn seine Mauern, Dielen und Ritzen bewahren die Erinnerungen an alle Menschen, die es jemals bewohnt haben. Schon als Kind hat Irma Thon mit ihren nazitreuen Eltern im ersten Stock gelebt. Während die 90-Jährige zurückblickt und immer wieder an die kleine Ruth Sternheim von damals denken muss, erfreuen sie die Gespräche mit Nele Bittner aus dem Vierten. Die Schülerin lernt für eine Geschichtsklausur und beginnt zu verstehen, dass die Vergangenheit nicht vergangen ist, sondern nur wenige Stufen entfernt.

Der Autor wählt eine ungewöhnliche Erzählperspektive, denn das Haus selbst wird zum Erzähler. Dieses Haus erzählt nicht nur, was in seinem Inneren vorgeht - es erzählt auch davon und alles passiert gleichzeitig: Das, was war, und das, was ist.
Es zeigt seine Bewohner, ihre Schicksale und die Erinnerung an ein Jahrhundert. Vier Etagen mit wechselnden Mietern, verlorene und gefundene Gegenstände. Jedes Detail trägt Spuren der Vergangenheit.

Irma ist in diesem Haus groß geworden. Ihre Eltern sind glühende Nationalsozialisten und ihre Kindheit war geprägt von einer lieblosen Mutter und Großmutter während ihr Vater der Einzige ist, der Verständnis für sie zeigt bis er stirbt, jedoch nicht heldenhaft im Krieg.

Im Hier und Jetzt begegnen sich die 90-Jährige Irma und die 15-jährigen Nele, die im vierten Stock wohnt. Sie soll eine Geschichtsklausur schreiben und hat keinen Plan. Doch als ihr Irma von früher erzählt, weckt das die Neugier des Teenagers. Nele fängt an, in der eigenen Familiengeschichte zu graben und holt damit Irma aus ihrem Halbschlaf.

Und dann ist da noch Ruth, Tochter eines jüdischen Ehepaars. Ihrem Vater gehört das Haus, bis die Familie enteignet wird und die Gestapo vor der Tür steht. Das Unrecht und die Schuld, die ein kleines Mädchen unbeabsichtigt auf sich lud, ziehen sich wie ein roter Faden durch die Geschichte dieses alten Hauses.

Die Erinnerung wird zu etwas Gegenwärtigem. Vergessen geht nicht, weil ja immer noch alles da ist. Nele erkennt das nach und nach: Dieses Haus hat so viel erlebt, was nicht nur in ihm, sondern auch in ihr nachwirkt.

Fazit:
Die Sprachgewalt des Autors ohne Punkt und Komma, ist sehr eindringlich und intensiv, erzählt. Besonders gelungen empfand ich, wie Gegenwart und Vergangenheit, geschickt miteinander verwebt sind. „Treppe aus Papier“ ist ein ungewöhnliches aber lesenswertes Buch, das ich sehr gerne weiterempfehle.

Bewertung vom 10.11.2025
Illies, Florian

Wenn die Sonne untergeht


ausgezeichnet

Der Autor Florian Illies erzählt in seinem neuen Roman „Wenn die Sonne untergeht“ aus unzähligen Briefen und Tagebucheinträgen der Familienmitglieder und verschiedener Persönlichkeiten eine Biografie verknüpft mit Zeitgeschichte über den großen deutschen Schriftsteller Thomas Mann und seiner Familie, die im Jahr 1933 notgedrungen den Gang ins Exil, ins malerische südfranzösische Fischerdorf Sanary-sur-Mer zwischen Bandol und Toulon, wählte.

Sanary sur Mer wird zum Treffpunkt berühmter Schriftsteller und Künstler doch Thomas Mann will eigentlich sofort wieder zurück in seine edle Münchner Villa. Die Trauer um den Verlust seiner Heimat und der Angst vor den Plünderungen seines Besitzes durch die Nazis, lassen Thomas Mann kaum zur Ruhe kommen. Während sein Bruder Heinrich hingegen die Freiheit des Südens genießt.

Die Manns sind eine interessante Familie, die sich in kein Schema pressen lassen. Thomas Mann, wird von seiner Familie als "der Zauberer " betitelt, während seine Kinder um seine Gunst und Aufmerksamkeit, buhlen und kämpfen.
Seine Tochter Elisabeth, genannt Medi war eindeutig seine Lieblingstochter, der er nichts abschlagen konnte. Michael, genannt Bibi spielt Tag und Nacht Geige. Er will ein großer Musiker werden und kämpft gegen seinen Jähzorn und die hohen Ansprüche der Familie. Erika, die älteste, führt Regie und schmuggelt einen Großteil vom Inventar aus der Villa der Manns aus München über die Grenze. Sie trickst geschickt die Nazis aus aber auf einen Dank ihres Vaters, wartet sie vergebens. Selbst als Golo Geld von den Konten in München abhebt und die literarischen Manuskripte des Vaters ins Exil transferiert, wartet auch er vergebens auf ein Dankeschön und Anerkennung. Der sensible und drogenabhängige Klaus Mann gründet eine Exil-Zeitschrift, steht jedoch im Schatten des Vaters, literarisch und persönlich. Und alle lästern über Monika doch sie bleibt einfach am Strand von Sanary liegen.

Thomas Mann wird in Zürich all seine Bücherkisten und all seine geliebten Dinge wiederfinden. Nur seine Heimat, die hat er verloren.

Fazit:
Dem Autor gelingt es trotz mühseeliger Recherchearbeit, aus unzähligen Briefen und Tagebucheinträgen der Familienmitglieder und verschiedener Persönlichkeiten, gekonnt zusammengefast eine wunderbare Biografie. Der Schreibtil passt zur damaligen Zeit, denn er ist distanziert, eher kühl gehalten und manchmal ein wenig ironisch. Es gibt keine durchgehende Handlung, es sind vielmehr aneinandergereihte Szenen und Erlebnisse.
Besonders gut hat mir der Abschnitt „Danach“ gefallen, der diese Biografie hervorragend abrundet.
Von mir 5 Sterne und eine Leseempfehlung allen Thomas Mann-Fans!

Bewertung vom 30.10.2025
Ganeshananthan, V. V.

Der brennende Garten


ausgezeichnet

Im Mittelpunkt des neuen Romans „Der brennende Garten“ von der Autorin V.V. Ganeshananthan, steht die junge Tamilin Sashi, die nur den einen Wunsch hat: Sie will Ärztin werden. Wie ihr Großvater und ihr geliebter ältester Bruder. Und wie K, ein Junge aus der Nachbarschaft, mit dem sie eine besondere Freundschaft verbindet. Doch dann versinkt das Land im Bürgerkrieg, und Sashi ist gezwungen, um ihre Träume und Hoffnungen zu kämpfen, während die Welt um sie herum zerbricht. Mit großer erzählerischer Kraft zeichnet die Autorin das Porträt einer jungen Frau, die zwischen Ideologie und Menschlichkeit, zwischen Heimat und Exil einen eigenen Weg sucht.

Das Cover und die Gestaltung des Buches bieten einen wunderbaren Überblick mit einem detaillierten Inhaltsverzeichnis und einem nachdenklichen Vorwort.

Sashi bereitet sich gerade auf die Zulassungsprüfungen für ihr Medizinstudium vor, als der schwelende ethnische Konflikt zwischen Singhalesen und Tamilen in einen blutigen Bürgerkrieg ausbricht und das Leben der Bevölkerung auf den Kopf stellt. Ausgerechnet zwei ihrer Brüder und K, der Junge aus der Nachbarschaft, schließen sich den „Tamil Tigers“ an und die Gewalt nimmt immer mehr Raum ein.

Den Atem habe ich angehalten, als Sashis Brüder sie auffordern und letztendlich noch dazu drängen, dem Widerstand beizutreten. Doch Sashi greift nicht zur Waffe sondern zeigt ihren Widerstand als Ärztin und diese Szenen sind zum Glück, verharmlost geschildert. Am Ende ist Sashi aber gezwungen ihre Heimat mit gefälschten Papieren zu verlassen um in New York ein neues Leben zu beginnen.

Auch noch in New York holt sie Ihre Vergangenheit ein und da sehe und erkenne ich Sashis plötzliche Stärke, als sie endlich ihrem Bruder die Stirn bietet.

Fazit:
Mit ihrer sehr peniblen Recherche, ist es der Autorin hervorragend gelungen, mir fesselnde Einblicke über die Tragweite und den Verlauf des Bürgerkrieges in Sri Lanka, zu gewähren. Im Jahr 1981 war ich selbst auf einer Rundreise in Sri Lanka und dabei auch in Jaffna. Das es Unruhen gab wurde mir in meinen jungen Jahren, aber erst bewußt, als mir die Präsenz des Militärs klar wurde. Intensiv hatte ich den Bürgerkrieg damals leider nicht verfolgt und deshalb finde ich den bewegenden Roman „Der brennende Garten“ für mich als sehr klar, offen und nachvollziehbar, geschrieben. Er schließt hervorragend meine Lücken der historischen Ereignisse über Sri Lanka.
Von mir 5 Sterne und eine klare Leseempfehlung!