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Benutzername: JDaizy
Wohnort: Berlin
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Bewertungen

Insgesamt 37 Bewertungen
Bewertung vom 30.12.2018
Unverschämt frei
Caine, Christine

Unverschämt frei


sehr gut

In ihrem Buch "Unverschämt frei - Lass los, was dich belastet, und umarme dein Leben" beschäftigt sich die Autorin Christine Caine mit dem Thema Scham. Aus eigener Erfahrung berichtet sie, wie sie diese Scham- und Schuldgefühle bewusst und unbewusst beeinflußt und in ihrer Weiterentwicklung behindert haben. Und jetzt mal ehrlich, wen von uns betrifft dieses Thema nicht persönlich? Ich glaube, dass wir alle diese schambesetzten Momente kennen - ob es uns nun gerade persönlich getroffen hat oder auch außenstehend als Zeuge einer peinlichen, unangenehmen Situation. Um es kurz und knapp auf den Punkt zu bringen, findet die Autorin treffende Beispiele wie zum Beispiel den Satz eines Vaters zu seiner Tochter "Du bist genauso wenig zu gebrauchen wie deine Mutter!", ein Junge serviert ein Mädchen ab, weil sie nicht "heiß" genug ist oder Menschen werden aufgrund ihrer Herkunft und ihres Aussehens usw. gemobbt. Aber mit diesen Schamgefühlen im Gepäck können wir niemals ein freies Leben führen.
Ehrlich gesagt war es mir vor dem Lesen dieses Buches auch gar nicht so bewusst, dass Scham auch in meinem Leben eine nicht ganz unwesentliche Rolle spielt(e). Und schon deshalb bekommt dieses Buch von mir eine klare Leseempfehlung, denn es zeigt neben dem Erkennen und Akzeptieren und Wege heraus aus der "Schamfalle".

Christine Caine nimmt uns mit auf eine Reise, bei der auch wir mutig aus unseren Verstecken kommen und sie begleiten dürfen.
Was mich sehr bewegt hat, waren die wahren Beispiele aus der Praxis. Allen voran ihre persönliche Geschichte, die sie offen und ungeschönt in Teilen erzählt. Aber auch die Erlebnisse der kleinen Emma oder was sie bei ihrer Arbeit in ihren Projekten erlebt, sind sehr berührend und emotional. Immer wieder bringt sie auch biblische Textpassagen, wie zum Beispiel das Gleichnis mit den versklavten Israeliten und der Wüste hinter dem Meer, mit all ihren "falschen" Gedanken, Haltungen und Sehnsüchten, mit all ihren Ängsten, Zweifeln und Unversöhnlichkeiten. Denn auch wir selbst haben Wüstenzeiten, die dramatisch und kräftezehrend sein können. Ihre Ausführungen zu den Wüstenerfahrungen empfand ich als sehr gelungen. Und was mir auch im Gedächtnis geblieben ist, sind ihr Gleichnis mit dem Gedankenzug, das ich mir unbedingt merken möchte und was wir machen können, wenn wir wieder mal gegen eine unsichtbare, gewaltige Mauer laufen.

Es geht um Angst, um (Selbst-)Zweifel, Scham und Schuld (bei den zwei letzten Begriffen wagt die Autorin einen Abgrenzungsversuch), aber auch um Hoffnung, Freiheit und Perspektiven. Sich damit auseinanderzusetzen, ist immer eine Chance. Tun Sie es!

Das Buch wurde als Taschenbuch 2018 im Verlag Gerth Medien veröffentlicht. Die amerikanische Originalausgabe erschien bereits zwei Jahre zuvor unter dem Titel " Unashamed".
Auf dem Cover sieht man ein Portrait der Autorin. Sie lächelt offen und ihre Augen wirken liebevoll und versöhnt. Obwohl ich diese Selbstdarstellung eigentlich nicht sehr mag, finde ich es hier ok - zumal es ein autobiogrphisches (Sach-)Buch ist, das auf ihren eigenen Erfahrungen beruht. Beim Titel "Unverschämt frei" hat mich vor allem der Untertitel "Lass los, was dich belastet" angesprochen. Ehrlich gesagt, war mir bei der Buchauswahl der Schwerpunkt und die Reichweite des (Grund-)Themas Scham noch gar nicht so bewusst. Aber ich bin sehr froh, das dieses Buch so den Weg zu mir gefunden hat.
Auf 234 Seiten, in elf Kapitel, mit einer angenehme Schriftgröße überzeugt die Autorin außerdem mit einem gut lesbaren, flüssigen Schreibstil, der für mich auch durch den biblischen Bezug nicht unterbrochen wurde.


Fazit:
Ein sehr interessantes, wenn auch spezielles Buch über ein oft unterschätztes Thema: die Scham und ihren Einfluss auf unser Leben. Mit vielen (auch persönlichen) Praxisbeispielen, die mich sehr bewegt und berührt haben. Ein Buch (nicht nur) für Frauen.

Bewertung vom 11.12.2018
Django
Kofmehl, Damaris

Django


ausgezeichnet

Django, war einer der berüchtigsten Verbrecher Perus und auch ich hatte sofort das Bild des Westernhelden im Kopf. Das es im Buch jedoch nicht um den von der Kinoleinwand bekannten Cowboy geht, sondern um den Werdegang eines jungen Mannes namens Oswaldo, stellte ich erst beim Lesen fest.
Die Geschichte: Der junge Oswaldo rutscht in die Kleinkriminalität ab und hält sich mit seiner Clique zunächst mit Hauseinbrüchen über Wasser. Als sie irgendwann erwischt werden, bekommt er eine unverhältnismäßig harte Strafe und lernt den grausamen Gefängnisalltag kennen. Es gibt nur zwei mögliche Szenarien: entweder man wird gebrochen oder man setzt sich durch. Dieser Gefängnisalltag und Djangos Leben als Verbrecher wird von der Autorin sehr eindrücklich beschrieben. Bankraube, Gefängisausbrüche, Geiselnahmen, Verfolgungsjagden und Schießerein bestimmen sein aus den Bahnen geratenes Leben. Aber man erfährt auch einiges über die Hintergründe, über seine Kindheit, die gesellschaftlichen Probleme und über seine große Liebe Mercedes.
Und diese starke Frau hat mich nicht nur einmal sprachlos zurückgelassen. Sie will ihr Leben mit ihm verbringen, ohne Wenn und Aber steht sie auch in schwierigen Zeiten zu ihm, ist keine die sich verdrückt wenn es ungemütlich wird. Wie furchtbar muss es für eine Mutter sein, nie zu wissen, was ihr Mann macht, wann und ob er heute nach Hause kommen wird. Keine Fragen, keine Belehrungen, keine Standpauken, keine Vorwürfe oder Anklagen, sondern stilles Leiden und die unerschütterliche Sehnsucht und Hoffnung auf einen liebenden Mann und Familienvater.

Die Autorin erzählt die Geschichte in zwei unterschiedlichen Zeiten: einmal in der aktuellen Situation und einmal in Rückblicken in die Vergangenheit. Dazu nutzt sie als Stilmittel Briefe bzw. eine Art Tagebuch, dass Django an seine älteste Tochter Aileen schreibt. Darin offenbart er ihr seine ganze unbeschönigte Geschichte und seine Liebe. Das hat mich sehr berührt, auch wenn ich mich immer wieder gefragt habe, warum er nur an Aileen schreibt, obwohl er drei Kinder mit Mercedes hat.
Es gab noch so viele andere emotionalen Momente, die mir im Gedächtnis geblieben sind. Zum Beispiel wie er Licht ins Dunkel in seinen Heimatort Sitacocha bringt, die grausamen Zustände in den Verhören, die Foltermethoden, die physischen und psychischen Torturen und seine Zeit in der Dunkelhaft, die ihn an die Grenzen seiner Belastbarkeit brachte. Aber es gab auch lustige Erinnerungen, zum Beispiel wie er sein Chalet möbilisiert und mit dem Wachdienst witzelt, ja keine Gangster in die Siedlung zu lassen. Oder die Geschichte mit den drei Nonnen auf der Rücksitzbank ihres Wagens als sie die Grenze überqueren.

Das mit seinen 359 Seiten dicke Taschenbuch wurde 2018 im SCM-Verlag veröffentlicht. Auf dem Cover sieht man schemenhaft einen Revolverheld mit tief ins Gesicht gezogenem Westernhut. Seine zwei gezogenen Pistolen, wurden gerade abgeschossen, wie der aufsteigene Rauch zeigt. Farblich ist das Cover ganz in schwarz - rot gehalten, was für mich die dunklen blutigen Abgründe der Zeit zeigt, in der er (damals) lebt(e).
Man merkt in jeder Zeile, dass diese Geschichte um Perus Staatsfeind Nummer Eins die Autorin Damaris Kofmehl nicht mehr losgelassen hat. Wie gut, dass Django ihr seine Geschichte anvertraut und niederschreiben lassen hat. Denn sie ist ein Stück Zeitgeschichte und vor allem ein lebendiges Zeugnis, dass man seine Vergangenheit auch nach Jahrzehnten zurücklassen und neu anfangen kann. Sie hat ihn und seine Familie in Peru kennengelernt und in persönlichen Gesprächen und mit Hilfe seiner Tagebücher seinen unglaublichen Werdegang und seine Rettung dokumentiert. Leider kommt diese Wandlung und sein Weg zu Gott für meine Verhältnisse etwas zu kurz. Gern hätte ich noch mehr über sein Leben "danach" erfahren.
Der Schreibstil der Autorin hat mir sehr gut gefallen. Er ist gut zu lesen, nimmt den Leser mit und weckt Emotionen.

Bewertung vom 07.10.2018
Unter dem Abendstern
Büchle, Elisabeth

Unter dem Abendstern


ausgezeichnet

"Unter dem Abendstern" war mein erstes Buch von Elisabeth Büchle. Tatsächlich hat mich die Sehnsucht nach Weihnachten und der wunderschöne Klappentext auf diese Geschichte aufmerksam gemacht. "Eine romantische Weihnachtsgeschichte, die aufzeigt, dass Sorgen, Ängste und Selbstzweifel überwunden werden können." Eingeschneit und abgeschnitten von der Außenwelt in einem Ferienhaus in Dänemark. Einsam und abgelegen, mit Menschen die man kaum kennt; und dann auch noch unerwartet mit der heimlichen Jugendliebe. Klingt doch spannend, oder.
Ich habe dann ein bisschen gegoogelt und war überrascht, dass die Autorin schon unzählige Bücher veröffentlicht und eine wahre Fangemeinde unter ihren Lesern hat. Na dann, nichts wie ran. Hier habe ich scheinbar (m)ein echtes (Lese-)Defizit entdeckt.

Geschwind habe ich in die Geschichte und Zugang zu den Protagonisten gefunden. Katja und Nick sind mir sehr schnell sehr nah gekommen und ich mochte vor allem ihre schlagfertige Art und ihre spielerischen Wortgefechte. Mein heimlicher Favorit ist aber tatsächlich der Superhelden-Fan Jeffrey. Einzigartig, lustig und aufrichtig. Eben ein ausgesprochen cooler und liebenswerter Typ. Ich finde, jeder sollte einen Freund wie Jeffrey haben. Und wenn irgendwann einmal ein Jeffrey-Fanclub gegründet wird, bin ich dabei.

Was mir außerdem ausgesprochen gut gefallen hat, sind die bildhaften, emotionalen Naturbeschreibungen der Autorin. Sie machen Lust auf me(e)hr und ich kann mir gut vorstellen, selbst einmal Urlaub in einem Ferienhaus in Dänemark zu machen.
Der Schreibstil von Elisabeth Büchle geht schnurstracks ins Herz und manchmal fühlt man sich "ertappt", weil man selbst ähnlich wie die Protagonisten fühlt. Dabei schätze ich es sehr, dass (christliche) Werte, die heute nicht immer ganz oben auf den Bestsellerlisten stehen, thematisiert werden. Ganz nebenbei, ohne zu moralisieren und ohne zu werten.

"Unter dem Abendstern" wurde als Taschenbuch 2018 von der Gerth Medien GmbH veröffentlicht. Es ist hochwertig verarbeitet und überzeugt mit einer wunderschönen Geschichte in 13 Kapiteln auf 207 Seiten.
Das Cover weckt bei mir sofort Emotionen, obwohl ich kein Wintertyp bin. Aber ich liebe das Meer, die Stille und das Weihnachtsfest. Und an dieser Stelle muss ich unbedingt das Apfel-Zimt-Hörnchen-Rezept erwähnen, dass ich unbedingt nachbacken muss. Denn im Gegensatz zu Nick liebe ich Zimt.


Fazit:
Eine wunderschöne, stimmungsvolle (Weihnachts-)Geschichte, die ihren Lesern sicher auch vor und nach Weihnachten viel Freude bereiten wird. Mein erstes, aber ganz sicher nicht mein letztes Buch der Autorin, deren Figuren einfach mitten ins Herz treffen. Mit Ecken und Kanten und mit einer Vergangenheit, die aber nicht immer ein Stolperstein für die Zukunft sein muss - sondern hier zum Trittstein wird. Meine absolute Leseempfehlung. Ich vermisse Katja, Nick und Jeffrey jetzt schon.

Bewertung vom 07.10.2018
Von kleinen Helden und großen Abenteuern

Von kleinen Helden und großen Abenteuern


ausgezeichnet

"Heute hat mich Lotta gefragt, ob ich mit ihr zusammen bei FC Neureut trainieren möchte. Sie brauchen dort dringend Verstärkung." "Aber das ist doch wunderbar!", jubelt Oma. "Du hattest dir doch so sehr gewünscht, zusammen mit einem Freund im Verein Fußball zu spielen." "Genau das ist der Knackpunkt. Ich wollte doch einen Freund, keine Freundin", entgegnet Vincent. "Ich hatte es mir anders vorgestellt!" Oma schaut ihren Enkel liebevoll an. "Ja, so ist das oft im Leben. Vieles stellen wir uns anders vor. Und weil wir so sehr an unseren Vorstellungen festhalten, entgehen uns viele schöne Dinge. Dabei ist das Leben voller wunderbarer Geschenke. Wir müssen nur bereit dazu sein, sie anzunehmen, wie sie sind. Und Gott vertrauen, dass das, was er uns schenkt, das Richtige für uns ist."


"VON KLEINEN HELDEN UND GROSSEN ABENTEUERN" wurde von Anita Schalk heraugegeben. Wir finden darin Geschichten über Freunde, Familie, Schule, Freizeit und von Helden aus der Bibel. Unterschiedliche Autoren und Illustrationen bringen Abwechslung beim Lesen, wobei sich die Geschichten sowohl zum Vor- als auch zum Selberlesen eignen. Zum Selberlesen würde ich ein Alter von 8-10 Jahren empfehlen.
Das Buch wurde 2018 als wunderschönes Hardcover mit großer, gut lesbarer Schrift im SCM-Verlag veröffentlicht. Es ist hochwertig verarbeitet und vereint 21 Geschichten auf 240 liebevoll gestalteten Seiten.
Schon das Cover macht Lust auf mehr. Ganzseitig farbig illustriert, zeigt es zwei am Bach spielende Kinder und einen kleinen Hund. Alle drei scheinen viel Spaß und Freude zu haben.
Und auch die Geschichten sind abwechslungsreich und enthalten kleine wertvolle Botschaften.
Zum Beispiel muss eine kleine Schmugglerbande erkennen, dass nicht alles immer so ist, wie es auf den ersten Blick erscheint. Kleine - wenn auch vorerst ungewollte - Geschenke können ein großer Schatz sein. Gewinnen ist nicht alles. Gemeinsam sind wir stark. Und Freunde fürs Leben können oft ganz anders aussehen und sein als man das selbst vermutet; denn wir alle sind einmalig und ganz besonders.

Meiner Nichte haben drei Geschichten ganz besonders gut gefallen:
- Die Geschichte um die kleine geschmuggelte "Princesa", weil sie Urlaub und Tiere so sehr liebt.
- Dann "Bruno und die Riesengeige". Diese Geschichte musste ich ihr mehrfach abends vorlesen, weil sie es selbst kennt, wie es ist, wenn man anders ist.
- Und "Die Inselpiraten" mochte sie unheimlich gern und möchte im nächsten Familienurlaub nun auch unbedingt an die Norseeküste und Pirat Matt treffen. Da werden wir uns wohl etwas einfallen lassen müssen.

Was mir als Vorleser sehr gut gefallen hat, ist, dass die Kinder spielerisch wichtige Werte mit auf den Weg bekommen und ganz nebenbei noch allerlei Wissenswertes erfahren. Wußtet ihr zum Beispiel, was ein Priel oder Futje ist? Auch die Geschichten von den Helden aus der Bibel sind sehr kindgerecht erzählt und verständlich.
Einzig die Geschichte mit dem Bolzplatz, der einem Bauplatz weichen soll, finde ich etwas übertrieben. Man darf und soll sich nicht alles gefallen lassen. Das ist eine wertvolle Botschaft. Leider kann man aber genau bei diesen Dingen nur wenig erreichen und nicht frei zum Bürgermeister durchmarschieren und den Bau verhindern. Das musste ich meiner Nichte dann "schonend" erklären. Gerade bei den aktuellen Ereignissen um den Hambacher Forst zeigt sich leider ganz deutlich, dass Geld oft mehr Macht und Einfluss hat als der (Kinder-)Wille.
Nichts desto trotz hat uns dieses Buch wirklich gut gefallen und wir empfehlen es sehr gern weiter.


Fazit:
Ein wunderschönes Buch mit abwechslungsreichen Geschichten, die wertvolle Botschaften mit sich tragen. Wunderbar illustriert und leicht zu lesen, eignet es sich sowohl für kleine Leser als auch für kleine Leserinnen. Uns hat es sehr gut gefallen.

Bewertung vom 23.09.2018
Bäm!
Teichen, Frauke; Teichen, Tobias

Bäm!


gut

Jeder von uns wird fast täglich mit kleinen oder größeren Konflikten konfrontiert. Man kann sie ignorieren, aussitzen, aus einer Mücke einen Elefanten machen oder sie anpacken. Doch das ist oft leichter gesagt als getan.
In ihrem gemeinsamen Buch "Bäm - Keine Angst vor Konflikten" nähern sich die Autoren Tobias und Frauke Teichen diesem Thema und zeigen, wie eine göttliche Beziehung gelingen kann. Ein bisschen liegt der Schwerpunkt dieses Buches tatsächlich auf den alltäglichen partnerschaftlichen Beziehungen, die wir führen. Es ist aber auch übertragbar auf Freundschaften, die Familie und das Arbeitsleben.
Erst war ich etwas verunsichert, weil ich bei Sachbüchern über Konflikte etwas anderes gewohnt war. Die schrille Aufmachung, die sehr legere Umgangssprache, bei der der Leser geduzt wird und immer wieder der Bezug zum Thema Liebe. Aber dann habe ich festgestellt, dass genau hier das Fundament, die Basis für alle Konflikte liegt. Schon allein diese Erkenntnis macht das Buch für mich wertvoll und lesenswert, auch wenn ich mich an manchen Punkten etwas schwer getan habe. Vor allen die Abbildungen waren für mich persönlich mehr Ablenkung als Vertiefung und einfach zu direkt.

Lange Rede, kurzer Sinn: Man muss bereit sein, sich auf dieses Buch einzulassen. Dann kann man wirklich interessante neue Perspektiven gewinnen.
Mir haben besonders die Ausführungen zu den Konflikttypen gefallen. Wollen sie vielleicht auch gern wissen, ob sie eine Schildkröte, ein Gorilla, ein Elefant oder ein Hase sind.
Auch den Exkurs zur Selbstliebe, also zu Konflikten mit uns selbst, fand ich sehr gelungen. Wie wir im inneren Sebstgespräch mit uns umgehen, wie wir über uns denken und urteilen, deckt oft unbewusste alte Verhaltensmuster auf, die unsere Streitkultur nachhaltig bestimmen.
Auch, dass es nicht sinnvoll ist allen Streitigkeiten aus dem Weg zu gehen, war für mich bereichernd. Denn manchmal bin ich etwas Konfliktscheu. Die Autoren zeigen aber sehr eindrücklich, wie wichtig Konflikte und Kontraste in unserem Leben sind. Habt ihr schon einmal über die Bedeutung des Wortes "nachtragend" nachgedacht? Nach diesem Buch werdet ihr hier vielleicht einen völlig neuen Blickwinkel darauf bekommen können.
Nach der Theorie bekommt man im zweiten Teil des Buches dann auch Tipps und Anregungen für die Praxis, die in Konfliktsituationen helfen können. Vom Stolperstein zum Trittsein.

Das Buch wurde als Taschenbuch 2018 von SCM R. Brockhaus verlegt. SCM R. Brockhaus ist ein Imprint der SCM-Verlagsgruppe, die zur gemeinnützigen Stiftung Christlicher Medien gehört, die sich für die Förderung christlicher Bücher, Zeitschriften, Filme und Musik einsetzt. "Bäm - Keine Angst vor Konflikten" hat also einen engen christlichen Bezug und stellt die Beziehung zu Gott in den Fokus.
Was überrascht, ist das quietschige Cover, das auf den ersten Blick ein eher lustiges Buch mit nicht so ernstem Inhalt vermuten lässt. Es erinnert eher an ein Comic als an ein Sachbuch. Ein Pärchen (die Autoren) preschen schwungvoll mit ihrem Auto und Gottes Unterstützung (wie man am Nummernschild erkennen kann) nach vorn. Fast hat man Angst, dass bei dieser Geschwindigkeit etwas passieren könnte, sie vielleicht die Kontrolle verlieren könnten. Dabei hat jeder von ihnen ein Lenkrad in der Hand. Eigenständig und doch gemeinsam. Ein schöner Tenor für den Inhalt (und Titel) des Buches: "Bäm - Keine Angst vor Konflikten".
Auch im Buch selbst wird es farbenfroh. Den Leser erwarten zwei Teile mit neun Kapiteln und vielen Abbildungen im Comicstil. Alle von Hand gezeichnet von Michael Gèrèon. Sie lockern das Geschriebene auf und unterstreichen es, auch wenn sie für mich sehr gewöhnungsbedürftig waren. Manchmal war es mir etwas zu schrill, zu direkt, fast etwas derb. Aber sie passen gut zu dem eher lockeren, jugendlichen, kumpelhaften Schreibstil und ich bin mir sicher, dass viele genau das mögen werden.

Bewertung vom 12.09.2018
Lebensmutig
Hinz, Tamara

Lebensmutig


sehr gut

"Meistens ist dieser Anflug von "Hab-ich-mich-wirklich-für-das-Richtige-entschieden?" aber nur meiner Angst vor dem Neuen geschuldet sowie dem Wissen, dass ich jetzt für meine Entscheidung auch geradestehen muss. Ich hab mich ja nun festgelegt - dafür kann und wird man mich nun zur Verantwortung ziehen! Außerdem: Dass ich mich für eine Sache entscheiden habe, beinhaltet fast immer, dass ich mich gegen eine andere Sache entscheide. Und das tut manchmal richtig weh! Je nach Thema bedeutet das nun, vom Alten Abschied zu nehmen, loszulassen und zu trauern. Jetzt wird mir der Wert dessen, wogegen ich mich entschieden habe, erst so richtig bewusst."


Als ich den Titel das erste Mal gelesen habe, kam mir sofort der Gedanke an "lebensmüde" in den Sinn. Ob lebensmüde wohl das Gegenteil von lebensmutig ist? Wie schön, dass die Autorin genau diese Assoziation in ihrem Vorwort aufgreift.
Als dann das erste Kapitel mit Pippi Langstrumpf beginnt, war ich sofort gut im Buch angekommen. Ich mag es, wenn Bilder in meinem Kopf entstehen. Und das ist in einem Sachbuch wahrlich nicht so einfach. Auch die folgende Geschichte mit dem Labradorwelpen, die uns aufzeigen soll, was passiert, wenn man keine klaren Grenzen setzt, fand ich sehr anschaulich. Ja, als Hundebesitzer musste ich natürlich Schmunzeln, weil ich mich in der ein oder anderen Situation wiedererkannt habe.

Die Themen Resilienz, Glaubenssätze und Abgrenzung sind mir, und sicher vielen anderen Lesern, nicht neu. Aber es war eine schöne Zusammenfassung und Aufrischung für mich, mit durchaus neuen Impulsen. So habe ich mir nach dem Lesen Gedanken über den Unterschied von inneren und äußeren Grenzen gemacht, über den Marshmellow-Test geschmunzelt oder mir das Bild mit den Seifenblasen gemerkt.
Was ich auch für mich mitnehmen werde, ist der Satz "Alles was ist, darf sein.". Denn das vergisst man leider im Alltag viel zu oft. Und ich würde die Anregungen zur Biographiearbeit gern weiter für mich ausbauen und fortführen.

Ein großer Abschnitt wird auch vom Thema "Angst" bestimmt. Wie kann ich ihr lebensmutig begegnen. Ich glaube, dass das für viele Leser durchaus relevant sein wird. Die Autorin erklärt, wie man die Sprache der Angst besser verstehen und entschlüsseln kann. In diesem Zudammenhang fand ich die Frage spannend, ob man durch seine Angst einen Gewinn haben kann. Und auch das Kapitel zur Kommunikation hat mir sehr gut gefallen.
Am Ende des Buches finden wir dann eine "Kurzanleitung für Wagemutige" - aus Sätzen, die sich als Lebensregeln für Lebensmutige verstehen lassen. Quasi eine Quintessenz dieses Buches.
Dem geneigten Leser gibt die Autorin abschließend auch noch "lebensmutige Bücher" mit an die Hand.

Das Buch wurde 2018 als Hardcover im Brendow-Verlag veröffentlicht. Was mir sehr gut gefallen hat, ist die übersichtliche Unterteilung in acht in sich abgeschlossene Kapitel. So kann man später schnell mal etwas nachschlagen, was einen gerade ganz besonders beschäftigt - ohne das ganze Buch erneut lesen oder überfliegen zu müssen. Der Schreibstil der Autorin lässt sich gut lesen, die kleinen "Blümchen" in den oberen Ecken im gesamten Buch lockern auf und auch die Schriftgröße empfand ich als sehr angenehm. Auch das Cover gefällt mir richtig gut. Den hellen Scherenschnitt eines springenden Tigers habe ich sofort mit dem Titel "Lebensmutig", mit Stärke und gleichzeitig Gelassenheit assoziieren können. Und die Farbgestaltung mit dem zarten Türkis / Mint wirkt auf mich gleichzeitig auch beruhigend und ermutigend. Die lilafarbenen Blumen oder Korallen an den Rändern finden sich, wie bereits erwähnt, später auch auf jeder Seite des Buches wieder.


Fazit:
Die Autorin Tamara Hinz ist sich sicher: lebensmutig sein, kann jeder lernen! Also packen wir es an! Denn wer sehnt sich nicht danach stark und gelassen durchs Lebens zu gehen. Ein starkes Buch für Frauen - und durchaus auch für lebensmutige Männer.

Bewertung vom 04.09.2018
David - Ein Hirte wird König
Pfesdorf, Elke

David - Ein Hirte wird König


ausgezeichnet

"Davids Brüder Eliab und Schamma sind auf dem Weg zu König Saul. Der braucht Männer, die kämpfen. Sein Land ist in Gefahr. Es wird immer wieder von Soldaten aus einem anderen Volk überfallen. Sie klauen Tiere, Gold, Silber und alles, was sie finden können. König Saul will sich wehren. Die Menschen in seinem Land sollen sicher leben. Dafür will der König sorgen. Das kann er nicht allein. Er braucht Hilfe. David schaut seinen Brüdern hinterher. Er wird sie vermissen."


David ist der Jüngste und Kleinste unter seinen Brüdern und hütet für seinen Vater Isai pflichtbewusst die Schafe und Ziegen. Eines Tages kommt ein kluger Mann ins Dorf und verkündet, dass David König von Israel werden soll. Gott hat einen Plan mit ihm. Doch vor ihm liegt ein langer steiniger und gefährlicher Weg. Denn Israel hat bereits einen König: Saul. Und der wird sein Zepter nicht so einfach an den jungen David abgeben.

Im Buch begleiten wir David auf seinem langen und nicht immer einfachen Weg. Er ist ein hilfsbereiter und netter Hirte und wird deshalb von allen gemocht. Außerdem hat er eine große Gabe: die Musik. Anfangs spielte er nur für seine Herde. Aber es spricht sich schnell herum, dass er lustige, traurige, einfache und schwere Lieder spielen kann, die davon erzählen, was Gott alles tun kann. Und so heitert er die anderen Hirten nach ihrer schweren Arbeit auf oder seinen Vater, der sich um seine Söhne sorgt. Sein Talent spricht sich irgendwann auch bis zum König herum, der ihn zu sich holen lässt. David soll den launischen König mit seinen Liedern und den Klang der Harfe aufheitern und besänftigen. Ob ihm das gelingt?

Uns hat neben der Beschreibung der Musik(texte) besonders gut gefallen, dass David auf seinem Weg fest auf Gott vertraut. Sein Segen begleitet ihn, wohin er auch geht. Saul führt oft nichts Gutes im Schilde und deshalb ist David lange Zeit auf der Flucht. Er ist oft müde, traurig und hat Angst, machmal auch keinen Mut mehr. Aber dann betet er. Auch bei seinem Kampf mit Goliat vertraut der kleine Winzling darauf, dass Gott an seiner Seite ist. Wollt ihr erfahren, was David noch alles erlebt? Dann kann ich euch diese Geschichte wirklich ans Herz legen.

Wie der Titel schon erahnen lässt, handelt es sich um eine biblische Geschichte. Es geht um Gott und unseren Glauben. Exemplarisch am Beispiel von David, dem Hirten, der großzügig und klug ist, aber auch Fehler macht und sich diese eingestehen kann. Es werden auch christliche Werte in die Erzählungen verpackt, wie zum Beispiel Freundschaft, Vertrauen, das man zu seinem Wort stehen und nicht lügen sollte. Allen voran geht es aber darum, zu Lernen, auf Gott zu vertrauen.

"David - Ein Hirte wird König" ist ein Buch aus der Reihe: "Lies mit mir!" Für alle die nicht wissen, was das bedeutet, möchte ich es gern erklären. "Lies mit mir!" ist ein bewährtes Mitlesekonzept und eignet sich sehr gut, um Kindern beim Lesenlernen zu unterstützen. Das Buch ist für Erstleser in der Grundschule geeignet, die zusammen mit einem Vorleser (zuhause, in der Schule, im Hort usw.) gemeinsam die Geschichte lesen. Einen großen Teil liest der (ältere) Vorleser, während im Text immer wieder klar gekennzeichnete Sätze auftauchen, die dann der Erstleser vorlesen darf. Diese sind in größerer Schrift gedruckt. Bei schwierigen Wörtern gibt es eine Lesehilfe, die die Wörter, die nicht leicht zu lesen sind in Silben trennt und sie zusätzlich noch farbig abteilt. So kann man silbenweise das Wort erschließen.

Das Buch ist 2018 im SCM-Verlag erschienen. Es ist ein hochwertiges Hardcover mit wunderschönen farbigen Illustrationen (von Guido Apel). Die Geschichte ist einfach und flüssig zu lesen. Gut überschaubare 10 Kapitel, auf 77 Seiten, mit kurzen einfachen Sätzen und wunderschönen Abbildungen lassen die Geschichte nicht langweilig werden.


Fazit:
Eine biblische Geschichte, die zeigt, dass auch wir jeden Tag auf Gott vertrauen können. Kindgerecht und mit wunderschönen Illustrationen.

Bewertung vom 03.09.2018
Leni und das Eichhörnchen
Jacobsen, Juliane

Leni und das Eichhörnchen


ausgezeichnet

""So, jetzt will ich wissen, was hier los ist." "Und ich auch", sagt Mama. Der Lärm hat sie angelockt. Sie holt Gläser aus dem Schrank und gießt jedem etwas zu trinken ein. "Nun erzählt schon", sagt sie und stellt die Gläser auf den Tisch. "Leni, du fängst an." "Fabian hat schon wieder in unserem Garten auf die Vögel geschossen. Das ist so gemein." "Ach Blödsinn", redet Fabian dazwischen. "Das stimmt doch gar nicht!" "Und ob das stimmt. Hier, ich habe sogar einen Film davon." Leni stellt die Aufnahme an. Alle können sehen, wie Fabian mit seiner Schleuder zielt und schießt.


Die kleine Leni liebt die Natur und ganz besonders die (wilden) Tiere. Von ihrem Lieblingsplatz im Haus - dem Fenstersims - beobachtet sie gern die Vögel und Eichhörnchen am Futterhäuschen. Doch eines Tages entdeckt sie einen Eindringling, der die idyllische Ruhe zu stören versucht. Ihr Nachbar Fabian schleicht sich mit seiner Schleuder in ihren Garten. Was will er hier? Will er tatsächlich auf die Vögel schießen? Und wenn ja, kann Leni das verhindern?

Als Leni eines Tages mit ihrer Mutter in den Wald geht, finden die zwei ein kleines Eichhörnchenbaby. Von seiner Mutter ist weit und breit keine Spur. Allein kann es nicht im Wald bleiben. Also nehmen sie es mit und wollen es in die Eichhörnchenhilfe geben. Doch dort ist vorerst kein Platz. Und so müssen sich Leni und ihre Familie ganz schnell viel Wissen aneignen, über das Leben der Eichhörnchen, ihre Aufzucht und ihre spätere Auswilderung. Leni ist begeistert. Sie wollte schon immer ein eigenes Haustier. Doch ist ein Eichhörnchen dafür wirklich geeignet?
Wenn ihr erfahren wollt, ob es Leni gelingt ihre Eltern davon zu überzeugen, dass das Eichhörnchen vorerst bei ihnen bleiben darf und wenn ihr wissen wollt, welchen Namen das kleine Eichörnchenbaby bekommt, dann müsst ihr unbedingt dieses Buch lesen.

An der Geschichte hat mir besonders gut gefallen, dass die Kinder ganz nebenbei viele wissenwerte Dinge über die Natur erfahren, zum Beispiel über die Eichhörnchen und die Fütterung von Vögeln und das es auch um Werte, wie Ehrlichkeit, Freundschaft und Vergebung geht. Hier erfährt Leni unter anderem durch Geschichten ihres Vaters und im Kindergottesdienst, dass niemand von uns fehlerfrei ist.

"Leni und das Eichörnchen" ist ein Buch aus der Reihe: "Lies mit mir!" Für alle die nicht wissen, was das bedeutet, möchte ich es gern erklären. "Lies mit mir!" ist ein bewährtes Mitlesekonzept und eignet sich sehr gut, um Kindern beim Lesenlernen zu unterstützen. Das Buch ist für Erstleser in der Grundschule geeignet, die zusammen mit einem Vorleser (zuhause, in der Schule, im Hort usw.) gemeinsam die Geschichte lesen. Einen großen Teil liest der (ältere) Vorleser, während im Text immer wieder klar gekennzeichnete Sätze auftauchen, die dann der Erstleser vorlesen darf. Diese sind in größerer Schrift gedruckt. Bei schwierigen Wörtern gibt es eine Lesehilfe, die die Wörter, die nicht leicht zu lesen sind in Silben trennt und sie zusätzlich noch farbig abteilt. So kann man silbenweise das Wort erschließen.

Das Buch ist 2018 im SCM-Verlag erschienen. Es ist ein hochwertiges Hardcover mit wunderschönen farbigen Illustrationen (von Tanja Husmann), die nicht nur die Kinder begeistern werden. Die Geschichte ist einfach und flüssig zu lesen. Überschaubare 16 Kapitel, auf 77 Seiten, mit kurzen einfachen Sätzen und wunderschönen Abbildungen lassen die Geschichte nicht langweilig werden.


Fazit:
Eine spannende Geschichte um ein kleines Eichhörnchen, bei der Kinder spielerisch den Wert von Wahrheit, Freundschaft und Vergebung verstehen lernen können. Wunderschöne Illustrationen runden das Leseerlebnis ab. Von mir deshalb eine absolute Leseempfehlung!

Bewertung vom 17.08.2018
Aus Opas Federhalter und Omas Handtasche
Ottensmann, Elke

Aus Opas Federhalter und Omas Handtasche


ausgezeichnet

Als Christoph, der Cousin der Autorin die kleine Tür zur Dachschräge öffnet, ahnt er noch nicht welchen kostbaren Schätze ihn dort erwarten werden. Seit Jahrzehnten unberührt und verstaubt, findet er die blaue Handtasche der Großmutter mit Briefen, Gedichten, Feldpost, Zeichnungen und Fotos. Beim Durchschauen wurde schnell klar, dass diese Erinnerungen ihrer Großeltern für weitere Generationen nicht verlorengehen dürfen. Und so entstand die Idee zu diesem Buch.

Schon der Titel könnte passender nicht sein: "Aus Opas Federhalter und Omas Handtasche - Erinnerungen an die geliebte Heimat". Auch das Cover weckte bei mir sofort Emotionen an meine eigenen Großeltern und ihre Geschichte(n).
Zudem eignet sich das Buch wirklich hervorragend als Geschenk für die ältere Generation, die teilweise noch selbst den Krieg und die Flucht erlebt haben. Aber sicher auch für alle anderen Leser, die an wahren Rückblicken und Erinnerungen zu dieser Zeit interessiert sind.
Wie gewohnt beim SCM-Verlag ist das Buch als Hardcover mit Lesebändchen hochwertig und hat zudem noch eine große Schrift, was ich als sehr angenehm empfand. Briefe, Gedichte und andere Zeitzeugnisse sind im Text kursiv gedruckt und deshalb sofort als solche zu erkennen. Manchmal hatte ich das Gefühl wirklich daneben zu stehen und Arthur, dem Opa über die Schulter zu schauen. Nicht selten entstanden bei mir Bilder im Kopf, weil diese Zeitzeugnisse im Original natürlich nicht authentischer sein können und man förmlich die Gefühle der Familienangehörigen beim Lesen spürt. Besonders die Zeit des Krieges und direkt danach, machten mein Herz oft schwer und ich habe mich immer wieder gefragt, ob wir bis heute nichts aus dieser Zeit gelernt haben. Denn das Thema ist brisanter denn eh und je: Krieg, Flucht und eine Heimat, die man zurücklässt. Dafür dann Ablehnung und noch mehr Gewalt für die Vertriebenen. Im Buch schreibt die Autorin, dass die Familie sogar Ablehnung von seitens der Kirche erfuhr; was für mich einfach unvorstellbar ist. Und was mich auch sehr berührt hat, war die Tatsache, dass Arthur und seine Familie als Christen sogar auf der Liste der Nazis und damit kurz vor ihrem Abtransport nach Auschwitz standen. Was für ein unglaubliches Glück, dass ihnen dies erspart blieb und Johanna vor der Vertreibung so umsichtig war, alle Dinge, die ihr viel bedeutet haben und die für sie kostbar waren, zusammengepackt, mitgenommen und wie ihren Augapfel behütet hat.

Es gibt so viel in diesem Buch zu entdecken, neben den wirklich bewegenden Kriegserinnerungen gibt es auch humorvolle Momente, wie die Geschichten, wie aus Alfred Arthur wurde oder Johannas Begegnung mit dem vergrabenen Nußlikör. Oder Momente, die zu Herzen gehen, wie Arthur Liebe zu seinem Hannerl. Man spürt ihre Zuneigung und ihre Warmherzigkeit in jeder Zeile. Genau wie ihren festen Glauben an Gott als die unversiegbare Quelle ihrer Kraft. Denn, dass sie in so schwierigen Zeiten offen für alle Menschen, und trotz aller Not ehrlich und aufrichtig geblieben sind, ist nicht selbstverständlich, finde ich.
Etwas das mir noch im Gedächtnis geblieben ist, ist die gute Balance die die Autorin schafft. Sie verurteilt nicht pauschal, sondern zeigt, dass in allen schweren Zeiten auch immer Platz für Gottes Gnade, Trost und Hoffnung ist und man nicht alle Menschen über einen Kamm schehren darf.


Fazit:
Eine Enkelin, die das Vermächtnis der Großeltern fortführt und aus ihren Hinterlassenschaften ein wunderschönes, berührendes Buch schreibt. Ein bewegendes Zeitzeugnis mit originalen Erinnerungen und Fotos, dass ich jeden gern ans Herz legen kann.

Bewertung vom 14.08.2018
Das Baumhaustrio und der Juwelendieb
Bleiker, Andrea

Das Baumhaustrio und der Juwelendieb


ausgezeichnet

"Paula stand in einer dunklen Höhle und versuchte etwas zu erkennen. Kalte Wände umgaben sie und sie glaubte zu spüren, dass sie sich ganz langsam enger um sie zogen. Doch da sah sie weiter vorne einen kleinen Lichtschein. Sie stolperte darauf zu. Etwas streifte ihren Kopf: sie duckte sich und wollte schreien, doch als das Ding, das über sie geflogen war, selber anfing zu schreien, blieb ihr ihr eigener Schrei in der Kehle stecken. Es war nur eine Feldermaus."


Die Sommerferien haben begonnen und Paula und Ruben freuen sich ganz besonders auf ihr Ferienprojekt. Ihr Vater ist Schreiner und hat ihnen versprochen ihren großen Traum in die Tat umzusetzen. Sie bauen gemeinsam auf der großen Eiche in ihrem Garten ein Baumhaus.
Zusätzlich ist die Freude groß als in das verfallene Nachbarhaus tatsächlich eine junge Familie einzuziehen scheint. Und obwohl sich Paula und Ruben sehnlichst einen neuen Freund wünschen, folgt der anfänglichen Begeisterung schnell die Ernüchterung. Denn ohne sie zu fragen, bindet ihr Vater den neuen Nachbarsjungen mit in ihr Baumhausprojekt ein. Viel mehr als es den Kindern lieb ist. Und so kommt es, wie es kommen muss. Bockig, beleidigt und sich zurückgesetzt fühlend, geht vor allem Ruben zuerst auf Abstand, Konfrontation und Ignoranz. Irgendetwas stimmt nicht mit diesem Jungen. Er ist anders. Und warum sollte gerade er seine Freundschaft verdient haben?

Doch dann entdecken die Kinder eine Schatzkarte und machen sich gemeinsam auf die Suche. Aus der Not eine Tugend machend, überzeugt Marc mit ungeahnten Fähigkeiten und Talenten und die entwickelte Geheimsprache wird nicht nur einmal zum "Retter in der Not". Das dann auch noch ein stadtbekannter Juwelendieb aus dem Gefängnis entlassen wird und unverhältnismäßig oft in der Nähe der Kinder auftaucht, verspricht Spannung und jede Menge Abenteuer.

Was mir besonders gut gefallen hat, ist, dass mit Marc ein Junge in die Geschichte integriert wird, der anders ist. Er ist schwerhörig und trägt Implantate. Außerdem beherrscht er die Gebärdensprache, die im Buch explizit thematisiert wird. Von den Kindern als Geheimsprache genutzt, findet man am Ende des Buches das deutsche Fingeralphabet und einige Handzeichen. So kann man die jungen Leser neugierig machen, auf unbekannte Dinge und ihnen so die Angst nehmen. Denn oftmals bereitet Unbekanntes Angst und macht unsicher. Deshalb werden Kinder mit Besonderheiten und Behinderungen nicht selten im Alltag und in der Schule ausgegrenzt. Hier den Gedanken der Inklusion spielerisch in die Geschichte zu integrieren, finde ich fantastisch.
Auch der Glaube an Gott wird ganz nebenbei im Buch angesprochen, jedoch ohne belehrend und missionieend zu wirken. Das hat mir auch sehr gut gefallen.

Das Buch im Taschenbuchformat wurde als (kleines) Hardcover 2018 im Francke-Verlag veröffentlicht. Es ist hochwertig verarbeitet und überzeugt mit einem wunderschönen Cover. Man sieht Paula, Ruben und Marc mit der gefunden Schatzkiste und der Schatzkarte, wie sie gerade versuchen das Rätsel um den Fundort zu lösen.
Das farbige Cover und die schwarz-weiss-Bilder im Buch stammen von Raphael Bräsecke.
Der Schreibstil der Autorin Andrea Bleiker ist leicht und flüssig zu lesen. Er ist kindgerecht und einzig eine größere Schrift hätte für mich das Leseerlebnis komplett abgerundet.
Auch der Preis von 9,95 Euro ist super.


Fazit:
Ein spannendes Kinder- und Jugendbuch für Kinder ab 8/9 Jahre, dass ein Abenteuer geschickt mit (christlichen) Werten wie Freundschaft, Zusammenhalt und Toleranz verknüpft. Ganz ohne dabei belehrend zu wirken. Eine gelungene Unterhaltung die kleine und große Leser bestimmt zu schätzen wissen.