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Benutzername: dg9tm
Wohnort: Dossenheim
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Danksagungen: 5 (erhaltene)


Bewertungen

Insgesamt 38 Bewertungen
Bewertung vom 14.09.2015
Die Lilie von Bela Vista
Lott, Sylvia

Die Lilie von Bela Vista


ausgezeichnet

Josie Wagner glaubt, mit Ende dreißig ihr Leben im Griff zu haben. Bis zu jenem Tag, an dem sie ein Schreiben von der Bank erhält. Darin wird sie aufgefordert, eine fällige Summe für ein Schließfach zu bezahlen. Nur von welchem Schließfach ist da die Rede?

Josie begibt sich zur Bank, um das herauszufinden und stellt dabei fest, dass sie ein wertvolles Amethystcollier mit dazu passenden Ohrgehängen und einem Bild einer Frau geerbt hat. Der begleitende Brief von ihrer verstorbenen Tante wirft mehr Fragen auf, als er eigentlich erklärt.

Während Josies Lebensgefährte schon anfängt, das Geld aus dem Verkaufserlös des Colliers zu verplanen, interessiert sich Josie immer mehr für die Geschichte, die hinter dem Collier steht. Ehe Josie es sich versieht, öffnet sich ihr die wundervolle Welt der Edelsteine und sie begibt sich auf die Suche nach einer fast vergessenen Familientragödie.

Die Geschichte gliedert sich in zwei Handlungsstränge. Im ersten Handlungsstrang begleitet der Leser Josie auf ihrer Suche nach der Geschichte zu dem Collier und ihrer Ahnin Sophie, der das Collier einst gehört hat. Der andere Handlungsstrang widmet sich eben jener Sophie, die 1827 in Idar gelebt und in Karl, der bald darauf nach Brasilien auswanderte, verliebt gewesen war.

Für mich war es das erste Buch von Sylvia Lott. Sehr schnell fand ich Zugang zur Geschichte und den beiden Hauptprotagonisten. Mit viel Herzblut beschreibt die Autorin die Lebensgeschichte zweier starker Frauen so plastisch, dass man regelrecht in die Geschichte eintauchen kann. Neben der Geschichte der beiden Frauen, erfährt der Leser aber auch noch viel Interessantes zur Geschichte Idar-Oberstein, den Edelsteinen, der Suche und Bearbeitung derer und der Auswanderungswelle der Deutschen nach Brasilien. Diese Informationen werden so geschickt in den Lauf der Geschichte eingewebt, dass der Leser diese Informationen nebenbei mitnimmt und sich erst nach und nach bewusst wird, was er dabei an neuem Wissen aufgenommen hat. Mich konnte die Autorin mit diesem Wissen für Idar-Oberstein und Edelsteine im Allgemeinen derart begeistern, dass ich demnächst wieder mal einen Ausflug nach Idar-Oberstein plane.

Die Charaktere sind sehr facettenreich und plastisch. Als Leser erhält man schnell ein Bild von ihnen, aber auch die Umgebung, in der die Geschichte spielt wird sehr farbenprächtig im Kopfkino heraufbeschworen. Bald schon findet man sich im Dschungel Brasiliens wieder und hört die typischen Geräusche eines Regenwaldes. Die Spannung im Buch steigt, nicht zuletzt durch den fortwährenden Perspektivenwechsel stetig an, bis ich das Buch am Höhepunkt einfach nicht mehr aus der Hand legen mochte und so die Nacht zum Tag machte.

Fazit:
Auch wenn es für mich das erste Buch von Sylvia Lott war, so bin ich mir nach dieser Lektüre sicher, es wird definitiv nicht dabei bleiben. Einzig das Cover will nicht so recht zu der farbenfrohen und spannenden Geschichte passen.

Bewertung vom 21.08.2015
Herr Petermann und das Triptychon des Todes
Böhm, Michael

Herr Petermann und das Triptychon des Todes


ausgezeichnet

Bereits im ersten Band wollte sich Dr. Leo Petermann, Gründer und Chef des Software-Konzerns „Pythagoras“, aus dem aktiven Berufsleben zurückziehen. Zusammen mit seiner Lebensgefährtin wollte er in der bayrischen Abgeschiedenheit ruhige Tage verleben. Doch es sei ihm nicht gegönnt.

Auf einem Kongress in Wien, bei dem Petermann eine Rede halten soll, tritt sein alter Kompagnon an ihn heran. Er habe Angst und bittet Petermann um Hilfe, denn das dubiose Versicherungsunternehmen Cautio scheint Versicherungen zu verkaufen, die bei Todesfall selbst als Erben auftreten. Dabei kommen die Versicherungsnehmer scheinbar auf natürliche Weise ums Leben. Aber so ganz glaubt der Kompagnon von Petermann dies nicht.

Tatsächlich nimmt sich Petermann der Sache an und deckt tatsächlich einige Todesfälle auf. Als Petermann feststellt, dass auch sein Vater bei diesem Versicherungsunternehmen eine Versicherung abgeschlossen hat, arbeitet die Zeit gegen ihn…

Das Buch ist die Fortsetzung von „Herrn Petermanns unbedingter Wunsch nach Ruhe“ aus dem Jahre 2013. Beide Bücher sind zwar eigenständig, jedoch freut man sich, wenn man Herrn Petermann nach so langer Zeit wiedersieht.

Aber zunächst muss sich der Leser umgewöhnen. Im Gegensatz zu anderen Büchern, verzichtet der Autor auf Dialoge und schreibt alles aus der Sicht von Herrn Petermann. Das erfordert eine Umstellung und bremst den Lesefluss erst einmal aus. Eine Umstellung jedoch lohnt sich, denn zeitgleich verfügt der Autor über die Gabe sprachlich nicht nur ein sehr gutes Deutsch zu schreiben, sondern den Leser mit dem ungewohnten Stil an das Buch zu binden.

Auch die Landschaftsbeschreibungen sind sehr schön ausgeführt und lassen das Kopfkino lebendig und farbenfroh werden, was wunderbar zu de, gewählten Cover passt. Leider ist das Ende sehr abrupt gekommen. Mir war es im Vergleich zum Tempo des restlichen Buches deutlich zu schnell, obwohl die Spannung bis zuletzt gehalten werden konnte. Auch konnte ich die Lösung des Falls nicht ganz überzeugen.

Fazit:
Trotzdem habe ich das Buch gerne lesen, vor allem, nachdem ich die Anfangsprobleme hinsichtlich des ungewohnten Schreibstils überwunden hatte. Gerade sprachlich ist das Buch eine schöne Herausforderung, die mir sehr gut gefallen hat.

Bewertung vom 21.08.2015
Falsche Fährten / Nicolas Eichborn und Helen Wagner Bd.2
Gerling, V. S.

Falsche Fährten / Nicolas Eichborn und Helen Wagner Bd.2


ausgezeichnet

Nachdem Nicolas Eichborn nur knapp dem Tod entrungen ist, wartet auch schon ein neuer Fall auf ihn. Zusammen mit seiner Kollegin, der Fallanalytikerin Dr. Helen Wagner wollte Eichborn eigentlich nach einem Urlaub in Mexiko wieder an den heimischen Schreibtisch in Berlin zurückkehren. Aber Schreibtischarbeit ist einfach nichts für ihn und so ermittelt er schon bald in Mordfällen, die seltsamerweise pensionierte Ärzte mit jüdischen Namen aus der ehemaligen DDR betreffen. Die Mordserie scheint aber nicht nur Berlin zu betreffen, auch in anderen Städten werden pensionierte Ärzte umgebracht. Die Morde scheinen nicht zusammen zu passen, denn die Morde erfolgen nach keinem bestimmten Schemata.

Eichborn fühlt sich herausgefordert und macht sich auf die Suche nach dem oder den Mörder(n). Dabei stellt er fest, dass nicht nur Amateure, sondern auch Profikiller wohl am Werk sind. Aber wer steckt dahinter und was haben die Pharmaunternehmen damit zu tun?

Bei dem Buch handelt es sich um den zweiten Teil von V.S. Gerling mit dem Duo Eichborn/Wagner. Die beiden Ermittler, die sich im ersten Teil schon nahe kamen, sind mittlerweile ein Paar geworden. Daher verwundert es mich wenig, dass die beiden ihren Spaß miteinander haben, woran auch der Leser Teil haben darf. Obwohl die Geschichte wieder ein sehr spannender, fesselnder Thriller ist, dem es nicht an Toten mangelt, kommen auch viele witzige und sarkastische Dialoge im Text vor. Diese heitern zum einen den Text etwas auf und geben dem Leser ein wenig Raum zum Verschnaufen und Schmunzeln.

Neben den bekannten Hauptpersonen, führt Gerling auch einige Nebenfiguren ein, welche er gut herausarbeitet und farblich darstellt. Wer den ersten Teil gelesen hat, der freut sich über das Wiedersehen mit Eichborn und Wagner, aber auch Neulinge kommen mit dem Buch zurecht, benötigt man die Kenntnisse des ersten Bandes nicht zwangsläufig und auch die Protagonisten werden hier ausreichend eingeführt und bildhaft beschrieben. Dabei erscheinen sie nicht etwa steif und unnahbar, wie ich das schon in einigen Büchern erlebt habe, sondern sie sind menschlich dargestellt und durch die witzigen Dialoge kommt neben der Spannung auch ein gewisser humoristischer Unterhaltungsfaktor zum Tragen.

Fazit:
Gerlings Schreibstil weiß den Leser ans Buch zu fesseln. Es fällt einem schwer, die Protagonisten allein zu lassen und man greift schnell wieder nach dem Buch, um der Geschichte weiter folgen zu können. Viel zu schnell ist der Fall gelöst und die beiden Ermittler warten, wie auch der begeisterte Leser, auf den nächsten Fall, der hoffentlich bald erscheinen wird.

Reihe:
1. Das Programm
2. Falsche Fährten

Bewertung vom 10.08.2015
Holunderherzen
Janson, Brigitte

Holunderherzen


ausgezeichnet

Anne ist am Boden zerstört. Wieder ging eine ihrer Beziehungen in die Brüche. Scheinbar gerät sie nur an schwache Männer, die mit einer starken Frau wie Anne nichts anfangen können. Dabei ist Anne doch nur selbstständig, hat sich ihren eigenen kleinen Laden aufgebaut und überstützt sogar ihre Eltern damit.
Als dann aber ihre Tante Tilly mit dem verrückten Mops nach Hamburg kommt, sieht Anne ihre Chance auf eine Veränderung gekommen. Kurz entschlossen, reist sie ihrer Tante, die als das schwarze Schaf in der Familie verschrien ist, hinterher. An einer Steilküste an der Ostsee hat ihre Tante ein kleines Ökodorf gegründet, welches mittlerweile verlassen ist, da es niemand sehr lange mit ihrer Tante aushält.
Aber genau das braucht Anne jetzt, ein wenig Veränderung in ihrem Leben und bald schon überschlagen sich die Ereignisse…

Wie auch schon bei Winterapfelgarten hat mich Brigitte Janson verzaubert. Dieses Mal nicht mit Winteräpfel, sondern mit Holunder. Anne entdeckt bald, was man aus den Früchten dieser Pflanze alles zaubern kann und so gerät nicht nur Anne ins Schwärmen und Träumen, sondern dem Leser läuft zusätzlich noch das Wasser im Mund zusammen.
Aber die Geschichte beschränkt sich nicht nur auf Anne, den Holunder und das Holunderdorf. Auch Tilly und ihre Sorgen stehen im Vordergrund, wobei sich der Gesundheitszustand von Tilly bald schon verschlechtert und man selbst als Leser sich Sorgen um Tilly macht.
Ihren Mops dagegen schließt man auf der einen Seite ins Herz, auf der anderen ist man froh, dass er zwischen den Buchdeckeln bleiben muss. Ich bin sicher, mir würde er auch schnell an der Wade hängen und darauf kann ich getrost verzichten.

Der leichte, aber zeitgleich witzige Schreibstil der Autorin treibt die Geschichte noch zusätzlich voran. Mit viel Wortwitz fängt Anne wieder an zu leben und zu lieben, aber auch gerade bei der Liebe musste ich nicht selten grinsend den Kopf schütteln.

Brigitte Janson zeigt in diesem Buch auch, dass man die Hoffnung nicht aufgeben soll und man auch Verständnis mitbringen muss für Menschen in einer speziellen Situation. Das ist dann der eher traurige Anteil an diesem Buch, der mich doch sehr berührte.

Fazit:
Ein wunderbares Buch, das die vielen Facetten, die das Leben tagtäglich bietet, dem Leser zwischen zwei Buchdeckeln näher bringt und ihm zeigt, dass immer noch ein Fünkchen Hoffnung in allem steckt.

Bewertung vom 05.08.2015
Wenige sind mir mehr
Bierschenck, Burkhard P.

Wenige sind mir mehr


ausgezeichnet

Der Journalist, Schriftsteller und Verleger Burkhard P. Bierschenck legt mit dem Buch „Wenige sind mir mehr“ seinen neusten Gedichtband vor. Nun ist Lyrik nicht so mein Steckenpferd, doch je nach Stimmungslage und persönlichen Lebenssituationen, greife ich dann doch mal zu dieser Art von Büchern und vertiefe mich in die Gedanken anderer.

Die Thematik in diesem Buch spiegelt vor allem zwei wichtige Themen bzw. Ereignisse im Leben des Autors wider. Zum einen versucht der Autor den Verlust seiner Tochter mit Hilfe von Gedichten zu verarbeiten, zum anderen bietet er seiner Wut und Verzweiflung über Kriege, Folter und biedermännischer Dummheit mancher Menschen mit Hilfe seiner Gedichte eine besondere Art des Ausdrucks.

Zwar handelt es sich bei dem Buch nur um ein kleines, broschiertes Taschenbuch mit 71 Gedichten, inhaltlich steckt jedoch viel mehr darin. Gerade die Gedichte, die sich mit Schmerz, Tod und Trauer beschäftigen, sind sehr persönlich und gehen mir selbst sehr nahe. Ich kann den Autor hier sehr gut verstehen, da ich selbst einen geliebten Menschen verloren habe und bis heute mit der Verarbeitung kämpfe.

Aber auch die anderen Gedichte gehen einem Nahe, wobei diese mich eher zum Nachdenken anregten und gewiss den ein oder anderen Leser auch aufrütteln sollen.

Die Gedichtsammlung umfasst einen Zeitraum von 1990 bis 2015, wobei recht viele aus dem Jahr 2004 stammen. Manche Gedichte sind sehr kurz, nur wenige Zeilen lang. Andere dagegen gehen über zwei Seiten. Mit Ganimed 2 (S. 75), das er 2007 geschrieben hat, erlebt das ursprüngliche Gedicht Ganimed (S. 74) von 1990 eine Wiederbelebung und Aktualisierung. Wobei man auch erkennen kann, dass trotz der langen Zeit, die zwischen den beiden Gedichten liegt, die Thematik sich nicht allzu sehr verändert hat und die ursprüngliche Fassung immer noch Bestand hat.

Fazit:
Mit sehr persönlichen, aber auch aktuellen Gedichten, konnte mich der Autor für sich gewinnen. Seine Gedanken weiß er ebenso auszudrücken, wie Kritik auf eine sehr überzeugende Art kurz und knapp zu üben. Ein Buch, das man selbst gerne im Bücherschrank stehen hat oder als Geschenk an liebe Menschen weiterreichen mag.

Bewertung vom 01.08.2015
Fehltritt mit Folgen
Alge, Daniela

Fehltritt mit Folgen


ausgezeichnet

Der bekannte Bizauer Künstler Sepp wird tot unterhalb des Hirschberg Grates aufgefunden. Kommissar Reinhold Waldinger übernimmt den Fall und kommt schnell zu dem Ergebnis, dass jemand nachgeholfen haben muss. Aber wer? Motive findet er nach einigen Nachforschungen genug.
Viele im Ort hätten Grund gehabt, Sepp aus dem Weg zu räumen, aber wer war es tatsächlich gewesen? Doch noch während Waldinger ermittelt, stirbt ein weiterer Mann in Bizau. Ein Zufall? Oder hängen die beiden Todesfälle irgendwie zusammen?

Nach „Kathrinatag“ ist dies das zweite Buch der Autorin Daniela Alge mit dem Kripobeamten Reinhold Waldinger. Ich selbst kenne den ersten Band (noch) nicht und kann daher sagen, dass man ihn zum Verständnis des zweiten Buches nicht braucht. Dennoch interessiert mich, was Waldinger schon erlebt hat und wie er sich entwickelt hat. Von daher werde ich wohl einen Blick auf den ersten Band werfen.

Im zweiten Band lernte ich daher Waldinger neu kennen. Er ist ein sehr gewissenhafter Kommissar, der sich durch Ermittlungen und Befragungen, langsam aber sicher dem Täter nähert. Als Leser begleitet man Waldinger, so dass man ihn nicht nur bei der Arbeit beobachten kann, sondern auch seine Familie und seine Sorgen und Nöte nach und nach kennenlernt. Dies vervollständigt das Bild und macht den Kommissar plastisch und nahbar.

Durch die ganzen Ermittlungsstände und Einblicke in die Überlegungen von Waldinger, wird der Leser regelrecht dazu aufgefordert, selbst mitzudenken und sich selbst seine Gedanken zu machen, wer könnte der Täter gewesen sein und aus welchem Grund.

Neben einigen schönen Landschaftsbeschreibungen, haben mir vor allem die Dialoge sehr gut gefallen. Natürlich musste ich mich zunächst an den verwendeten Dialekt gewöhnen, der dem Buch noch zusätzlich einen gewissen regionalen Touch gibt. Doch kaum war dies geschehen, stieg nicht nur die Spannung, sondern auch der Lesefluss weiter an.

Fazit:
Wer Bücher mit Lokalkolorit liebt, sollte hier zugreifen, denn vor einer imposanten Alpen-Kulisse kann man nicht nur wunderbar Urlaub machen, sondern sich mit einem sympathischen Kommissar auf Tätersuche begeben.

Reihe:
1. Kathrinatag
2. Fehltritt mit Folgen

Bewertung vom 01.08.2015
Karl, das Kind ist weg!
Schuler, Bettina

Karl, das Kind ist weg!


ausgezeichnet

Eltern sind peinlich! Das weiß jeder Teenager und schwört sich, es später einmal besser zu machen.
Doch was passiert, wenn man selbst später auf einmal ein Elternteil wird?

Bettina Schuler hat sich auf die Suche nach wahren Geschichten aus dem Erziehungsalltag begeben und dabei festgestellt, dass Eltern nicht perfekt sind, aber auf ihre Art dann doch wieder einmalig super.

Das Buch stellt eine Sammlung von Kurzgeschichten dar. Inwieweit es sich dabei um tatsächlich wahre Geschichten handelt, kann ich nicht nachvollziehen. Jedoch könnte ich mir durchaus vorstellen, dass die Geschichten so oder in ähnlicher Art geschehen sein könnten.

Bettina Schuler hat die Geschichten thematisch sortiert, so dass man sieben Kapitel in dem Buch vorfindet. Interessant ist hierbei, dass die sieben Kapitel die sieben Todsünden (Hochmut, Habgier, Neid, Zorn, Wollust, Selbstsucht und Trägheit) widerspiegeln.

Jedes Kapitel beinhaltet zwei bis vier Kurzgeschichten, so dass es am Ende 19 verschiedene Geschichten sind. Bettina Schuler führt zunächst kurz thematisch in das jeweilige Kapitel ein und lässt dann die Eltern zu Wort kommen. Vor jeder Geschichte bekommt man einen guten autobiographischen Hinweis zum Verfasser des Textes, kennt aber nicht den kompletten Namen oder weitere Details. Somit ist das Buch weitestgehend anonym gehalten.

Da die Geschichten in sich abgeschlossen sind und keinen Bezug zueinander haben, eignet sich das Buch hervorragend zum darin stöbern, schmökern oder komplett in einem Rutsch durchzulesen. Ich selbst habe es immer wieder hervorgeholt und somit über die Zeitspanne von einem Monat dann nach und nach gelesen gehabt. Für frischgebackene Eltern ist das Buch daher hervorragend geeignet. Der neue Erdenbürger fordert sehr viel Zeit ein, aber für eine kleine kurze und dabei auch meist sehr amüsante Geschichte, bleibt dann doch noch Zeit.


Viele der Geschichten sind frisch und frei von der Seele geschrieben, was man ihnen auch anmerkt. Dadurch spürt man deutlich das Augenzwinkern, was der Autor oder die Autorin beim Schreiben hatte. Manches Mal hätte ich gerne mehr von der Familie erfahren und ihren Kampf im Erziehungsalltag weiter verfolgt.

Fazit:
Für frischgebackene Eltern ein kleiner Trost, dass nicht immer alles so klappt, wie man es möchte oder sich vorstellt. Für andere Leser eine humorvolle Unterhaltung und ein kleiner Einblick, welche Facetten das Elterndasein bietet.

Bewertung vom 31.07.2015
Multiversum
Mattfeldt, Petra

Multiversum


ausgezeichnet

Tom Stafford lebt bereits seit sechs Jahren bei seiner Großmutter, nachdem seine Eltern von einem Segeltörn nicht mehr zurückgekehrt sind. Obwohl man ihre Leichen nicht gefunden hat, geht man davon aus, dass sie ertrunken sind und nicht mehr leben.

Tom vermisst seine Eltern sehr und gerade als junger Teenager würde er sie sehr brauchen. Doch dann wird eines Tages eine antike Schatulle aus dem Meer gefischt. Der Inhalt ist mehr als mysteriös, denn die Schatulle beinhaltet eine Nachricht seiner todgeglaubten Eltern. Angeblich leben sie, nur wüssten sie nicht wo sie sind und wie sie wieder zurückkehren können.

Gemeinsam mit seiner Großmutter Mary sucht Tom den als sonderbar verschrienen Professor Steiner auf. Zusammen mit ihm begibt sich Tom auf eine abenteuerliche Suche, die ihn nicht nur zurück ins Mittelalter, sondern in eine ganz andere Welt führt.

Die Autorin hat mit diesem Roman etwas gewagt, was schon an den Bereich der Science-Fiction Literatur grenzt. Der Grundgedanke ist sehr interessant, hat mich auch gleich fasziniert. Petra Mattfeldt schaffte es, mich mit der Geschichte nicht nur zu faszinieren, sondern auch zum Mit- und Nachdenken anzuregen. Was wäre, wenn ihre Theorie tatsächlich existieren würde?

Die Handlungen sind logisch und nachvollziehbar. Die Spannung ist nach einem ruhigen Einstieg schnell sehr hoch und bleibt dem Leser bis zur letzten Seite erhalten. Das offene Ende bietet Potenzial für eine oder sogar mehrere Fortsetzungen, so dass ich mir durchaus vorstellen kann, dass die Autorin aus dem Pilotbuch eine ganze Reihe um Tom und die anderen Protagonisten machen könnte.

Die Protagonisten werden nach und nach in die Geschichte eingeführt und man hat als Leser genügend Zeit, sie alle in Ruhe kennen zu lernen. Dabei bleiben die Protagonisten nicht starr, sondern entwickeln sich, zeigen Schwächen, Ecken und Kanten und werden ganz allmählich dem Leser sympathisch und vertraut.

Schon von früheren Werken der Autorin war mir bekannt, dass man, kaum hat man angefangen zu lesen, man sofort mitten drin war und Teil der Geschichte wurde. So auch hier. Es tat mir richtig Leid, Tom und die anderen wieder verlassen zu müssen, doch hoffe ich auf ein baldiges Wiedersehen.

Fazit:
Ein spannender Roman, der nicht nur jugendliche Leser für sich begeistern wird.

Bewertung vom 30.07.2015
Freundschaftsdienst
Roth, Franz X.

Freundschaftsdienst


gut

Ann-Charlotte Gruber, genannt Charlie, ist die Ehefrau eines Starorthopäden und geht sehr gerne in Swinger-Clubs. Überhaupt lebt sie gerne sehr freizügig, was nicht jedermanns Geschmack ist.

Als sie eines Abends den Zahnarzt Bernie Faulhuber kennenlernt, kommen die beiden sich im Club, aber auch außerhalb schnell näher. Doch dann ist Charlie plötzlich tot und Bernie soll der Täter gewesen sein.

Im mittlerweile dritten Roman von Franz Xaver Roth ist wieder der Spürsinn von Franz Luginger, dem Wirt des „Hammer-Eck“, gefragt. Ausgerechnet einer seiner Stammgäste wird des Mordes verdächtigt. Das kann Franz Luginger so nicht stehen lassen und stellt selbst Ermittlungen an, die Dinge ans Licht bringen, welche man so nicht erwartet hätte.

Es war für mich das erste Buch aus dieser Reihe und von Franz Xaver Roth. Obwohl ich die beiden vorherigen Bände nicht kannte, fand ich mich doch gut in der Geschichte zurecht, da es sich um einen in sich abgeschlossenen Fall handelt.

Das Buch liest sich recht leicht und flüssig. Die Spannung war nicht sonderlich hoch, dafür konnte man es schnell lesen und hatte dadurch einen gewissen Unterhaltungswert. Die Geschichte ist leider sehr sexlastig, was vor allem an der ermordeten Protagonistin liegt. Diese geht gerne in Swinger-Clubs und lebt ihre Neigungen in vollem Maße aus.

Die restlichen Protagonisten laufen eher mit, man merkt keine deutliche Entwicklung, wobei die Kommissarin mir zudem recht blass und unscheinbar vorkam.

Insgesamt hätte ich mir anhand des Klappentextes und des doch sehr ansprechenden Covers etwas mehr von der Geschichte versprochen. Leider wurden diese Erwartungen nicht ganz erfüllt.

Fazit:
Eine kurzlebige, dafür leicht zu lesende Geschichte, die mir allerdings nicht lange im Gedächtnis bleiben wird.

Reihe:
1. Böser Mann
2. Falscher Mann
3. Freundschaftsdienst