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Benutzername: Pan Tau Books - Ein Buchblog
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Insgesamt 88 Bewertungen
Bewertung vom 05.12.2018
Es beginnt mit einem Blick / Redwood Love Bd.1
Moran, Kelly

Es beginnt mit einem Blick / Redwood Love Bd.1


ausgezeichnet

Redwood Love – Es beginnt mit einem Blick von Kelly Moran ist unter Bloggern derzeit Gesprächsthema Nr. 1. Die wunderbare Liebesgeschichte zwischen der 28-jährigen Avery, die Mutter einer autistischen Tochter ist, und ihrem Chef, dem attraktiven Tierarzt Cade, vereint alles, was man fürs Herz braucht: Sie ist liebevoll, romantisch, sexy und unterhaltsam. Redwood Love – Es beginnt mit einem Blick ist der phänomenale Reihenauftakt der Redwood Love-Trilogie aus dem Rowohlt Polaris Verlag, erschienen unter der Verlagsmarke KYSS.

Inhalt

Avery will ihre desaströse Ehe hinter sich lassen und zieht mit ihrer autistischen Tochter Hailey in das malerische Städtchen Redwood in Oregon. Obwohl Avery außer ihrer Mutter niemanden in Redwood kennt, sind sie und Hailey bald auf dem Instagram-Account des Städtchens Gesprächsthema Nr. 1. Denn womit Avery nicht gerechnet hätte, ist, dass sich der begehrteste Junggeselle der Stadt, der attraktive Tierarzt Cade, für sie zu interessieren beginnt. Avery weiß nicht, wie sie Cade wiederstehen kann, denn auch die Bewohner von Redwood wollen für sie beide unbedingt Amor spielen.

Meine Meinung

Erst einmal zum Setting. Redwood, Namensgeber der Bücher und Hauptschauplatz der Geschichte, ist ein kleines Städtchen in den USA. Hier wird Hilfsbereitschaft, Solidarität und soziales Miteinander noch groß geschrieben und Neuankömmlinge wie Avery und ihre Tochter Hailey herzlich willkommen geheißen. Schon allein das Setting weckt in dem Leser das Bedürfnis und die Sehnsucht nach genau einem solchen Ort, an dem Werte vermittelt werden und das Miteinander in der Gemeinschaft zählt, einem Ort an dem man sich wohlfühlen kann und den man ohne Kompromisse sein Zuhause nennen darf. Ich habe mich sofort in Redwood und seine liebenswerten Einwohner verliebt. Aber nicht nur das Sozialleben in Redwood ist außergewöhnlich, nein, das Städtchen ist auch malerisch, besteht aus Holzhütten, die im Schnee versinken und kleinen Tante Emma-Läden, die den ganzen Schauplatz des Romans unheimlich gemütlich machen.

Abgesehen von dem wunderbaren Setting hat mich die Figurenkonstellation des Romans sofort angesprochen. Avery und Cade sind die Protagonisten der Geschichte, doch sie sind umgeben von unglaublich sympathischen Charakteren, über die man hoffentlich im Laufe der Trilogie noch mehr erfahren wird. Drake und Flynn, Cades Brüder, führen gemeinsam mit Cade die Tierarzt-Praxis der Stadt, Sie sind auf ihre eigene Weise liebenswert und interessant, denn Flynn ist taubstumm und Drake ein Griesgram, dem das Schicksal übel mitgespielt hat. Tante Rose ist die Kupplerin der Geschichte und maßgeblich dafür verantwortlich, dass Avery und Cade sich kennenlernen. Tochter Hailey gibt Avery trotz ihrer Autismus-Erkrankung Halt und einen Sinn im Leben. Die Beziehung zwischen Mutter und Tochter ist herzerwärmend und gerade wegen der vielen Probleme, denen sie sich jeden Tag aufs neue stellen müssen, so inspirierend und schön.

Die Liebesgeschichte zwischen Cade und Avery ist genauso, wie man sie sich von einem guten Romance-Titel wünscht: sehr intensiv und gefühlvoll, dabei aber nicht zu sexy, sondern eher prickelnd, mitreißend und schön. Bei der Liebe zwischen den beiden sind auch beim Leser Schmetterlinge im Bauch vorprogrammiert. Und was mich noch mehr an diese Geschichte gefesselt hat, war, dass die Gefühle der Protagonisten, ihre Zweifel, ihr Frust und ihre Liebe sehr authentisch wirkten und nicht überheblich oder inszeniert. Wofür die Community KYSS von Rowohlt Polaris steht, sind Romance-Titel mit Happy End. Und das ist es, was mir auch an diesem Titel so gut gefällt. Natürlich ist das Ende bereits nach wenigen Seiten klar, trotzdem waren die Handlungsstränge so vielseitig und spannend, dass man das klare Ziel der Geschichte vergisst, einfach weil man so tief in ihr drin steckt.
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Bewertung vom 05.12.2018
Als der Weihnachtsmann vom Himmel fiel
Funke, Cornelia

Als der Weihnachtsmann vom Himmel fiel


ausgezeichnet

Als der Weihnachtsmann vom Himmel fiel ist ein Buch, das ich jedes Jahr in der Vorweihnachtszeit lese. Cornelia Funkes unglaubliches Gespür dafür, wunderbar mitreißende Kindergeschichten zu schreiben, fasziniert mich beim Lesen dieses Buches immer wieder aufs Neue. Die Geschichte von Julebukk, seinem verschwundenen Rentier und dem bösen Waldemar Wichteltod bedeutet für mich unmittelbare Vorfreude auf Weihnachten und ist für mich gleichzeitig wie ein langersehntes nach Hause kommen. Wer bereits Kinderbücher von Cornelia Funke kennt, und von ihrem Schreibstil und ihrer Fantasie begeistert war, der wird dieses Buch lieben!

Die Nebenstraße einer Kleinstadt ist Schauplatz dieser wunderbaren Geschichte. Denn hier passiert in einer Nacht etwas sehr Ungewöhnliches: Ein Wohnwagen fällt vom Himmel mitten auf die Straße und in ihm wohnt ein sonderbarer Mann. Wie immer in ihren Geschichten hat Cornelia Funke sich auch diesmal ein ganz besonderes Setting ausgedacht: Ein geheimnisvoller Wohnwagen (wer kennt ihn schon aus Die Wilden Hühner?), der voller Wunder und Überraschungen steckt, von innen viel größer ist, als er von außen scheint, der als Übergang in die Weihnachtswelt dient, eine Wichtel-Werkstatt beinhaltet und gleichzeitig gemütliche Heimat wunderbarer Figuren ist. Ihr merkt, ich liebe diesen Wohnwagen und seine wundersamen Bewohner! Was würde ich dafür geben, selbst einmal in den Genuss eines gemütlichen Nachmittags in Julebukks Wohnwagen zu kommen, in dem es nach Keksen duftet und in dem das Hämmern der Wichtel aus der Werkstatt dringt.

Ich liebe jede einzelne Figur in dieser Geschichte! Besonders Julebukk wächst dem Leser ans Herz, denn er ist herzensgut, selbstlos und sanftmütig. Und dabei ist Julebukk eigentlich so gar nicht, wie man sich einen Weihnachtsmann vorstellt. Er hat keinen Rauschebart oder dicken Bauch und vom "Ho, ho, ho"-Rufen hält er ebenso wenig. Dafür weiß Julebukk, wie man Kinderträumen lauscht und die geheimsten Wünsche der Kinder erfährt, wie man kleine Überraschungen in die Vorgärten der Menschen streut und Miniaturgeschenke auf wundersame Weise zum Wachsen bring. Auch mit den beiden Kindern Ben und Charlotte können sich junge Leser besonders gut identifizieren, denn beide haben ihre Eigenarten und Problemchen: Ben ist nicht schlagfertig und redet wenig. Charlotte ist neu in der Stadt und hat noch keine Freunde. Toll ist, dass beide Kinder Freunde werden, ohne dass sie es selbst erwartet hätten.

Obwohl ich die Geschichte inzwischen fast auswendig kenne, ist es für mich jedes Jahr aufs neue toll, mich in die fantastische Weihnachtswelt Cornelia Funkes entführen zu lassen. Zur Handlung möchte ich daher nicht mehr verraten, außer dass sie wunderschön ist, dabei witzig, unterhaltsam und spannend. Vor allem der gefährliche Gegenspieler Julebukks, Waldemar Wichteltod, und dessen furchteinflößende Nussknacker laden die Geschichte gehörig mit Spannung auf und reißen Leser jeder Altersstufe mit.

Als der Weihnachtsmann vom Himmel fiel ist eine wunderbar spannende Weihnachtsgeschichte, die zeigt, dass echte Freundschaft dann entsteht, wenn man sie am wenigsten erwartet. Gräbt man ein wenig tiefer, kann das Buch als Kritik an der Kommerzialisierung von Weihnachten verstanden werden, in der die Geschenke und die Ausgaben immer größer werden und die wahre Botschaft einer Weihnachtsüberraschung verloren geht. Eine Geschichte, die verzaubert, die förmlich nach Tannennadeln und Keksen duftet und Weihnachtsstimmung garantiert. Ein Lieblingsbuch!
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Bewertung vom 25.10.2018
Die Gabe
Alderman, Naomi

Die Gabe


schlecht

Die Idee, eine Welt zu entwerfen, in der Männer von heute auf morgen zum schwächeren Geschlecht degradiert werden, hat mich besonders interessiert und ich war gespannt darauf, welche Auswirkungen die verschobenen Machtverhältnisse auf die Gesellschaft und das Miteinander der Menschen haben. Leider muss ich sagen, dass ich mich selten so sehr durch eine Geschichte gequält habe und ein oder zweimal sogar versucht war, das Buch abzubrechen.

Erzählt wird die Geschichte alternierend aus den Perspektiven von Roxy, Allie, Margot und Tunde – vier Figuren, die, wenn überhaupt, nur in einigen wenigen Szenen etwas miteinander zu tun haben. Gemein haben sie, dass sie von der aufkommenden Gabe entweder direkt betroffen sind und sie besitzen (wie Roxy, Allie und Margot), oder, wie im Fall von Tunde, von ihr besessen sind. Der Leser folgt den Figuren über einen Zeitraum von zehn Jahren hinweg, in denen sich die Welt durch das Aufkommen der Gabe von Grund auf verändert. Leider hat die Autorin es nicht geschafft, mich über den langen Zeitraum hinweg für eine ihrer Figuren zu begeistern. Keine von ihnen taugte als Identifikationsfigur, keine von ihnen ist annähernd so angelegt, dass man mit ihr mitfühlt, ihre Motivation nachvollziehen kann oder ihre Geschichte weiterverfolgen möchte.

Auch verschuldet durch die Einteilung der Kapitel in Jahre, die heruntergezählt wurden, war die Handlung oft verworren und Zusammenhänge unverständlich. In jedem Kapitel konnte nur ein kurzer Blick auf die momentane Situation der Figuren geworfen werden. Darauf folgte dann wieder ein Zeitsprung, der plötzliche Schauplatzwechsel zur Folge hatte, die jedoch nicht angesprochen wurden und daher unglaublich verwirrten. Zu oft habe ich mich gefragt: Wo befindet sich die Figur gerade? Was ist in der Zwischenzeit passiert? Wie ist sie in diese Situation gekommen? Man hatte beim Lesen einfach permanent das Gefühl, dass wichtige Geschehnisse ausgelassen wurde, die der Handlung einen roten Faden verliehen hätte. Das fand ich sehr schade, denn die Geschichte an sich hat meiner Meinung nach großes Potenzial, das hier aber verschenkt wurde.

Die Entwicklung der Handlung hat mich ehrlich gesagt mehr als schockiert. Gerade in einem Zeitalter, in dem Frauen ihre Stimme erheben, ihrer Unterdrückung nicht länger tatenlos zusehen, Ungerechtigkeiten anprangern und körperliche Gewalt gegen sie öffentlich machen, ist die Aussage dieses Buches indiskutabel. Denn das, was die Autorin mit ihrem Roman sagen möchte, ist folgendes: Wenn Männer nicht mehr die Welt regieren und an ihrer Stelle Frauen herrschen würden, gäbe es nur Chaos, Gewalt, Vergewaltigung und Mord (alles seitens der Frauen). Indirekt schwingt die Aussage mit, dass diese Punkte unter der männlichen Weltherrschaft weniger häufig, gesitteter und weniger brutal stattfanden – was sie damit akzeptabler machen würde. Die Autorin bemüht sich in diesem Buch anhaltend, Frauen als diejenigen darzustellen, die ihre Macht mehr ausnutzen würden, als es Männer bereits tun. Nach Ansicht der Geschichte sind Frauen letztlich für das Leid auf der Welt verantwortlich.

Die Gabe von Naomi Alderman kann ich euch leider nicht empfehlen. Die Autorin beharrt meiner Meinung nach mit dieser Geschichte zu sehr darauf, die bestehenden Machtverhältnisse, nämlich die Herrschaft der Männer über die Welt, zu verherrlichen. Frauen werden in dieser Geschichte zwar dazu befähigt eine Gabe auszubilden, um zum stärkeren Geschlecht zu werden, jedoch geht die Welt ab diesem Zeitpunkt noch mehr vor die Hunde. Eine schockierende Entwicklung der Handlung, keine Identifikationsfiguren, verworrene Zeitsprünge und fehlende Erklärungen haben diesen Roman zu keinem Lesevergnügen gemacht.
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Bewertung vom 25.10.2018
Ein Sommer am See
Tamaki, Mariko; Tamaki, Jillian

Ein Sommer am See


gut

Ein 320 Seiten starker Comic über Teenies, die irgendwo zwischen dem Kind sein und Erwachsenalter hängen, sich selbst und die Welt um sie herum neu entdecken und dabei versuchen, einen Sommer wie jedes Jahr zu verbringen. Mich hat der Comic aufgrund seiner Tiefgründigkeit überzeugt, denn er verweilt nicht, wie so manch anderer Adoleszenzroman, an der pubertären Oberfläche der Figuren.

Rose ist die Protagonistin der Geschichte und ca. 15 Jahre alt. Dass sie langsam erwachsen wird und keine Lust mehr auf die Spiele mit ihrer Ferienfreundin Windy hat, die immer noch gerne Sandburgen baut, wird schon zu Beginn der Geschichte deutlich. Rose ist nachdenklich, lächelt wenig, kann die Probleme, die ihre Eltern haben und die sich unweigerlich auf sie übertragen, selbst in den Ferien nicht so leicht vergessen. Roses Gefühlswelt wird kaum angesprochen, trotzdem wird sie durch die aussagekräftigen Zeichnungen thematisiert, sodass man als Leser das Gefühl hat, genau zu wissen, was Rose gerade bedrückt und empfindet. Rose findet im Gegensatz zu ihrer Freundin auch Jungs gar nicht mehr so blöd wie früher und lauscht gespannt den Gesprächen der Teenies aus dem Dorf, in denen es oft um Sex geht. Dass sie viel reifer ist, als so mancher der Jugendlichen, zeigt sich auch daran, dass sie Themen wie Homosexualität, Adoption, Sex und Schwangerschaft ernst nimmt.

Rose muss in diesem Sommer nicht nur mit ihrer veränderten Gefühlswelt und Laune zurechtkommen, auch die Probleme ihrer Eltern wiegen schwer, denn der unerfüllte Wunsch ihrer Mutter nach einem zweiten Kind, zerstört zunehmend den Familienzusammenhalt. Ich habe den Konflikt zwischen Rose und ihrer Mutter mit sehr großem Interesse verfolgt, denn die Mutter vergiftet mit ihrer depressiven Stimmung die Ferien der Familie und gibt Rose gleichzeitig das Gefühl, als Einzelkind nicht auszureichen. Auch hier ist die Thematik sehr tiefgründig, denn auch Roses Vater sucht ein intensives Gespräch mit Rose und versucht ihr zu erklären, warum er die Familie eine Weile verlassen muss. Der Comic behandelt also einige schwierige Themen, die schon mal schwer auf einem Teenie-Gemüt lasten können, die hier aber toll aufgearbeitet werden.

Im Laufe der Geschichte ist schön dargestellt, wie die Interessen der beiden Freundinnen immer weiter auseinanderdriften und wie die beiden Mädchen jeweils damit umgehen. Während Windy die Jungs im Laden des Dorfes bescheuert findet, ihnen nachäfft und sich über sie lustig macht, kann Rose kaum den Blick von ihnen lassen, hängt ihnen an den Lippen und macht sich Gedanken über ihr Leben. Die Geschichte an sich läuft auf keinen grandiosen Höhepunkt hinaus, es geht vielmehr darum, einen einprägsamen Lebensabschnitt in der Entwicklung der Mädchen festzuhalten und durch großartige Zeichnungen zu visualisieren. Die Zeichungen des Comics sind sehr stimmungsvoll und ziehen den Leser in ihren Bann, obwohl sie ausschließlich in schwarzweiß gehalten sind.

Fazit & Bewertung
Ein Sommer am See ist eine Lektüre, die man so weglesen kann. Die Geschichte über zwei Mädchen, die in einem Sommer dem Erwachsenenleben ein Stück näher kommen, ist tiefgründig und einfühlsam. Auch wenn es keinen Höhepunkt und klaren Spannungsbogen gibt, ist die Geschichte so viel mehr: Sie ist still bedacht, magisch und mitreißend. Der Fokus liegt hier auf den detailreichen Zeichnungen, die sehr atmosphärisch sind und die Stimmung und die Gefühlswelt der Mädchen unglaublich gut einfangen.
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Bewertung vom 25.10.2018
Familie Maulwurf. Voll in Fahrt!
Beer, Hans de; Bos, Burny Bos, Burny

Familie Maulwurf. Voll in Fahrt!


gut

Familie Maulwurf. Voll in Fahrt! von Burny Bos und dem bekannten Kinderbuchillustrator Hans de Beer (Lars der kleine Eisbär) ist ein Vorlesebuch für Kinder ab vier Jahren. In mehr als vierzig kurzen Geschichten werden Einblicke in den abenteuerlichen Alltag der Familie Maulwurf gewährt. Mir haben die Themen der Geschichten sehr gut gefallen. Geburtstage, Jahreszeiten, Arztbesuche, Urlaube und Ausflüge machen den Alltag der Familie Maulwurf sehr aufregend und abwechslungsreich. Allerdings waren aufgrund der hohen Anzahl an Geschichten die einzelnen Handlungen selbst zum Vorlesen sehr kurz, sodass sich die Story in meinen Augen nicht wirklich entfalten konnte.

Meine Meinung

Familie Maulwurf. Voll in Fahrt! wollte ich unbedingt aufgrund der tollen Illustrationen von Hans de Beer lesen. Hans de Beers Kinderbücher über Lars den kleinen Eisbär haben meine Kindheit und vor allem meine Kindergartenzeit geprägt. Sie zählten zu den ersten Büchern, die ich überhaupt besessen habe und die wunderbaren Geschichten über den abenteuerlustigen Eisbären haben sich bis heute in mein Gedächtnis gebrannt. Auch diesem Kinderbuch merkt man an, wie viel Liebe und Zeit in die vielen Geschichten und tollen Illustrationen investiert wurde. Doch es sind auch nicht die Zeichnungen, die ich an diesem Kinderbuch kritisieren muss, sondern die selbst für das Alter der Zielgruppe viel zu knappen Geschichten, von denen ich mir etwas mehr erhofft hatte.

Doch erst möchte ich ein Lob aussprechen, für die alternative Ausrichtung des Kinderbuchs! Der Autor setzt mit seinen Geschichten ein Zeichen gegen das in Kinderbüchern doch immer noch weit verbreitete traditionelle Modell der Familie. Denn nicht Papa Maulwurf ist es, der arbeiten geht, sondern Mama Maulwurf und Papa Maulwurf kümmert sich unterdessen um den Haushalt und die Kinder. Schön ist auch, dass die Kinder Mats und Mia nicht in die konventionellen Geschlechterrollen Mädchen und Jungen gepresst werden, sondern dass es vorkommen kann, dass Mats die Puppe und Mia den Bagger zum Geburtstag geschenkt bekommen.

Jedes Familienmitglied der Maulwurfs ist etwas Besonderes. Oma Maulwurf sitzt zum Beispiel im Rollstuhl, ist aber noch ziemlich rüstig und bei jedem Schabernack der Kinder mit von der Partie. Papa Maulwurf ist der ungewollte Spaßvogel der Familie, denn nicht selten tritt er in Fettnäpfchen, hinterlässt Chaos und oder ist einfach tollpatschig. Die Kinder Mats und Mia haben auf jeden Fall eine Menge Spaß mit ihm und sind selbst sehr quirlig und kaum zu halten. Mir haben die einzelnen Charaktere der Geschichte sehr gut gefallen, sie sind je nach Situation ausgelassen, witzig oder ernsthaft und gestalten die Geschichten sehr lebendig.

Wie oben bereits angedeutet, ist jedoch jede der Geschichten recht kurz und inklusive Bildern nicht länger als drei oder vier Seiten. Auch wenn Kindergartenkinder nicht mit zu langen Geschichten überfordert werden dürfen und die Aufmerksamkeitsspanne ihres Alters bei der Länge von Geschichten bedacht werden muss, hatte ich hier den Eindruck, dass viele der Geschichten zu knapp waren, sogar oft abrupt abbrachen, wenn es am spannendesten war. Hier hätte man der Zielgruppe meiner Meinung nach schon mehr zutrauen können, indem man die Geschichten etwas verlängert, dafür aber auf ungefähr die Hälfte von ihnen verzichtet hätte. Wie man in den Zitaten schön sehen kann, ist aber die Sprache jedoch sehr gut den jungen Zuhörern angepasst. Knappe und verständliche Sätze machen es leicht der Handlung zu folgen und gleichzeitig die Bilder als Stütze für die Fantasie zu nehmen.
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Bewertung vom 10.10.2018
Edison
Kuhlmann, Torben

Edison


sehr gut

Endlich wieder ein Kinderbuch aus der Feder von Torben Kuhlmann! Nachdem mich Armstrong so begeistern konnte, war ich unglaublich gespannt auf Edison, einer Geschichte, in der sich eine junge Maus auf die Spuren einer großen Erfindung begibt. Ich bin fasziniert davon, wie der Autor und Illustrator Torben Kuhlmann es schafft, komplexe wissenschaftliche Zusammenhänge für Kinder auf die wichtigsten Informationen herunterzubrechen und in einem spannenden Mauseabenteuer aufzubereiten. Jedes seiner Bücher behandelt eine revolutionäre Erfindung eines Pioniers und erinnert damit an eine Zeit, in der viele unserer heutigen Annehmlichkeiten noch nicht existierten. Dieses Buch ist ein wahrer Schatz im Bücherregal und hat meine sehr hohen Erwartungen wie immer voll und ganz erfüllt.

Mit Lindbergh ging es hoch hinaus, denn eine kleine Maus macht eine entscheidende Erfindung für die Luftfahrt. In Armstrong flog eine Maus sogar bis zum Mond. In Edison wird der Schauplatz der Geschichte unter anderem in die unendlichen Tiefen des Meeres verlegt. Doch bis dahin ist es ein langer Weg, denn zunächst gilt es in der Universität der Mäuse ein für Mäuse taugliches Unterseeboot zu bauen, damit die beiden pelzigen Helden unbeschadet nach dem verschollenen Schatz suchen können. Mich konnte das Setting dieser Geschichte mehr als überzeugen, denn die Mäuseuniversität liegt vor Menschenblicken verborgen in einer Buchhandlung! Hinzu kommt, dass der Ozean für die beiden Mäuse auf ihrer Expedition viele Gefahren birgt, was der Geschichte zusätzliche Spannung verleiht.

Wer Armstrong gelesen hat, der kennt schon die Maus, die als erste den Mond betreten hat. In Edison gibt es ein Wiedersehen mit ihr, doch inzwischen ist sie ein in die Jahre gekommener Professor mit Schnäuzer, der an der Mäuseuniversität Veranstaltungen über die Erfindungen der Menschen abhält. Neuer Charakter und junger Held der Geschichte ist Pete, ein Mäuserich voller Tatendrang, Wissensdurst und Neugier. Ich fand es toll, dass der Autor seine Figuren vergangener Bücher wiederauftauchen und noch einmal an einem großen Abenteuer teilhaben lässt. Petes Motivation ist Motor der Geschichte, denn er möchte das Geheimnis seines Großvaters lüften und sich auf die Suche nach dem Mauseschatz begeben. Pete bleibt als Identifikationsfigur in der Geschichte ein bisschen blass, was für ein Bilderbuch aber nicht weiter schlimm ist.

Die Geschichte an sich ist sehr interessant und für Kinder ab fünf Jahren als Vorlesebuch sehr gut geeignet. An ein oder zwei Stellen sind mir jedoch kleine Lücken in der Geschichte aufgefallen, in denen die Handlung nicht näher erklärt und auch von den Illustrationen nicht erläutert wurde. Kinder, die die Geschichte nur vorgelesen bekommen und sich gleichzeitig an den Bildern orientieren, können diese Lücken meiner Meinung nach nicht so schnell füllen, worunter dann das Verständnis leidet. Aber das war nur eine Kleinigkeit, die mir aufgefallen ist. Edison hat einen klaren Spannungsbogen, mit einigen überraschenden Wendungen und präsentiert, wie von Torben Kuhlmanns Büchern gewohnt, ein schönes Ende, das noch nähere Informationen zur Thematik bietet.

Last but not least: die Illustrationen. Ich könnte hier in ausschweifende Begeisterungsstürme ausbrechen und Torben Kuhlman für seine so wunderbar fantasievollen, detailreichen und liebevollen Zeichnungen mit Lob überschütten. Das tue ich nicht, denn das Folgende reicht vollkommen: Sie sind wunderschön!

Fazit & Bewertung

Edison – Das Rätsel des verschollenen Mauseschatzes von Torben Kuhlmann ist ein wunderschön gestaltetes Bilderbuch, das sich mit den glorreichen und bahnbrechenden Erfindungen des Pioniers Thomas Alva Edison auseinandersetzt. Für Kinder ideal in einer Geschichte über wissbegierige Mäuse verpackt, erschafft Torben Kuhlmann eine Welt, in die man als Leser gerne einmal hineinschlüpfen würde. Ein tolles Buch, dass ich jedem nur empfehlen kann!
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Bewertung vom 09.10.2018
Die Legenden der besonderen Kinder
Riggs, Ransom

Die Legenden der besonderen Kinder


sehr gut

Immer wieder spielen in den Abenteuern von Jacob, Emma und Miss Peregrine die Legenden der besonderen Kinder eine Rolle. Die Idee, diese in der Handlung vorkommenden Erzählungen niederzuschreiben und ebenfalls zu veröffentlichen, ist nicht neu. Auch große Autorinnen wie J.K. Rowling oder Cornelia Funke veröffentlichten Märchen und Legenden, um ihren Fans noch einen tieferen Einblick in ihre Lieblingsgeschichten zu geben. Die Märchen von Beedle dem Barden oder Mein Reckless Märchenbuch sind Beispiele für erfolgreiche Spin-offs zur Originalgeschichte. Als bekannt wurde, dass Die Legenden der besonderen Kinder herauskommen sollte, habe ich mich als Fan der Trilogie wahnsinnig gefreut. Für mich sind die Kurzgeschichten eine ideale Ergänzung zu den Büchern, auch wenn sie keinen Bezug auf bekannte Figuren nehmen. Ich werde euch im Folgenden die einzelnen Geschichten kurz vorstellen, die dahinterstehende Moral umreißen und euch verraten, wie sie mir gefallen haben.

Die edlen Kannibalen: Diese Legende spielt zu einer Zeit, in der die Besonderen sich noch nicht in Zeitschleifen verstecken mussten, sondern noch frei und unabhängig lebten, ihrer Arbeit nachgingen und das wenige, was sie zum Leben benötigten, schätzten. Diese Geschichte ist als Einstieg in das Buch ziemlich schockierend, denn die Besonderen waren nicht zu jeder Zeit so besonnen und bescheiden, wie die Kinder bei Miss Peregrine es waren.

Die Prinzessin mit der gespaltenen Zunge: Die Prinzessin ist eine Besondere, die die Abneigung eines jeden Werbers, der um ihre Hand anhalten möchte, deutlich zu spüren bekommt. Ihre Besonderheit ist ihr anzusehen und entstellt sie. Dennoch ist die Güte eine Eigenschaft, die jeder Besondere in sich trägt, auch wenn ihm Ablehnung und Abscheu entgegengebracht wird.

Die erste Ymbryne: Nicht nur Millard, eines von Miss Peregrines besonderen Kindern, ist der Meinung, dass die Geschichte über die erste Ymbryne die wichtigste von allen bekannten Legenden ist. Auch mir hat diese Legende am besten gefallen, denn sie enthält Hintergrundinformationen über die geheimnisvollen Menschenvögel und die Entstehung der Zeitschleifen.

Die Geisterfreundin: Hildy hat die besondere Eigenschaft Geister zu sehen. Zu lange ist der verstorbene Geist ihrer Schwester ihre beste Freundin, sodass sie keine anderen, menschlichen Freunde findet. Doch Besondere sind nicht dafür bestimmt alleine zu sein. Sie müssen nur jemanden finden, der sie so akzeptiert wie sie sind. Die Geschichte von Hildy ist teilweise ziemlich traurig, aber umso gelungener ist das glückliche Ende.

Cocobolo: Cocobolo – ein Name, den wahrscheinlich noch keiner von euch zuvor gehört hat. Nun, einem Besonderen in den Legenden wird dieser Name einerseits zum Verhängnis, andererseits aber auch zur Erlösung. Diese Geschichte hat mich unendlich gefesselt, sie war dramatisch, fantasievoll und – im wahrsten Sinne des Wortes – besonders.

Die Tauben von St. Pauls: Wer schon einmal die St. Pauls Cathedral von London besucht hat, kennt sicher ihre ständigen Bewohner: Tauben. Und Tauben sind es auch, die in einer Legende um die Erbauung der Kathedrale eine wichtige Rolle spielen. Aber nur Dank eines Besonderen, ist das heutige friedliche Zusammenleben zwischen Menschen und Tauben an St. Pauls möglich.

Die Legenden der besonderen Kinder sind ein Muss für jeden Fan der Buchreihe. Die Legenden bieten spannende Hintergrundinformationen und tiefere Einblicke in die faszinierende Welt der besonderen Kinder. Ransom Riggs entführt den Leser mit jeder Kurzgeschichte in ein spannendes und fantastisches Abenteuer und lässt jedes mit einer Moral für besondere Kinder enden. Also einer Moral für jeden von uns!
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Bewertung vom 07.10.2018
Vox
Dalcher, Christina

Vox


sehr gut

Selten haben mich ein Klappentext und ein Cover so magisch angezogen und neugierig gemacht wie die von Vox. Hinzu kamen natürlich die vielen unterschiedlichen Meinungen von Rezensenten, die deutlich machten, dass dieses Buch klar feministisch ist und damit auch sehr bedeutend für die aktuelle Frauenbewegung. Mich hat Vox unglaublich gefesselt, gleichzeitig aber auch erschreckt und aufgebracht, sodass mich die Thematik bis jetzt immer noch nicht losgelassen hat.

Wir lernen die Protagonistin Jean McCellan als eine Frau kennen, die jedes Wort, das sie spricht, genauestens abwägt. Ganze Sätze werden auf das wichtigste Wort heruntergebrochen, Blicke, Mimik und Kopfschütteln ersetzen Gespräche, Telefonate mit der Familie werden zu einem unmöglichen Unterfangen. Jean McCellan trägt einen Wortzähler an ihrem Arm, der sie mit Stromschlägen bestraft, sobald sie über die täglichen, von der Regierung vorgesehenen 100 Worte kommt. Doch Jean McCellan ist noch nicht gebrochen und trägt Wut in sich, Wut gegen die Regierung, gegen jeden Anhänger und jeden Mann, der der Unterdrückung der Frauen tatenlos zugesehen hat. Für mich war Jean McCellan eine wunderbare Protagonistin. Obwohl sie zu Beginn kaum redet, werden ihre Gedanken und Gefühle im Roman sehr eindrucksvoll zum Ausdruck gebracht. So sehr, dass sich ihre Wut und ihre Fassungslosigkeit über die Erniedrigung der Frauen in Amerika unmittelbar auf den Leser übertragen.

Der Einstieg in die Geschichte hat mich sofort gefesselt: Als Leser wird man unmittelbar in die prekäre Situation der Protagonistin hinein gezogen. Sofort zu Beginn der Geschichte wird deutlich, wie schwierig das Leben für die Frauen und Mädchen unter der neuen Regierung im Einzelfall wirklich ist. Trotzdem hätte ich mir gewünscht, dass im Laufe der Geschichte noch näher darauf eingegangen wird, wie es so weit kommen konnte, dass Frauen ihrer Stellung enthoben und entmündigt werden. Viele der Frauen wie Jean McCellan haben sich ihr Leben lang wenig für Politik interessiert, haben Feministinnen, die auf die Straße gingen, um für ihre Rechte zu demonstrieren, belächelt. Wenig wird im Roman jedoch über die Umstände berichtet, mit welchen Versprechungen die Politiker die Bevölkerung für ihre neue, frauenfeindliche Regierung gewinnen konnte. Denn alle Frauen des Landes ihrer Stellung zu entheben und ihrer Stimme zu berauben, bedeutet unweigerlich für die zurückbleibenden männlichen Arbeitskräfte zusätzliche Arbeit.

Erschreckend und eindrucksvoll zugleich ist, dass die Kinder in den Schulen die Ideologie der Regierung eingeimpft bekommen – nicht selten wird man als Leser deswegen an den Nationalsozialismus von damals und den Rechtsextremismus von heute erinnert. Auch Jean McCellans Sohn ist nach kurzer Zeit davon überzeugt, dass seine Mutter verdient habe, so leben zu müssen und sieht mehr und mehr auf sie herab. Dass sich so wenige der Männer in diesem Roman gegen die Ungerechtigkeit, die den Frauen angetan wird, erheben, ist nur eine Metapher für die Teilnahmslosigkeit, die die meisten Männer auch heutzutage an den Tag legen, wenn es um Frauenrechte geht – niedrigere Löhne oder befristete Arbeitsverträge sind nur zwei Beispiele für die Ungleichbehandlung der Geschlechter in der heutigen Zeit.

Leider hat zum Ende hin die bis dato sehr gut konzipierte Geschichte stark an Verständlichkeit eingebüßt. Man hat den Eindruck, als ob die Autorin schnell zu einem Ende kommen wollte, wodurch leider die Auflösung der Geschichte sehr gelitten hat. Viele wichtige Punkte in der Handlung wurden nur noch oberflächlich und nicht so ausführlich wie im Rest der Geschichte besprochen, sodass für mich teilweise das Ende unverständlich und viel zu abrupt war.

Fazit & Bewertung

Ein von der Thematik her unglaublich wichtiges Buch! Christina Dalcher hat mit ihrem Debütroman Vox den Nerv der Zeit getroffen. Obwohl der Roman eine Dystopie ist, ist die Handlung keinesfalls für die heutige Zeit undenkbar.

Bewertung vom 08.09.2018
Ewig wir / Deathline Bd.2
Clark, Janet

Ewig wir / Deathline Bd.2


weniger gut

Die Geschichte des ersten Bandes der Deathline-Reihe, Deathline – Ewig dein, hat mir noch ziemlich gut gefallen. Die anfängliche Liebesgeschichte von Ray und Josie war spannend, abwechslungsreich und es galt viele Hindernisse für die Protagonisten zu überwinden, damit sie endlich als Paar zueinander finden konnten. Doch der Tod war es letztlich, der beide wieder trennte, denn Ray musste, um seine Liebe zu retten, über die Deathline, auf die Seite des Todes gehen. Und wer ist mit so einem Ende einer Geschichte schon zufrieden? Für mich stand natürlich fest, dass ich die Fortsetzung Deathline – Ewig wir auf jeden Fall lesen würde, um herauszufinden, ob Josie und Ray wieder zueinanderfinden würden. Meine Erwartungen an das Finale der Geschichte waren also dementsprechend hoch – und wurden leider nicht erfüllt. Einige Aspekte der Geschichte haben mir nicht gefallen, habe ich als verworren und als sehr konstruiert empfunden.

Kommen wir zuerst zur Protagonistin. Josie ist 16 Jahre alt und unsterblich verliebt in Ray. Ihre Sehnsucht und ihre Trauer nach Rays Fortgang sind zunächst gut nachzuvollziehen. Immer wieder versucht sie Kontakt zu Ray aufzunehmen und per Gedankenübertragung mit ihm zu sprechen, was jedoch nicht funktioniert, weil sie die Yowama-Regeln, die Eigenschaften des indianischen Volkes, von dem Ray abstammt, nicht kennt. Wenn man als Leser nun in Erwartung war, dass Josie im Laufe des Romans dieser Regeln und Gesetzte mächtig wird, so wird man enttäuscht. Denn Josies Figur macht innerhalb der Geschichte keinerlei Entwicklung durch. Bis zuletzt hat sie im Grunde keine Ahnung, was sie tun muss, um mit Ray Kontakt aufzunehmen, wer sie wirklich ist, welche Kräfte sie besitzt und was sie mit ihnen bewirken kann. Und dieses Unwissen hat mich irgendwann an ihrer Figur extrem genervt. Nicht nur Josie hatte keinen Durchblick, auch als Leser hatte man im Laufe der Geschichte immer mehr den Eindruck, den Überblick und den roten Faden der Geschichte zu verlieren.

Die Story an sich ist diesmal an vielen Stellen verworren und durch die Nennung zu vieler Figuren, die in der Handlung nicht einmal vorkommen, unübersichtlich und kompliziert. Gerade zum Ende hin hatte ich das Gefühl, dass die Autorin alles schnell zu einem Abschluss bringen wollte und dabei nicht ahnt, dass man ihr nicht mehr folgen kann. Auch ist mir bis zuletzt nicht klar geworden, was nun letztlich des Rätsels Lösung der Geschichte war, weil mir das Rätsel an sich beim Lesen schon zu unausgereift vorkam und teilweise zu viele Handlungsfäden aus der Vergangenheit beinhaltete, die der Leser durch die Figuren nur erläutert bekam. Die Auflösung der Geschichte [Achtung Spoiler!], betreffend Josie und Ray, war zudem unglaubwürdig und zielte meiner Meinung nach zu sehr darauf ab, ein Happy End zu produzieren. Von der Entwicklung der Handlung her kann man jedoch sagen, dass die Autorin geschickt wusste Höhepunkte einzusetzen, um die Spannung des Lesers zu halten und die Geschichte voranzutreiben.

Gut gefallen hat mir jedoch, dass die bekannten Nebenfiguren, Josies Freunde Gabrielle und Dana und ihr Bruder Patrick wieder eine wichtige Rolle in Josies chaotischem Leben spielen. Auch eine neue bedeutende Nebenfigur, Serena, hat mir sehr gut gefallen. Sie bringt durch ihre spirituelle Einstellung und ihrer Verbundenheit zum menschlichen Geist und zur Natur frischen Wind in die Geschichte und wird eine enge Vertraute, deren Charakter sehr glaubwürdig und authentisch ist.

Der Fantasy-Aspekt der Geschichte, der mich im ersten Band noch so fasziniert hat, bleibt diesmal etwas im Hintergrund. Trotz der Stromausfälle und Explosionen, die den Schatten der getöteten Yowama zuzurechnen sind, sind Wesen, die von der anderen Seite stammen und tatsächlich in der Story auftreten, diesmal eine Seltenheit.
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Bewertung vom 07.09.2018
Die Insel der besonderen Kinder
Riggs, Ransom; Jean, Cassandra

Die Insel der besonderen Kinder


ausgezeichnet

Die Comic-Adaption von Die Insel der besonderen Kinder hat mir ein ums andere Mal gezeigt, wie fantasievoll und ganz und gar großartig Ransom Riggs Geschichten sind, die vor dem Hintergrund des zweiten Weltkriegs spielen und die Gräueltaten der Nazis indirekt thematisieren. Natürlich tragen die Zeichnungen von Cassandra Jean einen großen Anteil an meiner Begeisterung und sollen daher im folgenden etwas näher beschrieben werden.

Cassandra Jean war mir als Zeichnerin bisher nicht bekannt, aber schon nach dem Aufschlagen der ersten Seite habe ich mich in ihren Zeichenstil restlos verloren. Ihre Zeichnungen haben eine klare Linie, sind anmutig und erwachsen, nicht laut und überfüllt. Vielmehr wird gerade durch die Unaufgeregtheit der Zeichnungen die Geschichte und ihre Atmosphäre perfekt umgesetzt. Die düstere Stimmung, die Jacob ständig umgibt und die ihn rastlos und unermüdlich nach dem Mörder seines Großvaters suchen lässt, spiegelt sich in Cassandra Jeans Bildern wieder. Nicht selten sind ganze Hintergründe in schwarz gehalten oder Doppelseiten farblos. Trotzdem werden immer wieder in den passenden Momenten Farbakzente gesetzt, die Wendepunkte und spannende Szenen unterstreichen.

Was mir bereits in den Original-Büchern sehr gut gefallen hat sind die echten Fotos, die abgedruckt werden, um das Aussehen der besonderen Kinder zu visualisieren. Denn bei den Fotos handelt es sich um wahre Sammlerraritäten, die schon das Taschenbuch herrlich illustriert haben. Die Kombination dieser gestalterischen Mittel, der echten Materialien und der Zeichnungen, ergibt ein stimmiges und sehr vielfältiges Bild der Geschichte. Ich fand die Gestaltung des Comics einfach traumhaft, nicht nur die Innenausstattung, auch das Cover und die Innenseiten der Klappbroschur sind mit wunderschönen Verzierungen versehen und machen aus diesem Buch einen ganz besonderen Schatz im Bücherregal.

Wie auch Ransom Riggs über die Adaption sagte, hätte Cassandra Jean die Geschichte über Jacob und die besonderen Kinder in ihren Zeichnungen nicht besser treffen können. Sehr gefallen hat mir vor allem ihre Darstellung der pupillenlosen Wrights und die der mit Tentakeln bestückten Monster, welche es auf die besonderen Kinder abgesehen haben. Obwohl sie, wie aus einem Horrorfilm entsprungen scheinen, sind sie haargenau so wie ich sie mir beim Lesern der Romane vorgestellt hatte. Die Gesichter der besonderen Kinder und ihrer Ymbryne sind in den Zeichnungen natürlich den Fotos entlehnt. Das Gesicht des Protagonisten Jacob hingegen war auch für mich völlig neu, denn meist geht es mir beim Lesen so, dass ich die Gesichter der Figuren nicht genau vor Augen habe oder sie mir vorstelle. Aber auch hier ist die Umsetzung in jedem Fall sehr gut gelungen!

Der Text und die Dialoge sind, wenn nicht 1:1, dann doch sehr nah am Original gehalten. Vor allem zu Beginn werden ganze Textpassagen zur Einführung in die Geschichte übernommen. Zum sprachlichen Genie des Autors brauche ich hier nicht viel zu sagen, außer – dass er ein GENIE ist!

Fazit & Bewertung

Ransom Riggs Trilogie der Besonderen Kinder sollte jeder einmal gelesen haben, denn sie ist ganz und gar großartig! Ich bin ihr vollkommen verfallen, weswegen ich umso begeisterter war, als die gleichnamige Comic-Adaption erschien. Cassandra Jeans Umsetzung fängt toll das düstere Setting der Geschichte ein, rundet die Vorstellung, die man von der Geschichte hat, ab und macht sie deswegen einfach vollkommen.
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