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Benutzername: Pan Tau Books - Ein Buchblog
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Bewertungen

Insgesamt 82 Bewertungen
Bewertung vom 10.10.2018
Edison
Kuhlmann, Torben

Edison


sehr gut

Endlich wieder ein Kinderbuch aus der Feder von Torben Kuhlmann! Nachdem mich Armstrong so begeistern konnte, war ich unglaublich gespannt auf Edison, einer Geschichte, in der sich eine junge Maus auf die Spuren einer großen Erfindung begibt. Ich bin fasziniert davon, wie der Autor und Illustrator Torben Kuhlmann es schafft, komplexe wissenschaftliche Zusammenhänge für Kinder auf die wichtigsten Informationen herunterzubrechen und in einem spannenden Mauseabenteuer aufzubereiten. Jedes seiner Bücher behandelt eine revolutionäre Erfindung eines Pioniers und erinnert damit an eine Zeit, in der viele unserer heutigen Annehmlichkeiten noch nicht existierten. Dieses Buch ist ein wahrer Schatz im Bücherregal und hat meine sehr hohen Erwartungen wie immer voll und ganz erfüllt.

Mit Lindbergh ging es hoch hinaus, denn eine kleine Maus macht eine entscheidende Erfindung für die Luftfahrt. In Armstrong flog eine Maus sogar bis zum Mond. In Edison wird der Schauplatz der Geschichte unter anderem in die unendlichen Tiefen des Meeres verlegt. Doch bis dahin ist es ein langer Weg, denn zunächst gilt es in der Universität der Mäuse ein für Mäuse taugliches Unterseeboot zu bauen, damit die beiden pelzigen Helden unbeschadet nach dem verschollenen Schatz suchen können. Mich konnte das Setting dieser Geschichte mehr als überzeugen, denn die Mäuseuniversität liegt vor Menschenblicken verborgen in einer Buchhandlung! Hinzu kommt, dass der Ozean für die beiden Mäuse auf ihrer Expedition viele Gefahren birgt, was der Geschichte zusätzliche Spannung verleiht.

Wer Armstrong gelesen hat, der kennt schon die Maus, die als erste den Mond betreten hat. In Edison gibt es ein Wiedersehen mit ihr, doch inzwischen ist sie ein in die Jahre gekommener Professor mit Schnäuzer, der an der Mäuseuniversität Veranstaltungen über die Erfindungen der Menschen abhält. Neuer Charakter und junger Held der Geschichte ist Pete, ein Mäuserich voller Tatendrang, Wissensdurst und Neugier. Ich fand es toll, dass der Autor seine Figuren vergangener Bücher wiederauftauchen und noch einmal an einem großen Abenteuer teilhaben lässt. Petes Motivation ist Motor der Geschichte, denn er möchte das Geheimnis seines Großvaters lüften und sich auf die Suche nach dem Mauseschatz begeben. Pete bleibt als Identifikationsfigur in der Geschichte ein bisschen blass, was für ein Bilderbuch aber nicht weiter schlimm ist.

Die Geschichte an sich ist sehr interessant und für Kinder ab fünf Jahren als Vorlesebuch sehr gut geeignet. An ein oder zwei Stellen sind mir jedoch kleine Lücken in der Geschichte aufgefallen, in denen die Handlung nicht näher erklärt und auch von den Illustrationen nicht erläutert wurde. Kinder, die die Geschichte nur vorgelesen bekommen und sich gleichzeitig an den Bildern orientieren, können diese Lücken meiner Meinung nach nicht so schnell füllen, worunter dann das Verständnis leidet. Aber das war nur eine Kleinigkeit, die mir aufgefallen ist. Edison hat einen klaren Spannungsbogen, mit einigen überraschenden Wendungen und präsentiert, wie von Torben Kuhlmanns Büchern gewohnt, ein schönes Ende, das noch nähere Informationen zur Thematik bietet.

Last but not least: die Illustrationen. Ich könnte hier in ausschweifende Begeisterungsstürme ausbrechen und Torben Kuhlman für seine so wunderbar fantasievollen, detailreichen und liebevollen Zeichnungen mit Lob überschütten. Das tue ich nicht, denn das Folgende reicht vollkommen: Sie sind wunderschön!

Fazit & Bewertung

Edison – Das Rätsel des verschollenen Mauseschatzes von Torben Kuhlmann ist ein wunderschön gestaltetes Bilderbuch, das sich mit den glorreichen und bahnbrechenden Erfindungen des Pioniers Thomas Alva Edison auseinandersetzt. Für Kinder ideal in einer Geschichte über wissbegierige Mäuse verpackt, erschafft Torben Kuhlmann eine Welt, in die man als Leser gerne einmal hineinschlüpfen würde. Ein tolles Buch, dass ich jedem nur empfehlen kann!
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Bewertung vom 09.10.2018
Die Legenden der besonderen Kinder
Riggs, Ransom

Die Legenden der besonderen Kinder


sehr gut

Immer wieder spielen in den Abenteuern von Jacob, Emma und Miss Peregrine die Legenden der besonderen Kinder eine Rolle. Die Idee, diese in der Handlung vorkommenden Erzählungen niederzuschreiben und ebenfalls zu veröffentlichen, ist nicht neu. Auch große Autorinnen wie J.K. Rowling oder Cornelia Funke veröffentlichten Märchen und Legenden, um ihren Fans noch einen tieferen Einblick in ihre Lieblingsgeschichten zu geben. Die Märchen von Beedle dem Barden oder Mein Reckless Märchenbuch sind Beispiele für erfolgreiche Spin-offs zur Originalgeschichte. Als bekannt wurde, dass Die Legenden der besonderen Kinder herauskommen sollte, habe ich mich als Fan der Trilogie wahnsinnig gefreut. Für mich sind die Kurzgeschichten eine ideale Ergänzung zu den Büchern, auch wenn sie keinen Bezug auf bekannte Figuren nehmen. Ich werde euch im Folgenden die einzelnen Geschichten kurz vorstellen, die dahinterstehende Moral umreißen und euch verraten, wie sie mir gefallen haben.

Die edlen Kannibalen: Diese Legende spielt zu einer Zeit, in der die Besonderen sich noch nicht in Zeitschleifen verstecken mussten, sondern noch frei und unabhängig lebten, ihrer Arbeit nachgingen und das wenige, was sie zum Leben benötigten, schätzten. Diese Geschichte ist als Einstieg in das Buch ziemlich schockierend, denn die Besonderen waren nicht zu jeder Zeit so besonnen und bescheiden, wie die Kinder bei Miss Peregrine es waren.

Die Prinzessin mit der gespaltenen Zunge: Die Prinzessin ist eine Besondere, die die Abneigung eines jeden Werbers, der um ihre Hand anhalten möchte, deutlich zu spüren bekommt. Ihre Besonderheit ist ihr anzusehen und entstellt sie. Dennoch ist die Güte eine Eigenschaft, die jeder Besondere in sich trägt, auch wenn ihm Ablehnung und Abscheu entgegengebracht wird.

Die erste Ymbryne: Nicht nur Millard, eines von Miss Peregrines besonderen Kindern, ist der Meinung, dass die Geschichte über die erste Ymbryne die wichtigste von allen bekannten Legenden ist. Auch mir hat diese Legende am besten gefallen, denn sie enthält Hintergrundinformationen über die geheimnisvollen Menschenvögel und die Entstehung der Zeitschleifen.

Die Geisterfreundin: Hildy hat die besondere Eigenschaft Geister zu sehen. Zu lange ist der verstorbene Geist ihrer Schwester ihre beste Freundin, sodass sie keine anderen, menschlichen Freunde findet. Doch Besondere sind nicht dafür bestimmt alleine zu sein. Sie müssen nur jemanden finden, der sie so akzeptiert wie sie sind. Die Geschichte von Hildy ist teilweise ziemlich traurig, aber umso gelungener ist das glückliche Ende.

Cocobolo: Cocobolo – ein Name, den wahrscheinlich noch keiner von euch zuvor gehört hat. Nun, einem Besonderen in den Legenden wird dieser Name einerseits zum Verhängnis, andererseits aber auch zur Erlösung. Diese Geschichte hat mich unendlich gefesselt, sie war dramatisch, fantasievoll und – im wahrsten Sinne des Wortes – besonders.

Die Tauben von St. Pauls: Wer schon einmal die St. Pauls Cathedral von London besucht hat, kennt sicher ihre ständigen Bewohner: Tauben. Und Tauben sind es auch, die in einer Legende um die Erbauung der Kathedrale eine wichtige Rolle spielen. Aber nur Dank eines Besonderen, ist das heutige friedliche Zusammenleben zwischen Menschen und Tauben an St. Pauls möglich.

Die Legenden der besonderen Kinder sind ein Muss für jeden Fan der Buchreihe. Die Legenden bieten spannende Hintergrundinformationen und tiefere Einblicke in die faszinierende Welt der besonderen Kinder. Ransom Riggs entführt den Leser mit jeder Kurzgeschichte in ein spannendes und fantastisches Abenteuer und lässt jedes mit einer Moral für besondere Kinder enden. Also einer Moral für jeden von uns!
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Bewertung vom 08.09.2018
Ewig wir / Deathline Bd.2
Clark, Janet

Ewig wir / Deathline Bd.2


weniger gut

Die Geschichte des ersten Bandes der Deathline-Reihe, Deathline – Ewig dein, hat mir noch ziemlich gut gefallen. Die anfängliche Liebesgeschichte von Ray und Josie war spannend, abwechslungsreich und es galt viele Hindernisse für die Protagonisten zu überwinden, damit sie endlich als Paar zueinander finden konnten. Doch der Tod war es letztlich, der beide wieder trennte, denn Ray musste, um seine Liebe zu retten, über die Deathline, auf die Seite des Todes gehen. Und wer ist mit so einem Ende einer Geschichte schon zufrieden? Für mich stand natürlich fest, dass ich die Fortsetzung Deathline – Ewig wir auf jeden Fall lesen würde, um herauszufinden, ob Josie und Ray wieder zueinanderfinden würden. Meine Erwartungen an das Finale der Geschichte waren also dementsprechend hoch – und wurden leider nicht erfüllt. Einige Aspekte der Geschichte haben mir nicht gefallen, habe ich als verworren und als sehr konstruiert empfunden.

Kommen wir zuerst zur Protagonistin. Josie ist 16 Jahre alt und unsterblich verliebt in Ray. Ihre Sehnsucht und ihre Trauer nach Rays Fortgang sind zunächst gut nachzuvollziehen. Immer wieder versucht sie Kontakt zu Ray aufzunehmen und per Gedankenübertragung mit ihm zu sprechen, was jedoch nicht funktioniert, weil sie die Yowama-Regeln, die Eigenschaften des indianischen Volkes, von dem Ray abstammt, nicht kennt. Wenn man als Leser nun in Erwartung war, dass Josie im Laufe des Romans dieser Regeln und Gesetzte mächtig wird, so wird man enttäuscht. Denn Josies Figur macht innerhalb der Geschichte keinerlei Entwicklung durch. Bis zuletzt hat sie im Grunde keine Ahnung, was sie tun muss, um mit Ray Kontakt aufzunehmen, wer sie wirklich ist, welche Kräfte sie besitzt und was sie mit ihnen bewirken kann. Und dieses Unwissen hat mich irgendwann an ihrer Figur extrem genervt. Nicht nur Josie hatte keinen Durchblick, auch als Leser hatte man im Laufe der Geschichte immer mehr den Eindruck, den Überblick und den roten Faden der Geschichte zu verlieren.

Die Story an sich ist diesmal an vielen Stellen verworren und durch die Nennung zu vieler Figuren, die in der Handlung nicht einmal vorkommen, unübersichtlich und kompliziert. Gerade zum Ende hin hatte ich das Gefühl, dass die Autorin alles schnell zu einem Abschluss bringen wollte und dabei nicht ahnt, dass man ihr nicht mehr folgen kann. Auch ist mir bis zuletzt nicht klar geworden, was nun letztlich des Rätsels Lösung der Geschichte war, weil mir das Rätsel an sich beim Lesen schon zu unausgereift vorkam und teilweise zu viele Handlungsfäden aus der Vergangenheit beinhaltete, die der Leser durch die Figuren nur erläutert bekam. Die Auflösung der Geschichte [Achtung Spoiler!], betreffend Josie und Ray, war zudem unglaubwürdig und zielte meiner Meinung nach zu sehr darauf ab, ein Happy End zu produzieren. Von der Entwicklung der Handlung her kann man jedoch sagen, dass die Autorin geschickt wusste Höhepunkte einzusetzen, um die Spannung des Lesers zu halten und die Geschichte voranzutreiben.

Gut gefallen hat mir jedoch, dass die bekannten Nebenfiguren, Josies Freunde Gabrielle und Dana und ihr Bruder Patrick wieder eine wichtige Rolle in Josies chaotischem Leben spielen. Auch eine neue bedeutende Nebenfigur, Serena, hat mir sehr gut gefallen. Sie bringt durch ihre spirituelle Einstellung und ihrer Verbundenheit zum menschlichen Geist und zur Natur frischen Wind in die Geschichte und wird eine enge Vertraute, deren Charakter sehr glaubwürdig und authentisch ist.

Der Fantasy-Aspekt der Geschichte, der mich im ersten Band noch so fasziniert hat, bleibt diesmal etwas im Hintergrund. Trotz der Stromausfälle und Explosionen, die den Schatten der getöteten Yowama zuzurechnen sind, sind Wesen, die von der anderen Seite stammen und tatsächlich in der Story auftreten, diesmal eine Seltenheit.
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Bewertung vom 07.09.2018
Die Insel der besonderen Kinder
Riggs, Ransom; Jean, Cassandra

Die Insel der besonderen Kinder


ausgezeichnet

Die Comic-Adaption von Die Insel der besonderen Kinder hat mir ein ums andere Mal gezeigt, wie fantasievoll und ganz und gar großartig Ransom Riggs Geschichten sind, die vor dem Hintergrund des zweiten Weltkriegs spielen und die Gräueltaten der Nazis indirekt thematisieren. Natürlich tragen die Zeichnungen von Cassandra Jean einen großen Anteil an meiner Begeisterung und sollen daher im folgenden etwas näher beschrieben werden.

Cassandra Jean war mir als Zeichnerin bisher nicht bekannt, aber schon nach dem Aufschlagen der ersten Seite habe ich mich in ihren Zeichenstil restlos verloren. Ihre Zeichnungen haben eine klare Linie, sind anmutig und erwachsen, nicht laut und überfüllt. Vielmehr wird gerade durch die Unaufgeregtheit der Zeichnungen die Geschichte und ihre Atmosphäre perfekt umgesetzt. Die düstere Stimmung, die Jacob ständig umgibt und die ihn rastlos und unermüdlich nach dem Mörder seines Großvaters suchen lässt, spiegelt sich in Cassandra Jeans Bildern wieder. Nicht selten sind ganze Hintergründe in schwarz gehalten oder Doppelseiten farblos. Trotzdem werden immer wieder in den passenden Momenten Farbakzente gesetzt, die Wendepunkte und spannende Szenen unterstreichen.

Was mir bereits in den Original-Büchern sehr gut gefallen hat sind die echten Fotos, die abgedruckt werden, um das Aussehen der besonderen Kinder zu visualisieren. Denn bei den Fotos handelt es sich um wahre Sammlerraritäten, die schon das Taschenbuch herrlich illustriert haben. Die Kombination dieser gestalterischen Mittel, der echten Materialien und der Zeichnungen, ergibt ein stimmiges und sehr vielfältiges Bild der Geschichte. Ich fand die Gestaltung des Comics einfach traumhaft, nicht nur die Innenausstattung, auch das Cover und die Innenseiten der Klappbroschur sind mit wunderschönen Verzierungen versehen und machen aus diesem Buch einen ganz besonderen Schatz im Bücherregal.

Wie auch Ransom Riggs über die Adaption sagte, hätte Cassandra Jean die Geschichte über Jacob und die besonderen Kinder in ihren Zeichnungen nicht besser treffen können. Sehr gefallen hat mir vor allem ihre Darstellung der pupillenlosen Wrights und die der mit Tentakeln bestückten Monster, welche es auf die besonderen Kinder abgesehen haben. Obwohl sie, wie aus einem Horrorfilm entsprungen scheinen, sind sie haargenau so wie ich sie mir beim Lesern der Romane vorgestellt hatte. Die Gesichter der besonderen Kinder und ihrer Ymbryne sind in den Zeichnungen natürlich den Fotos entlehnt. Das Gesicht des Protagonisten Jacob hingegen war auch für mich völlig neu, denn meist geht es mir beim Lesen so, dass ich die Gesichter der Figuren nicht genau vor Augen habe oder sie mir vorstelle. Aber auch hier ist die Umsetzung in jedem Fall sehr gut gelungen!

Der Text und die Dialoge sind, wenn nicht 1:1, dann doch sehr nah am Original gehalten. Vor allem zu Beginn werden ganze Textpassagen zur Einführung in die Geschichte übernommen. Zum sprachlichen Genie des Autors brauche ich hier nicht viel zu sagen, außer – dass er ein GENIE ist!

Fazit & Bewertung

Ransom Riggs Trilogie der Besonderen Kinder sollte jeder einmal gelesen haben, denn sie ist ganz und gar großartig! Ich bin ihr vollkommen verfallen, weswegen ich umso begeisterter war, als die gleichnamige Comic-Adaption erschien. Cassandra Jeans Umsetzung fängt toll das düstere Setting der Geschichte ein, rundet die Vorstellung, die man von der Geschichte hat, ab und macht sie deswegen einfach vollkommen.
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Bewertung vom 03.09.2018
Der Bergmann
Soseki, Natsume

Der Bergmann


sehr gut

Der Bergmann ist aufgrund seiner gesellschaftskritischen Haltung und dem Bezug zur japanischen Hauptstadt Tokio dem Genre Großstadtroman zuzuordnen. Die Geschichte über den 19-jährigen namenlosen Jungen, der sich aus Tokio aufmacht um zu sterben, hat mich von Anfang an fasziniert. Erzählt wird die Geschichte aus der Ich-Perspektive des jungen Mannes. Sein innerer Monolog und seine intensive gedankliche Auseinandersetzung mit sich selbst und seinem Leben, lassen den Leser unmittelbar an der Figur teilhaben. Gleichzeitig werden dadurch Einblicke in seine Überzeugungen zugelassen, aber auch in seine Ängste und Unsicherheiten.

"Sobald man schläft, verschwindet die Zeit. Jeder, für den der Fluss der Zeit eine Qual ist, sollte schlafen. Sterben ist allen Anschein nach ähnlich. Es scheint so einfach und ist doch ziemlich schwierig." (S. 58)

Obwohl man über die Vorgeschichte des jungen Mannes weitestgehend im Unklaren gelassen wird, sind seine Zerrissenheit und sein Wunsch nach Suizid durch seine philosophischen Gedanken greifbar. Immer wieder bezieht er Erlebtes auf den eigenen Geist oder Körper und philosophiert bspw. über den Charakter des Menschen, über die Konsistenz des Herzens, über menschliche Tränen oder das abgestumpfte Bewusstsein.

"Kurz, ich hatte die Absicht, an einen dunklen Ort zu gehen, genauer gesagt war ich gezwungen, aber beim geringsten Anlass ergriff ich die erstbeste Gelegenheit, in dieser mir vertrauten Welt zu bleiben." (S. 28-29)

Interessant fand ich vor allen Dingen, wie unentschlossen der Protagonist ist, was sein eigenes Leben anbelangt. Ständig will er aus seinem eigenen Fluchtversuch ausbrechen und dem Todeswunsch entkommen, um ihn dann ein ums andere Mal wieder zu verfolgen. Sōseki ist mit Der Bergmann ein fesselndes, literarisches Werk gelungen, das trotz weniger Handlungsstränge und eines abrupten Endes vollkommen wirkt. Der Protagonist, der sich nach Dunkelheit sehnt, erkennt in derselben, dass das Leben lebenswert ist.

"In dieser Situation wurde mein Schicksal mehr durch äußere Umstände als durch meinen eigenen Charakter bestimmt. Bei solchen Gelegenheiten rutscht mein Charakter dabei oft unter das Durchschnittsniveau. Wieder einmal ein besonders glänzendes Beispiel von vielen dafür, wie mein in langer Zeit im Selbstvertrauen aufgebauter Charakter in sich zusammenstürzte." (S. 176)

Sōsekis unterschwellige Kritik an den Zuständen im Bergwerk und die harten Lebensbedingungen der Bergmänner, die sich in ihren ausgemergelten Gesichtern widerspiegeln, haben mich sehr angesprochen. Seine Darstellung der Welt unterhalb der Erdoberfläche ist so eindrücklich, dass die Enge und das Gefühl eingesperrt zu sein erschreckend realistisch wirken. Sprachlich schafft es der Autor, durch detailgenaue, bildhafte Beschreibungen und prägnante, eindrückliche Sätze, die Wahrnehmung des Protagonisten lebendig wirken zu lassen. Spannende Höhepunkte in der Geschichte sind jedoch nicht vorgesehen, aber genau aufgrund dieser Andersheit konnte mich Der Bergmann überzeugen.

Fazit & Bewertung

Der Bergmann von Natsume Sōseki ist ein Großstadtroman, der die bürgerliche Gesellschaft Japans zum Thema nimmt und anhand eines Einzelschicksals deutlich macht. Spannende Handlung ist in diesem Roman von Anfang an nicht vorgesehen, trotzdem sind die Gedanken und Wahrnehmungen des namenlosen Protagonisten so packend, dass man Höhepunkte nicht vermisst.
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Bewertung vom 22.08.2018
Wenn's einfach wär, würd's jeder machen
Hülsmann, Petra

Wenn's einfach wär, würd's jeder machen


gut

Meine diesjährige Urlaubslektüre! Wenn’s einfach wär, würd’s jeder machen von Petra Hülsmann ist eine herrlich unterhaltsame Geschichte – perfekt, um abzuschalten und die Seele baumeln zu lassen. Obwohl mich die Story an vielen Stellen an die Filmreihe Fack Ju Göhte erinnert hat, habe ich den Witz und den lockeren Schreibstil der Autorin durchweg genossen. Mit den Romanen von Petra Hülsmann kann man nie etwas falsch machen, sie sind sehr nah am Leben, dabei humorvoll und stets amüsant. Denn auch die Liebesgeschichte ist in jedem Fall etwas fürs Herz, sehr authentisch und romantisch, ohne dabei kitschig zu werden.

Musiklehrerin Annika ist als Protagonistin der Geschichte eine Figur, bei dir es mir nicht sehr schwer viel, mich mit ihr zu identifizieren. Sie ist Mitte Zwanzig, Single, wohnt mit ihrer besten Freundin in einer WG, ist noch nicht allzu lange in ihrem Job und genießt ihr ruhiges und gemütliches Leben. Annika ist sympathisch, nicht übereifrig aber gewissenhaft und daher als Hauptfigur auf dem ersten Blick eher unspektakulär. Doch ihr Leben gerät aus dem Fugen, als ihr Chef ihr offenbart, dass sie an eine Problemschule versetzt wird. Das geheuchelte Mitleid ihrer Kollegen, die froh waren, nicht selbst versetzt zu werden, fand ich richtig amüsant. Für Annika ist die Vorstellung von einer Versetzung allerdings der blanke Horror. Annika, die es sich in ihrem Job gemütlich gemacht hat, muss nun Teenager unterrichten, die vollkommen andere Ansprüche und Lernniveaus haben, als sie bisher kannte. Vor allem Annikas neu entflammter Ehrgeiz, alles dafür zu tun, dass sie wieder an ihre alte Schule zurück kann, fand ich klasse und hat der Geschichte einen spannenden Einstieg verschafft.

Das Setting des Romans ist sehr abwechslungsreich und damit wirklich ansprechend. Ich fand es toll, mich gedanklich in eine schöne Altbauwohnung in Hamburg versetzen zu lassen, in der Annika mir ihrer besten Freundin lebt und ständig Besuch von ihren beiden Nachbarn bekommt, die als Gegenleistung für gelegentliche, handwerkliche Arbeiten, gerne bei den beiden Freundinnen zu Mittag essen. Dann ist der Schauplatz wieder die Problemschule, in der Annika nun eine Musical AG auf die Beine stellt und daher viel Zeit in der Aula mit der Theaterbühne verbringt. Immer wieder wird die Handlung aber auch an die Elbe verlegt, wenn Annika und ihre Freunde nach getaner Arbeit gemeinsam zusammen den Tag ausklingen lassen.

Weil sie die Musical AG alleine kaum gestemmt bekommt, holt sich Annika, nicht ganz uneigennützig, noch andere Lehrer und Freunde mit ins Boot. Nur mit dem Ziel: So schnell wie möglich wieder von dort weg zu sein! Aber ihre wahren Pläne darf sie so natürlich niemandem verraten. Als ihre Mutter auf die Idee kommt, dass Annika ihre erste große Liebe, den Theaterregisseur Tristan um Hilfe bitten könnte, ist Annika zuerst wenig begeistert. Denn was gibt es Schlimmeres, als jemanden um Hilfe zu bitten, der einen einst übel abblitzen ließ? Ab dem Punkt fand ich die Story zwar sehr vorhersehbar, trotzdem, wollte ich wissen, auf welchen Höhepunkt sie hinauslief. Schön war auch, dass die Autorin immer wieder spannende und überraschende Wendungen eingebaut hat, die die Vorhersehbarkeit unterbrochen und die Geschichte aufgelockert haben. Tristan ist als Figur eher unscheinbar, und wenn er auftrat, dann war er nicht wirklich sympathisch. Das legt aber den Fokus auf eine andere Figur, die in Annikas Leben ebenfalls eine immer wichtigere Rolle spielt.

Fazit & Bewertung
Wenn’s einfach wär, würd’s jeder machen von Petra Hülsmann, ist ein unterhaltsamer und witziger Roman, der durch seine sympathische Hauptfigur, tolle Settings und überraschende Wendungen im Plot punktet. Weniger gut hat mir die Vorhersehbarkeit und teilweise Einfachheit der Story gefallen, aber der Roman ist definitiv eine schöne Lektüre für Zwischendurch und ideal für Fans von Sophie Kinsella.
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Bewertung vom 16.08.2018
Hilda und der Steinwald
Pearson, Luke

Hilda und der Steinwald


ausgezeichnet

Hildas Geschichten sind selbst nach fünf Bänden ausnahmslos grandios und überraschend. Auch Hilda und der Steinwald ist keine Ausnahme. Diesmal hat sich der Zeichenkünstler Luke Pearson wieder einige ganz besondere Kniffe ausgedacht und mich mit seiner Fantasie, seiner Experimentierfreude und seinem Humor wieder mal verzaubert.

"Das sind Trollfeuer. So was hab ich lang nicht mehr gesehen.[…] Sie wollen die Stadt daran erinnern, dass sie noch da sind."

Trollen sind wir schon in einigen Geschichten von Hilda begegnet. Dass sie aber unbeabsichtigt in das Reich dieser unberechenbaren Kreaturen gerät und sich plötzlich in einer steinig, kargen Welt wiederfindet, ist etwas ganz Neues! Und die Trollwelt ist nichts für zarte Gemüter, denn sie ist riesig, unüberschaubar und bedrohlich. Die unheimliche Stimmung des Settings ist so kraftvoll und deutlich in den Panels wiedergegeben, dass man auch als Leser nicht anders kann, als zu erschaudern und sich vor den großen Trollen, die hinter jedem Fels lauern können, zu fürchten. Mir hat das Setting sehr gut gefallen, denn es war wunderbar düster, fremd und schaurig schön!

"Ich glaube, irgendwas ist schiefgegangen und nun hat es uns an einen Ort verschlagen, wo wir nicht hinwollten."

Wer schon Geschichten von Hilda gelesen hat, der weiß, dass Hildas Mutter alleinerziehend ist (ein Vater wird zumindest nie erwähnt). Hildas Mutter weiß bis zu einem gewissen Grad über die Abenteuer der Tochter Bescheid und lässt ihr in der Regel viel Freiraum. Trotzdem kommt es immer wieder zu Streitereien, wenn sie Zeit mit ihrer Tochter verbringen will, die aber lieber draußen bei ihren Freunden und Monstern ist. Nicht selten fallen dann auch verletzende Worte, die die Realität in Familien sehr gut wiederspiegeln. Umso schöner fand ich die Idee, die Beziehung von Hilda und ihrer Mutter in diesem Comic in den Vordergrund zu stellen und eine Geschichte zu entwerfen, die die Bindung zwischen Mutter und Tochter stärkt. Hildas Mutter ist nach diesem Abenteuer nicht mehr länger nur eine Zuschauerin und Randfigur in Hildas Leben, sondern nimmt aktiv an den Abenteuern ihrer Tochter teil. Hilda kann ihr endlich beweisen, wie mutig, verantwortungsvoll und selbstbewusst sie ist. Auf der anderen Seite erkennt Hilda, dass es gar nicht so schlimm ist, Zeit mit ihrer Mutter zu verbringen, dass sie Spaß haben und gemeinsam etwas erreichen können.

"Ein wenig Nervenkitzel ist ja ganz nett, wenn ich weiß, dass du zu Hause auf mich wartest…"

Luke Pearson ist ein wahrer Zeichenkünstler und hat auch diesem Comic mit seinen Zeichnungen und der speziellen Farbgestaltung eine ganz besondere Note verliehen. Jede Seite folgt einer festgelegten Farbgebung, die die Atmosphäre der Geschichte wiederspiegelt und unterstützt. So können Seiten mit vollkommen bunten oder schwarzweißen Panels herauskommen, Seiten mit länglichen oder quadratischen Panels, oder auch ganzseitige Zeichnungen. Jedes Mal, wenn ich eine Seite in einem Luke Pearson Comic umblättere, schlägt mein Germanisten-Herz bis zum Hals, denn ich liebe es mir zu überlegen, was sich der Autor bei der Anordnung und Farbwahl gedacht haben mag und in welchem Zusammenhang das mit der Geschichte steht. Luke Pearson ist in der Hinsicht so experimentierfreudig wie klassisch, und genau das ist es, was mir so sehr an seinen Büchern gefällt!

Fazit & Bewertung

Hilda und der Steinwald ist Band 5 der erfolgreichen Hilda-Reihe und wieder mal ein wahrer Augenschmaus für Comicfans die es sind und noch werden wollen. Nicht nur das wunderbar düstere Setting hat mich in diesem Comic überzeugt, auch die Mutter-Tochter Thematik fand ich dieses Mal besonders gelungen. Eine fantasievolle Geschichte in einer herrlich skurillen und einzigartigen Welt, in der man einfach mal eingetaucht und ein bisschen gelebt haben sein muss. Ich liebe es!
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Bewertung vom 08.08.2018
Der Sommer ihres Lebens
Steinaecker, Thomas von

Der Sommer ihres Lebens


sehr gut

Dieser Graphic Novel ist etwas ganz Besonderes, wenn auch nicht für zarte Gemüter. Denn Alter und Tod sind für viele Menschen ein sensibles und auch beängstigendes Thema, über das nur sehr ungerne nachgedacht, geschweige denn gesprochen wird. Aus diesem Grund ist Der Sommer ihres Lebens so lesenswert. Zwar wird der Alltag im Seniorenheim sehr realistisch, aber nicht zu detailliert dargestellt. Trotzdem bleibt eine ungeschminkte Wahrheit, wie alte Menschen mit so einer einschneidenden Veränderung im Alter zurechtkommen, welche Dinge für sie an Wert verlieren und welche an Wert gewinnen. Und genau das hat mich so sehr an dieser Geschichte fasziniert.

In Der Sommer ihres Lebens lernt man Gerda zunächst in der Gegenwart kennen. Im Seniorenheim findet sie sich auf den Fluren schlecht zurecht, sie ist von fremden Menschen umgeben und muss akzeptieren, dass ihr Körper nicht mehr das kann, was sie möchte. Die Arme beim täglichen Waschen zu heben fällt ihr zum Beispiel zunehmend schwer. Wer selbst den körperlichen Verfall eines Menschen hautnah miterlebt, vielleicht Altenheime schon von innen kennengelernt hat, weiß, wir hart das Leben dort und im Alter generell ist. Barbara Yelin hat diese Tatsachen sehr authentisch in ihren Zeichnungen eingefangen und erlaubt damit einen ungeschönten Einblick in einen Lebensabschnitt, den die meisten von uns noch vor sich haben.

Gerdas gedankliche Rückblicke in ihre Vergangenheit werden in den Panels farblich von der Gegenwart abgehoben, sind in warmen und freundlichen Tönen gehalten. Sie beginnen mit ihrer Schulzeit, in der sie sich als einzige Frau für Astrophysik begeistern kann und damit eine ziemliche Exotin darstellt. Gerdas Charakter ist sehr interessant, denn nicht nur ihre Begeisterungsfähigkeit für eine Männerdomäne, auch ihre Sanftheit und ihre Kultiviertheit machen sie zu einer Figur, der man gerne folgt. Ihren Sinn für die Schönheit der Natur und ihre oftmals weisen Gedanken, die sie sowohl in ihrer Jugend schon hatte und auch im Alter nicht verloren hat, haben mich sehr gefesselt und begeistert.

Man kann den Graphic Novel Der Sommer ihres Lebens auch als experimentell bezeichnen – aber nur im positiven Sinne. Nicht nur, dass man sich mit der Geschichte an sich schon an ein seltenes Thema herangewagt hat, auch was den Zeichenstil betrifft, wurde von Barbara Yelin einiges ausprobiert. Sowohl was die Anordnung der Panels und die Größe der Zeichnungen anbelangt, als auch was die raumzeitliche Logik betrifft, ist dieser Graphic Novel etwas ganz Besonderes. So kann es sein, dass man das gesamte Buch drehen muss, um eine Zeichnung vollständig erfassen zu können, was ich absolut genial fand!

Wie schon oben angedeutet, ist die Geschichte genauso belebend, wie gefühlvoll. Vor allem zum Ende hin, musste ich einige Male eine Pause einlegen, um das Gelesene auf mich wirken zu lassen. Dass man berührt ist, zeugt nur von der einfühlsamen Herangehensweise dieses Graphic Novels an ein schwieriges Thema, das ich so zuvor noch nicht gelesen habe. Sowohl Barbara Yelin als auch Thomas Steinaecker haben hervorragend zusammen harmoniert und eine Geschichte erschaffen, die hoffentlich viele lesen und für ihr eigenes Leben nutzen können.

Fazit & Bewertung

Der Sommer ihres Lebens von Barbara Yelin und Thomas Steinaecker ist ein Graphic Novel, den ich jedem empfehlen kann, der warmherzige und authentische Geschichten abseits der kommerziellen Themen sucht. Ein Graphic Novel, der mich sehr berührt hat und mir einen ganz anderen Blick auf die Frage gegeben hat: Bist du glücklich? Lest ihn!
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Bewertung vom 08.08.2018
Das große Spiel / Sherlock Bd.3
Jay.; Moffat, Steven; Gatiss, Mark

Das große Spiel / Sherlock Bd.3


sehr gut

Als großer Sherlock-Fan sind für mich die gleichnamigen Mangas zur Serie ein muss. Ich liebe die von Sarkasmus und düsterem Humor triefenden Dialoge, Sherlocks verworrene Denkweise und seine Genialität. Und genau das ist in diesem Comic von Jay. und Mark Gatiss zeichnerisch und sprachlich einfach wunderbar umgesetzt. Der dritte Band der Comic-Reihe legt an Humor noch einmal eine Schippe drauf, hat mich von der ersten Seite an toll unterhalten und mir das Gefühl gegeben, die Serie noch einmal Revue passieren zu lassen.

Sherlock ist in dieser Fortsetzung ein genialer Kopf wie eh und je. Weil er vor Langeweile umkommt und sich nicht zu beschäftigen weiß, bekommen die Menschen in seiner Umgebung seine Launen gehörig zu spüren und selbst die Zimmerwand muss für Pistolenschüsse herhalten. Sherlocks Halt- und Rastlosigkeit machen selbst den Leser ganz nervös und lässt einen den nächsten Sherlock-würdigen Fall herbeisehnen. Ich habe es geliebt, erneut Zeuge von Sherlocks skurillen Eigenschaften und seiner trockenen, aber absolut witzigen Art und Weise zu sein.

Das Setting in diesem Comic ist sehr vielseitig und abwechslungsreich. Die Handlung spielt einen großen Teil wieder in Sherlocks und Watsons WG in der Bakerstreet, aber auch in Sherlocks Labor, an Bahnhöfen und verschiedenen anderen Tatorten, an die es die beiden Detektive diesmal verschlägt. Am genialsten finde ich wie immer die Darstellung von Sherlocks zu Hause, denn wie in der Serie kann man auch als Leser dieses Comics so viele ünerraschende Details in seiner Wohnung festgestellen, dass man einfach nur fasziniert sein kann. Ob menschliche Körperteile, Waffen oder sonstiger Kleinkram- Sherlocks Wohnung ist ein Sammelsurium von Merkwürdigkeiten und Sonderbarem, deren Faszination man sich auch als Leser nur schlecht entziehen kann.

Wer die Geschichten von Sherlock kennt, weiß, dass sie immer recht komplex und teilweise ein bisschen verworren sind. Auch in dieser Geschichte ist Sherlocks Fall eine harte Nuss, sodass ich jedem nur raten kann, die Geschichte ohne längere Pausen zu lesen, um selbst alles im Gedächtnis zusammenfügen zu können und das Ende zu verstehen. Natürlich ist wie so oft eher Watson derjenige, der auf einer falschen Fährte ist, aber auch Sherlock muss diesmal einige Rückschläge einstecken. Ich habe die Geschichte geliebt und finde, dass sie von ihrer Spannung und den überraschenden Wendungen her eine der besten der ganzen Serie ist.

Sprachlich trifft Mark Gatiss wie schon in den letzten beiden Bänden genau den Ton, den Sherlocks Charakter und Benedict Cumberbatch als Schaukapelle so sehr ausmacht. Ich hatte oft die Filmbilder der Serienepisode im Kopf und habe mich völlig in die Geschichte hineinversetzt gefühlt. Auch dem Zeichner Jay. kann man wieder nur ein großes Lob aussprechen. Eine wirklich tolle Umsetzung mit genau der richtigen Mischung an wilder Verspieltheit und klaren Linien.

Fazit & Bewertung

Sherlock: Das große Spiel von Jay. und Mark Gatiss kann ich allen empfehlen, die die Serie Sherlock wie ich geliebt haben. Vorkenntnisse der Serie sind hier von Vorteil, da man den Witz und den Humor, der in den Panels und den Dialogen steckt, meiner Meinung nach nur eindeutig versteht, wenn man Benedict Cumberbatchs Umsetzung der Figur in der Serie kennt. Wie immer eine absolut grandiose Adaption, die bei jedem Fan das Herz höher schlagen lässt.
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Bewertung vom 08.08.2018
Dieser Augenblick, erschreckend und schön
Curtis, Marci Lyn

Dieser Augenblick, erschreckend und schön


ausgezeichnet

Ohne zu wissen, was mich erwartet, ohne vorab Rezensionen oder Meinungen gelesen zu haben, habe ich mich in diese Geschichte hineinbegeben. Ich muss zugeben, dass das Cover diesmal bei meiner Wahl eine wichtige Rolle gespielt hat, denn so konnte ich schon erahnen, dass es nicht nur traurige Momente in der Geschichte geben wird. Die Farbgebung und die Gestaltung stehen vielmehr für die Hoffnung, dass das Leben nach schlimmen Erfahrungen nicht vorbei ist, sondern dass man es nur neu skalieren muss. Auch die vielen tiefgründigen, aber meist lebensbejahenden Einsichten der Protagonistin haben mich sehr berührt und mir so viel gegeben, sodass ich euch gerne von diesem tollen Buch berichten möchte.

Die Protagonistin Grace hat bereits einiges in ihrem Leben an Schicksalsschlägen einstecken müssen. Doch meine anfänglichen Befürchtungen, dass man es mit einer frustrierten und depressiven Persönlichkeit zu tun zu haben wird, hat sich nicht bewahrheitet. Grace‘ Gefühlswelt besteht hauptsächlich aus Trauer und Enttäuschung. Trauer darüber, ihren Vater und ihr Zuhause verloren zu haben und Enttäuschung darüber, für niemanden mehr von großer Bedeutung zu sein. Ein Leben abseits zu führen. Grace‘ Wut richtet sich anfänglich hauptsächlich gegen ihren Onkel, der nach dem Tod ihres Vaters zwei Jahre gebraucht hat, um ihre Vormundschaft zu übernehmen. Grace‘ Probleme und ihr Gefühle sind für den Leser sehr realistisch und authentisch. Ich konnte mich sehr schnell mit ihr identifizieren und ihre Motivation und ihre Beweggründe für ihr Handeln die gesamte Geschichte über gut nachvollziehen. Grace‘ ist ein herzensguter Mensch mit einer schlimmen Vergangenheit, trotzdem legt die Geschichte es nicht darauf an, Mitleid zu empfinden, vielmehr ist es so, dass man Grace Bewunderung entgegenbringt. Für ihre Kraft und ihre Stärke, ihre Güte und ihren Mut.

Dramaturgisch ist die Geschichte mit einigen spannenden Wendungen ausgestattet, denn Grace macht sich nicht nur an die mühsame Arbeit, ihr Leben wieder unter Kontrolle zu bringen, sondern begibt sich auch auf die Suche nach ihrem Vergewaltiger, was ihr gefühlsmäßig einiges abverlangt. Bis zuletzt hat die Autorin die Spannung aufrecht erhalten und mich als Leserin an ihre aufwühlende und auch erschreckende Geschichte gefesselt. Einige entspannende Nebenstränge, z.B. die des Onkels und seiner neuen Flamme, Grace‘ kriminelle Energien oder die Freundschaft zur ehemaligen besten Freundin Janna machen die Geschichte abwechslungsreich und lenken auch ab und an von dem großen Thema des sexuellen Missbrauchs ab, gönnen dem Leser und Grace eine Pause.

Auch eine Liebesgeschichte kommt in dem Jugendroman nicht zu kurz. Obwohl sie von Grace‘ Vergangenheit überschattet wird, hat man als Leser dennoch die Hoffnung, dass sich in der Hinsicht alles für sie zum Guten wendet. Man wünscht es ihr so sehr, dass ich schon alleine aus dem Grund, das Buch kaum aus der Hand legen konnte. Im Gegensatz zu Jugendromanen mit dem Thema erste Liebe, ist in dieser Geschichte das Ende und der Ausgang ganz und gar nicht vorersehbar. Das fand ich klasse und hat gezeigt, wir sehr die Autorin ihr Handwerk beherrscht.

Sprachlich ist Marci Lyn Curtis sehr nah an ihrer Zielgruppe. Der Roman lässt sich leicht und flüssig lesen, und wäre meiner Meinung nach auch sehr gut als Schullektüre geeignet, um nicht nur Mädchen für die Thematik zu sensibilisieren.

Fazit & Bewertung

Dieser Augenblick, erschreckend und schön von Marci Lyn Curtis hat mich sehr berührt und mich noch einmal auf ein Thema im Genre Jugendbuch aufmerksam gemacht, das ich lange vernachlässigt habe. Sexueller Missbrauch und Vergewaltigung ist ein Thema, das in der Gesellschaft diskutiert und gehört werden sollte, aber immer noch viel zu oft tabuisiert wird. Es geht um die Zerstörung eines Menschenlebens und um den starken Willen einer jungen Frau, nicht aufzugeben und sich das Glück Stück für Stück zurückzuerobern.
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