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zu den Top-Rezensenten

Benutzername: Philo
Wohnort: Frankfurt am Main
Über mich: Lesen ist mein liebstes Hobby
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Bewertungen

Insgesamt 256 Bewertungen
Bewertung vom 23.06.2020
Schwarzer August / Leander Lost Bd.4
Ribeiro, Gil

Schwarzer August / Leander Lost Bd.4


sehr gut

Dies ist bereits der vierte Band um den erfolgreichen Ermittler Leander Lost, der aus Deutschland an die Algarve versetzt wurde und sich hier nun dauerhaft eingerichtet hat. Die Cover ähneln sich alle und vermitteln sonniges Urlaubsflair mit Wiedererkennungsfaktor. Man nimmt die Bücher gerne zur Hand. Hauptsächlich aber wegen Leander Lost, der Ermittler mit dem Asperger-Syndrom, der nie etwas vergißt und unendlich viel weiß, vor allem aber erkennen kann, ob jemand die Wahrheit sagt oder nicht. Ich finde ihn überaus sympathisch und auch seine Kollegen haben sich mittlerweile mit ihm arrangiert und beraten sich gerne mit ihm. Diesmal hat er sich eine Auszeit genommen, die er mit Soraia, der Schwester seiner Chefin, Graciana Rosado, genießt, und er möchte sich ungerne stören lassen. Aber ein Bombenleger stört die Ruhe im Urlaubsparadies, und es gelingt den Ermittlern nicht, ihm auf die Spur zu kommen. Trotz aller Bemühungen ist der Täter den Ermittlern immer einen Schritt voraus. Die Anschläge richten sich gegen Geldwäscher und Umweltsünder. Es ist ein weiter und anstrengender Weg bis die Ermittlungen zu einem Erfolg führen.

Ein sympathisches Ermittlerteam, ein Autor, dessen Schreibweise mir sehr gefällt und ein spannender Fall um einen Bombenleger, der immer wieder entwischt, machen diesen Krimi wirklich lesenswert und wecken die Hoffnung, daß Leander Lost und seine Kollegen bald den fünften Fall zu lösen haben.

Bewertung vom 22.06.2020
Ozelot und Friesennerz
Matthiessen, Susanne

Ozelot und Friesennerz


ausgezeichnet

Das Cover nimmt den Leser mit zurück in die 60er/70er Jahre als Sylt noch den Syltern gehörte. Es paßt wunderbar zur damaligen Zeit. Hier hat die Autorin, die 1963 auf Sylt geboren wurde, ihre Kindheit verbracht. Die Sylter haben vom Fischfang gelebt und von der Vermietung der eigenen Räume an Feriengäste. Eltern und Kinder haben ihre Zimmer geräumt, um Platz für die Urlauber zu schaffen. Das war in allen Familien so - der ganz normale Alltag. Urlauber gab es zu jeder Zeit, die von der Schönheit der Insel angelockt wurden. Dies entdeckten mit dem Wirtschaftsaufschwung auch die Reichen und Schönen und nahmen nach und nach die Insel in Besitz, indem sie die schönsten Grundstücke kauften und herrschaftliche Häuser erbauten. Die Ansprüche stiegen und an die Stelle der privaten Zimmervermietungen traten noble Hotelunterkünfte. Die Preise stiegen. Die Sylter selbst konnten sich keine Grundstücke oder Wohnungen mehr leisten und zogen aufs Festland, von wo viele jeden Tag zum Arbeiten wieder auf die Insel kommen.

Über viele Anekdoten aus dieser Zeit berichtet die Autorin und nennt viele neue Inselbewohner oder Urlauber mit Namen. Arndt von Bohlen und Halbach muß einen nachhaltigen Eindruck bei ihr hinterlassen haben, von ihm wird ziemlich lange berichtet. Er war ja aber auch eine schillernde Persönlichkeit. Und er war ein guter Kunde im Pelzgeschäft ihrer Eltern. Aber da waren auch der Verleger Axel Springer, der viel umschwärmte Rudolf Prack oder die bewundernswerte Grete Weiser. Vieles über die Promiinsel erfuhren die Nichtsylter zur damaligen Zeit aus der Boulevardpresse, es jetzt aber in diesem Buch von einer echten Sylterin erzählt zu bekommen, hat seinen ganz eigenen Reiz. Mit Wehmut, aber teilweise auch voller Humor, erzählt die Autorin von ihrer liebenswerten Heimat, die es so nicht mehr gibt. Das Buch liest sich wunderbar leicht und flüssig und hat mich von Anfang bis Ende gefesselt. Empfehlen kann ich es jedem, der Sylt kennt, dort Urlaub macht oder sich ganz einfach - wie ich selbst - für die Insel interessiert und allen, die hoffen, daß vom Charme und der Schönheit der Insel so viel wie möglich erhalten bleibt.

Bewertung vom 13.06.2020
Der Gepäckträger
Rawlings, David

Der Gepäckträger


weniger gut

Das Cover hat mir so gut gefallen und auch der Klappentext. So hatte ich mir mehr erwartet von einem Buch über drei vertauschte Koffer. Das kann leicht passieren, weil es viel zu viele schwarze Koffer gibt. Ich möchte mir nicht vorstellen, wenn es mir passieren würde. Nun hatte ich von dieser Geschichte mehr Schwung und Humor erwartet. Stattdessen werden klischeehaft die Inhalte dreier "Gepäck"stücke - nicht Koffer - auseinandergenommen, die das Leben der drei Kofferinhaber widerspiegeln. Auf der Suche nch ihren Koffern begegnen sie einem Kofferträger, der ihnen einen Spiegel vorhält, in dem sie sich selbst wieder erkennen und das auf die jeweils gleiche Art und Weise. Als Leser konnte man den Text fast schon voraussagen, so ähnlich klang das alles. Dadurch wurde die Geschichte wirklich langweilig und ich habe zum Schluß nur noch darüber hinweg gelesen. Leider waren es nur ganz alltägliche Geschichten, eine Frau, die mit ihrem Leben nicht zufrieden ist, weil sie glaubt, allen anderen ginge es besser, ein Mann, dessen Frau ihn betrogen hat und der nun nicht weiß, wie er sich verhalten soll und ein junger Mann, der gerne Kunst studieren möchte, dessen Vater dies aber nicht erlaubt. Sind das die wahren Probleme im Leben? Ich glaube nicht. Da hätte sich der Gepäckträger andere Personen aussuchen und mit wirklichen Lebenshilfen beistehen müssen.

Bewertung vom 13.06.2020
Margos Töchter
Stephan, Cora

Margos Töchter


ausgezeichnet

Das Cover zeigt ein typisches Frauenbild aus der Nachkriegszeit und paßt sehr gut zur Geschichte um Margo. Mich hat schon der erste Band "Ab heute heiße ich Margo" begeistert, der nun vorliegende Folgeband hat meine Erwartungen noch bei weitem übertroffen. Eine Familiengeschichte, wie sie spannender und tragischer nicht sein kann. Margo lebt nach der Flucht aus dem Osten mit ihrem Mann Henri und ihrer Tochter Leonore in der norddeutschen Provinz. Sie ist ehrgeizig und geht in ihrem Beruf auf, ohne sich übermäßig um ihre Familie zu kümmern. Henri, ihr Mann, traumatisiert von den Kriegserlebnissen, kümmert sich um Haushalt und Tochter. Leonore aber ist eine rebellische Person, die ihr Elternhaus verläßt und sich falschen Freunden anschließt. Sie gerät in die Umgebung der RAF und damit in den Blickpunkt der Polizei, wovon sie sich in ihrem Leben nicht mehr befreien kann. Aus einem Aufenthalt in einem Jugendlager in der DDR hat sie eine Brieffreundschaft mit Clara Pinkus, die für die Stasi nach Westdeutschland geschickt wird. Clara taucht unangemeldet bei Margo und Leonore auf und läßt dort ihre neugeborene Tochter zurück. Leonore kümmert sich um Jana, fühlt sich aber immer wieder beobachtet, bis es zu einem schrecklichen Vorfall kommt. Jahre später, als Jana bereits verheiratet ist und selbst Kinder hat, erhält sie die Erlaubnis, in Berlin die Stasiakten ihrer Mutter einzusehen. Letztendlich kommen Wahrheiten ans Licht, die mich sehr betroffen gemacht haben. Als Leser erfährt man, was wirklich geschehen ist und man würde wünschen, die Betroffenen hätten dies alles nicht erleben müssen. Dieses Buch ist unbedingt lesenswert.

Bewertung vom 02.06.2020
Der Sommer der Islandtöchter
Baldvinsson, Karin

Der Sommer der Islandtöchter


sehr gut

Die Geschichte entführt die Leser nach Island, das auch ich ganz besonders liebe. Viele der im Buch genannten Orte sind mir bekannt, wodurch das Lesen noch mehr Freude macht. Die Geschichte spielt in zwei verschieden Zeitzonen, trotzdem sind die beiden Protagonistinnen miteinander verbunden. Monika kommt 1978 mit ihren Eltern nach Akureyri, um hier ihren Urlaub bei einer bekannten Familie zu verbringen. Zu Hause wartet ihr Verlobter, der trotz aller Bitten Monikas nicht mit nach Island gekommen ist, weil ihm seine Arbeit wichtiger ist. Monika ist verbittert und verliebt sich in Krystian, der sich sehr um sie bemüht. Sie entschließt sich, mit ihm in Island zu leben. Das aber versuchen ihre Eltern mit aller Macht zu verhindern.

Im Jahr 2018 kommt Hannah nach Island. Sie möchte hier ein Jahr mit ihrem kleinen Sohn Max verbringen, nachdem sie sich von ihrem Mann Nils getrennt hat. Hannah hat nach einer mißglückten Operation am Handgelenk ihr Karriere als Cellistin aufgeben müssen und ist nun auf der Suche nach einem neuen Weg zurück ins Leben. Als Hannah in Island Jon begegnet, ist sie zunächst nicht bereit, eine neue Verbindung einzugehen.

Zwei sympathische Protagonistinnen, die beide eine neue Liebe erleben und eine Autorin, die ihren Lesern Island und die wunderschöne Natur näherbringt. Ein schönes Buch für verträumte Lesestunden. Mir hat es gut gefallen, und ich empfehle es gerne weiter.

Bewertung vom 26.05.2020
flüchtig
Achleitner, Hubert

flüchtig


ausgezeichnet

Ich bin auf der Flucht vor meinem Mann und meinem Leben. Ich bin "flüchtig". Das erzählt Maria ihrer neuen Freundin Lisa, die sie als Anhalterin auf der Fahrt nach Griechenland aufgelesen hat. Maria hat ihren Mann nach dreißig Jahren Ehe verlassen. Ihre Ehe, ihre beruflichen Chancen, ihr unerfüllter Kinderwunsch, alle Träume sind zerplatzt. Und nun hat sie auch noch erfahren, daß ihr Mann seit langem eine Geliebte hat, die ein Kind von ihm erwartet. Sie kündigt ihren Job, nimmt den Volvo ihres Mannes und einen erheblichen Teil des gemeinsamen Geldes und fährt in Richtung Griechenland. Gemeinsam mit Lisa lernt sie Menschen kennen, von denen sie zuvor keine Ahnung hatte. Sie lebt wie eine Aussteigerin, die sie in Wirklichkeit gar nicht ist. Es sind flüchtige Begegnungen, die Maria dazu bringen, sich ihrem Leben zu stellen. Mikis, dessen Großvater, Vassilis sind wunderbar charakterisierte Protagonisten, mit denen Maria eine Weile zusammenlebt. Zu Hause aber wartet Wig, Marias Ehemann, der ihr Verschwinden nicht hinnehmen mag. Erst, wenn etwas nicht mehr vorhanden ist, wird der Wert des verloren Gegangenen schmerzhaft bewußt.

So erzählt dieses wunderbare Buch, wie sich das Glück verflüchtigt, wie flüchtige Begegnungen wichtig sein können, wie flüchtig das ganze Leben ist. Der Autor besitzt eine starke Erzählkraft, und ihm ist hier ein Debütroman gelungen, der äußerst lesenswert ist, und der zum Nachdenken anregt.

Bewertung vom 19.05.2020
Wie uns die Liebe fand
Stihlé, Claire

Wie uns die Liebe fand


ausgezeichnet

Mir hat das Buch sehr gut gefallen, und ich habe es mit großem Vergnügen gelesen. Gleich nach den ersten Sätzen habe ich mich in Madame Nan verliebt, die in Bois-de- Val, einem kleinen Dorf im Elsaß, lebt und jetzt, da sie 92 Jahre alt ist, mit sehr viel Humor auf ihr Leben zurückschaut. Sie hat ihr ganzes Leben in dem Dorf verbracht, hat hier geheiratet, vier Töchter bekommen und zu ihrem großen Leid ihren Ehemann Bertrand viel zu früh verloren. Voller Liebe zu ihren Töchtern erzählt sie von deren Leben, hebt deren Vorzüge, aber auch deren Schwächen hervor. Und in ihr eigenes Leben kommt auch noch einmal neuer Schwung, indem sie sich in Monsieur Boberschram, ihren Nachbarn, verliebt. Das ganze Dorf aber gerät in Verzückung durch die Erfindung der Liebesbomben durch ihre älteste Tochter Marie, die sich noch obendrein zu einem unglaublichen Verkaufsschlager entwickeln. Wir begleiten Madame Nan durch ihr langes Leben im Elsaß, in dem die Bevölkerung aufgrund politischer Ereignisse viel Leid erfahren hat, wodurch auch die Beziehung zwischen Madame Nan und Monsieur Boberschram eine ganz besondere Wendung nimmt.

Da Madame Nan eine sehr gute Köchin ist und die Liebe zum Kochen an ihre Tochter Chloé weitergab, sind die im Anhang abgedruckten Rezepte eine schöne Zugabe zum Buch, bei denen einem das Wasser im Munde zusammenläuft.

Ich habe den Rückblick von Madame Nan auf ihr Leben sehr genossen, ihren Humor, ihre Wahrheitsliebe und besonders ihre Hingabe an ihre Familie. Dies ist eine besondere Familiegeschichte, die zu lesen sich lohnt.

Bewertung vom 29.04.2020
Miracle Creek
Kim, Angie

Miracle Creek


ausgezeichnet

Dieses Buch hat es in sich. Spannend von der ersten bis zur letzten Zeile, erzählt es die Geschichte der amerikanischen Kleinstadt Miracle Creek, in der ein schrecklicher Unfall geschehen ist, dessen Hergang nun in einem Gerichtsverfahren aufgeklärt werden soll. Bei der Explosion eines Sauerstofftanks sind der 8-jährige an Autismus leidende Henry und Kitt, die Mutter von 5 Kindern, die sich mit ihrer kranken Tochter Rose am Unfallort befand, ums Leben gekommen. Angeklagt ist Elizabeth, die Mutter von Henry. Hat sie sich schuldig gemacht und die Explosion verursacht, um ihren Sohn zu töten?

Befragt werden alle in den Unfall involvierten Personen. Die Autorin läßt ihre Protagonisten den Unfallhergang aus der jeweiligen Sicht erzählen. Dabei kommen die dunkelsten Geheimnisse ans Tageslicht, und der Leser schwankt in seiner Beurteilung einer Schuldzuweisung. Jeder in diesem Ort hat etwas zu verbergen und jeder könnte die Explosion ausgelöst haben. Das macht das Buch so spannend und man möchte das Buch gar nicht aus der Hand legen, um die Wahrheit zu erfahren. Die ist erschreckend und nicht vorhersehbar. 5 Punkte und eine uneingeschränkte Leseempfehlung.

Bewertung vom 23.04.2020
American Dirt
Cummins, Jeanine

American Dirt


ausgezeichnet

Das Cover ist schon sehr beeindruckend und paßt genau zum Inhalt des Buches und zeigt - "La Bestia", den Todeszug -.

In Mexiko - hier in Acapulco - herrschen die Drogenkartelle. Hier leben Lydia und Sebastian mit ihrem kleinen Sohn Luca. Lydia betreibt einen kleinen Buchladen, Sebastian ist Journalist, der insbesondere immer wieder über "Los Jardineros" und dessen Anführer Javier Crespo Fuentos schreibt. Lydia lernt Javier in ihrem Buchladen kennen als einen gebildeten, an Literatur interessierten sehr charmanten Mann. Sie entwickelt viel Sympathie für ihn und liebt seine Besuche in ihrem Laden und die Gespräche mit ihm. Das Grauen packt sie, als sie in den Unterlagen ihres Mannes ein Bild von Javier entdeckt und erkennen muß, wer dieser Mann in Wirklichkeit ist. Und er schlägt mit aller Härte zu. Nach einem Artikel Sebastians werden auf einer Geburtstagsparty von Lydias Patenkind 16 ihrer Familienmitglieder erschossen. Nur durch Zufall überleben Lydia und ihr kleiner Sohn Luca, ein sehr aufgeschlossener und intelligenter Junge.

Die Autorin stellt ihre Leser auf eine harte Probe. Sie beschreibt in einer Eindringlichkeit das Entsetzen von Lydia, die nun ebenfalls um ihr Leben fürchtet und nur ein Ziel hat, ihr Kind zu retten, dem sich der Leser nicht entziehen kann. Alle Ängste, Entbehrungen, Hunger und die schreckliche Fahrt auf dem Dach von "La Bestia" haben mir Gansehäut verursacht und ich habe, obwohl das Buch so überaus spannend geschrieben ist, das Ende herbeigesehnt, um zu erfahren, ob Lydia und ihr Sohn Luca die Flucht überstehen werden. Lydia ist eine starke Frau, die sich allen Anforderungen stellt. Am meisten aber habe ich Luca bewundert, der ohne zu klagen, aber mit einem tiefen Verstehen seiner Mutter beigestanden und ihr obendrein noch Mut zugesprochen hat.

Soledad und Rebeca, zwei Schwestern im Teenageralter, haben sich unterwegs Lydia und Luca angeschlossen. Sie haben ihre Familie verlassen, weil in dem kleinen Dorf, in dem sie lebten, immer wieder Mädchen entführt wurden. Die Flucht hat sie aber nicht retten können vor Übergriffen gewaltbereiter Männer.

Viel hört man von Übergriffen der Drogenkartelle in Mexiko. Sie fordern Schutzgeldzahlungen, und wer dem nicht nachkommt, wird erschossen. Journalisten, die darüber berichten - wie hier Sebastian - werden gnadenlos verfolgt. Die Autorin nimmt kein Blatt vor den Mund in ihrer Anklage gegen Korruption, Drogen und Mord. Und auch wenn alles nur Fiktion ist, kann ich mir vorstellen, daß Vieles davon genau so sein könnte. Da stockt einem der Atem beim Lesen, und in so einer Welt möchte man nicht leben. Ein Buch, das man unbedingt lesen sollte.

Bewertung vom 18.04.2020
Der freie Hund
Schorlau, Wolfgang; Caiolo, Claudio

Der freie Hund


weniger gut

Wolfgang Schorlau hat gemeinsam mit Claudio Caiolo einen neuen Ermittler erschaffen, den aus Sizilien stammenden Claudio Morello. Morello, der in Sizilien erfolgreich gegen die Mafia ermittelt hat und jetzt dort um sein Leben bangen muß, wird, um ihn zu schützen, nach Vendig versetzt. Dort muß er sich vor der Mafia nicht fürchten. Aber an Venedig gefällt Morello wenig. Die vielen Touristen in der Stadt, die mit den riesigen Kreuzfahrtschiffen eintreffen. Das Wasser ist schmutzig, die Luft verpestet, sein geliebter Espresso (immer dopio) schmeckt in Sizilien besser und seine Kollegen mögen ihn auch nicht als neuen Vorgesetzten, weil er immer alles besser weiß und die Kollegen auch nur unzureichend in die Arbeit mit einbindet.

Ein neuer Ermittler, ein spannender Klappentext und ein namhafter Autor sollten Garant für einen spannenden Krimi sein. Aber weit gefehlt. Voller Klischees und ohne große Spannung läßt mich das Buch enttäuscht zurück. Immer wieder wird der neue Vorgesetzte von den Kollegen nicht gemocht. Waren sie doch selbst auf den Posten scharf. Immer wieder auch die Auseinandersetzung mit dem obersten Chef, was zu einer Suspendierung führt. Zu oft gelesen, als daß es noch interessant wäre.

Ich bin mit dem neuen Ermittler nicht warm geworden. Sein Lieblingswort scheint Cazzio zu sein, was im Buch viel zu häufig vorkommt, so daß ich für Morello wenig Sympathie entwickeln konnte.

Das Buch beschreibt die großen Probleme, die Venedig mit den riesigen Kreuzfahrtschiffen hat und daraus ergeben sich auch die Ermittlungen, die Morello zu einem Mordfall aufnehmen muß. Ein Student wird ermordet. Er gehörte einer Gruppe junger Leute an, die gegen die Kreuzfahrtschiffe in Venedig protestierten. Es folgen viele Vernehmungen, die alle ergebnislos verlaufen. Ein Hauptverdächtiger kann entkommen. Mir scheint außerdem, daß Morello mehr Interessen an seiner neuen Nachbarin hat als an seinen Ermittlungen. Bei einem Ausflug mit ihr lernt er die Schönheiten Venedigs kennen. Dieser Teil des Buches hat mir sehr gefallen, hat ja aber mit dem Kriminalfall nichts zu tun.

Wer einen spannenden Krimi sucht, wird hier eher enttäuscht sein, deshalb gebe ich keine Leseempfehlung ab.