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Benutzername: Philo
Wohnort: Frankfurt am Main
Über mich: Lesen ist mein liebstes Hobby
Danksagungen: 33 (erhaltene)


Bewertungen

Insgesamt 305 Bewertungen
Bewertung vom 15.09.2021
Fanzi
Schmidauer, Elisabeth

Fanzi


ausgezeichnet

Die Erlebnisse des Fanzi (so nennt ihn seine kleine Schwester Elfie) Klarnert haben mich so erschüttert, dass ich das Buch zeitweise schließen mußte, um das Gelesene zu verarbeiten. Auch wenn man manchmal ahnen konnte, welchen Verlauf Fanzis Lebensweg nehmen würde, war man von dem Gelesenen berührt. Dies lag vor allem an der Erzähl- und Schreibweise der Autorin. Fanzi litt unter der Strenge seines Vater und der Kälte seiner Mutter. Lediglich die Liebe zu seiner kleinen Schwester Elfie ließ ihn sein Schicksal ertragen. Leonhard und Toni,die beiden älteren Brüder, wurden 1941 zum Kriegsdienst eingezogen. Die ganze Härte des Vaters trat zutage, als Leonhard nach einem Heimaturlaub die Eltern bat, ihn zu verstecken, weil er den Kriegsdienst nicht mehr ertrug. Der Vater jagte ihn vom Hof, weil ein Soldat seinem Vaterland zu dienen habe. Die beiden Brüder kamen nicht mehr wieder, und so mußte Franz zum Unmut des Vaters den Hof übernehmen.

Elfie,die kleine Schwester, wurde nach einer Gehirnhautentzündung vom Vater einer „Heilstätte“ übergeben, in der kranke Kinder aber nicht geheilt, sondern ermordet wurden. Die langen Namenslisten dieser Kinder am Ende des Buches zeugen von diesen unfaßbaren Gräueltaten.

Voller Emotionen beschreibt die Autorin die tiefe Verzweiflung von Franz, der davon überzeugt ist, seine Geschwister hätte retten zu können.

Einen großen Teil des Buches widmet die Autorin Astrid, der Enkelin von Franz. Astrid ist Biologin. Von ihr lernt man viel über die Vielfalt und Eigenart von Pflanzen und Kleintierlebewesen, über die ich vorher keine so große Kenntnis hatte. Astrid hat ein gutes Verhältnis zum Großvater, der mit den eigenen Kindern nicht sehr gut zurecht kommt.

Das Buch beschreibt die ganze Härte des Lebens von Franz. Es wirkt so echt, daß es schwer auszuhalten ist. Die Protagonisten sind so lebensecht beschrieben, daß man meinen könnte, sie zu kennen. Ein Buch, das dem Leser seine volle Aufmerksamkeit abverlangt. Überaus lesenswert und deshalb von mir eine klare Leseempfehlung

Bewertung vom 12.09.2021
Ritchie Girl
Pflüger, Andreas

Ritchie Girl


ausgezeichnet

Was für ein Meisterwerk aus Fiktion und historischem Hintergrund ist Andreas Pflüger hier gelungen. Wie genau und akribisch muß er recherchiert haben, um all die Gräueltaten aufzudecken und mit Namen zu benennen. Vieles habe ich nicht gewußt, aber mich durch dieses Buch mit den Geschehnissen auseinandergesetzt. Lebhaft erinnern kann ich mich an den Eichmann-Prozeß, der immer noch ein Grauen bei mir auslöst. Über die Nürnberger Prozesse habe ich nicht allzu viel gewußt, aber viel darüber gelernt. Das sollten viele lesen.

Die Erfindung der Protagonistin, Paula Bloom, ist dem Autor so hervorragend gelungen, daß ich sie mir sehr realistisch vorstellen konnte. Eine hochintelligente deutsche junge Frau, die während des Krieges in den USA zur Besatzungsoffizierin ausgebildet wurde und nach dem Krieg wieder zurückkehrte. Hier hatte sie die schwierige Aufgabe zu überprüfen, ob der österreichische Jude Johann Kupfer wirklich der beste Spion des Zweiten Weltkrieges war. Dieses Wissen will er den Amerikanern verkaufen. Paula muß zwischen Lüge und Wahrheit entscheiden.

Für Paula steht bei diesen Gesprächen aber immer im Vordergrund, etwas über das Schicksal ihres Jugendfreundes Georg Melzer zu erfahren, und sie hofft, daß Kupfer ihr hier Hinweise geben kann.

Den Protagonisten Sam habe ich ins Herz geschlossen. Er ist fast immer an Paulas Seite, paßt auf sie auf und bespricht mit ihr alle wichtigen Vorfälle. Die Gespräche der beiden zählen für mich zu den besten Passagen des Buches. Sams ganze Liebe gehört Paula, aber sie ist unentwegt auf der Suche nach Georg.

Das Buch handelt von großer Schuld und grausamen Verbrechen gegen die Menschlichkeit, wobei die eigentlichen Verantwortlichen ihre Mitschuld nicht einsahen und zugeben wollten. Ein ganz wichtiges Buch gegen das Vergessen dieses dunklen Kapitels deutscher Geschichte. Mich hat das Buch erschüttert und ergriffen und ich hoffe, daß es ganz viele Leser findet.

Bewertung vom 11.09.2021
Barbara stirbt nicht
Bronsky, Alina

Barbara stirbt nicht


ausgezeichnet

Auch wenn im Titel der Name Barbara steht, geht es in Wirklichkeit doch um ihren Mann Walter, mit dem sie mehr als 50 Jahre verheiratet ist. Er hat sich in der Vergangenheit nicht allzu viele Gedanken um seine Ehefrau gemacht, der Haushalt musste reibungslos laufen. Da kannte Walter kein Pardon. Auch die beiden Kinder Karin und Sebastian hatten sich seinen Wünschen zu beugen.

Aber jetzt zieht kein Kaffeeduft durch die Wohnung. Das ist Walter nicht gewohnt. Barbara ist im Bad ausgerutscht und muss fortan das Bett hüten. Der Autorin gelingt es, mal sehr humorvoll, manchmal so traurig, dass man weinen möchte, ihren Protagonisten auf den Weg in die Selbstständigkeit zu schicken. Er kann ja noch nicht einmal Kaffee kochen. Allen Anfragen von Freunden und Nachbarn nach Barbaras Gesundheit weicht er aus. Er ist kein redseliger oder geselliger Mensch. Seine barschen Antworten können einen auf die Palme bringen.

Nach und nach denkt Walter über seine Ehe nach, und die kann für alle beide nicht glücklich gewesen sein. Jetzt bemüht Walter sich, seiner Ehefrau zu beweisen, dass er in der Lage ist, den Haushalt zu versorgen. So kann er mir doch noch sympathisch werden. Dazu trägt auch das überraschende, wenn auch plötzliche Ende bei.

Wieder ein gelungener Roman von Alina Bronsky, der mir gut gefallen hat und den ich gerne weiter empfehle.

Bewertung vom 29.08.2021
Die Teehändlerin / Die Ronnefeldt-Saga Bd.1
Popp, Susanne

Die Teehändlerin / Die Ronnefeldt-Saga Bd.1


ausgezeichnet

Ein gut gestaltetes Cover und ein wunderbar geschriebener historischer Roman um das Teehaus Ronnefeldt und das alte Frankfurt im Jahr 1838. Ich liebe die historischen Geschichten, die in Farnkfurt spielen. Ich bin hier geboren und gehe in Gedanken in den alten Gassen mit und bin begeistert, wie gut die Autorin die damalige Zeit beschreibt und mit welcher Sorgfalt sie auch auf die Charakterisierung der Personen eingeht. Insbesondere geht es um die Geschicke des Teehauses Ronnefeldt und seinen Gründer, Tobias Ronnefeldt, ein angesehener Geschäftsmann. Wiewohl zu dieser Zeit es nur den Männern gestattet war, im Beruf zu Ansehen und Wohlstand zu kommen. Den Frauen waren Haushalt und Kinder vorbehalten. Hiermit aber gibt sich Friederike Ronnefeldt nicht zufrieden. Als ihr Mann Tobias sich auf eine monatelange Chinareise begibt, kümmert sie sich sehr ausgiebig um das Teegeschäft und schließt mehrere Geschäfte erfolgreich ab. Es ist nicht einfach für sie, sich in der Männerwelt zu behaupten. Ihr zur Zeit stehen ihr ihr Bruder Nicolaus und der junge jüdische Arzt Dr. Paul Birkholz, der um seine Zulassung kämpft. Es gibt um diese Zeit auch große Probleme mit den unterschiedlichen Religionszugehörigkeiten. Friederikes Schwester Käthchen hat sich in den Katholiken Ambrosius Körner verliebt und erwartet ein Kind von ihm. Aber der strenge Vater von Ambrosius wird einer Heirat nicht zustimmen und ihn enterben, wenn er konvertieren würde.

Man mag sich nicht vorstellen, wie die Menschen, insbesondere die Frauen, sich zu dieser Zeit den gesellschaftlichen Verpflichtungen unterwerfen mußten. Mich hat das Buch fasziniert, weil mir die bildhafte Erzählweise und der Schreibstil der Autorin außerordentlich gefallen haben. Viele Fragen sind noch offen zu den Menschen, die in diesem Buch eine wichtige Rolle spielen, und so bin ich sehr gespannt auf die Fortsetzung.

Bewertung vom 13.08.2021
Die Überlebenden
Schulman, Alex

Die Überlebenden


ausgezeichnet

Das Cover ist gut gelungen. Es beeindruckt mich immer, wenn der Bucheinband den Inhalt widerspiegelt. Hier sind zwei der drei Brüder zu sehen, die in der Kindheit gemeinsam mit ihren Eltern ihre Ferien im Sommerhaus an einem See verbracht haben. Nils, Benjamin und Pierre waren sich meist selbst überlassen. Die Eltern sind schwer zu verstehen. Mal den Kindern zugewandt, dann wieder wie abwesend dem Alkohol zugetan. Von kurzen Momenten haben die Kinder keine Liebe von ihren Eltern erfahren. Benjamin, der Mittlere, hat mich mächtig beeindruckt. Ein Junge voller Phantasie und Empathie, für ihn war der Zusammenhalt der Familie wichtig. Ständig auf der Hut, hat er Streitigkeiten der Eltern schon im voraus erkannt. Besonderes Augenmerk hat er auf seinen jüngeren Bruder Nils gelegt, immer mit dem Gefühl „Wir gehören doch zusammen“.

Der Tod des Vaters hat Benjamin am stärksten getroffen. Nun war die Kindheit vorüber, alle gingen ihren eigenen Weg.

Nun aber ist die Mutter gestorben und hat verfügt, daß ihre Asche beim Sommerhaus am See verstreut wird. Nach zwanzig Jahren kommen die Brüder wieder zusammen. Nun wird deutlich, daß jeder seine eigene Sicht auf die Kinderzeit hat. Es folgen schwierige Tage der Auseinandersetzung und der gegenseitigen Schuldzuweisungen, aber auch der Aufklärung von Mißverständnissen.

Der Autor hat das Thema einer schwierigen Familiengeschichte ganz wunderbar aufgearbeitet und beschrieben. Die Eltern hatten ihre eigenen Probleme mit sich selbst, was sie davon abhielt, sich gebührend um die Kinder zu kümmern. Mit den Brüdern hatte ich oft tiefes Mitleid, wenn sie sich unbedacht in Schwierigkeiten begeben hatten.

Es ist eine bewegende Geschichte, und das Buch legt man nicht einfach so zur Seite, ohne noch lange darüber nachzudenken. Von mir gibt es eine 5-sternige Leseempfehlung.

Bewertung vom 04.08.2021
Der Glanz Londons / Das Auktionshaus Bd.1
Martin, Amelia

Der Glanz Londons / Das Auktionshaus Bd.1


ausgezeichnet

Von philo
Cover und Gestaltung gefallen mir sehr gut. Sie spiegeln den Glanz Londons wider, zeigen aber nur die eine Seite der großen Stadt. Hier wohnen und leben die Reichen und Schönen und genießen ihr Leben. Die andere Seite der Stadt ist gezeichnet von Armut und Bitterkeit und dem täglichen Kampf ums Überleben. Hier lebt die Protagonistin des Romans, Sarah Rosewell, mit ihrer Familie. Ihre Mutter arbeitet, trotz vieler Kinder, im angesagten Modesalon Weaver als Näherin, und dort soll auch Sarah das Nähen erlernen, zunächst jedoch ohne Bezahlung und ohne feste Anstellung. Der Vater ist ein gewalttätiger Trunkenbold, der die Familie tyrannisiert. Er arbeitet als Kohlenschaufler und gibt seinen kargen Lohn für Alkohol und Wetten aus.

Dieser Einstieg in die Geschichte und die bildhafte und interessante Beschreibung des Armenviertels Soho hinterläßt einen bitteren Eindruck und weckt Mitgefühl für die Menschen, die ohne Hoffnung auf Besserung hier leben.

Sarah Rosewells Glück besteht in der Bekanntschaft von Lady Sudbury, einer reichen Kundin im Modesalon Weaver. Sarah erweist sich als ehrliche Finderin einer wertvollen Brosche der Lady, woraufhin diese Sarah eine Stellung bei sich anbietet. Sie gibt ihr Gelegenheit, sich zu bilden und führt sie in die Gesellschaft ein.

Sarah erweist sich als intelligente junge Frau, die ein besonderes Interesse an Kunstgegenständen hat und durch Vermittlung von Lady Sudbury eine Anstellung in dem renommierten Auktionshaus Varnham erhält.

Die Autorin beschreibt Sarah als wißbegierige und begabte junge Frau, die überaus hübsch ist und durch Lady Sudbury mit der erforderlichen Garderobe ausgestattet wird.

Es ist die Zeit des Ersten Weltkriegs. Die Männer werden zum Kriegsdienst eingezogen, und so ergibt sich für Sarah als erste Frau überhaupt zur Expertin im Auktionshaus aufzusteigen. Gegen alle Widerstände setzt Sarah sich durch ihr Wissen durch, wobei sie viel lernen muß und ihr auch Fehler unterlaufen, die ihr durch ihre mangelnde Menschenkenntnis zum Verhängnis werden könnten.

Dies ist der zweite Teil des Buches, das nicht nur die Geschichte von Sarahs Aufstieg ist, sondern auch ganz viel von Sarahs Privatleben beschreibt.

Immer wieder ist da der Kummer und Schmerz über die in der Armut zurückgebliebene Familie, die Sorge um die Mutter und die Geschwister, obwohl Sarah hilft, wo sie kann. Und da ist die Trauer um ihre unglückliche Liebe zu dem Fotografen Philipp, der aus Standesgründen, wie dies damals oft üblich war, eine von den Eltern ausgesuchte Frau geheiratet hat, um die Familie vor dem Ruin zu retten.

Nachdem Sarah nach Wien reist , um dort Kunstgegenstände für eine Auktion in London zu begutachten, wird sie vor eine Entscheidung gestellt, deren Ergebnis der Leser aber erst im Fortsetzungsroman erfahren wird.

So bleibt die Spannung erhalten und ich freue mich schon, wenn ich hoffentlich bald weiterlesen kann. Das Schicksal von Sarah hat mich gefangengenommen. Die Autorin hat in Sarah eine mir von Anfang an sympathische Protagonistin erschaffen und durch ihre bildhafte und gut recherchierte Beschreibung der Zeit in London vor und während des Zweiten Weltkrieges und insbesondere auch durch die Einblicke in das Wirken in dem Auktionshaus Varnham ein wunderbares Zeitzeugnis erschaffen. Von mir eine klare Leseempfehlung an alle, die historische Romane mögen, an der Durchsetzungskraft von Frauen in schwierigen Zeiten interessiert sind und Sarah auf ihren Spuren weiterhin folgen wollen.

Bewertung vom 26.07.2021
Die Karte / Kerner und Oswald Bd.4
Winkelmann, Andreas

Die Karte / Kerner und Oswald Bd.4


ausgezeichnet

Schon das Cover ist super gelungen, aber das Buch ist einfach genial. Ein Thriller, wie er sein muß mit Nervenkitzel und Gänsehaut. Oswald und Kerner sind aufgerufen, einen Täter zu ermitteln, der jungen Frauen beim Joggen auflauert, sie überfällt und auf bestialische Weise ermordet. Woher kennt er die Laufstrecken der Frauen, die nicht immer die gleichen Strecken laufen, aber leichtsinnigerweise die sozialen Medien nutzen, um sich mit anderen über ihre Laufgewohnheiten auszutauschen. Es gibt mehrere Verdächtige, die den Ermittlern ins Netz gehen und die auch den Lesern als mögliche Täter erscheinen. Gekonnt führt der Autor seine Leser aber immer wieder auf neue Spuren. Zum Schluß endet das Ganze völlig überraschend und unerwartet.
Andreas Winkelmann versteht es hervorragend, seine Leser spannend zu unterhalten. Sein Schreibstil gefällt mir sehr. Seine Protagonisten werden hervorragend beschrieben, man kann sie sich gut vorstellen und lernt deren Milieu kennen. Bleibt zu hoffen, daß der Autor mit noch vielen spannenden Fällen seine Ermittler beschäftigt. Für Thrillerfans ein unbedingtes Muß.

Bewertung vom 25.07.2021
Der Nachlass
Winner, Jonas

Der Nachlass


ausgezeichnet

Das Cover paßt wirklich gut zum Inhalt des Buches. Man sieht es förmlich vor sich das Testament in der Dokumentenmappe und möchte gerne einmal schnell hineinschauen. Es ist das Testament der Hedda Laurent, die ihre vier Kinder noch einmal um sich versammelt hat, als sie im Sterben liegt. Schnell stellt sich heraus, daß nur eines der Kinder das Erbe antreten kann, alle müssen Aufgaben erfüllen, für die es Punkte gibt. Wer die meisten Punkte erringt, ist der Haupterbe. Es sind gruselige Aufgaben, die keiner ausführen will, bis sich immer eine Person dazu bereiterklärt. Mit jeder neuen Aufgabe wächst der Zwist zwischen den Geschwistern. Jeder möchte das Erbe antreten, aber wer möchte sich dafür einen Finger abschneiden lassen, was noch relativ harmlos ist. Als Leser frage ich mich, kann eine Mutter einen solchen Hass auf ihre Kinder haben, um solche gemeinen Aufgaben zu verlangen.

Da natürlich jeder nach dem Erbe strebt, kommen nach und nach auch Jugenderinnerungen zutage, die einem die Protagonisten näher bringen. Sympathisch sind sie mir allesamt nicht.

Als alle Aufgaben erfüllt sind, kommt der große Paukenschlag. Wie immer in einem guten Thriller ist alles anders als erwartet, was natürlich nicht verraten werden kann. Mich hat das Buch teils verwirrt, aber auch gefesselt. Spannend war es allemal. Eine ausdrückliche Leseempfehlung.

Bewertung vom 23.07.2021
Ausweglos
Faber, Henri

Ausweglos


ausgezeichnet

Sehr passend für das Buch ist der Fingerabdruck auf dem Cover und "Ausweglos" scheint die Ermittlungsarbeit der Polizei zu sein. Ein drei Jahre zurückliegender Fall eines Serienmörders, genannt der Fingermörder, der drei junge Frauen auf dem Gewissen hat, konnte nicht aufgeklärt werden. Dies hat zwei Ermittlern bei der Mordkommission ihren Job gekostet. Elias Blom wurde in das Einbruchsdezernat versetzt und sein Freund Mats hat gekündigt. Jetzt ist ein neuerlicher Mord an einer jungen Frau geschehen, der sofort Rückschlüsse auf den Fingermörder zuläßt. Elias Blom wird erneut zu den Ermittlungen hinzugezogen. In den Focus seiner Ermittlungen rückt der Nachbar der jungen Frau, Noah Klingberg, der sich in der Tatnacht in ihrer Wohnung aufgehalten hat.

Die Geschichte wird in kurzen Kapiteln aus der Sicht von Noah Klingberg, Linda Klingberg und Elias Blom in der Ich-Form erzählt, wobei auch in kurzen Abschnitten der Täter zu Wort kommt. In diesen kurzen Kapiteln lernt der Leser die Sichtweise der Protagonisten auf den neuen Fall kennen und schnell wird klar, daß alle lügen und jeder etwas zu verbergen hat. Um hinter die Wahrheit zu kommen, greift Elias Blom zu ungewöhnlichen Mitteln und verbeißt sich regelrecht in den Fall, schon deshalb, weil die Morde von damals nicht aufgeklärt werden konnten. Immer wieder wird er in seiner Arbeit von den eigenen Kollegen behindert und sogar verhöhnt, sie mögen ihn nicht.

Schonungslos beschreibt der Autor die grauenhaften Taten an den jungen Frauen, ohne daß auch nur der Verdacht auf eine bestimmte Person fällt.
Die Beschreibung der Protagonisten ist dem Autor sehr gut gelungen. Ist man sicher, einen Verdächtigen ausgemacht zu haben, wächst die Unsicherheit erneut nach dem nächsten Kapitel. Der Schreibstil des Autors hat mir gut gefallen. Gut geschrieben und flüssig zu lesen, wird der Spannungsbogen durchgehend hochgehalten. Nervenkitzel garantiert. Daß am Ende alles anders ist als gedacht, kann man von einem guten Thriller erwarten, und das ist hier wirklich gut gelungen.

Ein gut recherchiertes Thrillerdebüt, bei dem zum Schluß alle Fäden nachvollziehbar und richtig zusammengeführt werden. Wer einen spannenden Thriller mit Gänsehautcharakter liebt, der sollte "Ausweglos" lesen. Ich kann ihn nur empfehlen.

Bewertung vom 23.07.2021
Wildtriebe
Mank, Ute

Wildtriebe


ausgezeichnet

Das Cover gefällt mir sehr gut, und es verleitet einen, das Buch in die Hand zu nehmen, passt aber nach meinem Dafürhalten nicht so recht zum Buch. Ein bäuerliches Ambiente oder ein bunter Bauerngarten hätte mir besser gefallen. Aber das Buch hat es mir angetan. Es beschreibt sehr eindringlich und realitätsnah das Leben mehrerer Generationen auf einem bäuerlichen Anwesen. Die Protagonistin, die Bäuerin Lisbeth, herrscht nach dem Krieg und dem Verlust ihrer beiden Brüder uneingeschränkt auf dem Bethcheshof. Streng und unbeirrt geht sie den Jahreszeiten entsprechend ihrer Arbeit nach, sie ist es von früher Jugend an gewohnt. Konflikte entstehen erst, als Marlies als Jungbäuerin auf den Hof kommt. Lisbeth kann sich mit der Wahl ihres Sohnes Jens nicht abfinden. Lisbeth will, daß alles bleibt wie bisher und Marlies möchte ihr Leben nach ihren Vorstellungen gestalten. Diesen Konflikt beschreibt die Autorin sehr lebendig und nachvollziehbar. Ich habe dieses Buch sehr gerne gelesen und kann die Geschichte gut nachvollziehen.