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Philo
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Lesen ist mein liebstes Hobby

Bewertungen

Insgesamt 388 Bewertungen
Bewertung vom 01.02.2024
Lichtungen
Wolff, Iris

Lichtungen


ausgezeichnet

Das wunderschöne Cover - so federleicht passend zur Geschichte. Der Klappentext erzählt die Geschichte um Lev und Kato von Beginn an, das Buch aber ist in den Kapiteln neun bis eins rückwärts geschrieben, was mich zunächst irritiert hat und viel Konzentration und Aufmerksamkeit beim Lesen erfordert hat. Ich habe am Ende das gesamte Buch noch einmal von Kapitel eins bis neun gelesen, und plötzlich war alles stimmig. Die Protagonisten waren mir bereits an Herz gewachsen, aber jetzt konnte ich zeitlich alles ganz wunderbar einordnen. Der Schreibstil der Autorin ist so poetisch und einfühlsam, daß es eine Freude ist, dieses Buch zu lesen. Die Freundschaft zwischen Kato und Lev ist etwas ganz besonderes. Sie kennen sich seit Kindertagen und eine starke Bindung entsteht zwischen den beiden, als Kato die Schulaufgaben zu Lev bringen soll, der wegen einer Verletzung das Bett hüten muß. Die Achtung und Gefühle, die Lev Kato entgegenbringt, haben mich sehr bewegt. Beide sind in Rumänien aufgewachsen, und als sich schließlich die Grenzen öffnen, sucht Kato die Freiheit im Westen, während Lev in seiner Heimat verbleibt. Erst eine Postkarte von Kato mit der Frage "Wann kommst du?" rüttelt Lev auf und er macht sich auf den Weg zu Kato.

Meine Leseempfehlung für dieses Buch. Es ist etwas ganz besonderes und wird mich noch lange begleiten.

Bewertung vom 22.01.2024
Die Eisfischerin vom Helgasjön
Lamberti, Frieda

Die Eisfischerin vom Helgasjön


weniger gut

Wären nicht das schöne winterliche Cover und die vielversprechende Leseprobe, hätte ich mir dieses Buch nicht angetan. Man wird verleitet zu glauben, daß die Protagonistin nach Lapland reist, um dort die herrliche Landshaft und die Eisfischerei zu entdecken. Weit gefehlt. Die Protagonistin ist ständig auf der Rundreise zwischen Hamburg, Schweden und ab und zu Lapland. Nach einer in die Brüche gegangenen Beziehung reist Rieke auf Veranlassung ihrer Mutter,die die Reise angeblich in einer Lotterie gewonnen hat, nach Lapland. Dort trifft sie ganz unverhofft auf Alina und Theo, ehemalige Studienkollegen, wobei sie Alina ganz schrecklich findet und sich Hals über Kopf in Theo verliebt, obwohl sie noch ständig an ihren Expartner Marco denkt.

Während des Lesens habe ich ständig aufs Eisfischen gewartet und darauf, wie Rieke sich zur Eisfischerin entwickelt. Eine Eisfischerin gibt es nicht, und das Eisfischen wird nur kurz erwähnt.

Mir hat die Geschichte nicht gefallen. Durch das Cover und den Klappentext fühle ich mich um die angekündigte Geschichte betrogen. Sie ist konstruiert und der Fortgang von Anfang an vorhersehbar. Für das Cover 2 Punkte aber für das Buch keine Leseempfehlung.

Bewertung vom 16.01.2024
Der Schacherzähler
Pinnow, Judith

Der Schacherzähler


ausgezeichnet

Beim Betrachten des Covers ahnte ich schon, daß dies ein ganz wunderbares Buch sein würde. Der alte Mann und der Junge strömen Vertrauen und Freundschaft aus, und das Buch bestätigt all das. Liebenswerte Protagonisten, von denen alle Schicksalsschläge zu verkraften haben, aber in der Lage sind, durch Herzenswärme für ihre Mitmenschen da zu sein und Freundschaften zu knüpfen. Als Janne, ein neunjähriger Junge, einen älteren Herrn, der sich als Oldman vorstellt, im Park kennenlernt, entsteht zwischen den beiden eine tiefe Freundschaft. Der sonst so unruhige Geist des Jungen kommt zur Ruhe als ihn Oldman nach und nach in die Geheimnisse des Schachspiels einweiht. Auch Jannes Mutter Malu ist bewegt von der Freundschaft, die die beiden verbindet. Sie arbeitet in einem kleinen Café und kämpft mit dem Besitzer um das Überleben ihres geliebten Arbeitsplatzes, indem sie einen Sponsoren für das Café suchen. Der Leser lernt die Gäste im Café kennen mit all ihren Eigenheiten. Und da ist auch noch Liv, die Freundin von Malu, mit ihrer Familie, die eine Bilderbuchfamilie zu sein scheint, aber auch eine schwere Krise durchstehen muss. Die Geschichte wird in Kapiteln aus der Sicht der jeweiligen Protagonisten erzählt, wodurch man sich in die Gefühlslage jedes einzelnen versetzen kann. Dies ist ein ganz wunderbares und besonderes Buch, das ich sehr gerne weiter empfehle.

Bewertung vom 10.12.2023
Kaltblütige Lügen / Die San-Diego-Reihe Bd.1
Rose, Karen

Kaltblütige Lügen / Die San-Diego-Reihe Bd.1


ausgezeichnet

Dies war mein erstes Buch von Karen Rose, obwohl ich den Namen der Autorin natürlich kenne. Ich fand den Thriller unglaublich gut. Er war superspannend von der ersten bis zur letzten Seite.

Seit nahezu 20 Jahren versucht die Kriminalpolizei in San Diego einen Serientäter dingfest zu machen, der junge Mädchen tötet und in Parks verscharrt. Nun hat Detective Kit McKittrick die Ermittlungen übernommen. Sie ist eine sympathische und sehr engagierte Polizistin, die diesen Beruf ergriffen hat, weil ihre Schwester vor vielen Jahren als Jugendliche ebenfalls ermordet wurde. Sie selbst und die Pflegefamilie, in der sie aufgenommen wurde, haben den Tod von Wreng nie überwunden. Die Pflegeeltern Betsy und Harlan habe ich ins Herz geschlossen. Sie geben ihren Pflegekindern Geborgenheit und Sicherheit und versuchen, ihnen den Weg zurück ins Leben zu ebnen. Aus dieser Geborgenheit schöpft Kit die Kraft, sich ihrer schweren Aufgabe, den Mörder der jungen Mädchen zu finden, zu widmen.

Einen Hinweis erhält sie von Dr. Sam Reeves, der als Psychologe vom Gericht überstellte Straftäter behandelt. Einer seiner Patienten ist ein notorischer Lügner und Angeber und Dr. Reeves vermutet, daß er etwas mit den Morden zu tun haben könnte. Dr. Reeves wird als überaus ehrlicher und aufrichtiger Mann beschrieben, was die Polizei aber nicht erkennt, sondern Dr. Reeves verhaftet, weil sie ihn wegen der Hinweise auf die Morde für den Täter hält.

Aufgrund der Beschreibung von Dr. Reeves ist man geneigt, ihm zu glauben, wovon auch Detective Kit McKittrick ausgeht, die von Anfang an eine große Sympathie für Dr. Reeves hegt, die auf Gegenseitigkeit beruht. Obwohl Detective McKittrick ihren Gefühlen zu Dr. Reeves nicht traut, weil sie einen Beweis für seine Unschuld nicht erbringen kann, ist ihre Beziehung von gegenseitiger Achtung und Respekt geprägt. Nachdem eine gute Freundin von Dr. Reeves ebenfalls ermordet wird, rückt er wieder in den Focus der Ermittlungen und beginnt, eigene Nachforschungen anzustellen. Er ist sich sicher, daß jemand falsche Spuren legt, um ihn für die Morde verantwortlich zu machen. Wer aber hat ein Interesse daran, die Polizei davon zu überzeugen, daß nur Dr. Reeves der Mörder sein kann.

Alle Bemühungen der Polizei das Umfeld der ermordeten Jugendlichen akribisch zu durchleuchten, führen zu keinem Ergebnis, und der Autorin gelingt es geschickt, den Leser bis zum Schluß im Unklaren zu lassen. Mit dem Ende hätte ich so auf keinen Fall gerechnet. Das macht einen guten Thriller aus, das man als Leser mit seinen eigenen Vermutungen völlig daneben liegt.

Da dieses Buch der Einstieg in eine neue Thriller-Reihe ist, werde ich gespannt auf die Fortsetzung warten mit der sympathischen Ermittlerin Kit McKittrick und ihrem Team, ihrer liebevollen Pflegefamilie und dem Psychologen Dr. Sam Reeves. Die Autorin hat mich total begeistert, und dafür gibt es eine Leseempfehlung und 5 verdiente Punkte.

Bewertung vom 04.12.2023
Die Geister von Triest
Klinger, Christian

Die Geister von Triest


sehr gut

Leider habe ich den vorhergehenden Band um Ispettore Gaetano nicht gelesen, weshalb es mir schwerfiel, in die Geschichte hineinzukommen und sich in den düsteren Gassen von Triest zurechtzufinden. Der Erste Weltkrieg steht bevor, und es herrscht Unruhe in der Stadt. Die jungen Männer melden sich zum Kriegsdienst und ziehen freudig in den Krieg, ohne darauf vorbereitet zu sein, was sie erwartet. Schwer zu ertragen sind die Schilderungen eines Kollegen Gaetanos während seines Heimaturlaubs.

Aber Gaetano ist mit den Ermittlungen in einem Mordfall beschäftigt. Eine alte Frau, die von allen nur die Hexe genannt wurde, ist in ihrem Haus auf bestialische Weise ermordet worden. Die Spuren führen zu einigen Verdächtigen, aber die sind alle untergetaucht. Der Fall ist überaus spannend und reicht bis ins 18. Jahrhundert zurück.

Der Autor widmet sich ausgiebig dem Privatleben Gaetanos, der in seiner Freizeit dem Radrennsport verfallen ist. Sein Familienleben verläuft nicht ohne Auseinandersetzungen mit seinem Vater, der ihn gegen sein Wissen zum Militärdienst gemeldet hat, weil er selbst nicht mehr wehrtauglich ist. Dafür hat er in seiner Schwester Adina eine Verbündete, die sich sehr für seine Arbeit interessiert und ihm mit ihrem Wissen in vielen Dingen weiterhilft. Gegenüber weiblichen Reizen ist Gaetano angetan. So hat er eine Affäre mit der Witwe eines Kollegen, hat eine Brieffreundschaft mit einer entfernten Geliebten und fühlt sich zu einer Kollegin hingezogen, die jetzt kriegsbedingt anstelle von männlichen Kollegen in seinem Kommissariat arbeitet.

Es gibt noch mehrere Todesfälle, die der Autor geschickt mit dem Mord an der alten Frau verknüpft. Ein Kriminalfall, der seinen Ursprung in einem viele Jahrzehnte zurückliegenden Vorfall hat, und den Gaetano jetzt aufzuklären hat. Er macht das gut. Ein spannender Krimi, den ich gerne weiter empfehle.

Bewertung vom 18.11.2023
Tief im Schatten / Hanna Ahlander Bd.2
Sten, Viveca

Tief im Schatten / Hanna Ahlander Bd.2


ausgezeichnet

Auch mit dem zweiten Buch um die Ermittlerin Hanna Ahlander ist der Autorin wieder ein spannender und gut zu lesender Krimi gelungen, der viele Rätsel aufgibt und in dem mehrere Handlungsstränge miteinander verknüpft werden müssen.

Ausgelöst werden die Ermittlungen durch die Ermordung von Johan Lars Anderson, der am Straßenrand unter Schneebergen verborgen aufgefunden wird. Anderson war ein bekannter Skifahrer und allseits beliebt und bekannt. Hanna und ihr Kollege Daniel finden keine Erklärung dafür, wer den Toten so brutal und grausam ermordet hat. Die Ehefrau ist am Boden zerstört, der Mitinhaber seiner Installationsfirma, mit dem er zwar geschäftliche Probleme hatte, scheidet nach eingehender Überprüfung aus. Ein Hinweis des Bruders des Toten, daß dieser verreisen wollte, ohne daß jemand aus seiner näheren Umgebung davon wußte, führt die Ermittler zu einem Kindergarten, in dem eine junge Frau arbeitet, die offensichtlich Kontakt zu dem Toten hatte.

Rebecka, die mit Ole Nordhammar, dem Hilfspastor einer freikirchlichen Gemeinde verheiratet ist, hat vom großen Glück mit Ole geträumt. Aber in der Gemeinde gelten die Frauen nichts und Ole ist seiner Frau gegenüber gewalttätig und schlägt sie grundlos zusammen. Rebecka hat große Angst vor ihrem Mann, glaubt aber, daß sie ihm gehorchen muß, wie man es ihr von klein an beigebracht hat. Sonst wird Gott sie bestrafen. Alle Fauen in dieser Gemeinde werden unterdrückt, in der nur die Männer das Sagen haben, aber Rebecka trifft es am Schlimmsten, und niemand traut dem Hilfspastor solche Grausamkeiten zu.

Die Autorin legt verschiedene Fährten, wobei man geneigt ist, mehrere Täter in Betracht zu ziehen. Aber wie in einem guten Krimi zu erwarten, ist am Ende alles ganz anders. Es war sehr spannend, dieses Buch zu lesen, so daß ich es gerne weiterempfehle.

Bewertung vom 18.11.2023
Kant und das Leben nach dem Tod / Kommissar Kant Bd.3
Häußler, Marcel

Kant und das Leben nach dem Tod / Kommissar Kant Bd.3


sehr gut

Nachdem ihre Mutter verstorben ist, fährt Antonia mit ihrem Wohnmobil von Portugal in ihre Heimatstadt München. Hier will sie einen Neuanfang wagen. Gleich am ersten Tag wird der Wohnwagen von der Polizei wegen fehlendem TÜV beschlagnahmt und Antonia steht auf der Straße. Sie beschließt, bei ihrem Großvater, den sie lange nicht gesehen hat, unterzuschlüpfen. Es ist eine düstere Gegend, in der sie landet, am Münchener Stadtrand Hasenbergl. Begrüßt wird sie von der Lebensgefährtin ihres Großvaters, die sich um sie kümmert. Den Großvater bekommt sie kaum zu Gesicht, er verbringt ganze Tage in seinem Zimmer.

An der Autobahn zwischen München und Salzburg tauchen Leichenteile auf, zunächst nur ein abgetrennter Arm. Die Ermittlungen führen Kommissar Kant und sein Team auf die Spur eines alten Mannes, der in einem der Hochhäuser im Stadtteil Hasenbergl gewohnt hat. Nach eingehenden Recherchen steht fest, daß hier weitere Menschen verschwunden sind. Wer aber hat sie umgebracht und wer ist der Mörder.

Der Autor beschreibt in einer sehr realistischen Weise die Anonymität und Einsamkeit derartiger Hochhaussiedlungen, in denen sich niemand um seine Nachbarn kümmert und wo niemandem auffällt, wenn jemand lange Zeit nicht mehr gesehen wird.

Die Protagonisten werden sehr gut charakterisiert und beschrieben, und auch wenn man die beiden vorhergehenden Bücher nicht gelesen hat, kann man sich gut in den Kommissar und sein Team hineinversetzen und sich mit den übrigen Personen auseinandersetzen.

Es beschleicht einen ein mulmiges Gefühl, wenn man den Hausmeister, den man selbst sofort vedächtigt, durch die düsteren Keller der Häuser begleitet.

Der Krimi ist spannend und gut geschrieben, umso mehr als es solche Hochhaussiedlungen ja wirklich gibt. Es sind viele Handlungsstränge, die der Autor gekonnt miteinander verknüpft und den Leser in die Irre leitet. Die Auflösung ist stimmig, aber vollkommen anders als gedacht. Für Krimifans unbedingt zu empfehlen.

Bewertung vom 08.11.2023
Aenne und ihre Brüder
Beckmann, Reinhold

Aenne und ihre Brüder


ausgezeichnet

Das Cover zeigt Aenne als hübsche und junge Frau, die auf ein hoffnungsvolles Leben blicken sollte, aber alle Schrecken des Zweiten Weltkrieges erleben mußte. Mit einem emotionalen und anrührenden Rückblick schreibt Reinhold Beckmann über das Leben seiner Mutter, die an den grausamen Erlebnissen nicht zerbrochen ist, sondern ein Leben in Demut und Güte, in Hilfsbereitschaft und Empathie geführt hat. Reinhold Beckmann muß seine Mutter sehr geliebt haben, und er setzt ihr mit diesem Buch ein Denkmal.

Aenne, deren Mutter an den Folgen einer kriegsbedingten Erkrankung aus dem Ersten Weltkrieg bei ihrer Geburt stirbt, wächst mit ihren drei älteren Brüdern bei dem nun alleinerziehenden Vater auf, der jedoch bald darauf wieder heiratet. Aber die Kinder leiden unter der Strenge der neuen Frau ihres Vaters. Als auch der Vater an den Folgen einer Kriegskrankheit stirbt und die Witwe sich wieder verheiratet, wachsen die Kinder bei Stiefeltern auf. Aenne bekommt noch einen Bruder und eine Schwester.

Als der Zweite Weltkrieg ausbricht, ist Franz, der älteste Bruder bereits im wehrpflichtigen Alter und wird eingezogen. In dem sechs Jahre dauernden Krieg trifft dieses Schicksal auch die anderen drei Brüder, alle werden eingezogen und keiner kommt mehr zurück.

Als Aenne im hohen Alter selbst im Sterben liegt, übergibt sie ihrem Sohn Reinhold die Briefe ihrer Brüder, mit denen sie in einem engen Briefwechsel stand und das Bindeglied zu den Stiefeltern und den Liebsten ihrer Brüder war.

Aufgrund dieser Briefe hat Reinhold Beckmann dieses Buch schreiben können. Bewundernswert finde ich seine ungeheuere Recherchearbeit, um das Leben in dem kleinen Ort Wellingholzhausen beschreiben zu können. Wie sich die Dorfgemeinschaft spaltete, in die Menschen, die auch weiterhin ihrem Glauben lebten und denen, die sich den neuen Machthabern anschlossen, weil sie sich Vorteile erhofften, sich stark und mächtig fühlten, anfingen ihre eben noch guten Nachbarn zu drangsalieren und anzuschwärzen.

Aus den Briefen und Erzählungen der Brüder bei den seltenen Heimaturlauben gehen die ganzen Schrecken des Krieges hervor und ich habe das ganze Buch mit einem Kloß im Hals gelesen. Auch wenn das Schicksal der vier Brüder bekannt war, habe ich immer gewünscht, dieser unselige und grausame Krieg möge zu Ende gehen, bevor die Brüder im Krieg fallen.

Auch wenn es dem Autor sicher nicht leicht gefallen ist, dieses Buch zu schreiben, weil die Erinnerungen zu schmerzlich sind, ist es ein ganz wichtiges Buch, das besonders jungen Lesern zu empfehlen ist.

Ich habe manche Träne geweint um meinen Onkel, der nach einem Notabitur eingezogen wurde und sechs Wochen später gefallen ist. Wie Aenne hat mein Großvater Paul uns nie spüren lassen, wie schwer es für ihn war, seinen einzigen Sohn zu verlieren. Meine Oma ist im Krieg an einer Lungenentzündung gestorben, weil es keine Medikamente gab. Mein Großvater ist für mich immer ein Vorbild gewesen und wird es auch bleiben.

Viele haben ein solches Schicksal erleiden müssen, deshalb finde ich es so wichtig, daß Reinhold Beckmann in seinem Buch die schrecklichen Kriegsereignisse noch einmal für alle in Erinnerung ruft. Dafür gebührt ihm Anerkennung und ein großes Dankeschön.

Bewertung vom 28.10.2023
Die Erfindung des Lächelns
Hillenbrand, Tom

Die Erfindung des Lächelns


sehr gut

Tom Hillebrand hat sich diesmal in seinem neuen Roman "Die Erfindung des Lächens" dem Diebstahl von Leonardo Da Vincis "Mona Lisa" aus dem Pariser Louvre am 22. August 1911 gewidmet. Ich habe bereits viele seiner Bücher gelesen und war deshalb auf sein neues Werk sehr gespannt. Zu Beginn der Geschichte verschwindet auf misteriöse Weise das Kunstwerk aus dem Louvre. Ganz Paris steht Kopf und Kommissar Juhel wird mit der Suche beauftragt, was für ihn eine Mammutaufgabe darstellt. Es wird gemunkelt und vedächtigt. Es tauchen viele Namen aus der Kunstszene auf, besonders Pablo Picasso und Appollinaire Guillaume spielen eine große Rolle, um die sich viele bekannte Größen aus der Künstlerszene scharen.

Es war eine wilde Zeit damals in Paris, und der Autor hat diese Zeit sehr genau recherchiert und in dem ihm eigenen Erzählstil seinen Lesern vermittelt. Leider fand ich das Buch sehr überfrachtet mit Personen und Geschehnissen, was zum einen von dem eigentlichen Thema sehr ablenkte, zum anderen ein flüssiges Lesen auch erschwerte. Das habe ich bei keinem anderen vorhergehenden Buch von Tom Hillebrand so empfunden.

Aber man lernt bei diesen historischen Romanen, wenn sie wie hier das Zeitgeschehen sehr gut widerspiegeln, eine Menge dazu, auch wenn der Autor seine fiktiven Figuren und Geschehnisse mit einfließen ließ.

Man muß sich Zeit nehmen für dieses Buch. Es liest sich nicht einfach so nebenbei. Und man möchte ja auch den Weg der Mona Lisa mit verfolgen, um zu erfahren, wie sie schließlich wieder im Louvre gelandet ist.

Bewertung vom 14.10.2023
Henriette lächelt
Heinisch, Andrea

Henriette lächelt


ausgezeichnet

Ein gelungenes Buch über Henriette - und alle Menschen in der gleichen Situation. Henriette leidet unter ihrer Fettleibigkeit. Sie wiegt 190 kg und ist 50 Jahre alt. Sie ist Buchhalterin und kann während der Corona-Krise im Homeoffice arbeiten. Sie hat dadurch alle sozialen Kontakte verloren, und kommuniziert nur noch mit ihrem Kollegen Martin während einer Konferenzschaltung.

In ihrem Zuhause hortet sie in allen möglichen Verstecken Kekse, Schokolade, Eis und nur eigentlich verbotene Lebensmittel. Alles bestellt sie beim Lieferservice, weil das Einkaufen zu beschwerlich ist.

Henriettes Mutter, die in der Wohnung über ihr wohnt, versorgt ihre Tochter mit warmen Mahlzeiten. Die Mutter lässt kein gutes Haar an Henriette. Sie ist mir im höchsten Maße unsympathisch. Statt der verständnislosen Mutter hätte Henriette eine professionelle Therapeutin benötigt.

Henriette hat viele Tagträume. Es gibt viele kleine Geschichten, bei denen man nicht immer weiß, sind sie real oder erdacht und erwünscht. Henriette ist mir sehr sympathisch. Man möchte ihr gerne helfen.

Als die Mutter stirbt, besinnt sich Henriette auf sich selbst. Sie nimmt Kontakte auf zu den anderen Mietern im Haus und wird gemeinsam mit Martin dessen neue Firma aufbauen.