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zu den Top-Rezensenten

Benutzername: Philo
Wohnort: Frankfurt am Main
Über mich: Lesen ist mein liebstes Hobby
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Bewertungen

Insgesamt 205 Bewertungen
Bewertung vom 26.12.2018
Stieg Larssons Erbe
Stocklassa, Jan

Stieg Larssons Erbe


ausgezeichnet

Viele werden sich noch an den 28. Februar 1986 erinnern, dem Tag, an dem Olof Palme in Stockholm auf offener Straße erschossen wurde. Er mußte wissen, daß er gefährdet war, weshalb ich es niemals vestehen werde, weshalb ein so hochrangiger Politiker ohne Begleitschutz unterwegs sein konnte.

Der Polizei ist es bisher nicht gelungen, den Mord aufzuklären. Vielleicht wäre es Stieg Larsson gelungen, wäre er nicht während seiner Recherchen verstorben. Stieg Larsson, Journalist und weltbekannter Autor, hat sein Leben dem Kampf gegen den Rechtsextremismus gewidmet und akribisch die Hintergründe des Mordes an Olof Palme beleuchtet.

Jan Stocklossa, ebenfalls Journalist, ist zufällig auf die Aufzeichnungen Stieg Larssons gestoßen und hat diese weiter verfolgt. Das Ergebnis seiner Recherchen hat er in dem Buch "Stieg Larssons Erbe" niedergeschrieben. Dieses Buch, in Wirklichkeit ein True-Crime, liest sich wie ein Thriller und könnte spannender nicht sein. Besonders anerkennenswert finde ich, daß der Autor die Aufzeichnungen im ersten Teil des Buches immer Stieg Larsson zuschreibt und niemals Anpruch auf eigene Ermittlungen erhebt. Die Ermittlungen von Jan Stocklossa beginnen im zweiten Teil des Buches, das in kurzen Kapiteln und immer mit Zeitangabe verfaßt ist, wodurch sich das Buch sehr flüssig lesen ließ und sehr einprägsam war.

Das Buch vemittelt einen guten Einblick in die Arbeit von Journalisten, die nicht immer einfach und ungefährlich ist. Es gehört meines Erachtens eine große Portion Mut dazu, die bei den Recherchen in Erscheinung tretenden Personen mit Namen zu nennen, wodurch ein Journalist sicher auch mit Repressalien zu rechnen hat.

Dieses Buch hat mich sehr beeindruckt. Es ist zu hoffen, daß es Anstoß gibt, nach dem wahren Täter zu suchen.

Bewertung vom 11.12.2018
Der Mann am Grund
Procházková, Iva

Der Mann am Grund


sehr gut

Das Cover gefällt mir, weil die Erklärung für dieses Bild im Buch erscheint und deshalb gut gewählt ist. Und auch der Titel ist stimmig, geht es schließlich um einen Toten, der am Grund eines kleinen Stausees aufgefunden wird. Es ist der erste Fall für Kommissar Holina, den die Autorin für ihe Leser ermitteln läßt. Der "Mann am Grund" ist der Polizist Zapletal, der seine Aufgaben mit unrühmlichen Methoden wahrgenommen hat. Er hat vor Erpressungen nicht zurückgeshreckt und sich junge Mädchen hierdurch gefügig gemacht. Nun ist er ermordet worden und Kommissar Holina hat die Aufgabe, seinen Mörder zu finden. Die Ermittlungen gestalten sich schwierig. Es gibt mehrere Verdächtige, die allesamt versuchen, den Kommissar auf eine falsche Fährtezu locken, um ihre eigenen undurchsichtigen Geheimnisse zu vertuschen, die die Autorin dem Leser aber sehr wohl vermittelt. So meint der Leser, dem Täter auf der Spur zu sein, am Ende stellt sich aber alles ganz anders dar.

Ich finde die Geschichte mit etwas zuviel Personen überfrachtet, zumal die vielen tschechischen Namen ein flüssiges Lesen erschwert haben. Der Versuch, mit Hilfe der Astrologie den Täter ausfindig zu machen, hat meines Erachtens nur zur Verwirrung beigetragen und sollte dazu dienen, die Freundin von Kommissar Holina besser in Szene zu setzen.

Spannend ist die Geschichte aber allemal. Jeder der Protagonisten hat etwas zu vertuschen. Es wird verheimlicht, gelogen und verschwiegen. Kommissar Holina und seine Mitarbeiter haben alle Hände voll zu tun, den Fall aufzuklären. Der laut Ankündigung erste Fall für Kommissar Holina läßt weitere Fälle erwarten. Ich bin gespannt.

Bewertung vom 03.12.2018
Die wundersame Mission des Harry Crane
Cohen, Jon

Die wundersame Mission des Harry Crane


sehr gut

Das Cover gefällt mir sehr. Es vermittelt eine Leichtigkeit, die hoffen läßt, daß sich alles Geschehen zum Guten wendet. Das Buch beginnt aber mit zwei traurigen Vorfällen. Harry verliert durch einen Unfall seine geliebte Frau Beth und Amanda und Oriana ihren Ehemann und Vater. Die Trauer ist bei allen groß, und Harry zieht sich in die Wälder seiner Kindheit zurück. Oriana glaubt fest daran, daß sie ihren Vater in den Wäldern wiederfinden wird. Amanda, die um ihren Ehemann trauert, hat große Mühe, Oriana davon zu überzeugen, daß ihr Vater wirklich gestorben ist und nicht wiederkommen wird. Im Wald begegnen sich die drei Protagonisten und werden sich Stütze und Hilfe auf dem Weg aus der Trauer. Es entwickelt sich eine Geschichte zwischen Traum und Wirklichkeit. Es ist ein modernes Märchenbuch, das sich ganz wunderbar liest. Es könnte alles wahr sein, aber es ist alles nur erdacht und gut erzählt. Eine Leseempfehlung gebe ich gerne ab.

Bewertung vom 26.11.2018
Der Apfelbaum
Berkel, Christian

Der Apfelbaum


ausgezeichnet

Christian Berkel, den ich als Schauspieler wegen seiner großartigen schauspielerischen Leistungen sehr bewundere, hat seine Familiengeschichte aufgeschrieben. Dieses Buch ist etwas ganz Besonderes, in einer ganz wunderbaren Sprache geschrieben, geht es unter die Haut. Christian Berkel hat sich viel Mühe gegeben, um die Familiengeschichte zu recherchieren und die einzelnen Puzzleteile zusammenzusetzen. Der Vater ist inzwischen vestorben, die Mutter dement. Aber ihre bruchstückhaften Erinnerungen setzt Christian Berkel zu einem Ganzen zusammen.

Die Familiengeschichte entwickelt sich aus dem Kennenlernen der Eltern Sala und Otto im Jahre 1932. Otto ist 17 Jahre alt und kommt aus ärmlichen Verhältnissen. Sala ist erst 13 Jahre alt, aufgewachsen in gut bürgerlichen Verhältnissen. Sala ist Halbjüdin, wodurch ihr weiteres Leben vor dem Hintergrund der politischen Verhältnisse geprägt wird. Sala und Otto verlieben sich. Es ist eine Liebe fürs Leben, die auch durch die jahrelange Trennung nicht zerstört werden kann.

Der Leser begleitet Otto und Sala durch die schlimmste Zeit deutscher Geschichte, die niemals vergessen werden darf. Und schon deshalb ist dieses Buch so wichtig und wertvoll.

Ich denke, daß dieses Buch viele Leser finden wird, schon wegen des Bekanntheitsgrades des Autors. Es ist ja nicht nur die Familiengeschichte des Christian Berkel, sondern ein hervorragendes Zeitzeugnis der Jahre des Nationalsozialismus. Die schriftstellerische Leistung des Christian Berkel steht seiner schauspielerischen Leistung in nichts nach. Dieses Buch muß man unbedingt lesen.

Bewertung vom 25.11.2018
Lenz / Kommissar Eschenbach Bd.6
Theurillat, Michael

Lenz / Kommissar Eschenbach Bd.6


ausgezeichnet

Für mich ist das der erste Krimi um Kommissar Eschenbach, was aber kein Nachteil ist, weil der Autor seine Protagonisten sehr gut beschreibt und charakterisiert, so daß man der Geschichte sehr gut folgen kann.

Kommissar Eschenbach kommt nach einer Auszeit von 3 Monaten in den USA wieder in sein Kommissariat nach Zürich zurück. Viel hat sich geändert in seiner Abwesenheit, und mit seiner neuen Stellvertreterin hat er seine Schwierigkeiten. Sie geht eigene Wege und boykottiert seine Arbeit. Einen Mord in Zürich erklärt sie für abgeschlossen, obwohl noch viele Fragen offen sind. Eschenbach ermittelt auf eigene Faust. Fassungslos stellt er fest, daß sein Freund Lenz, der als Archivar im gleichen Kommissariat arbeitet, den Toten schon sehr lange gekannt hat. Aber Lenz ist verschwunden, und es gibt keine Spur von ihm.

Lenz ist auf dem Weg zu Isabel, einer Freundin von ihm und dem Toten, der ihm kurz zuvor noch ein Päckchen für Isabel übergeben hat.

Was Lenz von Isabel, die er 40 Jahre nicht mehr gesehen hat, erfährt, läßt ihm den Atem stocken. Nicht nur private Tiefschläge kommen zur Sprache, Isabel war auch politisch tätig und in die Konflikte im Nahen Osten, besonders in Syrien, verwickelt.

Der Autor läßt Isabel über ihre Tätigkeiten in Syrien berichten und so erfährt der Leser viel über die Hintergründe zur politischen Lage in Syrien. Ich habe das mit großem Interesse gelesen, weil der Autor großen Wert auf den Wahrheitsgehalt legt und seine Aussagen durch Quellenangaben belegt.

Dieses Buch ist nicht nur ein Kriminalroman, sondern mehr noch ein Politthriller. Es ist überaus spannend und gut geschrieben. Es lohnt sich, dieses Buch zu lesen.

Bewertung vom 10.11.2018
Flucht in die Schären / Thomas Andreasson Bd.9
Sten, Viveca

Flucht in die Schären / Thomas Andreasson Bd.9


ausgezeichnet

Das schöne Cover vermittelt Urlaubsstimmung, was aber ganz und gar nicht zutrifft. Schreckliche Dinge passieren in diesem Thriller, der ungeheuer spannend und meisterhaft geschrieben ist. Andreis ein Flüchtling aus Bosnien verbreitet Angst und Schrecken in seiner Umgebung, er schreckt vor Folter und Mord nicht zurück. Wegen Steuerhinterziehung läuft ein Verfahren gegen ihn. Seine Frau Mina liegt im Krankenhaus, nachdem er sie fast zu Tode geprügelt hat. Nicht zum ersten Mal, aber immer wieder kehrt sie zu ihm zurück und erstattet keine Anzeige. Dieses Mal aber gibt sie ihr Einverständnis zur Unterbringung in einer Schutzeinrichtung in den Schären, wo Andreis sie nach Angaben der Polizei nicht finden kann. Dadurch will sie vor allem auch ihren kleinen Sohn schützen. Mina lebt in Angst und Schrecken vor der Entdeckung und als Leser fiebert man mit. Andreis gibt die Suche nach Mina und seinem Sohn nicht auf, und man ahnt, daß ihm dies auch gelingen wird. Aber wie wird er das anstellen? Die Spannung wächst, und man kann nicht aufhören zu lesen aus Sorge und Mitgefühl für Mina. Auf der Suche nach Mina hinterläßt Andreis eine blutige Spur, er geht buchstäblich über Leichen. Der Autorin gelingt es meisterhaft, die Spannung bis zum Schluß hoch zu halten. Sie beschreibt ausfühlich, wie es Männern immer wieder gelingt, ihre Frauen zu mißhandeln, ohne dafür zur Rechenschaft gezogen zu werden. Was aber hat Andreis getrieben? Als Kind hat er Mord und Vertreibung in Bosnien mit erleben müssen. Sein Vater wurde auf der Flucht vor den Augen der Familie von Grenzbeamten erschossen, wie soll ein 6-Jähriger das verkraften. Er war traumatisiert und konnte seine Stärke nur durch Gewalt beweisen. Für ihn wäre eine gute Therapie sicher hilfreich gewesen.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 23.10.2018
Verschieben wir es auf morgen
Maertens, Miriam

Verschieben wir es auf morgen


ausgezeichnet

Für dieses Buch kann ich Miriam Maertens nur bewundern. Ich finde es überaus mutig, dieses Buch geschrieben zu haben. Sie kam mit der Krankheit Mukoviszidose 1970 schon auf die Welt und hat bereits in ihrer Kindheit alles darangesetzt, ihre Krankheit zu verbergen. Sie wollte sein wie alle anderen Kinder. Nur mit äußerster Disziplin ist es ihr gelungen, ihre Krankheit in den Griff zu bekommen. Eine große Hilfe war ihr hierbei ihre Familie, Ihre Mutter, der Vater und ihre beiden Brüder. Hierauf konnte sie sich immer verlassen.

Daß Miriam Maertens jetzt mit ihrem Buch an die Öffentlichkeit geht, finde ich überaus mutig, aber auch hilfreich für alle diejenigen, die mit ähnlichen gesundheitlichen Problemen belastet sind. Sie macht allen Mut, nicht aufzugeben, sondern sich auf die Krankheit einzulassen und zu kämpfen, das Leben ist es allemal wert.

Es sei dahingestellt, ob es leichter ist, seine Krankheit nicht zu verbergen und offen damit umzugehen. Das muß jeder für sich entscheiden.

Ich habe viel gelernt von Miriam Maertens über die Krankheit Mukoviszidose, von der ich bis dato mehr oder weniger nur den Namen kannte, und ich bin zutiefst beeindruckt, mit welcher Disziplin sie versucht, mit der Krankheit zu leben.

Es liest sich leicht dieses Buch. Es ist, als ob Miriam Maertens ihre Geschichte erzählt und man hört aufmerksam zu. Sie erzählt nicht nur von ihrem eigenen Leben mit der Krankheit, sie erzählt von ihrer Familie, ihren Freundinnen, ihrem Sohn und ihrer großen Liebe. Es ist also nicht nur ein Sachbuch, sondern die Lebensgeschichte der Miriam Maertens. Ein wunderbares Buch mit 5 Sternen und einer Leseempfehlung.

Bewertung vom 08.10.2018
Deutsches Haus
Hess, Annette

Deutsches Haus


ausgezeichnet

Frankfurt 1963. In Frankfurt-Bornheim in einem seriösen Teil der Berger Straße befindet sich die Gaststätte "Deutsches Haus" des Gastwirtsehepaares Bruhns. Die beiden haben zwei Töchter. Der Vater kocht, die Mutter serviert und kümmert sich um die Gäste, manchmal hilft die jüngere Tochter , Eva, aus. Eva ist von Beruf Dolmetscherin und träumt von der Hochzeit mit Jürgen, dem Sohn eines Unternehmers, um aus dem kleinbürgerlichen Milieu herauszukommen. Da bekommt sie den Auftrag, die Zeugenaussagen eines polnischen Juden zu übersetzen, einem, der Auschwitz überlebt hat. Eva ist entsetzt. Ihr fehlen die Worte, um die Zeugenaussagen zu übersetzen. Sie glaubt, den Zeugen nicht richtig zu verstehen. Da der Dolmetscher aus Polen aber keine Ausreisegenehmigung erhält, wird Eva gebeten, auch bei den anstehenden Gerichtsverhandlungen als Dolmetscherin zu fungieren. Ihre Eltern und ihr Verlobter raten ihr dringend davon ab. Aber Eva, die sich nun mit dieser Zeit auseinandergesetzt hat, fühlt sich verpflichtet, die Aufgabe zu übernehmen.

Der Autorin ist es in beispielloser Art gelungen, durch die Zeugenaussagen diese schreckliche Zeit noch einmal lebendig werden zu lassen. Bedrückend ist zu lesen, wie teilnahmslos und zynisch sich die Angeklagten verhalten, die von nichts etwas gewußt haben wollen und alle Anschuldigungen bestreiten.

Nach und nach wird Eva bewußt, daß auch ihre Eltern von dem Grauen gewußt haben mußten und sich sogar mitschuldig gemacht haben. Zur Rede gestellt, streiten sie zunächst alles ab, was zum Bruch mit der Tochter führt. Auch die Verlobung mit Jürgen löst Eva, nachdem dieser bei ihrem Vorgesetzten erreichen wollte, Eva von dieser Aufgabe zu entbinden.

Die Autorin macht deutlich, daß den jungen Menschen in den Nachkriegsjahren die Kenntnisse über die Judenverfolgung und die Massenvernichtungslager fehlten, da weder Eltern noch Lehrer in den Schulen über diese Zeit sprechen wollten. Aber durch die Prozesse und die Verhaftung der Angeklagten konnte diese Zeit nicht mehr totgeschwiegen werden.

Es ist ein Buch über schwere Schuld, die Menschen auf sich geladen haben und viele andere, die sich mitschuldig gemacht haben, indem sie weggeschaut und verleugnet haben. Zu sagen, man habe nichts gewußt, kann man nicht gelten lassen.

Der Autorin sei Dank für dieses Buch über eine Zeit, die in Deutschland nie vergessen werden darf. Auch wenn ich diese Zeit nicht miterlebt habe, packt mich tiefes Grauen vor dem, was Menschen anderen Menschen in der Lage sind, anzutun. Die Autorin bringt ihren Lesern diese Zeit wieder ins Gedächtsnis. So etwas darf nie wieder passieren. Ich wünsche dem Buch eine große Leserschar, und hierfür gebe ich meine Leseempfehlung ab.

Bewertung vom 02.10.2018
Der Narr und seine Maschine / Tabor Süden Bd.19
Ani, Friedrich

Der Narr und seine Maschine / Tabor Süden Bd.19


ausgezeichnet

Tabor Süden, ehemaliger Krimnalkommissar und später Ermittler in einer Privatdetektei, ist am Ende seiner Laufbahn angekommen. Er will alles hinter sich lassen und ohne Abschied gehen, wohin weiß er wohl selbst noch nicht. Da erwischt ihn seine Chefin aus der Detektei gerade noch rechtzeitig am Bahnhof, um ihm eine neue Aufgabe zu übergeben. Ein Schriftsteller ist aus einem Hotel verschwunden und Tabor Süden soll ihn ausfindig machen.

Mit großem Gespür für Menschen begibt sich Tabor Süden im Hotel, in dem der Schriftsteller jahrelang lebte, auf die Suche. Tabor kann zuhören und in den Unterredungen mit dem Hotelpersonal sehr genau Wahrheit und Unwahrheit unterscheiden, was ihn dem Schriftsteller näherbringt.

Friedrich Ani beschreibt zwei Männer gegen Ende ihres Lebens, die sich sehr ähnlich sind. In ihrem Bestreben, das bisherige Leben so nicht weiterführen zu wollen oder zu können, finden sie einen Weg zueinander.

Ich habe viele Bücher von Friedrich Ani gelesen, auch die um den Ermittler Tabor Süden, und bin immer wieder begeistert. Er ist ein Meister der Sprache und der Charakterisierung seiner Protagonisten, in diesem Fall insbesondere des Schriftstellers Cornelius Hallig, dessen Leben er dem Leser von Kindheit an näherbringt, was es ermöglicht, sich in ihn hineinzuversetzen und sein Handeln zu verstehen. Einmal mehr hat mich ein Buch von Friedrich Ani voll und ganz überzeugt, so daß ich eine verdiente Leseempfehlung abgebe.

Bewertung vom 22.09.2018
Die Gesichter
Rachman, Tom

Die Gesichter


ausgezeichnet

Wie so oft habe ich Schwierigkeiten mit der Übersetzung des Titels und hier auch mit dem Cover. Das bunte Cover ist zwar ein echter Hingucker, der Maler Bear Bavinski hat aber keine grellbunten Gesichter gemalt, sondern immer nur einzelne Körperteile seiner Aktmodelle, so z. B. einen Arm ein Bein oder vom Gesicht nur ein Kinn. Da der Autor in seinem Buch aber den Sohn Charles (genannt Pinch) und seinen Werdegang in den Vordergrund stellt, hätte der Originaltitel besser gepaßt, da Pinch zwar eine große künstlerische Begabung hat, sich aber gegen seinen übermächtigen Vater nicht durchsetzen kann und schließlich Italienischlehrer wird.

In der Einleitung zum Buch wendet sich der Autor an seine Leser und läßt diese ein klein wenig in seine Seele schauen, was ihn sehr menschlich macht. Das hat mir sehr gefallen.

Die Erzählform des Buches und den Sprachstil finde ich grandios. Sehr gekonnt bringt der Autor dem Leser seine Protagonisten nahe, mit denen man sich sehr gut auseinandersetzen kann. Im Mittelpunkt steht die Vater/Sohn-Beziehung zwischen Baer und Pinch. Bear ist ein gefeierter Maler, berühmt, egoistisch, nur auf sich bezogen. Er ist mehrmals verheiratet und hat insgesamt 17 Kinder, zu denen er aber keine enge Bindung hat. Einzig Pinch ist ihm nahe und dieser ist bestrebt, den Vorstellungen seines Vaters zu entsprechen. Pinch möchte auch Maler werden, und seine Mutter Natalie, die seine Begabung erkennt, ermuntert ihn, diesen Weg zu gehen. Auch Bear weiß von dem außerordentlichen Talent seines Sohnes, macht dessen Hoffnung aber mit einem einzigen Satz zunichte. Pinch traut sich danach nichts mehr zu und wird Italienischlehrer.

Den egoistischen Vater muß man nicht mögen, dem zögerlichen und wenig selbstbewußten Sohn aber fehlt jemand an seiner Seite, der ihn aus seiner selbstgewählten engen Welt herausholt, bis es ihm gelingt, sich vom Vater zu befreien.

Die außerordentliche Sprachgewandtheit des Autors und die Kunst, seine Figuren so lebensecht zu skizzieren, haben dieses Buch zu etwas Besonderem gemacht. Die gekonnte Darstellung der Auseinandersetzung zwischen Vater und Sohn hat eine Leseempfehlung verdient.