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Benutzername: Marianne
Wohnort: Attenhofen
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Bewertungen

Insgesamt 53 Bewertungen
Bewertung vom 10.02.2018
Frauen dürfen hier nicht träumen
Ahmad, Rana

Frauen dürfen hier nicht träumen


ausgezeichnet

Rana Ahmad stammt aus Syrien, wächst aber in Saudi-Arabien auf. Es gibt viele schöne Erlebnisse in ihrer Kindheit, und sie steht vor allem ihren Vater sehr nahe. In den langen Sommerferien in Syrien als Kind ist das Leben freier. Vor allem beim Fahrradfahren ist sie glücklich. Sie genießt den Fahrtwind und das unbeschwerte Gefühl von Freiheit.

Aber viel zu früh ist ihre Kindheit zu Ende. Das Mädchen wächst zu einer jungen Frau heran, und selbst in Syrien, das nicht so streng religiös ist wie Saudi-Arabien, darf sie schon mit zehn Jahren nicht mehr Fahrrad fahren. Ein Verwandter bekommt ihr geliebtes Fahrrad, und schon bald kann sie nur noch verschleiert das Haus verlassen.

Ob Zuhause oder in der Schule, ihr Alltag ist von der Religion geprägt. Neben den festen Gebetszeiten und dem strengen Koranunterricht, achtet vor allem ihre Mutter darauf, dass sie sich an alle Regeln hält. Rana versteht nicht, warum Frauen weniger wert sind und kaum Rechte haben. Aber was noch viel schlimmer ist, sie können sich nicht vor sexuelle Übergriffe durch Männer schützen.

Rana freut sich auf ein selbstständiges Leben als Ehefrau, aber die Ehe scheitert. Als geschiedene Frau kehrt sie zu ihren Eltern zurück. Mühsam setzt sie sich dafür ein, dass sie einen Englischkurs besuchen und arbeiten gehen darf. Sie ist aber immer darauf angewiesen, dass ihr Vater oder Bruder sie fahren.

Eine Ausflucht aus ihrem unfreien Leben findet sie mit dem Internet. Dort entdeckt sie auch atheistisches Gedankengut, das sie sehr fasziniert. Das ist aber ein Spiel mit dem Feuer, denn in ihrer Heimat wird jeder Abkehr vom Islam mit dem Tod bestraft. Wegen ihrer große Liebe zur Naturwissenschaft, beschäftigt sie sich trotzdem weiter mit den unerlaubten Gedanken, bis sie schließlich den Entschluss fasst heimlich Atheistin zu werden. Ihre Familie bemerkt eine Veränderung in ihr. Auch wenn er den Grund für diese Veränderung nicht kennt, vermutet ihr Bruder eine heimliche Beziehung, und er schlägt sie brutal zusammen.

Es kommt der Punkt, an dem Rana erkennt, dass sie ihre Heimat verlassen muss. Es fällt ihr sehr schwer alles zurückzulassen, aber sie weiß, dass sie so nicht mehr leben kann. Sie flieht in die Türkei, und von dort aus gelangt sie schließlich nach Deutschland. Sie ist begeistert über die neugefundene Freiheit, als Frau ein selbstbestimmtes Leben führen zu können. Endlich darf sie träumen und auf ihre Träume hinarbeiten.

In diesem Buch nimmt die Autorin den Leser hinein in ihr Leben, zum Beispiel bei den aufregenden Vorbereitungen für ihre Hochzeit. Sie schreibt über ihre Angst vor der Hochzeitsnacht und über die immer gegenwärtige Sorge, dass sie als Frau Schande über die Familie bringen könnte. Man hat den Eindruck ihr gegenüberzusitzen und ihrem persönlichen Bericht zu lauschen. Fesselnd geschrieben, gibt dieses Buch einen wichtigen Einblick in ein Leben, das den Meisten in europäischen Ländern fremd ist. Es ist erschütternd zu sehen, welche Repressalien Frauen befürchten müssen, für Kleinigkeiten, die bei uns selbstverständlich sind. Wie schwer muss es sein, geliebte Menschen zu verlassen, und sich auf den ungewissen und gefährlichen Weg in ein neues Land zu machen. Aber es ist andererseits berührend zu lesen, wie liebevoll die Geflüchteten mit einer warmen Mahlzeit willkommen geheißen werden.

Auch wenn es schade ist, dass sie mit den Fesseln ihrer Religion den Glauben an Gott ganz abgelegt hat, kann man ihren Weg nachvollziehen. Eine wirklich lesenswerte Geschichte über einen hoffnungsvollen Neuanfang!

Bewertung vom 10.02.2018
Eine Insel zwischen Himmel und Meer
Wolk, Lauren

Eine Insel zwischen Himmel und Meer


ausgezeichnet

Was wirklich zählt

Crow ist zwölf Jahre alt. Sie lebt glücklich auf einer kleinen Insel, auf der sie fast ihr ganzes Leben verbracht hat. Als sie erst wenige Stunden alt war, wurde sie in einem Boot an die Küste gespült und von Osh gefunden. Osh selbst kam vor einigen Jahren allein auf diese Insel, denn den Krieg in seiner Heimat fand er sinnlos. Osh kümmert sich aufopfernd um das kleine Baby, mit der Hilfe einer lieben Nachbarin, die damit langsam Teil dieser kleinen Familie wird.

Crow sehnt sich mehr und mehr danach zu wissen, woher sie gekommen ist. Sie versteht auch nicht, warum die anderen Inselbewohner den Kontakt mit ihr meiden. Widerwillig begleitet Osh sie auf der Reise nach ihren Wurzeln. Doch seine Bedenken sind unbegründet, trotz der Suche bleibt Crow fest in ihrer kleinen Familie verwurzelt. Am Ende ihrer Suche sagt sie, „Ich war sogar ganz froh, etwas zu wissen, was nicht jeder wusste: dass es Besseres gab als Blutsbande.“

Diese drei, zusammen mit einer verspielten Katze namens Maus, erleben bei ihrer Suche viele Abenteuer und lebensgefährliche Situationen. Dabei retten sie ein Leben, finden einen Schatz und wachsen über sich selbst hinaus; aber vor allem lernen sie, was im Leben wirklich wichtig ist.

An diesem zauberhaft geschriebenen Buch werden nicht nur Kinder Freude haben! Das ruhige und einfache Leben auf einer Insel, vor rund hundert Jahren, ist einerseits hart, andererseits aber in seiner Schlichtheit unglaublich anziehend. Das Leben besteht aus Arbeit im Garten oder auf dem Meer, einfache Mahlzeiten, und viel Liebe und Geborgenheit in der einfach eingerichteten Hütte. Beziehungen sind wichtiger als Dinge, das Leben auf dem Land schöner als das laute Gedränge der Stadt. Die mutigen Menschen in dieser zusammengewürfelten Familie wachsen dem Leser schnell ans Herz. Und auch wenn am Ende des Buchs noch einige Rätsel offenbleiben, hat der Leser gemeinsam mit Crow das Wichtigste entdeckt – Familie ist da, wo man sich Zuhause fühlt.

Bewertung vom 10.02.2018
Die Herzen der Männer
Butler, Nickolas

Die Herzen der Männer


sehr gut

Ein Zeitraum von etwa sechzig Jahren, zwei Familien, vier Generationen; dabei gibt es zwei Elemente, die sich wie ein roter Faden durch dieses Buch ziehen. Ein abgelegenes Pfadfinderlager in einem Wald, und ein Mann, der schon als Kind seinen Grundsätzen treu bleibt, Nelson.

Als Junge ist Nelson ein Außenseiter und darunter leidet er sehr. Er ist vor allem bei den Pfadfindern sehr strebsam. Im Erlangen von Abzeichen lässt er schnell alle anderen Jungen weit zurück. Er findet eher im Leiter des Lagers Kameradschaft, als unter Gleichaltrigen. Nur ein Junge, Jonathan, steht ihm manchmal aus unerklärlichen Gründen bei.

Nelson muss eine schwere Entscheidung treffen, und mit dem Ausgang dieser Entscheidung verändert sich sein ganzes Leben.

Die Geschichte setzt dann etwa 30 Jahre später wieder ein. Jonathan bringt seinen Sohn in dasselbe Pfadfinderlager, das inzwischen von Nelson geleitet wird. Der Junge bewundert den Kriegsveteran Nelson, der eher in der Lage ist ihm bleibende Werte zu vermitteln als sein eigener Vater.

Nach noch einmal ca. dreißig Jahren, begleitet Jonathans Schwiegertochter ihren Sohn ins Pfadfinderlager. Der Schauplatz ist derselbe geblieben, und der alternde Nelson steht dem Camp noch immer vor. Dramatische Ereignisse zeigen noch einmal, was in jedem der Beteiligten steckt.

Dieses Buch lässt sich schnell lesen. Vor allem Nelson, mit seiner aufrechten Haltung, wächst dem Leser schon bald ans Herz. Zwischen den Ereignissen, die anfangs eher zum normalen Alltag in einem Pfadfinderlager gehören, steht immer wieder die Frage im Raum: Was bedeutet es, ein Mann zu sein? Die moralischen Erwartungen an einen Pfadfinder sind hoch, und im ganzen Buch begegnet man immer wieder Männern, die von diesen Maßstäben nichts halten.

Neben dem Kampf um den Erhalt von Werten wie Treue, Disziplin und Hilfsbereitschaft, zeigt dieser Roman auch wie sich die Zeit im Laufe dieser sechzig Jahren verändert hat. Nicht nur, dass Söhne ihren Eltern weniger Respekt entgegenbringen, bei der Beschreibung des letzten Lagers spürt der Leser, dass die Ära der Pfadfinder ihrem Ende entgegengeht. Smartphones und andere Geräte haben die Freude an der Natur und der Gemeinschaft verdrängt.

Fazit: Nicht nur für Männer eine unterhaltsame und nachdenkliche Lektüre über die Schwierigkeiten und Herausforderungen des Mannseins.

Bewertung vom 01.02.2018
Die flinken Füchse. Unser Bandenbuch mit vielen Geheimtipps
Schindler, Anna

Die flinken Füchse. Unser Bandenbuch mit vielen Geheimtipps


ausgezeichnet

Dieses bunte, abwechslungsreiche Buch macht einfach Spaß! Schon die Aufmachung, mit einem Fenster im Buchdeckel und einem aufgemalten Band vermitteln den Eindruck, dass dies ein besonderes Buch ist. Das Cover zeigt alle Bandenmitglieder, sechs Mädchen und ein Kater.

Am Anfang des Buchs stellt sich jedes Mädchen vor, und der Leser erfährt jeweils einiges über den Charakter des Mädchens. Dann folgen die Bandenregeln und allgemeines zur Bande, und es geht los mit der Geschichte. Im Tagebuchstil aber abwechselnd von den verschiedenen Mädchen verfasst, nimmt der Leser teil an den Sommererlebnissen der sechs Mädchen. Sie erleben schöne Tage im Wald, am See und im Bandenquartier, aber es gibt auch Streit und lebensgefährliche Abenteuer.

Das Besondere an diesem Buch ist die bunte Vielfalt. Eingestreut im Buch sind viele bunte Zeichnungen, es finden sich aber auch Rezepte, eine Strickanleitung und sogar eine Geheimschrift im Buch.

Diese Mädchen sind überzeugt, es ist viel schöner im Freien Abenteuer zu erleben, als hinter einem Bildschirm. Und das ist auch das Schöne an diesem Buch, es motiviert zum Spielen in der freien Natur. Stockbrot am Lagerfeuer, die Erforschung einer Höhle – diese Kinder erleben einiges. Dabei wird auch vermittelt, dass man bei solchen Unternehmungen vorsichtig sein sollte, und Regeln befolgen muss.

Abwechslungsreich und spannend - an diesem Buch werden 8-11jährige Mädchen mit Sicherheit viel Freude haben!


Und die Meinung einer 9jährigen Leserin:
Mir hat der Anfang sehr gut gefallen, dass ich alle Mädchen kennenlernen konnte. Jede Seite hat viele, kleine Bilder, das finde ich auch gut!

Am liebsten mag ich Karli und am wenigsten Ina, weil sie so eingebildet ist. Mir hat am besten gefallen als Ina und die zwei Jungs aus der Höhle gerettet wurden. Es war spannend wie Karli den Igor gefunden hat, und aufregend als das Bandenquartier ausgeraubt wurde.

Die Geschichte war richtig spannend. Ich würde sehr gerne mehr Bandenbücher von den flinken Füchsen lesen!

Bewertung vom 01.02.2018
Wie machst du das eigentlich? So (über)lebe ich mit drei Kleinkindern: Erprobte Ratschläge für jeden Tag
Fuz, Miriam

Wie machst du das eigentlich? So (über)lebe ich mit drei Kleinkindern: Erprobte Ratschläge für jeden Tag


sehr gut

Die Autorin dieses Buchs, Miriam Fuz, wird immer wieder gefragt, „Wie machst du das eigentlich?“ Mit drei kleinen Kindern, im Alter von 1, 3 und 5 Jahren, hat sie schon einige knifflige Situationen erlebt. Sie schreibt von einem lang andauernden Trotzanfall beim Abholen im Kindergarten, vom abendlichen Ins-Bett bringen von zwei Kleinkindern plus einem gestillten Kind, von Kindergeburtstagen, Strafen und viel mehr. Dabei erzählt sie viel Persönliches aus ihrem eigenen Erziehungsalltag, von gelungen und misslungenen Strategien und Situationen.

Das Buch ist übersichtlich in die wichtigsten Themenbereiche gegliedert, z.B. Aufräumen, Essen, Einschlafen, Strafen, Trotzanfälle oder Krankheiten. Jedes Thema wird mit einer Frage eingeleitet, die von der Autorin beantwortet wird. Die praxiserprobten Antworten sind wie die guten Ratschläge einer Freundin, dabei ermutigt Miriam Fuz immer wieder den Leser auf das eigene Bauchgefühl zu hören. Tipps zur Rückbildungsgymnastik und Erholungszeiten für Mamas sind ebenso zu finden, wie ein Interview mit einem Kinderarzt, der einige wichtige Frage zur gesunden Entwicklung von Kleinkindern beantwortet.

Auch wichtige Werte kommen zur Sprache, z.B. ein respektvoller Umgang miteinander in der Familie, oder das Teilen. Besonders gut haben mir die Anregungen für Regentage oder Mahlzeiten gefallen. Dieses Buch ist eine Fundgrube, mit vielen guten Ideen. Wer als Mama von Kleinkindern nicht die Zeit hat das Buch ganz durchzulesen, findet durch die eingängige Gliederung des Buchs schnell die entsprechende Seite, um die aktuell anstehende Frage zu beantworten.

Ein empfehlenswerter Ratgeber für Eltern von Kindern im Alter von 0-7!

Bewertung vom 25.01.2018
Alltagslust
Schmidt, Veronika

Alltagslust


sehr gut

Die Schweizerin Veronika Schmidt, ausgebildete christliche Paar- und Familienberaterin und Sexologin, ist schon seit einigen Jahren für ihre Ratgeber zum Thema Sex bekannt. In diesem zweiten Buch wiederholt sie wichtige Erkenntnisse des ersten Buchs, und geht detaillierter auf viele Fragen ein, die ihr als Reaktion auf ihr erstes Buch gestellt wurden. So ist dieses Buch tatsächlich ein Praxis-Ratgeber.

Das Buch macht einen hochwertigen Eindruck. Der Text wird mit vielen Bildern von verliebten (Ehe)Paaren aufgelockert. Auch Skizzen zur Anatomie des Körpers und zu Stellungen ergänzen den Text, dabei bleibt aber alles sachlich und ist nicht „schmuddelig“. Im Zentrum des Buchs stehen ganz praktische Informationen und Übungen. Diese sind aber eingerahmt in einer ganzheitlichen Sicht von Ehe und Sexualität. So geht die Autorin auf sehr viele Beziehungsthemen ein. Entfremdung durch Streit, unterschiedliche Bedürfnisse, Sex im Alter, Impotenz, fehlender oder verfrühter Orgasmus, Kinderwunsch, Fremdgehen; das sind nur einige der vielen Themen, die Veronika Schmidt anspricht. Neben den Bildern, legen die vielen Zitate Jörg Zinks über Liebe das Positive an einer Liebesbeziehung dem Leser nahe.

Da in vielen christlichen Kreisen das Thema Sex ein Tabu ist, füllt dieser Ratgeber eine Lücke. Es ist gut, dass Informationen in einer Weise vermittelt werden, die Gott und Menschen achtet. Die Autorin ist eine Expertin auf ihrem Gebiet, und gibt das, was sie gelernt hat, weiter. Dabei würde ich mir aber mehr Achtung für das Gewissen des Einzelnen wünschen. So ist die Selbstliebe, eine verschönte Bezeichnung für Selbstbefriedigung, für sie eine wichtige Grundlage zum Erlernen der sexuellen Liebesfähigkeit, denn wer nicht weiß, was ihm guttut, wird schwerlich befriedigt werden. Ich denke aber, dass dieses Erlernen auch im Miteinander der Beziehung geschehen kann, und dass „Selbstliebe“ nicht dafür die Voraussetzung sein muss. Ob Selbstbefriedigung in Ordnung ist, ist in christlichen Kreisen umstritten. Es kann nicht richtig sein denjenigen, der dabei ein schlechtes Gewissen hat, zur Selbstbefriedigung zu drängen. Letztendlich sollte jeder selbst entscheiden ob die Maßstäbe der Bibel für ihn uneingeschränkt gültig sind, oder ob er sie lieber durch moderne, wissenschaftliche „Erkenntnisse“ relativieren will. In der Bibel findet sich gottgewollte Sexualität immer innerhalb einer Beziehung, zwischen Ehemann und Ehefrau.

Ganz entspannt zum guten Sex –dieser umfassende Ratgeber unterstützt den Leser auf diesem Weg.

Bewertung vom 25.01.2018
Wie können wir denn leben?
Schaeffer, Francis

Wie können wir denn leben?


ausgezeichnet

Francis Schaeffer lebte von 1912-1984. Er wurde vor allem durch seine Bücher und durch die Gründung der Lern- und Lebensgemeinschaft L’Abri in der Schweiz bekannt. Dieses Buch erschien erstmals im Jahr 1976, und wurde danach immer wieder neu aufgelegt.

Angefangen mit der römischen Kultur, geht Schaeffer auf die wichtigsten Denker der letzten zwei Jahrtausende ein. Dabei werden große Zeiträume manchmal stark zusammengefasst, da es ihm um die jeweilige Entwicklung in diesen Epochen geht. Von der Antike, über das Mittelalter, die Renaissance, die Reformation und die Aufklärung, gelangt er zu der Zeit der modernen Wissenschaft. Mit Beispielen aus Musik, Dichtung und Kunst zeigt er die wandelnde Denkweise der Menschen. Ab der Aufklärung versuchte der Mensch immer mehr sich die Welt und den Menschen ohne Gott zu erklären. Aber mit dem Aufgeben einer höheren Macht, stürzte der Mensch ins Leere. Ohne Gott fehlt das Konstante, die Gesetzmäßigkeit, und es gibt keine allgemeingültigen Maßstäbe dafür, wie Menschen miteinander umgehen sollen. Gesetze sind dann willkürlich, oder werden von einer autoritären Macht oder der Mehrheit festgelegt. Somit können sie sich aber immer wieder verändern. Das kann gefährlich werden, denn wer entscheidet ob ein behinderter oder alter Mensch lebenswert ist?

Dem Menschen, der ohne Gott lebt, sind nur noch zwei Werte wichtig, persönlicher Frieden und Wohlstand. So lange es ihm persönlich gut geht, ist er nicht mehr bereit sich für etwas Höheres einsetzen. Der Mensch ist gleichgültig geworden, und auch leicht zu manipulieren.

Dieses Buch ist sehr interessant, aber auch anstrengend zu lesen. Viele bekannte Namen werden genannt, und ihre Theorien und Erkenntnisse kurz erklärt. Es ist spannend die Zusammenhänge zu erkennen, aber ohne Vorwissen fällt es auch manchmal schwer den Gedanken des Autors zu folgen. Trotzdem finde ich es eine sehr wertvolle Lektüre, denn wie schnell sind auch Christen bereit den neuen Denkern zu folgen, die aber vielleicht letztendlich nur Hoffnungslosigkeit bieten, weil sie von Anfang an Gott aus ihrem Denken ausschließen.

Schaeffer zeigt in diesem Buch wie unsere Kultur ohne Gott auf den Weg in den Untergang ist. Er fordert Christen auf sich für die Wahrheit einzusetzen, um diesem Untergang entgegenzuwirken. Obwohl das Buch schon vor über 40 Jahren geschrieben wurde, zeigt Schaeffer einen erstaunlichen Weitblick. Auch wenn der Kommunismus heute weniger das Problem ist, sind seine Gedanken hilfreich um neuste Entwicklungen zu verstehen und einzuschätzen.

Ein schwieriges, aber sehr wertvolles Buch! Schade, dass in diesem Band die Bilder fehlen, die allerdings hier angesehen werden können: https://www.betanien.de/schaeffer/

Bewertung vom 22.01.2018
Morgen soll wieder mir gehören
Quilala, Alyssa

Morgen soll wieder mir gehören


sehr gut

Alyssa Quilala ist mit ihrem dritten Kind schwanger. Auf dem Heimweg von einem Familienausflug wundert sie sich darüber, dass sie schon eine ganze Weile keine Bewegungen ihres Kindes gespürt hat. Im Krankenhaus stellt der Doktor fest, dass das Kind tot ist. Am nächsten Tag soll die Geburt des toten Kindes eingeleitet werden. Freunde beten mit ihnen um ein Wunder, aber es bleibt dabei; nach einer sehr anstrengenden Geburt wird Jethro tot geboren.

Alyssa macht anschließend verschiedene Phasen durch. Zuerst bestimmt die Trauer ihr ganzes Leben, bis sie merkt, dass ihre Familie darunter leidet. Stück für Stück lernt sie trotz dieses schweren Schicksals weiterhin Gott zu vertrauen. In ihrem Vertrauen wird sie auch ein Vorbild für andere.

In jedem Kapitel geht es um ein wichtiges Thema, rund um Verlusterfahrungen. Alyssa schreibt, unter anderem, über die Rolle von Freundschaften, über ihren Umgang mit der Angst, über ihre Ewigkeitshoffnung und über ihre Ehe. Ihre Erkenntnisse lassen sich auch leicht auf andere Verlusterfahrungen übertragen. Dabei ist der Grundtenor des Buchs ihr Vertrauen auf Gott, selbst wenn er unsere Gebete anders erhört als wir wollten. Das Wissen, das ihr Sohn im Himmel auf sie wartet, tröstet und ermutigt Alyssa und ihrem Mann, Chris.

Bei Schicksalsschlägen können wir selbst entscheiden, ob wir daran zerbrechen, oder ob wir trotzdem hoffnungsvoll in die Zukunft gehen. Diese wichtige Aussage betont die Autorin immer wieder.

Dieses Buch lässt sich schnell lesen. Die vielen eingestreuten Beispiele aus Alyssas eigenem Leben lockern die theoretischen Gedanken auf. Trotz mancher Wiederholungen ist dieses trostreiche und hilfreiche Buch lesenswert, vor allem für Menschen, die nach Verlusterfahrungen mit Gott hadern.

Bewertung vom 17.01.2018
Lache, solange du noch Zähne hast
Backhaus, Arno

Lache, solange du noch Zähne hast


sehr gut

Arno Backhaus hat viele Gaben. Den Älteren und den Jüngeren ist er vielleicht entweder als Teil des Musik-Duos „Arno und Andreas“ bekannt, oder als E-fun-gelist, der die christliche Botschaft auf ungewöhnliche Weise weitergibt, als T-Shirt Gestalter, oder als Witze-Erzähler. Mit seinen Witzen hat er auch schon den ersten Platz in einer Fernsehsendung gewonnen. Wer könnte also besser eine Sammlung von Witzen herausgeben?

Aber in diesem Buch steckt viel mehr. Zwischen vielen Witzen finden sich auch Texte zum Nachdenken, vor allem über den christlichen Glauben. Es ist eine bunte Sammlung von Gedankenanstößen, sortiert in verschiedene Lebensbereiche, die ich mir gut als Einstieg in eine Predigt oder Bibelarbeit vorstellen könnte.

Ein Beispiel für einen Text zum Nachdenken:
Der Erweckungsprediger Moody wurde einmal von einer Dame angesprochen: „Ihre Methode, Menschen für Jesus zu gewinnen, finde ich nicht gut.“ Darauf Moody: „Ich kann sie gerne ändern, sagen Sie, wie viele Menschen haben Sie mit Ihrer Methode zum Glauben geführt? Dann nehme ich die.“ Die Dame etwas irritiert: „Niemanden.“ Darauf Moody: „Dann finde ich meine Methode doch besser.“

Und eines der Witze:
Nach der Kreuzigung Christi kommt Nikodemus zu Josef von Arimathäa und bittet ihn sein Grab für Jesus zur Verfügung zu stellen. Doch der ersinnt Ausflüchte: „Ich brauche das Grab für mich und meine Familie.“ Darauf Nikodemus: „Stell dich nicht so an – es ist doch nur übers Wochenende!“

Ein Buch, in dem man gerne blättern und schmökern wird, und es ist sicher für jeden Geschmack Einiges dabei.

Bewertung vom 17.01.2018
Nachfolge
Bonhoeffer, Dietrich

Nachfolge


ausgezeichnet

Dietrich Bonhoeffer lebte wirklich nach dem, was er glaubte. Diesen Weg ging er konsequent bis zu seinem vorzeitigen Tod durch Hängen in einem KZ. Dieses bewegende Buch inspiriert den Leser auch konsequent Jesus nachzufolgen.

Bereits im Jahr 1937 erschienen, wurde dieses Buch mehrmals neu aufgelegt. Diese hochwertige Ausgabe zeigt auf dem Cover einen felsigen Weg als Zeichen für die Nachfolge. Es beginnt mit einer Einführung, geschrieben von Peter Zimmerling, um dem heutigen Leser die Lebenswelt Bonhoeffers zu erklären.

In kurzen Abschnitten erklärt Dietrich Bonhoeffer dann wie Nachfolge aussehen sollte. Er erklärt warum Gnade teuer ist, und unbedingt Gehorsam beinhaltet. Nachfolge ist auch mit Kosten verbunden, und dennoch keine Last, denn der Jünger wird stets von Jesus selbst getragen.

Nach diesen einführenden Gedanken, geht Bonhoeffer abschnittsweise auf die Bergpredigt ein, und auf einige Texte in den Evangelien, die Nachfolge zum Thema haben. Eindrücklich erklärt er, dass die Bergpredigt nicht als unerreichbares Ideal gegeben ist, sondern dass es tatsächlich darum geht ihr zu gehorchen. Das Buch schließt mit einigen grundsätzlichen Themen ab, dabei geht es vor allem um die Gemeinde als Leib Christi.

Dieses wertvolle und herausfordernde Buch ist an manchen Stellen eine schwere Kost. Es ist sicher ein Buch, dass der Leser mehr als einmal lesen wird, dabei wird er immer wieder neue Schätze entdecken. Beeindruckend ist, wie gut Bonhoeffer anhand von biblischen Texten die vermeintliche Spannung zwischen Gesetz und Gnade auflöst. Oberflächliche Leser werden vielleicht meinen, dass Bonhoeffer mit seiner Betonung des Gehorsams ein Evangelium des Gesetzes predigt. Aber er macht immer wieder deutlich, dass es auf die Verbindung mit Jesus ankommt. Jesus ist es, der durch den Glaubenden handelt. Jesus ist es, der zwischen mir und dem anderen steht, darum kann ich nachgeben oder vergeben. Jesus ist es, der mich mit dem Bruder im Glauben verbindet, denn wir gehören beide zu seinem Leib.

Wer im Glauben wachsen und Jesus nachfolgen will, wird in diesem kostbaren Buch viele inspirierende und hilfreiche Gedankenanstöße finden.