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Top-Rezensenten Übersicht

Benutzername: 
Marianne
Wohnort: 
Attenhofen

Bewertungen

Insgesamt 347 Bewertungen
Bewertung vom 21.05.2022
Scherben
Nestvogel, Sophia

Scherben


sehr gut

Für die 16jährige Fiona ist jeder Tag gleich trüb. Es ist schon ein Jahr her, dass ihr kleiner Bruder den Kampf gegen Krebs verloren hat, doch Fiona kann sich immer noch nicht vorstellen, wie das Leben weitergehen soll. Ihre Trauer ist ihr inzwischen so vertraut wie ein ausgeleiertes Kleidungsstück. Sie nimmt kaum teil am Leben, hat nur noch eine richtige Freundin, vor allem aber ist sie enttäuscht von Gott.

Ihre Eltern sind gläubig, der Vater sogar Pastor, darum ist ihr der christliche Glaube von klein auf vertraut. Sie hatte so darauf gehofft, dass Gott ihren Bruder gesund machen würde. Wie konnte er sie nur so im Stich lassen? Und wie kann es sein, dass ihre Eltern nicht ebenso mit Gott hadern, wie sie?

Eines Tages haben Fionas Eltern eine große Neuigkeit. Ihre Familie wird sich vergrößern, sie werden einen Teenager aufnehmen. Milan ist im gleichen Alter wie Fiona, doch sein Elternhaus ist von Gewalt geprägt, und Milan hat viele Narben, äußerlich und innerlich.

Fiona empfindet die Gegenwart von Milan zunächst als Bedrohung, und das wird nicht dadurch besser, dass er ausgerechnet im Zimmer ihres verstorbenen Bruders untergebracht wird. Seine Ankunft reißt Wunden auf, und Fionas Verzweiflung wächst. Es ist ein weiter Weg, bis beide Jugendliche erkennen, dass sie mehr gemeinsam haben als sie ahnen.

Die Charaktere dieser Erzählung sind erstaunlich tiefgründig und vielschichtig. Auch Nebencharaktere, wie Fionas Freundin oder die Hauskreismitglieder, sind gut ausgearbeitet. Auf dem ersten Blick scheint dieses Buch ein vorhersehbarer Liebesroman zu sein, nach dem Motto „good girl loves bad boy“, doch es steckt so viel mehr darin. Das Thema Glauben zieht sich durch das Buch, dabei wird vor allem das Gottesbild und das Vertrauen auf Gott thematisiert. Fiona entdeckt, dass Gott gut ist, selbst wenn er nicht so handelt, wie sie es sich sehnlich wünscht.

Fionas Trauer wird im ersten Teil sehr tiefgehend beschrieben, das kann beim Lesen etwas ermüdend wirken und den Einstieg ins Buch erschweren. Auch ein paar Szenen überzeugen nicht, zum Beispiel das Gespräch im Büro des Rektors. Doch das wird mehr als aufgewogen durch die Fülle der lebenswichtigen Themen, die angesprochen werden und der Nähe zur Lebenswelt der Zielgruppe.

Fazit: Ein berührendes Buch über zwei junge Menschen, die ein schweres Schicksal verkraften müssen. Sie kommen sich dabei näher und unterstützen sich, und gemeinsam lernen sie Gott zu vertrauen. Sehr empfehlenswert für junge Menschen ab 12 Jahren.

Bewertung vom 16.05.2022
Dating-Queen
Kloos, Iris

Dating-Queen


sehr gut

Als ihre Scheidung rechtskräftig wird, macht sich die fast 50jährige Iris Kloos auf die Suche nach ihrem Traumpartner. Als gläubige Christin liegt es nahe auf christliche Dating-Plattformen zu suchen. Doch anstatt der erhofften schnellen Begegnung mit ihrem Traummann, erlebt sie dort allerlei skurriles.

Iris lebt mit ihren zwei Söhnen in der Schweiz. Dankbar blickt sie auf die langen Jahre ihrer Ehe zurück. Sie liebt ihren Mann noch immer, doch wegen einer unerwarteten Not war es ihr nicht möglich mit ihm zusammenzubleiben. Nach der Aufarbeitung ihrer Ehekrise fühlt sie sich bereit für eine neue Beziehung. Hoffnungsvoll gibt sie ihre Daten zuerst bei „Chringles“ und etwas später bei „Himmlisch Plaudern“ ein. Rückmeldungen von männlichen Bewerbern tröpfeln nur spärlich in ihre Inbox. Unter den wenigen Zuschriften gibt es noch weniger Männer, deren Interesse an einer Beziehung bestehen bleibt, als sie von ihren vielen, bunten Tattoos hören. Einige Nachrichten sind verletzend, andere einfach nur merkwürdig, doch es gibt eine Handvoll Männer, bei denen sich ein reger Austausch entwickelt. Hoffnungen bauen sich auf beiden Seiten auf. Spannung vor dem ersten Treffen. Eine Verarbeitung der Eindrücke danach. Das alles kostet sehr viel emotionale Kraft. Nach zwei Jahren ist der Traumprinz noch immer nicht gefunden, und die Autorin will resigniert aufgeben. Doch beim Schreiben über ihre Erfahrungen geschieht etwas völlig Unerwartetes!

Dieses Buch enthält vor allem abgedruckte Nachrichten und E-Mails, die von der Autorin kommentiert werden. Teilweise sind es kurze Anfragen, in denen das Gegenüber abgetastet wird, teilweise werden ausführliche und in die Tiefe gehende Nachrichten wiedergegeben. Auf der einen Seite wird dadurch die emotional wachsende Nähe der Gesprächspartner deutlich, auf der anderen Seite wird jedoch manches mehrmals wiederholt.

Obwohl persönliche Angaben zu den Männern geändert wurden, fühlt sich das Lesen dieser intimen Nachrichten zeitweise an wie das unerlaubte Lesen eines Tagebuchs.

Trotz mancher Längen ist es ein Buch, das man nicht gern aus der Hand legt, denn es bietet viel Abwechslung und ist dadurch spannend. Besonders hilfreich für Menschen, die sich auf eine ähnliche Suche machen wollen, sind die abschließenden praktischen Tipps für Singlebörsen.

Das Cover ist sehr ansprechend, allerdings könnte es einen falschen Eindruck erwecken, denn die Autorin steht in einer anderen Lebensphase als die abgebildete Frau.

Fazit: Fesselnd geschrieben, nimmt dieses Buch den Leser mit auf die Partnersuche auf christliche Datingseiten. Das emotionale Auf und Ab dieser Suche wird nachvollziehbar wiedergegeben. Trotz einiger Wiederholungen empfehlenswert, vor allem für Menschen, die sich vorab über solche Webseiten informieren wollen.

Bewertung vom 14.05.2022
Schönheit aus Asche
Isaacson, Eleanor

Schönheit aus Asche


sehr gut

Eleanor Isaacson wird November 1934 in Amerika geboren. Ihre Eltern sind von Deutschland ausgewandert, weil ihrem Vater in der Bäckerei eines Verwandten eine Arbeitsstelle angeboten wurde. Die kleine Eleanor wird nicht in ein liebevolles Elternhaus hineingeboren. Ihr Vater hatte auf einen Jungen gehofft, ihre Mutter wollte überhaupt kein Kind haben.

Sie ist erst zwei, als ihre Mutter mit ihr in die Heimat, nach Deutschland, reist. Dort sucht die Mutter nach einem neuen Zuhause für ihre Tochter. Schließlich willigt ihre Schwester Lisbeth ein das Kind zu behalten. Die Mutter reist zurück nach Amerika und meldet sich in den folgenden Jahren nur selten. Lisbeth und ihr Mann sorgen zwar für Eleanor, doch sie fühlt sich nicht geliebt.

Und dann beginnt der Zweite Weltkrieg. Eleanor kann das schreckliche Geschehen nicht begreifen. Am schlimmsten sind die endlosen Bombennächte. Obwohl ihr niemand von Gott erzählt, spürt sie in dieser schrecklichen Zeit eine Gegenwart, einen unsichtbaren Begleiter, der sie mit Liebe einhüllt. Es wird aber Jahre dauern, bis sie begreift, wer dieser Beschützer ist.

Mit dreizehn Jahren kommt sie in das Land ihrer Geburt, nach Amerika. Ihre Mutter lehnt sie nach wie vor ab und in der Schule versteht sie zunächst kein Wort. Doch mit fester Entschlossenheit kann sie alle Schwierigkeiten mit der Zeit meistern. Am wichtigsten für sie ist, dass sie endlich den Gott findet, den sie so lange gesucht hat. Und eines Tages hat bekommt sie mit einem wundervollen Ehemann auch ein liebevolles Zuhause. Sie erlebt, wie Gott ihren großen Schmerz heilt und aus den dunkelsten Zeiten ihres Lebens etwas Wunderbares erschafft.

In einer ruhigen Erzählweise berichtet dieses Buch über das Erleben eines Kindes im kriegsgerütteltem Deutschland. Die Schrecken des Krieges werden ebenso deutlich, wie die starke Sehnsucht nach einem liebevollen Zuhause. Zusammenhänge werden leichtverständlich erklärt. Die Autorin berichtet anschließend über ihr neues Leben in Amerika und ihrer Hinwendung zum Glauben. Passende Bibelverse unterlegen das Gesagte. Aus vielen Erlebnissen zieht die Autorin eine praktische Anwendung heraus. So erklärt sie, zum Beispiel, wozu Einsamkeit dienen kann, oder sie zeigt, was für sie nötig war, damit sie ihrer Mutter vergeben konnte. Durch diese Veranschaulichungen ist dieses weise Buch mehr als eine Autobiographie. Manche Stelle sind sehr berührend und auch wegweisend.

Fazit: Eine authentische Erzählung über ein schweres Schicksal, das zeigt, wie Gott aus einem hoffnungslosen Leben ein erfülltes und reiches Leben machen kann. Dieses Buch bezeugt, wie liebevoll Gott sich um seine Kinder kümmert. Sehr empfehlenswert, vor allem für Menschen, die sich für Lebensgeschichten und für historische Erzählungen interessieren.

Bewertung vom 10.05.2022
Starter-Set Sami Lesebär Paw Patrol

Starter-Set Sami Lesebär Paw Patrol


ausgezeichnet

Dieses Starter-Set enthält einen Vorlese-Bären und ein erstes Buch zum Ausprobieren. Der Eisbär ist schon geladen, so kann es nach dem Auspacken sofort losgehen. Um weitere Bücher vorzulesen, muss man allerdings über die Sami Webseite eine Internetverbindung aufbauen, das ist aber nicht schwer.

Auf seiner Mütze befindet sich der Einschaltknopf, und ist Sami an, erklärt er genau was getan werden muss. Mit den Ohren kann die Lautstärke verstellt werden, und hinten befindet sich ein Anschluss für Kopfhörer. Das Set enthält außerdem auch ein Datenkabel, um Audiodateien herunterzuladen oder um das Gerät zu laden.

Sami sitzt auf einem Eisschollen, der auf der letzten Seite des Buchs aufgesteckt wird. Das Gerät erkennt auf welcher Seite des Buchs man sich befindet und liest den Text vor. Dauert das Umblättern zu lange, fordert Sami den Zuhörer auf umzublättern. Wird das Buch gewechselt, dauert es allerdings ein bisschen, bis Sami das erkennt.

Das mitgelieferte Buch erzählt eine Paw Patrol Geschichte. Wie immer, gibt es eine schwierige Aufgabe zu meistern – die Truppe findet Gold, doch ein Bösewicht stiehlt das Gold zusammen mit seinem Katzenhelfer. Wie gut, dass Ryder und seine Freunde einen Plan haben!

Das Lesen mit Sami macht Spaß. Es funktioniert auch ohne Probleme. Die Stimme bei dieser Geschichte ist zwar nicht besonders aufregend, aber das ist bei anderen Büchern besser.

Die Verpackung ist etwas übertrieben – der Eisbär, der etwas größer ist als eine Erwachsenenhand, fühlt sich in seiner großen Schachtel sicher etwas verloren. Aber das ist heutzutage wohl so üblich.

Die Handhabung ist sehr einfach, außer bei der erstmaligen Einrichtung, kommen Kinder ab zwei oder drei Jahren leicht alleine damit zurecht, da alles erklärt wird. Die dazugehörigen Bilderbücher sind auch nicht allzu teuer. Der Vorteil gegenüber einem Hörspiel ist, dass das Kind die Bilder im dazugehörigen Buch betrachten kann.

Fazit: Ein nettes Geschenk für Kinder von zwei bis etwa sieben Jahren. Mit einer kinderleichten Bedienung liest dieser nette Eisbär unermüdlich kleinen Kindern vor. Empfehlenswert!

Bewertung vom 10.05.2022
SAMi - Ferdis Freundschaftsglück
Boyden, Robin

SAMi - Ferdis Freundschaftsglück


ausgezeichnet

Ferdi, das Meerschweinchen, hat ein wohlgeordnetes, ruhiges Leben. Jeden Tag macht er ganz genau dasselbe, und immer zur gleichen Zeit. Er fühlt sich ganz zufrieden damit. Eines Tages, als er auf den Markt geht, sieht er dort einen neuen Stand. Die zwei Mäuse Moritz und Mia bieten scheinbar alles an. Sie wollen Ferdi einen Wunsch erfüllen. Doch Ferdi hat keine Wünsche, er hat alles, was er braucht.

Doch Moritz und Mia haben etwas für ihn, sie verhelfen Ferdi zu einem spannenden, ungewöhnlichen Tag. Auch wenn das alles für Ferdi ungewohnt ist, merkt er dabei, wie schön es ist Spaß mit Freunden zu haben.

Die Bilder in diesem Buch sind wunderschön. Auf einigen der bunten Seiten wimmelt es nur so von netten Details, die es zu Entdecken gilt. Auf andere Seiten finden sich viele Einzelbilder, die der Geschichte folgen. Die Tiere sind niedlich, dabei fallen vor allem die ausdrucksstarke Augen auf.

Die Erzählstimme ist sehr angenehm, und die passenden Geräusche, wie Wind und Wasser, Vogelgezwitscher und Marktgeräusche machen Spaß.

Fazit: Ein schönes Bilderbuch für Kinder im Kindergartenalter, das zusammen mit dem Lesebär Sami noch mehr Spaß macht. Sehr empfehlenswert!

Bewertung vom 10.05.2022
Selbstversorgung
Diederich, Marie

Selbstversorgung


sehr gut

Wenn es um den eigenen Garten geht, ist Marie Diederich mit Leidenschaft dabei. In diesem Buch geht es vor allem um den Anbau von Obst und Gemüse, doch auch andere Themen rund um die Selbstversorgung werden angeschnitten. So geht es neben dem Gartenbau um die Kleintierhaltung, das Einmachen und das Brotbacken.

In den ersten zwei Dritteln dieses umfangreichen Buchs geht es um den Garten. Von Anfang bis Ende erklärt die Autorin, wie man sein eigenes Gemüse anbaut. Dabei ist das Ziel die vollständige Selbstversorgung, doch beim Lesen kommt deswegen kein Stress auf, denn viele kleine Schritte führen zum Ziel.

Die Auswahl der angesprochenen Themen ist reichhaltig und hilfreich. Es geht beispielsweise um den Kompost, um das Heranziehen von eigenen Pflänzchen, um Schädlinge und um Dünger. Besonders interessant sind die Aufzählungen von Pflanzen, die gerne beieinander wachsen, und die Vorschläge für die Fruchtfolge.

Vierzig Pflanzen werden genauer vorgestellt. Neben ein paar Kräutern und Obstsorten erfährt der Leser allerlei über Salat- und Gemüsesorten wie Bohnen, Feldsalat, Gurken, Kohlrabi oder Kürbisse. Dass die Autorin sich in der Praxis auskennt, zeigen ihre vielen praktischen Tipps und Ratschläge.

Im letzten Drittel geht es um die Haltung von Hühnern und Ziegen, um das Konservieren von Gemüse und um das Backen von Brot mit eigenem Sauerteig. Dieser Teil kann eher als Einführung gesehen werden. Die Vorschläge machen Lust zum Experimentieren, doch fehlen konkrete Ratschläge, z.B. zum Bau eines Hühnerstalls oder zum Beginn der Imkerei. Auch die Themen Einmachen und Backen werden nur kurz angerissen.

Die Gestaltung dieses Buchs ist hochwertig und einladend. Das schwere Buch mit Lesebändchen enthält viele ansprechende Bilder, dabei finden sich neben Bildern von Gemüsesorten viele Fotos der Autorin, die ja durch ihren erfolgreichen YouTube Kanal bekannt geworden ist.

Das Buch hat eine starke persönliche Note. Die Autorin lässt den Leser an ihren Erfolgen und Misserfolgen ebenso teilnehmen, wie an ihre Träume und Wünsche. Auch der Humor kommt nicht zu kurz.

Fazit: Ein ansprechendes Einsteigerwerk für den Selbstversorger. Neben vielfältigem Wissen rund um den Anbau von Gemüse, erfährt der Leser einiges über das Halten von Nutztieren und der Verarbeitung der angebauten Lebensmittel. Empfehlenswert!

Bewertung vom 09.05.2022
Ein Haus in Brooklyn
Austin, Lynn

Ein Haus in Brooklyn


ausgezeichnet

September 1943. Die 12jährige Esther und der 9jährige Peter erfahren, dass ihr Vater in den Krieg ziehen will. Verzweifelt versuchen sie ihn festzuhalten, aber er ist fest entschlossen seinen Beitrag zu leisten. Dazu kommt, dass er nicht über den Tod seiner geliebten Frau hinwegkommt.

Da die Großmutter nicht auf die beiden Kinder aufpassen kann, erklärt sich eine Nachbarin der Oma bereit sich um die zwei zu kümmern. Solange diese Frau, Penny, sich erinnern kann, ist sie in den Vater der Kinder verliebt.

In der Wohnung unter den Kindern lebt ein grimmiger, alter Mann, Jakob. Auch er trauert über den Tod seiner Frau, sie verunglückte als sie mit der Mutter der Kinder unterwegs war. Dazu hat er schon lange nichts mehr von seinem Sohn gehört, der in Ungarn lebt. Jakob ist Jude, doch er ist wütend auf Gott, der ihn so leiden lässt.

Der Leser begleitet Penny, Jakob und die Kinder von 1943 bis zum Ende des Kriegs im Jahr 1945. Sie wachsen zusammen, sie unterstützen und ermutigen einander und sie machen alle ein große Entwicklung durch.

Penny, die sehr behütet aufgewachsen ist, lernt auf eigenen Füssen zu stehen und sogar für andere Verantwortung zu tragen. Doch sie erfährt auch ein schreckliches Geheimnis, das über ihrem Leben liegt.

Esther wächst zu einer jungen Frau heran. Langsam kann sie ihre Bitterkeit loslassen und sie lernt sich in andere hineinzufühlen. Peter kommt langsam aus seinem Schneckenhaus heraus.

Jakob lernt Gott ganz neu kennen und sein erstarrtes Herz erwärmt sich, als er die Kinder ins Herz schließt. Mit seiner Weisheit ist er ein gern gesehener Ratgeber.

Dieses Buch ist wunderschön geschrieben. Nach dem Lesen schmerzt es sich von den liebgewordenen Charakteren zu verabschieden. Besonders interessant sind die Beschreibungen von jüdischen Bräuchen und Festen.

Fazit: Ein spannendes Buch, das das Leben in Amerika in den 40er Jahren beschreibt. Themen sind Judentum, Holocaust und Familiengeheimnisse. Die Botschaft, die sich durch das Buch zieht, ist, dass Gott ein guter Gott ist, der sich liebevoll um seine Kinder kümmert, auch wenn es in dunklen Zeiten nicht so scheint. Sehr empfehlenswert!

Bewertung vom 01.04.2022
Entmenschlicht
Mau, Huschke

Entmenschlicht


ausgezeichnet

Huschke hat keine glückliche Kindheit. Ihr sadistischer Stiefvater kontrolliert und quält die Familie. Mit 17 Jahren hält sie es nicht mehr aus, sie kann fliehen und kommt in einer Jugendeinrichtung unter. Als die staatliche Hilfe endet, weiß Huschke nicht weiter. Die Behörden sagen ihre Eltern seien für ihre Unterstützung zuständig, aber von ihnen kann sie keine Hilfe erwarten. Sie würde liebend gerne studieren, ach was, einfach nur die Miete bezahlen und Geld für Lebensmittel haben, aber sie weiß nicht wie.

Mit abwertenden und sexistischen Bemerkungen aufgewachsen, hat die Autorin kein gesundes Selbstwertgefühl. Es stört sie sehr, wenn Männer sie anmachen – irgendwann beginnt sie mit dem Spruch, „Bei mir kostet es aber!“ zu kontern. Und schließlich denkt sie, warum nicht? Warum mir nicht bezahlen lassen, was mir ohnehin angetan wird?

Ihr erster Zuhälter, ein Polizist, führt sie in die Prostitution ein. Das lässt er sich gut bezahlen. Auf einmal ist Huschke eine Gefangene. Von dem eingenommenen Geld bleibt nicht viel, und ihre Träume von einem Studium rücken in weiter Ferne. Es wird zehn Jahre dauern, bis sie den Ausstieg schafft.

In diesem Buch erzählt die Autorin offen ihre persönliche Geschichte. Dazu zeigt sie das große Bild auf, und erklärt anhand von Zahlen und Statistiken, wie schlimm das Problem der Prostitution in Deutschland ist. Besonders erschütternd sind seitenlange Aufzählungen von ermordeten Frauen und die vielen Zitaten aus Freier-Foren. Hier bewerten Männer die Frauen, mit denen sie Sex hatten. Das zu lesen ist einfach nur schaurig, und spätestens da wird klar: Prostitution ist unmenschlich und mit Sicherheit nicht eine Arbeit wie jede andere. Es sind andere, die große Gewinne machen, Zuhälter, Menschenhändler, und nicht zuletzt der Staat, da die Einkünfte versteuert werden müssen. Hilfen zum Ausstieg sind nur eine begrenzte Lösung, denn solange es eine Nachfrage gibt, werden neue Frauen gesucht, geworben, versklavt, um das Geschäft aufrechtzuerhalten.

Die Autorin macht sehr deutlich, dass Prostitution Gewalt an Frauen ist, legaler sexueller Missbrauch. Sie zeigt auch eine Lösung auf, das Nordische Modell, in dem Frauen Hilfe und Unterstützung beim Ausstieg bekommen, gleichzeitig jedoch jeder, der Sex kauft, als Täter angesehen und bestraft wird.

Gewöhnungsbedürftig ist die manchmal derbe Sprache, doch sie passt zum Thema. Ein weiterer Nachteil sind einige Wiederholungen, allerdings führt das auch dazu, dass die Problematik eindeutig klar wird.

Fazit: Ein wichtiges Buch, das zwar wegen den Schilderungen der schrecklichen Gewalt und Not schwer zu lesen ist, und doch unverzichtbar ist. Sehr empfehlenswert!

Bewertung vom 22.03.2022
Luther
Metaxas, Eric

Luther


ausgezeichnet

1517 – ein Jahr, das in die Geschichte eingeht. Der Theologe Martin Luther verfasst 95 Thesen, in denen er auf Missstände in der Kirche hinweist. Doch was steht hinter diesen Glaubensaussagen, die die Welt verändert haben?

Martin Luther ist sich seiner Sünde sehr bewusst. Er bemüht sich nach Kräften von Gott angenommen zu werden. Die Kirche verkauft Ablassbriefe, die Sündenvergebung garantieren sollen, ein gutes Geschäft. Das heilige Buch des Glaubens ist Kirchenmännern vorbehalten, das einfache Volk kennt die Bibel nicht - darum funktioniert dieses System so gut. Martin Luther jedoch, der Mönch ist, studiert die Schriften und entdeckt, Vergebung ist ein freies Geschenk Gottes. Diese befreiende Botschaft möchte er bekanntmachen.

Seine Thesen, als Diskussionsgrundlage gedacht, sind nicht gern gesehen, denn die Kirche möchte nicht auf die Einnahmen für die Zusprechung der Sündenvergebung verzichten. Martin Luther soll sterben. Doch Freunde retten ihn und er weist weiterhin auf Missstände in der Kirche hin. Von ihm unbeabsichtigt, führt das zu einer Spaltung der Kirche.

Dieses dicke Buch ist faszinierend und spannend. Neben einer Vielfalt an Fakten und Geschichten über bekannte Männer, wie Melanchthon oder Erasmus, erfährt der Leser auch manches über kuriose Gestalten, wie die Frau, die jahrelang weder aß noch trank, oder die Toilette aufsuchen musste. Luthers derbe, doch lebensnahe Art kommt gut zur Geltung, so zum Beispiel in dem Kapitel mit der Überschrift, „Der Heilige Geist in der Toilette“.

Der Autor, Eric Metaxas, hat schon einige Bestseller über berühmte Christen geschrieben. Er versteht es geistliche Inhalte auf einfache Weise zu erklären. Das ist in diesem Buch besonders hilfreich, wenn es beispielsweise um die Rechtfertigung durch den Glauben geht, oder um die unterschiedliche Auffassungen vom Abendmahl.

Auch problematische Themen kommen zur Sprache, zum Beispiel Luthers Aussagen über Juden oder seine Einstellung zu den Bauernkriegen. Dabei schlägt sich der Autor, trotz manchem Unverständnis, auf die Seite Luthers. So entsteht fast ein Heldenepos, was manchen Lesern vielleicht nicht gefallen wird. Kritiker zweifeln außerdem die Historizität mancher Aussagen des Autors an, doch vieles wird mit Quellen belegt.

Fazit: Eine faszinierende Biografie über eine schillernde Persönlichkeit. Sehr empfehlenswert!

Bewertung vom 15.03.2022
Mit allen Sinnen auf Empfang
Sommer, Debora

Mit allen Sinnen auf Empfang


ausgezeichnet

Am Ende des Buchs dankt die Autorin ihrem Vater und widmet ihm das Buch, da er als hochsensibler Mensch zeitlebens als nervenkrank angesehen wurde. Das ist berührend und macht deutlich, dass dies ein Thema ist, das ihr sehr am Herzen liegt. Die Autorin erklärt, dass Hochsensibilität keine Modererscheinung ist. Es hat schon immer Menschen gegeben, deren Sinne empfänglicher waren. Doch ihr Anderssein wurde oft als ein Makel angesehen.

Nach zwei informativen Kapiteln über Erscheinungsweisen, Forschungsergebnissen und die Geschichte der Hochsensibilität, erzählt Debora Sommer ihre eigene Geschichte. Sie berichtet von kleinen Erlebnissen aus Kindheit und Jugend, die sie zutiefst prägen oder auch verletzen, von der ersten Ahnung, dass sie hochsensibel sein könnte, und schließlich von dem weiten Weg bis zum Annehmen dieser Eigenschaft und einem positiven Umgang damit.

In der zweiten Hälfte des Buchs geht es um das Zusammenleben von Hochsensiblen und Normalsensiblen in christlichen Gemeinden. Dieses Thema wird ausführlich aus drei verschiedenen Blickwinkeln beleuchtet. Zuerst geht es um vier Zugänge zur übernatürlichen Welt, das Gebet, die Sinne, die Natur und der Körper. Im nächsten Kapitel dient der israelitische Tempel als Sinnbild für die Innen- und Außenwelt. Im letzten Kapitel geht es schließlich um das Miteinander in der Gemeinde.

Das Thema hochsensibles Christsein bildet den Schwerpunkt dieses Buchs. Durch die drei Zugänge gibt es manche Wiederholungen, was teilweise vielleicht stört, andererseits fühlen sich Leser vermutlich von verschiedenen Zugangsweisen angesprochen. Mir persönlich ging es beim Lesen so, dass ich mit wenig Erwartungen an das Kapitel über den Tempel als Sinnbild herangegangen bin, und dann gerade hier die meisten Schätze heben konnte.

Besonders wohltuend ist die positive Sichtweise der Hochsensibilität als Gabe, nicht als Bürde. Und doch warnt die Autorin, dass diese Gabe keinesfalls als Ausrede oder Freifahrtschein zur Sonderbehandlung dienen darf.

Die Autorin ist mit Leidenschaft Theologin. Dass sie Gottes Wort liebt und schätzt, wird sehr deutlich. Sie rechnet auch mit dem Wirken des Heiligen Geistes, für das Hochsensible unter Umständen empfänglicher sein können, wenn sie diese Gabe pflegen.

Viele Abschnitte enden mit Fragen zur persönlichen Betrachtung. Es finden sich auch immer wieder ganz praktische Ratschläge und Lebenshilfen, zum Beispiel, dass wir zwar vieles an unserer Situation nicht ändern können, wir aber selbst in der Hand haben, womit wir uns in unseren Gedanken beschäftigen. Ein weiteres Beispiel, das mir als begeisterte Leserin besonders gut gefällt, „Das Lesen, als individuelles Erlebnis und tiefgreifender Vorgang, kann zu einer heilenden Disziplin werden.“

Fazit: Persönlich, fundiert und gut recherchiert, bietet dieses wertvolle Buch eine Schatztruhe voller Fakten und Tipps rund um das Thema Hochsensibilität, mit einem Schwerpunkt auf das christliche Leben. Sehr empfehlenswert!