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Benutzername: Marianne
Wohnort: Attenhofen
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Bewertungen

Insgesamt 70 Bewertungen
Bewertung vom 19.04.2018
Die Magnolienfrau
De Stefani, Sabrina

Die Magnolienfrau


sehr gut

Sabrina wächst bei ihrer Oma auf. Wegen einer Wirbelsäulenverkrümmung, verbringt sie die ersten Lebensjahre starr in einem Gipskorsett. Als sie davon befreit wird, muss sie erst mühsam lernen zu laufen und Berührungen zu ertragen. Ihre Mutter sieht sie nur selten, bis sie mit sieben Jahren die geliebte Oma verlassen muss, um bei ihrer Mutter und ihrem neuen Mann zu leben.

Später geht sie in ein katholisches Internat, und leidet dort unter der strengen Erziehung. Als Erwachsene entschließt sie sich die Welt zu bereisen. Sie verbringt mehrere Jahre in asiatische Länder. Ihren Lebensunterhalt verdient sie mit der Herstellung von Schmuck. Aber obwohl sie sich an den Stränden Thailands sehr wohl fühlt, fehlt etwas in ihrem Leben. Sie entschließt sich nach Indien zu gehen.

Auf einsamen Gebirgswegen, in hinduistischen Klöstern, und bei gastfreundlichen Familien ist Sabrina immer auf der Suche. Sie wandert bis ihre Füße voller Schrunden sind. Sie ist immer wieder in Lebensgefahr, weil sie alleine ist und schwerkrank wird. Sie findet verschiedene Ruhepole in der Geschäftigkeit Indiens. Aber etwas treibt sie immer weiter an.

In einem kleinen Dorf am Rande des Himalajas findet sie ihren Seelenverwandten. Obwohl dieser Mann sich der Askese verschworen hat, und damit auch auf Sex verzichtet, fühlt sich Sabrina schnell bei ihm daheim. Sie entschließt sich selbst hinduistische Priesterin zu werden, damit sie als Jüngerin bei ihm bleiben kann. Aber es gibt in der Umgebung auch Neider. Ist das der Grund, dass sie schließlich unschuldig im Gefängnis landet?

Diese Lebensgeschichte lässt den Leser nicht los. Auch wenn die Autorin Entscheidungen trifft, die nicht so leicht nachzuvollziehen sind, ist es beeindruckend, wie sie sich auf die Lebensweise in Indien einlässt. Sie scheut Entbehrungen nicht, in ihrer stetigen Suche nach der Erfüllung ihrer Sehnsüchte. Dabei beschreibt sie auch ganz offen ihre Zweifel angesichts mancher religiösen Rituale und der Unterdrückung der Frauen in ihrer Umgebung.

An der Seite der Autorin kann der Leser in die exotische, faszinierende Welt Indiens reisen. Dabei sind Seiten des Landes zu sehen, die sich dem Touristen normalerweise nicht erschließen. Spannend geschrieben, leidet der Leser mit der Autorin mit und fragt sich zum Schluss, wie es wohl nach der Freilassung weitergegangen ist.

Bewertung vom 19.04.2018
Love your body und schließe Frieden mit dir selbst!
Diaz, Morena

Love your body und schließe Frieden mit dir selbst!


sehr gut

Das bunt gestaltete Cover ist schon ein guter Hinweis auf die Art dieses Buchs. Morena Diaz, die durch ihren Blog zu dem Thema "Body Positivity" (den Körper positiv sehen) sicher schon einigen Lesern bekannt ist, ist eine kunterbunte Gestaltung dieses Buchs gelungen.

Ihre eigene, berührende Geschichte zieht sich durch das Buch. Sie selbst hatte schon früh Probleme damit sich anzunehmen. Ergänzend erzählen auch andere, die aus ganz unterschiedlichen Gründen, erst lernen mussten sich anzunehmen. Auch Platz für Einträge des Lesers kommen vor.

Das Hauptanliegen dieses Buchs ist eine gesunde Annahme des eigenen Körpers. Morena Diaz begegnet dem Leser wie eine Freundin, spricht Mut zu, und erzählt ungeschont aus ihrem eigenen Erleben.

Ich denke, dass jüngere Leser am ehesten von den Erfahrungen dieser noch jungen Frau profitieren werden. Ihnen ist auch der Blogstil vertrauter. Reifere Leser werden sich vielleicht etwas mehr Tiefe wünschen, und einen vertrauteren Schreibstil.

Bewertung vom 19.04.2018
halb zehn - das Frühstückskochbuch
Prus, Agnes

halb zehn - das Frühstückskochbuch


ausgezeichnet

Schon früh am Morgen eine leckere Weltreise machen, dazu lädt dieses Kochbuch ein. Die Rezepte in diesem liebevoll gestalteten Buch sind zum Teil etwas aufwändiger, darum eignen sie sich besonders gut für das Wochenende, wenn der Tag ruhiger angeht.

Das Buch beginnt mit einem Bekenntnis, „Ein Herz für Zucker und Gemüse.“ Bei diesen Rezepten geht es nicht um möglichst gesunde und vollwertige Lebensmittel, es geht darum die Freude am Frühstück zu zelebrieren. Warum sollte es nicht ab und zu etwas geben, bei dem der Genuss an erster Stelle steht?

Die Mischung aus Gewohntem und Neuem ist gelungen. So gibt es Rezepte für vertraute Backwaren, wie Brezeln, Korinthenbrötchen, Brot oder Waffeln. Aber auch kulinarische Kostbarkeiten des Mittelmeerraums, Amerika und England sind hier zu finden, wie Pancakes, Baked Beans mit Spiegelei und Zaatar, oder Porridge. Ein Kapitel ist den Getränken gewidmet, und auch hier stehen vertraute Getränke neben ausgefallenen Neuheiten für den experimentierfreudigen Koch.

Die Bilder sind wunderschön gestaltet und laden zum Nacharbeiten ein. Bei schwierigeren Rezepten werden die einzelnen Schritte mit einer Bilderreihe gezeigt. Jedes Rezept enthält Nährwertangaben, Zeitangaben fehlen allerdings. Vielleicht wird damit unterstrichen, dass für dieses wunderbare und außergewöhnliche Frühstück der Zeitdruck wegfallen kann.

Ein wunderschönes Buch für die Tage, an denen es etwas Besonderes sein darf!

Bewertung vom 15.04.2018
Die Ausreißer - Sehnsucht nach Meer
Feurer, Melissa C.

Die Ausreißer - Sehnsucht nach Meer


ausgezeichnet

Nele leidet darunter, dass sie in der Schule nicht dazugehört. Sie wird wegen ihrem Übergewicht verspottet, außerdem fühlt sie sich wegen ihrem Glauben als Außenseiterin. Obwohl sie Kirchgänger sind, hat ihr Vater die Familie verlassen, und lebt nun mit einer anderen Frau zusammen. Die Mutter ist überfordert, da sie nun allein für die kleine Familie sorgen muss. Als Neles Tante, die Religionslehrerin der Klasse, auch noch Nele bei einem Gespräch über das Thema Mobbing als Beispiel nehmen will, reicht es Nele. Sie hat den Eindruck sie muss weg, denn das wäre einfach nur peinlich.

Lars hat ganz andere Probleme. Seine Mutter starb als er noch klein war. Sein Vater kam damit nicht zurecht, also griff er zur Flasche. Inzwischen ist er fast immer betrunken, und dabei wird er auch Lars gegenüber gewalttätig.

Noah ist ein Reisender. Er hat schon vor einer Weile, kurz vor dem Abitur, sein Zuhause verlassen. Unterwegs traf er auf einen Hund, der ihn von da an begleitet. Er ist gerade in Karlstadt, der Heimat von Lars und Nele, als sein Hund angefahren wird. Lars hilft ihm den Hund zu verarzten, und entschließt sich Noah auf seiner Reise zu begleiten, denn er hält es in seinem von Gewalt geprägtem Zuhause nicht mehr aus. Mit Nele bekommt die Reise ein Ziel. Sie möchte ihren Vater zurückholen.

Unterwegs stößt noch eine Freundin von Noah dazu, die auch ihre Gründe hat auszureißen. Ihre Kälte und Unnahbarkeit zeigen wie tief sie verletzt wurde. Gemeinsam macht sich das Gespann auf den Weg nach Glücksstadt, um Neles Vater aufzusuchen, und danach ans Meer.

Die Härten des Vagabundenlebens werden anschaulich beschrieben; die Sehnsucht nach einer Dusche oder einer warmen Mahlzeit, das lange Warten auf eine Fahrgelegenheit, aber auch die Streitigkeiten unterwegs. Auf dieser Reise kommen sich die vier Jugendliche näher. Schlafmangel und Hunger tragen ihren Teil dazu bei, dass die Vier schonungslos offen miteinander umgehen. Sie tauschen sich auch über Gott und die Welt aus. Dabei entdecken sie viel über sich selbst.

In diesem Jugendbuch werden viele Themen angesprochen, die Jugendliche bewegen. Es geht um körperlichen und sexuellen Missbrauch, das Ritzen, die Sehnsucht nach Liebe, Vernachlässigung, Scheidung, Freundschaft und Familie. In den Gesprächen geht es auch immer wieder um Gott, der auch in den schweren Zeiten bei uns ist. Eine packende Geschichte, mit einer wertvollen Botschaft.

Bewertung vom 15.04.2018
Espenlaub
Mette, Jürgen

Espenlaub


ausgezeichnet

Toni erlebt schon als Junge viele harte Schicksalsschläge. Sein Vater überlebt zwar die Schlacht vor Stalingrad, kommt aber kurz nach der Rückkehr aus der Gefangenschaft bei einem Bombenangriff ums Leben. Seine Mutter kann ihn ohne Arbeitsstelle finanziell nicht versorgen, darum muss sie arbeiten gehen, und der kleine Junge wird von entfernten Verwandten großgezogen. Eine Blinddarmentzündung des Jungen wird zu spät erkannt, und er muss lange Zeit im Krankenhaus gepflegt werden. Eines Tages bleibt der Besuch der Mutter aus. Sie ist bei einer Lawine verschüttet worden.

Toni ist sehr erschüttert. Diese große Verlusterfahrung führt dazu, dass er verhaltensauffällig wird und in ein Heim für geistig Behinderte kommen soll. Ein Familienfreund, der Raffaltbauer, hört vom Schicksal des Jungen, und er nimmt ihn in seine große Familie auf. Geduldig bringt die Bäuerin dem Jungen Lesen und Schreiben bei. Toni fühlt sich in seinem neuen Zuhause geborgen. Er findet seine Aufgabe in der Versorgung der Kühe. Im Sommer bleibt er mit den Kühen auf der Alm.

Er ist achtzehn, als ein gleichaltriges Mädchen, Evi, als Aushilfe auf den Hof kommt. Obwohl sie auf den ersten Blick wenig gemeinsam haben, verlieben sich die beiden ineinander. Evis wohlhabende Eltern haben jedoch ehrgeizige Pläne für die Zukunft ihrer Tochter. Ein einfacher Almhirt passt nicht in diese Pläne.

Toni hält beharrlich an diese Liebe fest, auch als Evi zum Studium nach London geht. Selbst in den vielen Jahren, in denen er kein Lebenszeichen von ihr erhält, bleibt er ihr treu. Er leidet aber nicht nur unter dem Verlust dieser Beziehung. Viel zu früh machen sich erste Anzeichen einer Parkinson-Erkrankung bei ihm bemerkbar. Er hält sich an dem Vorbild Hiobs fest, und bemüht sich trotz der Krankheit um ein heiles Leben.

In diesem Roman wurden sicher einige persönliche Erfahrungen des Autors verarbeitet, der selbst an Parkinson erkrankt ist. Die Beschreibung von Tonis Leiden ist sehr authentisch.

Die Liebesgeschichte ist einfach nur berührend. Es ist beeindruckend, wie Toni ein Leben lang an dieser scheinbar aussichtslosen Liebe festhält.

Eingebettet in den zarten Klängen eines Heimatromans, bearbeitet der Autor in diesem Buch schwerwiegende Themen wie Krankheit und Leid, Treue und Liebe, geistlicher Missbrauch und freimachender Glaube. Eine eindeutige Leseempfehlung!

Bewertung vom 15.04.2018
Wunder inklusive

Wunder inklusive


sehr gut

„Wunder inklusive“, das drückt gut aus worum es in diesem Buch geht. Die Herausgeberin hat viele Geschichten gesammelt, die Heranwachsenden eine Hilfe sein können. Dabei sind die Erlebnisse oft ganz alltäglich. Die Erzähler der Geschichten erleben Wunder, nämlich Gottes Wirken in ihrem Leben, aber das ist meistens nicht besonders aufsehenerregend oder außergewöhnlich. Gerade darum können sich jugendliche Leser in diesen Erfahrungen wiederfinden.

Es geht um die Entscheidung für den richtigen Beruf, eine wichtige Begegnung, den Umgang mit Krankheit, Schwierigkeiten mit Mitmenschen, die Stütze eines Jugendkreises, und immer wieder um die in diesem Alter wichtige Frage der Partnersuche. Nach den meisten Berichten wird der Autor kurz vorgestellt, einige Berichte sind allerdings anonym verfasst.

Die Geschichten sind jeweils recht kurz, darum eignen sie sich als Zugabe zur Andacht oder auch als Einstieg in ein Thema im Jugendkreis. Durch die bunte Erfahrungsvielfalt der Autoren findet sich sicher jeder Leser in der einen oder anderen Geschichte wieder.

Bewertung vom 14.04.2018
Mit Sari auf Safari
Bühne, Tabitha

Mit Sari auf Safari


ausgezeichnet

Tabitha Bühne probiert viel aus, beruflich und privat, aber erst mit der Wiederentdeckung des Glaubens findet sie Erfüllung. Nach einigen Enttäuschungen kann sie sich nicht vorstellen, dass es für sie einen Traummann gibt, aber dann entwickelt sich auf überraschende Weise eine Beziehung zu einem Journalisten, der im Ausland lebt. Schnell wird aus dieser Freundschaft Liebe, und nach einem aufregenden Heiratsantrag entschließt Tabitha ihre Zelte in Deutschland abzubrechen, und mit ihrem Mann in Indien zu leben.

Von einem stillen Leben auf dem Land zu einer stinkenden, lauten Millionenstadt in Indien; die Umstellung fällt ihr verständlicherweise sehr schwer. Die sportliche Autorin genoss es in der Stille des Waldes Jogging zu gehen, nun kann sie sich nur entweder unter Lebensgefahr durch hupende Autos kämpfen, oder ins teure Fitness-Studio gehen.

Tabitha nutzt ihre Zeit in Indien um Land und Leute gründlich kennenzulernen, und das ist auch das Besondere an diesem Buch. Sie reist viel durch Indien und den benachbarten Ländern, und sie ist voller Fragen für ihre indischen Freundinnen, denn sie will Bräuche und Kultur des Landes besser verstehen. Eine Stütze in ihrem neuen Alltag findet sie auch in einer internationalen Gemeinde.

Tabitha berichtet von schönen Gebirgsdörfern, einer abscheulichen Stadt der Toten, von Kindergöttinnen, einem Yoga Kurs und von viel mehr. Dabei ist ihre Erzählweise stets anschaulich und fesselnd. Auch von den Schwierigkeiten, die eine neue Ehe in einem Land wie Indien mit sich bringt, erzählt sie ganz offen.

Als Mensch, der die Stille liebt, fällt es ihr manchmal besonders schwer es in diesem lauten Land auszuhalten. Und über allem liegt eine dicke Smogschicht, mit Werten, die jede Skala sprengen. Dazu kommt die verzweifelte Armut vieler Menschen, Kinderarbeit, und die schwere Stellung vieler Frauen. Das alles empfindet sie als sehr bedrückend.

Diese exotische Reise zeigt die schönen, aber auch die hässlichen Seiten Indiens. Und immer wieder erzählt Tabitha wie viel Hoffnung sie persönlich aus ihrer Beziehung mit Jesus schöpft. Ein fesselnder Bericht einer abenteuerlustigen Frau über ein faszinierendes Land!

Bewertung vom 14.04.2018
Weil du mit mir gehst
Brown, Sharon Garlough

Weil du mit mir gehst


sehr gut

Vier Frauen sind gemeinsam im Leben unterwegs. Im ersten Band dieser vierteiligen Serie konnte der Leser diese Frauen, mit ihren Erfolgen und ihren Schwierigkeiten, schon gut kennenlernen. In diesem zweiten Band wird ihre Geschichte jeweils weitererzählt, dabei sind die Leben dieser Freundinnen inzwischen miteinander verwoben, und sie unterstützen sich gegenseitig.

Die gutaussehende, intelligente Charissa erwartet ihr erstes Kind, aber es fällt ihr schwer die Freude ihres liebevollen Ehemannes zu teilen. Und als sie eine wichtige Prüfung verschläft, bricht eine Welt für sie zusammen. Sie muss weiterhin gegen ihren übertriebenen Perfektionismus kämpfen, und herausfinden ob sie sich wirklich nur über ihre guten Noten definieren will.

Meg nimmt ihren ganzen Mut zusammen und unternimmt die weite Reise nach England, um ihre Tochter zu besuchen. Aber ihre Tochter hat kaum Zeit für sie. Es fällt Meg schwer mit dieser großen Enttäuschung umzugehen, hat sie sich doch so sehr auf die Zeit mit ihrer Tochter gefreut. Dann entdeckt sie, warum ihre Tochter so wenig Zeit hat, und das macht alles für sie noch viel schlimmer.

Der zermürbende Alltag einer ungeliebten Ehefrau ist das Los von Mara. Die Entfremdung in ihrer Ehe nimmt nur noch zu, und auch von ihren beiden jüngeren Kindern wird sie nicht respektiert. Dafür ist sie aber umso erfreuter zu hören, dass sie bald Oma sein wird. Aber auch da kämpft sie um ihren Platz.

Hannah findet sich langsam mit der erzwungenen Pause von der Arbeit ab. Sie lernt ihren Jugendfreund besser kennen und ist bei den vier Freundinnen der ruhende Pol.

Im Gegensatz zum ersten Band, werden geistliche Übungen in dieser Geschichte nur am Rande erwähnt. Es geht eher darum, wie das Erkannte im Leben dieser Frauen umgesetzt wird. Dabei geht es meistens nur langsam vorwärts, und immer wieder fallen die Frauen in ihre gewohnten, zerstörerischen Verhaltensmuster zurück.

Es ist interessant zu sehen, wie diese Frauen sich entwickeln, und dabei mit ganz normalen Problemen zu kämpfen haben. Auf überzeugende Weise lässt die Autorin auch an ihre Gefühlswelt teilnehmen, z.B. Maras Neid auf die andere Großmutter der neuen Enkelin, die vielleicht mehr geliebt werden wird. Dabei wachsen diese Frauen über ihre Probleme hinaus, nicht zuletzt auch weil sie sich gegenseitig unterstützen. Ihre geistliche Beraterin, Katherine, spielt in diesem Buch nur eine kleine Rolle, und das, was die Frauen in ihrem Kurs gelernt haben, geht oft im Alltag unter. Gerade da ist es hilfreich, dass sie gemeinsam unterwegs sind und sich gegenseitig an das Gelernte erinnern können.

Dieses Buch ist eine lesenswerte Fortsetzung, die über den Alltag von vier ganz normalen Frauen erzählt; gespickt mit einigen guten, geistlichen Wahrheiten. Der Leser kann mitverfolgen wie der Glaube auch in schwierigen Situationen gelebt werden kann.

Bewertung vom 14.04.2018
Mein heller Abgrund
Wiman, Christian

Mein heller Abgrund


gut

Christian Wiman wächst in einer ländlichen Umgebung in Texas auf, in der Religion allgegenwärtig ist. Als Kind erlebt er eine Bekehrung, die er aber später in Frage stellt, da er zu dieser Zeit einfach nichts Anderes kannte. Als Student trifft er erstmals Atheisten. Für ihn selbst tritt der Glaube in den Hintergrund. Mehr und mehr versteht er sich als Poet. Mit Worten versucht er seine Sicht der Welt und seine Gefühle auszudrücken.

Eine niederschmetternde Krebsdiagnose verändert alles. Der Tod ist von nun an sein ständiger Begleiter. Durch die Krankheit, und zusammen mit seiner geliebten Frau, findet er mit langsamen, zögernden Schritten zurück zu Gott. Aber es bleiben viele Zweifel. Vieles, was er von Gott ahnt, kann er nicht mit Worten ausdrücken. Er zweifelt an der Auferstehung. Einerseits tröstet ihn sein neugefundener Glaube, andererseits hadert er damit. Woran er sich festhält ist die Schwäche und Verlassenheit Jesu am Kreuz, der darum auch sicher ihn in seiner Not verstehen kann.

Dieses Buch ist eine fragmentarische Sammlung von Gedanken und Gedichten, aufgezeichnet im Laufe von mehreren Jahren, in denen der Autor mit seiner Krebserkrankung kämpft. Er spricht von den unaussprechlichen Schmerzen, die seine Erkrankung mit sich bringt, von seinen Kindern, die er vielleicht nicht lange begleiten kann, und immer wieder von seiner verzweifelten Suche nach Gott. Er ahnt, dass sich die Welt nur mit Gott erklären lässt. Er spürt die Lücke, die nur mit Gott gefüllt werden kann. Er spricht aber auch offen über seine Zweifel.

Manche Sätze dieses Buches sind sehr tiefsinnig und sicher wohlüberlegt. Andere erscheinen mir einfach nur verwirrend. Wer Dichtung liebt, wird sicher viel Freude an diesem Buch haben. Auch Menschen, die noch keine Beziehung zu Gott haben und ihn angesichts von Leid suchen, können hier Hilfe und Trost finden. Die Lektüre ist auf jeden Fall nicht einfach. Es ist ein Buch, in dem man immer wieder hineinschauen kann, aber es ist weniger dafür geeignet an einem Stück gelesen zu werden.

Schade, dass lange, komplizierte Sätze die Verständlichkeit dieses Buchs erschweren. Und schade, dass der Autor sich nicht einfach in Gottes liebende Gegenwart fallenlassen kann, ohne alles verstehen zu müssen. Das Überzeugtsein von einer Auferstehung der Toten wäre in der Situation des Autors sicher besonders tröstlich. Ich hoffe seine Suche führt ihn zu dieser Gewissheit.

Bewertung vom 31.03.2018
Der falsche Amerikaner
Barsky, Jack

Der falsche Amerikaner


ausgezeichnet

Jack Barsky, oder besser gesagt Albrecht Dittrich, wächst nach dem Zweiten Weltkrieg in Ostdeutschland auf. Von klein auf lernt er die Sowjetunion als Freund und Helfer zu sehen. Der ehrgeizige und intelligente Schüler möchte sich für den Kommunismus einsetzen, denn ihm wird gesagt, dass die kapitalistischen Länder korrupt und faschistisch sind.

Er studiert mit Auszeichnung Chemie, und eigentlich möchte er an seiner geliebten Universität bleiben und unterrichten. Eines Tages sucht ihn jedoch ein geheimnisvoller Mann auf, und im Laufe der Zeit merkt Albrecht, dass er als Spion angeworben werden soll. Wegen seinen hervorragenden Leistungen ist er der KGB aufgefallen. Nun erlernt er über mehrere Jahre das Handwerk eines Agenten.

Da er schnell Fremdsprachen lernt, steht seine Aufgabe schließlich fest. Er soll als geheimer Agent in den Vereinigten Staaten leben. Dazu muss er lernen akzentfrei Englisch zu sprechen. Als er soweit ist, nimmt er die Identität eines Jungens an, der mit elf Jahren gestorben ist, Jack Barsky. So hat er einen Namen, und zusammen mit der KGB, baut er sich eine neue Identität auf.

Er reist auf Umwegen in den USA ein, und nach und nach kann er seine neue Identität festigen. Mit einer echten Geburtsurkunde kann er andere Papiere beantragen und auch mit Erfolg ein Studium im IT-Bereich absolvieren. In dieser Zeit des Kalten Kriegs steht er immer in Kontakt mit dem KGB, der er Geheimbotschaften weitergibt. Alle paar Jahre besucht er seine Familie in Deutschland, die nichts von seinem wahren Aufenthaltsort ahnt. Nur seine Frau weiß, dass er als Spion arbeitet.

Mit der Zeit verändert sich Jack. Er fühlt sich in seiner neuen Heimat sehr wohl, auch wenn er oft einsam ist. Diese Einsamkeit führt dazu, dass er in den USA eine neue Familie gründet. Er hat zwei völlig verschiedene Identitäten, und nun auch zwei Familien auf zwei Kontinenten. Eine Zeitlang geht das gut, aber dann befiehlt ihm sein Auftraggeber zurückzukommen. Für welches Land und für welche Familie soll er sich entscheiden? Und kann er es riskieren diesen Befehl zu ignorieren?

Dieses dicke 400 Seiten Buch ist zum größten Teil sehr spannend geschrieben. Es geht weniger um die Details eines Lebens als Spion, sondern mehr um die Frage, wie ein Mensch dazu kommt eine solche Aufgabe anzunehmen. Albrechts Kindheit in Ostdeutschland wird ausführlich beschrieben, und der Leser erfährt wie sein Weltbild vom Kommunismus geprägt wird. Das beeinflusst natürlich seine Entscheidungen. Als er jedoch das Leben im Westen kennenlernt, verändert sich langsam sein Denken. Dazu gehört auch schließlich die Hinwendung dieses atheistisch geprägten Mannes zum Glauben.

Fazit: Ein spannender Bericht über das innere Leben eines Agenten aus Russland, der sich ein neues Leben im Land des Feindes aufbaut.