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Benutzername: Krimine
Danksagungen: 7 (erhaltene)


Bewertungen

Insgesamt 180 Bewertungen
Bewertung vom 26.07.2020
Leiser Tod in Lissabon
George Ponciano, Catrin

Leiser Tod in Lissabon


sehr gut

Ein unterhaltsamer Krimi mit viel Lokalkolorit und interessanten Rückblicken in die Vergangenheit

Ein erbarmungslos heißer Sommer fordert seinen Tribut, als in der heiligen Altstadtkirche Lissabons ein Toter gefunden wird. Zunächst einmal sieht es wie ein Selbstmord aus, wäre da nicht der Ort der Tat, der Inspetora-Chefe misstrauisch werden lässt. Deshalb macht sie sich mit dem Gespür eines Terriers daran, das Umfeld des Toten zu durchleuchten, und stößt schon bald auf alte Seilschaften, die in den höchsten Kreisen angesiedelt sind. Haben diese etwas mit dem Mord an dem Bankier zu tun und wollten ihn mundtot machen oder steckt vielleicht sein Bruder dahinter, der ihm aus niederen Gründen einen Bildhauermeißel in den Schädel gerammt hat? Dora Monteiro geht den Dingen auf den Grund und wird mit einem Mordkomplott konfrontiert, dessen Drahtzieher äußerst gefährlich sind.

„Leiser Tod in Lissabon“ ist ein atmosphärischer und geschichtsträchtiger Kriminalroman, der seine Leser tief in die verwinkelten Kopfsteinpflasterstraßen Alfamas führt. Dort, wo in der Kirche São Miguel ein Mord geschieht, dessen Grund tief in der Vergangenheit zu finden ist. Dabei werden dem Leser im Verlaufe der Ermittlungen nicht nur die Lebensumstände des Opfers und die Hintergründe der Tat offenbart, sondern es wird ihm auch ein Stück portugiesischer Geschichte nahegebracht. Ein wunderbar interessanter und wissenswerter Einblick, der viel über das Leben der Bewohner von Lissabon verrät und gleichermaßen die Lust auf einen baldigen Besuch in der portugiesischen Hauptstadt weckt.

Aus diesem Grund verzeiht man es gerne, dass es einige Zeit braucht, bis die Ermittlungen so richtig in Fahrt geraten. Denn der Hauptaugenmerk der Autorin ist eher auf die Figuren und ihre Lebensumstände gerichtet, als auf die eigentliche Tat. Doch trotz alledem entwickelt sich aus dem hinterrücks verübten Mord ein kniffliger Fall, der immer vielschichtiger wird und eine ganze Reihe an Ungeheuerlichkeiten ans Tageslicht treten lässt. Deshalb ist es gut, dass mit der eigensinnigen und hartnäckigen Inspetora Dora Monteiro eine Ermittlerin ins Rennen geschickt worden ist, die sich als unbestechlich und gnadenlos erweist und sich in jeder noch so brenzligen Situation behaupten kann.

Fazit und Bewertung:
Ein unterhaltsamer Krimi mit viel Lokalkolorit, interessanten Rückblicken in die Vergangenheit und einem Fall, der lange Zeit unlösbar scheint.

Bewertung vom 13.03.2020
Following You
Mon, Mika D.

Following You


ausgezeichnet

Ein spannender erster Teil, der in brennende Herzen und tiefe Abgründe blicken lässt.

„Flieh, solange du es noch kannst.“

Die 19-jährige Viktoria wohnt in einem Käfig, den ihr millionenschwerer Vater für sie geschaffen hat. Sie darf abends nicht alleine auf die Straße, lebt in einem hochgesicherten Haus und hat einen Bodyguard, der sie bewacht. Doch als Viktoria mit ihrer Freundin Leonie eine Party besuchen will, schüttelt sie den Leibwächter kurzerhand ab und begibt sich damit in ungeahnte Gefahr hinein. Denn der gut aussehende Typ, der ihr von nun an folgt, hat mehr auf dem Kerbholz, als nur die Düsternis, die ihn umgibt.

„Following you“ ist der erste Teil der neuen Dark Romance Reihe von Mika D. Mon, der aus zwei Perspektiven heraus, über die Faszination einer verbotenen Liebe erzählt. Da ist zum einen Viktoria, die keinerlei Erfahrungen in Liebesdingen besitzt und sich Hals über Kopf in einen charismatischen Fremden verliebt. Zum anderen spielt Seth eine große Rolle, der auf der anderen Seite der Gesellschaft zu Hause ist und sein Geld mit verbrecherischen Machenschaften verdient. Zwei völlig gegensätzliche Menschen, die aufeinandertreffen und sich von Gefühlen leiten lassen, die nicht gut für sie ist.

Das Autorenduo Mika D. Mon versteht es, fesselnd zu erzählen und seine Leser von der ersten Seite an tief in das Geschehen zu ziehen. Dadurch lebt und leidet der Leser mit den Figuren regelrecht mit, ist besorgt und entsetzt, will helfen und kann nichts tun und hofft, das am Ende alles gut ausgeht. Denn anstatt eine romantische Liebesgeschichte darzubieten, die von düsteren Begleiterscheinungen umgeben ist, geht es in dem Dark Romance Roman wie in einem Thriller zu. Starke Gefühlen und Verbrechen werden kombiniert und ergeben eine explosive Mischung, die unheilvoll und bedrohlich ist.

Fazit und Bewertung:
Ein spannender erster Teil, der in brennende Herzen und tiefe Abgründe blicken lässt.

Bewertung vom 26.02.2020
Nach Mattias
Zantingh, Peter

Nach Mattias


sehr gut

Ein berührender Roman, der Zeit zum Lesen braucht.

Matthias ist ein Tausendsassa. Er managt Newcomerbands, gibt Nachhilfeunterricht, spielt Fußball-Manager und plant mit seinem besten Freund Quentin, ein Café zu eröffnen, bei dem die Verkaufsquittungen mit der aktuellen Playlist versehen sind. Doch plötzlich gibt es Matthias nicht mehr und das Leben der ihm nahestehenden Menschen wird durch seinen unfassbaren Tod geprägt. Wie das seiner Freundin Amber, die in Gedenken an ihn das Strandhaus am Meer alleine besucht oder seine Mutter Kristianne, die zur Trauerbewältigung Flüchtlingen hilft. Für sie alle wird die Erinnerung von nun an getrennt in eine Zeit davor und eine danach.

„Nach Matthias“ ist ein schicksalhafter Roman, der aus einer Reihe von Einzelgeschichten über völlig unterschiedliche Menschen besteht. Und obwohl sie sich gegenseitig nicht unbedingt kennen, haben sie eines gemein. Ihr Leben hat sich mit dem von Matthias gekreuzt und dadurch, dass sie von sich erzählen, erfährt der Leser, wer dieser war und was mit ihm geschehen ist. Eine tiefgreifende Art der Schilderung, die weder von der Last der Trauer getragen wird, noch den Schuldigen an den Pranger stellt. Vielmehr geht es darum, einen Menschen kennenzulernen, der für die einen wichtig war, den anderen aber nur als flüchtige Begegnung im Gedächtnis haften geblieben ist.

Peter Zantingh ist ein Erzähler, der die Gefühle und Beweggründe seiner Figuren in wenige Worte fasst. Dafür lässt er sie in ihrem Umfeld agieren und verleiht ihnen durch ihre unterschiedlichen Herangehensweisen an Dinge und Probleme eine eigene Authentizität. Völlig unspektakulär geht er dazu vor, präsentiert Ereignisse und Sichtweisen, gewährt Einblicke in die Vergangenheit und stellt Berührungspunkte zu anderen Figuren dar. So entsteht mit der Zeit ein Bild, das immer komplexer wird und in dessen Mittelpunkt der nicht mehr unter ihnen weilende Matthias mit allen seinen Eigenarten und wünschen steht.

Fazit und Bewertung:
Ein berührender Roman, der Zeit zum Lesen braucht und tief in das Leben einiger, durch das Schicksal verbundener Menschen blicken lässt.

Bewertung vom 23.02.2020
Frankfurt am Mord
Krüger, Uwe; Krüger, Jonas Torsten

Frankfurt am Mord


ausgezeichnet

Ein spannender und unterhaltsamer Frankfurt-Krimi

Im Hinterhof eines Frankfurter Bordells wird die Leiche eines Mannes gefunden, dessen Körper kopfüber in einer Regentonne steckt. Hauptkommissarin Karola Bartsch und das Team der 3. Mordkommission übernehmen die Ermittlungen und schon bald steht fest, dass es neben der Spur ins Rotlichtmilieu auch ernstzunehmende Hinweise zu einem unlauteren Vogelkundler gibt. Darum muss mit Karolas naturverbundenem Bruder Karsten Hilfe von Außen her, da nur ein Hobbyornithologe, ohne aufzufallen, Nachforschungen im Naturschutzgebiet anstellen kann. Doch trotz des verdeckten Einsatzes ist lange Zeit nicht klar, wer den Mord begangen hat und warum der als renommierter Fotograf identifizierte Tote in das Wasserfass gesteckt worden ist.

„Frankfurt am Mord“ ist der zweite Fall für Hauptkommissarin Karloa Bartsch und ihrem in Polizeiangelegenheiten erfahrenen Bruder Karsten, der vor seiner unfreiwilligen Suspendierung als verdeckter Drogenfahnder tätig war. Inzwischen nun betreibt er einen Kneipenkiosk mitsamt einer privaten Ebbelwoi-Kelterei und sammelt mit Vorliebe gestrandete Existenzen auf. Wie sein Dauergast Spotti, der ihm Tag und Nacht hilfreich zur Seite steht oder einen an der Staustufe aufgetauchten Pinguin, der von Naturschützern aus einem Zoo befreit worden ist. Nur um seiner Schwester zu helfen, betätigt er sich ab und an noch im gewohnten Milieu, wo er diesmal undercover auf die Suche nach einem hinterhältigen Mörder geht.

Voll gepackt mit akribischer Polizeiarbeit, mit faszinierenden Ausflügen in die Ornithologie und anschaulichen Beschreibungen von Land und Leuten versteht es dieser Krimi gut zu unterhalten. Dabei sorgen nicht nur der angenehm wendungsreiche und schwer zu durchschauende Fall dafür, dass der Leser das Buch nicht mehr aus der Hand legen kann. Sondern es sind vor allem lebendige Dialoge mit humorvollen Schlagabtauschen und die mitten aus dem Leben gegriffenen Figuren, die zum Weiterlesen animieren. Hinzu kommt eine Erzählweise, die angenehm kurzweilig ist und eine Sprache, die durch ihre gewählten Formulierungen ausdrucksstark und stimmungsvoll in Erscheinung tritt.

Fazit und Bewertung:
Ein wunderbar spannender und unterhaltsamer Frankfurt-Krimi, der Lust auf weitere Fälle mit dem geschwisterlichen Ermittlerduo und der 3. Mordkommission macht.

Bewertung vom 12.01.2020
Die Wälder, 1 MP3-CD
Raabe, Melanie

Die Wälder, 1 MP3-CD


sehr gut

Ein subtiler Thriller mit einigen Längen

Als Nina vom Tod ihres besten Freundes Tim erfährt, ist sie geschockt. Vor allem, weil er sie noch kurz zuvor angerufen hat, sie aber nicht ran gegangen ist. Nun bleibt ihr nur noch ein Brief, den Tim geschrieben hat und der eine verhängnisvolle Bitte an sie enthält. Nina soll seine Schwester Gloria finden, die einst in den undurchdringlichen Wäldern ihres Heimatdorfes spurlos verschwunden ist. Doch Nina hat sich geschworen, nie wieder einen Fuß dorthin zu setzen, wo einst Schreckliches geschah und wo die Düsternis alles verschlingt.

„Die Wälder“ ist ein Thriller, der sich nur langsam entfaltet, dann aber von einer geschickt inszenierten Gruselstimmung lebt. So gerät die Hauptfigur Nina immer wieder in Situationen hinein, die zum Fürchten sind und in denen sie um ihr Leben bangt. Dabei ist sie nicht die Einzige, die inzwischen erwachsen geworden, gegen die Ängste ihrer Kindheit kämpft. Auch ihr Freunde David ist mit dabei, der wegen seines Jobs bei der Polizei nicht viel riskieren will und der verräterische Henri, der sie damals im Stich gelassen hat, nun aber auf ihrer Seite steht.

Erzählt wird die Handlung abwechselnd in der Gegenwart und in der Vergangenheit, sodass sich das durchlebte Trauma von vier befreundeten Kindern erst am Ende des Hörbuchs in seiner ganzen Tragweite offenbart. Deshalb muten die Handlungsweisen der beteiligten Figuren auf der Suche nach der Wahrheit manchmal seltsam an, was aber förderlich für die Aufrechterhaltung der Spannung und für die Erzeugung von Neugier beim Hörer ist. Leider aber sind diese Momente auch wieder schnell vorbei, da die Vergangenheitsbewältigung sehr detailliert erfolgt und es zu langen Unterbrechungen in der ansonsten rasant konstruierten Jagd nach einem potenziellen Mädchenmörder kommt.

Fazit:
Ein gelungenes Verwirrspiel, das in seiner Umsetzung streckenweise zu langatmig geraten ist, dafür aber mit einer düsteren Grundstimmung, überraschenden Wendungen und authentischen Figuren aufwarten kann. Eine gute Empfehlung für Hörer, die subtile Thriller mögen und eine Sprecherin wie Anna Schudt, die auch diesmal wieder fantastisch liest.

Bewertung vom 30.12.2019
Todesfalle / Baltimore Bd.5 (6 Audio-CDs)
Rose, Karen

Todesfalle / Baltimore Bd.5 (6 Audio-CDs)


sehr gut

Vielschichtig und spannend, nur an der Glaubwürdigkeit hapert es ein wenig

Die elfjährige Jazzie findet nach einem enttäuschenden Tag im Sommercamp ihre Mutter erschlagen im Wohnzimmer vor und stellt fest, dass sie den noch immer in der Wohnung umherstreifenden Mörder gut kennt. Dieser aber bemerkt Jazzie in ihrem Versteck hinter dem Sessel nicht und so kommt sie noch einmal mit dem Leben davon. Einige Zeit später, Jazzie ist mit ihrer kleinen Schwester Jamie in einer für sie wichtigen Therapie, trifft sie erneut auf den Mörder ihrer Mutter, der inzwischen weiß, dass sie ihn gesehen hat. Doch nicht nur die beiden Mädchen befinden sind plötzlich in großer Gefahr, auch auf ihre Therapeutin Taylor, da diese Jazzie zum Reden gebracht hat.

"Todesfalle" ist der fünfte Fall der Baltimor-Reihe von Karen Rose, der neben einer spannend angelegten Verbrecherjagd, vor allem von seinen authentisch angelegten Figuren profitiert. Wie von der kleinen Jazzie, die aufgrund der alkoholbedingten Probleme ihrer Mutter viel zu schnell erwachsen geworden ist oder ihrer Therapeutin Taylor, die in Baltimore eine für sie wichtige Mission verfolgt. Und dann gibt es da noch den arroganten Anwalt Greg, der wegen häuslicher Gewalt und Drogenbesitz seinen Job verloren hat und sein Bruder Danny, der die Gefährlichkeit von Greg erst viel zu spät erkennt. Sie alle spielen eine wichtige Rolle in dem dramatischen Geschehen, wobei diesmal von Beginn an sicher ist, wer die Mutter der traumatisierten Mädchen ermordet hat.

Die Geschichte selbst wird in mehreren Handlungssträngen erzählt. Dabei ist es egal, ob die Ereignisse aus der Sicht von Jazzie geschildert werden, der Hörer einen kaltblütigen Mörder bei seinen Taten beobachten kann oder die Recherchen der ermittelnden Detective im Fokus der Ereignisse stehen. Jederzeit steigt der Hörer tief in das Geschehen ein und erlebt ein grausam inszeniertes Spiel, das der Mörder mit Opfern und Ermittler gleichzeitig treibt. Ein wunderbar fesselndes Hörerlebnis, das durch die Lesung von Sabina Godec gut umgesetzt worden ist, sodass der Hörer jederzeit weiß, wo die Handlung spielt und wer gerade spricht.

Fazit:
Vielschichtig und spannend präsentiert sich Karen Rose "Todesfalle" und besitzt nur ein Manko, das sich in einigen schlecht ausgefeilten und weniger glaubwürdigen Szenen offenbart. Diese allerdings kaschiert Sabina Godec gekonnt, sodass sich der Hörer an einer gelungenen Mörderjagd erfreuen kann.

Bewertung vom 23.12.2019
Poppy
Korten, Astrid

Poppy


ausgezeichnet

Ein sehr trauriger und bewegender Psychothriller

Poppy ist sechs Jahre alt, als sie mit ihrer Mutter die heruntergekommene Hochhauswohnung verlässt und in eine wunderschöne Villa zieht. Denn ihre Mutter hat einen neuen Freud, der zwar ein wenig alt und nicht gerade ansehnlich ist, dafür aber ein gut gehendes Unternehmen und viel Geld besitzt. Damit kauft ihre Mutter von nun an täglich ein, fühlt sich schön und privilegiert und merkt nicht, was hinter ihrem Rücken in der imposanten Villa mit ihrer kleinen Tochter geschieht.

"Poppy" ist die tragische Geschichte eines Mädchens, das viele Jahre durch die Hölle ging, ohne dass jemand es merkte und ihr half. Ganz im Gegenteil. Dankbar sollte sie sein, für die vielen Geschenke, die sie von ihrem neuen Stiefvater bekam und für seine Fürsorge und Liebe, die er ihr jeden Tag zuteilwerden ließ. Dass er dabei immer wieder die Grenzen überschritt, wurde dem kleinen Mädchen erst viel später klar. Sie spürte nur, dass sie es nicht mochte, was er mit ihr tat. Aber wirklich wehren konnte sie sich nicht.

Astrid Korten hat in ihrem neuen Psychothriller eine Thematik aufgegriffen, die entsetzt und doch alltäglich ist. Immer wieder werden Kinder gequält und missbraucht. Wie ihre kleine Heldin Poppy, die klug und mutig ist und sich trotz des abscheulichen Verhaltens ihres Stiefvaters und der Unfähigkeit ihrer Mutter auf sie aufzupassen, nicht unterkriegen lässt. Mit viel Feingefühl und einer dem Unfassbaren innewohnenden Normalität erzählt sie, wie Poppy ihre Kindheit und Jugend erlebt und dabei stets versucht, auf ihre eigene Art wenigstens etwas glücklich zu sein.

Fazit:
Ein sehr trauriger und bewegender Psychothriller, der auf wahren Begebenheiten beruht und deutlich macht, wie unvollkommen unsere Gesellschaft ist und wie sie ihre Wahrnehmung viel zu oft vor kindlichen Qualen verschließt.

Bewertung vom 15.12.2019
Der Tannenbaum des Todes
Heitz, Markus

Der Tannenbaum des Todes


ausgezeichnet

Eine unterhaltsame Sammlung mit schwarzhumorigen Weihnachtsgeschichten
Ein Creepy-X-Mas-House-Of-Horror, eine Puppe aus der Bling Bling Bitch Kollektion oder ein Banking-Millionärs-Monopolyspiel, das horrende Siegprämien verspricht. Die Geschenkeliste in der schaurig schönen und mit vielen makabren Begebenheiten einhergehenden Geschichtenanthologie des Bestsellerautors Markus Heitz ist lang. Doch was geschieht, wenn der vermeintliche Sack des Weihnachtsmannes plötzlich in einem kleinen verschneiten Wald gefunden wird oder herrenlos mitten auf einem gut besuchten Bahnsteig steht? Denn niemand kann dem Überbleibsel der heiligen Traditionen heutzutage noch trauen und schwört aus Sicherheitsgründen lieber auf einen Bombenalarm.

Mehr als 24 herrlich schräge und bitterböse Weihnachtsgeschichten und -gedichte wurden in "Der Tannenbaum des Todes" friedlich miteinander vereint und um auszuwürfelnde Menüvorschläge für den Heiligabend ergänzt. Doch wie kam es überhaupt dazu, dass der bekannte Fantasy-, Horror- und Science-Fiction-Autor über falsche Nikoläuse, korrupte Weihnachtsmänner, kindliche Geschenkterroristen und tödliche Lebkuchenwettbewerbe schreibt? Eine Veranstaltung mit dem Titel "Böser die Glocken" ist verantwortlich dafür, dass er in jedem Jahr drei wenig besinnliche Weihnachtsgeschichten verfasst und sie, kombiniert mit einem 4-Gänge-Menü, im Zweibrückener Wirtshaus Zum Alten Bahnhof zum Besten gibt.

Jede Menge fiese Einfälle, gruselig anmutende Idee und gut beobachtete Festtagsrituale liefern den Stoff dafür, dass Markus Heitz uns Leser mit einer satirisch angehauchten Weihnachtsgeschichtensammlung ordentlich auf die Schippe nimmt. Ob chaotische Weihnachtsfeiern oder liegen gebliebene Rentierschlitten, nervtötende Schlangen an den Kaufhauskassen oder mordenden Weihnachtsmänner. Keine noch so kleine Möglichkeit, eine abstruse Festtagsgeschichte zu ersinnen lässt er aus und sorgt dafür, dass es unter dem jährlich leuchtenden Weihnachtsbaum zwar ungemein böse zugeht, es aber trotzdem erstaunlich weihnachtlich ist.

Fazit:
Eine unterhaltsame Sammlung mit schwarzhumorigen Weihnachtsgeschichten und -gedichten, die voller skurriler Szenen und schräger Pointen sind.

Bewertung vom 03.12.2019
Drei Fälle für Adam Dalgliesh, 3 MP3-CD
James, P. D.

Drei Fälle für Adam Dalgliesh, 3 MP3-CD


sehr gut

Kopfkino pur mit viel britischem Charme, schrulligen Figuren und krimineller Energie

Die ledige Mutter Sally Jupp ergattert einen Job als Haushaltshilfe bei der gutbürgerlichen Familie Maxie und angelt sich auch gleich noch deren Sohn Stephen, welcher ihr auf dem Sommerfest einen Heiratsantrag macht. Ein Affront für die Familie und für Stephens angebliche Verlobte Catherine, die allesamt erbost über dessen Eigenmächtigkeiten sind. Doch schon am nächsten Morgen ist die ungeliebte Haushaltshilfe tot und Detective Chief Inspector Adam Dalgliesh hat alle Hände voll zu tun, ihn aufzuklären. Aber nicht nur dieser Fall beschäftigt den erfolgreichen Ermittler von Scotland Yard. Auch der perfide verübte Mord an einer verhassten Verwaltungschefin und das Auffinden eines Toten ohne Hände geben ihm jede Menge Rätsel auf.

"Drei Fälle für Adam Dalgliesh" ist ein wunderbar unterhaltsames und mit über 25 Stunden sehr umfangreiches Hörbuch, das mit viel Einfühlungsvermögen von Frank Stieren gelesen wird. Eine gute Wahl. Denn der als Schauspieler bekannt gewordene Sprecher verkörpert die handelnden Figuren dermaßen gut, dass der Hörer sie jederzeit vor sich sieht und ihre durchlebten Gefühle in allen ihren Facetten nachvollziehen kann. So wie Stephens Mutter Eleanor Maxie, die nach dem Heiratsantrag ihres Sohnes zunächst einmal wütend ist, später dann aber resigniert. Oder seine Verlobte Catherine, die Stephens Verrat einfach nicht fassen kann und mit höchster Empörung über dessen Fehlverhalten ausgiebig lamentiert.

Voll gepackt mit akribischer Ermittlungsarbeit, mit schrulligen Figuren und viel britischem Charme verstehen es die drei Fälle des passionierten Lyrikers und genialen Polizisten Adam Dalgliesch, tief in das Geschehen zu ziehen. Dabei schreitet die Handlung nur gemächlich voran, während Fakten gesammelt, Gespräche geführt und Verdachtsmomente erläutert werden. Und obwohl die Spannung auf einem eher niedrigen Level verweilt, fesselt das Geschehen. Denn immer wieder ist die Neugier groß, wer von den Beteiligten die Wahrheit spricht und wer gnadenlos lügt. Darüber hinaus kann jederzeit mit geraten werden, da genug Informationen und Hinweise vorhanden sind, wobei das Ende der kniffligen Kriminalgeschichten jedes Mal überrascht.

Fazit:
Drei gediegene englische Krimis mit viel Atmosphäre, jeder Menge Klatsch und Tratsch, mit Intrigen und Geheimnissen und einer ordentlichen Portion krimineller Energie.

Bewertung vom 01.12.2019
Die Wahrheit will nicht sterben
Pen, Paul

Die Wahrheit will nicht sterben


sehr gut

Ein Thriller, der ruhig beginnt, später aber einen Schrecken nach dem anderen präsentiert

Der Hoteldirektor Frank und seine Frau Grace haben in ihrem Leben alles erreicht. Sie führen eine gute Ehe, arbeiten in einen einträglichen Job und haben zwei wundervolle Kinder, die sie glücklich machen.. Doch in letzter Zeit geschehen Dinge, die merkwürdig sind. Erst verschwinden die Frettchen ihrer Tochter Audrey, obwohl sie im Käfig eingeschlossen waren. Dann fallen Grace die Haare aus und niemand weiß warum. Und zu guter Letzt erleidet der kleine Simon einen Unfall, bei dem er eines seiner Augen verliert. Von den Vorfällen irritiert brechen sie ihre Zelte in Seattle ab, um von nun an in Boston zu leben. Mit ihrem Wohnmobil machen sie sich auf den Weg und plötzlich gibt es einen Zwischenfall, der ihre Pläne zerstört und den mit einer Schuld beladenen Familienvater in das Grauen seiner Vergangenheit blicken lässt.

"Die Wahrheit will nicht sterben" ist ein Thriller, der ruhig beginnt und später immer rasanter wird. Doch bevor etwas Schreckliches geschieht, lernt der Leser zunächst einmal Frank und seine Familie kennen. Seine Frau, die Youtuberin Grace, die die ganze Welt an ihrem glücklichen Familienleben teilhaben lässt, seine Tochter, die pubertierende Audrey, die ihren Eltern gerne altkluge Ratschläge erteilt und seinen Sohn, den kleinen Simon, der seid dem Verlust eines Auges eine riesige Anzahl an verschiedenen Augenklappen besitzt. Sie alle glauben, dass niemand ihre gut funktionierende Gemeinschaft zerstören kann. Allerdings nur bis zu dem Tag, als sie auf die selbstzerstörerische Maria treffen, die mit voller Absicht einen Zwischenfall mit dem nach Boston fahrenden Wohnmobil provoziert.

Paul Pen versteht es, seine Leser an das Geschehen zu fesseln und sie, genau wie die Figuren im Buch, ein emotional aufreibendes Martyrium durchleben zu lassen. Sei es durch geschickt platzierte Andeutungen, die Schreckliches erahnen lassen oder durch grauenhafte Ereignisse, die für eine kaum zu beherrschende Angst zuständig sind. Denn das, was in der zweiten Hälfte des Buches geschieht, ist der pure Horror für alle Beteiligten und stellt ihr Leben auf den Kopf. Mit einem Schreibstil erzählt, der nur so über die Seiten fliegen lässt und Beschreibungen, die nicht für Zartbesaitete geeignet sind, wird das Grauen in jedem einzelnen Detail ans Tageslicht gezerrt. So wird der Leser in den Sog von Ereignissen gezogen, die nur schwer zu fassen sind und die er mit einer enormen Wut im Bauch letztendlich nur verurteilen kann.

Fazit:
Ein Thriller, der erst eine Weile braucht, um zu zeigen, was in ihm steckt. Dann aber mit voller Wucht einen Schrecken nach dem anderen präsentiert. Eine gute Empfehlung für Leser, die Geschichten mit unerwarteten Wendungen und menschlichen Abgründen mögen.