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anette1809 - katzemitbuch.de
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Bewertungen

Insgesamt 1042 Bewertungen
Bewertung vom 04.01.2026
Dabos, Christelle

Die Spur der Vertrauten


gut

Zwar hatte ich schon viel Gutes von der Autorin und ihrer Spiegelreisenden-Tetralogie gehört, aber gelesen hatte ich bislang nichts von ihr.
Nun konnte ich mir ein eigenes Bild von ihrem eigenen und besonderen Stil machen, denn ich griff zu „Die Spur der Vertrauten“, einer Dystopie mit einer sehr interessanten Grundidee.
Die Autorin lässt die Geschichte in einer Welt spielen, in der das „Wir“ über allem steht. Jeder Mensch besitzt einen Instinkt, um dem Allgemeinwohl zu dienen. Individualität existiert nicht.

Gerade für den Jugendbuchbereich finde ich die Sprache von Christelle Davros außergewöhnlich und teilweise nicht einfach zugänglich. Unabhängig davon, bietet das Buch auch inhaltlich einen Stoff, der meiner Meinung nach eher geeignet ist für (junge) Erwachsene denn für (ältere) Jugendliche.

Die gezeichnete Welt ist sehr komplex und als dystopisches Bild mit Retroeinflüssen äußerst ungewöhnlich. Tatsächlich kann ich mich nicht erinnern, bereits ein ähnliches Setting in einem anderen Buch kennengelernt zu haben. Am ehesten wecken die Schilderungen Erinnerungen an dystopische Filme der 60er oder 70er, wo Dinge modern waren, die heute retro sind.
Beeindruckt haben mich wie bereits erwähnt Christelle Davros Sprache, aber auch ihr Vermögen starke Gefühle beim Lesen zu erzeugen, obwohl mich die Figuren tatsächlich nicht für sich gewinnen konnten.
Schwachpunkte hingegen waren für mich, dass ich eben keine Verbindung zu dem Personal des Buches aufbauen konnte und mich die Geschichte passagenweise verloren hat.
Zum einen führt die Autorin wirklich gut in das Geschehen ein, ohne sich erklären zu müssen, zum anderen hat das Buch jedoch für mich verloren, weil das Ende mich doch recht ratlos zurückgelassen hat.

Ein Buch, zu dem ich weder zuraten noch davon abraten kann.
Vielen Pluspunkten stehen für mich auch deutliche Minuspunkte gegenüber.
Klar ist jedoch, dass Christelle Davros mich durch ihre Idee und ihre Sprache derart überzeugt hat, dass ich ihre Spiegelreisenden-Tetralogie in Angriff nehmen möchte.

Bewertung vom 30.12.2025
Mell, Eli

Merry Crisis - ein fast besinnliches Weihnachtsfest


ausgezeichnet

Alle Jahre wieder…
… führt Olivias Weg von Berlin für fünf turbulente Tage über Weihnachten nach Hamm in ihr Elternhaus.
Bereits die Taxifahrt zum Bahnhof, sowie die darauf folgende Bahnfahrt, führt Eli Mell in ihrem Debüt überspitzt und chaotisch aus. Damit gibt sie einen ersten Vorgeschmack auf die verrückten und anstrengenden Tage, die Olivia – genannt Olli – im Kreis ihrer Familie erwarten.

Ich bin weder ein großer Fan von Weihnachten noch von allzu romantischen Storys, doch Eli Mell hat es geschafft einen perfekt aufeinander abgestimmten Lesecocktail zu mixen, der Weihnachtstimmung, Spaß, Chaos und eine aufkeimende Liebesgeschichte in sich vereint.
Als wäre das nicht genug, hat die Autorin in diesem Buch sogar Themen wie Mobbing und klischeehafte Erwartungshaltungen der älteren Generation an ihren Nachwuchs untergebracht. Trotz ernster Zwischentöne kommen selbst diese Episoden überraschend leicht und mit einigem Witz daher, ohne dass die Probleme und Erlebnisse der einzelnen Figuren kleingeredet werden.

Tatsächlich kann die Leserschaft sich und ihre Familie bei aller Übertreibung innerhalb der Handlung und den überzeichneten Figuren in der einen oder anderen Szene wiederfinden. Seien es eigene Erlebnisse aus der Schulzeit, Vorhaltungen, die einem Eltern oder Großeltern gemacht haben, die anstrengende Tante, der verzogene Nachwuchs oder die Pleiten, Pech und Pannen, durch die der Weihnachtstrubel in Weihnachtsstress umzukippen droht.

Mit „Merry Crisis“ ist Eli Mell ein weihnachtliches Debüt gelungen, welches sowohl einen Weihnachtsfan als auch einen Weihnachtsgrinch begeistern kann.
Mich hat die Mischung aus Weihnachten, Familie, Katastrophen und einer Prise Romantik an die Seiten gefesselt und nicht nur einmal zum Schmunzeln gebracht.
„Merry Crisis“ will man in einem Rutsch durchlesen, dank des lockerflockigen Schreibstils, sowie dem Unvermögen, die chaotische Familie frühzeitig verlassen zu wollen. Somit verabschiedet man sich – ebenso wie Olli – erst nach den Feiertagen aus Hamm ;)

Bewertung vom 30.12.2025
Graf, Jakob

Auf dem Tigerpfad


sehr gut

Als ich zum ersten Mal auf das Buch aufmerksam wurde, las ich als Untertitel zunächst „Ein Selbstfindungsroman“ und zweifelte noch, ob der Inhalt für mich interessant ist. Als ich jedoch gewahr wurde, dass es sich um einen SelbstERfindungsroman handelt, war meine Neugier geweckt.
Welche Geschichte erzählt der Autor Jakob Graf hier, welches Abenteuer wird der Leser auf seinem Tigerpfad erleben oder (selbster)finden?

Jakob Graf wählt zum Erzählen der Geschichte eine Tagebuchform. Der jugendliche Protagonist führt einen Monolog und erzählt den Leser*innen von seinem persönlichen Tigerpfad. Kaspian hat seine Mutter durch einen schrecklichen Überfall verloren und lebt nun bei einer befreundeten Familie.
Die Handlung ist oftmals ruhig und philosophisch. Jakob Graf hat mich nicht nur einmal überrascht mit dem Verlauf von Kaspians Geschichte und noch häufiger dazu aufgerufen, das Gelesene zu reflektieren und auf eigene Erlebnisse zu projizieren.
Zu viele Worte mag ich über den Inhalt gar nicht verlieren, um diese Überraschungsmomente nicht versehentlich offenzulegen. Nur so viel, dass Kaspians Verarbeitung des Verlusts und sein Verhalten und seine Gefühle gegenüber den Tätern mich intensiv berührt und zum Nachdenken angeregt haben.
Ich finde das Werk sehr vielschichtig. Man bekommt hier eine tiefsinnige Coming-of-Age Geschichte präsentiert, erhält aber auch Einblicke in die Geschichte und Kultur des Kungfu.

Ich weiß nach dem Lesen tatsächlich nicht, ob der Inhalt jede*n Leser*in abholen kann.
Zum einen ist der Text gut lesbar und leicht verständlich und zielt somit auf eine junge Leserschaft ab, andererseits ist es definitiv keine Geschichte, die man rein zur Unterhaltung liest.
Manchmal fühlte es sich so an, als lese ich einerseits einen Jugendroman, anderseits ein sehr erwachsenes Buch. Vielleicht dem facettenreichen Inhalt geschuldet, aber auch symbolisch zu deuten für die Schwelle zwischen Kindheit und Erwachsenwerden.

„Auf dem Tigerpfad“ ist eine Geschichte, auf die man sich einlassen und der man bis zum Ende des Pfades folgen muss.
Definitiv eine Empfehlung, wenngleich alles andere als leichte Kost, dafür jedoch eine Geschichte, die lange nachklingt.

Bewertung vom 30.12.2025
Hunter, Erin

Warrior Cats - Die Prophezeiungen beginnen


ausgezeichnet

Mit "Warrior Cats - Die Prophezeiungen beginnen" liegt der erste Band der Adaption in Form einer Graphic Novel der Warrior Cats Bände 1 und 2 vor.
Das Autorinnen-Duo Natalie Riess und Sara Goetter erzählt darin die erste Hälfte von Erin Hunters Bestseller "In die Wildnis" nach, welcher den Auftakt einer inzwischen acht abgeschlossenen Staffeln umfassenden Reihe bildet.

Die Lesenden werden hier eingeführt in das Leben von Sammy, der sein Leben als Hauskatze aufgibt, um fortan als Clankatze in der Wildnis zu leben, wo er sich dem DonnerClan anschließt und den Namen Feuerpfote erhält.

Ich habe das Autorinnenteam Erin Hunter von jeher bewundert, wie vielseitig und gekonnt Themen aus der Menschenwelt in die Welt von wildlebenden Katzen adaptiert werden.

Themen wie Clankämpfe/Kriege sind leider immer aktuell und so sollte man nicht zu zart besaitet sein, wenn man in die Welt der Clankatzen eintauchen will. In den Geschichten wird viel gekämpft, selbst Morde geschehen.
Natalie Riess und Sara Goetter sparen diese Szenen natürlich nicht aus, denn sie bilden ein zentrales, Platz einnehmendes Thema in den Büchern der Reihe.

Neben dem Inhalt ist die haptische Umsetzung eine Erwähnung wert, denn das Buch ist von guter schwerer Qualität und wird zudem mit einer wunderschönen und großformatigen Charakterkarte von Feuerherz (vorher Feuerpfote, vorher Sammy) geliefert.
Sehr witzig ist außerdem die Vorstellung von Natalie Riess und Sara Goetter am Ende des Buches, wo sie sich selbst - ebenfalls in Form einer Graphic Novel - als Katzen präsentieren und davon erzählen, wie der Weg der Umsetzung der Romane der Warrior Cats zur vorliegenden Graphic Novel war.

"Die Prophezeiungen beginnen" ist ein großartiger und bildgewaltiger Auftakt der Warrior Cats als Graphic Novel. Sowie eine mehr als gelungene Ergänzung zum Auftaktband "In die Wildnis".
Man sollte sich darüber im Klaren sein, dass sowohl der Text als auch der Inhalt insgesamt im Vergleich zum Roman stark gekürzt sind. Deswegen sehe ich die Adaption vielmehr als Ergänzung denn als Ersatz für den zugrunde liegenden Roman an.

Ich bin schon sehr gespannt auf den Folgeband, der die Geschichte des Romans zu Ende erzählen wird. Die vorliegende Graphic Novel löst verständlicherweise nicht alle Fragen, die sich im Laufe der ersten Hälfte von "In die Wildnis" ergeben haben.

Bewertung vom 21.10.2025
Nöstlinger, Christine

Anna und die Wut


ausgezeichnet

Die kleine Anna wird sehr schnell, außerordentlich wütend. So wütend, dass die anderen Kinder nicht mit ihr spielen wollen, so wütend, dass sie die Wut manchmal an anderen auslässt, die gar nichts zu ihrer Wut beigetragen haben.
Nachdem nichts gegen Annas Wutausbrüche hilft, außer dass sie versucht, ihre Gefühle komplett zu unterdrücken, indem sie vor sich hin starrend in ihrem Zimmer sitzt, kommt ihr Opa mit einer Idee daher.

'Der brachte für Anna eine Trommel und zwei Schlägel mit. Er sagte:
"Anna, mit der Trommel kannst du die Wut verjagen!" ' (S.25)

Tatsächlich schafft Anna es mit der Idee ihres Opas, ihre Wut in kreative Bahnen zu lenken.

"Anna und die Wut" ist ein Buch über ein kleines Mädchen mit großen Gefühlen.
Häufig sind große Gefühle in unserer Gesellschaft nicht gerne gesehen und werden mit negativen Eigenschaften wie beispielsweise Schwäche assoziiert.
In Annas Geschichte sind einige Erwachsene involviert, die ihr nicht helfen konnten oder wollten, bis ihr Großvater kommt, der Anna ihre Gefühle zugestanden und ein Ventil für sie gefunden hat.
Gefühle, und diese zeigen zu können, ist stark! Dass Gefühle oftmals nicht unkontrolliert nach außen gelassen werden können, ist durchaus klar: So bekommt in der Geschichte unter anderem die Katze einen weggeworfenen Baustein an ihren Kopf. Dennoch ist es keine Lösung, Gefühlen aus dem Weg zu gehen oder zu versuchen, sie permanent zu unterdrücken.

Man merkt dem Titel gar nicht an, dass er bereits über zwanzig Jahre auf dem Buckel hat. Das Thema ist immer noch aktuell und Anke Kuhls Illustrationen sind frisch und frech.
Fast bis zum Ende kommen die Illustrationen mit den Farben Blau und Rot aus, wobei Rot Annas Wut symbolisiert und alles andere in Blautönen daherkommt. Erst gegen Ende, als Anna ihre Wut mit der Trommel in den Griff bekommt und für ihr Trommeln ehrliches Lob erntet, erstrahlen die Illustrationen im vollen Farbspektrum.
Anke Kuhls Stil in diesem Buch ist eine Mischung aus Bilderbuch und Comic. Sie schafft es, Annas Gefühle sehr stark und klar mit ihren Bildern zu vermitteln. Neben der ganzen "roten" Wut, kommt auch der Humor nicht zu kurz. Die Mimik der Figuren ist manchmal so auf die Spitze getrieben, dass man sich das Lachen kaum verkneifen kann.

Ein immer noch aktueller Klassiker von Christine Nöstlinger, der durch Anke Kuhls Illustrationen eine Frischzellenkur erfahren hat.
Das Buch eignet sich sehr gut, um mit Kindern über Gefühle zu sprechen, aber auch, um sich als Erwachsener zu reflektieren und zu hinterfragen, wie man mit starken Gefühlen (bei anderen) am besten umgeht.

Bewertung vom 21.10.2025
Thor, Annika

Eine Insel im Meer


sehr gut

„Eine Insel im Meer“ ist die illustrierte Neuauflage eines Jugendbuchklassikers aus dem Jahr 1996.
Der Titel bildet den Auftakt von vier Büchern, die die Geschichte der beiden Geschwister Steffi und Nelli erzählen.
Ob die Folgebände ebenfalls neu aufgelegt werden, ist mir nicht bekannt. Im Buch ist kein Hinweis darauf zu finden.

Steffi und Nelli sind ein Geschwisterpaar aus Wien. Die Geschichte spielt im Jahr 1939. Da die Familie der Schwestern jüdischen Glaubens ist, schicken ihre Eltern die beiden vor Ausbruch des Krieges auf eine kleine schwedische Schäreninsel. Das Ganze soll nur von kurzer Dauer sein, da die Eltern einen Ausreiseantrag nach Amerika gestellt haben, dieser wird jedoch nicht bewilligt.
Der Anfang in einem fremden Land ist für die Schwestern sehr schwer. Nicht nur, dass die beiden die Sprache nicht sprechen und auf dem Land alles ganz anderes ist als in der Großstadt, können die beiden nicht zusammen bei einer Familie leben.
Während die jüngere Nelli trotz allen Widrigkeiten schnell Anschluss in Schweden findet, fühlt sich Steffi weiterhin allein und unwillkommen. Selbst in Schweden sieht sie sich mit Antisemitismus konfrontiert. Auch Kinder machen nicht Halt vor Ausgrenzung und Hass.

Obwohl „Eine Insel im Meer“ ein Kinderbuch ist, ist die Geschichte aufgrund des historischen Hintergrunds bedrückend.
Sprachlich auf einem kindgerechten und leicht verständlichen Niveau wiegt der Kontext dennoch genauso schwer wie bei einem adulten Roman.
Man muss nichts oder nicht allzu viel mit Steffi und Nelli gemein haben, um sich in ihr neues Leben in Schweden hineinversetzen zu können.
Mobbing und Ausgrenzung können unabhängig von Herkunft oder Glauben geschehen und in der Fremde ohne Familienangehörige zu sein, ist auch ohne Kriegsszenario eine traurige und erschreckende Vorstellung.

Von der Sprache lässt sich das Buch auch für ein jüngeres Lesepublikum empfehlen, jedoch ist der Inhalt zu schwer und düster, um die Geschichte unbegleitet Kindern und Jugendlichen unter 12 Jahren an die Hand zu geben.
Als begleitete Lektüre könnte ich mir das Buch aber sehr gut im Schulunterricht vorstellen, zumal der Inhalt und die Geschichte der beiden Schwestern noch weit mehr behandelt als jüdisches Leben in Europa zu Beginn des 2. Weltkriegs.

Dreißig Jahre alt und leider immer noch aktuell, ein Thema, das auch in zukünftigen Generationen nicht totgeschwiegen werden sollte.
Hier liegt eine jugendgerechte Geschichte vor, die als Alternative zu im deutschen Sprachraum bekannteren Titeln wie „Das Tagebuch der Anne Frank“ oder „Als Hitler das rosa Kaninchen stahl“ dienen kann.
Entweder als Schullektüre oder für interessierte Leser*innen.

Bewertung vom 21.10.2025
Weichmann, Helge

Schandweihe


sehr gut

Auf das siebte Abenteuer von Tinne und Elvis musste die Leserschaft sehr lange warten, machte doch die Coronapandemie einen Strich durch die geplante Veröffentlichung vor fünf Jahren.
Jahr für Jahr wurde die Veröffentlichung verschoben und ich bangte nicht nur einmal um die Fortsetzung und den möglichen Abschluss der Reihe.
Nun hat das Warten endlich ein Ende und Helge Weichmann schickt sein ungleiches Gespann zum siebten Mal auf ein mysteriöses Abenteuer in Rheinhessen.

Wo sich die letzten Fälle auch an anderen Orten in Rheinhessen oder gar im Rheingau abspielten, bleibt die Handlung von „Schandweihe“ nahezu komplett vor Ort in Mainz, wo die beiden Protagonisten heimisch sind.
Elvis wohnt mit Hund Riesling noch immer in der Innenstadt, so wie Tinne weiterhin mit zwei Kumpeln in ihrer Kommune in Bretzenheim, auch wenn ihre Hochzeit mit Polizeikommissar Laurent kurz bevor steht.
Neben all dem Miterleben des Alltags der liebgewonnenen Helden und der Auflösung, was bei ihnen seit Ausbruch der Coronapandemie geschehen ist, ist man natürlich in erster Linie gespannt, was es mit den Geheimnissen rund um den Mainzer Dom und der „Schandweihe“ auf sich hat…

Wie immer habe ich die Zeit Seite an Seite mit Tinne und Elvis und ihren Freunden genossen. Helge Weichmann weiß gekonnt die fünfjährige Lücke zum letzten Abenteuer zu füllen und zu schließen.
In Summe war dieses Abenteuer, was den Fall und die Rätsel betrifft, für mich jedoch leider das schwächste in der Reihe von Tinnes und Elvis‘ Abenteuern, auch wenn mich die Schilderungen vor Ort in Mainz in den Straßen rund um die bekannten Sehenswürdigkeiten begeistert haben.
Der Autor bringt neue witzige Kniffe in die Geschichte hinein, die meinen persönlichen Geschmack nur bedingt angesprochen haben. Vom Gefühl her würde ich sagen, dass diese stilistischen Mittel nicht nur einen besonderen Humor einbringen, sondern zugleich den Abschied des ungleichen Ermittlerduos einläuten sollen. Zumindest aus meiner Perspektive kann ich sagen, ich habe mich am Ende des Buches so gefühlt, dass alle privaten Fäden stimmig zusammengelaufen sind und sich das Personal der Schand-Reihe in Zukunft anderen Dingen widmen kann, die dann hinter verschlossenen Buchdeckeln gegenüber ihrer Leserschaft stattfinden ;)

Helge Weichmann liefert wiederholt lehrreiche (Stadt-)Geschichte ab, die nebenbei Spaß macht und zum Knobeln einlädt. Empfehlenswert für alle Mainzliebhaber und Freunde von humoristisch und historisch angehauchten Kriminalabenteuern!
Begleitet Tinne und Elvis im Buch zum Fastnachtsbrunnen, zum Dom, zur Johanniskirche und anderen Sehenswürdigkeiten, und wenn sich die Gelegenheit einmal bieten sollte, dann besucht das schöne Mainz und schaut euch die Schauplätze aus der Geschichte im Original an.

Bewertung vom 21.10.2025
Anderson, Jodi Lynn

Thirteen Witches - Der Palast der Träume


ausgezeichnet

Mit „Palast der Träume“ findet die Hexenjäger Trilogie um Rosie Oaks und ihre Freunde und Familie ihren Abschluss.
Nachdem der erste Teil in Rosies Zuhause spielte und der zweite Teil die Leser*innen mit auf Zeitreisen nahm, wartet der dritte und letzte Band mit einer Reise ins Weltall und auf einen unbekannten Planeten auf.
Die Fantasie und der Einfallsreichtum der Autorin Jodi Lynn Anderson beeindruckt und überrascht nach den ersten beiden Büchern erneut.

Wenn auch die ersten beiden Teile was Gruselfaktor und Zwischenmenschliches für Kinderbücher bereits recht erwachsen wirkten, legt die Autorin hier noch eine Schippe drauf.
Aus dem schüchternen und ängstlichen Mädchen Rosie wird langsam eine mutige junge Erwachsene, die immer mehr über sich hinauswächst und darüber hinaus in dieser Geschichte ihre erste Liebe erlebt.

Leser*innen treffen hier auf bekannte Charaktere der beiden Vorgängerbände, aber auch einige neue, die frische Impulse und Entwicklungen mit sich bringen.
Interessanter und fesselnder fand ich jedoch tatsächlich die bereits bekannten Charaktere, gerade in Hinblick auf die Verbindungen zu Rosie oder der Einschätzung, welche Ziele die verfolgen. So war bei der ein oder anderen Figur beispielsweise nicht klar, ob sie an der Seite von Rosie und gegen sie kämpft.

Die ersten beiden Abenteuer von Rosie Oaks mochte ich noch etwas lieber als diesen Abschlussband. Hier gab es die eine oder andere Episode, die mich nicht ganz so stark fesseln konnte, wie es die ersten beiden Bücher durchgängig vermochten.

„Thirteen Witches“ ist eine sehr gelungene Kinderbuchtrilogie mit frischen und innovativen Ideen, die Leser’innen weit über die Altersempfehlung hinaus zu fesseln und zu beeindrucken vermag.
Auch wenn der Abschlussband für mich etwas hinter den beiden Vorgängerbüchern zurückbleibt, so bin ich dennoch sehr begeistert von der Reihe und würde mich freuen, irgendwann weitere abenteuerliche Geschichten aus der Feder Jodi Lynn Andersons zu lesen.

Bewertung vom 21.10.2025
Anderson, Jodi Lynn

Thirteen Witches - Das Meer der Ewigkeit


ausgezeichnet

In „Das Meer der Ewigkeit“ erzählt die Autorin Jodi Lynn Anderson die Geschichte der Hexenjägerin Rosie Oaks weiter, die in „Die Erinnerungsdiebin“ ihren Anfang nahm.

Wenn auch die Geschichte schlüssig zum Ende des ersten Buches weiterführt wird, so erfindet sich die Autorin darüber hinaus neu.
Dem Mittelteil der Trilogie gibt sie Impulse und Ideen mit auf dem Weg, die man nicht aus dem Vorgängerband kannte und mit denen ich absolut nicht gerechnet hätte.

Man trifft auf bekannte Charaktere aus der vorhergehenden Geschichte, wie Rosie und ihre Freundin Keim, lernt aber auch viele neue Personen und Wesen kennen, wie beispielsweise den Wal „Mampfi“. In dessen Bauch gehen die beiden Freundinnen im Meer der Ewigkeit auf eine Zeitreise, um weitere Hexen zu jagen und Rosies entführten Bruder Wolf zu retten.
Wenngleich der Beginn der Geschichte noch recht beschaulich im Bauch des Wals vonstattengeht, so zieht das Erzähltempo spätestens mit den nächsten Hexenjagden scharf an. Wie aus der Vorgängergeschichte bekannt, ist der Gruselfaktor dabei sehr hoch!

Neben Rosie liegt mir vor allem ihre Freundin Keim sehr am Herzen. Sie ist eine sehr starke Persönlichkeit, empathisch, einfühlsam und vom Guten überzeugt, solange nicht das Gegenteil bewiesen ist. Der Erfolg Rosies ist meiner Meinung nach größtenteils auf den Grundfesten ihrer Freundschaft zu Keim gebaut.
Im Buch gibt es Szenen, bei denen die Bindung zwischen den beiden stärker scheint, als die Blutbande zwischen Rosie und ihren Familienmitgliedern.

Zum Glück habe ich nach dem Ende dieses Abenteuers den Abschlussband der Thirteen Witches Trilogie bereits parat liegen.
Das Ende dieser Geschichte ist zugleich der Auftakt für ein noch größeres Abenteuer für Rosie, Keim und ihre Gefährten. Ich glaube, dieses wird noch weitaus größere Gefahren als die Zeitreisen im Meer der Ewigkeit bereithalten.

Bewertung vom 21.10.2025

Die Straßenkatzen von Manila


ausgezeichnet

Mit „Die Straßenkatzen von Manila“ vermittelt der Künstler Archie Oclos ein Bild der philippinischen Gesellschaft aus der Sicht von Katzen. Dies geschieht fast ausschließlich durch Illustrationen.
Das Buch besteht aus sechs Kapiteln, wobei jedes so aufgebaut ist, dass ein formatfüllendes Bild von lediglich drei Wörtern begleitet wird.

In den ersten fünf Geschichten lernt der Betrachter jeweils eine Katze kennen – in einer Geschichte zwei -, bevor alle Katzen, die im Buch vorstellig werden, im letzten Kapitel aufeinandertreffen. Die Lebensrealitäten der Katzen sind so unterschiedlich, wie das der philippinischen Bevölkerung. Im Anschluss an die Katzengeschichten, geht der Künstler in einem Nachwort detailliert auf die einzelnen Kapitel und deren Bildsprache ein. Dadurch wird der Leserschaft der metaphorisierte Inhalt im Hinblick auf die philippinische Gesellschaft klarer. Denn selbst beim sehr genauen und verweilenden Anschauen des Buches, wird man sicherlich nicht alles „zwischen den Zeilen“ entziffern können. Dafür wird fast der Gesamtheit der Leserschaft Hintergrundwissen zu Land und Leuten fehlen. Umso mehr weiß ich dieses Nachwort zu schätzen, dass den ohnehin großartigen und besonderen Blick auf die Philippinen auf ein noch höheres Level hebt.

Mit „Die Straßenkatzen von Manila“ ist dem Künstler Archie Oclos ein besonderes Werk zu seinem Heimatland gelungen, welches ich nicht nur Liebhabern der Philippinen oder Katzenfreunden ans Herz legen möchte.
Wer Interesse an Kulturen und Ländern besitzt, und sich den Philippinen aus einem ganz speziellen Blickwinkel aus nähern möchte, der sollte sich dieses Werk ansehen.
Mich haben sowohl Archie Oclos‘ Illustrationen als auch die Begleittexte im Nachwort sehr beeindruckt und berührt.