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Benutzername: amena25
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Bewertungen

Insgesamt 121 Bewertungen
Bewertung vom 18.04.2018
Riskante Manöver / Mats Holm Bd.1
Bingül, Birand

Riskante Manöver / Mats Holm Bd.1


sehr gut

Die Wahrheit?

Mats Holm ist der Meister der Krisen. Seine Aufgabe – und seine Berufung besteht darin, Prominente vor einem Skandal, Minister aus dem Kreuzfeuer der Medien oder, wie hier, einen Pharmakonzern vor einem Aktiencrash zu schützen. Mit seiner Mitarbeiterin Laura May betreibt er dieses einträgliche Geschäft in Berlin. Mats Holm, der ,,Master of desaster“, liebt seinen Beruf besonders dann, wenn es am heißesten wird. Das ist auch der Fall, als er von Wenner Pharma angeheuert wird. Mehrere Kinder sind nach der Einnahme des Schmerzmittels Validolor schwer erkrankt, ein Mädchen stirbt sogar. Holm und seine Mitarbeiterin sollen den Pharmariesen vor dem Schlimmsten bewahren. Das einzige, was Holm fordert, ist ,,Die Wahrheit, zu jedem Zeitpunkt“. Dass er diese allerdings nicht oder nur scheibchenweise von den Konzernchefs, aber auch von den Mitarbeitern bekommt, wird Holm sehr schnell klar. Als dann auch noch eine Mitarbeiterin verschwindet und ein weiterer Wenner-Angestellter tot aufgefunden wird, ermittelt Holm teilweise auch ohne Wissen des Konzerns.
Mats Holm und Laura May sind an sich sympathische Charaktere, die durch ihr Metier allerdings in die Nähe der unsauberen Machenschaften des Pharmakonzern rücken. Immerhin verdienen sie ihr Geld ja damit, PR-Schaden von Wenner abzuwenden, obwohl diese die Krise ja offensichtlich selbst verschuldet haben.
Etwas Einblick bekommt man in Holms Privatleben, allerdings eher in kleinen Häppchen und Andeutungen. Offenbar hält er es privat mit der Wahrheit auch nicht so hundertprozentig genau. Seiner Tochter verschweigt er seit Jahren die Hintergründe, die zum Tod ihrer Mutter geführt haben. Hier lässt der Autor offensichtlich noch Raum für einen Folgeband.
Die Handlung ist spannend, aus einer interessanten und originellen Sichtweise erzählt. Immer wieder kommt es zu überraschenden Wendungen. Besonders das Ende hat es nochmals in sich.

Bewertung vom 16.04.2018
NACHTWILD
Phillips, Gin

NACHTWILD


gut

Eher enttäuschend

Joan und ihr vierjähriger Sohn Lincoln sind nach einem erfüllten Tag im Zoo gerade auf dem Heimweg. Doch als sie in Richtung Ausgang gehen, fallen Schüsse und es gibt Tote. Joan reagiert instinktiv und versteckt sich mit ihrem Sohn in einem Tiergehege. Zunächst bekommt sie per Handy über ihren Mann, der sich außerhalb des Zoos befindet, noch ein paar Informationen. Doch aus Sicherheitsgründen wirft sie das Handy bald weg und ist dann nur noch auf sich allein gestellt. Ihren vierjährigen Sohn ruhig zu stellen, ohne ihm allzu viel Angst einzujagen, ist eine besondere Herausforderung für die Mutter.
Die Handlung beginnt viel versprechend, ein Zoo als Schauplatz eines Verbrechens bietet interessante Umsetzungsmöglichkeiten für die Geschichte. Leider wird man als Leser aber seitenweise mit Joans Gedanken und Erinnerungen oder mit den Heldenspielchen ihres Sohnes gelangweilt. Zwischendurch kommt nochmals etwas Dynamik auf, als weitere Personen, auch einer der Täter, ins Spiel kommen. Doch auch dies flacht leider zu schnell wieder ab.
Zwar kann man Joans Lage, ihre Gedanken und Gefühle gut nachvollziehen, doch fesseln konnte mich der ,,Thriller“ dadurch nicht besonders. Schade, dass die Chancen, die das Zoo-Setting bieten, nicht besser genutzt wurden.

Bewertung vom 12.04.2018
Spreewaldrache / Klaudia Wagner Bd.3
Dieckerhoff, Christiane

Spreewaldrache / Klaudia Wagner Bd.3


sehr gut

Schuld und Rache

Wursten als teambildende Maßnahme? Eine originelle Idee, die aber nicht allen bei der Kripo Lübbenau wirklich gefällt. Und so wünscht sich Kriminalobermeisterin Klaudia Wagner schon bald, doch lieber ermitteln zu können – was sie kurz darauf auch darf bzw. muss. Ein Junge wird blutüberströmt auf einer kleinen Spreewaldinsel aufgefunden. Er wurde brutal niedergeschlagen und kann sich an nichts erinnern. Oder verheimlicht er etwas? Bald finden Klaudia und ihre Kollegen heraus, dass eine alte Familienfehde, die schon Jahrzehnte zurückreicht, eine Rolle spielt. Zwei alteingesessene Fähr-Familien sind eng miteinander verflochten durch eine heimliche Liebesbeziehung, ein uneheliches Kind und ein Unglück, für das sich die Familien bis heute gegenseitig die Schuld zuweisen.
Als kurz darauf die Leiche eines Obdachlosen in einer Datsche gefunden wird, deutet alles darauf hin, dass auch er irgendwie in die Familiengeschichte verwickelt ist.
Der Spreewald wird hier in einer melancholischen, düsteren und geheimnisvollen Atmosphäre präsentiert. Das Geschehen findet häufig nachts, im Nebel statt, wo sich so mancher Beteiligte auch der Wasser- und Schleichwege bedient, um ungesehen von einem Ort zum anderen zu kommen. Das erschwert natürlich auch die Ermittlungen der Kripo Lübbenau. Dennoch ergibt sich aus den einzelnen Puzzleteilen nach und nach ein Gesamtbild, das eine tragische Geschichte voller düsterer Familiengeheimnisse, verdrängter Schuld und unerfüllter Hoffnungen zeigt.
Klaudia Wagner eckt durch ihr manchmal undiplomatisches Verhalten gelegentlich an, bei den Kollegen, aber auch beim Leser, der ihre Entscheidungen und ihre Art nicht immer nachvollziehen kann. Hilfreich ist, wenn man Klaudia Wagner und ihre Vorgeschichte, die sie in den Spreewald geführt hat, aus den Vorgängerbänden kennt.

Bewertung vom 10.04.2018
Brennende Gischt / Liv Lammer Bd.2
Weiß, Sabine

Brennende Gischt / Liv Lammer Bd.2


sehr gut

Lesenwerter Sylt-Krimi

Nach ,,Schwarze Brandung“ ist ,,Brennende Gischt“ der zweite Band um die noch junge Kommissarin Liv Lammers, die auf Sylt ermittelt.
Liv stammt ursprünglich von Sylt, hat aber mit ihrer schwerreichen Familie, vor allem ihrem autoritären Vater Ocke und ihrer verwöhnten Schwester aus verschiedenen Gründen gebrochen und kehrt nur selten auf die Insel zurück. Dazu erfährt man immer wieder Einzelheiten aus Livs Vergangenheit, die man besser versteht, wenn man den ersten Band gelesen hat.
Als bei Löscharbeiten im Keller eines Hauses eine Leiche gefunden wird, wird schnell deutlich, dass es sich dabei nicht um ein zufälliges Opfer handelt. Denn der Tote weist Sturz- und Kratzverletzungen auf und hat offensichtlich heftig um sein Leben gekämpft. Liv Lammer und ihre Kollegen aus Flensburg werden angefordert, um zusammen mit der Sylter Polizei zu ermitteln. Diese Zusammenarbeit funktioniert nicht immer reibungslos, da auch Revierstreitigkeiten und Kompetenzgerangel nicht ausbleiben. Für Liv Lammers bedeuten die Ermittlungen, dass sie sich wieder an die Orte ihrer Kindheit und Jugend begibt, die mit sehr schönen, aber auch schwierigen Erinnerungen verbunden sind.
Der Fall führt in die Vergangenheit, als Sylt als das St. Tropez des Nordens galt, mit viel Geld, Drogen und freier Liebe. Es zeigt auch das heutige Sylt, mit protzigen Villen und überteuerten Bars, aber auch die ursprüngliche Landschaft mit ihrem herben, rauen Charme, dem auch Liv Lammers wieder erliegt.
Der Fall selbst ist zu Beginn spannend und weist auf zahlreiche Verdächtige und Motive hin. Allerdings wird die Lösung des Falls dann zu bald recht vorhersehbar, was das Lesevergnügen leider etwas geschmälert hat. Dennoch ein lesenswerter Krimi in einem interessanten Setting.

Bewertung vom 07.04.2018
Kriegsgebiete (eBook, ePUB)
Spranger, Roland

Kriegsgebiete (eBook, ePUB)


sehr gut

Kriegsheimkehrer

Als Daniel aus dem Afghanistan-Krieg in die deutsche Provinz heimkehrt, ist er ein anderer Mensch. Die Erlebnisse in Afghanistan, die ständig lauernde Gefahr und ein Hinterhalt, bei dem er viele Kameraden und Untergebene verlor, haben aus ihm einen zutiefst verunsicherten, psychisch angeschlagenen Menschen gemacht. Seit ihn seine Frau mit der gemeinsamen Tochter verlassen hat und zu einem anderen Mann gezogen ist, lebt Daniel allein im früheren Familienhaus. Allerdings nicht im, sondern eher vor dem Haus. Er betritt das Haus nur, wenn es absolut nötig ist, da er geschlossene Räume nicht mehr gut ertragen kann, schläft draußen, schaut auf den kaputten Fernseher und auferlegt sich einen strengen Tagesablauf mit täglich extremem Training, um irgendwie klarzukommen.
Als er bei einer seiner Joggingrunden eine weibliche Wasserleiche findet, die er auch der Polizei meldet, gerät er bald selbst unter Verdacht. Mit seinem Kumpel Maik beginnt er zu recherchieren und stößt dabei auf weitere Morde nach ähnlichem Tatmuster. Während Daniel für die gesamte Nachbarschaft für den Täter gehalten wird, beginnt auch Maik allmählich an ihm zu zweifeln. Und Daniel selbst in sich irgendwann nicht mehr sicher, ob er so gestört und schizophren ist, dass er nicht mehr weiß, was er tut.
Dadurch, dass man auch als Leser irgendwann nicht mehr weiß, wem man trauen soll, wird die Spannung stetig gesteigert. Mit dem Protagonisten fühlt man durchaus mit, sein Verhalten und seine Verunsicherung werden auch glaubwürdig geschildert. Allerdings konnte ich mich in keinster Weise mit der soldatischen Art und dem Umgangston anfreunden.
Das Ende ist überraschend, aber etwas konstruiert, da einige Fragen offen bleiben.

Bewertung vom 05.04.2018
Lied der Weite
Haruf, Kent

Lied der Weite


sehr gut

Melancholisch und poetisch

Als die siebzehnjährige, schwangere Victoria Roubideaux von ihrer Mutter vor die Tür gesetzt wird, nimmt sie ihre Lehrerin Maggie Jones zunächst bei sich auf. Doch Maggie hat auch ihren demenzkranken Vater zu pflegen, und so überredet sie die beiden alten Brüder McPheron, Victoria auf ihrer Farm aufzunehmen. Für die beiden über Siebzigjährigen eine echte Herausforderung, haben sie doch immer nur zusammen, ohne Frau im Haushalt gelebt und kennen sich auch besser mit Vieh als mit Menschen aus.
Der leider 2014 verstorbene Autor Kent Haruf erzählt geradlinig, unprätentiös, fast schon sachlich. Doch hinter dem scheinbar einfachen Erzählstil offenbart sich eine ganz eigene Poesie. Die Menschen in Kent Harufs Roman wirken oft einsam, melancholisch. Dennoch funkeln immer wieder hoffnungsfrohe und komische Momente auf.
Herzzerreißend, gerade durch die nüchterne Sachlichkeit, wirkt z.B. der Moment, als Victoria nach der Schule nach Hause kommt und ihre Mutter ihr einfach die Tür nicht mehr öffnet. Großartig dagegen der Moment, als die Brüder McPheron mit dem schwangeren Mädchen über Getreide und Schweinebäuche sprechen, nur um Konversation zu betreiben und ihr – auf ihre Art - Geborgenheit zu vermitteln.
Tom Guthrie, Lehrerkollege von Maggie Jones, lebt allein mit seinen zwei Söhnen, nachdem die schwer depressive Mutter die Familie verlassen hat. Ergreifend wird in kleinen Szenen geschildert, wie die beiden neun- und zehnjährigen Jungen mit diesem Verlassenwerden umgehen. Während Maggie Jones und Tom Guthrie sich näher kommen, lernt Victoria behutsam, ihren eigenen Weg zu gehen.
Die kurzen, episodenhaften Kapitel, die jeweils andere Figuren ins Zentrum rücken, wirken wie Ausschnitte aus einem Mosaik, das erst nach und nach zu einem bedeutsamen Ganzen zusammenwächst. Ein stiller, oft traurig-melancholischer Roman, der bewegend und poetisch von Menschlichkeit, Güte, Freundschaft und Liebe erzählt.

Bewertung vom 01.04.2018
Wolfswut
Gößling, Andreas

Wolfswut


sehr gut

Beinharter Thriller


Als Lotte Soltau den Nachlass ihres Vaters sichtet, stößt sie in einem Lagerraum auf eine Anzahl Fässer, in denen sich Körperteile ermordeter Frauen befinden. Wie kommt ihr allseits beliebter, sozial engagierter, geselliger und musisch begabter Vater, Alex Soltau, der ,,beste Paps der Welt“ für Lotte, zu solchen Fässern? Die Ermittlungen ergeben, dass die Frauen bei lebendigem Leib brutal zerstückelt wurden. Offenbar handelt es sich bei allen um einen ähnlichen, dunkelhaarigen, südländischen Frauentyp.
Hauptkommissarin Kira Hallstein und ihr neuer Kollege Max Lohmeyer ermitteln und stoßen auf erste Spuren im Prostituiertenmilieu. KHK Kira Hallstein ist eine interessante, aber sehr schwierige Persönlichkeit, die es nicht nur ihren Kollegen, sondern auch dem Leser schwer macht, Sympathie aufzubauen. Vor fast 20 Jahren ist ihr Bruder spurlos verschwunden und sie gibt sich bis heute die Schuld daran. Aus diesem Grund verbeißt sie sich auch extrem in jeden Fall, der mit verschwundenen Personen zu tun hat. Max Lohmeyer, ein noch junger Kollege, der aus Bayern zum LKA Berlin gekommen ist, bewundert seine Vorgesetzte, beißt sich aber auch immer wieder an ihrer harschen Art die Zähne aus.
Der Fall selbst ist rasant und sehr spannend, allerdings werden manche Szenen auch so detailreich und grausam geschildert, dass es für mich die Grenze des Erträglichen weit überschritten hat. Ich muss gestehen, dass ich manche Seiten nur noch überflogen habe, um mir nicht jede brutale Einzelheit der Taten allzu bildlich vorstellen zu müssen.
Auch wenn mir das Ende etwas zu konstruiert erscheint, handelt es sich insgesamt um einen wirklich spannenden Thriller, der auf einem echten Fall beruht. Und man darf auf eine Fortsetzung mit Kira Hallstein und ihrem Kollegen Max Lohmeyer gespannt sein.
Aber Achtung: nichts für schwache Nerven!

Bewertung vom 28.03.2018
Krokodilwächter
Engberg, Katrine

Krokodilwächter


ausgezeichnet

Packend!


Schon allein das Cover, weiß mit Schlitzen, durch die der blutrote Hintergrund hervorschimmert, hebt das Buch aus der Krimi-Masse heraus.
Doch auch die Figuren und die Krimihandlung selbst, die in Kopenhagen spielt, hinterlassen einen nachhaltigen Eindruck.

Esther de Laurenti, ehemalige Literaturprofessorin, ist froh, dem Universitätsbetrieb entkommen zu sein. Sie genießt ihr neues, freies Leben mit ihren zwei Hunden, gibt ausschweifende Feiern für ihre Freunde, lässt sich von ihrem jungen Gesangslehrer Kristoffer bekochen und schreibt nebenher an einem Krimi. In ihrem Haus vermietet sie Wohnungen, unter anderem an zwei junge Studentinnen. Als eine davon grausam ermordet in ihrer Wohnung aufgefunden wird, ist Esther geschockt. Das Mädchen wurde auf fast dieselbe Weise umgebracht, wie es Esther in ihrem Manuskript schildert. Dem Mädchen wurde mit einem Messer ein rätselhaftes Muster ins Gesicht geschnitten. Doch wer kennt das unveröffentlichte Manuskript und wer will Esther de Laurenti schaden? Oder ist womöglich sie selbst die Täterin? Die beiden Ermittler der Kopenhagener Polizei Jeppe Kørner und Anette Kerner halten zwar nicht unbedingt die emeritierte Professorin für die Täterin, gehen aber von jemandem aus ihrem direkten Umfeld aus.
Die Autorin Katrine Engberg zeichnet ihre Figuren mit großer Empathie und Detailfreudigkeit. So begleitet man Esther de Laurenti in ihrer Trauer, ihren Zweifeln, aber auch ihrem Bemühen, dem wahren Täter auf die Spur zu kommen. Im Mittelpunkt steht auch Jeppe Kørner als sympathischer, aber etwas frustrierter Ermittler, der noch nicht ganz verkraftet hat, dass seine Frau ihn für einen anderen Mann verlassen hat. Ihm bieten die Ermittlungen einen möglichen Weg aus der Resignation.
Interessante und originelle Figuren, ein ansprechender sprachlicher Stil und Spannung ziehen den Leser auf über 500 Seiten bis zum Schluss in ihren Bann.

Bewertung vom 27.03.2018
Das Kaff
Böttcher, Jan

Das Kaff


sehr gut

Back to the roots

Eigentlich wollte Michael Schürtz nie nach Shitty Littleton, dem Kaff seiner Kindheit und Jugend zurückkehren, das er als Neunzehnjähriger nach einem heftigen Streit mit seinen Eltern und einem rebellischen Bewusstsein mit dem Ziel Berlin verlassen hat.
Nun kehrt er als Architekt und Bauleiter vorübergehend in seinen Heimatort zurück. Widerwillig zwar, aber auch um des Geldes willen, da die Karriere in der Hauptstadt dann doch nicht so gut lief. Mit der für den Großstadtheimkehrer typischen arroganten Haltung gegenüber allen, die dageblieben sind, belächelt er seinen Freund Gregor, der sich ein Heim gebaut und eine Familie gegründet hat. Dies hält Michael allerdings nicht davon ab, in Gregors Haus zu wohnen, solange der sich mit der Familie auf einen Langzeiturlaub begibt. Auch allen anderen alten Bekannten begegnet er zunächst distanziert, fast zynisch, bis er allmählich bemerkt, dass auch sein Leben in der Großstadt nicht glamouröser, erfolgreicher oder besser verlaufen ist als das der Kaff-Bewohner. Einen ersten Zugang zurück findet er über seinen alten Fußballverein und seine früheren Mentoren und Idole. Doch auch bald kann er sich dem Kontakt seiner Geschwister nicht mehr entziehen und damit den auch schmerzhaften Erinnerungen an seine Eltern.
Böttcher erzählt witzig, ironisch, aber auch wehmütig und immer unterhaltsam von einem, der auszog, um die Welt zu sehen, und sie da findet, wo er sie nie vermutet hatte.

Bewertung vom 25.03.2018
Hangman. Das Spiel des Mörders
Cole, Daniel

Hangman. Das Spiel des Mörders


gut

Zu viel


Bevor man sich diesen 2. Band von Daniel Cole zu Gemüte führt, sollte man wohl den 1. Band ,,Ragdoll" gelesen haben, da man sich sonst etwas schwer tut, die Verwicklungen und Andeutungen voll zu durchschauen.
Als in New York auf der Brooklyn Bridge ein Toter gefunden wird, in dessen Brust das Wort ,,Köder“ geritzt wurde, gehen FBI und CIA davon aus, dass ein Killer den Londoner Ragdoll-Fall imitiert. Aus diesem Grund wird Chief Inspector Emily Baxter von New Scotland Yard nach New York geholt, um die dortigen Ermittlungen zu unterstützen.

Der zunächst geheimnisvolle Prolog, der eigentlich eher ein Epilog darstellt, da er fünf Wochen nach dem Fund der Leiche an der Brooklyn Bridge spielt, zeigt eine sowohl physisch als auch psychisch gezeichnete Emily Baxter im Verhör.
Baxter selbst ist eine schwierige Figur: hart, jähzornig, äußerst undiplomatisch und zwischenmenschlichen eine wahre Herausforderung. Dennoch führt sie eine Beziehung, allerdings auf Distanz und ohne tiefergehendes Vertrauen ihrerseits. Dies versteht man eventuell besser, wenn man den 1. Band gelesen hat. Ihr zur Seite gestellt wird der Special Agent Damien Rouche, auch er eine etwas bizarre, aber durchaus witzige Persönlichkeit. Doch auch bei ihm ahnt man bald, dass er so einiges verbirgt. Auch ihm vertraut Emily Baxter natürlich nicht, was zumindest für Spannung sorgt.
Allerdings scheinen alle Ermittler ziemliche Macken zu haben, keiner führt ein ,,normales“ Leben, und dennoch bleiben einem die Figuren fremd, da man zu wenig über ihr Innenleben erfährt. Ein Leichenfund nach dem anderen, die Wechsel zwischen New York und London treiben das Tempo und auch die Spannung hoch. Mit der Zeit empfand ich dies aber eher als reißerische Action mit zu wenig Tiefgang: zu viele Beteiligte, zu viele Leichen, zu viel Blut!
Nur für Liebhaber blutrünstiger Thriller zu empfehlen.