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amena25

Bewertungen

Insgesamt 241 Bewertungen
Bewertung vom 25.11.2022
Lektionen
McEwan, Ian

Lektionen


sehr gut

Lektionen des Lebens

Der über 700 Seiten starke Roman des britischen Autors unterhält nicht nur, sondern fordert auch den Leser. Erzählt wird das Leben des Roland Baines, der einige biographische Parallelen zum Autor aufweist.
Die Geschichte beginnt in der Kindheit Rolands, der als Sohn eines britischen Armeeoffiziers in Libyen aufwächst. Mit elf Jahren wird er nach England aufs Internat geschickt, da der Vater Kinder für störend in der Ehe empfindet. Für den bis dahin sehr behütet aufgewachsenen Roland ist das ein Schock. Doch nach der ersten Verunsicherung findet er sich im Internat mit den anderen Jungs gut zurecht. Wegen seiner musikalischen Begabung erhält er Klavierstunden bei Miriam Cornell, die ihn zunächst in Angst und Schrecken versetzt, ihn aber mit 14 Jahren zu einem sexuellen Verhältnis verführt, das Roland zeit seines Lebens prägen wird.
Erst spät erkennt er, welche Macht Miriam Cornell über ihn ausüben will. Er verlässt trotz seiner Begabungen die Schule, lässt sich durchs Leben treiben, übt mal diesen, mal jenen Job aus, verdingts sich als Barpianist und hangelt sich ohne Ziele oder Ambitionen durchs Leben. Als er beim Deutschunterricht Alissa Eberhart kennenlernt, werden die beiden schnell ein Paar, heiraten und bekommen ein Baby. Doch sehr bald verlässt Alissa Roland und den 4 Monate alten Lawrence, um sich ihrem Ziel, Schriftstellerin zu werden, voll und ganz widmen zu können.
Dies ist der Zeitpunkt, an dem Roland beginnt, sein Leben genauer zu betrachten und nach Antworten zu suchen, warum sein Leben so und nicht anders verlaufen ist. Wir Leser begleiten Roland bei seinen Erinnerungen in die frühe Kindheit und Jugend, aber dann auch weiter bis ins hohe Alter. Dabei schweift der Autor oft sehr weit ab, geht in teils epischer Breite auf das Weltgeschehen ein, was teils interessant, teils aber auch ausufernd ist.
Während der Held (oder eher Antiheld) Roland mich zu Beginn eher geärgert hat mit seiner Antriebslosigkeit und Unentschlossenheit, ist er mir im Laufe der Lektüre doch ans Herz gewachsen. Seine Fehler sind zutiefst menschlich, seine Antriebslosigkeit wandelt sich im Alter eher in Güte und Verständnis. Die Lektionen, die der Protagonist in seinem Leben lernt, lassen auch den Leser bewegt und nachdenklich zurück.

Bewertung vom 19.11.2022
Kalt und still / Hanna Ahlander Bd.1
Sten, Viveca

Kalt und still / Hanna Ahlander Bd.1


ausgezeichnet

Gelungener Auftakt einer neuen Reihe

Die Autorin ist bekannt für ihre Sandhamn-Reihe, die im Schärengarten angesiedelt ist. Nun wählt sie einen ganz anderen Schauplatz: den Polarkreis.
Die Ermittlerin ist die Polizistin Hanna Ahlander, die von ihrem Chef mehr oder weniger dazu gezwungen wird, den Dienst bei der Stockholmer Polizei zu quittieren. Hintergrund ist der, dass Hanna es abgelehnt hat, einen kriminellen Kollegen zu decken, woraufhin sich alle Kollegen von ihr abgewandt haben. Zum gleichen Zeitpunkt trennt sich auch noch ihr Freund von ihr und schmeißt sie aus der Wohnung, die ihm gehört. Hannas Welt bricht zusammen und sie versinkt völlig in Selbstmitleid und Apathie. Ihre Eltern braucht sie gar nicht erst um Hilfe zu bitten, für sie ist Hanna schon immer eine Enttäuschung gewesen. Gut dass Hanna eine resolute und erfolgreiche große Schwester hat. Diese hat glücklicherweise auch noch ein leer stehendes Ferienhaus im Skiort Åre, wo Hanna sich verkriechen und ihre Wunden lecken kann.
Als die 18-jährige Amanda nach einer Party nicht mehr nach Hause kommt, ergibt sich für Hanna die Chance, die lokale Polizei zu unterstützen. Da diese völlig unterbesetzt ist, wird ihre Unterstützung von Daniel Lindskog und seinen Kollegen auch gerne angenommen. Lindskog ist vor kurzem erst Vater geworden und fühlt sich zwischen Familie und Beruf ziemlich hin- und hergerissen. Da normalerweise in Åre wenig passiert, hat dieser Spagat bisher auch ganz gut geklappt. Doch in dem Fall des verschwundenen Mädchens muss auch Daniel Lindskog an seine Grenzen gehen.
Man merkt, dass Viveca Sten die Gegend sehr genau kennt. Bildhaft und atmosphärisch werden die Landschaft des Polarkreises, aber auch die Bewohner und ihre Beziehungen untereinander beschrieben.
Hanna Ahlander und Daniel Lindskog sind sympathische Ermittler, mit jeweils ganz eigenen privaten und beruflichen Problemen, was sie menschlich und interessant macht.
Ein gelungener Auftakt einer neuen Reihe der Erfolgsautorin!

Bewertung vom 24.10.2022
Gequält / Rachejagd Bd.1
Stevens, Nica;Suchanek, Andreas

Gequält / Rachejagd Bd.1


weniger gut

Klischeehaft und zunehmend langweilig

Die Journalistin Anna lebt seit drei Jahren mit einer schweren Schuld. Vor drei Jahren wurde sie nach einer Party zusammen mit ihrer Freundin Natalie entführt und von ihrem Peiniger Edward Harris auf vielfache Art gequält. Während Anna fliehen konnte und Hilfe holen wollte, starb Natalie. Der Entführer Edward Harris wurde dagegen nie gefunden.
Eines Morgens erhält Anna einen Brief ohne Absender. Inhalt und Schrift verraten ihr, dass ihr Entführer Edward Harris zurück ist. Dazu noch wurde der Brief mit Annas Blut geschrieben!
Anna wendet sich an ihre Jugendliebe, Nick Coleman. Er ist FBI-Agent und nimmt die Ermittlungen auf. Zusammen mit der Profilerin Lynette McKenzie und Annas Kollege Zane versuchen sie, Edward Harris zu finden.
Zu Beginn konnte mich der Thriller noch einigermaßen fesseln, da es viele rätselhafte Aspekte gab. Wie konnte Harris sich so lange spurlos verstecken, woher weiß er nun über jedes Detail aus Annas Leben Bescheid? Er scheint den Ermittlern immer einen Schritt voraus zu sein. Unrealistisch erscheint mir jedoch, wie schnell Nick Coleman praktisch alle Polizeikräfte mobilisieren kann, der Täter aber dennoch immer entwischt. Die Hauptfiguren Nick und Anna wirken ziemlich klischeehaft und überzeichnet: beide sind tough, stets kampfbereit …..wahre Stehaufmännchen. Auch wenn es zu einigen überraschenden Wendungen kommt, ist ziemlich vorhersehbar, wer hier auf Rache aus ist. Mich hat der Thriller (?) spätestens ab der Hälfte nur noch gelangweilt. Genervt hat mich dann wirklich das Ende, das sich ewig in die Länge gezogen, aber keine schlüssige Auflösung gebracht hat. Hier sollte wohl zu Band 2 übergeleitet werden.

Bewertung vom 27.09.2022
Der Sturm
Harper, Jane

Der Sturm


sehr gut

Schuld?

Nach langer Abwesenheit kehrt Kiernan mit seiner Freundin Mia und der kleinen Tochter Audrey in seinen Heimatort auf die australische Insel Tasmanien zurück. Sein Vater leidet zunehmend an Demenz und Kiernan will seiner Mutter helfen, den Vater in einem Heim unterzubringen und den Haushalt der Eltern aufzulösen.
Vor zwölf Jahren hat ein verheerender Sturm sein Leben komplett verändert. Sein Bruder Finn war bei dem Versuch, ihn, Kiernan zu retten, ums Leben gekommen. Mit dieser Schuld lebt Kiernan noch immer, hat aber gelernt, damit umzugehen.
Als er nun in dem kleinen Ort Evelyn Bay seine alten Freunde und auch seine damalige Liebe wiedertrifft, glaubt er, mit der Vergangenheit abschließen zu können. Doch dann wird die junge Künstlerin Bronte, die als Kellnerin in Evelyn Bay gearbeitet hat, tot am Strand aufgefunden und die Vergangenheit holt ihn wieder ein. Kiernan ahnt, dass der Mord an Bronte und das, was vor zwölf Jahren geschah, zusammenhängt.
,,Der Sturm“ wird als Thriller angepriesen. Allerdings ist weniger Action angesagt. Vielmehr sind es allmähliche Prozesse, die dann einen völlig neuen, überraschenden Blick auf das Geschehen in der Vergangenheit und in der Gegenwart eröffnen.
Interessant, für einen Thriller aber zu wenig Hochspannung.

Bewertung vom 30.08.2022
Das siebte Mädchen
Willingham, Stacy

Das siebte Mädchen


sehr gut

Packendes Debüt
In dem kleinen Ort Breaux Bridge in Louisiana passiert wenig. Doch im Sommer 1998 verschwinden sechs Mädchen spurlos und ihre Leichen werden nie gefunden. Die 12-jährige Chloë kennt alle diese Mädchen aus der Schule oder war sogar mit ihnen befreundet. Ausgerechnet Chloë findet im Schlafzimmerschrank ihrer Eltern eine Schatulle mit Schmuckstücken der verschwundenen Mädchen und meldet dies der Polizei. Ihr Vater gesteht die Taten und wird als Serienmörder verurteilt. Chloës Leben wird schlagartig auf den Kopf gestellt und ihre Familie bricht auseinander. Nur zu ihrem Bruder Cooper hält sie seit dem damaligen Geschehen noch engeren Kontakt.
Zwanzig Jahre später ist Chloë promovierte Psychologin. Das damalige Geschehen hat sie eher verdrängt als wirklich verarbeitet. Kurz nachdem ein Journalist sie zum Jahrestag der Morde interviewen will, verschwinden wieder junge Mädchen. Eine davon ist ausgerechnet eine von Chloës Patientinnen und offenbar hat Chloë sie als letzte lebend gesehen. Offenbar will jemand die Taten ihres Vaters nachahmen und den 20. Jahrestag der Morde auf diese Weise begehen. Oder, für Chloë eine noch schlimmere Vorstellung, der wahre Täter ist gar nicht ihr Vater, sondern noch immer auf freiem Fuß?
Der Thriller ist spannend und wendungsreich. Man erlebt Chloës Ängste und ihre Verunsicherung spürbar mit, vor allem, da sich mehr und mehr Verdachtsmomente ergeben, dass jemand anders als der verurteilte Vater hinter den Taten steckt. Selbst ihrem Verlobten Daniel misstraut sie, da er sich zunehmend merkwürdig verhält. Doch Chloës Phantasie und ihre Erinnerung scheinen immer wieder zu verschwimmen, sodass man ihrer Wahrnehmung auch nicht vollkommen trauen kann.
Ein packendes Debüt der amerikanischen Autorin Stacy Willingham.

Bewertung vom 29.08.2022
Das letzte Grab
Erler, Lukas

Das letzte Grab


sehr gut

Filmreif
Carla Winter ist Strafverteidigerin in Frankfurt am Main. Sie führt ein angenehmes Leben, ihre Kanzlei läuft gut, sie hat wohlhabende Klienten und gönnt sich hin und wieder einen jungen Liebhaber. Doch eines Morgens bekommt sie überraschend Besuch aus dem türkischen Konsulat. Ihr Exmann sei in der Türkei bei einem Autounfall tödlich verunglückt. Als einzige lebende Verwandte soll sie die Bestattung übernehmen. Auch wenn Felix, ihr Exmann, ein ziemlicher Lebemann war, fühlt Carla sich dazu natürlich verpflichtet. Doch als sie nach Hause kommt, ist ihr Haus verwüstet und der junge Liebhaber ermordet. Kurz darauf ist ihr selbst ein Killer auf den Fersen. Er fordert von Carla, dass sie eine geraubte, babylonischer Statue aus dem Irak von unschätzbarem Wert wiederbeschaffen soll. Offenbar war ihr Exmann Felix in internationalen Raubkunstschmuggel verwickelt.
Carla reist in die Türkei, um Antworten zu dieser mysteriösen Angelegenheit finden. Und sie bittet einen Klienten aus einem früheren Fall um Hilfe, der auf der anderen Seite des Gesetzes steht. Will Carla Winter am Leben bleiben, kann sie sich nicht an das Gesetz halten. Dabei ahnt sie noch nicht, dass sie nur eine Figur in einem teuflischen Spiel ist.
Carla Winter ist eine sympathische, selbstbewusste und toughe Persönlichkeit, die sich auch in schwierigen und gefährlichen Situationen behaupten kann. Die Handlung wird temporeich und spannend erzählt. Auch wenn manche Szenen ziemlich actionreich und filmreif gestaltet sind, fühlt man sich von dem gut durchdachten und schlüssigen Plot gut unterhalten.

Bewertung vom 26.08.2022
Sturmrot / Eira Sjödin Bd.1
Alsterdal, Tove

Sturmrot / Eira Sjödin Bd.1


sehr gut

Sympathische Ermittlerin

Bei ,,Sturmrot“ handelt es sich um den ersten Band einer Trilogie um die junge und noch unerfahrene Ermittlerin Eira Sjödin.
Eira Sjödin hat sich aus Stockholm in ihre nordschwedische Heimatregion Ådalen versetzen lassen, um sich um ihre an Demenz erkrankte Mutter kümmern zu können. Bisher hatte sie nur mit kleineren kriminellen Delikten zu tun.
Doch dann wird ein alter Mann ermordet in seinem Badezimmer aufgefunden – ausgerechnet von seinem eigenen Sohn, Olof Hagström, der sein Elternhaus seit über 20 Jahren nicht mehr betreten hat. Im Alter von 14 Jahren hatte Olof gestanden, die Jugendliche Lina Stavred vergewaltigt und ermordet zu haben. Damals wurde er in einem Jugendheim untergebracht und seither nicht mehr in der Gegend gesehen. Eira Sjödin war zum Zeitpunkt des damaligen Geschehens 9 Jahre alt. Nun soll sie den Mord an dem alten Hagström aufklären, was die Albträume ihrer Kindheit wieder aufleben lässt. Bei ihren Ermittlungen stößt Eira auf Zusammenhänge zu dem Fall um Lina und ihr fallen so einige Ungereimtheiten auf. Als dann auf Olof Hagström noch ein Brandanschlag verübt wird, vermutet Eira, dass der wahre Täter von damals noch nicht gefasst wurde. Dazu muss sie in die Vergangenheit der Dorfbewohner und auch ihrer eigenen Familie tief graben, was nicht jedem passt.
Der Krimi besticht weniger durch atemlose Spannung oder viel Action, sondern eher durch schlüssige Konstruktion, viel Reflexion und soliden, aber eher allmählichen Spannungsaufbau. Mit Eira Sjödin ist der Autorin eine sympathische, junge Ermittlerfigur gelungen, von der man gerne noch mehr lesen möchte.

Bewertung vom 30.07.2022
Im Feuer / Lilly Hed Bd.1
Ericson, Pernilla

Im Feuer / Lilly Hed Bd.1


ausgezeichnet

Spannender Auftakt

Die junge Ermittlerin Lilly Hed hat sich aus privaten Gründen aus Stockholm ins idyllische Nynäshamn an der Schärenküste versetzen lassen. Dort löst ihre Versetzung ziemliche Überraschung aus, da Lilly Hed bisher ziemlich erfolgreich war. Was will sie in einem kleinen Kaff, in dem nichts passiert? Nur ganz allmählich erfährt man von einer sehr belastenden Beziehung, der sie durch den Umzug offenbar entfliehen will.
Ganz Schweden leidet unter Rekordtemperaturen und in Nynäshamn gibt es kurz hintereinander mehrere Brände, bei denen auch Menschen zu Schaden kommen. Es verdichten sich die Hinweise, dass die Feuer gezielt gelegt wurden, vielleicht aus Rache? Denn die Opfer sind alle Männer im gleichen Alter. Lilly und ihre Kollegen beginnen fieberhaft zu ermitteln. Im Feuerwehrchef Jesper findet sie einen Verbündeten, der ihr schon bald auch mehr als ein guter Freund wird. Doch sowohl Jesper als auch Lilly haben große Probleme, ihre Vergangenheit hinter sich zu lassen……
Die Handlung wird auf verschiedenen Zeitebenen erzählt. Den Erzählstrang, der in der Vergangenheit spielt, kann man zunächst nicht so recht einordnen, was die Spannung jedoch steigert.
Die Hauptfigur Lilly Hed wirkt sympathisch und authentisch, auch die anderen Figuren werden glaubhaft geschildert. Die Handlung wird dynamisch und schlüssig erzählt bis zur überraschenden Auflösung am Ende.
Ein sehr spannender Auftakt zu einer neuen Reihe!

Bewertung vom 18.05.2022
Der letzte Schrei
Sagiv, Yonatan

Der letzte Schrei


sehr gut

Schrill, bunt und skurril
Der queere Privatermittler Oded Hefer entspricht nicht den typischen Vorstellungen, die man von einem Privatdetektiv hat. Schwatzhaft und dem Luxusleben zugeneigt, mit wenig Erfahrung und Erfolg in privaten Ermittlungen, lässt er sich zudem von jedem gutaussehenden Mann ablenken. Als er den Auftrag bekommt, sich um die 15-jährige Carine zu kümmern, die nach Meinung ihrer Eltern unbedingt ein Pop-Star werden muss, diese Karriere gerade aber völlig schleifen lässt, wittert Oded die große Chance, mit diesem Fall eine Eintrittskarte in die High Society von Tel Aviv gelöst zu haben. Doch als auf einer Party seines Auftraggebers eine transsexuelle Frau verschwindet und Odeds zunächst widerwilligen Ermittlungen dubiose Machenschaften seines Auftraggebers aufdecken, werden ihm immer größere Steine in den Weg gelegt. Doch das stachelt Odeds Ermittlerinstinkt erst so richtig an….
Tel Aviv als Handlungsort ist erfrischend anders, auch die queere Community zeigt ein buntes Gemisch witziger, schriller, aber auch tragischer Gestalten. Witzige, pointierte und teils politisch völlig unkorrekte Dialoge tragen zu einem großen Teil des Unterhaltungswerts bei. Allerdings muss man sich in die queere Sprache als ,,Normalleser“ erst einmal gewöhnen und nicht alle Andeutungen auf israelische Besonderheiten sind gleich verständlich.
Insofern ist ,,Der letzte Schrei“ ein interessanter, aber auch gewöhnungsbedürftiger Krimi jenseits der konventionellen Schiene.

Bewertung vom 25.04.2022
Die andere Schwester / Karlstad-Krimi Bd.2
Mohlin, Peter; Nyström, Peter

Die andere Schwester / Karlstad-Krimi Bd.2


ausgezeichnet

Jäger und Gejagter

John Adderley musste nach einem missglückten Undercover-Einsatz, der ihn fast das Leben gekostet hätte, untertauchen. Mithilfe einer neuen Identität als Fredrik Adamsson kehrt er in die Stadt seiner frühen Kindheit, nach Karlstadt in Schweden zurück. Schon nach dem letzten Fall (,,Der andere Sohn“, Band 1) wollte John eigentlich Schweden den Rücken kehren. Doch nun hat sein Freund Trevor, der ihm bei dem Undercover-Einsatz gegen die nigerianische Mafia das Leben gerettet hat, wieder Kontakt zu ihm aufgenommen. Er ist offenbar unheilbar krank. Doch John misstraut allem und jedem, da ihn die tödliche Gefahr seines früheren Lebens jederzeit einholen kann.
Gleichzeitig ermitteln John und seine schwedischen Kollegen in dem Mord an der jungen Geschäftsfrau Stella Bjelke. Sie hatte zusammen mit ihrer Schwester Alice eine sehr erfolgreiche Dating-App kreiert. Während Alice, durch einen Unfall entstellt, das Superhirn fürs Digitale bei der App ist, genoss Stella das Leben in vollen Zügen, offenbar auch mithilfe ihrer eigenen App. Während der Ermittlungen wird einerseits das schwierige Verhältnis der beiden Schwestern deutlich, aber auch, dass beide offenbar so einiges zu verbergen hatten.
Gleichzeitig wird John von den tödlichen Feinden aus seiner Vergangenheit immer enger eingekreist, sodass er nicht nur Jäger, sondern auch Gejagter wird.
Die beiden Handlungsfäden sind geschickt miteinander verwoben und wechseln sich in zunehmender Dynamik ab, sodass die Spannung stetig steigt. Je stärker John Adderley bedrängt wird, desto mehr nehmen seine Skrupel ab, sich auch illegaler Methoden zu bedienen, was zwar nicht immer ganz realistisch wirkt, aber in jedem Fall spannend und unterhaltsam ist.

Für das bessere Verständnis von „Die andere Schwester“ sollte auch der erste Band der Reihe von Peter Mohlin und Peter Nyström gelesen worden sein. Unbedingt empfehlenswert!