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Benutzername: amena25
Danksagungen: 2 (erhaltene)


Bewertungen

Insgesamt 153 Bewertungen
Bewertung vom 10.03.2019
Lago Mortale
Conti, Giulia

Lago Mortale


sehr gut

Beschaulich

Hinter Giulia Conti versteckt sich keine neue italienische Autorin, sondern eine deutsche Journalistin und Reisebuchautorin, die ihre Wahlheimat, ein kleines Dorf am Lago d’Orta zum Schauplatz eines Krimis auserkoren hat. Warum deutsche Autoren immer unter einem italienischen, französischen oder sonstigem Pseudonym veröffentlichen müssen, bleibt mir ein Rätsel, das vermutlich nur die Verlage beantworten können. Immerhin kennt sich die Autorin in der Region und den landestypischen Gepflogenheiten offenbar gut genug aus, um daraus einen unterhaltsamen Krimi zu machen.
Ihr Protagonist Simon Strasser ist ein ehemaliger deutscher Polizeireporter, der sich von seinem hektischen Leben in Frankfurt an den Lago d’Orta zurückgezogen hat. Hier will er Ruhe finden und sein Leben mit oder ohne seine Partnerin neu ordnen. Dank seiner italienischen Wurzeln hat er sprachlich keine Probleme, dennoch ist er noch nicht ganz heimisch geworden.
Als er an einem heißen Augustmorgen auf einer herrenlose Yacht auf dem See die Leiche des jungen Marco Zanetti entdeckt, packt ihn seine berufliche Neugier und er beginnt auf eigene Faust zu recherchieren. Die Fabrikantenfamilie Zanetti ist reich und äußerst einflussreich, sodass Simon Strasser schon bald in deren Fokus gerät. Auch die leitende Ermittlerin Carla Moretti zeigt sich von Strassers Eigeninitiative wenig begeistert, bis Strasser dann aber auf eine heiße Spur stößt, die ihn selbst in große Gefahr bringt.
Da die Lösung des Falls recht früh schon vorhersehbar ist, hält sich die Spannung in Grenzen. Die Geschichte ist dennoch unterhaltsam und kurzweilig. Simon Strasser ist eine sympathische Figur und mit dem Lago d’Orta rückt ein etwas anderer Schauplatz ins Zentrum des Interesses.

Bewertung vom 27.02.2019
Der Patriot
Engman, Pascal

Der Patriot


sehr gut

Beängstigend


In Stockholms Zeitungsredaktionen gehören Shitstorms und sogar Morddrohungen zum Alltag. Als aber eine Journalistin kaltblütig in ihrer eigenen Wohnung ermordet wird, werden die Drohungen erst wirklich ernst genommen. Schon kurz darauf gibt es weitere Opfer. Und immer handelt es sich um Journalisten, die sich für Flüchtlinge und Migration, für Meinungs- und Pressefreiheit eingesetzt hatten.

Schon sehr bald wird dem Leser der Täter verraten: Carl Cederhielm will sich an all jenen rächen, die dazu beitragen, dass Schweden ,,überfremdet“ wird, dass immer mehr Flüchtlinge ins Land kommen. Mit zwei Kameraden plant und organisiert er die Jagd auf Journalisten. Sein Ziel ist dabei auch, als großer, patriotischer Held wahrgenommen zu werden. Beängstigend dabei ist, dass der Leser passagenweise in Carl Cederhielms Perspektive versetzt wird und damit in seine Gedankenwelt eintaucht, sodass man sich sehr intensiv mit seiner ,,patriotischen“ Sichtweise und seinem Hass auseinandersetzen muss.
Weitere Figuren, die zunächst ohne Zusammenhang mit Cederhielm erscheinen, werden nach und nach zu einem Handlungsgewebe verflochten.
So z.B. die junge Nachrichtenredakteurin Madeleine Winter, die skrupellos ihre eigene Karriere vorantreibt, oder der ehemalige Fremdenlegionär August, der in Chile ein neues Leben begonnen hat, aber nach Stockholm zurückkehren muss, da er sich mit den falschen Leuten eingelassen hat.
Nach und nach erschließen sich die Zusammenhänge zwischen den Figuren, zum Teil sehr überraschend, zum Teil vorhersehbar, aber dennoch spannend. Stellenweise sind die Schilderungen ziemlich brutal und nichts für Zartbesaitete. Trotzdem finde ich ,,Der Patriot“ ein unbedingt lesenswertes und wichtiges Buch. Da der Autor selbst aus dem Journalistenmilieu stammt, wirkt die Darstellung auch äußerst glaubwürdig und authentisch.

Bewertung vom 26.01.2019
Der Hunger der Lebenden / Friederike Matthée Bd.2
Sauer, Beate

Der Hunger der Lebenden / Friederike Matthée Bd.2


sehr gut

Die Hoffnung der Überlebenden

Der 2. Fall für Friederike Matthée, die bei der Weiblichen Polizei in Köln arbeitet, spielt im heißen Sommer 1947. Die Stadt ist nach wie vor vom Krieg gezeichnet, Hunger plagt einen Großteil der Bevölkerung. Doch so langsam erwacht auch der Lebenshunger der Menschen wieder, man geht zum Tanzen, ins Kino. So ergeht es auch Friederike, die zwar inzwischen mit ihrer Mutter in einer Schrebergartensiedlung etwas außerhalb der Stadt eine Unterkunft gefunden hat und auch ihre Stellung bei der Weiblichen Polizei etwas gefestigt hat. Doch auch sie sehnt sich nach mehr, denkt noch über ein Kunststudium nach, hat endlich eine Verabredung mit einem jungen Mann. Doch in Gedanken ist sie immer wieder bei Richard Davies, Lieutenant der Royal Military Police, mit dem sie im Winter eng zusammengearbeitet und in den sie sich verliebt hat. Doch Davies ist nach England zurückgekehrt und hat seitdem nichts mehr von sich hören lassen.
Als Friederike den Mord an der schönen Ilse Röder, einer früheren Kollegin, untersucht, ist die Täterin scheinbar schnell gefunden. Eine junge Herumtreiberin, Franziska Wagner, wurde mit der Tatwaffe in der Hand beim Opfer gefunden. Als dann auch noch herauskommt, dass Ilse Röder während der Zeit des Nationalsozialismus für die Einweisung von jungen Mädchen in ein polizeiliches Jugendschutzlager mitverantwortlich war und Franziska von Röder dort hingeschickt worden war, steht die junge Herumtreiberin als Mörderin fest. Nur Friederike Matthée hat Mitleid mit der jungen Frau und findet bei der Befragung auch einen Draht zu ihr.
Auch Richard Davies kehrt nach Köln zurück. Die drei Leichen einer gegen Ende des Krieges verschwundenen Besatzung eines Kampfflugzeugs wurden in einem Waldstück verscharrt gefunden – sie wurden offenbar erschlagen. Er fordert Friederike Matthée erneut als Unterstützung an.
Doch ihr Wiedersehen steht zunächst unter keinem guten Stern. Zu viele Hoffnungen, Ängste und zu viel Unausgesprochenes stehen zwischen den beiden. Als dann auch noch Friederikes verschollener Bruder auftaucht, der in der Wehrmacht gekämpft hat, reißen alte Wunden auf.

Der Kriminalfall selbst ist zwar spannend, steht für mich aber gar nicht so sehr im Vordergrund. Überzeugen kann der Roman vielmehr durch die eindrückliche Schilderung des historischen Hintergrunds. Das Leben der Menschen, die den Krieg überlebt und nun unter Hunger zu leiden haben, aber auch das Fortbestehen alter Machtstrukturen sowie verdrängte Verantwortung und Schuld werden anschaulich und authentisch geschildert.
Friederike in ihrer Sensibilität, aber auch ihrem Willen, für Gerechtigkeit zu kämpfen, fand ich interessant und überzeugend charakterisiert.
Ein lesenwerter Krimi, wenn man sich für Zeitgeschichte interessiert.

Bewertung vom 24.01.2019
Die alte Dame am Meer
Johannsen, Anna

Die alte Dame am Meer


gut

Zu wenig Dynamik und Spannung


Als die 79-jährige Gesa Jensen tot in ihrem Haus auf Sylt aufgefunden wird, kommt eher zufällig durch einen besonders genauen Pathologen heraus, dass die alte Dame keines natürlichen Todes gestorben ist, sondern erstickt wurde. Da Gesa Jensen einer sehr einflussreichen und alteingesessenen Sylter Familie angehört, wird Kriminalhauptkommissarin Lena Lorenzen von ihrem Chef gebeten, zu ermitteln. Dabei soll sie aber möglichst diskret und mit Fingerspitzengefühl vorgehen, um die Sylter Gesellschaft nicht zu verprellen oder zu beunruhigen. Lena Lorenzen ermittelt wieder mit Hilfe ihres Kollegen Johann Grasmann, mit dem sie auch in den vorigen beiden Fällen ein gutes Team gebildet hat. Bei ihren Recherchen stoßen sie bald auf alte Konflikte in der Jensen-Familie, die offenbar noch immer schwelen. Neben der Haushälterin benimmt sich aber auch der Arzt, der den Totenschein ausgestellt hat, sehr verdächtig. Außerdem taucht ein dubioser Erbenermittler auf, der offenbar mit dem Jensen-Clan zu tun hat. Lenas Suche führt sie in die Vergangenheit der Toten und in die Hamburger Künstlerszene der 50er Jahre.
Neben dem eigentlichen Kriminalfall rückt immer wieder Lena Lorenzens private Situation in den Fokus. Die Beziehung zu ihrem Jugendfreund Erck, der auf Amrum lebt, liegt derzeit auf Eis, da sie sich nicht für, aber auch nicht gegen ein Leben an seiner Seite entscheiden kann.
Die Idee des Plots ist durchaus originell und die Schauplätze wären eigentlich interessant. Allerdings hat man als Leser den Eindruck, Lena Lorenzen von einer Befragung zur nächsten zu folgen, dazwischen geht sie mal mit ihrem Kollegen essen oder allein am Strand spazieren. Dies bringt in meinen Augen wenig Lokalkolorit, aber auch zu wenig Dynamik und Spannung. Trotz wechselnder Schauplätze wirkt die Handlung merkwürdig statisch.
Auch bleiben die meisten Figuren etwas oberflächlich und blass. Lena Lorenzen ist zwar eine starke Frau, die aufgrund ihrer Familiengeschichte auch ihr Päckchen zu tragen hat. Allerdings wirkt sie oft emotionslos und distanziert und nicht unbedingt sympathisch.
Letztendlich konnte mich ,,Die alte Dame am Meer“ leider nicht so recht fesseln.

Bewertung vom 16.01.2019
Fehltritt / Doggerland Bd.1
Adolfsson, Maria

Fehltritt / Doggerland Bd.1


sehr gut

Interessante Kommissarin

Fehltritt - welche ein passender Titel für dieses Buch! Denn nicht nur Kommissarin Karen Eiken Hornby, fast fünfzig, realisiert gleich auf der allerersten Seite des Krimis einen für sie besonders unangenehmen Fehltritt. Wacht sie doch am Morgen nach dem großen Austernfest betrunken neben ihrem arroganten Chef in einem Hotelzimmer auf. Diese Szene und die anschließende ,,Flucht" aus dem Hotelzimmer liest sich äußerst witzig und amüsant. Endlich mal ein Krimi, der nicht mit einem grausamen und blutigen Prolog beginnt.
Auf ihrer Fahrt nach Hause erkennt Karen beim Vorbeifahren Susanne Smeed, die Ex-Frau ihres Chefs, wie sie gerade von einem morgendlichen Bad im Meer ins Haus zurückgeht.
Noch am selben Tag wird Susanne Smeed brutal in ihrem Haus erschlagen. Zu den Verdächtigen zählen in erster Linie natürlich ihr Ex-Mann. So soll nun Karen den Fall übernehmen. Dies ist zwar äußerst unangenehm, da sie nun gegen ihren eigenen Chef ermitteln muss und eigentlich nur sie selbst ihm - zumindest für die Nacht - ein Alibi geben kann. Andererseits kann Karen ihren männlichen Kollegen nun endlich beweisen, was sie kann. Ihre Recherchen führen sie in die Kindheit und Jugend des Mordopfers. Susanne kam in einer Art Aussteiger-Kommune zur Welt. Ist der Täter in diesem Umfeld zu suchen? Auch in der Vergangenheit spielten Fehltritte diverser Personen eine große Rolle und wirken bis heute nach. Die ausführliche Schilderung dieser Verwicklungen nimmt dem Krimi leider etwas Spannung und Dynamik.

Die Handlung spielt hauptsächlich auf der fiktiven Inselgruppe Doggerland, zwischen Großbritannien, den Niederlanden und Dänemark gelegen. Geprägt durch die verschiedenen Nationen, die sich dort ansiedelten, die Insellage und das raue Nordseeklima entsteht so eine ganz eigene, noch unverbrauchte, jedoch deutlich skandinavisch geprägte Atmosphäre.
Besonders gut gefallen hat mir Kommissarin Karen Eiken Hornby in ihrer sehr direkten und kompromisslosen Art. Erst nach und nach erfährt man von ihrer schweren Bürde, was den Krimi noch einmal menschlicher und interessanter wirken lässt.

Bewertung vom 03.01.2019
Muttertag / Oliver von Bodenstein Bd.9
Neuhaus, Nele

Muttertag / Oliver von Bodenstein Bd.9


sehr gut

Ein echter Neuhaus-Schmöker

Als im Wohnhaus einer stillgelegten Fabrik die stark verweste Leiche des ehemaligen Betreibers des Werks, Theodor Reifenrath, gefunden wird, stellen Kriminalhauptkommissarin Pia Sander und ihre Kollegen bald fest, dass der alte Mann keines natürlichen Todes gestorben ist. Außerdem finden sie den Hund halb verhungert, eingesperrt in einem Hundezwinger, obwohl Reifenrath den Hund immer bei sich im Haus hatte. Im Hundezwinger finden sie durch einen Zufall Knochen: menschliche Knochen! Drei Frauenleichen wurden unter dem Hundezwinger verscharrt. Sind sie die Opfer Theo Reifenraths geworden? Der alte Mann lebte seit dem Selbstmord seiner Frau Rita vor zwanzig Jahren sehr zurückgezogen. War er ein Serienmörder? Schon vor zwanzig Jahren gab es einige Zweifel daran, dass sich seine Frau wirklich selbst umgebracht haben könnte. Doch ihre Leiche wurde bisher nicht gefunden.
Bei ihren Ermittlungen stößt die Polizei auf immer weitere, ausnahmslos weibliche Opfer, die alle am Muttertag verschwanden. Bald sind Pia und ihre Kollegen überzeugt, dass der Täter noch lebt und weitere Opfer sucht. Und der nächste Muttertag naht!
Wie bei der Pia Sander/ Oliver von Bodenstein-Reihe üblich, gibt es zahlreiche private Verwicklungen, wie z.B. die Beziehung zwischen Pias Schwester Kim und ihrer Chefin Kriminaldirektorin Nicola Engel. Für Neueinsteiger könnte dies etwas unübersichtlich wirken, für treue Leser der Reihe ist es eine interessante Nebenhandlung.
Insgesamt ist dieser Fall allerdings etwas überfrachtet mit zahllosen Opfern und ebenso zahlreichen Verdächtigen, sodass man zwischendurch fast den Überblick verliert. Immer wieder landen die Ermittlungen in einer Sackgasse und es treten neue Verdächtige auf, was teilweise der Spannung etwas abträglich ist. Gegen Ende gibt es allerdings eine deutliche Wendung, was zu viel Dynamik und purer Action führt.
Ein geschickt konstruierter Fall, für den man zwischendurch allerdings etwas Geduld und langen Atem aufbringen muss. Für Neuhaus-Fans allerdings unbedingt empfehlenswert!

Bewertung vom 06.12.2018
Der Zorn der Einsiedlerin / Kommissar Adamsberg Bd.12
Vargas, Fred

Der Zorn der Einsiedlerin / Kommissar Adamsberg Bd.12


ausgezeichnet

Eigenwilliger Kommissar, eigenwilliger Fall


Kommissar Adamsberg weilt noch in den Nebeln Islands, wohin ihn der letzte Fall getrieben hat, als ihn ein Telegramm eilends nach Paris ruft. Seine Brigade muss einen schwierigen Fall lösen und Adamsbergs Anwesenheit ist erwünscht. Vermutlich haben die Kollegen auch die Befürchtung, dass der Kommissar, der ,,Wolkenschaufler“, sich in den Nebeln verliert.
Gleich im ersten, sehr kurzen Kapitel, wird deutlich, dass Adamsberg ein außergewöhnlicher Kommissar ist: eigenwillig, mit ausgeprägtem Charakter, dennoch schwer greif- und begreifbar, trotz allem immer sympathisch und äußerst menschlich.
In Paris angekommen, löst Adamsberg auf die ihm eigene, unkonventionelle Art den Fall in recht kurzer Zeit. Man ahnt, dass dies nicht der eigentliche Grund für seine Rückberufung gewesen sein kann. Offenbar schwelt es in der Brigade, Gruppen für und gegen den eigenwilligen Kommissar bilden sich, teils heimlich, teils ganz offen.
Als Adamsberg einer Reihe von merkwürdigen Todesfällen älterer Männer im Süden Frankreichs nachgehen will, die offenbar durch das Gift der Einsiedlerspinne gestorben sind, bricht die Meuterei in der Brigade aus. Besonders Danglard, der Stellvertreter und eigentlich sehr vertraute Kollege und Freund Adamsbergs, stellt sich vehement gegen dessen Ermittlungen. Die Einsiedlerspinne ist extrem selten und äußerst scheu, ein Mensch kann nur durch die vielfache Menge des Gifts eines Bisses in Lebensgefahr geraten. Ein Mord durch das Spinnengift ist, nach Meinung eines Spezialisten und auch der meisten Kollegen, absolut unmöglich. Doch Adamsberg lässt sich von seinem Bauchgefühl leiten und ermittelt, mithilfe einiger eingeweihter Kollegen, im Verborgenen weiter.
Wer die Reihe um Adamsberg kennt, weiß, dass die Fälle meist etwas abstrus und nicht unbedingt realistisch sind. Doch dies tut der Spannung und auch dem Lesegenuss in keinster Weise Abbruch, wenn man die besonderen Charaktere, die originellen und teils auch schrulligen Figuren zu schätzen weiß. Adamsberg löst seine Fälle durch teils aberwitzige Gedankenexperimente und weniger durch Action, was den besonderen Reiz dieser Reihe ausmacht. Allerdings muss man sich auf Skurriles und Unkonventionelles einlassen können.

Bewertung vom 27.11.2018
Der Schmetterling / Kommissar Johan Rokka Bd.1
Ullberg Westin, Gabriella

Der Schmetterling / Kommissar Johan Rokka Bd.1


sehr gut

Potential für Folgebände


Kriminalinspektor Johan Rokka kehrt nach zwanzig Jahren von Stockholm in seine Heimatstadt Hudiksvall in Nordschweden zurück. Die Gründe dafür bleiben zunächst unklar. Erst nach und nach wird angedeutet, dass Johan etwas aus seiner Vergangenheit so stark beschäftigt, dass ihn dies zur Rückkehr bewogen hat. Mit seiner direkten Art macht er sich zu Beginn bei den Kollegen und seiner Chefin nicht unbedingt beliebt. Allerdings trifft er auch auf viele alte Bekannte und ehemalige Freunde und Schulkameraden, mit denen er gerne mal einen trinken geht.
Noch vor seinem eigentlichen Amtsantritt muss er den Dienst beginnen. Henna, die Frau des Fußballstars Mans Sandin wird an Heilig Abend in ihrem Haus vor den Augen der beiden Kinder erschossen. Der Täter war als Weihnachtsmann verkleidet. War Mans Sandin selbst der Täter? Oder galt der Anschlag womöglich ihm? Dass Sandin auch ein alter Bekannter Johan Rokkas ist, gestaltet seine Ermittlungen nicht unbedingt einfacher.
Düster und kalt wie die Jahreszeit ist auch die Atmosphäre des Romans. Durch die verschiedenen Schauplätze (z.B. Florenz) und wechselnden Perspektiven wird dennoch genug Spannung und Dynamik aufgebaut. Lediglich das Ende wirkt etwas hastig.
Johan Rokka ist noch etwas undurchsichtig, durchaus sympathisch, aber mit Ecken und Kanten. Ihn möchte man gerne noch in weiteren Fällen erleben. Auch seine Kollegen zeigen Charakter, allen voran die etwas spröde Janna Weissmann. Sie ist eine interessante und etwas geheimnisvolle Figur, von der man gern noch mehr erfahren will.
Ein spannender und unterhaltsamer Krimi mit genügend Potential für weitere Folgen.

Bewertung vom 19.11.2018
Flucht in die Schären / Thomas Andreasson Bd.9
Sten, Viveca

Flucht in die Schären / Thomas Andreasson Bd.9


ausgezeichnet

Düsterer Fall

Der nunmehr 9. Band um Thomas Andreasson und seine Jugendfreundin Nora Linde zeigt einen etwas anderen Charakter als die vorigen Bände. Auch hier spielt sich das Geschehen teilweise auf Sandhamn und den umliegenden Inseln des Schärengartens ab. Doch für idyllische oder atmosphärische Landschaftsbeschreibungen ist wenig Platz.

Kriminalkommissar Thomas Andreasson spielt in diesem Band eine eher undankbare Rolle. Einerseits, weil er aufgrund der erneuten Trennung von Pernilla sehr unglücklich ist und bei laufenden Ermittlungen auch nur wenig Zeit für seine kleine Tochter Elin hat. Andererseits ist er von seiner Arbeit und den ständigen Einsparungen bei der Polizei völlig frustriert.
Auch Noras Familienleben spielt dieses Mal nur eine untergeordnete Rolle. Durch ihre Stelle als Chefanklägerin der Behörde gegen Wirtschaftskriminalität ermittelt sie gegen den Drogenboss Andreis Kovac, den sie wegen Steuerbetrugs anklagen will, da für seine anderen schweren Delikte die Beweise fehlen. Im Zuge ihrer Nachforschungen stößt sie auf Mina, Andreis Frau, die von ihm, nicht zum ersten Mal, fast totgeschlagen wurde. Nora versucht, Mina zu überzeugen, sich von Andreis loszusagen und verschafft ihr einen Platz in einem gut versteckten Frauenhaus. Damit hofft Nora nicht nur, Mina und ihrem kleinen Sohn zu helfen, sondern auch, dass Mina gegen ihren gewalttätigen Mann aussagen wird und Nora damit eine Anklage durchsetzen kann.
Doch Andreis ist nicht nur äußerst brutal, sondern auch gerissen und schlau. So manipuliert er nicht nur seine Anwältin, die skrupellos ihre Fälle gewinnen will, egal welche Verbrecher sie dadurch dem Freispruch zuführt. Andreis bedroht auch andere Menschen aus Minas Umfeld so massiv, dass er ihr doch auf die Spur kommt. Mit lebensbedrohlichen Folgen, nicht nur für Mina.
Wie immer ist Viveca Sten eine Garantin für beste und spannende Unterhaltung. Dieser 9. Band ist durch die ziemlich brutale Geschichte von Mina und ihrem Mann etwas düster.
Dennoch für Fans der Reihe unbedingt zu empfehlen.

Bewertung vom 03.11.2018
Redemption Point
Fox, Candice

Redemption Point


ausgezeichnet

Originelle Fortsetzung

Schauplatz des überaus lesenswerten und unterhaltsamen Krimis ,,Redemption Point" ist die Kleinstadt Crimson Lake im Norden Australiens, geprägt von Hitze und allgegenwärtigen Krokodilen. ,,Crimson Lake" heißt auch der 1. Band um den Ex-Polizisten Ted Conkaffey. Dieser wird verdächtigt, die 13-jährige Claire Bingley entführt und vergewaltigt zu haben. Seine Unschuld konnte er nie beweisen, er verlor seinen Job, seine Frau wandte sich von ihm ab, seine kleine Tochter kennt er kaum.
Doch Conkaffey ist ein Stehaufmännchen, er hat sich ein dickes Fell zugelegt, um irgendwie zu überleben. In Crimson Lake versucht er, unterzutauchen und endlich Ruhe zu finden. Schon im 1. Band schließt er sich der recht bizarren Privatdetektivin Amanda Pharrell an, die als Mörderin einige Jahre im Gefängnis verbracht hat und wohl davor auch schon reichlich merkwürdige Verhaltensmuster zeigte. Diese beiden vom Schicksal gebeutelten Menschen geben ein eigentümliches, aber auch unschlagbares Team als Privatdetektive ab.
Als Conkaffey plötzlich von Dale Bingley, dem Vater seines vermeintlichen Opfers überfallen wird, muss er handeln. Entweder er findet den wahren Täter oder Bingley nimmt Rache. Als auch noch ein mächtiger Drogenboss, der Conkaffey einen Gefallen schuldet, ihm helfen will, den Täter zu finden und aus dem Verkehr zu ziehen, führt dies für Ted Conkaffey nur zu noch größeren Problemen.
In der Zwischenzeit ist seine Partnerin Amanda Pharrell mit einem Mord an zwei jungen Barkeepern beschäftigt, der zunächst wie ein normaler Raubmord aussieht. Amanda unterstützt Detective Inspector Pip Sweeney, die mit diesem Fall ihre erste Morduntersuchung vor sich hat und Amandas genialen Einfälle dringend braucht. Doch bald entpuppt sich auch dieser Fall als viel komplexer und lebensgefährlich.

Candice Fox schafft es, mit zwar reichlich schrägen, originellen, aber sympathischen Figuren eine hochspannende Geschichte mit überraschenden Wendungen zu gestalten, die den Leser immer wieder auf die falsche Fährte führen. Witzige Dialoge, wie z.B. der Schlagabtausch zwischen Ted und Amanda, aber auch berührende Momente, wie z.B. die zwischen Ted und seiner Ex-Frau und seiner kleinen Tochter, unterhalten den Leser bestens.
Den 1. Band sollte man fürs bessere Verständnis gelesen haben, um so auch die Entwicklung der Figuren mitverfolgen zu können. Schade nur, dass man keinen deutschen Titel gefunden hat.