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Benutzername: pajo47
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Bewertungen

Insgesamt 85 Bewertungen
Bewertung vom 08.12.2021
Die falsche Zeugin
Slaughter, Karin

Die falsche Zeugin


sehr gut

Manchmal diagonal lesen

In Corona-Zeiten, also ganz aktuell, spielt dieser Thriller. Zwei Schwestern, Callie und Leigh, stehen im Mittelpunkt der Erzählung. Leigh, eine bekannte Anwältin, wird vom Sohn eines Mannes, mit dem die beiden Schwestern als Kinder schlimme Erfahrungen gemacht haben, als Anwältin in einem Strafprozess verpflichtet. Die Erinnerungen, die Leigh und Callie seit ihrer Kindheit zu verdrängen versucht haben, kommen dadurch wieder hoch.

Karin Slaugter schreibt in bewährter Weise ihren Krimi. Sie hat einen spannen Roman verfasst. Die Spannung steigt nach einigem Anfangsgeplänkel kontinuierlich an bis zur Lösung am Ende. Die Sprache ist gewohnt angenehm zu lesen. Was mir nicht so ganz gefallen hat, sind die an vielen Stellen langwierigen Beschreibungen der Befindlichkeiten der handelnden Personen. Ohne Zweifel müssen solche Passagen sein, aber doch nicht so ausführlich ausgewalzt, dass ich mir angewöhnt habe, an diesem Stellen nur diagonal zu lesen.

Bewertung vom 06.11.2021
Die Enkelin
Schlink, Bernhard

Die Enkelin


sehr gut

Startschwierigkeiten

Buchhändler Kaspar findet eines Tages beim Heimkommen seine Frau Birgit tot in der Badewanne vor, ertrunken nach zu viel Alkohol. Birgit war aus der DDR zu Kaspar in den Westen geflohen. Sie wollte nach einigen Versuchen in verschiedenen Berufen Schriftstellerin werden und arbeitete an einem Roman. Kaspar durfte aber nichts von dem entstehenden Roman lesen. Nach Birgits Tod entdeckt Kaspar, warum er nie etwas lesen durfte. Birgit hatte ein Geheimnis. Vor ihrer Flucht in den Westen hatte sie eine Tochter von einem anderen Mann geboren und weggegeben. Birgit wollte sich später auf die Suche nach der Tochter machen. Aber der Plan blieb ein Plan. Birgit fürchtete sich wohl vor einem tatsächlichen Zusammentreffen.

Jetzt macht Kaspar sich auf die Suche. Er findet Birgits Tochter. Sie lebt zusammen mit ihrem rechtsradikalen Mann Björn in einer völkischen Gemeinschaft in einem kleinen Ort auf dem Land. Sie hat eine Tochter Sigrun. Mit Sigrun baut Kaspar einen näheren Kontakt auf. Sigrun verbringt mehrfach einige Zeit bei Kaspar. Kaspar ist verstört durch das rechtsradikale Gedankengut, dass Sigrun vor allem von ihrem Vater Jörg eingeimpft worden ist.

Schlink beschreibt Kaspar als einen Mann, der eigentlich deutlicher gegen das Gedankengut Jörgs und seiner Gemeinschaft vorgehen sollte aber nicht deutlich seine Haltung vertritt, weil er fürchtet, dann den Kontakt zu Sigrun zu verlieren.

Der Roman hat etwas Startschwierigkeiten. Zu Beginn beschreibt Schlink die Befindlichkeiten seiner Hauptpersonen in epischer Breite. Das hätte er etwas kürzer und stringenter gestalten können. Je weiter man im Roman voran kommt, desto kompakter und klarer wird die Handlungsführung. Das steigert sich zum Schluss darin, dass der dritte Teil des Romans ganz knapp gestaltet ist. Nur 43 Seiten von insgesamt 376 Seiten. Ich wurde jedenfalls im Laufe des Romans mit den Starschwierigkeiten im ersten Teil versöhnt und habe ihn gern zu Ende gelesen.

Bewertung vom 01.11.2021
Meeressarg / Fabian Risk Bd.6
Ahnhem, Stefan

Meeressarg / Fabian Risk Bd.6


ausgezeichnet

Spannung total

Meeresarg ist Stefan Ahnhems sechster Band aus der Reihe der Krimis mit dem Ermittler Fabian Risk. Zunächst geht es um Fabian Risks Sohn Theodor, der sich in dänischer Untersuchungshaft umgebracht hat. Den Fall kennen wir aus einem früheren Krimi, da hatte Risk seinem Sohn geraten, sich zu stellen. Der Titel Meeresarg spielt auf den Fund von zwei Leichen in einem untergegangenen Auto an. Bei den Toten handelt es sich um einen hochrangigen Polizisten und eine Prostituierte. Alles spitzt sich auf den Polizeichef Kim Sleizner zu, der auch in früheren Krimis bereits eine hinterhältige Rolle spielte, nur auf seinen Vorteil bedacht war und über Leichen ging. Hier kommt es jetzt zum Showdown mit Kim Sleizner.

Totale Spannung über mehr als 500 Seiten hinweg zu halten, ist sicher nicht einfach. Stefan Anhem hat das in den früheren Krimis schon geschafft. Aber in diesem Roman übertrifft er sich wirklich selbst. 500 Seiten möchte man gern in einem Rutsch durchlesen, was natürlich schlecht möglich ist. Aber die Spannung lässt einen einfach nicht los. Dazu kommt natürlich der angenehme Schreibstil Anhems, die übersichtliche Regie und die einfühlsame Charakterisierung seiner Personen. Eine klare Leseempfehlung.

Bewertung vom 29.10.2021
Eifersucht
Nesbø, Jo

Eifersucht


ausgezeichnet

Ungewohnt

"Sieben Storys, ein Motiv", diesen Hinweis im Klappentext hatte ich übersehen. Dementsprechend war ich etwas überrascht, als nach Seite 33 eine andere Geschichte begann. Deshalb will ich hier nichts Konkretes zum Inhalt des Buches schreiben. Nur soviel: Es sind sieben unterschiedlich lange Stories zum Generalthema Eifersucht.

Jo Nesbo schreibt wie immer gut und flüssig lesbar. Seine Geschichten sind übersichtlich, was die Örtlichkeiten und was die Anzahl der handelnden Personen angeht. Dennoch war ich etwas enttäuscht. Kurzgeschichten sind nicht das, womit ich den Namen Nesbo verbinde. Damit verbinde ich logisch durchkonstruierte Krimis mit entsprechendem Spannungsbogen. Die Spannung kommt bei diesen Geschichten recht kurz. Es geht mehr um die Gedankenwelt der verschiedenen Personen. Es geht darum, was Eifersucht bei Menschen bewirken kann, wie ihre Handlungsweise durch Eifersucht bestimmt wird.

Man sollte also nicht einen Kriminalroman erwarten, denn dann ist das Buch zumindest ungewohnt. Ansonsten nette Geschichten für zwischendurch zu lesen.

Bewertung vom 26.10.2021
Die Früchte, die man erntet / Sebastian Bergman Bd.7
Hjorth, Michael;Rosenfeldt, Hans

Die Früchte, die man erntet / Sebastian Bergman Bd.7


ausgezeichnet

Doppelter Krimi

Im 7. Fall der Sebastian Bergmann Reihe, sind Bergmanns Tochter Vanja Lithner und ihre Kollegen von der Reichsmordkommission gefordert, einige Serienmorde aufzuklären. Bergmann ist dabei nicht bei der Reichsmordkommission involviert sondern privater Psychotherapeut. Aber natürlich spielt er auch bei der Lösung der Mordfälle eine Rolle.

Zwei bemerkenswerte Eigenschaften hat dieser Krimi.

Erstens ist es nicht nur ein Fall, der eine Rolle spielt. Ich war überrascht, dass der erste Fall bereits etwa in der Mitte des Buches gelöst war. Danach geht es nur noch um eine zweite Serie von Morden, die schon eine Zeit lang zurückliegen.

Zweitens ist der Leserin bzw. dem Leser schon von Beginn an klar, wer jeweils die Morde begangen hat. Da könnte man annehmen, das der Krimi dadurch seine Spannung verliert, wenn man schon vorher die Lösung kennt. Aber das ist nicht der Fall. Hjorth und Rosenfeld gelingt es trotzdem eine Spannung aufrecht zu erhalten. Dabei wird sehr viel Wert auf die Schilderung der zwischenmenschlichen Beziehungen, inneren Haltungen und Entwicklungen der handelnden Personen gelegt.

Ich habe das Buch gern gelesen und kann es nur empfehlen.

Bewertung vom 22.10.2021
Reality Show
Freytag, Anne

Reality Show


gut

Ein guter Plot ist noch kein guter Roman

Der Plot ist gut. Drei Freunde, die zusammen in einer WG wohnen, haben einen Plan entwickelt, der an einem Heiligabend umgesetzt wird. Sie haben 42 der einflussreichsten Menschen Deutschlands ausgewählt. Es sind solche Menschen, bei denen das große Kapital sitzt und die dadurch einen großen Einfluss haben. 10 von ihnen sollen an dem besagten Heiligabend in einer Fernsehshow vorgeführt werden, nachdem man sie vorher gekidnappt hat. Die Zuschauer sollen über sie urteilen. Das läuft zum Beispiel darauf hinaus, dass jeweils der größte Teil des Vermögens der Gekidnappten an die Zuschauer verlost wird, sozusagen als ausgleichende Gerechtigkeit.

Wie gesagt, der Plot ist gut. Aber das bedeutet noch keinen guten Roman. In diesem Roman herrscht die Hektik vor. Viele kurze Kapitel mit immer wieder wechselnden Personen und Schauplätzen. Kaum hat man sich in eine Situation eingelesen, folgt der abrupte Wechsel zur nächsten. Es ist äußerst schwierig bei den vielen handelnden Personen den Überblick zu behalten. Dazu kommt als weitere Schwierigkeit, dass die Hauptpersonen Tarnnamen haben. Diese und die richtigen Namen werden wechselnd gebraucht, was natürlich zur weiteren Verwirrung beiträgt.

Wie gesagt, der Plot ist sogar sehr aktuell und sehr gut. Der Roman ist es weniger. Ich hatte mir jedenfalls mehr versprochen.

Bewertung vom 07.10.2021
Betongold
Weber, Tanja

Betongold


ausgezeichnet

Ungewöhnlich

Einen ungewöhnlichen Kriminalroman hat uns Tanja Weber da vorgelegt. Es geht um drei in die Jahre gekommene Freunde. Da ist der Schani, der groß in Immobilien macht. Der zweite ist der Hiasl, der in München-Giesing eine Eckkneipe betreibt. Diese Kneipe ist nach seiner verstorbenen Frau Moni benannt. Deshalb heißt der Hiasl auch nur einfach "DER Moni". Und als dritter im Bunde ist da der Sepp, auch Smokey genannt, weil er wegen seines Morbus Bechterew Haschisch Zigaretten rauchen darf. Smokey war früher bei der Mordkommission und ist vorzeitig in Rente gegangen.

Eines Tages wird der Schani tot in einer Baugrube aufgefunden. Ist es ein Unfall oder Mord? Smokey geht von Mord aus und versucht wegen seines früheren Berufs diesen Mord aufzuklären. Bis es zu dieser Aufklärung kommt, bekommen wir beim Lesen einen tiefen Einblick in das Leben in Giesing, wo nicht die Creme de la Creme Münchens verkehrt. Einen Einblick bekommen wir auch darin, was eigentlich Freundschaft ist. Ist es möglich, dass man auch nach vielen Jahren Freundschaft den Freund immer noch nicht richtig kennt?

Deshalb ist der Roman ein etwas ungewöhnlicher Kriminalroman. Denn nicht der Fall steht im Vordergrund, sondern die drei Freunde und ihre engeren Bekannten. Über die Lösung des Falls erfahren wir quasi nur nebenbei etwas. Wer also einen knallharten Krimi erwartet hat, ist mit diesem Roman nicht richtig bedient. Aber wer einen Roman sucht, wo das Zwischenmenschliche eine große Rolle spielt, der ist hier richtig.

Bewertung vom 29.09.2021
Wenn ich wiederkomme
Balzano, Marco

Wenn ich wiederkomme


ausgezeichnet

Lesenswert

Diesmal geht es nicht um das "Dableiben" wie im letzten Roman, sondern es geht um das "Weggehen". Es ist Daniela, die über Nacht, ohne irgend jemandem etwas zu sagen, ihre Familie verlässt und aus Rumänien nach Italien fährt. Dort nimmt sie verschiedene Arbeiten an in der Alten- und Krankenpflege bzw. in der Betreuung von Kindern. Das meiste Geld, das sie verdient. schickt sie nach Hause. um damit ihren Kindern Angelica und Manuel eine gute Schulbildung und ein Studium zu ermöglichen. Auch ihr Mann Filip verlässt wenig später die Familie. Um die beiden Kinder kümmern sich die Großeltern.

Balzano hat seinen Roman in drei Teile aufgeteilt. Im ersten Teil erfahren wir aus der Sicht Manuels, wie das Leben nach dem Weggang der Mutter irgendwie weiter geht. Im zweiten Teil berichtet Daniela über ihre Zeit in Italien und die verschiedenen Beschäftigungen. Der dritte Teil ist aus der Sicht Angelicas geschrieben. Hier erfahren wir etwas über die Zeit ab Manuels Krankenhausaufenthalt nach einem schweren Unfall.

Durch diese verschiedenen Sichtweisen, erfahren wir in eindringlicher Weise, welche Schwierigkeiten die handelnden Personen zu bewältigen haben, und wir verstehen etwas besser, weshalb die Kinder irgendwie zornig auf ihre Mutter sind, obwohl diese sich für sie quasi aufopfert.

Dabei ist klar, dass die Protagonisten in diesem Roman für eine Vielzahl anderer Menschen stehen, die dasselbe Schicksal haben. So will Balzano auch seinen Roman verstanden wissen. Es ist ein gut zu lesender Roman, unbedingt zu empfehlen.

Bewertung vom 28.09.2021
Böse
Wagner, Jonas

Böse


sehr gut

Trügerische Sicherheit

Katharina zieht mit ihrer Tochter Fenja nach Hussfeld, weil sie nach einer gescheiterten Beziehung weitab von ihrem bisherigen Umfeld ein neues Leben beginnen will. Da ist Hussfeld der richtige Ort, meint sie, weil dieser Ort einer der sichersten in Deutschland ist. Doch in diesem Ort ist auch nichts los, was Fenja schnell zu ihrem Leidwesen feststellen muss. Aber alles, was Katharina und Fenja unternehmen oder was sie kaufen wird aufmerksam beobachtet und sofort im Ort verbreitet.

Nach kurzer Zeit verschwindet Fenja zusammen mit ihrem Freund nach einem Partybesuch in der Nachbargemeinde spurlos. Für Katharina beginnt ein Albtraum, weil man ihr nicht glaubt, dass etwas Schlimmes passiert sein muss. In Hussfeld kann sowas einfach nicht passieren. Es wird immer nur unterstellt, dass die beiden Jugendlichen sich gemeinsam abgesetzt haben. Katharina steht ziemlich allein.

Jonas Wagner beschreibt zunächst sehr subtil, wie Katharina und Fenja von den anderen Bewohner argwöhnisch und misstrauisch beobachtet werden. Der ganze Ort hat offensichtlich eine vorgefasste Meinung, dass die beiden nicht dazu passen und nur Unruhe in den beschaulichen Ort bringen werden. Diese Beschaulichkeit zeigt sich dann allerdings als sehr trügerisch.

Der Roman ist sehr gut zu lesen. Die Spannungskurve steigt stetig an bis zum schlimmen Ende. Mir persönlich scheint die gesamte Situation allerdings etwas zu unwahrscheinlich zu sein, was der Spannung aber keinen Abbruch tut.

Bewertung vom 18.09.2021
SCHWEIG!
Merchant, Judith

SCHWEIG!


gut

Überzogen

Drei Hauptpersonen gibt es im Roman. Da sind Esther und ihr Mann Martin. Die dritte Hauptperson ist Sue, Esthers Schwester. Zunächst beginnt der Roman ganz harmonisch. Esther und Martin sind mit ihren Kindern mit den Vorbereitungen für das Weihnachtsfest voll beschäftigt. Esther allerdings meint, bei all dem Vorbereitungsstress noch zu ihrer Schwester fahren zu müssen, die ganz allein in einem abgeschiedenen Haus im Wald lebt. Sie macht sich Sorgen um Sue, weil Weihnachten vor einem Jahr wohl irgendetwas Schlimmes mit Sue passiert ist.

Erst nach und nach wird klar, dass Esther total psychotisch ist und in einem überzogenen Egoismus ihre Familie und ihre Schwester subtil tyrannisiert. So kommt es schließlich zu einem unerwarteten schlimmen Ende.

Judith Merchant teilt ihren Roman in viele meist sehr kurze Kapitel auf. In jedem Kapitel wird die Handlung von einer der drei Hauptpersonen aus beschrieben. Den Kapiteln ist jeweils der Name dieser Hauptperson vorangestellt. So kann man sich schnell zurecht finden. Interessant wird diese Vorgehensweise vor allem dann, wenn dieselbe Situation einmal von Sue und einmal von Esther aus beschrieben wird. Da tun sich dann oft erschreckende Einblicke besonders in Esthers Psyche auf.

Diese wechselseitigen Betrachtungen derselben Situationen ist zu Beginn ganz amüsant. Aber nach einiger Zeit kennt man das und es wird langatmig. Das heißt, der Roman braucht ziemlich lange, um auf Touren zu kommen. Dann aber fällt Merchant ins andere Extrem und überzieht ins Abstruse bis zum überraschenden Ende.

Ich hatte mir vom Roman mehr versprochen.