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Raumzeitreisender
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Buchwurm, der sich durch den multidimensionalen Wissenschafts- und Literaturkosmos frisst

Bewertungen

Insgesamt 784 Bewertungen
Bewertung vom 29.11.2025
Dickens, Charles

Große Erwartungen


ausgezeichnet

Charles Dickens (1812 – 1870) entführt die Leser in diesem erstklassigen sozialkritischen Werk in das viktorianische England. Der Bildungsroman entstand 1861 und beschreibt das Leben des Waisenjungen Philip Pirrip, genannt Pip, der bei seiner kaltherzigen Schwester Mrs. Joe Gargery und ihrem unterdrückten, aber freundlichen Ehemann, einem Schmied, in ärmlichen Verhältnissen aufwächst. Die Geschichte spielt in einem Dorf nahe London, wo Pip seine Kindheit verbringt und in London.

Eines Abends im Jahre 1812, im Alter von sieben Jahren, begegnet Pip auf dem Friedhof einem entflohenen Strafgefangenen, dem er, massiv unter Druck gesetzt, aus seiner misslichen Lage hilft. Diese Begegnung hat später Konsequenzen, die sein weiteres Leben bestimmen werden. Ein weiterer Meilenstein im Leben von Pip ist die Bekanntschaft mit der wohlhabenden Miss Havisham, die vom Leben enttäuscht ist und ihrer Adoptivtochter Estella.

Eines Tages eröffnet der Londoner Anwalt Jaggers dem jungen Pip, dass er von einem unbekannten Gönner ein Vermögen erhalten hat. Pip verlässt die Schmiede, in der er mittlerweile eine Ausbildung begonnen hat und geht nach London, um geschult zu werden und sich an das Leben als reicher junger Mann zu gewöhnen. Er lernt neue Freunde, insbesondere den zuverlässigen Herbert, kennen und sein Lebensstil wandelt sich. Auf einmal wird er von seiner Umgebung anders wahrgenommen.

Die Protagonisten in diesem Roman sind vielschichtig. Dickens besticht mit tiefgehenden Charakterstudien, aus denen detailliert hervorgeht, wie die Menschen sich unter veränderten Rahmenbedingungen verhalten. Freundschaften und Intrigen prägen den Alltag. Der Autor beschreibt sowohl das Zeitalter als auch die menschliche Natur mit ihren Ängsten, Träumen und Widersprüchen auf überzeugende Art und Weise. Sowohl Pip als auch seine unerreichbare Traumfrau Estella machen einen Reifungsprozess durch.

Der Roman hat vielfältige Facetten und Verknüpfungen, die erst nach und nach erkennbar werden. Damit sorgt er für Überraschungen, die die Leser fesseln. Pip, der zunächst von seinem Leben als Londoner Snob überwältigt ist, lernt im Laufe der Jahre, was wirkliche Freundschaft ausmacht und wo seine Wurzeln sind. Die Lebensgeschichten einiger Protagonisten sind eng miteinander verwoben, ohne dass ihnen das bewusst ist. Und manche nutzen Unwissenheit aus, um sich als angebliche Wohltäter zu feiern.

Bewertung vom 23.11.2025
Evers, Horst

Mein Leben als Suchmaschine


sehr gut

Horst Evers ist ein guter Beobachter seines Umfeldes und ein kritischer Geist, der unkonventionelle Fragen stellt und alternative Perspektiven entwickelt. Er schreibt Kurzgeschichten, in denen er Alltagssituationen überzeichnet und pointiert darstellt. Ein besonderes Augenmerk richtet er dabei auf die Auswirkungen der modernen Technik.

Seine Erfahrungen verpackt er in humorvoller Art und Weise voller Selbstironie. Die Leser finden sich in manchen dieser skurrilen Geschichten wieder. Er ist Verschwörungen auf der Spur, indem er Verselbstständigungen der Technik aufdeckt. Er hat einen eigenen Stil entwickelt, der sich wohltuend von bierernsten Erzählungen abhebt.

Bewertung vom 21.11.2025
Richards, Justin

Doctor Who: Time Lord Märchen


gut

Kindern werden beim Zubettgehen oftmals Märchen erzählt. So ist es auch bei den Time Lords. Das Buch enthält fünfzehn abenteuerliche Geschichten, die Generationen von Kindern auf dem Planeten Gallifrey kennen gelernt haben.

Manche dieser Geschichten haben Ähnlichkeiten mit uns bekannten Märchen, so z.B. "Aschenputtel und der Zauberkasten", "Schneewittchen und die sieben Schlüssel" oder "Rosenkäppchen" und dem Rattenfänger von Hameln entspricht der Cybermatsfänger.

Wenngleich die meisten Erzählungen ein positives Ende haben, sorgen die weinenden Engel in "Der Statuengarten" dafür, dass Personen einen Zeitsprung in die Vergangenheit machen. In manchen Fällen hilft Doctor Who, hier tut er es nicht.

Die Leser lernen nicht nur die weinenden Engel und die Cybermats, sondern auch die kriegstüchtigen Sontaraner, die gefräßigen Wirrnraupen, intergalaktische Vampire und sonstige extraterrestrische Wesen kennen.

Um die Märchen besser verstehen zu können, sollte man die Welt von Doctor Who kennen, der in manchen dieser Geschichten mit seiner blauen Kiste als Helfer auftritt. Neben den Geschichten gibt es passende Illustrationen zu den Märchen.

Bewertung vom 19.11.2025
Watzlawick, Paul

Wenn du mich wirklich liebtest, würdest du gern Knoblauch essen


sehr gut

Das Buch ist für Leser geeignet, die bislang wenig von dem Psychotherapeuten und Kommunikationswissenschaftler Paul Watzlawick gelesen haben. Es enthält Auszüge aus früheren Werken des Konstruktivisten und Meisters des Widerspruches und der Paradoxie. Mit bewährter Ironie wird dem Leser der Boden unter den Füßen weggezogen, um ihn anschließend auf diesen zurückzuwerfen.

Watzlawick beschreibt gesellschaftliche Situationen aus unterschiedlichen Perspektiven. Der konstruktivistische Gedanke wird deutlich. Aussagen über Dinge und über Beziehungen sind zu trennen. Eine Vermischung kann zu Missverständnissen führen. Es gibt nicht die Wirklichkeit, sondern alles ist eine Frage der Perspektive. Eine Folgerung aus dieser Lehre lautet: Der Mensch ist verantwortlich für seine eigene Wirklichkeit.

Bewertung vom 17.11.2025
Shelley, Mary

Biblioteca Obscura: Frankenstein


ausgezeichnet

Der ehrgeizige Medizinstudent Victor Frankenstein ist besessen von dem Gedanken, einen künstlichen Menschen zu erschaffen. Sein Vorhaben gelingt, ohne dass Einzelheiten beschrieben werden, wie er das gemacht hat. Die Dramaturgie einiger Verfilmungen zum Thema, wo mit Leichenteilen experimentiert wird, fehlt in dem Roman.

Der Schwerpunkt dieser Horrorgeschichte liegt in der Verantwortung des Schöpfers für seine Kreatur, die lernfähig ist, sich umfangreiches Wissen aneignet und seine Rolle in der Gesellschaft erkennt. "Ich sollte dein Adam sein, aber ich bin der gefallene Engel, den du grundlos aus dem Paradies verstößt." (141)

Die Kreatur erkennt ihre Macht, die zu vertauschten Rollen führt. "Du bist mein Schöpfer, aber ich bin dein Herr. Du wirst mir gehorchen." (223) Es mangelt ihr an gesellschaftlicher Anerkennung und an Liebe. Victors Geschöpf erkennt sein Leid in dieser Welt, aber auch seine Macht. Victors Freunde und Familie werden Opfer seiner Gewalt.

Frankenstein ist eine tragische Geschichte mit einer unheilvollen Verknüpfung des Schöpfers mit seinem Geschöpf. Im Kern geht es um Grenzen der Wissenschaft, um Verantwortung, Schuld, Reue und um Liebe und Anerkennung. In düsterer Atmosphäre werden psychologische und moralische Fragen behandelt.

Die Erzählung ist ein Bericht in Briefform, wodurch die Subjektivität der Ausführungen unterstrichen wird. Parallelen zur biblischen Schöpfungsgeschichte sind erkennbar. Merry Shelley ist ein Roman gelungen, in dem existenzielle Fragen behandelt werden. In diesem Sinne handelt es sich um ein zeitloses Werk.

Bewertung vom 14.11.2025
Dostojewskij, Fjodor M.

Weiße Nächte


gut

Ein junger Mann hilft auf einem nächtlichen Spaziergang durch Sankt Petersburg der 17-jährigen Nastenka, die von einem betrunkenen Mann bedrängt wird. Die beiden lernen sich kennen, freunden sich an und treffen sich fortan an drei weiteren Abenden.

Sie erzählen sich ihre Lebensgeschichten und der namenlose Erzähler verliebt sich in die junge Dame. Sie zeigt Interesse, ist aber unschlüssig, da sie auf ihren Freund wartet, der vor einem Jahr nach Moskau gegangen ist, um dort Geld für die spätere Heirat zu verdienen.

Der junge Mann ist ein einsamer Mensch und er erzählt Nastenka von seinen Träumen. Er macht sich Hoffnungen auf eine Beziehung und hilft ihr sogar einen Brief an ihren Freund zu schreiben, der vor wenigen Tagen nach Sankt Petersburg zurückgekehrt ist, sich aber noch nicht bei ihr gemeldet hat.

Es ist ein anderer Dostojewski, der diese Novelle 1848 geschrieben hat, noch weit entfernt von seinen Klassikern späterer Jahre. Er thematisiert die Einsamkeit, die Sehnsucht nach Liebe und ihre Enttäuschung, wenn das kurze Glück zerbricht.

Es ist diese emotionale Tiefe, die zum Markenzeichen von Dostojewskis Werken wurde, die hier bereits durchschimmert. Wenngleich die Vergänglichkeit der Liebe und die Zerstörung von Illusionen zeitlose Themen sind, wirken insbesondere die Ausführungen des Erzählers antiquiert.

Bewertung vom 13.11.2025
Verne, Jules

In 80 Tagen um die Welt


ausgezeichnet

Der französische Schriftsteller Jules Verne (1828 – 1905) ist bekannt für seine Abenteuer- und Science-Fiction-Romane. Er gilt als einer der Begründer der Science-Fiction-Literatur. Inspiriert durch Kurzgeschichten von Edgar Allan Poe und George Francis Trains tatsächlicher Reise um die Erde entstand diese Abenteuergeschichte.

Jules Verne gelingt es, mit Gentleman Phileas Fogg, seinem Diener Passepartout und Inspektor Fix, markante Charaktere zu kreieren, die wesentlich dazu beitragen, dass der Roman spannend und unterhaltsam ist. Eine Wette im Londoner Reform Club veranlasst Fogg, sich zusammen mit Passepartout auf die Reise um die Erde zu begeben. Ein Bankraub führt dazu, dass Inspektor Fix sie auf dieser Tour verfolgt.

Sie nutzen die Eisenbahn, reisen mit Schiffen, bei verpassten Abfahrtszeiten auch mit Schlitten und in Indien sogar auf Elefanten. Dabei erleben sie zahlreiche gefährliche Situationen, retten eine Frau vor dem Tod, kämpfen gegen Indianer und ständig gegen die Zeit. Fogg ist ein Mann mit strengen Prinzipien, dem der Erfolg der Reise existenziell wichtig, das Leben seiner Begleiter aber noch wichtiger ist.

Die Geschichte wurde einige Male, beginnend in der Stummfilmzeit, verfilmt. Die Filme weichen mehr oder weniger vom Buch ab, was bei Verfilmungen nichts ungewöhnliches ist, aber Gründe liefert, den Roman zu lesen, um die ursprüngliche Geschichte kennenzulernen. "In 80 Tagen um die Welt" ist ein zeitloser Abenteuerroman, der auch 150 Jahre nach seiner Veröffentlichung seine Strahlkraft nicht verloren hat.

Bewertung vom 10.11.2025
Tolstoi, Leo N.

Der Tod des Iwan Iljitsch


ausgezeichnet

Der Roman beginnt mit der Trauerfeier für Iwan Illjitsch, der nach langer und schwerer Krankheit gestorben ist. Von echter Trauer ist keine Spur, es mangelt selbst seinen langjährigen Freunden an echter Anteilnahme, stattdessen verabredet man sich für den Abend zum Kartenspielen. Die Witwe betont, wie sehr sie gelitten hat und interessiert sich primär für Geldunterstützung vom Staat.

Der Sarkasmus, der hier zum Ausdruck kommt, spiegelt die Außenperspektive auf die Sinnhaftigkeit des Lebens wider. Die Innenperspektive erlebt der Protagonist im Zuge seiner Krankheit.

Es folgt die Biografie von Iwan Illjitsch, der als Richter der gehobenen Gesellschaft angehört. Im Zuge seiner beruflichen Karriere lernt er seine Frau kennen und wird Teil der gehobenen Gesellschaft. In dem Maße, in dem ihre Ansprüche zunehmen, entfremden sich die Eheleute. Illjitsch konzentriert sich auf seinen Beruf und familiär wird der äußere Schein gewahrt.

Eine Neubewertung seiner Lebenssituation erfolgt erst im Zuge seiner Krankheit. Er konsultiert zahlreiche Ärzte, die ihm letztlich nicht helfen können. Sie behandeln ihn mit derselben professionellen Unmenschlichkeit, mit der er als Richter seine Angeklagten abgeurteilt hat.

Iwan Illjitsch beschäftigt sich zunehmend mit existenziellen Fragen und stellt sich die Frage nach dem Sinn des Lebens. Ihn plagen neben seinen physischen Schmerzen Zweifel. "Dass sowohl sein Dienst wie auch seine Lebensführung, seine Familie sowohl wie all diese Interessen der Gesellschaft und des Dienstes, dass all dies zusammen nicht das Wahre gewesen sein mochte." (85)

Leo Tolstoi kritisiert mit dieser Geschichte die Werte der bürgerlichen Existenz und der Gesellschaft. Leben rational zu erklären führt zu Kälte und Bedeutungslosigkeit. Die Antworten lauten Selbstlosigkeit und Liebe, wie sie durch Illjitsch Diener Gerassim zum Ausdruck kommen – der einzige Lichtblick in dieser trostlosen Erzählung.

Bewertung vom 08.11.2025
Wells, Benedict

Spinner


gut

"Ich war allein in der Wüste, über mir flogen die Geier, und alle Wetten standen gegen mich. Ich war der Totgesagte." (60)

Jesper Lier, 20 Jahre alt, wohnt seit über einem Jahr allein in Berlin, angeblich um zu studieren. In Wirklichkeit arbeitet er, nach seinem Zivildienst, als Praktikant beim Berliner Merkur und bezieht zusätzlich Kindergeld, um seinen Lebensunterhalt zu bestreiten.

Seine Familie lebt in München. Sein Vater ist seit 2 Jahren tot. Sein jüngerer Bruder Jonas, 17 Jahre alt, ist ein völlig anderer Typ als Jesper. Seiner Familie, mit der er sich nicht versteht, hat er einige Lügen von seiner Zeit in Berlin erzählt. Den Kontakt hat er weitgehend abgebrochen.

Er schreibt seit längerer Zeit erfolglos an einem Buch und möchte Schriftsteller werden. Ihm fehlt jegliche Struktur sowohl im Leben als auch in der Arbeit an seinem Roman. Seine Zeit vertreibt er mit seinem Berliner Freund Gustav und seinem ehemaligen Schulfreund Frank.

Ihr Leben verläuft chaotisch. Sie erleben kuriose Dinge. Jesper wirkt nicht nur bei der Suche nach einer Freundin verloren, sein Leben wirkt insgesamt planlos und asozial. Der Tod seines Vaters bereitet ihm große Probleme. Manche Erklärungen kristallisieren sich erst im Zuge der Geschichte heraus.

Der Roman beschreibt eine Woche im Leben von Jesper Lier und diese eine Woche gibt einen komprimierten Einblick in seinen Alltag. Die Perspektive ist ausschließlich die von Jesper. Benedicct Wells erzählt, dem Alter des Protagonisten entsprechend, im Sprachstil eines Heranwachsenden.

Als Leser gewinnt man den Eindruck, dass sowohl der Roman als auch das Buchmanuskript von Jesper viel mit dem Autor selbst zu tun haben, der den Roman als 19-jähriger geschrieben hat. Unter diesen Voraussetzungen kann man über kleinere Ungereimtheiten hinwegsehen.

Bewertung vom 03.11.2025
Sulilatu, Saidi

Finanzen ganz einfach


sehr gut

"Ich habe bei Finanztip die Philosophie gefunden, dass Finanzen ganz einfach gehen. Dass der Umgang mit Geld nicht kompliziert sein muss und Du Dich selber darum kümmern kannst. Dass Du beim Managen Deiner Finanzen nicht von anderen abhängig sein musst." (12)

Dieser Grundsatz zieht sich durch das gesamte Buch. Saidi Sulilatu klärt die Leser unabhängig über Finanzfragen auf. In diesem Sinne spielen ETFs bei seiner Anlageempfehlung eine große Rolle, insbesondere bei Planungen über Jahrzehnte, z.B. für die Altersversorgung.

Seine Erklärungen sind einfach und überfordern die Leser nicht. Er analysiert alternative Anlageformen und macht auf überteuerte und damit unrentable Verträge aufmerksam. Einzig beim Thema Steuern hätte ich mir ausführlichere Antworten gewünscht.

Die Leser werden sensibilisiert, die eigene Finanzsituation in Kosten für Lebenserhaltung, Freizeit und Sparen zu strukturieren und inhaltlich einmal jährlich zu überarbeiten. Anlageformen müssen überschaubar sein, von spekulativen Geschäften rät er ab.

Der Autor ist Geschäftsführer der gemeinnützigen Stiftung Finanztip. Er berät Menschen beim Umgang mit Geld mit dem Ziel einfache Lösungen zu finden, die dabei helfen, die eigene Finanzsituation zu überblicken und langfristig eigenständig zu verwalten.

3 von 4 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.