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Benutzername: Leseratte
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Bewertungen

Insgesamt 56 Bewertungen
Bewertung vom 03.05.2018
Den Himmel finden
De Luca, Erri

Den Himmel finden


sehr gut

„Den Himmel finden“ heißt dieses Buch auf Deutsch, im italienischen Original „La natura esposta“, die „dargestellte Natur“, was mir in seiner Doppeldeutigkeit treffender erscheint.

Es geht um einen namenlosen, 60-jährigen Bewohner eines Bergdorfers, der zwar das musische Gymnasium besuchte, anschließend aber sein gesamtes Arbeitsleben im Bergbau verbrachte. Um dann doch noch Licht zu bekommen (und den Blick fürs Weite offen zu halten) steigt er täglich nach der Arbeit hoch hinauf in die Berge (man fragt sich, wie er das im Winter macht, wenn die Tage kurz sind, aber egal.)
Später, also vor wenigen Jahren, hilft er Flüchtlingen unentgeltlich über die Berge nach Mitteleuropa. Nicht mal Dank will er dafür.
Erri nimmt hier bereits das Christliche in der Figur des Ich-Erzählers vorweg.
Als der Deal aufkommt, ist es um die für zwei andere Männer lukrative Fluchtroute geschehen und er wird aus dem Dorf, in dem er sein Leben lang gewohnt hat, verjagt. So muss er sich einen neuen Wohnort und Brotverdienst suchen.
Er findet ihn irgendwo am Meer, wo er den eigenartigen Auftrag erhält, dem gekreuzigten den im Nachhinein angelegten Lendenschurz zu entfernen und so „die Natur“ (an anderer Stelle als „Ärgernis“ bezeichnet) nicht wieder freizulegen, da sie verletzt wurde, sondern wieder herzustellen.
Der Ich-Erzähler ist nicht gläubig.
Nun, als gläubige Christin dachte ich zunächst: Mal sehen, was das wird. Der Autor schafft dies mit viel Takt- und Feingefühl. Von Anfang an ist der Ich-Erzähler von der Heiligkeit (= Heil-sam-keit) der Statue ergriffen und macht sich auf die Suche, um mehr über den Tod Jesu und seine Wirkung zu erfahren. Sofort trifft er dabei auf kundige Menschen (einen Moslem, einen Rabbi, einen weltoffenen Pfarrer) und schafft somit zum einen eine (überfällige und aktuelle) Verbindung zwischen den drei abrahamitischen Religionen.
Was der Autor dem Erzähler als Erkenntnisse in den Kopf legt, wirkt ….. Die Erkenntnisse sind auch in der theololgischen Diskussion durchaus aktuell und es ist berührend, wie und dass der Autor sich dem Thema widmet. Warum mich das Buch nicht vollends überzeugt hat liegt an der Konstruiertheit.
Der Protagonist ist ein einfacher Mann, trotz musischem Gymnasium. 40 Jahre oder mehr unter Tage hinterlassen in jedem Menschen Spuren, aber nicht in ihm. Er kennt sich bei den griechischen Philosophen bestens aus, zitiert hier und dort. Ebenso, als dem Christentum ursprünglich Fernstehender, denkt der bei dem Verkehr in Neapel an die Teilung des Roten Meers – ein sehr weiter Bogen. Dass er einfach so die Evangelien liest und alles versteht – Hut ab. Ich kennen niemanden, der dies ohne Übung (oder sehr viel Wirken des Heiligen Geistes) kann. Der Autor entwirft (und das wirkt als späten Einschub, als deus-ex-machina) einen im Alter von sechs Jahren verstorbenen Zwilling, der immer der „Kopf“ der beiden war uns als solcher in ihm weiterlebt. Leider überzeugt das nicht. Der Protagonist bleibt eine behauptete, weitgehend unlebendige Figur, die nur bei der Bergüberquerung und in einigen Momenten der Steinhau-Arbeit lebendig wird.
Zudem ist der knappe, jetzt so moderne amerikanische Berichtsstil (1. Person Singular, Präsens, kurze, unreflektierte Sätze à la „Ich schlage das Buch auf, lese. Ich gehe in die Küche, esse, gehe schlafen“ auf die Dauer unerträglich.
Besten Dank an Netgalley und den Verlag für die Bereitstellung des Leseexemplars.

Bewertung vom 30.04.2018
Peacemaker
Jacob, Simon

Peacemaker


ausgezeichnet

Simon Jacob hat mit "Peacemaker" ein großartiges Werk vorgelegt.
Der autobiographische Bericht seiner Tätigkeiten, Erlebnisse und Erfahrungen ist leicht verständlich und angenehm flüssig zu lesen. Jacob bietet Einblicke in die so verworrenen Konflikte, deren Hintergründe und das Versagen arroganter (meine Worte) westlicher Politik. Er nimmt den Leser mit auf die Reise zu seiner persönlichen Entwicklung, bei der der christliche Glaube eine wichtige Rolle spielt. Als gläubige Christin hat mich so schon die Einleitung tief berührt.
Da, wo ich als Leserin oft verzweifelt aufgegeben hätte, hält er durch, hält fest am Glauben, an der HOffnung und Zuversicht auf einen Frieden im Nahen Osten, den wir alle uns so sehr wünschen
Ich habe das Buch als Rezensionsexemplar von Netgalley erhalten, doch hat dies meine Meinung nicht beeinflusst. Ich danke dem Autor und dem zuverlässig sachlichen Herder-Verlag für das Exemplar, das ich jedem Interessierten empfehlen werde.

Bewertung vom 27.04.2018
Vom Lebensplan zum Beziehungsraum
Sejkora, Klaus; Schulze, Henning

Vom Lebensplan zum Beziehungsraum


ausgezeichnet

Den Begriff "Transaktionsanalyse" kannte ich. Doch was genau hat es damit auf sich?
Auf sehr eingängige Weise brachte Klaus Sejkora mir dies näher. Das Buch ist zudem übersichtlich gestaltet und der Text ist so formuliert, dass sich die Kernthesen sofort verankern.
Sehr hilfreich und durchaus einfach umsetzbar sind die Methoden, wie man behindernde "Skripten" überwindet und zu einem selbstbestimmten, autonomen Leben gelangt.
Ich habe das Buch als Ebook über Netgalley zur Verfügung gestellt bekommen und bedanke mich für das Rezensionsexemplar. Es versteht sich von selbst, dass meine Meinung dadurch nicht beeinflusst wurde.

Bewertung vom 04.04.2018
Zen - Erwachen zum Leben
Samy, Ama

Zen - Erwachen zum Leben


ausgezeichnet

Das Buch on Ama Samy hat mich nachhaltig bewegt, bereichert und mir tiefe Einblicke ins ZEN geschenkt.
Besonders wertvoll fand ich dabei, dass und wie über die Spiritualität gesprochen wird. Es ist eben nicht einerlei, ob man Christ und Buddhist ist und alles beliebig miteinander vermischen kann. Auch vor den Gefahren einer in grenzenlose Ich-Übersteigerung und Ich-Fixierung bes. für westliche Zen-Praktizierende wird gewarnt. Das fand ich, neben all den anderen wertvollen Beiträgen, sehr interessant.
Ich danke Netgalley für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

Bewertung vom 04.04.2018
Neue Chance gegen Schmerzen
Kermani, Khalil

Neue Chance gegen Schmerzen


ausgezeichnet

Eigentlich ist der Markt für alles, was mit Faszien zu tun hat. längst überschwemmt. Denkt man, und irrt.
Denn der Autor und Orthopäde Khalil Kermani schafft es, das Thema umfassend, eingehend und leicht verständlich zu schildern. Ich selbst habe viele Symptome erkannt, die er nennt und die Selbstmassage probiert. Was kann ich sagen? Es hilft! Das Wunderbare dabei ist noch nicht nur, dass es hilft, sondern das Kermani die Massage auch noch so einfach beschreibt, dass man es leicht an sich selbst anwenden kann.
Eine Perle.
Vielen Dank an Netgalley für die Bereitstellung des Rezensionsexmplars, wodurch meine Meinung aber nicht beeinflusst wird.

Bewertung vom 11.03.2018
Die Farbe von Milch
Leyshon, Nell

Die Farbe von Milch


ausgezeichnet

"Die Farbe von Milch" ist eines der zutiefst berührenden Bücher, die ich in den vergangenen Jahren gelesen habe. Es gibt ganze fünf Bücher (von ca. 2.000 gelesenen), bei denen ich geweint habe - dies ist eins davon.
Dass und wie Nell Leyshon den Leser derartig in den Bann ziehen kann, ist ein kleines, stilles Meisterwerk.
Gut möglich, dass man auf der ersten Seite stutzt und zweifelt, ob man ein ganzes Buch (ca. 111 Seiten) in dieser fundamental einfachen, wenn nicht gar verkürzten Sprache, die bis auf Punkte und Fragezeichen ohne jegliche Zeichensetzung auskommt, aushalten will. Doch darin liegt das Geheimnis des Buches. Diese einfache Sprache zusammen mit der naiven, ehrlichen, aufrichtigen und schonungslosen Stimme von M.A.R.Y. (er)schaffen eine unverstellte Sicht auf die Geschehnisse und auf das Wesen der Figuren. "So war es, und nicht anders", schreibt sie und man kann nicht anders, als diese Wahrheit tief in sich selbst zu fühlen.
Das Buch spielt im Jahre 1831. Wer zunächst denkt, dass ein Roman über Ausgeliefertsein und Ausweglosigkeit und aus dieser Zeit nichts mit Menschen aus der heutigen Zeit in unserer Kultur zu tun hat, wird eines Besseren belehrt. Auch darin liegt die Große Kunst von Nell Leyshon: Denn spätestens nachdem Tod der Ehefrau des Pastors spürt man die Angst, Verzweiflung und die Kraft Marys so tief in der eigenen Brust, als befände man sich selbst in der Situation. Ja, sie hätte weglaufen und ihr Glück anderswo versuchen können. Doch wer von uns tut dies, heute, wo wir (in vergleichbaren oder ganz anderen Situationen) weit weniger zu befürchten hätten und mehr Hilfe von Organisationen und Institutionen bekämen?
Zudem ist das Buch großartig übersetzt, was bis ins Lesen und Schreibenlernen hineinreicht.
Ein Meisterwerk, das lange nachhallt.

Bewertung vom 26.09.2017
Die 7 Geheimnisse erfolgreicher Schriftsteller
Hohensee, Thomas

Die 7 Geheimnisse erfolgreicher Schriftsteller


ausgezeichnet

Das Buch ist auch für Laien, also Nicht-Schriftsteller, sehr interessant zu lesen, denn durch die Lektüre kann man sich gut in die Lage von den Literatur-Schaffenden hineinversetzen und begreift mehr, mit welchen Problemen und Herausforderungen sie zu kämpfen haben.
Jedes der sieben Kapitel endet z.B. mit einem Interview mit einem Schriftsteller, was mir sehr gut gefallen hat.
Etwas sehr großzügig reiht der Autor Frage an Frage, liefert aber auch viele Antworten. Ein gut zu lesendens Buch, gewiss auch für Autoren.
Ich bedanke mich beim Verlag für die Bereitstellung des Exemplars.

Bewertung vom 15.09.2017
Bonhoeffer
Prinz, Alois

Bonhoeffer


ausgezeichnet

Von D. Bonhoeffer kannte ich vor allem seine tiefsinnigen, ergreifenden Gebete und Texte. Über sein Leben hingegen wusste ich bislang nicht viel. Das hat sich Dank der großartigen Biographie von Alois Prinz geändert. Sehr detailliert und überzeugend lässt er das Leben und Wirken des großen Theologen auferstehen. Sein flüssiger und anschaulicher Stil tun sein Übriges dazu, dass dieses Biographie auch für Leser, die eher selten zu Biographischem greifen, ein voller Genuss mit nachhallendem Gewinn wird.
Ich danke dem Verlag sehr herzlich für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars über Netgalley.

Bewertung vom 15.09.2017
Ziemlich beste Mütter
Simon, Hanna

Ziemlich beste Mütter


ausgezeichnet

Auch wenn man Titel allmählich nicht mehr hören kann, die mit "Ziemlich beste ..." beginnen, so sollte man sich doch diesen Roman, der auf "Mütter" endet nicht entgehen lassen.
Der Roman bietet, wie im Klappentext beschrieben, ein in der Tat hohes Identifikationspotenzial.
Mit viel Schwung und Esprit lässt einen die Autorin alle Emotionen miterleben. Sehr treffend beschreibt sie dabei die Situation von Übermüttern, alleinerziehenden Müttern, modernen Mütter, die alles außer Männer können und immer an den Falschen geraten und für die der Spielplatz durchaus zum Mienenfeld werden kann.
Humorvolle, kurzweilige Lektüre, die in Berlin spielt.
Besten Dank an den Verlag und Netgalley für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 15.09.2017
Die schöne Prophetin
Shott, James R.

Die schöne Prophetin


ausgezeichnet

In diesem Roman entwirft James R Shott ein greifbares Bild der Jahre Davids von dem Zeitpunkt an, als er Abigail kennenlernt bis zu seiner Krönung.
Der Roman überzeugt durch die Sprache, die "Farben" und die gut recherchierte und den sehr glaubhaft gestalteten Inhalt nach der biblischen Vorlage.