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zu den Top-Rezensenten

Benutzername: annamichalea
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Bewertungen

Insgesamt 70 Bewertungen
Bewertung vom 21.09.2021
Muttl auf Reisen
Bauer, Irmgard Rosina

Muttl auf Reisen


sehr gut

Selbst ist die Frau, auch als Muttl
Das Buch kam sehr schnell bei mir an. Mit persönlicher Widmung und einer Tüte Gummibärchen. Also Selbstverlag pur.
Ein wenig wie ein zu grosser Auftritt erscheint es einem, wenn man die Ankündigung in der Kurzzusammenfassung liest:

Mama ist unterwegs …
-in der Hippie-Szene in Andalusien,
-als Backpackerin auf Bali,
-auf Ahnenbesuch in Siebenbürgen,
-in der Türkei auf eigenen Wegen
und in Südfrankreich, muss aber zurück, weil einer ihrer Söhne schwer erkrankt

und dann das schmale Bändchen in den Händen hält. Dazu noch ein relativ grosser Schrifttyp. Aber nun ran das Buch
Zuerst fiel mir auf, dass die Autorin auch in den sozialen Medien sehr aktiv ist. Instagram, Facebook, Twitter und You Tube. Also grosser Auftritt?
Was ich schlussendlich vorfinde ist ein amüsantes Leseerlebnis, schon nicht die 0 8 15 Welt der sich abnabelden Mütter, aber Geschichten einer starken Frau, die umsetzt was sie sich vornimmt und diese Spuren findet man auch in den Erzählungen über ihre erwachsenen Kinder wieder. Dazu bezieht sie oft den Leser mit ein, entweder durch kurze Ansprache, Ich bin Rosi... oder die direkte Aufforderung eigene Erfahrungen mit ihr über ihre Kanäle zu teilen.

Die letzen Seiten sind noch Infos über weitere Bücher, verkleinern also noch den Leseteil. Ich gebe aber insgesamt 4 Sterne, Frau Bauer hat etwas angepackt und selbst umgesetzt.

Bewertung vom 20.09.2021
Der schwarze Winter
Lindemann, Clara

Der schwarze Winter


ausgezeichnet

Gelungene Komposition von Geschichte (histor.) und Geschichte (erzählt)
Auf den ersten Blick machte das Cover einen zusammengestückelten Eindruck. Am unteren Rand die Kulisse der durch Bomben zerstörten Stadt Hamburg, das obere Drittel dominiert von ein paar für den Winter ungeeigneten Schuhe mit dem Teil einer Wolldecke mit Fransen, perspektivisch und Grössenmässig gar nicht zusammenpassend. Seltsamerweise störte diese Diskrepanz gar nicht mehr; als ich es länger anschaute blieb nur der Eindruck von kalten Füssen, ungenügender Winterkleidung und kein Unterschlupf. Ein toll komponiertes Bild.
Der Roman an sich bietet einen gut recherchierten Überblick über den Überlebenskampf nach dem Weltkrieg, vor allem die Problematik die besonders in den Städten auftrat. Die Versorgung mit Lebensmitteln war schwieriger, Unterkünfte waren kaum noch vorhanden und die Kriminalität blieb hoch. Zum einen war die Hemmschwelle sich einfach was mit Gewalt zu nehmen durch die Kriegsgeschehnisse niedriger, zum anderen die Nachkriegsnot besonders gross.
Es gelingt Clara Lindemann auf eine ansprechende Art und Weise die zumindest meiner Generation durch Literatur und Geschichtsunterricht bekannten Lebensumstände in der Nachkriegszeit mit einer Romangeschichte zu verbinden ohne auch die Problematiken, wie Alt-Nazis haben weiterhin oft die Macht oder Frauen gehören wieder in die zweite Reihe zu verniedlichen.

Bewertung vom 17.09.2021
Hey, ich bin der kleine Tod ... aber du kannst auch Frida zu mir sagen
Gröger, Anne

Hey, ich bin der kleine Tod ... aber du kannst auch Frida zu mir sagen


ausgezeichnet

Sehr gut gemacht, kommt hier extrem auf die Zielgruppe an
Die für mich wichtigste Frage zu diesem Buch blieb unbeantwortet. Wer gibt seinem Kind so ein Buch zu lesen? Präventiv als Literatur um sich mit dem Thema Tod zu beschäftigen? Da gehört schon Mut dazu. Aus konkretem Anlass, zum Beispiel dem nahenden Tod eines Verwandten? Da gibt es sicher Bücher, die das besser ansprechen, wenn die Person schon älter ist.
Das Buch aus der Distanz gelesen, ich bin gerade nicht mit dem möglichen Tod einer nahen Person konfrontiert und habe keine kleinen Kinder, ist einfach ein tolles Leseerlebnis.
Ein gutes Konzept zum Thema, dass auch Kinder sterben können, und der Tod wird hier als Person dargestellt, mit Ecken und Kanten wie man so sagt.
Es gibt fiktiv sogar den kleinen Tod, eine Azubine, die auch noch lernen muss, was der Tod sein bedeutet und was Leben ist. Hier wird geschmunzelt, es werden Streiche ausgeheckt und es gibt keine Tabus.
Ein Schmankerl, dass der kleine Tod Frida heisst, vielleicht erkennt der eine oder andere den Bezug zu Frida Kahlo.
Ein NoGo ist eigentlich die Bezeichnung der kleine Tod. Ich hatte diesen Begriff immer als problematisch im Hinterkopf, konnte damit aber nichts direkt verbinden. Bis ein Besucher das Buch sah und anmerkte, dass das ja ein Begriff für einen Orgasmus sei. Ok, Kinder kennen den vermutlich nicht, aber dieses Buch wird eher von Erwachsenen für Kinder gekauft.
Zur Zielgruppe: Es braucht schon einen konkreten Anlass um so ein Buch einem Kind zu lesen zu geben, eher es mit ihm zu lesen. Die Qualität für die , ich nenne es mal spezifische Anwendung, kann nur von Fachleuten beurteilt werden.
Aus der emotionalen Distanz heraus finde ich es absolut gelungen und kindgerecht.

Bewertung vom 15.09.2021
Die Rückkehr der Zwerge 1 / Die Zwerge Bd.6
Heitz, Markus

Die Rückkehr der Zwerge 1 / Die Zwerge Bd.6


ausgezeichnet

Ein episches Zuhause
Endlich wieder ein neues Buch von Markus Heitz in den Händen. Da wurde gleich mit dem Lesen begonnen, egal was sonst noch anstand.
Leider kein Hardcover, denn erstens wird es sicher ein Buch, das nie weggegeben wird und Hardcover sehen halt schöner aus, und zweitens warten schon viele Mitleser darauf, dass ich damit durch bin und Taschenbücher zeigen eher Gebrauchsspuren.
Als Fan von Markus Heitz versuchte ich darauf zu achten, ob das Buch auch für Menschen lesbar ist, denen die Welt der Zwerge, Elben, Orks und so weiter unbekannt ist, aber das Unterfangen habe ich gleich wieder aufgegeben, man steigt hier gleich in das Geschehen um den Zwerg Goïmron ein und alles andere wird unwichtig.
Wer als Neueinsteiger sich mit dem Buch anfreundet muss wissen, dass er dann nicht anders kann, als die anderen Bücher von Markus Heitz auch zu lesen.

Bewertung vom 14.09.2021
Das Schwarze Lied / Rabenklinge Bd.2
Ryan, Anthony

Das Schwarze Lied / Rabenklinge Bd.2


ausgezeichnet

Bereicherung für Fans der Fantasywelt von Anthony Ryan
Nach einem Jahr endlich ein neuer Band von Anthony Ryan auf Deutsch.
Als der Band Das Lied des Wolfes – Rabenklinge erschien freute ich mich noch auf mindestens eine Trilogie und musste nun mit Bedauern feststellen, dass es bei zwei Bänden bleibt.
Zumindest das Cover ist optisch schon mal folgerichtig, auch wenn es manchmal langweilig scheint immer die gleiche Stilrichtung auf den Buchdeckeln zu finden, so sind die Bücher von Ryan doch absolute Behaltebücher die auch optisch im Regal was hermachen.
Inhaltlich geht es in gewohnter Ryanmanier weiter wie bisher. Wenn man die Welt um Vaelin al Sorna nicht kennt, also bisher keines der Bücher aus Rabenschatten oder den Vorgänger Das Lied des Wolfes gelesen hat, dann fällt es sicher sehr schwer in das Geschehen hineinzukommen. Es gibt zwar eine Glossar am Ende des Buches, da werden die Personen vorgestellt, aber auch da braucht es Vorkenntnisse die zu Verstehen.
Unbedingt zumindest Rabenklinge 1 lesen, besser noch auch die Rabenschatten Bücher. Wenn man diesen langsamen Einstieg in die Fantasywelt von Anthony Ryan wählt, dann wächst man auch in die Schlachtenbeschreibungen hinein, die ich isoliert von der Geschichte und ohne Hintergrundwissen über die wirklichen Charaktere der Beteiligten als zu blutrünstig wahrnehmen würde.

Bewertung vom 20.08.2021
Wo das Licht herkommt
Skorpil, Clementine

Wo das Licht herkommt


ausgezeichnet

Edles Cover trifft auf ungewöhnlichen Schreibstil
Ein sehr schöner Start, das Buch in die Hand zu nehmen. Ein edles Design auf dem Cover, der Name der Autorin passend zum asiatisch anmutenden Coverbild in Längsschrift dargestellt. Die Leinenbuchdeckel, wie man sie früher öfter bei Hardcovern fand werden hier optisch nachempfunden. Ebenso edel ist das Papier, aus dem Innenseite der Cover und das erste und letzte leere Blatt des Buches bestehen. Dazu noch echte Reliefstruktur. So edel das Outfit, da hätte mein doch gleich ein echtes Leinencover machen können.
Auf alle Fälle schon mal ein hochwertiges Buch hinsichtlich der Machart.
Der Inhalt indessen hat mich sehr erstaunt. Nicht die Geschichte, die erzählt wird, sondern die Art zu Schreiben, zu Erzählen.
Gleich zu Beginn fühlt man sich in das Geschehen hineingeworfen. Man findet nicht gleich in die Geschichte hinein, der Anfang entwickelt sich erst.

Auch findet man gefühlte Sprünge in der Sprache, über die man stolpert. So heisst es zum Beispiel: " Was ändert es die Wesenheit des Seienden " und wenige Zeilen weiter: " Wir hatten einen im Dorf, der hat den Mäusen bei lebendigem Leib das Fell abgezogen "

Worte wie alldorten, Bezeichnungen wie Mentsch und Sätze die eher gestammelten Kurzinfos gleichen.

Mit dem Lesen entwickelt sich auch langsam ein Gefühl für die Sprache, eher den Sprachrhythmus, der Autorin. Ich muss aber sagen ich empfinde es als sehr anstrengend und bin mir nicht sicher, ob es das ist, was der Leser bei diesem Thema und dem edlen Cover erwartet.

Bewertung vom 20.08.2021
Der Sohn des Odysseus
Thor, Annika

Der Sohn des Odysseus


ausgezeichnet

Eine Bereicherung der Sagen-Bücher
Wenn man das Buch in die Hand nimmt, wirkt es schon einmal sehr hochwertig. Die Farbgestaltung, die feine Zeichnung in edler Farbkombination und auch das illustrierte Cover, hier kann kein Schutzumschlag verrutschen.
Eines meiner ersten Bücher als Kind in dem hier angesprochenen Lesealter war ebenfalls ein Buch über griechische Sagen, Odysseus beeindruckte mich sehr. Daher habe mich sehr über ein aktualisiertes Aufleben des Themas gefreut.
Sehr spannend finde ich hier, wie es gelingt die traditionelle griechische Sage nicht zu Verändern, sie wird auch nicht in Frage gestellt. Eher in einen kritischen Kontext gebracht. So spielt es eine große Rolle, wie der Krieg den Menschen verändert und was die Tradition mit den eigenen Entscheidungen macht.
Die Geschichten sind in einer für das Lesealter sehr geeigneten Länge und die Zeichnungen sind ein absolutes Highlight. Hier wird die griechische Tradition fortgeführt, aber auf eine geniale Art und Weise aktualisiert. So erzählt auch hier zum Beispiel die Bemalung einer Vase eine Geschichte, aber in einem sehr modernen Stil.
Ich kann mir dieses Buch sehr gut als angemessenes Weihnachtsgeschenk für Kinder vorstellen, da stehen sicher Schenkende und Beschenkte auf der sicheren Seite, dass es gut ankommt.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 20.08.2021
Shuggie Bain
Stuart, Douglas

Shuggie Bain


sehr gut

Geht ans Eingemachte!
Dem Cover stehe ich nach wie vor kritisch gegenüber. Ob gewollt oder nicht, hat es einen anrüchigen Beigeschmack. Da hätte man sich lieber an dem Originalcover der englischsprachigen Ausgabe orientieren sollen. Daher ziehe ich einen Stern ab, aber tatsächlich nur für das Cover.

Das Buch an sich entschädigt mich sofort für den Zwiespalt. Eine kraftvolle Sprache, die obwohl auch mit Kraftausdrücken bestückt nicht vulgär wirkt.
Gerne hätte ich fliessend weitergelesen, aber ich stolperte über den Begriff Glaswegerinnen. Schnell gegoogelt und öfter als mir lieb war gefunden. Scheint aber nur ein üblicher Schreibfehler für Glasgowerinnen zu sein. Sollte heutzutage nicht mehr vorkommen in einem Buch, dank der Digitalisierung erkennen Programme die Fehler.
Vielleicht habe ich mich auch über den Schreibfehler zu sehr echauffiert, weil das Buch tatsächlich sehr harte Kost ist. Gerade weil man jedes Wort, jedes Gefühl, jede dem Leser meist unbekannte Situation nachempfinden und glauben kann, dass es so etwas gibt und Menschen das aushalten müssen so zu leben und anderen beim Untergang zuzusehen.Tagtäglicher Alltag. Von außen ist es leicht über die Menschen, die wie Schuggie Bain leben zu urteilen, mit dem Buch versteht man einiges mehr.

Bewertung vom 20.08.2021
Ich hatte nicht immer, was ich wollte, aber alles, was ich brauchte
Lindeblad, Björn Natthiko;Bankler, Caroline;Modiri, Navid

Ich hatte nicht immer, was ich wollte, aber alles, was ich brauchte


ausgezeichnet

Mehr als eine Biografie, ein Buch, das ein Freund des Lesers werden soll
Zu diesem Buch hingezogen hat mich ganz besonders das Cover. Auf drei Farben reduziert vermittelt es so schon eine Botschaft. Orange steht im Buddhismus für die höchste Stufe der menschlichen Erleuchtung. Weiß symbolisiert einerseits die Reinheit der Lehre, kann aber auch als Zugeständnis für die Unwissenheit des Menschen verwendet werden.
Der als Silouhette dargestellt Mönch ist erkennbar auf einer Wanderung.
Dieses Bild passt schon haargenau zu der Kurzbiografie Björn Lindeblads auf dem Covertext, wo die radikalen Umbrüche in seinem Leben beschrieben werden. Wirtschaftskarriere, buddhistischer Mönch, von Depressionen geplagter Rückkehrer, der wieder zum inneren Frieden findet, einer schweren unheilbaren progressiven Erkrankung trotzend.

Am meisten hat mich das Nachwort des Autors berührt, der sich darin explizit nicht als den Autoren des Buches bezeichnet und das Buch als Freund anpreist, den man immer brauchen kann in guter und in schlechter Zeit.

Bewertung vom 29.07.2021
Der Panzer des Hummers
Minor, Caroline Albertine

Der Panzer des Hummers


ausgezeichnet

Unerwartete Direktheit
Normalerweise ändert sich bei mir ein Titel zwischen dem Verfassen eines Leseeindrucks und der Rezension. Hier bleibt es dabei, mit dem Buch hat sich an dieser Einschätzung nicht viel geändert.
Das Cover hat für mich keinen Bezug zum Romaninhalt. Dazu ist es viel zu künstlerisch gestaltet, eher wie ein Bild in einer Ausstellung.
Der Titel, Der Panzer des Hummers, sollte wohl symbolisch auf das Abstreifen alter beengender Konventionen oder Rollen innerhalb der Familienstruktur anspielen, halte ich aber für verfehlt, beim Hummer wächst ja unter der abzustreifenden Schale gleich eine neue heran.
Der Beginn schockiert mich auch beim zweiten Lesen. Die Vorstellung jemand stochert mit Essstäbchen in den eigenen Fäkalien wird nicht besser.
Derbe Sprache soll wohl ein Synonym für den Ausbruch aus der Normrolle darstellen, das macht es aber nicht besser wenn jemand eine Teekanne pissende Erbeere nennt.
Neben den eher störenden Nordischen Eigennamen von Personen oder Orten, die den Lesefluss immer wieder stoppen, empfinde ich manche Sätze eher als aneinandergereihte Informationen, ein Sprachrhythmus oder Spannungsbogen fehlt.
Da es vielleicht einfach auch nicht mein Typ Lesefutter ist gebe ich dennoch 4 Sterne. Das Potential des Buches ist an mich vergeudet.