Benutzer
zu den Top-Rezensenten

Benutzername: Lesendes Federvieh
Wohnort: München
Über mich: Hinter dem Namen Lesendes Federvieh verbirgt sich das Blogger-Duo kathiduck und Zwerghuhn. Wir lesen querbeet alles, was uns zwischen die Finger kommt und veröffentlichen die Rezensionen dazu auf unserem Blog. Dort gibt es übrigens noch viele weitere Beiträge rund ums Thema Buch. :)
Danksagungen: 7 (erhaltene)


Bewertungen

Insgesamt 224 Bewertungen
Bewertung vom 08.10.2019
Spiel des Schicksals / Das Brauhaus an der Isar Bd.1
Freidank, Julia

Spiel des Schicksals / Das Brauhaus an der Isar Bd.1


ausgezeichnet

Bayern, 1897: Nach dem Tod ihres Vaters verlässt Antonia Pacher ihr Dorf, um in München neu anzufangen. Nachdem sie in Schwabing mit der schillernden Welt der Künstler in Berührung kommt, findet sie bei der Brauerei Bruckner eine Stelle. Ein nicht ganz einfacher Weg beginnt, doch Antonia ist stark und ehrgeizig. Das sehen nicht alle gern, zumal es zwischen ihr und Melchior dem ältesten Sohn des Hauses, ordentlich knistert...

Julia Freidank ist mit dem ersten Teil ihrer Münchner Brauereisaga ein absolut lesenswerter Schmöker gelungen. Über 400 Seiten Liebe, Intrigen, Spannung und Historie lassen die Lesezeit wie im Fluge vergehen.

Die Autorin lässt die Atmosphäre Münchens zum Ende des 19. Jahrhunderts lebendig werden, gewürzt mit deftigen bayerischen Ausdrücken und Dialogen zum Schmunzeln. Man spürt einfach Bayern, die Eigenheiten, die bayerische Gemütlichkeit und nicht zu vergessen, das so typische Granteln. Vor dieser authentischen Kulisse spinnt sie ihre unterhaltsame Geschichte flott und mitreißend um die Münchner Brauerei Bruckner.

Die Handlung ist vielschichtig, wie man es von einem kurzweiligen Familienroman erwartet. Es gibt viele Wendungen, die bei mir nie auch nur den Hauch von Langeweile aufkommen ließen. Die Beschreibungen dieser Zeit und des Brauereiwesens sind der Autorin sehr gut gelungen. Man erfährt auch ganz nebenbei viel über politische Strömungen und das Leben der Bevölkerung zu dieser Zeit oder eben wie schwer es Frauen in der Gesellschaft hatten, auch starke wie Antonia Pacher und Franziska Bruckner.

Bis ins kleinste Detail sind auch die Charaktere hervorragend ausgearbeitet. Besonders der intrigante Brauereibesitzer Hopf und der Hopfenlieferant Salzmeier mit all seiner Verschlagenheit und Bauernschläue sind hier nur exemplarisch für die genialen Protagonisten genannt.

Es hat mir großen Spaß gemacht die Geschichte von Antonia, Melchior und all den anderen zu lesen, ich freue mich schon riesig auf die Fortsetzung.

Fazit: Ein Prosit auf dieses turbulente Brauhaus an der Isar!

Bewertung vom 08.10.2019
Leben wird aus Mut gemacht
Landsteiner, Anika

Leben wird aus Mut gemacht


ausgezeichnet

Durch die Freundschaft mit der 84-jährigen Emma, die ihr ihre turbulente Lebensgeschichte erzählt, wagt es Anika Landsteiner sieben Wünsche in die Tat umzusetzen, für die ihr bisher der Mut gefehlt haben. Dabei nimmt sie den Leser mit zu diesem ganz besonderen Abenteuer.

"Leben wird aus Mut gemacht" ist mittlerweile das dritte Buch von Anika Landsteiner, das ich gelesen habe und ich bin wieder total begeistert. Von dieser mutigen Autorin, die Dinge anpackt und den Leser mit ihren klugen Überlegungen zum Nachdenken anregt. Schonungslos offen lässt sie den Leser in sieben Abenteuern an ihrem Leben und ihren Gedanken teilhaben, dazu gehört eine große Portion Courage, die ich toll finde.

Dabei schafft sie es mit Leichtigkeit durch ihren klaren, präzisen und prägnanten Schreibstil alles genau auf den Punkt zu bringen. Man beginnt automatisch nachzuforschen und zu prüfen: "Wie ist das denn bei mir? Habe ich vielleicht nicht doch auch Ängste, die ich beiseitegeschoben habe?." Im einen oder anderen Kapitel habe ich da durchaus Übereinstimmungen gefunden.

Sehr gut gefallen hat mir auch der Wechsel immer mal wieder in Emmas Lebensgeschichte, das Nachfragen von Anika Landsteiner wie es denn bei Emma war, um deren Antworten in ihre Argumente und ihre Sichtweise einzubeziehen. Wobei ich mich durchaus ebenso angesprochen fühlte, sozusagen als dritte stille Informationsquelle. Die Antworten, die ich mir selbst gegeben habe, waren für mich total interessant. Das Nachdenken hat mir sehr gut getan, denn wann hinterfragt man denn schon persönliche Dinge.

Es ist ein Buch, das man nicht einfach "so dahin liest", nein man wird automatisch dazu gebracht sich über sich selbst Gedanken zu machen und zwar auf so angenehme Weise, dass es richtig Spaß macht im eigenen Ich zu graben. Für mich ergibt sich daraus ganz klar "Niemals stehen bleiben, sondern anpacken".

Fazit: Mutig, klug, einfach lesenswert!

Bewertung vom 05.10.2019
Lu / Läufer-Reihe Bd.4
Reynolds, Jason

Lu / Läufer-Reihe Bd.4


sehr gut

Lu ist eigentlich schwarz und doch weiß, denn er ist Albino. In der Schule wird er deshalb von seinem Sitznachbar gehänselt, doch seine Laufmannschaft unterstützt ihn. Dort ist er einer von ihnen und längst einer der Selbstbewusstesten, sogar über die Aschenbahn hinaus. Er trägt fancy Klamotten, die Goldketten seines Vaters und hat stets einen coolen Spruch parat. Dennoch bleibt ihm die Sprache weg, als er erfährt, dass er eine kleine Schwester bekommt und noch dazu ihren Namen aussuchen darf. Das Leben ist kein Zuckerschlecken, das weiß Lu von seinem Vater nur zu genau. Einst war dieser Drogendealer, doch mittlerweile arbeitet er seit Jahren in der Prävention, um seine Fehler von damals wiedergutzumachen, besonders den einen.

Seit ich mit "Ghost" die Läufer-Reihe durch Zufall für mich entdeckt habe, freue ich mich mit jedem neuen Band darauf zur Läuferfamilie zurückzukehren. "Lu – Wir sind Familie" ist nun allerdings der finale Teil, der die Geschichte um die Laufgruppe unter "dem Trainer" perfekt abrundet.

Zugegebenermaßen sieht Lus Geschichte verglichen mit dem vorherigen Band allerdings etwas blass aus. Sunny war laut, impulsiv und sprühte nur so vor Energie und sympathischer Verrücktheit. Deshalb hat es ein wenig länger gedauert bis ich mit Lu warm geworden bin. Nach außen hin ist er nämlich der coole Typ, dem niemand etwas anhaben kann. Je mehr man allerdings seine Gedankengänge verfolgt und ihn im Umgang mit seiner Familie begleitet, desto deutlicher wird, dass ihm die Coolness als Schutzpanzer dient.

Die Kinder des Laufteams haben es allesamt nicht leicht: Ghost, der eigentlich Castle heißt, musste mit seiner Mutter vor dem gewalttätigen Vater fliehen. Patina kümmert sich um ihre kleine Schwester, weil ihre Mutter aufgrund einer Krankheit beide Beine verloren hat. Sunny wurde von seinem Vater unter Druck gesetzt den Traum seiner verstorbenen Mutter zu verwirklichen. Lu sollte eigentlich schwarze Haut haben und doch ist sie weiß. Aufgrund seines Albinismus muss er in der Schule einige fiese Sprüche über sich ergehen lassen. Trotz oder vielleicht gerade wegen ihrer jeweiligen Schicksale sind sie ein Team und vor allem eine Familie.

Nach außen hin wirkt Lu wie der Coole, der Boss, der Checker, der Eine, der Einzigartige. Wie sein persönliches Mantra sagt er sich diese Worte immer wieder auf. Vor lauter cool sein müssen merkt er allerdings gar nicht, wie toll er tatsächlich ist. Wie liebevoll er mit seiner Familie umgeht, wie sehr er für seine Freunde und das Team da ist, wie wenig es vor dem Neid der anderen Angst haben muss.

Besonders berührend fand ich die Stellen, in welchen Lu und sein Vater die Rollen tauschen. Lu wollte immer so cool und angesehen sein wie sein Vater, der einstige Drogendealer, der seit Jahren erfolgreich in der Prävention arbeitet. Auf diesem Weg kann er seine Fehler von damals wiedergutmachen. Was ihn jedoch immer noch quält, ist ein verhängnisvoller Deal von damals. Genau an dieser Stelle kommt Lu ins Spiel, der seinem Vater auf eindrucksvolle Weise klarmacht, dass es nie zu spät ist sich zu entschuldigen.

Bei all der Weisheit in und zwischen den Zeilen vergisst man während des Lesens häufig, wie jung die Protagonisten noch sind, was ihre Geschichten umso beeindruckender macht. Deshalb ist die Läufer-Reihe in meinen Augen nicht nur für Heranwachsende, sondern auch für Erwachsene gut geeignet.

Ist Lus Geschichte in meinen Augen geringfügig schwächer als die vorherigen Bände, so ist die Geste am Ende jedoch herzerwärmend großartig. Denn wahre Freundschaft bedeutet Familie.

Mit "Lu – Wir sind Familie" endet eine großartige Reihe rund um vier junge Menschen, die abseits ihrer jeweiligen schweren Schicksale in ihrem Laufteam ihre Familie finden.

Bewertung vom 05.10.2019
Das Spiel der Mächtigen
Archer, Jeffrey

Das Spiel der Mächtigen


sehr gut

Lubji Hoch und Keith Townsend könnten unterschiedlicher nicht sein. Der eine ist der Sohn osteuropäischer Juden, musste schon früh lernen ums Überleben zu kämpfen und beginnt im Nachkriegs-Berlin mit dem Aufbau einer Zeitung. Der andere ist Australier, Sohn eines Zeitungsbesitzers in Melbourne und steigt nach dem Tod seines Vaters zum bedeutendsten Verleger Australiens auf. Doch beide Männer haben eins gemeinsam: Den Wunsch, das größte Medienimperium der Welt zu besitzen. Deshalb ist es nur eine Frage der Zeit, bis sich die Leben der beiden im Kampf um Einfluss und Macht überschneiden werden. Aber nur einer wird es überleben.

Seit "Kain und Abel" bin ich ein glühender Jeffrey Archer Fan, weshalb "Das Spiel der Mächtigen" auf meiner Want-to-Read Liste natürlich ganz oben stand. Manch einem wird das Buch unter dem Titel "Imperium" schon geläufig sein, ich kannte die Geschichte allerdings noch nicht und war deshalb sehr neugierig auf den Inhalt.

Jeffrey Archer ist für mich ein Meister des epischen Erzählens. Seine exzentrischen Charaktere sind bis ins kleinste Detail perfekt ausgearbeitet, ihre Lebensgeschichte entfaltet sich mit beinahe sogartiger Wirkung. Deshalb fällt es mir jedes Mal schwer auch nach knapp 900 Seiten die angenehme erzählerische Umarmung Archers zu verlassen.

Zugegebenermaßen waren mir allerdings noch nie zwei Protagonisten so unglaublich unsympathisch wie Lubji Hoch und Keith Townsend. Archers Hauptcharaktere sind stets speziell, eigensinnig und hauptsächlich an der Vergrößerung ihres Profits interessiert, aber dennoch schließt man sie ins Herz und fiebert mit ihnen mit. Denn sie haben ihre liebenswerten Schwächen, sie wirken trotz ihrer Erfolge und eher zwielichtigen Handlungen menschlich.

Hoch und Townsend hingegen sind derart rücksichtslos und egoistisch, sodass ich ihren Werdegang mit zunehmender Abscheu verfolgt habe. Ehrlichkeit und Nächstenliebe scheinen den beiden zwei Fremdwörter zu sein, schamlos und ohne das Anzeichen eines schlechten Gewissens nutzen sie ihre Freunde und die Menschen, die ihnen vertrauen, aus. Ich habe immer wieder gehofft, dass doch noch ein wenig Humanitäres in ihnen steckt, allerdings ließ die nächste erbarmungslose Aktion meistens nicht lange auf sich warten.

Faszinierenderweise habe ich "Das Spiel der Mächtigen" trotz der unsympathischen Protagonisten sehr gerne gelesen und freue mich schon auf weitere mitreißende Romane aus der Feder von Jeffrey Archer.

Bewertung vom 05.10.2019
Total verschossen - immer Ärger mit dem Liebesgott
Mostyn, Nicola

Total verschossen - immer Ärger mit dem Liebesgott


sehr gut

Frida ist eine aufstrebende junge Scheidungsanwältin, die ihren Traum einer erfolgreichen eigenen Kanzlei Wirklichkeit hat werden lassen. Traurige, verzweifelte Ehefrauen geben sich in ihrem Büro genauso die Klinke wie wütende Ehemänner, somit ist Frida nicht so leicht aus der Bahn zu werfen. Dennoch steht eines Tages ein attraktiver Mann namens Dan in ihrem Büro, der augenscheinlich wirres Zeug redet, indem er behauptet er sei das Orakel von Delphi und sie wäre dazu auserkoren die Welt zu retten. Sie lässt ihn von ihrem SIcherheitspersonal vor die Tür setzen, doch nachdem sich einige bedrohlich mysteriöse Ereignisse aneinanderreihen, muss sie sich eingestehen, dass Dan die Wahrheit gesagt hat. Die griechische Mythologie ist genauso wahr wie die Bedrohung durch Anteros, den diabolischen Bruder von Eros, dem Gott der Liebe. Frida ist der Prophezeiung nach die Einzige, die seinen perfiden Plan vereiteln und die Welt der Sterblichen sowie die Liebe retten kann.

Sobald ich griechische Mythologie in Kombination mit moderne Adaption entdecke, ist meine Neugier geweckt. Deshalb ist es kaum verwunderlich, dass auch dieses hübsche Buch mit dem amüsanten Titel auf meiner Leseliste gelandet ist.

Der angenehm lockere, teils flapsig überzogene Schreibstil gibt von den ersten Seiten an einen guten Einblick in die Gedankenwelt der Protagonistin Frida. Sie ist jung, ehrgeizig und erfolgreich – was sie auch sehr genau weiß. Frida ist eindeutig nicht auf den Mund gefallen, liebt ihre Designerwohnung sowie -kleidung und versteht sich selbst als Kämpferin für die von der Liebe Hintergangenen. Sie ist ein intelligenter Mensch mit einem Hang zur Dramaqueen, was für den besonderen Esprit der Geschichte sorgt.

Ihre Weltanschauung wird förmlich aus den Angeln gehoben, als Dan unangekündigt in ihr Büro platzt, um ihr zu eröffnen der Olymp sowie die Götter existieren, er sei das Orakel von Delphi und sie dazu bestimmt die Welt vor Anteros zu retten. Soweit die Ausgangssituation. Was danach passiert, ist einerseits spannend zu verfolgen, andererseits aber auch sehr lehrreich.

Kurze Anekdoten aus der griechischen Mythologie werden geschickt in die Geschichte eingeflochten oder gar damit verschmolzen, was ich besonders ansprechend fand. Medusa taucht beispielsweise in Gestalt der Empfangsdame auf und der dreiköpfige Höllenhund Kerberos ist Teil einer Prüfung.

Getragen wird die Geschichte von Fridas einmaligem Charakter. Stellenweise ist dieser zwar etwas anstrengend, aber durch ihren Eigensinn und ihre Kämpfernatur passt er wiederum perfekt in die Handlung. Sie hat immer wieder einen überraschend genialen Spruch auf Lager, der nicht nur Dan, sondern auch mich als Leserin regelmäßig zum Lachen brachte.

Wer eine amüsante Geschichte über die griechische Mythologie eingebettet in die heutige Zeit im Stile von Sophie Kinsella lesen möchte, der hat mit "Total verschossen – Immer Ärger mit dem Liebesgott" genau die richtige Lektüre gefunden. Spritzige Dialoge einer dominierenden weiblichen Heldin sind ebenso vorhanden wie actionreiche Szenen mit Gänsehautpotenzial.

Bewertung vom 23.09.2019
Wolf
Brunntaler, Marie

Wolf


ausgezeichnet

1820, Schrötten, ein düsteres Dorf im Südschwarzwald. Dorthin kommt Gabriel, ein junger Fremder, um als Knecht auf dem Hof der Familie Steinhauer zu arbeiten. Die Dorfbewohner sind nicht nur von seiner Schönheit und Ausstrahlung fasziniert, sondern auch von seinem naturheilkundlichen Wissen. Als er der jungen Bauerstocher Marie Steinhauer dadurch das Leben rettet, gewinnt er an Achtung. Doch als sich die Bäuerin Steinhauer in ihn verliebt, überschlagen sich die Ereignisse. Wer ist Gabriel, wo kommt er her und warum gerade nach Schrötten?

"Wolf" ist ein faszinierende Buch, das mich von der ersten Seite an in seinen Bann zog. Die Autorin nimmt die Leser mit in das kleine, dunkle Dorf im Schwarzwald, wo die Bewohner ein beschwerliches Leben voller Entbehrungen führen. Sie beschreibt auf beeindruckende Weise die Enge des Dorflebens und die Feigheit und Duckmäuserei der Bewohner. Auf der anderen Seite gibt sie auch Einblicke in das auch nicht immer einfache Leben im Kloster.

Alle Charaktere sind bis ins kleinste Detail skizziert und wirken somit absolut lebendig, auch die Situation und Lebensbedingungen im Dorf und im Kloster sind bildhaft und ausführlich beschrieben.

Vor diesem Hintergrund erzählt sie in einem angenehmen, klaren und mitreißenden Schreibstil die absolut fesselnde Geschichte über Macht, Liebe und Rache. Die Handlung, die sie um ihre strahlende Hauptfigur Gabriel webt, ist spannender als so mancher Krimi und ein wahrer Lesegenuss.

Fazit: Genial gestrickter, spannender Heimatroman

Bewertung vom 23.09.2019
Zu Staub
Harper, Jane

Zu Staub


gut

Mitten in der endlosen Weite des australischen Outbacks leben die drei Brüder Nathan, Cam und Bub auf riesigen Farmen. Der entbehrungs- und arbeitsreiche Alltag bestimmt ihr Leben. Doch eines Tages geschieht das Unfassbare, Cam wird tot am Stockman-Grab gefunden, das einsam im Nichts steht. Was hat den erfahrenen Cam veranlasst dort ohne Auto und Wasser zu Fuß hinzugehen? Ist ihm die Einsamkeit und Isolation im heißen Herz Australiens auf die Seele geschlagen? Oder ist er einem Verbrechen zum Opfer gefallen?

Jane Harper entführt ihre Leser mit ihrem neuen Thriller "Zu Staub" ins australische Outback. Dabei schafft sie es hervorragend die ganz spezielle Atmosphäre dieses Landstrichs zu vermitteln. Endlose Weite, rote Erde soweit das Auge reicht, Staub überall, sengende Hitze und die Einsamkeit, all das kennzeichnet diesen faszinierenden Teil Australiens aus. Obwohl es bei mir schon einige Jährchen her ist, dass ich dort war, hatte ich die Landschaft sofort wieder vor Augen.

Vor dieser einzigartigen Kulisse erzählt die Autorin die Umstände, die zu Camerons Tod führten. Ich wähle bewusst das Wort "erzählt", denn für mich ist dieses Buch mehr eine intensive und durchaus spannende Familiengeschichte. Sie beginnt ruhig und unaufgeregt, der Tod Cams wird Schritt für Schritt begreifbar gemacht. Dabei kommen Familiengeheimnisse zum Vorschein, die jahrelang unter den Teppich gekehrt wurden. Je tiefer man in die Handlung eintaucht, desto mehr spürt man die spezielle Lebenssituation, die Abgeschiedenheit und starre Familienstrukturen auf der abgelegenen Farm. Durch Rückblicke in die Vergangenheit wird dieser Effekt noch verstärkt. Ein für mich völlig überraschendes Ende rundet den Roman gut ab.

Auch durch ihren klaren, schnörkellosen, ruhigen Erzählstil und die authentisch skizzierten Charaktere, die auch mal nicht so perfekt sein dürfen, gibt sie Aspekte des Outbacks wieder. Denn durch die enorme Hitze und die unwirtlichen Bedingungen gehen die Uhren hier eben etwas anders.

"Zu Staub" hat mir von der Geschichte her gut gefallen, doch für einen Thriller, so wie ich ihn mir vorstelle, fehlte mir der Nervenkitzel und die knisternde Spannung zwischen den Seiten. Somit befinde ich mich bei der Vergabe der Bewertung diesmal in der Zwickmühle, vergebe aber drei Sterne mit starker Tendenz zu vier.

Bewertung vom 19.09.2019
Ein Sommer voller Himbeereis
Haasis, Persephone

Ein Sommer voller Himbeereis


sehr gut

Im charmanten Eiscafé "Paulines Eishimmel" zaubert Pauline ausgefallene Eiskreationen für ihre Gäste, um sie über die Geschmacksempfindung an entfernte Orte zu locken. Sinnliche Sorten und ausgefallene Geschmacksrichtungen wie beispielsweise Basilikum gibt es bei ihr genauso zu kaufen wie Stracciatella, Vanille und natürlich ihr Himbeereis für alle Lebenslagen. Das Austüfteln neuer Eiskreationen ist Paulines große Leidenschaft. Allerdings sieht die Zukunft für ihr geliebtes Eiscafé nicht gerade rosig aus, denn sowohl der Vermieter als auch die Bank sitzen ihr im Nacken. Zur zeitweisen Zerstreuung ihrer Geldsorgen stöbert Pauline gerne durch das nebenan liegende Antiquitätengeschäft ihrer Ersatzgroßmutter Anna und versteckt dort heimlich Zettelbotschaften mit ihren Wünschen und Gedanken. Eines Tages antwortet ihr tatsächlich jemand, der ihre Ängste und Hoffnungen zu verstehen scheint. Gänzlich gegenteilig verhält es sich mit Annas arrogantem Enkel Christian, der auf einmal ständig in Paulines Eishimmel auftaucht.

Das Cover von "Ein Sommer voller Himbeereis" sieht wirklich zum Anbeißen aus und verspricht zugleich die perfekte Lektüre für einen verlängerten Sommer zu sein, weshalb ich nicht widerstehen konnte. Die fluffig leichte Erzählung wird getragen von einer sympathischen Protagonistin, deren größte Leidenschaft Eis ist. Nicht nur die einfache Herstellung davon, sondern das ganze Paket: Von der Idee, dem Experimentieren in ihrem Eislabor - ja das gibt es charmanterweise wirklich - bis hin zur perfekten Kreation mitsamt der wunderschönen Dekoration macht Pauline alles selbst. Nur zu gerne wäre ich selbst Gast in ihrem Eiscafé, denn ihre ausgefallenen Kreationen klingen wirklich himmlisch.

Das Eis dient nicht nur der Erfrischung in heißen Sommertagen, vielmehr ist es ein Feuerwerk der Geschmäcker für den Gaumen. Es versetzt den Schlemmer an ferne Orte, wie etwa in die Märchen aus Tausendundeiner Nacht, nach Rom oder zurück an einen geliebten Ort einer verloren geglaubten Kindheitserinnerung. Einen Nachteil haben diese eingehenden Beschreibungen der jeweiligen Eissorten allerdings: Man bekommt einen unglaublichen Heißhunger auf Eis und wenn gerade keins in der Nähe ist, dann ist das äußerst fies.

Natürlich spielt neben dem Eis auch die Liebe eine große Rolle in diesem angenehmen Sommerroman. Pauline ist eine Romantikerin wie sie im Buche steht, sie verstreckt inspirierende Botschaften mit ihren Gedanken und Sehnsüchten in den Antiquitäten ihrer großmütterlichen Freundin Anna. Deshalb ist es nur eine Frage der Zeit, bis jemand diese entdeckt und ihr antwortet. Besonders gut hat mir dabei der kleine erzählerische Kniff gefallen, dass ER sehr wohl wusste, wem er da schreibt, SIE aber keinen blassen Schimmer hatte. Stattdessen gerät sie bereits bei der ersten Begegnung mit Annas arrogantem Enkel Christian aneinander, dass die Fetzen fliegen. Dieser erste Schlagabtausch ist einfach nur genial geschrieben und war herrlich amüsant zu lesen, wie auch ein gewisses später darauf folgende Kellerszenario.

Besonderen Charme versprühen auch die Nebencharaktere, allen voran Anna, die beste Freundin von Paulines verstorbener Großmutter. Trotz ihres hohen Alters hat sie noch eine Menge an Energie und schelmischer Raffinesse, die einige junge Menschen in den Schatten stellt, und lenkt die Geschichte so immer wieder in erfrischend neue Bahnen.

Was mir nicht ganz so gut gefallen hat, waren die überaus positiven und vor allem zahlreichen Verkettungen von glücklichen Zufällen auf den letzten Seiten. Happy Ends finde ich immer gut, aber in diesem Fall war es für meinen Geschmack dann doch etwas zu viel und vor allem zu schnell hintereinander, dass man beinahe gar nicht mehr hinterherkam.

"Ein Sommer voller Himbeereis" ist die perfekte Sommerlektüre für Genießer mit einer prickelnden Liebesgeschichte, vorausgesetzt man hat Eis in der Nähe, ansonsten artet es bei den detaillierten Beschreibungen der vielen leckeren Geschmacksric

Bewertung vom 19.09.2019
Was du von mir wissen sollst
Gazan, Sissel-Jo

Was du von mir wissen sollst


ausgezeichnet

Rosa verbringt ihre Kindheit und Jugend in den achtziger Jahren im dänischen Aarhus. Dort lebt sie mit ihrer unkonventionellen Mutter Helle. Sie durchlebt Hochs und Tiefs und beginnt sich für Street Art zu begeistern. Doch über allem steht die Frage, wer denn nun ihr Vater ist, denn Helle weigert sich standhaft einen Namen zu nennen und Krudt, ein Freund der Familie, liebt Rosa wie seine eigene Tochter. Erst Jahre später macht sich die inzwischen erwachsene Rosa auf nach Berlin, um dort die Identität ihres wahren Vaters zu erfahren.

Was für ein toller Schmöker! 587 Seiten pure Lesefreude. Da ich ja selbst meine Jugend in den Achtzigerjahren verbrachte, ist dieses Buch ein ganz besonderes Leseerlebnis gewesen. Außerdem bin ich ein großer Street Art Fan und somit war es für mich total spannend und interessant zu lesen, wie Rosa und auch ihre Freunde diese Kunstform für sich entdeckten und weiterentwickelten.

Sissel-Jo Gazan erzählt nicht nur Rosas Lebensweg, sie lässt den Zeitgeist dieser ereignisreichen Ära durch die Seiten strömen. Durch ihren lockeren, entspannten Schreibstil nimmt sie den Leser mit zu Helle, Krudt, Tom, Sevim und all den anderen und erzählt von den Problemen der Erwachsenen und der Jugendlichen. Aber auch die politischen Strömungen lässt sie gekonnt in die Handlung einfließen. Durch ihre authentisch und detailliert gezeichneten Charaktere wird beispielsweise durch Tom die Hausbesetzerszene genauso lebendig wie der Alltag ganz gewöhnlicher Jugendlicher. Das finde ich klasse.

Das große Highlight dieses Buches sind für mich allerdings alle Passagen, in denen die Autorin rund um das Thema Street Art erzählt. Das ist faszinierend zu lesen. Da sie ja auch Künstler aus diesem Genre nennt, vor allem während Rosas Zeit als Kunstexpertin, konnte ich nebenbei auch noch einige Kunstwerke kennenlernen. Internet macht‘s möglich. So präsentiert die Autorin neben einer grandiosen Geschichte auch noch etwas fürs Auge für alle Kunstinteressierten.

Bewertung vom 19.09.2019
Hope Again / Again Bd.4
Kasten, Mona

Hope Again / Again Bd.4


ausgezeichnet

Sich zu verlieben stand sicherlich nicht auf Everly Penns To-Do-Liste, sie weiß wie schmerzhaft die Liebe sein kann. Allerdings hat sie dabei die Rechnung ohne Nolan Gates gemacht, der nicht nur unverschämt gut aussieht und intelligent ist, sondern darüber hinaus für jeden ein offenes Ohr und einen guten Rat hat. Außerdem ist er der Einzige, dem es gelingt Everlys dunkle Gedanken zu vertreiben, die sie in der Nacht wachhalten. Doch er ist auch ihr Dozent. Je näher die ihn kennenlernt, desto intensiver wird die Verbindung zwischen ihnen und Everly fällt es zunehmend schwer die unsichtbare Grenze zwischen ihnen nicht zu überschreiten. Sie ahnt jedoch nicht, dass sich hinter Nolans ansteckender Begeisterung für Literatur und der lebensbejahenden Art ein trauriges Geheimnis verbirgt, das ihre Liebe zerstören könnte noch bevor sie überhaupt begonnen hat.

Endlich ist das neue Buch von Mona Kasten da, auf das ich mich schon das ganze Jahr über gefreut habe! Mit Mona Kastens „Begin Again“ habe ich das New Adult Genre für mich entdeckt und seitdem alle ihre Bücher verschlungen, wobei „Feel Again“ einen ganz besonderen Platz in meinem Herzen einnimmt. Allerdings ist „Hope Again“ diesem ziemlich nahe gekommen.

Everly gehört ebenfalls zur liebgewonnen Woodshill-Clique und ist die Stiefschwester von Dawn, jedoch nimmt sie freiwillig eher eine Randposition ein, damit ihr niemand mit den richtigen persönlichen Fragen zu nahe kommen kann. Mona Kastens Protagonisten haben stets ihre großen und kleinen Probleme, die ihnen das Leben alles andere als erleichtern, so auch Everly. Dass es etwas mit Kindheitserinnerungen erfüllt von Gewalt zu tun hat, wird spätestens in ihren ehrlichen und poetischen Texten deutlich, die sie für die Schreibwerkstatt schreibt. Diese intensiven Texte haben mich jedes einzelne Mal mitten ins Herz getroffen, weil sie einen ungefilterten Blick in Everlys Gedanken, Gefühle, in ihre Seele erlauben. Menschen gegenüber ist sie verschlossen und reserviert, niemand weiß von ihrer von häuslicher Gewalt vergifteten Kindheit. Die wöchentlichen Aufgaben für ihren Unikurs sind ihre einzige Möglichkeit, wenigstens für einen Moment die gut einstudierte „Alles ist gut“ Maske abzulegen, sich ihren Dämonen zu stellen und zu versuchen das Geschehene zu verarbeiten.

An dieser Stelle kommt diejenige Person ins Spiel, die für die abwechslungsreichen Aufgaben verantwortlich ist, die es den Seminarteilnehmern ermöglicht mit dem Schreiben über den Tellerrand zu blicken und sich dabei selbst zu finden, gleichzeitig aber auch die Person, welche die Texte am Ende liest. Nolan Gates ist der Dozent der Schreibwerkstatt und der einzige, dem Everly sich neben den Texten in nächtlichen Chatnachrichten öffnet. Die Verbindung zwischen den beiden – geistig wie emotional – ist von den ersten Worten an spürbar, ihre vertrackte Liebesbeziehung mitreißend, stellenweise herzzerreißend und absolut authentisch erzählt. Vor allem ist sie von Wertschätzung und gegenseitigem Respekt geprägt.

Die Handlung verläuft übrigens parallel zu „Feel Again“, weshalb auch ein paar Isaac-Szenen vorkamen, die man aus anderer Perspektive bereits aus dem vorherigen Band kannte und mich in die Geschichte meiner Again-Lieblinge Sawyer und Isaac zurückkatapultierte. Bei Isaac geht mir immer noch das Herz auf, auch wenn es schon eine Weile her ist, dass ich „Feel Again“ verschlungen habe. Ich meine wer fängt denn Small-Talk mit „Magst du Steak?“ an und ist in seinem gesamten Verhalten so unglaublich liebenswert?

„Hope Again“ ist nicht bloß eine große Liebesgeschichte, die von Verlust, dem Umgang mit einem Trauma und der Hoffnung auf einen Neuanfang erzählt. Sie berührt mit starken Worten und leisen Zwischentönen, unvergleichlichen facettenreichen Charakteren und einer tollen Storyline. Vor allem aber lässt sie fühlen, als wäre man selbst an der Stelle der Hauptcharaktere.