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Benutzername: kuddel
Danksagungen: 5 (erhaltene)


Bewertungen

Insgesamt 164 Bewertungen
Bewertung vom 09.07.2020
Der Fahrer / Kerner und Oswald Bd.3
Winkelmann, Andreas

Der Fahrer / Kerner und Oswald Bd.3


sehr gut

Mörder per App?
Junge Hamburgerinnen bestellen nach einer durchgefeierten Nacht gerne mal per App einen Wagen für die Fahrt nach Hause. Nicht alle kommen dort an. Ein Serientäter treibt sein Unwesen in der Stadt und scheint die Polizei zu verhöhnen, denn er postet mit dem Hashtag „Findemich“ ein Bild der Frauen im Netz. Die Frist von einem Tag ist höllisch kurz und die Polizei rotiert ordentlich.

Es handelt sich hier um den dritten Band der Kerner und Oswald Reihe. Den zweiten Teil habe ich leider verpasst, aber Vorkenntnisse waren zum Verständnis des Buches nicht notwendig.
Das Privatleben der beiden Ermittler hat hier etwas mehr Raum bekommen, was mich an sich nicht stört. Die Probleme des Hauptprotagonisten konnte ich aber nicht wirklich nachvollziehen. Den Lesefluss hat das aber nicht gestört.
Das Buch ist spannend geschrieben, die Charaktere sind gut und interessant aufgebaut. Ab und an erfährt man auch etwas aus der Perspektive des Täters, so dass man gespannt und neugierig bleibt. Bis zum Schluss gab es immer wieder neue Wendungen, so dass das Ende nicht voraussehbar war.
Alle Opfer waren in den sozialen Netzwerken rege unterwegs, es gibt hintergründig einen erhobenen Zeigefinger: Vorsicht mit Daten und Informationen!
Guter Thriller

Bewertung vom 09.07.2020
Sturmläufer / Zane gegen die Götter Bd.1
Cervantes, J. C.

Sturmläufer / Zane gegen die Götter Bd.1


sehr gut

Zane und die Mayagötter
Zane ist 13 Jahre alt, er lebt mit Mutter, Onkel und Hund in New Mexico. Er ist kein klassischer Held, anfangs ist er eher zurückhaltend, außerdem sind seine Beine unterschiedlich lang, so dass er einen Stock zum Gehen benutzen muss. Dieses Handicap macht ihn zum Opfer von Spötteleien der Mitschüler, daher verbringt er seine Freizeit lieber mit Erwachsenen aus seinem Wohnumfeld, eine Hellseherin und einen Chilizüchter. Er treibt sich auch gerne in der Umgebung herum, vor allem bei seinem Vulkan.
Dies ist das Ausgangsszenario für einen Trilogieauftakt um Zane.
Die Idee, dass ein Junge einen göttlichen Elternteil hat und die Welt retten muss, ist nicht neu, funktioniert aber auch hier gut. Zusätzlich wird hier die Mayamythologie
mitverarbeitet, die auch kurz in einem Glossar vorgestellt wird, damit man sich in dieser fremden Welt besser zurechtfindet.
Nach einem etwas zähen Anfang bin ich gut in die Geschichte hineingekommen und fand zunehmend Spaß an dem Abenteuer. Die Charaktere fand ich teils skurril, aber interessant, Zane macht eine Entwicklung durch. Ich mochte den humorvollen Erzählstil, mir hat das Lesen Spaß gemacht, auf die Fortsetzung bin ich gespannt. Ein schönes Jugendbuch, das ich für die Altersgruppe ab 10 Jahren empfehlen kann, für Erwachsene eher bedingt geeignet.

Bewertung vom 06.07.2020
Jeden Tag ein neuer Himmel
Thomas, Violet

Jeden Tag ein neuer Himmel


sehr gut

Neustart mit Hindernissen
Charlotte tritt nach einem Trauerjahr eine Stelle im Londoner Kinderhospiz an.
In der Nähe ihres Hauses hört sie oft Straßenmusiker Sam, der auf seine Entdeckung wartet und vorübergehend bei seinem Bruder Marc untergekommen ist. Eines Tages singt er das Lied „Daisy“ über eine Verflossene und Charlotte ist zu Tränen gerührt, da ihre verstorbene Tochter so hieß. Sam entgeht diese intensive Reaktion nicht, er wird neugierig und nach und nach lernen die Beiden sich kennen. Doch Charlottes negative Erfahrungen mit Männern, ihre Trauer und auch Sams Karriereplanung legen den beiden ungeahnte Steine in den Weg.

Die Autorin wechselt die Erzählperspektive zwischen den beiden sympathischen, aber sehr unterschiedlichen Hauptfiguren regelmäßig, so dass deren Innenansichten gut sichtbar werden. Das Schicksal dieser kontrastierenden Personen wird auf diese Weise wirkungsvoll ineinandergeflochten.
Einige Nebencharaktere bereichern die Geschichte, auch sie werden so detailliert beschrieben, dass man sie lebhaft vor Augen hat. Die beste Freundin Charlottes und den empathischen Bruder Sams möchte man gleich in den eigenen Freundeskreis aufnehmen, den kleinen Hamish nur zu gerne in den Arm nehmen.
Der Erzählstil ist einfühlsam und leicht zu lesen, so dass man gut in die Geschichte eintauchen kann.
Der Titel ist ein zentrales Zitat aus dem Buch, der sich so auf sehr schöne Weise beim Lesen erklärt.
Es werden auch einige ernste Themen aufgegriffen
- Hospizarbeit mit Kindern,
- Erwartungsdruck durch Eltern,
- Straßenkinder und Obdachlose, die versuchen sich über Wasser zu halten,
- das Geschäft mit den Medien, das sich gerne um reißerische Geschichten balgt und wie das für die Betroffenen ist.
Diese ernsten Themen werden natürlich nicht vertieft, sondern nur oberflächlich angeschnitten, aber gerade für das Genre Happy-Tears ist das ein ziemlich bunter Strauß, der gut eingebunden wurde.
Mich hat das Buch sehr gut unterhalten und ich habe es gerne gelesen, obwohl einige Entwicklungen absehbar waren. Ich vergebe hier gerne 4 von 5 Sternen.

Bewertung vom 30.06.2020
Ich bleibe hier
Balzano, Marco

Ich bleibe hier


ausgezeichnet

Vom Bleiben und Vertreiben
In seinem Werk „Ich bleibe hier“ stellt Marco Bolzano die bewegte Geschichte des Ortes Graun in Südtirol vor. Das Bild des Kirchturms, der aus dem Wasser ragt, war mir bekannt, seine Geschichte bisher nicht.

Südtirol war ein Spielball der Faschisten, mal gehörte es zu Italien, mal zu Deutschland. Egal welche Seite gerade die Macht ausübte, der deutsche Teil der Bevölkerung hatte immer zu leiden.

Der Autor schildert die Geschichte über fiktive Charaktere. Trina ist eine junge deutschsprachige Lehrerin, die nach der abgeschlossenen Ausbildung nicht unterrichten darf, denn das gerade herrschende faschistische Italien hat die Sprache Deutsch verboten. Bis kurz vor den 2.WK wurden die deutschsprachigen Südtiroler unterdrückt, es wurde ihnen nahegelegt auszuwandern, blieben sie, waren sie Menschen zweiter Klasse. Trina aber bleibt, sie unterrichtet in Verstecken. Ihr Mann Erich muss an die Front, sie bleibt allein zurück.

Die Vorzeichen für die Bewohner wandeln sich, als die Nationalsozialisten das Ruder übernehmen. Aber ein neuer Krieg steht bevor, der gemeinsame Sohn meldet sich freiwillig, aber Erich will auf keinen Fall nochmal in den Kampf ziehen und so begeben sie sich auf die Flucht.

Auch nach dem Krieg sind die Zeiten für die abgelegenen Bergdörfer hart. Der Aufschwung lässt auf sich warten. Ein Kraftwerk und ein Staudamm sollen gebaut werden, die Dörfer Graun und Reschen müssen hierzu überflutet werden. Und wieder sollen diese Menschen ihre Heimat aufgeben. Diese Forderung wiederholt sich, aber nun aus anderem Grund.
Die Menschen, die solange um diese Orte gekämpft und nicht aufgegeben haben, versuchen sich gegen das Projekt zu stemmen. Wie immer fehlt es an Unterstützung. Die Zeiten bleiben hart.

Die bewegende Geschichte dieses Ortes erzählt Trina schriftlich für ihre Tochter. Ein schönes interessantes Werk über Südtirol, die deutsch italienische Geschichte, über Hoffnung und Verlust, die Notwendigkeit Stellung zu beziehen und das Urteilen aus der Ferne manchmal sehr viel leichter ist als unter Betroffenheit. Der Autor schafft es auf kurzweilige Weise über diese schwierige Zeit lebendig zu erzählen und setzt der Gegend und den damals heimatlos Gewordenen ein Denkmal.

Bewertung vom 12.06.2020
Kostbare Tage
Haruf, Kent

Kostbare Tage


ausgezeichnet

letzte Tage in Holt
Auch in „Kostbare Tage“ entführt uns Kent Haruf wieder in das kleine beschauliche fiktive Städtchen Holt. Ich mochte schon die Vorgänger sehr gerne und habe mich gleich wieder wohl und willkommen gefühlt, so als ob man alte Freunde besucht.
Haruf beschreibt sehr einfühlsam das ganz normale Leben von Durchschnittsbürgern mit den Freuden und Nöten, die der Alltag so mit sich bringt. Selten ist das Geschehen besonders spektakulär, doch immer ist man gefesselt und möchte diese Menschen ein Stück des Weges begleiten und sehen, wie sie versuchen aus der jeweiligen Situation das Beste zu machen. Es ist eine Begabung Harufs einem die Personen und ihre Umstände nahezubringen, obwohl man nur selten an ihren Gedanken teilhat.

Zum Verständnis dieses Buches ist es nicht notwendig die Vorgänger zu kennen, obwohl auch Charaktere, die bereits vorgestellt wurden, auftauchen.
Hier geht es hauptsächlich um einen krebskranken älteren Mann, der erfährt, dass er bald sterben muss und um seine Familie. Alle versuchen noch das Beste aus der Zeit herauszuholen, was kann noch geklärt werden, was nicht?

Trotz des schweren Themas Tod fand ich das Buch nicht bedrückend. Eine authentische Geschichte, die wunderbar geschrieben ist. Das Lesen macht einfach Spaß. Haruf ist ein toller Beobachter, der einen mit seiner ruhigen Art mitnimmt. Schade, dass dieser Besuch so schnell wieder geendet hat. Von mir gibt es 5 Sterne und eine Leseempfehlung.

Bewertung vom 07.06.2020
In den Fängen der Schuld
Neumann, Julia

In den Fängen der Schuld


ausgezeichnet

Die Dimension von Schuld
Ein spannender und unterhaltsamer Krimi, der neben dem eigentlichen Fall auch den politischen Nahostkonflikt thematisiert.

Kriminalkommissar Morelli wird kurz vor seinem verdienten Dienstschluss in eine Kneipe in der Kölner Innenstadt gerufen. Ein 80-jähriger Israeli wurde dort krankenhausreif zusammengeschlagen. Seit der Demo von HOGESA reagieren die Kölner Beamten allergisch auf Hooligans, Antisemitismus und rechte Schläger. Als Morelli den Enkel des alten Herrn informieren möchte, findet er diesen erschlagen vor.
Der Tote war Vorstand einer Stiftung, die Häuser für israelische Siedler in Israel baut. Eine Pressemitteilung der Stiftung sorgt für Verwirrung, denn darin wir verkündet, dass die Häuser der Stiftung zukünftig an Palästinenser vermittelt werden sollen. Das wirft ein völlig neues Licht auf das anfangs so offensichtlich klare Motiv.
Die Presse stürzt sich auf den brisanten Fall und Morelli gerät unverschuldet ins Kreuzfeuer, alle Bemühungen die Sachlage aufzuklären, machen es nur schlimmer.
Morellis eigene Vergangenheit findet auch Eingang in den Fall und bald häufen sich Verwicklungen.

Die Spuren führen zu einer jungen Palästinenserin, die untergetaucht ist. Morelli sucht sie schließlich auf eigene Faust in Israel. Diese Reise nach Hebron geht er sehr naiv an, schnell spitzt sich die Situation zu.

Die Autorin erzählt in kurzen Kapiteln aus verschiedenen Perspektiven und in unterschiedlichen Zeitebenen. Der Krimi erhält dadurch ein tolles Tempo. Die einzelnen Handlungsstränge verdichten sich immer mehr und schließlich ergibt sich aus der Kenntnis der Vergangenheit ein stimmiges Bild für die Geschehnisse in der Gegenwart. Doch auch das ist zu kurz gedacht, im letzten Moment gibt es nochmals eine überraschende Wendung.
Die Charaktere sind gut aufgebaut, nicht typisch schwarz-weiß, was mir gut gefällt und hin und wieder für Situationskomik sorgte.

Nicht alle Ermittlungen, Pressekonferenzen und Teambesprechungen liefen so, wie ich es erwarten würde, aber das wird nah an der Realität sein. Nicht immer agieren die Beteiligten so wie es angemessen ist. So treffen wir hier auf einen cholerischen Chef und einen in seiner Bemühtheit etwas unbeholfenen Kommissar, der das Herz auf dem rechten Fleck hat. Sein großer Idealismus zeigt sich, als er, obwohl vom Fall abgezogen, eine Reise nach Israel unternimmt.
Die Anreicherung des Krimis mit dem Nahostkonflikt und der Geschichte Israel ist hier sehr gelungen. Es werden Fragen aufgeworfen und Missstände aufgezeigt, beide Seiten haben mit ihrer Vergangenheit und ihren Erfahrungen zu kämpfen.
Sehr unterhaltsamer und aktueller Krimi. Gerne mehr davon.

Bewertung vom 07.06.2020
Margos Töchter
Stephan, Cora

Margos Töchter


ausgezeichnet

deutsche Geschichte von 1960-90
Cora Stephan arbeitet in ihrem Roman „Margos Töchter“ ein Stück deutsche Geschichte (60er -90er Jahre) über fiktive Charaktere auf. Zu diesem Buch gibt es bereits einen Vorgängerband, diesen habe ich nicht gelesen, hatte aber auch nicht das Gefühl, dass dies für das Verständnis notwendig war.

Jana, Leonore und Clara sind über ihre Geschichte miteinander verbunden. Erzählt wird jeweils aus wechselnden Perspektiven und in verschiedenen Zeitebenen, normalerweise macht dies ein Buch interessant und belebt den Erzählstil, doch bei dieser Lektüre blieb ich dauerhaft auf Distanz. Aufgrund des starken Fokus auf die politischen Ereignisse und Hintergründe blieben mir die einzelnen Personen fern, hier hätte ich mir mehr Ausgewogenheit gewünscht. Die Familiengeschichte hätte mit mehr Raum einfach besser gewirkt, so hatte ich lange Zeit das Gefühl ein Sachbuch zu lesen. Dennoch lohnt sich dieses Buch, die geschichtlichen Hintergründe wurden gut recherchiert. Insgesamt kann ich aber nur eine eingeschränkte Leseempfehlung aussprechen, da wurde leider Potential verschenkt.

Bewertung vom 28.05.2020
Pandatage
Gould-Bourn, James

Pandatage


sehr gut

Vater Panda und Sohn
Pandatage erzählt die tragische Geschichte von Danny und seinem 11-jährigen Sohn Will, die lernen müssen ohne Ehefrau Liz bzw. Mutter auszukommen. Trotz des schweren Verlustes und weiterer Schicksalsschläge erzählt der Autor mit leichter Hand und einer Prise Humor von deren täglichen Über-Leben. Sehr emotional wird geschildert, wie die Beiden ihre Trauer überwinden und zu einem Team zusammenwachsen.

Danny ist sehr früh Vater geworden und hat immer viel gearbeitet, um für den Lebensunterhalt zu sorgen. Als seine Frau tödlich verunglückt, steht er plötzlich allein mit Allem da. Sein Sohn hat den Unfall miterlebt und ist verstummt. Danny verliert seine Arbeit und der Verlust der Wohnung droht aufgrund von Mietschulden.
Er sucht nach neuen Möglichkeiten und kauft ein Pandakostüm, um sich als Tanzbär zu verdingen. Leider ist er auch darin nicht wirklich gut. („Soll ich einen Krankenwagen rufen…? …heißt das du hast gerade keinen Anfall…“)
Als Will den Panda im Park trifft, beginnt er mit diesem zu sprechen, denn er weiß nicht, dass sein Vater in dem Kostüm steckt.

Die rund 380 Seiten lassen sich gut lesen, der Schreibstil ist angenehm und locker. Das Buch ist schön gestaltet mit einem recht schlichten Cover, das mir gut gefällt. Es gibt sogar ein farblich passendes Lesebändchen. Die einzelnen Kapitel beginnen immer mit einem kleinen Pandamotiv.

Neben Danny und Will kommen noch viele Nebenfiguren vor, die ebenso liebevoll beschrieben wurden, wie die Hauptdarsteller der Geschichte. Die meisten wichtigen Personen sind hier tatsächlich vielschichtig angelegt. Da ist ein toller Lehrer, den man allzu gerne auch für seien Kinder hätte, eine zynische Tänzerin, die Danny Unterricht gibt und sich seiner annimmt und Ivan, Dannys Kollege und Freund.
Die Unterstützung, die Danny und Will durch diese Personen erhalten sind sehr warmherzig. So schaffen es die Beiden sich endlich richtig kennenzulernen und gemeinsam den Alltag zu bestehen, nach und nach können sie die Trauer überwinden, die Depression hinter sich lassen und gewinnen an Hoffnung und Selbstvertrauen. Besonders für Will ist das wichtig, da er in der Schule gemobbt wird.
So schneidet der Autor mehrere schwierige Themen an und zeigt, wie durch Freundschaft und Mut geholfen werden kann, das Ganze immer wieder aufgelockert durch Situationskomik und Humor, wo es denn passt.
Die Geschichte hat mir bis auf das Ende mit dem Vermieter sehr gut gefallen.
Dennoch insgesamt eine schöne emotionale warmherzige Geschichte, die auch nach Beendigung des Buches noch einen Nachhall hat.

Bewertung vom 24.05.2020
DUNKEL / HULDA Trilogie Bd.1 (eBook, ePUB)
Jónasson, Ragnar

DUNKEL / HULDA Trilogie Bd.1 (eBook, ePUB)


sehr gut

Huldas letzter Fall
Hulda Hermannsdóttir, Kommissarin bei der Polizei Reykjavík, steht ein paar Monate vor ihrer Pensionierung, als ihr Chef ihr plötzlich ihr Büro benötigt. Sie soll möglichst heute noch in den Ruhestand gehen, um für einen jungen vielversprechenden Kollegen Platz zu machen. Hulda kann sich mit dem Ruhestand nicht anfreunden und kämpft um 2 Wochen und einen Fall ihrer Wahl. Hulda ist eine gestandene und eigentlich erfolgreiche Polizistin, aber sie wurde beruflich von der männerdominierten Hierarchie immer übergangen. Ihr Mann und ihre Tochter sind verstorben, Hulda wirkt auf die Kollegen wie eine verbitterte Frau.
In ihren letzten Tagen bei der Polizei möchte sie den Tod einer jungen Russin, der ein Jahr zurückliegt, aufklären. Der ermittelnde Beamte konnte als Liebling des Chefs eine schlampige Arbeit riskieren, schließlich ging es „nur“ um eine Asylantin. Sehr schnell findet sie einige Anhaltspunkte, an denen sie anknüpfen kann.
Unterbrochen wird diese Kriminalgeschichte durch die Bezüge zu Huldas letztem Fall, den sie wegen des vorzeitigen Ruhestandes unabgeschlossen abgeben musste. Aber auch durch zeitlich zurückliegende Einblendungen, um eine junge Mutter, die um ihr Kind kämpft und ein Paar, das einen Ausflug in das winterliche Hinterland macht.
Während Hulda versucht den aktuellen Fall zu lösen, sucht sie gleichzeitig nach einem neuen Platz für ihr zukünftiges Leben, indem sie Kontakt zu einem Wanderfreund aufbaut. Aber auch ihre jüngste Familiengeschichte scheint sie zunehmend zu beschäftigen.

Es handelt sich hier um einen Trilogieauftakt, der ungewöhnlicher Weise mit Huldas letzten Fall beginnt. Wie der Autor nun auf vorangegangene Fälle eingehen möchte und wie er die Bände miteinander verknüpft, erwarte ich gespannt. Nach einem etwas gestelztem Anfang, den mich nur meine Vorliebe für Island durchhalten ließ, hat mich das Buch doch sehr fesseln können. Zunehmend kam es zu neuen Wendungen und Entwicklungen, die man so nicht vorhersehen konnte. Huldas Charakter hat sich im Laufe des Buches als vielschichtig und interessant dargestellt. Ihr Lebensumfeld hat es ihr zu keiner Zeit leicht gemacht, einige Entwicklungen und Entscheidungen werden so im Laufe der Geschichte verständlich. Der Titel stellt einen guten Bezug zum Inhalt her, der sich erst bei der Lektüre erschließt.
Gelungener Auftakt mit Luft nach oben.

Bewertung vom 16.05.2020
Der Wald, vier Fragen, das Leben und ich, Von einer Begegnung, die alles veränderte
Randau, Tessa

Der Wald, vier Fragen, das Leben und ich, Von einer Begegnung, die alles veränderte


weniger gut

Naja
Das kleine Büchlein ist niedlich und liebevoll gestaltet, die 120 Seiten hat man fix gelesen. Leider habe ich den Inhalt auch fix ad acta gelegt. Das Buch ist ein Dialog zwischen zwei Frauen, wobei die ältere Frau der Jüngeren Denkanstöße liefert und ihr Fragen stellt, damit diese an ihrem Leben und ihrer Einstellung arbeiten kann. Das Ganze kommt mir sehr konstruiert und flach vor. Hier bekommt man keine neuen Impulse, um im Alltag achtsamer zu werden, die Anregungen sind flach und nichtsagend. Jeder normale Mensch kommt von selber auf solche Ideen, vor allem sollte man das von einer jungen privilegierten Frau wie hier beschrieben erwarten. Da das Buch beim dtv erschienen ist und optisch zu den Büchern von John Strelecky passt und diese Autorin als Stress und Burnout Beraterin arbeitet hatte ich hier wohl zu viel erwartet. Schade