Benutzer
zu den Top-Rezensenten

Benutzername: kuddel
Danksagungen: 11 (erhaltene)


Bewertungen

Insgesamt 296 Bewertungen
Bewertung vom 06.07.2021
Die Karte / Kerner und Oswald Bd.4
Winkelmann, Andreas

Die Karte / Kerner und Oswald Bd.4


gut

Oswald und Kerner ermitteln wieder
In dem neuen vierten Teil für das Hamburger Ermittlerteam greift Winkelmann wieder aktuelle Themen auf und entwirft einen spannenden und wendungsreichen Plot. Interessanterweise liegt die Corona-Pandemie schon hinter der Stadt und findet rückblickend Erwähnung.
Ein Serienmörder treibt sein Unwesen und findet seine Opfer über eine App für Jogger, in der sie sich austauschen und ihre Routen und Zeiten posten. Der offenherzige Umgang mit den persönlichen Daten wird hier postwendend abgestraft. Wie immer gelingt es dem Autor weitere aktuelle Themen mit in die Wendungen und Verwirrungen einzubauen, so gibt es quere Paare, Kindesmisshandlung, Drogen, Vorurteile gegen Personengruppen und Geschlechter und die Gefahr, die durch den Gebrauch sozialer Medien entsteht.
Es gibt diverse Stränge, die man als Leser im Auge behalten muss, dazu kommen die privaten Geschichten der Ermittler, die diesmal auch einen sehr persönlichen Verlust verarbeiten müssen. Winkelmann schreibt rasant und packend wie immer, durch die kurzen Kapitel erhöht sich das Tempo stetig und man wird neugierig auf die Auflösung.
Diese hat mich diesmal leider etwas enttäuscht zurückgelassen. Die Aufklärung erschien mir einfach nicht schlüssig, es war insgesamt nicht nachvollziehbar und es blieben offene Fragen. Das eigentliche Grundthema rund um die Präsentation der Opfer im Netz ging neben den vielen anderen Baustellen auch unter. So was kann Winkelmann eigentlich viel besser, daher gibt es von mir diesmal nur 3 von 5 Punkten. Das Buch hat mir trotzdem Spaß gemacht und mich gut unterhalten, zu dem nächsten Teil dieser Reihe werde ich definitiv wieder greifen.

Bewertung vom 24.06.2021
Das Tal in der Mitte der Welt
Tallack, Malachy

Das Tal in der Mitte der Welt


ausgezeichnet

Der Nabel der Welt
Dieses kleine abgelegene Dorf irgendwo in Shetland spiegelt die Welt.
Ein sehr schöner Debütroman, der mir tolle Lesestunden bereitet hat. Die Landschaftsbeschreibungen habe ich geliebt, konnten sie mich doch direkt verorten und an allem lebhaft teilhaben lassen. Der ruhige beschreibende Erzählstil hat mich gut eingefangen, ich mochte das Buch nicht aus der Hand legen.
Die verschiedenen Charaktere sind liebevoll ausgestaltet, man kann sich alle sehr gut vorstellen, ihre Handlungen und Worte erscheinen authentisch. In dem kleinen Ort und den wenigen Bewohnern ist alles da, was unsere Welt ausmacht.
Es gibt die Alteingesessenen, die Neuankömmlinge, die Menschen auf dem Absprung u.a., jeder für sich mit einem Gefühlsspektrum. Das Zwischenmenschliche spielt hier eine große Rolle, vieles fand ich berührend. Letztlich führen die Menschen ein erfülltes Leben, die in sich ruhen und über die eigenen Belange hinausdenken und sehen können. Wohl dem, der zufrieden ist und anderen die Hand reichen kann.

Ein schöner ruhiger Roman über das Leben.

Bewertung vom 24.06.2021
Du wirst es mir niemals sagen
Kerninon, Julia

Du wirst es mir niemals sagen


sehr gut

Hier geht es um Liv Maria, die auf einer kleinen bretonischen Insel behütet aufgewachsen ist. Von ihrem norwegischen Vater hat sie die Liebe zur Literatur, von der Mutter eine gewisse Durchsetzungsfähigkeit geerbt. Nach einem traumatischen Erlebnis verfrachten die Eltern Liv Maria aus mir unverständlichen Gründen nach Berlin. Hier lebt die Minderjährige bei der Schwester des Vaters und besucht einen Sprachkurs. Sie hat prägende Erlebnisse, die sie vor allen geheim hält. Nach dem plötzlichen Tod der Eltern kehrt sie auf die Insel zurück, wird dort umsorgt von ihren Onkeln. Nach einem Rat verlässt sie ihre Heimat und reist zunächst nach Chile. Jahre später verliebt sie sich und gründet mit ihrem Mann eine Familie in dessen Heimat Irland. Ihr ehemaliges Geheimnis tritt wieder in ihr Leben und lässt sie nicht mehr los. Diese Verknüpfungen sorgen für unvorhersehbare Wendungen.

Mir hat das Buch gefallen, ich habe es gerne gelesen. Der Erzählstil ist sehr schön, teils poetisch oder tiefgründig und es gibt zahlreiche Anspielungen auf Literatur, die mir Spaß gemacht haben. Dadurch flogen die Seiten dahin und ich kam gut durch das Buch.

Mit Liv Maria konnte ich mich nicht anfreunden, ihre Entscheidungen konnte ich häufig nicht nachvollziehen, vor allem nicht die letzte. Dennoch hat sie mit einem interessanten Leben aufgewartet, das nicht unrealistisch erschien. Mir lag ihre Art nicht und auch wie sie mit den Dingen umgeht, aber das hat der Lesefreude keinen Abbruch getan, auch wenn mich diese Person etwas ratlos zurücklässt. Eine ungewöhnliche Suche nach den sich selbst und der Liebe.
Für Literaturliebhaber eine empfehlenswerte Wahl.

Bewertung vom 19.06.2021
Sturmvögel
Golz, Manuela

Sturmvögel


sehr gut

Emmys Leben
Emmy ist 86 Jahre alt. Geboren und aufgewachsen auf einer kleinen Nordseeinsel, hat es sie früh als Dienstmädchen nach Berlin verschlagen. Sie hat die Weltkriege miterlebt, gearbeitet, geheiratet und Kinder bekommen. Das Leben war nicht immer einfach, aber sie hatte Mumm und das Herz am rechten Fleck. Mit ihrer geraden Art ist sie gut und aufrichtig durchs Leben gekommen und sie ist beileibe nicht so naiv, wie ihre älteste Tochter Hilde gerne glauben mag. Als Hilde in Emmys Keller versteckte Unterlagen entdeckt, staunt sie nicht schlecht. Sie denkt, dass ihre Mutter über deren Bedeutung ahnungslos ist, aber diese ist ihr stets einen Schritt voraus, um ihren Willen durchzusetzen.
Emmys Leben wird in Rückblicken abwechselnd mit den aktuellen Geschehnissen erzählt. Diese Perspektivwechsel sorgen für eine schöne Dynamik und halten den Spannungsbogen oben. Nach und nach klärt sich auf, wie alles zusammenhängt und warum Emmy sich wofür entschieden hat und noch entscheidet.
Die Charaktere sind glaubhaft und gut angelegt. Durch die lange Zeitspanne erlebt man als Leser eine gewisse Entwicklung mit. Der Erzählstil ist lebhaft und gut. Mir gefiel das Buch sehr.

Bewertung vom 12.06.2021
Dark Blue Rising Bd.1
Terry, Teri

Dark Blue Rising Bd.1


gut

schwacher Trilogieauftakt
Die Autorin hat hier einen neuen Trilogieauftakt vorgelegt, beworben wurde das Buch als Klimathriller. Da mir andere Bücher Terrys gut gefallen haben, griff ich bedenkenlos zu.
Die junge Tabby lebt mit ihrer Mutter Cate ein Schattenleben, sie wird zu Hause unterrichtet, hat noch nie eine Schule besucht, häufig wechseln sie den Wohnort und den Nachnamen, haben keine Kontakte. Cate hat Tabby immer eingebläut niemandem zu trauen, für sich zu bleiben, alles zu hinterfragen und selbständig zu denken. Nur Cate selber beantwortet auch nicht alle Fragen. So steht Tabby plötzlich sehr verwirrt da, als Cate verhaftet wird und sich herausstellt, dass sie als Kind entführt wurde. Tabby kommt zurück zu ihren leiblichen Eltern und versucht sich zurechtzufinden, als eine Schwimmtrainerin ihr großes Talent entdeckt. In einem Sommertrainingscamp für Schwimmer nimmt ihr Leben erneut eine dramatische Wendung.
Das Cover passt sehr gut zum Inhalt und ist wunderschön gestaltet.
Die 445 Seiten ließen sich flott lesen, dennoch war ich eher mäßig begeistert. Die Charaktere fand ich allesamt sehr flach, selbst Tabby mit ihrer naiven Art wirkte wenig authentisch. Die Handlung war etwas wirr und die Einleitungsphase nahm gut zweidrittel des Buches ein. Die vielen meditativen Anspielungen, die häufig wiederholt wurden, waren ermüdend. Von einem Klimathriller hatte ich mir reale Probleme und auch ein paar echte Fakten erhofft, die man hier gut hätte unterbringen können, aber außer veganem Essen und Elektroautos leider Fehlanzeige. Die Vorgänge im Camp waren mir zu überzogen, vieles fand ich auch nicht logisch. Es wurden immer neue Themenstränge aufgegriffen und wieder fallen gelassen, häufig gab es keine Auflösung bzw. das Thema kam nicht mehr vor. Natürlich kann das in den folgenden zwei Bänden noch kommen, aber insgesamt wirkte es eher wirr. Am Ende gelingt es der Autorin nochmal richtig Spannung aufzubauen, obwohl auch dieser Teil sehr unrealistisch ist. Natürlich enthält die Serie Fantasyelemente, aber in sich war die Geschichte zu unrund.

Bewertung vom 09.06.2021
Wir-Zeit
Dyrchs, Susanne

Wir-Zeit


ausgezeichnet

intensive Familienzeit
Familie Dyrchs ist unbemerkt in ein Hamsterrad geraten und findet keinen Ausweg. Erwartungen, Ansprüchen, Karriere, perfektes Außenbild u.v.m. drehen daran wie verrückt. Irgendwie scheint immer etwas in Schieflage zu sein. Die Kinder werden rund um die Uhr betreut und die Eltern legen für die Arbeit diverse Nachtschichten ein. Irgendwann besinnen sie sich auf den Plan, eine Auszeit zu nehmen, bevor das älteste Kind in die Schule kommt. Sie wollten 1 Jahr durch die Welt reisen. Tatsächlich bekommen sie die Kurve und begeben sich rechtzeitig für ihre Wir-Zeit auf die Reise. Sie starten in Kanada auf einer Biofarm, arbeiten dort für Kost und Logis und erleben mit den Kindern einen guten Start in eine entschleunigte Zeit.
Es ist herausfordernd mit zwei kleinen Kindern und bald darauf auch schwanger mit minimalistischer Ausstattung durch die Welt zu reisen, nicht alles klappt immer problemlos, aber die Erfahrungen scheinen für alle Mühen zu entschädigen. Viele Überlegungen und Beobachtungen fand ich sehr gut und haben zum Nachdenken angeregt, die Werte und Ansprüche werden auf so einer Familienreise mit Rucksack verschoben und geerdet. Freiheit und Glück wurden für diese Familie neu definiert und es hat ihnen Kraft gegeben, ihr Leben zurück in der Heimat zu ändern.
Die Mutter beschreibt diese besondere Reise aus ihrer Sicht herrlich erfrischend, ehrlich und humorvoll. Ich mochte den Stil, den Text und die Erfahrungen sehr. Ein paar Fotos ergänzen das Buch. Auch wenn man sich persönlich nicht auf so eine Reise begeben kann oder möchte, kann man hier einiges mitnehmen und seine Sicht auf die Welt überdenken.

Bewertung vom 06.06.2021
Erste Stunde: Tierisch laut! / School of Talents Bd.1
Schellhammer, Silke

Erste Stunde: Tierisch laut! / School of Talents Bd.1


sehr gut

Fantasievoll
Das tolle Cover hatte uns nach dem Buch greifen lassen, eine tolle Zeichnung, von sehr unterschiedlichen Kindern und ein paar lustigen Tieren machten uns neugierig. Die Idee, dass die Hauptpersonen hier alle merkwürdige Talente haben, die im Fantasybereich angesiedelt sind hat uns ebenfalls gut gefallen. Es handelt sich hier um einen Reihenauftakt, der gut gelungen ist. Die einzelnen Charaktere werden mit ihren Talenten gut vorgestellt. Die kleine Alva ist die Hauptperson, sie kann Tiere verstehen und dies ist leider nicht immer so wundervoll, wie man es sich gelegentlich als Tierbesitzer vorstellt. Immerzu wird sie von irgendwelchen Kommentaren gestört und kann sich nicht konzentrieren. Ihr Onkel bietet ihr einen Rettungsanker: es gibt mehr Kinder wie sie, für die er ein eigenes Internat eröffnet hat. Ab hier beginnt ein neues Leben für Alva. Sie schließt Freundschaften und muss sich in der neuen Umgebung zurechtfinden, dabei stellt sie fest, dass ihr neuer Lebensort in Gefahr ist.
Eine schöne Mischung aus Internatsgeschichte und Fantasy. Die Geschichte hätte ein wenig spannender sein können, hat uns aber ansonsten sehr gut gefallen und wir sind gespannt auf Teil 2.

Bewertung vom 06.06.2021
Undercover Robot - Mein erstes Jahr als Mensch
Edmonds, David;Fraser, Bertie

Undercover Robot - Mein erstes Jahr als Mensch


sehr gut

Geheimprojekt Dotty
Der Roboter Dotty soll im Rahmen eines Geheimprojektes ein Jahr lang die Schule besuchen. Niemand soll merken, dass sie eigentlich ein Roboter ist.
Jeder Normalsterbliche kann sich denken, dass dies kein leichtes Unterfangen ist, so ein Kinderschulalltag ist schließlich nicht einfach, vor allem ist er nicht so klar und gradlinig, wie Dotty programmiert wurde.
Eine tolle lebhafte und lustige Geschichte für Kinder, die sich in dem geschilderten Alltag sicherlich manchmal wiedererkennen können. Die einzelnen Kapitel sind kurz und treffend betitelt, und zudem gibt es tagebuchähnliche Unterteilungen mit Datums- und Zeitangabe. Durch diese Einteilung kann man die Lektüre gut unterbrechen, es lockt aber auch noch einen Abschnitt zu lesen.
Der Erzählstil ist locker und lässt sich für die angegebenen Altersgruppe gut allein lesen. Dotty erzählt dem Leser ihre Geschichte und man kann sich alles gut vorstellen. Ihre Erlebnisse sind gut geschildert, vordergründig Humorvolles kommt im Nachgang schon mal etwas tiefgründig für Kinder daher. Dotty versucht ein Mensch zu sein, aber was macht das Menschsein aus?
Ein lustiges Abenteuer für Kinder, bei dem Humor und Tiefgang ausgewogen sind.

Bewertung vom 06.06.2021
Das Leben ist ein Fest
Berest, Claire

Das Leben ist ein Fest


sehr gut

Szenen mit Frida
Die französische Autorin Claire Berest hat ein Buch über Frida Kahlo geschrieben, das einen direkt mit hineinzieht in Fridas Leben. Laut, bunt, lebenshungrig, leidenschaftlich, drastisch und farbintensiv erlebt man die geschilderten Szenen mit, als stünde man direkt mittendrin.

Die Sprache ist besonders schön, mitreißend und poetisch. Dieses Buch zu lesen ist ein Fest, auch wenn es nicht immer schön zugeht. Man erlebt Fridas Jugend, den Unfall und seine Folgen, ihre Liebe zu Diego und zu einigen anderen Menschen, die ihr wichtig waren. Auch ihr Schaffen und einige ihrer Bilder werden intensiv beschrieben.
Ein großartiges Buch, das mit 219 Seiten leider etwas zu kurz geraten ist, gerne hätte ich in diesem Stil mehr über Frida erfahren. Die Lust sich weiter mit der brillanten Aufnahmekünstlerin zu beschäftigen, wurde definitiv geweckt.
Das Buch ist in vier Teile untergliedert, die mit Zeitabschnitten betitelt sind. Innerhalb dieser Teile erzählt die Autorin nicht chronologisch, sondern springt zwischen den Ereignissen hin und her. Sie erschafft damit und der intensiven Sprache ein lebendiges Bild Kahlos.
Ein tolles Buch, um der Künstlerin nahe zu kommen, auch für erste Begegnungen mit ihr gut geeignet, es vermittelt ein umfassendes Bild aller Schattierungen ihres intensiven Lebens.

Bewertung vom 04.06.2021
Die Geschichte von Kat und Easy
Pásztor, Susann

Die Geschichte von Kat und Easy


sehr gut

Freundschaft mit Sendepause
Kat und Easy waren in den 70 er Jahren beste Freundinnen, die jugendlichen Mädchen gingen durch dick und dünn. Beide verlieben sich in denselben jungen Mann und die Freundschaft findet ein jähes Ende. Nach einer langen Sendepause kommunizieren die Beiden wieder miteinander und verabreden sich für gemeinsame Urlaubstage auf Kreta.
Ich war von der Idee zum Buch begeistert, wer hat nicht mal einen Freund oder eine Freundin im Laufe des Lebens wegen irgendeines Vorfalls verloren und würde das gerne rückgängig machen. Aber so einen gemeinsamen Urlaub nach 50 jähriger Pause ist eine krasse Maßnahme, das muss man sich erst mal trauen. Es gelingt der Autorin diese Begegnungen glaubhaft zu gestalten und einfühlsam zu schildern. Sie erzählt abwechselnd von der Zeit 1973 und der Gegenwart. Die Geschichte enthüllt sich nach und nach, mir hat sie sehr gut gefallen. Leider ist das Ende etwas vorhersehbar, so dass die Spannung fehlte. Sprachlich ist der Roman gut gelungen, vieles regt zum Nachdenken an. Kein Buch für zwischendurch, sondern eines das nachhallt, wenn man sich mit Kat und Easy auf die Reise nach Kreta, zu ihrer Freundschaft und sich selber begibt.