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Benutzername: S.L.
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Bewertungen

Insgesamt 113 Bewertungen
Bewertung vom 21.04.2019
Burning Angels - Jagd durch die Wildnis / Will Jaeger Bd.2
Grylls, Bear

Burning Angels - Jagd durch die Wildnis / Will Jaeger Bd.2


sehr gut

Will Jaeger fackelt nicht lange. Nachdem Frau und Sohn entführt wurden, ist er auf der Suche nach ihnen. Dabei kommt er einem skrupellosen Politiker, der von nichts weniger als der Weltherrschaft träumt, in die Quere. Dessen Plan: ein von den Nazis aufgefundenes Killervirus zur Vernichtung minderwertigen Lebens zu nutzen und ein Viertes Reich zu errichten. Unglücklicherweise hat er auch noch weitreichende Beziehungen, politischen Einfluss und Geld.
Jaeger gerät in brisante Situationen, ist brillant, furchtlos und kluger Taktiker. Unterstützt wird er von Narov, einer toughen Kämpferin. Spuren führen auf abgelegene Inseln, in afrikanische Reservate, an idyllische Strände.
Bear Grylls hat einen packende Thriller geschrieben. Nicht nur die aufregenden Aktionen seines Helden werden geschildert, nicht nur der Größenwahn ewig Gestrigerer, auch der Kampf gegen Wilderer wird einbezogen. Technische Beschreibungen der eingesetzten Waffen sind etwas zu ausführlich, aber vermitteln Glaubhaftigkeit.
Das Mitfiebern mit Jaeger und seinen Gefährten erweist sich als spannend und unterhaltsam.
Gelungenes aus dem Hause HarperCollins, übersetzt aus dem Englischen von Marco Mewes.

Bewertung vom 15.04.2019
Mein Leben als Sonntagskind
Visser, Judith

Mein Leben als Sonntagskind


sehr gut

So eine Ahnung, was im Kopf eines Kindes mit Asperger-Syndrom abläuft, hatte ich. Aber bei weitem nicht so, wie Jasmijn das schildert.
Die schmerzhafte Reizüberflutung, das Nicht-reagieren-können, ihr Unverständnis für Gegebenheiten mitzuerleben, tut weh. Auch das Nichtverstehen von Metaphern, Witzen, Andeutungen, die Angst vor fremden Situationen ist schwer vorstellbar. Die heftigen Migräneattacken, die auf unbekannte Situationen folgen, zeigen, wie sehr Jasmijn beeinträchtigt ist. Schwer, fast unmöglich ist ein Leben entsprechend den Normen. Grelle Lampen, sich überlagernde Stimmen - alles wirft sie aus der Bahn, überfordert sie.
Jasmijns Eltern sind liebenswert, stellen sich stets schützend vor sie, nehmen enorm viel Rücksicht, versäumen es aber, sie zu fördern. Sie wissen es nicht besser.
Jasmijn schafft sich ihre eigene Welt, aber kann sie in der realen bestehen?
Judith Visser schildert aus eigenem Erleben sehr eindrucksvoll, welche Erfahrungen, Empfindungen und Eindrücke ihre Kindheit und Jugend prägten.
Dieses Buch aus dem HarperCollins-Verlag sollte dazu beitragen, Verständnis für Menschen zu wecken, die „eben so sind“ und sich nicht immer erwartungsgemäß verhalten. Ein emotionaler Anstoß, über fremd anmutende Verhaltensweisen nachzudenken.

Bewertung vom 08.04.2019
Liebes Kind
Hausmann, Romy

Liebes Kind


sehr gut

Sehr bewegend und emotional werden die Geschehnisse aus Sicht der „Ersatz“-Lena und auch von Matthias, Lenas Vater, erzählt. Erschütternd, zu welchen seelischen und körperlichen Grausamkeiten Jemand fähig ist, bewundernswert, das auszuhalten und den Gedanken an Befreiung nie aufzugeben.
Bemerkenswert ist es Romy Hausmann gelungen, die Figur der Hannah darzustellen. Mit autistischen Zügen, sich stets an vorgegebene Regeln haltend, kann sie alles druckreif erklären. Die meisten Menschen sind für sie kleine Trottel, Gefühle Anderer kann sie nur schwer erfassen. Und doch arbeitet sie zielstrebig auf ein überraschendes Ziel hin.
Ein gelungener Thriller, der einen Blick in zutiefst gestörte Seelen offenbart und zeigt, zu welchen Abartigkeiten normal scheinende Menschen fähig sind.
Spannend zu lesen!

Bewertung vom 06.04.2019
Die verborgenen Stimmen der Bücher
Collins, Bridget

Die verborgenen Stimmen der Bücher


ausgezeichnet

Bridget Collins beschreibt faszinierend, welchen Stellenwert Erinnerungen haben können. Ist man erleichtert, wenn Schlimmes aus dem Gedächtnis schwindet? Aber wo sind dann die ganzen Besonderheiten, die einen ausmachen? Man kann manipuliert werden. Das eigene Ich verändert sich, im Unterbewusstsein weiß man, dass etwas fehlt. Man fühlt sich leer.
Für geldgierige Binder entsteht ein lukrativer Markt, weil die Ärmsten ihre Erinnerungen verkaufen, damit reiche Voyeure sich in ihrem Elend ergötzen können, oder sie sogar erpressen, weil eben doch keine Verschwiegenheit garantiert ist. Auch die, die selber für die Löschung ihrer Gedanken zahlen, werden angreifbar. Welch schrecklicher Gedanke!
Es gibt auch gefälschte Erinnerungen, sehr ironisch nennt die Autorin sie „Romane“. Aber die liest man nicht so gerne in der beschriebenen Welt. Elend, moralische Verkommenheit und schmutzige Geheimnisse ziehen sogenannte Sammler ganz besonders an.
Ein neuartiges Thema, was in „Die verborgenen Stimmen der Bücher“ aufgegriffen wird. Nie langweilig zu lesen, liebevolle Beschreibungen von Bucheinbänden und Materialien verzaubern. Und natürlich wird der Liebe ausreichend Raum eingeräumt, jeweils aus anderer Perspektive.
Das Sujet ist originell, regt zum Nachdenken an, versetzt den Leser in eine interessante Fantasiewelt, die der realen Welt mit Manipulation, Korruption und Ausbeutung gar nicht so fern scheint.
Klare Leseempfehlung, ich mochte es.

Bewertung vom 03.04.2019
Wer sich umdreht oder lacht ...
Vries, Mel Wallis de

Wer sich umdreht oder lacht ...


ausgezeichnet

Mandy ist geschockt: ein gleichaltriges Mädchen wird ermordet. Aufnahmen ihrer letzten Minuten werden auf Snapchat veröffentlicht. Sie ist ohnehin in einem emotionalen Ausnahmezustand: ihre Mutter liegt sterbend im Krankenhaus, ihre Schwester benimmt sich unausstehlich, ihre Freundin verhält sich merkwürdig.
Kurz darauf wird ein weiterer Teenager getötet und wieder werden Bilder ihres Sterbens online gestellt. Die Situation macht Mandy schwer zu schaffen, einziger Lichtblick ist die Bekanntschaft mit Axel, den sie im Krankenhaus kennenlernt. Sie verliebt sich, sucht Trost.
Dann wird nach dem selben Tatmuster ein weiteres Mädchen grausam getötet, wieder gibt es makabre Videos auf Social Media- Kanälen. Der anwesende Freund wird verletzt. Und das war nicht der letzte Mord.
Mel Vallis de Vries hält die Spannung konstant hoch.
Das gelingt ihr, indem stets die Situation und die letzten Gedanken der Mädchen aus deren Perspektive beschrieben werden. Viele Spuren werden gelegt, viele Personen machen sich verdächtig. Es knistert regelrecht. Wer ist der Mörder, welche Motive hat er, warum stellt er die Opfer sogar noch nach ihrer Ermordung bloß, wie gelingt es ihm, lange unerkannt zu bleiben?
Ein absoluter Pageturner mit viel Thrill. Klare Leseempfehlung.

Bewertung vom 27.03.2019
Dark Call - Du wirst mich nicht finden
Griffin, Mark

Dark Call - Du wirst mich nicht finden


sehr gut

Kling, Glöckchen, kling
Holly Wakefield, forensische Psychiaterin, entdeckte als Erste den Zusammenhang : an jedem Tatort findet sich ein Glöckchen. Ein Serienmörder treibt also sein Unwesen. Einer? Zwei? Mann oder Frau? Nun, Holly ist die Beste, deshalb wurde sie auch von der Polizei hinzu gebeten. Sie lässt ihre Umwelt gern an ihrem Wissen teilhaben, äussert oft ‚Auszüge aus Killer- Enzyklopädien.‘ Aber sie selbst hat ein Geheimnis.
Bestimmte Zeichen an den grausam hingerichteten Opfern zeigen, dass es noch mehr Ermordete geben muss. Ein Muster zeichnet sich ab, aber das hilft nicht weiter. Holly und ihr sympathischer Polizeikollege Bishop müssen viele Spuren verfolgen, weit in die Vergangenheit zurück gehen, Misserfolge kassieren und kommen in gefährliche Situation.
Der zweite Teil des Titels „Du wirst mich nicht finden“ scheint in Erfüllung zu gehen.
Mark Griffin hat einen soliden Thriller geschrieben, der gut und spannend geschrieben wurde. Wie oft erweist sich Überraschendes als Lösung.
Lesenswerte Spannung aus dem Harper Collins Verlag.

Bewertung vom 14.03.2019
Ein wirklich erstaunliches Ding
Green, Hank

Ein wirklich erstaunliches Ding


sehr gut

Plötzlich ist er da: Carl. Übermannsgroß, stumm, faszinierend, aus unbekanntem Material. April, 23, ambitioniert und aufgeweckt, entdeckt ihn als Erste. Das Video, dass sie mit einem guten Freund dazu dreht, geht viral. April wird zu Talkshows eingeladen, ihre Clickzahlen in den Social Accounts steigen, Interviews werden gut bezahlt. Alle wollen wissen: Wer/ was ist Carl, was ist sein Zweck? April wird Carl-Expertin. Geschickt gemanagt, unterstützt von Freunden, ändert sich ihr Wesen. Sie wird süchtig nach Anerkennung und Bedeutung. Sogar die Regierung mischt sich ein, möchte, dass April kooperiert und hilft.
Und die inzwischen 64 Carls? Sie geben den Menschen Rätsel auf, senden mysteriöse Aufgaben in Träumen, die sich wie Viren ausbreiten. Um die Aufgaben zu lösen, müssen Menschen unterschiedlichster Interessen und Kenntnisse kooperieren. Können sie das? Und wozu wollen die Carls das?
Hank Green hat ein interessantes Erstlingswerk mit einer spannenden Idee geschrieben. Die Ich-Erzählerin bezieht die Leser direkt in ihre Erlebnisse ein, macht die Geschichte durch ungewisse Voraussagen spannend. Ihr Verhalten und ihre Entwicklung wirken authentisch, das macht die Story lebendig und erschreckend realistisch.

Bewertung vom 10.03.2019
Mr. Doubler und die Kunst der Kartoffel
Glaister, Seni

Mr. Doubler und die Kunst der Kartoffel


ausgezeichnet

Mr. Doubler lebt einsam auf einem Kartoffelhof, den er nie verlässt. Mrs. Millwood macht seine Besorgungen, kümmert sich um den Haushalt. Ihre Unterhaltungen geben ihm eine Zuhörerin, wenn er über seine geliebte Kartoffelzucht und die Suche nach dem perfekten, krankheitsresistentem Exemplar forscht. Auch zu anderen Dingen hat er eine feste Meinung, die er als allgemeingültig erachtet. Mr. Doubler ist entsetzt, als seine treue Zuhörerin krank wird. Nun muss er sich dem Leben außerhalb seines Hofes stellen. DIE Gelegenheit für seinen Sohn, an sein Erbe heranzukommen, indem er ihm vorschlägt, den wertvollen Landbesitz zu verkaufen und in eine kleine, pflegeleichte Behausung umzuziehen.
Tägliche Telefongespräche mit Mr. Millwood werden zum Höhepunkt seiner Tage, geben wertvolle Denkanstöße, praktische Lebenshilfe. Zudem bittet sie darum, sie im Tierheim zu vertreten. All das ist verwirrend, der Druck durch den gierigen Nachbarn wird größer. Und Sohnemann schmiedet finstere Pläne.
Seni Glaister hat einen warmherzigen Roman über die Einsamkeit älterer Menschen, die Selbstverleugnung vieler Eltern, die Leere im Leben ohne sinnvolle Tätigkeiten geschrieben. Aber man kann Vieles verändern, sich um seine Mitmenschen kümmern und Lebensfreude genießen. Das Thema scheint zunächst traurig, aber „Mr. Doubler und die Kunst der Kartoffel“ ist ein optimistisches Buch aus dem Harper Collins Verlag mit liebenswerten Menschen, die auch den weniger sympathischen Zeitgenossen erfolgreich Grenzen aufzeigen.

Bewertung vom 08.03.2019
Ein Tropfen vom Glück
Laurain, Antoine

Ein Tropfen vom Glück


sehr gut

Das möchte ich auch: das Paris der 50-er Jahre erleben, das Flair der noch nicht gar so hektischen Zeit fühlen, berühmten Leuten begegnen.
Genau das passiert Julien, dem Barkeeper, Magalie, der Porzellanrestauratorin, Bob, dem Amerikaner und Hubert, dem Hausverwalter eines Pariser Mietshauses. Nach dem gemeinschaftlichen Genuss einer speziellen Flasche Rotwein finden sie sich im Jahr 1954 wieder. Was zunächst wie die Kulisse eines historischen Spektakels wirkt, ist das Paris von vor 63 Jahren. Aus monetären Schwierigkeiten helfen Bobs amerikanische Dollars, die gern getauscht werden. Im Gegensatz zu den europäischen Euro, die für Spielchips durchgehen. Problemlos fügt sich das Quartett in die Situation, erlebt ganz authentisch die Vergangenheit, trifft Verwandte und Berühmtheiten. Sogar Audrey Hepburn, Jean Gabin und andere.
Aber natürlich soll das nicht von Dauer sein, es gibt nur ein kleines Problem: Wie gelangt man zurück?
Antoine Laurain hat eine Geschichte voll Poesie und Romantik verfasst. Eine angenehm zu lesende Zeitreise, in der auch der Humor nicht zu kurz kommt. Besonders gefallen Szenen, die im „Roten Wiesel“ oder im Zug stattfinden.
Lektüre zum Träumen, Abschalten, Entspannen. Gefällt mir.

Bewertung vom 08.03.2019
Die Verlobten des Winters / Die Spiegelreisende Bd.1
Dabos, Christelle

Die Verlobten des Winters / Die Spiegelreisende Bd.1


ausgezeichnet

Anima ist eine der 21 Archen, die nach Zerschlagung der Welt existieren. Sie sind völlig unterschiedlich, in einer leben die Menschen wie in einer großen Familie, in einer anderen gibt es Klans und Hierarchien. Die Bewohner haben verschiedene Fähigkeiten; können Illusionen hervorrufen und Dinge verzaubern, Räume erschaffen, Gedanken beeinflussen oder die Geschichte von Gegenständen *lesen* . Ophelia ist eine solche Leserin, tollpatschig, unscheinbar, schüchtern. Ausgerechnet sie soll einen wortkargen, unhöflichen und pedantischen Mann vom Pol heiraten. So wollen es die Ältesten der Archen. Warum? Thorn vom Klan der Drachen prophezeit seiner Verlobten, dass sie in seinem eisigen Land den ersten Winter nicht überleben wird. Wirklich?
Nicht nur andauernde Kälte, auch zahlreiche Intrigen, Neid, Missgunst und Lügen machen Ophelia zu schaffen. So farbenprächtig und üppig Christelle Dabos den Spiegelpalast auch schildert - leben möchte man dort nicht und bedauert die Heldin von Herzen. Nur langsam und schmerzhaft zeigt sich, wer Freund und wer Feind ist.
Ein phantasievolles Märchen mit überraschende Wendungen, interessanten Charakteren und spannenden Momenten - unterhaltsam zu lesen. Ein furioser Auftakt einer mehrteiligen Weltenwandererreihe, der Lust aufs Weiterlesen macht.
Das Lesezeichen im Coverdesign gibt einen informativen Überblick über die Figuren der Saga und ist eine gelungene Beigabe.