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Benutzername: Kerstin
Danksagungen: 31 (erhaltene)


Bewertungen

Insgesamt 371 Bewertungen
Bewertung vom 17.12.2018
Ein Teil von ihr (eBook, ePUB)
Slaughter, Karin

Ein Teil von ihr (eBook, ePUB)


schlecht

Die Vergangenheit holt sie ein

Andy ist mit ihrer Mutter Laura in einem Café, als plötzlich ein Amokläufer hereinkommt und eine Frau und ihre Tochter erschießt. Andy steht vollkommen unter Schock und kann nichts tun, ihre Mutter hingegen tritt dem Täter entgegen und bringt ihn um. Andy versteht nicht, wie ihre Mutter zu so etwas fähig ist. Dann will Laura nichts mehr von Andy wissen. Diese folgt einer Spur und stößt auf Ereignisse, die 30 Jahre zurück liegen und muss feststellen, dass ihre Mutter nicht die ist, die sie vorgab zu sein.

Für mich zog sich dieser Thriller wirklich sehr in die Länge. Ich musste zwischendurch auch 100 Seiten überspringen, da ich einfach nicht vorankam. Insgesamt habe ich gut eine Woche an ihm gelesen. Normalerweise würde ich für so ein Buch zwei bis drei Tage brauchen. Die Grundidee dieses Thrillers ist nett. Andy muss erfahren, dass sie ein Leben lang getäuscht wurde und kommt der Wahrheit selbst Schritt für Schritt auf die Spur. Gut fand ich, dass man als Leser immer wieder zwischen Gegenwart und Vergangenheit wechselt. So erfährt man, was wirklich geschah und hat selbst die Möglichkeit dies mit der Gegenwart zu verbinden. Allerdings war mir die Handlung zu vorhersehbar und so gab es keine überraschende Wendung.
Die Charaktere haben mir alle nicht zugesagt. Mir waren sie durch die Bank weg unsympathisch. Einen Draht konnte ich zu keinem finden. Andys Mutter gehörte einer Weltveränderungsarmee, diese Leute waren besonders merkwürdig.
An Spannung fehlte es für meinen Geschmack auch sehr. Eigentlich war es die gesamte Zeit nicht spannend. Es zog sich einfach nur.
Für mich war diese Lektüre eine Qual. Die Geschichte an sich war gut und hat mir zugesagt, deshalb vergebe ich noch eineinhalb von fünf Sternen.

Bewertung vom 17.12.2018
Der Insasse
Fitzek, Sebastian

Der Insasse


ausgezeichnet

Dieses Mal wieder ein guter Fitzek

Der kleine Max ist seit einem Jahr verschwunden. Seine Eltern verzweifeln an der Sorge um ihn und haben ihn schon aufgegeben. Alles deutet daraufhin, dass Guido Tramnitz, der schon zwei Kindern ermordet hat, auch den kleinen Max auf dem Gewissen hat. Dieser sitzt nun in der Steinklinik – einem psychiatrischen Gefängnis – ein. Aus diesem Grund lässt sich Till Berkhoff, Max‘ Vater, ebenfalls in die Steinklinik einweisen. Er muss einfach wissen, wo sein Sohn ist!

Wie gewohnt ist der Schreibstil von Sebastian Fitzek sehr flüssig und angenehm zu lesen. Hat man erst einmal angefangen, kann man einfach nicht mehr aufhören. Bei Fitzek knacke ich tatsächlich immer wieder meinen Seitenrekord pro Stunde. Bei keinem anderen Autor komme ich so schnell voran. Neben der Spannung, und teilweise Anspannung, ist auch immer noch Platz, das Ganze auch mal lustig aussehen zu lassen, ohne dass es geschmacklos wirkt! Was mich etwas gestört hat, dass es dieses Mal recht brutal daher ging. Stellenweise gab es recht eklige Folterszenen, das muss nicht sein. Allerdings war es hier – nicht wie zunächst befürchtet – durchgehend so, sondern ließ dann irgendwann nach.
Die Spannung war von der ersten bis zur letzten Seite vorhanden. Fitzek schafft es immer wieder genau dann die Spannung anzuziehen, wenn man denkt jetzt wird es erst mal ruhiger.
Die Handlung an sich hat mir sehr gut gefallen. Die Verzweiflung des Vaters kam sehr gut rüber – er muss einfach wissen, was mit seinem Sohn passiert ist, egal was das mit sich zieht. Die Charaktere haben mir auch gut gefallen. Sie sind durchdacht und wirken authentisch. Wenn auch teilweise durchgedreht. Aber wir sind hier in einer Psychiatrie, dort sind auch die Ärzte nicht normal. Und die menschliche Psyche ist nun mal unergründlich. Alles war sehr stimmig und wurde am Ende logisch und nachvollziehbar aufgelöst!

Am Ende kommt natürlich alles anders als gedacht – genau das liebe ich so an Thrillern! Ich habe nichts auszusetzen – die brutalen Szenen hielten sich dann doch in Grenzen – so dass ich sehr gerne volle fünf von fünf Sternen vergebe.

Bewertung vom 15.12.2018
Unverfrorene Freunde
Pütz, Klemens; Batarilo, Dunja

Unverfrorene Freunde


ausgezeichnet

Spannendes und Lehrreiches über Pinguine

Klemens Pütz ist Meereszoologe und widmet sich seit Jahrzehnten der Pinguinforschung. In seinem Buch „Unverfrorene Freunde“ hat er mit Dunja Batarilos Hilfe ein wunderbares Sachbuch geschaffen, welches auf angenehme Art und Weise dem Leser die Welt der Pinguine näherbringt.
Das Buch ist in drei Teile gegliedert. Zunächst geht es um den Pinguin an Land, dort verbringt er nur Zeit während er sich um die Fortpflanzung kümmert – Partnerwahl, brüten, Aufzucht. Im zweiten Teil geht es um den Pinguin im Wasser, wo er 70 Prozent seiner Lebenszeit verbringt. Pinguine sind die Vögel, die unter Wasser fliegen. Der letzte Teil des Buchs dreht sich um den Schutz der Pinguine und die Verschmutzung der Meere. Pütz geht es bei seiner Forschung darum, herauszufinden, wie er die Pinguine schützen kann. Vor allem im letzten Kapitel erläutert Pütz, wie seine Stiftung den Pinguinen hilft.
Es handelt sich bei diesem Buch um ein Sachbuch, dennoch war es zu keiner Zeit langweilig, da es nicht nur informativ, sondern auch unterhaltend war. Der Schreibstil ist sehr locker und auch lustig. Es wirkt, als würde Klemens Pütz neben einem sitzen und über sein Leben unter Pinguinen erzählen. Immer wieder gibt es keine Info-Kästchen, in denen der ein oder andere Punkt genauer erklärt wird, was aber im Fließtext stören würde. Zusätzlich zum Text gibt es auch zwei Abschnitte mit Bildern. Diese kommen gebündelt etwas in der Mitte des Buches vor. Sie sind mit einem Untertitel beschriftet, so dass man sie inhaltlich in den Text einordnen kann. Es handelt sich um aussagekräftige und qualitativ hochwertige Fotos.
Durch dieses Buch lernt man wirklich viel über die Pinguine. Bisher wusste ich nicht viel über sie. Das hat sich nun geändert. Leider ist noch nicht bekannt, wie alt Pinguine werden können. In Zoos erreichen sie ein Alter von bis zu 40 Jahren – in freier Wildbahn wird es wohl weniger sein. Sehr interessant fand ich, dass Single Pinguine auch gerne mal ein Küken, während die eigentlichen Eltern auf Futtersuche sind, adoptieren. Nur haben diese Adoptiveltern meist keine Geduld, das Adoptivkind wirklich aufzuziehen. Gerne haken sie es dann auch tot. Ein weitverbreitetes Irrwissen ist, dass Pinguine sich eine Fettschicht anfressen, um im Wasser nicht auszukühlen. Doch das ist falsch, denn 95% ihrer Gesamtisolation verdanken sie ihrem enorm dichten Gefieder!

Mir hat die Lektüre dieses Buches sehr viel Spaß gemacht und ich habe sehr viel dazu gelernt. Da ich nichts auszusetzen habe, vergebe ich volle fünf von fünf Sternen.

Bewertung vom 13.12.2018
Die Sprache der Tiere
Brensing, Karsten

Die Sprache der Tiere


weniger gut

Tiere sind klüger als wir annehmen

Karsten Brensing ist Meeresbiologe und Verhaltensforscher. Er arbeitete als Delfinforscher und wurde so zum Delfinschützer. Daraufhin war er zehn Jahre lang als wissenschaftlicher Leiter im Deutschlandbüro der größten internationalen Wal- und Delfinschutzorganisation WDC tätig.

Er will mit seinem Buch den Menschen helfen sich ein neues – durch den derzeitigen Wissenstand aktualisiertes – Bild von den Tieren zumachen.
Dieses Sachbuch ist nicht nur für Biologen zu empfehlen, sondern auch für den interessierten Laien. Denn alle Fremd- und Fachwörter sind leicht verständlich und anschaulich erklärt. Die Sprache ist sehr angenehm und auch unterhaltend. Die Schrift war für meinen Geschmack recht klein, sie hätte etwas größer sein können.
Thematisch steht nicht wirklich die Sprache im Vordergrund, sondern eher, der Umgang des Menschen mit den Tieren. Viele Themen werden nur angerissen. Es wäre besser gewesen nur Einzelne rauszupicken und hier tiefer ins Detail zu gehen. Außerdem wird häufig auf spätere Kapitel verwiesen. Doch bis man an diesen ankommt, hat man den Verweis vor lauter neuen Verweisen schon vergessen. Im Buch sind viele Fußnoten, die im Anhang dann auf weiterführende Literatur, ursprüngliche Quellen und viele, viele Videos verweisen. Das gefällt mir, denn so kann man, vor allem wenn ein Thema nur angerissen wird, es selbst vertiefen.
Schön ist, dass Brensing sehr viele Beispiele, auch aus dem Alltag, anbringt. Denn so ist es doch einfach, das Wissen dem Leser näherzubringen. Ebenfalls positiv ist, dass dieses Sachbuch einige Farbabbildungen enthält. Diese verdeutlichen teilweise das Geschriebene oder ergänzen es. Gut war hier auch, dass jedes Bild eine Bildunterschrift hatte, so konnte man es besser einordnen. Denn manchmal kam das Bild doch erst einige Zeilen oder eine Seite nach dem Text.
Nicht so toll fand ich, dass ich schon das „Mysterium der Tiere“ von Brensing gelesen habe und mir so bei der Lektüre des neuen Buches leider schon sehr viel bekannt vorkam. So wurde es etwas langweilig.

Fazit dieses Buches ist definitiv: wir sollte die Tiere nicht unterschätzen! So richtig warm wurde ich mit dem Buch leider nicht, deshalb vergebe ich zwei von fünf Sternen.

Bewertung vom 08.12.2018
Muttertag / Oliver von Bodenstein Bd.9
Neuhaus, Nele

Muttertag / Oliver von Bodenstein Bd.9


ausgezeichnet

Pias persönlicher Fall

Theodor Reifenrath wird tot in seiner Wohnung aufgefunden. Niemand hatte ihn als vermisst gemeldet, so lang er nun schon über eine Woche in seiner Wohnung. Auf den ersten Blick sieht es nach einem natürlichen Tod aus. Allerdings sieht die Wohnung so aus, als hätte jemand was gesucht – Reifenraths Wertsachen fehlen. War es Raubmord? Und wo ist eigentlich Reifenraths Hund? Diesen finden die Ermittler im Hundezwinger – allerdings nicht allein. Unter ihm liegen die Gebeine eines Menschen. Ein neuer Fall für Oliver von Bodenstein und Pia Sander.

Mir hat dieser Krimi sehr gut gefallen. An Nele Neuhaus‘ Krimis finde ich so klasse, dass sie voll mit Ermittlungsarbeit sind. Hier ist es nicht Königzufall, der alles löst, sondern eben noch die guten alten Ermittler. Ich kenne kaum Krimis, in denen so viele Menschen befragt werden wie in der Bodenstein/Sander-Reihe.
Den Schreibstil von Nele Neuhaus mag ich sehr. Er ist angenehm und flüssig zu lesen. Und meist recht detailliert ohne langweilig zu wirken. Ich habe bei ihren Krimis immer ein Kino im Kopf.
Für mich war es von Anfang an sehr spannend. Während dem Lesen ging es mir wie den Ermittlern, ich hatte einen Verdächtigen nach dem anderen. Vor allem das Ende war sehr fesselnd. Eigentlich wollte ich vor den letzten 100 Seiten aufhören zu lesen und schlafen gehen, doch ich könnte einfach nicht aufhören und habe das Buch dann noch zu Ende gelesen.
Wie auch schon im letzten Band „Im Wald“ gab es sehr viele handelnde Personen, so dass man doch anfangs stark überfordert war und nicht mehr wusste, wer wer ist. Vor allem, da es sich meist um Pflegekinder von Theodor Reifenrath handelte. Aber mit der Zeit hatte ich die Namen im Griff und fand mich gut zurecht!
Erzählt werden zunächst zwei Erzählstränge, bei denen man nicht weiß wie sie zusammenhängen sollen – ob sie überhaupt zusammenhängen. Auf der einen Seite die Ermittlungen zum toten Theodor Reifenrath im Taunus und auf der anderen Seite Fiona Fischer, die in der Schweiz lebt. Zwischendurch kommt auch immer wieder der Täter zu Wort, was interessant ist und einem seine Beweggründe aufzeichnet. Allerdings einem nicht verrät, wer er denn nun ist. Das finde ich immer super. Ich möchte gerne auch erst am Ende erfahren, wer der Täter ist.
Ich bin ja ein richtiger Fan von Pia Sander! Oliver von Bodenstein mag ich auch, aber Pia ist mir noch ein Ticken sympathischer. Vor allem ihr Bauchgefühl ist spitze, so kommt sie früher oder später doch noch jedem auf die Schliche. Dieser Fall wird, nach dem der letzte von Bodensteins persönlicher Fall war, nun Pias persönlicher Fall. Ob sie objektiv genug bleiben kann, um dem Täter aufzuspüren?

Als Fan der Reihe bin ich vollkommen begeistert. Deshalb vergebe ich volle fünf von fünf Sternen. Für Neueinsteiger ist dieser Band allerdings eher nicht zu empfehlen. Ich schätze die Meisten werden von den vielen Personen abgeschreckt und sehen den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr. Deshalb würde ich Neueinsteigern, doch lieber einen älteren Band empfehlen.
Ein lustiges Schmankerl zu diesem Buch. „Muttertag“ ist das erste Hardcover, das uneingeschweißt auf den Markt kam, dafür wird in der Handlung sehr viel Plastikfolie verbraucht.

Bewertung vom 03.12.2018
Mädelsabend
Gesthuysen, Anne

Mädelsabend


gut

Freiheit oder Familie – oder doch beides?

Ruth ist nun seit 65 Jahren mit ihrem Walter verheiratet, doch so richtig glücklich ist sie nie geworden. Denn Walter ist ein typischer Patriarch. Für den Leser beginnt mit diesem Roman eine Reise zurück in die 40er Jahre. Die mit Ruths Leben bis in die Gegenwart reicht. Dort lernen wir auch Ruths Enkelin Sara kennen, die vor ähnlichen Fragen steht wie Ruth früher.

In diesem Buch geht es um die Rolle der Frau in der Gesellschaft. Anhand von Ruth lernen wir das (ver)alte(rte) Frauenbild kennen. Die Frau macht den Haushalt und hält dem Mann den Rücken frei. Ein eigenes Leben bleibt ihnen verwehrt. So durfte Ruth nicht mehr arbeiten und musste fortan zuhause bleiben – den Sohn großziehen, den Haushalt machen und den Schwiegervater pflegen. Auf der anderen Seite haben wir Sara, Ruths Enkeltochter, sie repräsentiert die moderne, selbstständige Frau. Sara ist Ärztin und möchte nun gerne neben ihrer Tätigkeit als Mutter habilitieren.
Der Schreibstil hat mir gut gefallen. Er war angenehm und sehr flüssig zu lesen, wodurch das Lesen sehr flott ging. Sehr gefallen hat mir die Verbindung der Vergangenheit und der Gegenwart. Die Rückblenden gingen fließend in die Gegenwartshandlung ein und so hatte man als Leser immer den Überblick in welcher Zeit man sich gerade befindet. Die Charaktere fand ich nicht ganz perfekt. Ruth war zwar sehr gut ausgearbeitet. Sie lernen wir auch am besten kennen, da es die meiste Zeit um sie geht. Als junges Mädchen ist sie in die Ehe „geraten“ und steckt dort nun seit 65 Jahren fest. Einerseits möchte sie gerne weg von Walter, andererseits kann sie auch nicht ohne ihn. Dieses Dilemma begleitet Ruth nun schon sehr lange durch ihr Leben. Sara bleibt einem allerdings recht fremd und wirkt kalt, da im Roman auf ihre Gefühle nicht so richtig eingegangen wird. Ihr Teil der Handlung wird nur kurz und eher sprunghaft dargestellt. Sie möchte nach Cambridge und plötzlich hat sie schon die Zusage und dann ist sie dort und der Leser kennt das Geschehen dazwischen nicht. Die Männer in diesem Roman sind eigentlich allesamt Patriarchen und dementsprechend unsympathisch. Allen voran Walter. Er scheint kein Selbstbewusstsein zu haben und nur zu tun, was sein Vater sagt, und so übernimmt er dessen herrisches Verhalten. Leider ändert sich im Verhalten der einzelnen Charaktere nicht richtig viel. Sie denken mal über ihr Leben und Verhalten nach, aber das wars dann auch schon. Schade.

Das Lesen dieses Romans fiel mir leicht und es war zu keiner Zeit langweilig. Dennoch passierte nicht viel. Das Meiste spielte sich zwischen den Zeilen ab. Oder im Fall von Sara irgendwo im Nirgendwo. Eine richtige unterhaltende Handlung gab es eigentlich nicht. Es war mehr die Diskussion, wie eine Frau denn nun zu sein hat. Da am Ende aber alles eigentlich bleib wie es war, konnte mich dieser Roman nicht ganz überzeugen. Ich vergebe drei von fünf Sternen, da ich inhaltlich enttäuscht wurde, ich allerdings dennoch gerne dieses Buch gelesen habe. Es war einfach zu viel „hätte ich nicht“ oder „sollte ich nicht“.

1 von 2 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 03.12.2018
Nordsternfunkeln
Lastella, Leonie

Nordsternfunkeln


sehr gut

Wiedersehen auf Amrum

Juna hat vor acht Jahren überstürzt ihre Heimatinsel Amrum verlassen und ist nach Amerika gegangen. Nun muss sie die Zeit zu ihrem neuen Visum überbrücken und kehrt zurück. Nichts ahnend, dass der Grund für ihre Flucht – Bosse – immer noch auf der Insel ist und sie sich sehr schnell in einem Gefühlschaos wiederfindet.

Der Roman wird immer abwechselnd aus Junas und Bosses Perspektive geschildert. Anfangs lernen wir hauptsächlich Juna kennen und nur kurze Ausschnitte über Bosse. Doch gegen Ende werden die Abschnitte meist immer kürzer und die Perspektive wechselt immer schneller. Wodurch der Leser dem Sog des Buches verfällt und nicht mehr aufhören kann zu lesen. Der Roman hat über 500 Seiten. Zunächst dachte ich, das hätte man auch kürzer erzählen können. Aber im Nachhinein wüsste ich nicht was man hätte weglassen können. Keinen der Geschichtsteile hätte ich missen wollen. Die Länge des Buches ist auch kein Problem, da mir der Schreibstil von Leonie Lastella mir sehr gut gefällt. Er ist sehr flüssig und angenehm zu lesen – man fliegt regelrecht über die Seiten. Außerdem kann Leonie Lastella gut mit Worten umgehen und vor allem weiß sie, wie sie mit ihnen spielen muss/kann. Das hat mir schon so an ihrem vorherigen Roman „Brausepulverherz“ gefallen. nicht nur der Schreibstil, auch die Charaktere gefallen mir. Sie sind durchdacht und die Hauptcharaktere waren mir sehr sympathisch. Sie wirkten authentisch, wodurch ich mich gut in sie hineinversetzen konnte. Juna und Bosse tun einem richtig leid. Als Leser weiß man recht schnell, wie sie zu der Vergangenheit stehen, doch die beiden schaffen es immer wieder aneinander vorbeizureden beziehungsweise gar nicht mit einander zu reden. So möchte man sie als Leser gerne schütteln und sie darum bitten, doch endlich Klartext zu reden. Jakob, der Hotelbesitzer, ist sehr liebenswert und hilfsbereit. Er ist eine wunderbare Stütze für Juna. Doch auch diese herzensgute Seele tut einem im Laufe des Romans leid. Die Freunde rund um Juna und Bosse sind ebenfalls klasse. Das Freundschaftsgefühl kam während der Lektüre sehr gut rüber.
Mir hat dieser Roman gut gefallen, vor allem, dass man schon nach den ersten Seiten mitten in der Handlung ist und sich zu Hause fühlt. Außerdem wurde ich angenehm unterhalten, somit vergebe ich vier von fünf Sternen.

Bewertung vom 29.11.2018
Die verlorene Schwester
Winterberg, Linda

Die verlorene Schwester


ausgezeichnet

Nichts im Leben passiert grundlos

Anna ist Anfang dreißig und lebt als Investmentbankerin in Zürich. Ihr Leben scheint so weit in Ordnung, doch dann erfährt sie, dass sie adoptiert wurde. In Wirklichkeit ist sie nicht die Tochter einer Anwaltsfamilie, sondern wurde in einem Gefängnis in der Schweiz geboren. Auf der Suche nach ihrer leiblichen Mutter erfährt Anna einiges über die Verdingkinder, die es bis in die 80er Jahre in der Schweiz gab. Der Leser erfährt parallel zu Annas Geschichte, die Geschichte von Marie und Lena – zwei Verdingkindern in den 70ern. Auf tragische Weise kamen sie zur Fürsorge und wurden von da an weitergereicht.

Abwechselnd werden die Geschichten von Marie und Lena, sowie von Anna erzählt. So kann sich der Leser Schritt für Schritt selbst die Geschichte zusammensetzen. Mir hat dieser Roman sehr gut gefallen. Er wirkte sehr authentisch und gut recherchiert. Etwas verwirrt hat mich, dass ich immer das Gefühl hatte, dass sich Marie und Lena in den 40ern befinden, dabei schrieben wir schon das Jahr 1970. Ich fand es sehr überraschend, dass es tatsächlich zu dieser Zeit noch Verdingkinder gab.
Der Schreibstil hat mir sehr gut gefallen – er war angenehm und flüssig zu lesen. Linda Winterberg hat es wunderbar geschafft, durchgehend die Spannung zu halten. Gerne gab es am Ende einer Perspektive einen Cliffhanger. So fiel es mir sehr schwer, das Buch überhaupt noch aus der Hand zu legen. Die Gefühle der Charaktere kamen sehr gut rüber und als Leser war es einfach, sich in sie hineinzuversetzen. Die Charaktere haben tatsächlich alle ihr eigenes Gesicht, jeder seinen eigenen, speziellen Charakter, wodurch man sie sehr gut auseinanderhalten kann. Sehr gefallen hat mir Anna Entwicklung. Von der toughen Investmentbankerin Anna entwickelt sie sich zu der menschlichen Regula. Es war sehr erschreckend zu lesen, wie schlecht es Lena erging. Schön fand ich, dass Maries Schicksal zeigte, dass es nicht jedem Verdingkind schlecht geht, allerdings gab es auch bei ihr Schattenseiten.

Mir hat die Lektüre dieses Romans sehr viel Spaß gemacht und ich habe nichts an ihm auszusetzen, deshalb vergebe ich volle fünf von fünf Sternen. Da ich festgestellt habe, dass dies nicht der erste Roman der Autorin ist, werde ich mir wohl noch die anderen anschauen.

Bewertung vom 17.11.2018
Unter Wasser kann man nicht weinen / Schmetterlinge Bd.2
Münzer, Hanni

Unter Wasser kann man nicht weinen / Schmetterlinge Bd.2


sehr gut

Spannend, anders als erwartet

Jason, Stephen und Emily sind unzertrennlich, obwohl Jason in Deutschland und Stephen und Emily Harper in Kalifornien leben. Die drei kennen sich schon seit Kindertagen. Jason kam die Sommerferien über in die USA. Auch dieses Jahr soll er wieder ein paar Wochen bei den Harpers verbringen und mit Stephen dessen Junggesellenabschied feiern. Doch dann verschwinden zunächst Emily und dann Stephen. Und scheinbar hat das alles mit Stephens Forschungen bezüglich ölfressenden Bakterien zu tun. Eine spannende Kriminalstory beginnt.

Der Schreibstil von Hanni Münzer hat mir sehr gut gefallen. Ich kenne schon die Honigtot-Saga und wusste somit was auf mich zu kommt: ein sehr angenehmer, flüssig zu lesender Schreibstil, der sehr einfühlsam ist.
Dieser Roman hatte so manch eine Überraschung zu bieten. Das Thema war vielschichtiger als gedacht. Eine Mischung aus New Adult, Kriminalroman und Aufrütteln in Bezug auf Umweltschutz (Mikroplastik). So kommen viele geschmacklich auf ihre Kosten und langweilig wird es auch nicht. Die Kombination aus diesen verschiedenen Themen und Genres ist Hanni Münzer sehr gut gelungen.
Die Charaktere sind sehr unterschiedlich. Der forschende Stephen, der über seinem Mikroskop gerne mal die Zeit vergisst. Die störrische Emily, die am Liebsten die ganze Welt retten will. Jason, der analytische Polizist, der erkennen muss, dass Emily für ihn nicht nur die kleine Ziehschwester ist. Und auf der anderen Seite die Gegensacher, die hervorragend unsympathisch dargestellt werden.
Etwas merkwürdig fand ich, dass einige Charaktere aus der Honigtot-Saga vorkamen. Da habe ich keinen Grund für gesehen. Allerdings erklärt Hanni Münzer im Nachwort den Sinn dahinter. Es zeigt, wie das Schicksal die verschiedensten Menschen zusammenführen kann – die Welt ist eben doch nur ein Dorf.
Dieser Roman ist der zweite Teil der Schmetterling-Reihe. Allerdings kenne ich Teil eins nicht und dennoch habe ich die gesamte Geschichte verstanden.
Mir hat dieser Roman gut gefallen und ich wurde gut unterhalten, deshalb vergebe ich vier von fünf Sternen.

Bewertung vom 11.11.2018
NSA - Nationales Sicherheits-Amt
Eschbach, Andreas

NSA - Nationales Sicherheits-Amt


weniger gut

Idee ist nett, Umsetzung sehr langgezogen

Schwierig, schwierig. Wie fand ich denn nun dieses Buch? Einerseits gefällt mir die Idee ganz gut. Eschbach malt sich das Szenario aus, dass es zu Hitlers Zeiten schon Computer und Internet gab. Und somit ganz Deutschland bis ins kleinste Detail überwacht wird und jeder in Deutschland eine gläserne Person ist. Für Hitler wäre es so noch einfacher gewesen, Menschen für sich zu gewinnen. Und vor allem, wäre es für die SS einfacher gewesen U-Boote zu finden. Sehr gefallen hat mir an diesem Buch auch, dass viele der heutigen Begriffe aus dem Bereich Computer und Internet eingedeutscht wurden. So schreibt sich der Computer mit K und einen Programmierer gibt es nicht, das machen nämlich ausschließlich Frauen – die Programmstrickerinnen. Gut fand ich außerdem, dass es Eschbach gelungen ist, dass man als Leser wirklich das Gefühl hat sich in den 30er- und 40er-Jahren zu befinden, auch wenn es unsere moderne Technik gibt. Teilweise ist sie sogar weiter als unser heutiger Stand.
Weniger gut gefallen hat mir die Länge dieses Buches. Die Geschichte hätte auch auf 300 Seiten gepasst, das hätte genügt. So zog es sich trotz des flüssig zu lesenden Schreibstils doch stellenweise sehr in die Länge. Zwischendurch wurde seitenweise beschrieben, wie denn nun das Programmieren funktioniert – das hätte nicht sein müssen.
Die Charaktere waren ebenfalls nichts, was ich als positiv empfunden habe. Im Mittelpunkt steht die Programmstrickerin Helene, die gerade frisch vom Gymnasium kommt. Sie ist ein Ass im Programmieren, nur mit den Menschen hat sie es nicht so wirklich. Typisch Programmierer?! Ihr gegenüber steht Eugen Lettke, er ist Analyst im NSA – Nationalen Sicherheits-Amt. Lettke nutzt die Zeit der Nationalsozialisten, um sich zu profilieren. Er wird als erbärmlicher Psychopath dargestellt. Im Laufe der Geschichte entwickeln sich beide etwas, allerdings waren sie mir weiterhin recht fremd.

Der Einstieg in dieses Buch fiel mir sehr schwer. Die ersten 150 Seiten waren eine Qual. Danach wurde es interessanter und spannender. Vor allem die Abfragen, die Helene startete waren interessant. Doch die letzten 50 Seiten waren totaler Murks. Da hat es Eschbach übertrieben, das hätte nicht sein müssen. Deshalb vergebe ich zweieinhalb von fünf Sternen.