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Benutzername: Kerstin
Danksagungen: 31 (erhaltene)


Bewertungen

Insgesamt 405 Bewertungen
Bewertung vom 01.02.2019
Jetzt gehörst du mir / Marina Esposito Bd.8
Carver, Tania

Jetzt gehörst du mir / Marina Esposito Bd.8


gut

Zu wenig spannend

Der letzte Fall für DI Phil Brennan und Profilerin Marina Esposito. Es werden drei männliche Leichen gefunden, die alle vom äußeren Phil Brennan ähneln. Dazu haben sie noch eine Tarotkarte bei sich, auf welcher Phils Name steht. Schnell stellt sich heraus, dass eine alte Bekannte zurück ist!

So wirklich begeistern konnte mich dieser Thriller nicht. Es ist auch mehr ein Kriminalfall mit Actioneinlagen. Die Charaktere haben mir nicht gefallen und ich wurde auch nicht warm mit ihnen. Bisher kannte ich noch kein Buch von dem Autorenduo Tania Carver. Und somit war der letzte Fall nun mein Erster. Dennoch habe ich mich gut zurechtgefunden. Es wird auf einige vorherige Fälle hingewiesen und für die jetzigen Ermittlungen wurde genug wiederholt. Auch das Privatleben der Ermittler kann man durch kurze Rückblenden gut zuordnen. Der Schreibstil war ok. Dieses englische/amerikanische Benehmen und die Ausdrucksweise mag ich nicht so, deshalb war es teilweise etwas nervig beim Lesen. Ansonsten liest es sich aber recht flüssig. Was mir allerdings sehr negativ aufgefallen ist, sind die vielen Rechtschreib- und Grammatikfehler. Teilweise war es als hätte man Sätze Wort für Wort aus dem Englischen übersetzt.
Nun zur Spannung. Das ist schwierig. Zum einen dachte ich nach zehn Seiten ich weiß wie es endet. Und dieses Gefühl hatte ich dann noch weitere knapp 500 Seiten lang. Doch dann wird es am Ende doch noch anders. Zum Glück, sonst wäre es ein Flop geworden. Aber dennoch war es mir zu vorhersehbar und der Krimi enthielt mir zu wenige Überraschungen.
Fazit: Es hätte deutlich spannender sein können und die Charaktere waren ebenfalls nicht meins. Dazu noch die vielen Fehler, die doch sehr auffällig waren, das macht zusammen drei von fünf Sternen. Die Vorgängerbände werde ich nun nicht lesen.

Bewertung vom 29.01.2019
Einer wird sterben (eBook, ePUB)
Lorenz, Wiebke

Einer wird sterben (eBook, ePUB)


ausgezeichnet

Spannend und fesselnd!

Stella ist allein in der Villa. Ihr Mann Paul ist Pilot und gerade im Ausland unterwegs. Dann steht plötzlich ein Auto vor ihrer Tür. In ihm zwei Personen, die sich nicht bewegen und das, mehrere Tage lang. Stella bekommt es mit der Angst zu tun. Wissen sie etwas über Stellas und Pauls Geheimnis? Immer mehr merkwürdige Dinge passieren und Stella ist ganz allein.

Dies war mein erster Thriller von Wiebke Lorenz und ich bin total begeistert. Lorenz hat es geschafft mich von der ersten bis zur letzten Seite zu packen und mich nicht mehr loszulassen. Ich konnte das Buch einfach nicht mehr aus der Hand legen – so muss ein Psychothriller sein!! Somit ist der Punkt Spannung vollkommen erfüllt – besser geht es nicht mehr! Es hat mir sehr gut gefallen, dass ich als Leser mir selbst Gedanken darüber machen konnte, wie denn nun alles wirklich war und was das aktuelle Geschehen zu bedeuten hat. Einige Hypothesen habe ich aufgestellt und verworfen, doch am Ende war ich sehr nah dran.
Der Schreibstil hat mir sehr gut gefallen. Er ist angenehm und flüssig zu Lesen, wodurch man noch mehr verleitet wird immer weiter zu lesen. Dies wird auch durch die kurzen Kapitel, die gerne mit einem Cliffhanger enden unterstützt. Erzählt wird die gesamte Handlung aus Stellas Sicht. Der Leser bekommt all ihre Gefühle sehr authentisch mit und leidet mit ihr mit. Selbst zuckt man bei leisen Geräuschen zusammen und erwartet, dass gleich einer hinter einem steht. Schon sehr lange habe ich keinen Thriller mehr gelesen, bei dem ich so in der Handlung und Spannung mit drin war, dass ich mich selbst unwohl und beobachtet gefühlt habe.
Die Charaktere sind Wiebke Lorenz gut gelungen. Vor allem Stella lernt der Leser kennen, da er sie die gesamte Zeit hindurch begleitet. Stellas Gefühle kamen klar und realistisch rüber und wirkten nicht übertrieben. Die anderen Charaktere, die Bewohner der Straße, waren recht unterschiedlich und jeder hatte sein eigenes Profil. Paul bleibt eher im Hintergrund, was die Sache irgendwie interessant macht. Sehr gefallen hat mir, dass alles nachvollziehbar war. Sowohl die Handlungen, als auch die Gefühle der einzelnen Charaktere.
Mir hat dieser Thriller hervorragend gefallen und ich habe ihn verschlungen, deshalb vergebe ich sehr gerne volle fünf von fünf Sterne und spreche eine klare Leseempfehlung aus! Bitte mehr davon!

Bewertung vom 25.01.2019
Sind wir noch ganz sauber?
Tügel, Hanne

Sind wir noch ganz sauber?


ausgezeichnet

Anders als erwartet

Dieses Sachbuch befasst sich mit den Themen Schmutz und Umweltschutz. Wir Menschen sind riesengroße Dreckschleudern. Wir produzieren sogar Dreck beim Putzen! Sogar schlimmeren Dreck, als wir wegputzen. Hanne Tügel ist es gelungen den Leser auf eine lehrreiche Reise mitzunehmen, vom Ursprung des Drecks bis zum Weg es besser zu machen. Tügel schreibt allerdings keinen Ratgeber, sondern will dem Leser Denkanstöße geben. Damit dieser über sich und die Umwelt nachdenkt und schaut, wie er etwas zur Verbesserung beitragen kann.
Das Buch ist in zehn Kapitel eingeteilt. In denen es mal um uns Menschen geht und mal um die Umwelt und das Zusammenspiel von beiden. Zu Beginn jedes Kapitels steht eine präzise Überschrift und ein kurzes Abstract, in dem das Kapitel kurz erläutert wird.
Die Deutschen/Menschen übertrieben es mit ihrer Hygiene. Durch das viele Putzen – auch an uns selbst – machen wir uns nur anfälliger für Krankheiten und Allergien. Allerdings ist und bleibt das Händewaschen mit Seife die wichtigste Hygieneregel! Das Händewaschen ist unabdingbar. Denn unsere Hände sind nun mal überall! Schön finde ich es, das Tügel auch auf die nützlichen Bakterien eingeht. Denn wir Menschen bestehen aus mehreren Kilogramm Bakterien, ohne die wir längst tot wären.
Mir haben die Umweltaspekte in diesem Buch sehr gut gefallen. Vor allem eine Grafik, welche aufzeigt, wie lange der Müll im Meer überlebt. Beispielsweise verrottet Holz nach ein bis drei Jahren. Plastiktüten aber erst nach zehn bis zwanzig Jahren. Spitzenreiter mit 600!! Jahren ist die Angelschnur. Aber auch Plastikflaschen mit 450! Jahren ist eine unglaublich lange Zeit. Erschreckend fand ich auch die Zahl an Coffee-to-go-Bechern, die im Jahr in Deutschland in den Umlauf kommen – es sind sage und schreibe 2,8 Milliarden! Ich frage mich wozu? Gehe ich von zu Hause los und brauche bis zur Arbeit einen Kaffee, nehme ich mir doch einfach einen von zu Hause mit. Ein Thermosbecher kostet ja nicht die Welt. Und der tägliche Kaffee von zu Hause schont auf Dauer das eigene Portemonnaie.
Sehr interessant fand ich, dass hier einige Beispiele genannt wurden, wie andere Länder mit dem Thema Müll umgehen und was sie schon an Verboten eingeführt haben.
Der Schreibstil hat mir gut gefallen. Er ist angenehm und flüssig zu lesen, man kommt schnell voran. Vieles ist sehr anschaulich beschrieben. Ich finde auch, dass das Buch als Laie sehr gut verständlich ist.
Teilweise war es doch etwas erschreckend. Aber das Meiste war mir dann doch schon bekannt. Dennoch finde ich diese Themen in diesem Buch sehr gut umgesetzt. Mir hat es sehr gut gefallen und ich kann es jedem nur empfehlen, deshalb vergebe ich volle fünf von fünf Sterne.
Fazit des Buches ist, dass – egal was man tut – immer der Schmutz gewinnt. Deshalb müssen wir lernen mit ihm umzugehen, und dass nicht alles schlecht ist, was nach Schmutz aussieht.

Bewertung vom 20.01.2019
Denn mir entkommst du nicht / Schneidmann & Käfer Bd.4
Drews, Christine

Denn mir entkommst du nicht / Schneidmann & Käfer Bd.4


sehr gut

Solider Krimi

Antonio muss auf seiner Joggingrunde einen Mord mitansehen. Zu allem Übel kennt er auch noch die Tote aus seinem früheren Leben. Dem nicht genug, nun scheint er auch noch auf der Liste des Mörders zu stehen. Ein neuer Fall für die Münsteraner Ermittler Charlotte Schneidmann und Peter Käfer.

Spannend war es! Allerdings hat mir der Nachfolgeband besser gefallen. Teilweise wurde es hier bei „Denn du entkommst mir nicht“ etwas zäh, aber dennoch nicht langweilig. Der Schreibstil hat mir gut gefallen. Er ist flüssig zu lesen und die vielen Dialoge lockern den Lesefluss auf. Erzählt wird die Handlung zum einen aus Sicht der Ermittler und zum anderen aus Sicht von Antonio, der sich in den Fängen einer Verschwörung wiederfindet. Es war spannend und als Leser hat man die Möglichkeit mit zu rätseln und selbst die Puzzleteile zusammen zu setzen. Dieser Krimi endet mit einem Cliffhanger, das mag ich eigentlich nicht, da ich allerdings den Nachfolgeband schon vor diesem Band gelesen habe, weiß ich ja nun schon, wie es weitergeht. Dazu muss ich sagen, dass der Fall abgeschlossen wird! Der Cliffhanger bezieht sich auf die Ermittler.
Die Charaktere sind Christine Drews gelungen. Charlotte, die im Mittelpunkt steht, ist mir sehr sympathisch. Auch ihr Kollege Peter Käfer ist mir sympathisch. Allerdings bekommt er nicht so viel Platz in der Geschichte. Da Charlotte häufig Alleingänge macht, steht sie eben häufig im Mittelpunkt der Erzählung. Schön finde ich, dass es immer einige Beteiligte gibt und man mit der Zeit jeden verdächtigt, da sich einfach jeder etwas zu Schulden kommen lassen hat.
Mit hat dieser Krimi gut gefallen. Es war spannend, ich konnte miträtseln und tappte bis 20 Seiten vor Schluss bezüglich des Täters im Dunklen. Allerdings hätte es gerne noch spannender sein können. Deshalb vergebe ich vier von fünf Sternen.

Bewertung vom 17.01.2019
Hummeln im Herzen
Hülsmann, Petra

Hummeln im Herzen


sehr gut

Sehr unterhaltender Roman

Lena ist schon ganz aufgeregt. In einer Woche heiratet sie ihren Simon! Oder doch nicht? Und wäre das nicht schon genug, passiert Lena auch noch ein folgenreicher Fehler bei der Arbeit und schon ist sie fristlos gekündigt. Als wohnungs- und arbeitsloser Single findet sie sich in der WG ihres Bruders, ihrer besten Freundin und Ben wieder – ohje ausgerechnet Ben!

Wieder einmal ein wunderbarer, sehr lustiger Roman von Petra Hülsmann. Wer einen unvorhersehbaren Roman sucht, der ist hier falsch! Das Ende ist eigentlich nach einigen Seiten klar, aber das ist nicht schlimm, da der große Teil zwischen Anfang und Ende einfach genial ist! Von einem klassischen Liebesroman ist dieser Roman – gottseidank – weit entfernt. Es ist mehr ein lustiger, unterhaltender Roman über Freundschaft mit einer guten Prise Liebe.
Die Charaktere haben mir sehr gut gefallen. Sie sind authentisch und aus dem Leben gegriffen. Sie wirkten als wären es die Bewohner der WG nebenan. Das gefällt mir so an Petra Hülsmanns Romanen. Ach ja, die Lena, sie ist wieder mal ein Fall von arrggg jetzt bekomm es auf die Reihe!, mach die Augen auf! Man will sie einfach 400 Seiten lang schütteln.
Der Schreibstil ist klasse! Er ist sehr angenehm und flüssig zu lesen. Die Seiten fliegen hier nur so vor sich hin. Man mag auch gar nicht mehr aufhören zu Lesen, man muss einfach wissen, was als Nächstes passiert.
Super finde ich, dass man beim Lesen immer wieder das Bedürfnis hat laut zu lachen. So muss gute Unterhaltung aussehen!
Da mir das Buch klasse gefallen hat, ich super unterhalten wurde, es jetzt aber auch nichts Weltbewegendes ist, vergebe ich viereinhalb von fünf Sternen.

Bewertung vom 15.01.2019
Der Hunger der Lebenden / Friederike Matthée Bd.2
Sauer, Beate

Der Hunger der Lebenden / Friederike Matthée Bd.2


sehr gut

Spannender Krimi

Der zweite Fall für Polizeiassistentin Friederike Matthée von der Weiblichen Polizei in Köln und Richard Davies von der Royal Military Police. Wir schreiben das Jahr 1947. Der deutschen Bevölkerung steht ein Jahrhundertsommer bevor. Friederike Matthée lebt mittlerweile mit ihrer Mutter in einer Schrebergartensiedlung und Richard Davies kehrt aus England zurück, da im Bergischen drei Leichen britischer Soldaten gefunden werden. Derweil ermittelt Friederike Matthée am Fall von Ilse Röder – sie wurde in ihrem Haus, ebenfalls im Bergischen, brutal ermordet. Dann zeigt sich, dass die beiden Fälle wohl zusammengehören.

Mir hat dieser Kriminalroman gut gefallen. Die Zeit – der Krieg ist vorbei, die Siegermächte herrschen über die Bevölkerung, welche großen Hunger leidet – wurde sehr gut beschrieben und es kam sehr authentisch rüber. Der gesamte Hintergrund zu diesem Kriminalfall wirkt gut recherchiert. Das zeigt sich auch im Anhang, in welchem historische Fakten aufgezählt werden, welche hier verwendet und auf welche Weise sie an die fiktive Geschichte angepasst wurden. Von der Handlung her war es recht spannend. Es gibt anfangs zwei Fälle, bei denen man als Leser mitermitteln und -rätseln kann. Als sich dann die Zusammenhänge auftun waren es mir ein bisschen zu viele Zufälle – nicht bei der Ermittlungsarbeit, sondern unter den Tätern und der Tat. Die Welt ist zwar ein Dorf, aber das war wohl etwas zu viel. Das war dann aber auch schon das einzige Manko, welches das Buch für mich hat. Gefallen hat mir, dass der Leser Friederike Matthée bei ihren Ermittlungen und ihren Gedanken begleitet. Schön ist auch, dass Friederike sich nicht unterkriegen lässt. Die weibliche Polizei wird ja meist eher belächelt, doch Friederike ist davon überzeugt, dass sie die Fähigkeiten zu einer Ermittlerin hat – was sie dem Leser auch beweist!
Ich habe den ersten Fall dieser Reihe nicht gelesen und dennoch habe ich wunderbar in die Handlung hineingefunden. Meiner Meinung nach wird auch genug über die Charaktere erzählt, um hier keine Wissenslücken aufzuweisen. Friederike Matthée als Charaktere war mir sympathisch. Sie leidet noch sehr an ihrer Flucht und der Tatsache, dass ihr Bruder seit Jahren verschollen ist. Schön finde ich, die innige Beziehung zwischen Friederike und ihrer Mutter. Sie stützen sich gegenseitig und helfen sich so zu überleben. Richard Davies hingegen war mir unsympathisch. Er wirkte mir zu zynisch und eingeschnappt.
Der Schreibstil hat mir gut gefallen. Er ist angenehm und flüssig zu lesen. Die Handlung ist in kurze Kapitel geteilt, in denen die Erzählperspektive immer wieder wechselt. Jedes Kapitel hat eine Überschrift, in der Ort und Datum vermerkt sind. Das war ganz hilfreich, da die Handlung zwischen Köln und dem Bergischen hin und her springt. Am Ende des Buches ist ein Personenverzeichnis abgedruckt, in welchem der Name und eine Kurzbeschreibung stehen. Das ist nett, hätte es meinetwegen aber nicht gebraucht. Für mich war die Personenfülle übersichtlich, auch wenn es sicherlich 30 handelnde Personen waren.

Mir hat dieser Kriminalfall gut gefallen. Ich wurde unterhalten, es war spannend und man konnte selbst miträtseln, deshalb vergebe ich vier von fünf Sternen.

Bewertung vom 12.01.2019
Grenzgänger
Borrmann, Mechtild

Grenzgänger


ausgezeichnet

Sehr spannender Roman

1947, an der deutsch-belgische Grenze, schließt sich die 17-jährige Henni den Kaffee-Schmuggler an. Als an der grünen Grenze zu viele Zöllner auftauchen, beschließt sie allein weiter zu machen. Sie braucht das Geld. Sie muss für ihre Familie allein aufkommen und verhindern, dass sie alle ins Heim kommen.

Nach dem Klappentext hatte ich einen Roman mit dem Fokus aufs Schmuggeln gerecht. Doch es kam anders. Es geht um eine tragische Familiengeschichte, die von Mechtild Borrmann sehr anschaulich, authentisch und fesseln geschrieben wurde. Es hätte mich nicht gewundert, wenn der Geschichte eine wahre Begebenheit zugrunde liegt, aber es handelt sich um fiktive Personen und fiktive Schicksale.
Zum Schreibstil kann ich nur sagen, dass ich das Buch innerhalb eines Tages gelesen habe. Das sagt ja alles. Dieser Roman hat mich richtig gefesselt. Das lag zum einen natürlich an der Handlung an sich, aber sicherlich auch am Aufbau des Buches. Immer im Wechsel findet sich der Leser in der Gegenwart (hier 1970) und in der Vergangenheit (Ende 40er/Anfang 50er) wieder. Die Gegenwart enthält Hennis Gerichtsverhandlung. Die Vergangenheit wird zum einen aus der Sicht von Elsa, Hennis Freundin, erzählt und zum anderen aus Thomas‘ Sicht, er ist ein Heimkind. 1970 steht Henni vor Gericht, doch der Leser erfährt erst nach und nach, auch durch die Rückblenden, was der Anklagepunkt ist. Sehr schön fand ich, dass sich alles nur nach und nach aufgeklärt hat und eben alles nicht so war, wie es auf den ersten Blick aussah.
Die Charaktere haben mir gefallen. Sie waren sehr unterschiedlich und über Hennis, Elsas und Thomas‘ Gedanken erfährt der Leser sehr viel. Ich konnte all ihre Handlungen nachvollziehen. Wie auch die ganze Geschichte wirkten auch die Charaktere sehr authentisch und realistisch. Wodurch es ein Leichtes war, sich in sie hineinzuversetzen. Henni ist eine Kämpferin. Als ihre Mutter früh stirbt kümmert sie sich um ihre drei Geschwister, da ihr Vater, ein Kriegsveteran, dies nicht schafft. Auch wenn es hoffnungslos scheint, gibt Henni nicht auf! Das hat mir gut gefallen. Thomas spricht in seinen Passagen die Missstände in Kinderheimen in den 50er an. Elsa bildet den Rahmen der Geschichte.

Mich hat dieser Roman begeistert. Ich konnte ihn einfach nicht mehr aus der Hand legen und deshalb vergebe ich volle fünf von fünf Sternen und spreche eine klare Leseempfehlung aus!

Bewertung vom 12.01.2019
Allee unserer Träume
Gerold, Ulrike; Hänel, Wolfram

Allee unserer Träume


gut

Kämpfe für deine Träume

Ilse Schellhaas ist Architektin. Da wir uns allerdings in den 50er Jahren befinden, wird sie nicht sonderlich ernst genommen. Dennoch bekommt sie die Chance eine Straße in Ost-Berlin zu entwerfen. Das macht sie allerdings nicht unter ihrem Namen, sondern mit einer neuen Identität. Doch dann wird sie von ihrer Vergangenheit eingeholt und die Lüge droht ans Licht zu kommen.

Dieser Roman dreht sich um Ilse Schellhaas, deren größter Traum es ist, als Architektin zu arbeiten und unvergessliche Gebäude zu bauen. So ist es natürlich unglaublich für sie, eine der prachtvollsten Straßen Ost-Berlins entwerfen zu dürfen. Doch so richtig ernst nimmt sie keiner – sie ist ja nur eine Frau. Dennoch lässt sie sich nicht unterkriegen und steht sozusagen ihren Mann. Dass Ilse mit einer falschen Identität lebt macht das Ganze spannend. Und man wartet darauf, dass es schief geht. Das war allerdings auch schon das Spannendste. Und ob man hier auf seine Kosten kommt? Das möchte ich natürlich nicht verraten. Da der Identitätsschwindel das einzig Interessante ist, war der Roman für mich vor allem in der Mitte leider etwas langatmig. Es geht immer nur um diese Straße. Ich hätte noch eine weitere Handlung erwartet.
Die Charaktere sind recht verschieden, wodurch man sie gut unterscheiden kann. Ilse ist eine toughe Frau, die sich nicht den 50erJahre-Normen unterwerfen will. Auch ist sie nicht sonderlich überzeugt von der DDR-Führung. Allerdings bleibt dieser Aspekt etwas im Dunkeln. Ilse ist der einzige Charakter, über den der Leser mehr erfährt und den er am Ende auch kennt. Die anderen bleiben mit vielen Geheimnissen zurück. Das war etwas schade.
Der Schreibstil hat mir gut gefallen. Er ist angenehm und flüssig zu lesen. Erzählungen werden durch einige Dialoge aufgelockert. Erzählt wird allerdings alles nur aus Ilses Sicht, wodurch der Leser hier in seiner Wahrnehmung etwas eingeschränkt wird. Gefallen hat mir, dass die Geschichte nicht chronologisch erzählt wird, sondern dass es immer wieder – zur aktuellen Handlung passend – Einblick in die Vergangenheit gibt. Hierfür werden die Kapitel mit einer Jahreszahl versehen. Sehr schön fand ich auch, dass jedes Kapitel mit einer Kurzzusammenfassung des aktuellen Kapitels beginnt. Ich habe es nicht als Spoiler empfunden, sondern als Anreiz.

Die Geschichte an sich war für mich etwas Neues. Da ich allerdings etwas mehr erwartet habe, als die Liebe einer Frau zu einer Straße kann ich nur drei von fünf Sternen vergeben.

Bewertung vom 08.01.2019
Mit kleinem Gepäck
Kallert, Tamina

Mit kleinem Gepäck


sehr gut

Ein Blick hinter die Kulissen von Wunderschön und in Taminas Gefühlswelt

Tamina Kallert ist das Gesicht von Wunderschön!, der Reisesendung im WDR. Jetzt hat sie ein Buch geschrieben und darin einige Anekdoten für ihre Zuschauer zusammengeführt. Weiter verrät sie, was denn so hinter den Kulissen los ist und wie eine Folge von Wunderschön entsteht. Zusätzlich lässt Tamina den Leser an ihren Gefühlen teilhaben. Seien es die Gefühle während einer Reise oder auch jetzt während dem Schreiben. Eigentlich wollte Tamina Lehrerin werden, doch während dem Studium hatte sie einen Nebenjob beim Fernsehen und bliebt dann gleich dort. Ein Glück für alle Wunderschön-Zuschauer, denn ich finde Tamina macht die Sendungen immer noch ein bisschen besser.

Der Schreibstil war sehr ansprechend und ich hatte beim Lesen immer ihre Stimme im Kopf. Es wirkt sehr authentisch und man kann sie in den geschriebenen Worten widererkennen.
Das Buch enthält neun Kapitel. Man kann nicht sagen, dass jedes Kapitel eine Reise beschreibt. Es kommen meist mehrere Anekdoten von unterschiedlichen Reisen in einem Kapitel vor. Thematisch immer zusammenpassend. Am Anfang jedes Kapitels steht ein Zitat einer bekannten Person, welches mit dem Reisen zu tun hat.
In diesem Buch kommt rüber, wie sehr Tamina das Reisen für Wunderschön! fasziniert. Sie sagt selbst, ihre Motivation ist es zu erreichen, dass die Zuschauer gerne zusehen und anschließend selbst Reisen wollen.

Tamina zeigt auf, dass beim Reisen nicht alles perfekt läuft. Selbst wenn das Fernsehen reist ist nicht immer alles eitel Sonnenschein. Für sie ist das allerdings auch nicht erstrebenswert. Dennoch ist sie sehr froh, dass noch nie ein größeres Unglück auf Reisen Geschehen ist. Umso größer ist die Freude, wenn der Zuschauer am Ende von alldem nichts mitbekommt! In den fertigen Folgen sieht immer alles so locker und leicht aus. Als würde sich alles fügen. Interessant ist zu lesen, wie oft Tamina beispielsweise auf Sylt in einer Kutsche denselben Weg entlangfahren musste, bis alles perfekt im Kasten war. Sehr schön finde ich, dass Taminas den Leser an der Entstehung einer gesamten Folge teilhaben lässt. Vom Entwurf, über die Dreharbeiten bis hin zum Schnitt und Überarbeiten. Beim Lesen bekommt man definitiv einen wunderbaren Eindruck, wie viel Arbeit und Aufwand hinter so einer Folge steckt! Das finde ich wirklich sehr interessant, da man dies ja sonst nicht erfährt!
Ebenfalls gefallen hat mir, dass nicht nur das „Fernsehen“ eine Rolle in diesem Buch spielt, sondern eben auch Tamina selbst. Sie erzählt über ihren Werdegang und lässt den Leser an ihrem Privatleben teilhaben.

„Mit kleinem Gepäck“ ist ein tolles Buch, durch welches man einen Blick hinter die Kulissen von Wunderschön! und in Taminas Gefühlswelt bekommt. Für Fans der Sendung und von Tamina ein Muss. Ich vergebe vier von fünf Sterne.

Bewertung vom 06.01.2019
Die Schokoladenvilla / Schokoladen-Saga Bd.1
Nikolai, Maria

Die Schokoladenvilla / Schokoladen-Saga Bd.1


ausgezeichnet

Gelungener Roman über die Liebe zur Schokolade und zur Familie

Stuttgart 1903. Der ehemalige Häftling Victor Rheinberger sucht eine Anstellung in der Bonbon- und Schokoladenfabrik Rothmann. Schnell hat dieser Idee, das Unternehmen auszubauen. Währenddessen hat die Tochter des Fabrikanten Rothmann mit ihrem Vater zu kämpfen, denn dieser will sie gegen ihren Willen verheiraten. Dabei will Judith ihr Leben doch lieber ihrer Leidenschaft – der Schokolade – widmen.

Mir hat dieser Roman wirklich sehr gut gefallen. Die Geschichte ist sehr gut recherchiert und wirkt authentisch. Der Schreibstil von Maria Noklai ist sehr angenehm und flüssig zu lesen. Der Roman umfasst über 600 Seiten, aber es ist ein leichtes ihn innerhalb von zwei Tagen durchzulesen. Man kann das Buch einfach nicht mehr aus der Hand legen. Es ist durchweg spannend und durch die sehr bildliche Sprache entsteht ein Kino im Kopf, das den Leser ins Stuttgart um 1900 versetzt und ihn nicht mehr loslässt. Die Geschichte ist in unterschiedliche Handlungsstränge aufgeteilt, so dass man nicht nur in Stuttgart unterwegs ist. Sondern auch etwas über Judiths Mutter, Hélene, die am Gardasee verweilt, erfährt. Außerdem lässt Victor seine Vergangenheit nicht los, so dass der Leser auch immer wieder nach Berlin entführt wird.
Die Charaktere haben mir sehr gut gefallen. Sie sind alle sehr unterschiedlich und wirken, wie die gesamte Geschichte, sehr authentisch und realistisch. Wilhelm Rothmann ist der Patriarch, wie zu dieser Zeit üblich hat er das Sagen und alle unterstehen ihm. Doch seine Frau, wie auch seine Tochter, haben ihren eigenen Kopf und wollen diesen auch durchsetzen. Dies fasziniert den Leser. Vor allem Judith war mir sehr sympathisch. Sie ist 21 Jahre alt und weiß was sie will. Sie liebt die Schokolade und experimentiert selbst gerne damit rum. Dabei beweist sie Köpfchen und wirkt für die Zeit um 1900 schon sehr aufgeklärt! Für den gewissen Pepp in der Geschichte sorgen sicherlich Judith achtjährige Zwillingsbrüder, Karl und Anton, die immer für einen Streich zu haben sind! Sehr gefallen hat mir, dass nicht nur über die „Herrschaften“ berichtet wird, sondern dass auch die Angestellten/Bediensteten einen Platz in der Geschichte finden und der Leser so sehr viel über ihr Leben erfährt, was meist ja eher im Hintergrund bleibt. Hier sticht vor allem Robert heraus, der dringend etwas an den Bedingungen der Bediensteten ändern möchte.
Sehr schön fand ich auch, dass am Ende noch ein Personenverzeichnis inklusive Hinweise auf reale Personen und ein Überblick über den historischen Hintergrund abgedruckt ist.
Für mich war dieser Roman ein Genuss, er zergeht einem wirklich wie Schokolade auf der Zunge! Ich habe ihn verschlungen und freue mich schon sehr, wie es weitergeht! Das ist wohl auch das einzige Manko: nun heißt es warten auf den zweiten Band. Ich kann diesen Roman wirklich jedem empfehlen, der gerne ins Stuttgart zu Beginn des 20.Jahrhunderts entfliehen möchte und vergebe volle fünf von fünf Sternen – mehr geht ja leider nicht. Ein persönliches Schmankerl ist natürlich, wenn man sich in Stuttgart auskennt und so die Handlungsort vor sich sieht!