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Benutzername: Azyria Sun
Danksagungen: 3 (erhaltene)


Bewertungen

Insgesamt 113 Bewertungen
Bewertung vom 30.07.2021
Sag mir, wer ich bin
Ward, Felicity

Sag mir, wer ich bin


sehr gut

Ein Alptraum der Vergangenheit, der dich bis in die Gegenwart verfolgt

Worum geht’s?
Sally ist 16, als sie in Paris in einem Krankenhaus aufwacht. Brutal zusammengeschlagen mit nur bruchstückhaften Erinnerungen. Auch Jahre später noch wird sie von dem damaligen Erlebnis verfolgt. Sie traut niemandem über den Weg. Als sie auf eine Party geht, glaubt sie den Mann zu erkennen, der ihr damals alles angetan hat und der nun gekommen ist, um sie zu töten.

Meine Meinung:
Das Buch ist nicht nur ein Roman, sondern es beschreibt auch auf so anschauliche und erschreckende Weise wie sich die Psyche eines Menschen, sein Verhalten, entwickeln kann, der eine fast Vergewaltigung durchgemacht hat und beinahe an den Folgen der Gewalteinwirkung gestorben ist. Und am Ende haben wir es noch fast mit einem Psychothriller zu tun. Die Autorin hat m.E. wirklich sehr gut recherchiert, bis auf wenige Ungereimtheiten ist es komplett glaubhaft, authentisch und unheimlich schockierend!

In dem Roman geht es hauptsächlich um Sally, die nicht nur in ihrer Jugendzeit, sondern auch bereits in der Kindheit Erlebnisse hatte, die sie geprägt haben. Die sie zu einem Opfertypen gemacht haben, wie sie selbst sagt. Das Kennenlernen der Protagonistin mit dem Aufwachen im Krankenhaus, als sie selbst nicht weiß, wer sie ist, ist grandios dargestellt, man ist richtig in Sally hineinversetzt. Dann ihre weitere Entwicklung, wie sie ihren Mann kennenlernt und später den Mann, von dem sie glaubt, dass er ihr das alles angetan hat. Wie sie versucht, zu funktionieren. Normal zu sein. Bis ihr am Ende alles über dem Kopf zusammenbricht. Am sympathischsten ist mir ihr Mann, Carson. Er ist so empathisch, gibt sich Mühe, ist rücksichtsvoll, zurückhalten, versucht immer zur rechten Zeit das Richtige zu tun. Hat eine Engelsgeduld. Und er tut mir auch am meisten leid. Und nicht nur er, auch Philippe; seine Entwicklung finde ich besonders erschreckend. Was das Verhalten von Menschen aus anderen Menschen machen kann. Wobei für mich hier auch die größten Widersprüche in der Geschichte liegen. Die plötzliche Offenheit und Ruhe, das kann ich mir hier nicht ganz erklären, aber lest selbst.

Auch das Ende hat mich mitgerissen. Ein bisschen war ich, obwohl es vom Inhalt her schon anders ist, an den Film „Der Feind in meinem Bett“ erinnert. Anfangs habe ich mit Sally mitgefiebert, wollte ihr helfen, wollte, dass es ihr gut geht. Dass sie normal leben kann. Und am Ende war ich einfach gefesselt von der Wendung, die die Geschichte nimmt. Plötzlich ist alles rasant und erschreckend, ein wahrer Psychothriller. Jedes mögliche gute oder auch schreckliche Ende war denkbar! Ein wirklich gut recherchiertes Buch, das mich auf erschreckende Weise begeistert hat. Das hinter die Kulissen blickt und zeigt, wie Ereignisse Menschen verändern können.

Fazit:
Mich hat das Buch absolut begeistert. Von der Entwicklung von Sally über ihre Kindheit, ihre Jugend in Paris bis hin zu einer erwachsenen Frau hat die Autorin absolut glaubhaft und realistisch gezeigt, wie stark grauenhafte Ereignisse das Leben und Sein eines Menschen beeinflussen können. Es war erschreckend und dennoch packend. Ich konnte nicht aufhören zu Lesen. Und obwohl es ein Roman ist, hat es fast wie ein Psychothriller geendet und ich habe auf den letzten Seiten wirklich den Atem angehalten. Bis auf wenige Ungereimtheiten in Bezug auf Sallys Verhalten zu Philippe ein Buch, das mich gebannt hat und mitgerissen hat und einfach absolut genial ist!

4 Sterne von mir für diesen spannenden Einblick in die menschliche Psyche!

Bewertung vom 28.07.2021
Die Zeit der Kirschen
Barreau, Nicolas

Die Zeit der Kirschen


sehr gut

Liebevoll und amüsant – die Missverständnisse zwischen Mann und Frau

Worum geht’s?
Aurélie ist Inhaberin des Restaurant Le Temps des Cerises und bekommt am Valentinstag einen Stern verliehen. Das vereitelt ihrem Freund André das Vorhaben, sie mit einem Heiratsantrag zu überraschen. Kurz darauf stellt sich heraus, dass der Stern eigentlich an Jean-Marie Marronier verliehen werden sollte. Er ruft sie an und macht sich über Aurélie lustig, die in seinen Augen nur eine einfache Bistro-Köchin ist. Doch dann lernen sich die beiden kennen und André, der von bei Frauen beliebte Lektor und Autor muss um Aurélies Liebe kämpfen.

Meine Meinung:
Was vom Thema her kitschig hätte sein können, war einfach nur liebevoll und bezaubernd. Der Autor nutzt gekonnt den derzeit angesagten Erzählstil aus der Sicht der unterschiedlichen Protagonisten, um auf amüsante Weise die Missverständnisse zwischen Mann und Frau, hier André und Aurélie, darzustellen. Zwischendurch lässt er die Personen auch aus der Sicht eines Erzählers sprechen, was das Ganze noch bildhafter und lebendiger wirken lässt und mehr als einmal habe ich über die Kommentare des Erzählers geschmunzelt.

Aurélie ist ein total liebenswerter Mensch. Mit ihrem kleinen Lokal, das ihr so viel bedeutet, ihrer Liebe zu André, ihrer Freundin Bernadette. Ich glaube, jede Frau wäre gerne wie sie oder hätte sie zur Freundin. Ihr scheint einfach alles zu gelingen, sie ist hübsch, empathisch, einfach ein herzensguter Mensch. Und André hat in ihr seine große Liebe gefunden. André, der unter dem Pseudonym Miller Liebesromane schreibt und dem die Frauen zu Füßen liegen. Und der das durchaus zu genießen weiß. Bis Jean-Marie auftaucht, der Sternekoch mit seiner eindrucksvollen Manoir. Und auch ein Auge auf Aurélie wirft. Und hieraus entspinnt der Autor so viele witzige, verwirrende und verfängliche Situationen und Gespräche, die einfach nur schön zu Lesen sind. Dadurch, dass wir sowohl die Sicht von Aurélie als auch von André sehen, erleben wir auch mit, wie die beiden jeweils die Aussagen der anderen sehen und man kann oftmals nur den Kopf schütteln, wie schwer es sich die beiden machen, wobei alles doch so einfach ist und beide sich einfach nur lieben. Und durch die aus Eifersucht entstandenen Missverständnisse kommt es zwischen den beiden zu einem großen und unnötigen Streit.

Und das alles vor der schönen Kulisse von Paris und dem Umland. Der Autor nimmt jedes noch so kleine Detail mit in die Erzählung auf. Die anderen Charaktere wirken so authentisch, wie man sich immer Paris vorstellt. Nicolas Barreau schafft es, dass man das ganze Flair fühlt, die Geräusche, die Gerüche. Bei Lesen hatten die Protagonisten in meinem Kopf einen französischen Dialekt und auch die Geschichte selbst war lustig, romantisch und emotional bis zum Schluss. Eine wirklich gelungene Fortsetzung von „Das Lächeln der Frauen“, bei dem nur anfangs etwas viel aus dem ersten Buch mit eingeflossen ist.

Fazit:
Der Autor wirft seine LeserInnen mit dem zweiten Band um Aurélie und André direkt hinein in das lebendige, schicke Paris mit seinen Gerüchen, Gefühlen, dem ganzen Flair und nimmt uns mit auf eine Reise der Emotionen. Am Anfang ist etwas sehr ausführlich nochmal auf den ersten Band Bezug genommen, aber dann sind wir direkt drin in der Fortsetzung und bis zum Ende fiebern wir mit, bei jedem Missverständnis, jedem Streit und jeder Versöhnung.

4 Sterne für dieses wunderschöne und romantische Buch!

Bewertung vom 25.07.2021
Ausweglos
Faber, Henri

Ausweglos


ausgezeichnet

Verwirrend und fesselnd von der ersten bis zur letzten Seite

Worum geht’s?
Nachdem es um den Ringfinger-Mörder jahrelang still geworden ist, taucht ein weiters Opfer auf. Der Täter zwingt Noah, ihn zu seiner Frau zu bringen, doch er führt ihn in die Wohnung der verreisten Nachbarn. Am nächsten Tag wird die Nachbarin brutal ermordet aufgefunden. Noah hat schwer verletzt überlebt. Die Jagd auf den Täter beginnt erneut und nichts ist, wie es scheint.

Meine Meinung:
Zunächst fällt einem das geniale Cover mit dem geprägten, plastischen Fingerabdruck ins Auge. Und auch inhaltlich hat mich das Thriller-Debüt des Autors restlos überzeugt! Er hat sich mit diesem Buch die Latte für weitere Bücher wirklich hochgelegt. Die derzeit viel verwendete Darstellung aus Sicht unterschiedlicher Personen hat Henri Faber perfekt für seine Inszenierung genutzt. Wir bekommen Einblick in die Geschichte aus Sicht von Linda, Noah, den Eheleuten die gegenüber der Ermordeten wohnen, und Elias, dem Polizisten, der schon damals im Ringfinger-Fall ermittelt hat. Zudem fügt er Autor immer wieder einen Einschub ein, der vermeintlich die Gedanken des Täters zeigt, sich später aber als etwas ganz anderes herausstellt.

Linda und Noah scheinen anfangs ein perfektes Paar zu sein. Alles passt, lediglich ihr Kinderwunsch ist unerfüllt. Im Laufe des Buches erhalten die LeserInnen jedoch immer tiefere Einblicke hinter die Kulissen. Und obwohl wir denken, zu wissen, was die Protagonisten denken, liegen wir hier falsch. Gekonnt führt uns auch hier der Autor immer wieder auf eine falsche Spur. Personen, die anfangs harmlos und empathisch erscheinen, entwickeln sich zu wahren Psychos. Opfertypen sind plötzlich harmlose Lämmchen. Was mir gut gefallen hat, ist auch die Rolle von Mats. Gemeinsam mit Elias hat er dem früheren Ermittlungsteam im Fall des Ringfinger-Mörders angehört, der ihn beruflich zerstört hat. Er ist in den Alkoholismus abgestürzt und hat dadurch alles verloren: Beruf, Familie, Selbstwertgefühl. Sein Comeback in diesem Buch gefällt mir gut. Und auch Elias ist ein Charakter, der mir gefallen hat.

Überhaupt die ganze Story hat mich mitgerissen von der ersten Seite. Zwar hatte ich bereits anfangs eine Ahnung, wo der Mörder zu suchen ist. Aber dennoch war ich mir bis zum Schluss unsicher. Zu verwirrend war die Entwicklung der einzelnen Personen. Es kamen so viele grausame Eigenschaften ans Licht, an die ich nie gedacht hätte. Dann am Ende, die Szene im Sommerhaus und die Szene in der leerstehenden Fabrik! Lest es selbst, es ist so unglaublich! Auch wenn die blutigen Details nicht ganz so ausgeschmückt sind, wie ich mir das von Thrillern wünsche, war hier der Psychoanteil so hoch, es war einfach nur mega krass!

Fazit:
Mit seinem Buch hat Henri Faber den perfekten Einstieg in seine Thriller-Karriere hingelegt! Das Buch war mitreißend, verwirrend und obwohl nicht wehr blutig doch so psycho, dass man Gänsehaut und Angst vor seinen Mitmenschen bekommt! Die Charaktere sind authentisch. Und obwohl wir meinen, durch die Erzählung aus der Sicht der unterschiedlichen Protagonisten deren Gedanken und Wesen zu kennen, kennen wir bis zur letzten Seite doch niemanden! Der finale Showdown hat mich ebenfalls nochmals richtig gepackt und das Ende hatte ich zwar erahnt, aber so dennoch nicht vorausgesehen!

5 Sterne von mir für dieses geniale Thriller-Debüt und ich hoffe, bald mehr von Henri Faber in diesem Genre lesen zu dürfen!

Bewertung vom 22.07.2021
Die Zahlen der Toten / Kate Burkholder Bd.1
Castillo, Linda

Die Zahlen der Toten / Kate Burkholder Bd.1


ausgezeichnet

Spannend und anders, grausam und mitreißend

Worum geht’s?
In dem kleinen Örtchen Painter‘s Mill treibt ein Serienkiller sein Unwesen. Er tötet junge Frauen auf grausame Weiße und ritzt lateinische Ziffern in ihre Haut, nummeriert sie durch. Ist es der Serienkiller, der schon vor 20 Jahren in dem kleinen Ort gemordet hat? Und falls ja, wo war er die ganze Zeit? Oder ist ein neuer Mörder unterwegs?

Meine Meinung:
Wow, was für ein genialer Einstieg in eine Thriller-Serie, ich mag alles an dem Buch! Selten bekommt man so detailliert beschriebene, grausame Leichenfunde zu lesen. Mir gefällt auch die Schreibweise – teilweise in Ich-Form aus Sicht von Kate Burkholder, teilweise quasi als Beobachter von außerhalb. Einmal dürfen wir auch kurz in den Kopf des Täters schauen – leider nur eine Momentaufnahme, da hätte ich gerne noch mehr gewusst, was in diesem kranken Gehirn vor sich geht.

Kate mochte ich sofort. Sie ist nicht die typische, toughe und perfekte Ermittlerin, sondern es beginnt, indem sie wie ein Trampel durch den Tatort stampft und quasi alle Spuren, die es eventuell gegeben hätte, zerstört – da musste ich schon ein bisschen grinsen. Sie kommt ursprünglich von den Amischen, hat sich von der Gemeinschaft allerdings nach einem schrecklichen Erlebnis in ihrer Jugend losgesagt und ist ihren eigenen Weg gegangen. Und auch im Laufe des Buches entwickelt sie sich deutlich weiter. Obwohl sie auch persönlich durch den Fall, in dem sie ermittelt, zurück in die schlimmen Geschehnisse geworfen wird. Ist vielleicht wirklich der Täter aus ihrer Jugend zurück?

An ihrer Seite ermittelt John Tomasetti, auch er gefällt mir gut. Er wird zu dem Fall strafversetzt, kämpft mit einem Alkohol- und Tablettenproblem, in das er nach der grausamen Ermordung seiner Frau und seiner beiden Töchter hineingerutscht ist. Aber auch er ist ein sympathischer Charakter. Genauso „Glock“, Mona und all die anderen. Ein etwas anderes aber sehr spannendes Ermittlerteam. Und auch die Einblicke in das Leben der Amischen haben mir gut gefallen. Dann der Fall selbst: Ich war von der ersten Minute an gefesselt! Man hat immer darauf gewartet, dass die eine Person plötzlich da ist und wurde ganz am Ende mit einem so unerwarteten Plottwist überrascht, nie hätte ich das vermutet! Auch zwischendurch, immer wieder rasante Stellen, Verfolgungsjagden, Prügeleien, neue Opfer und ganz am Schluss dann ein absolut geniales Finale. Es hätte zwar durchaus noch etwas explosiver sein können, aber das Buch hat einen wirklich guten Startschuss für eine Thrillerserie gesetzt, ich bin gespannt, ob die Folgeteile da mithalten können!

Fazit:
Ein mehr als gelungener Serienstart! Außergewöhnliche Protagonisten, spannende Einblicke in das Leben der Amisch und ein Täter, der grausamer nicht sein könnte. Tatorte und Opfer – die Beschreibung davon ist wirklich nichts für schwache Nerven, so geht die Autorin ins Detail. Ein Thriller, der mich bis zum Ende begeistert hat, mit überraschenden Wendungen und einem unerwarteten, aber dennoch gut durchdachten Finale, das schon Vorfreude auf den nächsten Teil macht!

5 Sterne von mir für dieses grausame und psychotische Schauspiel!

Bewertung vom 20.07.2021
Wir für uns
Kunrath, Barbara

Wir für uns


ausgezeichnet

Ein liebevolles Buch über das Leben und die Wege, die es manchmal nimmt

"Es gibt Leute, die glauben, es ist ein Zeichen von Demenz, mit Toten zu reden. Aber das stimmt nicht. Es ist ein Zeichen von Liebe." (Seite 88)

Worum geht’s?
Kathi wird nach fast 50 Jahren Witwe und steht, nachdem sich ihr Leben fast ausschließlich um ihre Familie gedreht hat, von jetzt auf gleich ohne Aufgabe dar. Josie wird ungewollt schwanger von Bengt, mit dem sie seit 9 Jahren eine Affäre hat, der aber nicht mehr möchte und schon gar kein Kind. Als sich die Lebenswege von Kathi und Josie zufällig kreuzen, ändert sich für die beiden unterschiedlichen Frauen plötzlich alles.

Meine Meinung:
Ich habe selten ein so schönes, herzliches, liebe- und gefühlvolles Buch gelesen wie das der Autorin! Der Erzählstil ist lebendig und außergewöhnlich ausdrucksstark. Die – derzeit angesagte – Darstellung aus der Sicht unterschiedlicher Protagonisten gefällt mir immer gut und hier ist hier auch sehr passend. Einmal haben wir die 70jährige Kathi, die plötzlich nach dem Tod ihres Mannes und der Meinungsverschiedenheit mit ihrem Sohn Max alleine dasteht. Und auf der anderen Seite die 41jährige Josie, die mir besonders gut gefällt. Die Autorin erzählt in den Josie-Parts aus der Ich-Perspektive und besonders mit Josie kann ich mich gut identifizieren. Ich glaube, bislang habe ich noch kein Buch gelesen, in welchem ich mich so sehr in einer Protagonistin wiederfinden konnte! Josie ist schwanger. Ihr Partner, der mit einer anderen Frau verheiratet ist, möchte das Kind nicht. Wir lesen über ihre Gedanken und Sorgen. Aber auch einfache Dinge und Situationen, alltägliche Gesprächsszenen, als hätte die Autorin ein Stück aus dem Leben ihrer LeserInnen in dem Buch verarbeitet. Mehr als einmal habe ich gedacht: Ja, das kenne ich oder: Ja, das könnte mir auch passieren.

Die Freundschaft, die sich zwischen Kathi und Josie entwickelt ist etwas ganz Besonderes. Zwei unterschiedliche Frauen, nicht nur vom Alter her, die sich gegenseitig Mut geben, füreinander da sind, einander anstoßen, wenn man einen kleinen Stubs braucht. Und nicht nur das: Auch die Familiengeschichten bringt die Autorin mit hinein. Die Probleme, die es in Familien gibt, sei es durch Missverständnisse, durch Verschweigen, durch nicht miteinander sprechen. Und wir lernen noch Melanie kennen und ihre Tochter Nela, die das Down-Syndrom hat. Auch hier hat Barbara Kunrath auf so empathische und schöne Art Szenen in das Buch gebracht, die mich einfach nur begeistert haben!

Das Buch war in seiner Lebendigkeit, den schillernden Farben und den authentischen Szenen von Anfang bis Ende einfach nur schön zu lesen. Immer wieder hat die Autorin auch liebevolle Details hineingebracht, wie Kathis Küche, die noch mehr Herz in die Geschichte gebracht haben. Und geendet hat das Ganze mit einem Epilog, der einerseits einen schönen Abschluss bildet, auf der anderen Seite aber auch den Beginn des nächsten Lebenskapitels darstellt. Und obwohl man aufhören soll, wenn es am Schönsten ist, würde ich mir dennoch wünschen, mehr von Josie, Kathi und all den anderen lesen zu dürfen!

Fazit:
Eine Geschichte, wie das Leben sie schreibt. Ich habe mich sofort in Josie hineinversetzen können. Habe Kathi, Melanie und all die andere ins Herz geschlossen. Das Buch ist herzlich und man möchte ab der ersten Seite mehr über die Protagonisten wissen. Noch mehr Teil ihres Lebens sein. Ich habe mitgefiebert, mich mitgefreut und bis zum Ende mit einem lachenden und einem weinenden Auge gelesen und hoffe so sehr, dass die Autorin einen weiteren Teil zu Papier bringt, da ich noch so viele offene Fragen habe!

5 Sterne von mir für diese Begegnung zwischen Kathi und Josie, die so vieles ändert!

Bewertung vom 17.07.2021
Die Tote Nr. 12 / Der Club der Ermittlerinnen Bd.12
Patterson, James

Die Tote Nr. 12 / Der Club der Ermittlerinnen Bd.12


ausgezeichnet

Der Beste Boxer-Thriller bislang – atemberaubend, unerwartet, explosiv

Worum geht’s?
Kurz nach der Geburt ihrer Tochter Julie zieht die Welt des Verbrechens Lindsay schon wieder in ihren Bann. Ein Universitätsprofessor sieht Morde voraus – hat er wirklich hellseherische Fähigkeiten oder ist er etwa selbst in die Morde verwickelt? Dann erwacht ein Serienmörder aus dem Koma und ist bereit, Lindsay zu verraten, wo er die Leichen mehrerer ermordeter, junger Frauen versteckt hat. Doch was hoffnungsvoll beginnt, endet in einem Spiel.

Meine Meinung:
Mit diesem Buch hat sich James Patterson wirklich selbst übertroffen! Oft werden Thrillerserien nach einer Weile langweilig und vorhersehbar, nicht jedoch die Reihe um Lindsay Boxer. Selten hat Patterson so lebendig und authentisch geschrieben, wie in diesem Buch – ich bin absolut begeistert!

Lindsay, die im letzten Buch endlich ihr Glück mit Joe mit der Hochzeit besiegelt hat, bekommt ihre kleine Tochter und geht ganz in ihrer Mutterrolle auf. Nachdem Joe gekündigt wird, muss sie jedoch früher als geplant zurück an die Arbeit. Womit der Autor sie vor einen schrecklichen Zwiespalt stellt: Ihre Tochter erkrankt und sie möchte einerseits für sie da sein, andererseits ist sie auch von den Fällen, die sie zu bearbeiten hat, total gefesselt und will den Hinterbliebenen und den Opfern Gerechtigkeit verschaffen. Keine einfache Situation für Lindsay, die mir dadurch noch sympathischer wird.

Auch der Gerichtsprozess, den Yuki in diesem Teil geführt hat. Selten wurde ein Fall vor Gericht so spannend dargestellt und war so fesselnd. Und vor allem mit so einem Ende! Unglaublich, unvorhersehbar und einfach nur genial!

Ihre Suche nach den Tätern ist rasant wie immer. Es beginnt geheimnisvoll und Patterson schafft es wieder einmal gekonnt, die Spannung mehr und mehr zu steigern, bis zu einem fulminanten und explosiven finalen Showdown – im wahrsten Sinne des Wortes! Und auch hier hat er noch eine Überraschung für uns in petto, die ich so nicht erwartet hätte. Eine Überraschung, so unvorhersehbar und besonders für Lindsay Kollegen Rich so erschreckend. Er hat mir wirklich leidgetan. Und auch Cindy muss am Ende des Buches noch einen Schock verkraften; ich hoffe sehr, dass hier noch ein gutes Ende gefunden wird, da mir Cindy immer sehr sympathisch war.

Und nach dem ganzen atemlosen Pageturner ist es dem Autor immer noch nicht genug und er lässt uns LeserInnen mit einem Cliffhanger zurück. Ein Cliffhanger, der die Fantasie jetzt schon beflügelt und einen quasi zwingt, sofort das nächste Buch zu lesen, da man unbedingt wissen möchte, wie es weitergeht!

Fazit:
Dieses Buch ist aus meiner Sicht bislang der spannendste und mitreißendste Teil, den James Patterson in der Thrillerreihe um Lindsay Boxer zu Papier gebracht hat. Es ist spannend, es ist mitreißend und ein absoluter Pageturner und der Autor hat sich hier wirklich selbst übertroffen! Lindsay haben wir selten so privat erlebt, wie in diesem Teil und sie ist mir noch ein Stückchen mehr ans Herz gewachsen; genauso Cindy und Rich. Und auch die Fälle sind wieder genial! Ich konnte das Buch von der ersten Seite bis zum finalen Showdown nicht aus der Hand legen und war entsetzt, als ich am Ende vor einem Cliffhanger stand und den nächsten Teil nicht hier habe, um direkt weiterlesen zu können!

5 Sterne für diesen psychotischen Wahnsinn!

Bewertung vom 15.07.2021
Auszeit
Lühmann, Hannah

Auszeit


sehr gut

Pragmatisch, philosophisch und intensiv – ein etwas anderer Roman

Worum geht’s?
Henriette nimmt sich gemeinsam mit ihrer Freundin Paula eine Auszeit auf einer einsamen Hütte im Wald. Henriette trauert und ist an einem Punkt im Leben, an dem sie nicht weiß, wo sie herkommt und wohin sie möchte. Mit diesem Ausflug versucht Paula, ihr wieder eine Zukunft aufzuzeigen.

Meine Meinung:
„Auszeit“ von Hannah Lühmann ist das Debüt der Autorin und ein etwas anderer Roman. Er ist sehr ruhig, eine Aneinanderreihung von aktuellen Geschehnissen und Gedankenfetzen, die sich aber sinnvoll ergänzen. Mit ihrem Roman möchte die Autorin die Träume und Ängste der Generation, ihrer Generation der 1980er Jahre darstellen. Und das gelingt ihr auch sehr gut. Die einzelnen Abschnitte, die oft wie Gedankensprünge wirken, sind zwar an sich wenig aufregend, dafür bringen sie die LeserInnen jedoch dazu, sich unterbewusst mit dem Thema zu beschäftigen. Die Gedanken schweifen automatisch ab, vergleichen, verbinden und ergänzen. Und die Autorin schafft es auf eine ganz außergewöhnliche und beeindruckende Art, die Ängste und die Verzweiflung ihrer Protagonisten zu den LeserInnen zu transportieren. Die innere Zerrissenheit, das Gefühl, ohne Halt und Ziel zu sein.

Dies schafft sie hauptsächlich, indem sie uns Henriette vorstellt, die irgendwie in ihrem Studentenleben hängengeblieben ist und immer noch an ihrer Dissertation über Werwölfe schreibt. Henriette scheint irgendwann einfach aufgegeben zu haben und nur noch vor sich hinzuvegetieren. Sie wirkt antriebslos und haltlos. Man kann ihren Wunsch, eine Regelmäßigkeit in ihrem Leben zu finden, ein Ziel, richtiggehend spüren. Aber dennoch kann sie sich nicht überwinden, etwas aktiv zu ändern. Anders als ihre Freundin Paula, der scheinbar alles zu gelingen scheint. Es ist schön, eine Freundin wie Paula zu haben, die für einen da ist, weiß, was man braucht und sich selbstlos kümmert. Die etwas verschroben scheint mit ihrem Yoga und Reiki, aber ein herzensguter Mensch.

Besonders gut gefällt mir, wie Hannah Lühmann auch die Stimmungsschwankungen rüberbringt. Die Hochphasen, die Henriette hat und ihre Tiefs, die fast schon Depressionen sind. Man kann ihre Stimmungen richtiggehend fühlen. Ich denke, jeder kommt mal einen Punkt, an dem er oder sie sich fragt, was man anders machen könnte oder anders hätte machen müssen. Ob man da ist, wo man im Leben sein möchte. Bei Henriette scheint das ganze Leben eine solche Frage zu sein. Sie hat mir fast ein bisschen leidgetan. Und ich bin froh über die Briefe zwischen Paula und Henriette, die am Ende des Buches sind. Warum? Das müsst ihr schon selbst herausfinden!

Fazit:
Mit ihrem Romandebüt „Auszeit“ hat Hannah Lühmann ein außergewöhnliches und intensives Buch geschrieben. Ein Buch, in dem nicht viel passiert und das dennoch unheimlich intensiv ist. Henriette, deren Stimmungen man fühlen und mitfühlen kann. Ihre Verzweiflung, ihre Haltlosigkeit, ihr Wunsch, ein Ziel im Leben zu finden. Henriette, die die Generation der Autorin wiederspiegelt. Einer Generation, die alles hat, aber dennoch nicht glücklich ist. Ich bin froh, dass das nicht auf alle Menschen der 1980er zutrifft, aber es war ein interessantes Jahrzehnt. Und das Buch hat mich zum Nachdenken gebracht. Und wird mich gedanklich noch eine Weile weiterbeschäftigen.

4 Punkte für ein wirklich gelungenes, philosophisches Debüt!

Bewertung vom 13.07.2021
Der böse Mann: Thriller
Shepherd, Catherine

Der böse Mann: Thriller


ausgezeichnet

Laura Kerns wohl persönlichster Fall – spannend und überraschend

Worum geht’s?
Mehrere Frauen werden entführt. Alle blond. Alle haben ein Tattoo. Und alle werden Tot mit einem Stacheldraht um den Hals aufgefunden. Jede hat ein Taschentuch dabei, auf welcher die Nummer der Toten steht. Was hat es damit auf sich? Wer steckt dahinter?

Meine Meinung:
Mit „Der böse Mann“ schickt Catherine Shepherd Laura Kern auf ihren 6. Einsatz. Ich muss dazusagen, dass ich die Teile davor nicht gelesen habe; dennoch hatte ich zu keiner Zeit das Gefühl, mir würde irgendetwas fehlen. Das Buch kann auch gut ohne die Vorkenntnisse aus den Teilen davor gelesen werden. Der Schreibstil der Autorin gefällt mir sehr gut. Vor allem die Zwischenteile aus der Sicht des Täters. Der Blick in seine Gedanken. Und das Kapitel aus der Sicht der 8jährigen Luna.

Laura Kern ist eine toughe Ermittlerin. Professionell, fokussiert und dennoch auch ein empathischer Mensch. Sie gefällt mir sehr gut. Neben den Ermittlungen erfahren wir auch ein bisschen über ihr privates ich und ihre Beziehung zu Taylor, was mir besonders sympathisch ist, da es die Protagonisten noch menschlicher macht. Auch ihr Partner Max ist eine gelungene Figur. Die beiden ergänzen sich gut, passen aufeinander auf – beruflich und privat – und geben einfach das perfekte Team ab.

Die Geschichte steigt direkt im Prolog schon spannend ein. Wir lernen eines der Opfer kennen und wie der Täter es entführt. Danach geht es Schlag auf Schlag und der Täter lässt die Ermittler nicht zum Durchatmen kommen. Auch wir LeserInnen werden immer wieder auf falsche Fährten geführt. Gekonnt legt Catherine Shepherd jede Menge falsche Spuren. Bring Verdächtige ins Spiel, von denen es jeder und auch keiner sein könnte. Es ist spannend bis zum Ende mit jeder Menge Plottwists. Allerdings hätte ich mir nach dem ganzen Spannungsaufbau dann ein etwas explosiveres Ende gewünscht, hier war es mir dann fast zu schnell vorbei. Gut hingegen fand ich, dass wir noch etwas über die Beweggründe des Täters erfahren haben. Was das Ziel hinter seinen Handlungen war. Und auch den Rückblick in die Vergangenheit des Täters. Wobei auch hier noch etwas tieferes Wissen interessant gewesen wäre. Aber ich wurde bis zum Ende mehr als gut unterhalten und wusste bis zum Schluss nicht, wer der Täter ist. Ein wirklich gelungener Thriller!

Fazit:
In „Der böse Mann“ führt Catherine Shepherd ihre Hauptprotagonistin Laura und deren Partner Max mehr als einmal auf eine falsche Fährte und auch uns LeserInnen bringt sie gekonnt durcheinander mit jeder Menge gelungenen Plottwists. Besonders gut gefallen mir die Kapitel aus der Sicht des Täters – seine Gedanken gehen wirklich unter die Haut! Es ist spannend, die grausamen Tatorte sind bildhaft dargestellt. Das Buch ist ein absoluter Pageturner, lediglich das Ende hätte ich mir doch etwas explosiver gewünscht, nachdem sich die Spannung von Seite zu Seite mehr aufgeladen hatte.

5 Sterne von mir für diesen genialen Fall, der mehr als eine Überraschung für die LeserInnen bereithält!

Bewertung vom 13.07.2021
All-in-One-Brote
Schell, Valesa

All-in-One-Brote


ausgezeichnet

Einfach und lecker – wirklich geniale Rezeptideen

Worum geht’s?
Rezepte für Brote und andere Backwaren auch für alle mit nicht so viel Zeit und alle, die auf der Suche nach neuen Ideen sind.

Meine Meinung:
„All in One Brote“ von Valesa Schell ist ein Backbuch, das nicht nur leckere Brote, sondern auch süße Backwaren, wie Rosinenbrötchen, oder Deftiges, wie Pizzastangen beinhaltet. Die Rezepte basieren teilweise zwar auf eher ungewöhnlichen Mehlsorten, z.B. Ruchmehl oder Gelbweizenvollkornmehl, also Mehlsorten, die nicht überall zu haben sind und die man erst recht nicht üblicherweise im Haus hat. Die Autorin hat dafür jedoch in ihrem Vorwort alles kurz beschrieben und hier sind auch Optionen zu finden, wie Mehle auszutauschen sind etc. Zudem finden sich im Nachwort Onlineshops, wo diese eher selteneren Mehlsorten bestellt werden können.

Ich habe aus dem Buch bislang zwei Rezepte ausprobiert. Einmal die etwas bodenständigeren Kürbiskernbrötchen und zum anderen das etwas außergewöhnlichere Kaffee-Saaten Box Latte Macchiato. Vor allem bei Letzterem hatte ich zuvor ein wenig Bedenken, ob mit den ganzen Vollkornmehlarten (ich habe die herkömmlichen Austauschvarianten verwendet, da ich auf die schnelle Ruchmehl & Co. nicht bekommen habe), das Brot wirklich gut aufgeht oder bröselig wird – aber es war perfekt! Auch die Brötchen. Die Vorarbeit war einfach und ging schnell. Den Brötchenteig hatte ich tatsächlich fast 30 Stunden im Kühlschrank stehen. Beide Rezepte hatten wunderbare Ergebnisse. Brot und Brötchen waren lecker, hatten eine perfekte Krume und waren weder zu feucht noch zu trocken.

Ganz klare Empfehlung von mir und ich werde auf jeden Fall noch die anderen Rezepte ausprobieren – nächstes Wochenende ist die Kurkuma-Sesam-Kruste an der Reihe!

Fazit:
„All in One Brote“ von Valesa Schell ist ein Backbuch, das ich jedem empfehlen kann, der auch mal außergewöhnlichere Brotsorten ausprobieren möchte. Es wird viel mit Ur-Mehlen gebacken; sollten diese nicht bei der Hand sein, hat die Autorin im Vorwort jedoch auch Hinweise, welche Mehle man anstelle der eigentlichen Mehle verwenden kann. Die Brote werden mit wenig Hefe gebacken. Ich habe bislang zwei Rezepte ausprobiert und war von beiden begeistert! Das Brot war fluffig mit einer knusprigen Kruste und einer perfekten Krume und ich werde auf jeden Fall auch die weiteren Rezepte nach und nach ausprobieren.

5 Sterne von mir für diese außergewöhnlichen und sehr leckeren Rezeptideen!

Bewertung vom 10.07.2021
Die Verlorenen
Beckett, Simon

Die Verlorenen


sehr gut

Ein gelungener Einstieg in eine neue, spannende Thriller-Serie!

Worum geht’s?
Vor 10 Jahren verschwand Jonahs Sohn Theo spurlos. Einziger Tatverdächtiger damals war Owen Stokes. Als sich sein ehemals bester Freund Gavin meldet und ihn am Slaughter Quay treffen möchte, kommt alles von damals wieder hoch. Warum will Gavin ihn sehen? Hat er etwas herausgefunden? Doch als Jonah am Slaughter Quay ankommt, ist Gavin tot.

Meine Meinung:
„Die Verlorenen“ von Simon Beckett ist der Auftakt zu einer Thrillerserie um Jonah Colley. Und es ist ein wirklich spannender und gelungener Auftakt, der schon Vorfreude auf die weiteren Teile macht. Es ist von Anfang an spannend. Die Darstellung der Tatorte und der Örtlichkeiten sind unglaublich bildkräftig. Die Beschreibung der Opfer. Aber das kennen wir ja von Simon Beckett bereits! Auch hier geht er in jedes noch so grausige Detail und verhilft der Fantasie zu noch mehr blutigem Grauen.

Der Hauptprotagonist dieser Serie ist Jonah Colley, Mitglied eines bewaffneten Eliteteams der Metropolitan Police, wobei er im Buch hauptsächlich privat agiert. Von seinem Beruf her hätte ich ihn mir etwas durchsetzungsstärker vorgestellt, wehrhafter, das hat mich etwas verwundert. Schade auch, dass er im Alleingang tätig ist und wir von seinem Team selbst nichts mitbekommen, von denen zumindest Nolan und Khan doch auch sowas wie Freunde von ihm sein sollen. Im Buch selbst kommt er eher wie ein zurückgezogener Einzelgänger rüber – dennoch ist er mir von Anfang an sympathisch. Lässt sich oft von seinen Gefühlen leiten und denkt nicht immer ganz so logisch. So ganz klar ist mir noch nicht, was für eine Art Mensch er ist – aber ich gehe stark davon aus, dass wir ihn noch besser kennenlernen dürfen! Neben ihm haben wir es hauptsächlich mit dem Ermittlerteam Fletcher und Bennet zu tun – ein etwas seltsam anmutendes Duo. Fletcher, der bärbeißige Detective mit den Brandwunden und Bennet, bei der ich die ganze Zeit dachte, dass sie sich noch auf Jonahs Seite schlagen wird. Ich hoffe, auch von den beiden werden wir wieder hören, da sie interessante Charaktere sind.

Der Fall selbst war ebenfalls spannend. Die Möglichkeiten, die Beckett gewählt hat, um nicht nur die Polizei im Buch sondern auch die LeserInnen in die Irre zu führen – unglaublich und sehr außergewöhnlich. Es gab jede Menge Plottwists. Die Spannung war von Anfang bis Ende spürbar. Auch das Ende selbst – das hätte ich nie auch nur annähernd kommen sehen! Und es bleiben noch so viele Fragen offen! Eliana – was ist mit ihr? Werden wir auch sie wiedersehen? Ich hoffe sehr! Das Ende selbst war somit eher ein offenes Ende und der letzte Showdown nicht ganz so explosiv, wie er hätte sein können. Aber die Geschichte hat Potenzial, sogar die David-Hunter-Reihe zu übertreffen!

Fazit:
Simon Beckett hat mit „Die Verlorenen“ einen genialen Auftakt zu seiner neuen Thrillerserie um Jonah Colley geschaffen. Es ist spannend bis zum Ende. Die Charaktere sind authentisch und außergewöhnlich. Die Tatorte, die Szenen – unglaublich plastisch und blutig. Die Plottwists, die uns LeserInnen immer wieder verwirren – eindrucksvoll und genial! Zwischendurch hätte es noch etwas rasanter sein können, aber es war der erste Teil und die Charaktere, die wir neben Jonah kennenlernen durften, würde ich alle gerne wiedersehen. Fletcher, Bennet und auch Eliana.

4 Sterne für diesen gelungenen Thrillerstart und ich freue mich schon sehr auf Teil 2!