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Azyria Sun

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Insgesamt 737 Bewertungen
Bewertung vom 09.01.2026
Disney, Walt

Disney: Das große goldene Buch der Abenteuer-Geschichten


ausgezeichnet

Ein Buch voller Fantasie, Mut und Träume

Worum geht’s?
Ob im Dschungel, in der Savanne, tief unten im Meer oder im geheimnisvollen Orient – in der Welt von Disney schläft das Abenteuer nie. Dieses Buch lädt ein, gemeinsam mit Dumbo, Tarzan, Robin Hood, Arielle und vielen anderen bekannten Heldinnen und Helden auf große Reise zu gehen und mit ihnen neue Geschichten zu entdecken.

Meine Meinung:
Mein Kleiner ist ein riesiger Fan von Peter Pan, Donald Duck, Arielle und Alice. Und Disneys „Das große goldene Buch der Abenteuer-Geschichten“ bringt all seine Lieblingsfiguren unter ein goldenes Dach – inklusive neuer Herzenshelden. Besonders Simba und Dumbo haben es ihm angetan. Schon äußerlich ist das Buch ein echtes Schmuckstück, eines dieser Bücher, die man nicht versteckt, sondern stolz ins Regal stellt.

Empfohlen ist es ab 4 Jahren, aber auch mein 2,5-Jähriger kann gar nicht genug davon bekommen. Die Texte sind angenehm kurz, gut verständlich und perfekt zum Vorlesen. Etwa die Hälfte jeder Seite besteht aus liebevoll gestalteten Illustrationen, in die Kinder förmlich hineingleiten können. Bei uns kam dabei nie Langeweile auf. Die einzelnen Kapitel sind mit einer Länge von rund zehn Minuten ideal für kleine Zuhörer, und die dickeren Seiten machen das Buch angenehm robust für viele, viele Wiederlesen.

Und die Geschichten selbst? Genau das, was man sich von Disney wünscht. Für mich ist es ein Wiedersehen mit alten Freunden aus der eigenen Kindheit – warm, farbenfroh und voller Gefühl. Die Geschichten sind durchzogen von Träumen, Hoffnung und diesen leisen, starken Botschaften, die Disney so gut kann. Wir lernen mit Simba, dass Familie Heimat bedeutet. Mit Dumbo, dass man gemeinsam stärker ist. Mit Jasmin, wie man über sich hinauswächst und mutig ist.

Diese Geschichten schenken nicht nur eine wundervolle gemeinsame Lesezeit, in der mein Kleiner mit großen Augen und offenem Mund zuhört und die Bilder aufsaugt hat. Sie regen auch die Fantasie an. Die Illustrationen erzählen mit, spinnen die Handlung weiter und öffnen Türen zu eigenen Gedankenwelten. Es geht um Mut, Zusammenhalt, Freundschaft, Familie und Selbstbewusstsein. Um magische Orte, fantastische Wesen und das Gefühl, für einen Moment Teil dieser Welt zu sein. Immer wieder blitzen dabei ein Lächeln und ein Augenzwinkern auf. Und jedes Mal tauchen wir ein bisschen reicher an Fantasie wieder auf.

Fazit:
„Das große goldene Buch der Abenteuer-Geschichten“ ist pures Vorleseglück und ein liebevoller Streifzug durch die magischen Welten von Disney. Es vereint bekannte Heldinnen und Helden, starke Botschaften und wunderschöne Illustrationen zu einem Buch, das Generationen verbindet. Für kleine Zuhörer ein Tor zu Fantasie, Mut und Freundschaft – für große Vorleser ein warmes Wiedersehen mit der eigenen Kindheit. Ein echtes Herzensbuch, das immer wieder gern aus dem Regal gezogen wird.

5 fantastische Sterne von uns!

Bewertung vom 09.01.2026
Stern, Anne

Die weiße Nacht


ausgezeichnet

Mord im Schatten der Vergangenheit

Worum geht’s?
Berlin 1946. Die Stadt ist gezeichnet vom Krieg, vom Hunger, von Schuld und Schweigen. Kriminalkommissar König ermittelt im Mordfall einer Frau, die mit unheimlicher Sorgfalt in einem Hinterhof arrangiert wurde – fast märchenhaft, wie Schneewittchen im Sarg. Es ist Lou, Fotografin, die die Tote entdeckt. Die Bilder lassen sie nicht mehr los. Und so beginnt sie, parallel zu König, ihre eigene Suche nach der Wahrheit.

Meine Meinung:
Mit „Die weiße Nacht“ eröffnet Anne Stern ihre neue Krimireihe – und dieser Auftakt sitzt. Das Ermittlerduo König & Lou erinnert in der Konstellation ein wenig an Emil und Billa, ein anderes Ermittlerpaar der historischen Krimiliteratur. Kriminalkommissar trifft scharfsinnige Beobachterin, Pflichtbewusstsein trifft innere Unruhe. Und trotzdem wirkt hier nichts abgekupfert. Im Gegenteil: Die Figuren stehen fest in ihrer Zeit, in ihren Verletzungen, in ihren Grauzonen. Genau das macht sie glaubwürdig. Anne Stern zeichnet ein Berlin zur Stunde null, das nicht nur Kulisse ist, sondern atmender Organismus. Ruinen, Provisorien, moralische Trümmer. Ihr Stil ist bildstark, ruhig und eindringlich zugleich. Man liest und sieht. Man liest und friert. Man liest und bleibt hängen.

König und Lou sind Charaktere, bei denen man sofort spürt: Da ist Tiefe. Da ist Vergangenheit. Und da kommt noch etwas. Besonders gelungen fand ich auch die Nebenfiguren. Trautwein, Königs junger Kollege, wirkt wie ein stiller See mit dunklem Grund. Emil, Lous Ehemann. Gregor. Und dann Bruno, ihr Mitbewohner – eine Figur voller unausgesprochener Geschichte. Überall Andeutungen, Brüche, Leerstellen. Genau so beginnt eine gute Serie: nicht alles erklären, sondern neugierig machen.

Der Fall selbst ist genauso faszinierend wie erschreckend. Die Ermittlungen führen König und Lou in eine dunkle Vergangenheit, die mit den „unwerten Leben“ der nationalsozialistischen Kinderkliniken und den noch immer nicht vollständig verarbeiteten Erlebnissen des Krieges verknüpft ist. Auch die Nürnberger Prozesse und deren Auswirkungen auf die Gesellschaft der Stunde null kommen immer wieder zum Tragen. Die düsteren Geschichten aus der Vergangenheit treffen hier auf das tägliche Überleben der Berliner Nachkriegszeit, die von Schuld, Verantwortung und der Frage nach der Zukunft gezeichnet ist. Die Einblicke in die Ermittlungsmethoden und die Pathologie sind packend und authentisch – die Historie wird hier nicht bloß erklärt, sondern spürbar gemacht. Stern versteht es meisterhaft, die historische Dimension des Falls in die Ermittlungen einzuflechten, ohne dass sie erdrückend wirkt.

Die Auflösung des Falles hat mehrere überraschende Wendungen, die die Spannung bis zum letzten Moment aufrechterhalten. Und dann gibt es noch den fiesen Cliffhanger am Ende. Das Buch habe ich in einem Rutsch gelesen und es macht so viel Lust auf die Serie, die Menschen zwischen den Seiten und darauf, mehr über ihre Vergangenheit und ihre Gegenwart zu erfahren und sie gemeinsam in ihre Zukunft zu begleiten.

Fazit:
„Die weiße Nacht“ von Anne Stern ist ein packender, atmosphärisch dichter Auftakt einer vielversprechenden Krimireihe. Der historische Hintergrund ist hervorragend recherchiert und wird auf meisterhafte Weise mit dem Ermittlungsfall verwoben, ohne die Spannung zu verlieren. Die Charaktere sind vielschichtig und wachsen einem schnell ans Herz. Stern versteht es, historische Themen aufzugreifen, ohne den Leser zu überfordern, und schafft es, eine dichte, teils beklemmende Atmosphäre zu erzeugen. Ein fesselnder Beginn, der neugierig auf die Fortsetzung und Lust auf mehr von dieser Reihe macht.

5 Sterne von mir!

Bewertung vom 09.01.2026
Groh, Kyra

The Pumpkin Spice Latte Disaster / Pumpkin Spice Latte Bd.1


ausgezeichnet

Kaffee ist gut fürs Herz

Worum geht’s?
Als 18-Jährige hat Jude ihre Heimat für immer verlassen und reist seither durch die Weltgeschichte. Nie mehr wollte sie zurück nach Lower Whilby. Doch nun heiratet ihre kleine Schwester. Also macht sie sich auf den Weg – zu ihrer Familie, ihrer Vergangenheit und vielleicht auch zu einer Zukunft, die sie nie geplant hatte.

Meine Meinung:
Von „The Pumpkin Latte Disaster“ von Kyra Groh habe ich so viel gehört, dass meine Neugier irgendwann einfach gewonnen hat. Und obwohl ich dieses Genre lange links liegen gelassen habe, war das hier überraschend unterhaltsam, leichtfüßig und trotzdem voller Gefühl. Ein bisschen „Gilmore Girls“, ein Hauch Hollywood und ganz viel Prickeln zwischen den Zeilen.

Wir lesen abwechselnd aus der Sicht von Jude und James. James, Sohn zweier legendärer Brit-Pop-Stars, hat sich bewusst für das ruhige Leben entschieden und führt Lower Whilby ein Café– mitsamt all der stillen Schönheit, aber auch den Einschränkungen eines kleinen Ortes. Und dann ist da Jude: niemals still, immer unterwegs, ein Wirbelwind mit gepacktem Rucksack und offenen Fluchtwegen. Zwei Menschen, die kaum gegensätzlicher sein könnten. Dazu kommen Olive, Judes kleine Schwester, bodenständig und ganz anders als Jude, und Nore – die Frau, die sich nach Liebe sehnt, aber viel zu oft nur die gute Freundin ist. Ein Ensemble, das perfekt funktioniert und der Geschichte zusätzliche Tiefe gibt.

Das Setting stimmt einfach. Geprägt wird die Geschichte vor allem durch die Gedanken und Gefühle von Jude und James, die wir im Wechsel lesen dürfen. Genau dadurch entsteht eine enorme Dynamik zwischen den beiden. Es prickelt nicht nur spürbar zwischen Jude und James, sondern die Spannung liegt förmlich in der Luft. Man wird daran erinnert, wie es sich anfühlt, am Anfang einer Liebe zu stehen: dieses vorsichtige Abtasten, die Angst vor Verletzung und Enttäuschung – und gleichzeitig diese überwältigenden Gefühle, die plötzlich alles bestimmen. Es macht unglaublich viel Spaß mitzuerleben, wie es zwischen den beiden arbeitet und sich langsam entwickelt. Die Sticheleien, die verbalen Schlagabtausche, das ständige Hin und Her – all das ist pointiert, lebendig und einfach richtig gut getroffen. Dazu kommt der kleine Ort, in dem jeder jeden kennt und über alles redet, was die Dynamik noch einmal verstärkt. Und natürlich die Geschichte rund um Olive, Judes kleine Schwester, die dem Ganzen zusätzliche Tiefe gibt.

Ich bin schon sehr gespannt auf die nächsten Teile dieser Reihe, in denen der Fokus auf Nore und Olive liegen wird, und bin mir sicher, dass auch dort wieder diese besondere Dynamik im Mittelpunkt stehen wird, die mitten ins Herz trifft.

Fazit:
„The Pumpkin Latte Disaster“ von Kyra Groh ist eine warmherzige, spritzige Liebesgeschichte, die vor allem von ihrer lebendigen Dynamik und den glaubwürdigen Figuren lebt. Das Zusammenspiel aus Humor, Gefühl und leisem Knistern macht das Buch zu einer echten Wohlfühllektüre, die leicht zu lesen ist, dabei aber nie oberflächlich wirkt. Besonders die Dialoge und der Perspektivwechsel sorgen dafür, dass man ganz nah bei den Protagonisten bleibt und ihre Unsicherheiten, Hoffnungen und Emotionen miterlebt. Eine Geschichte, die Spaß macht, berührt und Lust auf mehr aus dieser Reihe weckt.

5 verliebte Sterne von mir!

Bewertung vom 03.01.2026
Walton, Emily

Die Welt in unseren Händen


ausgezeichnet

Herzerwärmende Spannung

„Jedes Abenteuer muss ein Ende haben, damit ein neues beginnen kann.“ (S. 372)

Worum geht’s?
1944: June hat es nicht leicht im Leben. Ihre Mutter ist früh verstorben, ihr Vater gewalttätig, ihr Zuhause kein Ort der Geborgenheit. Kurzentschlossen meldet sie sich bei den WAAF. Ihr Dienst führt sie nach Kairo – weit weg von allem, was sie festhält, und näher an das, was sie eigentlich sucht. Sie begegnet Dotty und dem Kameramann Ken und findet etwas, das sie lange nicht kannte: Freiheit, eine innere Heimat und Freundschaften, die ein Leben lang halten.

Meine Meinung:
Das besonders Eindrucksvolle an dem historischen Roman „Die Welt in unseren Händen“ ist, dass er auf der Geschichte von Emily Waltons Großmutter basiert. Vielleicht wirkt er gerade deshalb so außergewöhnlich authentisch und berührend – weil zwischen den Zeilen so viel echtes Leben steckt, so viel Herzblut und spürbare Liebe zu den Figuren.

Der Roman beginnt und endet ein wenig wie Titanic: Gemeinsam mit Emma besuchen wir ihre Großmutter June, die sich langsam in ihre Vergangenheit zurückfallen lässt und uns ihre Geschichte erzählt. June – ein kleines Mädchen mit großen Träumen, das zu einer beeindruckenden Frau heranwächst. Eine Frau, die ihren eigenen Weg geht und dabei Menschen begegnet, die ihr Leben prägen. Besonders Dotty, ebenfalls an eine reale Person angelehnt, hat sich dabei tief in mein Herz geschlichen.

Mit June erleben wir den Krieg nicht aus deutscher Perspektive, sondern durch die Augen einer jungen Britin. Allein die Einblicke in das Leben der Frauen der WAAF sind unglaublich eindrucksvoll. Ich wusste zuvor kaum etwas über sie – nun durfte ich ihre Ausbildung, ihre Einsatzorte, ihre Aufgaben, ihre Ängste, Hoffnungen und ihren Alltag kennenlernen. Doch dieses Buch bleibt nicht bei den Härten des Krieges stehen. Es erzählt vor allem eine zutiefst herzerwärmende Geschichte über Liebe und Freundschaft. Über Verbindungen, die Heimat schaffen, über Menschen, die Halt geben, und über das Gefühl von Ankommen und Geborgenheit – selbst in Zeiten größter Unsicherheit.

Diese Wärme zieht sich durch den gesamten Roman. Ja, es ist ein ernstes Buch. Aber eines, das mich mit so viel Herz, Menschlichkeit und neuem Wissen zurückgelassen hat, dass es eine echte Freude war, Seite für Seite tiefer in Junes Welt einzutauchen. Für mich ein wundervoller Roman – und ein mehr als gelungener Abschluss meines Lesejahres 2025.

Fazit:
Mit „Die Welt in unseren Händen“ hat Emily Walton einen historischen Roman geschaffen, der Spannung und Gefühl auf leise, aber eindringliche Weise verbindet. Die Geschichte berührt durch ihre Authentizität, ihre warmherzigen Figuren und den besonderen Blick auf den Zweiten Weltkrieg aus weiblicher, britischer Perspektive. Es ist ein Buch über Mut, Freundschaft und Liebe – und darüber, wie Heimat manchmal dort entsteht, wo man sie am wenigsten erwartet. Ein Roman, der nicht laut sein muss, um tief zu wirken, und der mich mit einem warmen Herzen und dem Gefühl zurückgelassen hat, etwas Besonderes gelesen zu haben.

5 herzerwärmende Sterne von mir!

Bewertung vom 03.01.2026
Vermette, Katherena

Die Frauen der Familie


sehr gut

Eine erschütternde Geschichte

Worum geht’s?
Cedar hat fast ihr gesamtes Leben in Pflegefamilien verbracht, bevor sie schließlich bei der neuen Familie ihres Vaters unterkommt – ein Ort, der Sicherheit verspricht, aber keine Heilung garantiert. Ihre Schwester Phoenix bringt während ihrer Haft ein Kind zur Welt, das sie niemals sehen darf. Und ihre Mutter Elsie kämpft verzweifelt gegen ihre Sucht, gegen Rückfälle, gegen ein System, das ihr kaum eine echte Chance lässt – in der Hoffnung, ihre Kinder eines Tages wieder zu sich holen zu können.

Meine Meinung:
Katherena Vermettes Roman „Die Frauen der Familie“ ist ein Buch, an dem ich lange gelesen habe – nicht, weil es sperrig wäre, sondern weil es weh tut. Die Geschichte ist so intensiv, so schonungslos und so erschreckend, dass ich immer wieder innehalten musste. Die Worte graben sich unter die Haut, sie lassen sich nicht einfach konsumieren und beiseitelegen.

Erzählt wird auf mehreren Ebenen, aus unterschiedlichen Perspektiven und Zeiten. In der Gegenwart begleiten wir Cedar, die in der Ich-Form erzählt. Sie ist diejenige, die trotz all der Steine, die ihr das Leben in den Weg legt, versucht, Ordnung in ihr Dasein zu bringen, auch wenn sie dadurch zur Außenseiterin wird. Dann ist da Phoenix, ihre Schwester, die aus dem Gefängnis heraus berichtet, gefangen in schweren Depressionen und in einer Realität, die ihr kaum Luft zum Atmen lässt. Hinzu kommt Elsie, die Mutter, deren Leben vom ständigen Drang nach dem nächsten Schuss, der nächsten Pille bestimmt wird. Und schließlich führt uns die Vergangenheit zu Margarete, die durch eine ungewollte Schwangerschaft vieles verloren hat, was einmal möglich schien.

Das sind sie: die Frauen der Familie Stranger. Indigene Frauen, deren Lebenswege exemplarisch zeigen, wie tief Vorurteile, Gewalt, Unterdrückung und strukturelle Ungerechtigkeit greifen. Dieses Buch ist nicht leicht – und darf es auch nicht sein. Beim Lesen musste ich immer wieder pausieren, das Gelesene sortieren, verarbeiten. Es zeigt, wie wenige es schaffen, sich aus den Zuschreibungen und Schubladen zu befreien. Wie gnadenlos ein Stempel wirken kann. Wie oft allein die Hautfarbe genügt, um als minderwertig betrachtet zu werden.

Der Roman fühlt sich erschreckend echt an: roh, intensiv, lebendig. Er durchmisst eine breite Palette an Emotionen, vor allem dunkle, schmerzhafte. Und doch gibt es sie, diese leisen Momente der Hoffnung – vor allem durch Cedar, die wie ein schmaler Lichtstreifen durch die Geschichte führt. Ein kleiner Kritikpunkt bleibt: Die Zeitebenen sind nicht immer klar gekennzeichnet, sodass sich in manchen Kapiteln erst nach einigen Seiten erschließt, in welchem Kontext man sich gerade befindet. Doch das schmälert die Wirkung kaum. Das Buch geht tief unter die Haut, setzt sich im Gedächtnis fest und wirkt lange nach.

Fazit:
Katherena Vermettes „Die Frauen der Familie“ ist ein schweres, eindringliches Buch, das sich nicht leicht konsumieren lässt und genau darin seine Stärke hat. Der Roman erzählt schonungslos von generationsübergreifenden Traumata, struktureller Ungerechtigkeit und dem Kampf indigener Frauen um Würde, Sichtbarkeit und ein selbstbestimmtes Leben. Die Vielstimmigkeit der Erzählung verstärkt die emotionale Wucht und macht deutlich, wie tief persönliche Schicksale in gesellschaftliche Strukturen eingebettet sind. Ein intensiver Roman, der fordert und lange im Gedächtnis bleibt.

4 Sterne von mir.

Bewertung vom 02.01.2026
Henn, Carsten Sebastian

Sonnenaufgang Nr. 5


ausgezeichnet

Zwischen Erinnerungen und dem, was bleibt

„Und dann und wann ein weißer Elefant“ (eBook 24 %)

Worum geht’s?
Jonas ist 19, Halbwaise, hat sein Germanistikstudium hingeworfen und soll eigentlich im Restaurant seines Vaters mit anpacken. Stattdessen träumt er davon, als Ghostwriter zu arbeiten. Als Stella Dor ihn engagiert, um ihre Autobiografie zu schreiben, ahnt er noch nicht, worauf er sich einlässt. Denn dieser Auftrag öffnet Türen zu Erinnerungen, zu Freundschaften, zu gelebten und verpassten Leben – und zu der Frage, was am Ende wirklich bleibt.

Meine Meinung:
Carsten Sebastian Henn ist für mich seit jeher eine verlässliche Adresse für Pageturner mit emotionaler Tiefenwirkung. Und auch bei seinem Roman „Sonnenaufgang Nr. 5“ gilt: Taschentücher sollten griffbereit liegen. Sehr griffbereit. Sein Schreibstil ist erneut eindrucksvoll, intensiv und von einer Wärme durchzogen, die sich leise, aber nachhaltig unter die Haut schiebt. Henn schreibt nicht einfach Geschichten – er malt Bilder, legt Gefühle frei und schafft Momente, die bleiben, lange nachdem die letzte Seite gelesen ist.

Wir begleiten vor allem Jonas, doch im Zentrum steht Stella, deren Leben er aufschreiben soll. Und mit ihr entfaltet sich ein ganzes Geflecht an Schicksalen: Nessa, Bente – die alte Frau, die Tag für Tag an der Bushaltestelle sitzt – Imke, Paul und viele andere. Jede Figur bringt ihre eigenen Erinnerungen, Verluste und Hoffnungen mit. Sie alle fühlen sich so lebendig, so echt an, dass es fast unmöglich ist zu sagen, wen man am liebsten begleitet oder ins Herz geschlossen hat.

Das Schönste an diesem Buch sind letztlich die Geschichten hinter der Geschichte. Bentes Grund, warum sie immer an der Bushaltestelle sitzt. Nessas Leben. Stellas Leben. Und nicht zuletzt Jonas selbst, der ebenfalls seinen eigenen inneren Kämpfen gegenübersteht. Mit einer beeindruckenden Selbstverständlichkeit legt der Autor Herzenswärme zwischen die Zeilen, ohne je kitschig zu werden. Mehr als einmal saß ich mit feuchten Augen da – so leise und zugleich so wuchtig sind diese Erzählungen.

Besonders berührend ist auch der Blick auf das Erinnern selbst: wie Erinnerungen sich verändern, wie verschiedene Menschen dasselbe Ereignis unterschiedlich abspeichern und wie Wirklichkeit und Erinnerung miteinander verschmelzen können. Genau darin liegt eine große Stärke dieses Romans. Ich hätte ewig weiterlesen können, habe das Buch förmlich weggesuchtet und freue mich jetzt schon auf den Moment, in dem ich das nächste Werk des Autors in den Händen halten darf. Carsten Sebastian Henn nimmt uns erneut mit auf eine emotionale Reise voller Erinnerungssplitter, leiser Wunder und Gefühlsspitzen, die noch lange bleiben.


Fazit:
„Sonnenaufgang Nr. 5“ von Carsten Sebastian Henn ist ein Roman, der unerwartet tief trifft. Eine Geschichte über Erinnerungen, über Menschen, die Spuren hinterlassen, und über das, was zwischen den Zeilen eines Lebens steht. Warmherzig, klug und voller Emotionen erzählt, ohne jemals kitschig zu wirken. Ein Buch, das berührt und zeigt, wie kostbar Geschichten sein können – die erzählten ebenso wie die gelebten.

5 gefühlvolle Sterne von mir – und haltet die Taschentücher bereit!

Bewertung vom 29.12.2025
Cross, Ethan

Im Labyrinth der Furcht


gut

Zu leise für Ackerman

Worum geht’s?
Francis Ackerman jr. und seine Geschwister werden vom Hüter gefangen gehalten. Nadia will ihn unbedingt finden und setzt alles daran, an die geheime Liste zu kommen. Dabei entdeckt sie im Dark Web eine unheimliche Versteigerung – wie hängt das alles zusammen?

Meine Meinung:
In dem Thriller „Im Labyrinth der Furcht“, dem zweiten Teil der Hüter-Reihe, begleiten wir Francis Ackerman jr. ein weiteres Mal in die dunklen, klaustrophobischen Abgründe der Verbrechenswelt. Die Handschrift von Ethan Cross ist auch hier wieder deutlich spürbar. Hart, präzise, kompromisslos. Orte, die sich wie zugeschlossene Fallen anfühlen, und Szenarien, die ihre Wirkung nicht durch Lautstärke entfalten, sondern durch Kontrolle. Mit Leon und Willard lernen wir zudem zwei Charaktere kennen, die eine ebenso kreative wie verstörende Verbrechensreihe erschaffen.

Was mir an diesem Band besonders gut gefallen hat: Nadia bekommt endlich wieder Raum. Sie steht nicht länger am Rand, sondern mischt aktiv mit. Im ersten Fall mit Ackerman haben wir gesehen, welches Potenzial in ihr steckt, und hier darf sie endlich wieder zeigen, wozu sie fähig ist. Das fühlt sich richtig an. Ackerman, Marcus und Co. dagegen wirken diesmal fast ungewohnt zurückhaltend. Beinahe zahm. Wer die Reihe kennt, weiß, dass das nicht der Standard ist.

Die Geschichte besteht aus zwei klar getrennten Handlungssträngen. Zum einen begleiten wir Nadia bei ihrer Suche nach Ackerman, die sie mitten in einen Fall führt, der gleichermaßen genial, gnadenlos und grausam ist. Dieser Teil trägt den Thriller. Die Täter, die Opfer, die perfide Auktion im Dark Web – das ist brutal gut, durchdacht und verstörend. Hier entfaltet sich genau jene dunkle Faszination, für die man Ethan Cross liest. Der zweite Strang rund um Ackerman in den Fängen des Hüters tritt dahinter deutlich zurück. Ein abgelegener Ort im kältesten Teil der Welt, ein klassisches Locked-In-Szenario mit nahezu endlosen Möglichkeiten. Und doch bleibt Ackerman erstaunlich kontrolliert. Fast zu kontrolliert. Es gibt spannende Szenen und interessante Ansätze, keine Frage. Aber gerade hier hätte ich mir mehr Eskalation gewünscht. Mehr Gefahr. Mehr Ackerman.

So sehr ich diese Reihe liebe, so sehr ich Ackerman liebe und so treu ich bislang allen Bänden mit vollen fünf Sternen war: Zum ersten Mal muss ich Punkte abziehen. So schwer es mir fällt. Ackerman war hier einfach nicht Ackerman. Das Ende wirkte für einen Charakter wie Francis Ackerman jr. fast ein wenig unwürdig. Zu glatt. Zu leise. Gleichzeitig stellt das Finale wichtige Weichen für den nächsten Teil. Offene Fragen bleiben, Erwartungen werden geweckt, und die Hoffnung ist groß, dass wir bald wieder jene typisch grausame, prickelnde, explosive Ackerman-Spannung erleben dürfen, wie wir sie kennen. Und vielleicht… Edgar?!

Fazit:
„Im Labyrinth der Furcht“ von Ethan Cross ist ein guter Thriller mit einem herausragenden Ermittlungsstrang rund um Nadia und einer richtig guten Grundidee. Gleichzeitig bleibt ausgerechnet Francis Ackerman jr. diesmal überraschend zurückhaltend. Der Roman ist spannend, atmosphärisch und düster, verfehlt aber erstmals innerhalb der Reihe sein volles Eskalationspotenzial.

Leider nur 3 Sterne von mir.

Bewertung vom 27.12.2025
Schaudinn, Jasmin

Im Dschungel ist heut Tobetag!


ausgezeichnet

Wundervoll verrückt und farbenfroh

Worum geht’s?
Erzieher Bolle ist krank. Oh nein! Also müssen sich die Eltern etwas richtig Kreatives einfallen lassen, damit die Kinder gut betreut sind – und Bolle ganz schnell wieder gesund wird. Jeden Tag übernimmt ein anderes Elternteil das Ruder und zack: Wir landen mitten in wundervollen, wilden, lustigen Abenteuern.

Meine Meinung:
Das Kinderbuch „Im Dschungel ist heut Tobetag“ ist einfach nur großartig. Wirklich. Eigentlich empfohlen ab 4 Jahren, aber mein 2,5-Jähriger hat es komplett gefeiert. Der kindgerechte Text von Jasmin Schaudinn sprüht vor Fantasie, verrückten Ideen und ganz viel Freude. Und dann diese Illustrationen von Anna Galitskaya – so bunt, so lebendig, so detailreich. Ein absolutes Bilderfest!

Wir begleiten Melody, Fee, Ralle, Flummi und Fred durch 12 Geschichten, die mit etwa 10 Minuten perfekt zum Vorlesen geeignet sind. Genau richtig für abends, genau richtig für kleine Zuhörer. Die vielen Details in den Bildern sorgen dafür, dass die Kinder auch auf Seiten mit viel Text konzentriert bleiben, richtig lange schauen, entdecken und erzählen – Langeweile hat hier keine Chance. Schon die Figuren sind ein Highlight: Tiger Ralle als selbstbewusster Anführer, Elefant Melody als kleine Ballerina, und ganz besonders Spinne Fee, die sofort das Herz meines Kleinen erobert hat. Ein herrlich bunter Haufen, in dem jedes Kind sein ganz persönliches Lieblingstier findet.

Und die Abenteuer? Jeden Tag anders. Mal spannend, mal lustig, mal herrlich verrückt. Besonders geliebt hat mein Kleiner die Übernachtung, das Verkleiden und natürlich die Schatzsuche. Die hat sogar mich überrascht – Faultier Fred und sein Papa haben da ordentlich Eindruck hinterlassen. Insgesamt ist alles so fantasievoll erzählt und illustriert, dass jede einzelne Geschichte ein kleines Fest ist. Wir mussten uns ernsthaft zwingen, nach maximal zwei Einschlafgeschichten aufzuhören. Die Tikita hat uns einfach nicht mehr losgelassen. Ganz besonders schön war die letzte Geschichte, als Bolle wieder gesund ist und gemeinsam auf die vergangenen Tage zurückgeblickt wird. Mein Kleiner hat begeistert erzählt, was er noch wusste, wir haben die passenden Seiten aufgeschlagen und nochmals nachgeschaut – ein richtig schöner, runder Abschluss.

Fazit:
„Im Dschungel ist heut Tobetag“ von Jasmin Schaudinn, illustriert von Anna Galitskaya, ist ein rundum gelungenes Vorlesebuch, das mit Fantasie, Humor und ganz viel Herz begeistert. Die perfekt kurzen Geschichten, die liebevollen Figuren und die farbenfrohen Illustrationen sorgen dafür, dass Kinder aufmerksam zuhören, entdecken und immer wieder zurück in die Tikita wollen.

Für uns ist es ein echtes Lieblingsbuch geworden, das fest zum Abendritual gehört und bei dem „nur noch eine Geschichte“ garantiert ist. Warm, verrückt, kreativ und absolut empfehlenswert.

5 tierisch-verrückte Sterne von uns!

Bewertung vom 27.12.2025
Sveistrup, Søren

Der Kuckucksjunge


ausgezeichnet

Eiskalte Gänsehaut-Garantie

Worum geht’s?
Silje Hansen ist spurlos verschwunden. Die letzte Nachricht auf ihrem Handy: ein Foto von ihr selbst und die Worte „Hab dich“. Und sie ist nicht die Einzige, die mit solchen Bildern und kryptischen Botschaften verfolgt wird. Naia Thulin und Mark Hess übernehmen den Fall und stolpern direkt in einen Wettlauf gegen die Zeit, denn das nächste Opfer ist bereits verschwunden.

Meine Meinung:
Mit dem Thriller „Der Kuckucksjunge“ habe ich mein erstes Buch von Sören Sveistrup gelesen. Zwar ist es der zweite Teil um das Ermittlerteam Thulin und Hess, den Vorgänger kannte ich nicht, aber es hat mir an nichts gefehlt. Das Buch funktioniert problemlos als Stand Alone. Der Schreibstil des Autors hatte mich sofort gepackt. Er ist so atmosphärisch, kalt und fesselnd, dass ich sofort tief in die düsteren Fälle und die frostige Weite Dänemarks gezogen wurde.

Das Ermittlerteam hat mir ausgesprochen gut gefallen. Naia (was für ein cooler Name!) Thulin, alleinerziehende Mutter von Le, und Mark Hess. Beide hatten wohl eine Beziehung im ersten Teil und müssen sich hier erst wieder zusammenraufen, bilden aber trotz einiger typisch unangenehmen Situationen ein starkes, spannendes Duo. Vor allem Hess kämpft neben der Ermittlungsarbeit noch mit privaten Problemen und erlebt einen herben Verlust, der richtig unter die Haut geht. Auch der Rest des Teams überzeugt, besonders Raheem – von ihm hätte ich unfassbar gerne noch mehr gelesen.

Aber zur eigentlichen Story: Wie krass war bitte diese Nummer! Bereits der Prolog hat mir Gänsehaut beschert und spätestens seit Beenden des Buches kann ich die Worte „Hab dich“ nicht mehr hören, sagen oder lesen, ohne dass mir eiskalt der Rücken runterläuft. Dazu der Abzählreim – reiner Horror. Die fast 700 Seiten wirken kein Stück zu lang, sondern sind ein einziger Pageturner. Bei den Szenen aus Vergangenheit und Gegenwart hatte ich ehrlich gesagt zuerst eine ganz andere mögliche Verbindung im Hinterkopf, die waren nicht ganz rund, was mich aber nicht wirklich gestört hat. Der Einblick in die alten und aktuellen Ermittlungen ist klug gesetzt und durchgehend spannend. Die Ermittlungen, die Verfolgungsszenen, die Dynamik zwischen den Protagonisten und die Atmosphäre in und zwischen den Zeilen sind so intensiv, dass ich regelrecht durch die Seiten gejagt bin.

Ich konnte einfach nicht aufhören, hatte das Gefühl, ständig einen Verfolger hinter mir zu spüren, während mir immer wieder Kälte über den Rücken lief. Es gab so viele kleine und große Spannungsspitzen, und dann dieser Showdown in der verschneiten, gefrorenen Sommerhaussiedlung am See. Und obwohl ich relativ früh eine (richtige) Ahnung hatte, wer Täter sein könnte, hat das der Spannung überhaupt keinen Abbruch getan. Dieses Buch hat mich atemlos durch die Geschichte gehetzt und ich muss jetzt unbedingt nachträglich den 1. Band lesen. Gruselige Spannung pur und eine absolute Leseempfehlung!

Fazit:
„Der Kuckucksjunge“ von Sören Sveistrup liefert eiskalte Atmosphäre, nervenstraffe Spannung und ein Ermittlerduo, das bis zur letzten Seite trägt. Ein kraftvoller Thriller, der tief sitzt.

5 Sterne.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 20.12.2025
Aden, Hanna

Die Kryptografin


ausgezeichnet

Mut ist kein Risiko – er verwirklicht Träume

„Die Mathematik ist die Königin der Wissenschaften“ (entschlüsselter Code auf S. 124)

Worum geht’s?
München in den 1950er Jahren. Deutschland steckt mitten im Neuanfang, vieles ist noch brüchig, vieles ungeklärt. In dieser Zeit beginnt Margot als eine der ersten Frauen ein Mathematikstudium. Ein mutiger Schritt, aber ihr Traum reicht weiter: Sie will Professorin werden. Dann kommt ein Angebot, das alles verändert. Der neu gegründete BND sucht eine Kryptografin. Sicherheit oder Vision? Anpassung oder Aufbruch? Margot steht vor einer Entscheidung, die ihr Leben in eine völlig neue Richtung lenken könnte.

Meine Meinung:
Der historische Roman „Die Kryptografin – Für Träume braucht man Mut“ von Hanna Aden hat mich von der ersten Seite an gepackt und nicht mehr losgelassen. Die Recherche ist beeindruckend präzise, die Verbindung aus historischen Fakten und erzählerischer Freiheit gelingt mühelos. Besonders spannend ist dabei, dass die Autorin ihre eigenen Erfahrungen mit Synästhesie einfließen lässt. Genau daraus entsteht ein Roman, der sich anders anfühlt. Intensiver, vielschichtiger und absolut außergewöhnlich. Dann die Nummerierung der Kapitel – da steckt ganz klar Margots geliebter Fibonacci drin.

Wir begleiten Margot und Sue, zwei Frauen, die in einer Zeit leben, in der Träume für Frauen eher geduldet als gefördert werden. Margot steht dabei im Zentrum. Ihre Synästhesie lässt sie lange an sich selbst zweifeln, weil sie glaubt, „anders sein“ bedeute automatisch „krank sein“. Umso stärker ist der Moment, in dem sie erkennt, dass genau diese Wahrnehmung eine Kraft ist. Etwas, das sie nicht hemmt, sondern trägt. Ein leiser, aber enorm kraftvoller Entwicklungsprozess. Sue ist anders, ihr aber absolut ebenbürtig. Ihr Wunsch, Journalistin zu werden, kollidiert mit der Realität: ein kriegsversehrter Bruder, zwei jüngere Schwestern, Verantwortung statt Selbstverwirklichung. Und doch gibt sie ihren Traum nicht auf. Diese beiden Frauen nebeneinander zu erleben, ihre Gespräche, ihre Zweifel, ihr langsames Wachsen, ist ungemein berührend.

Besonders stark ist die Atmosphäre der Zeit. Der Krieg ist noch allgegenwärtig, die Besatzung durch Amerikaner und Russen spürbar, und doch liegt über allem eine Aufbruchsstimmung. Dieses leise „Es könnte anders werden“. Genau dieses Gefühl trägt das Buch. Wir erleben den Wandel des Frauenbildes, erste Risse im Alten, vorsichtige Schritte in etwas Neues. Die Einblicke in Margots Studienzeit, ihre Arbeit beim BND und die Darstellung ihrer Synästhesie fügen sich stimmig und spannend zusammen. Mein persönliches Highlight ist jedoch die Verbindung zwischen Sue und Margot. Der Moment, in dem sie sich wirklich verbünden, war einer dieser seltenen Lesemomente, in denen man innerlich strahlt und am liebsten laut „Ja!“ ruft. Freundschaft als Kraftquelle. Zusammenhalt als Motor. Ein Augenblick, den man sich selbst mit der besten Freundin wünscht.

Dieses Buch inspiriert. Es macht Mut. Es zeigt, dass Veränderung leise beginnen kann und trotzdem Großes bewirkt. Emotional, tiefgehend und voller Hoffnung. Und ja, es schreit nach einer Fortsetzung. Ich bin noch lange nicht fertig mit Margot, mit Sue, mit diesem Deutschland im Wandel.

Fazit:
„Die Kryptografin – Für Träume braucht man Mut“ von Hanna Aden ist ein kluger, emotionaler und kraftvoller Roman über Mut, Aufbruch und den Moment, in dem man sich entscheidet, den eigenen Weg zu gehen. Eine Geschichte, die inspiriert, stärkt und noch lange im Kopf bleibt.

Ganz klar 5 Sterne von mir!