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Azyria Sun

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Insgesamt 716 Bewertungen
Bewertung vom 20.11.2025
Beckett, Simon

Knochenkälte / David Hunter Bd.7


ausgezeichnet

Eingeschneit mit einem Mörder

Worum geht`s?
Auf dem Weg zu einem neuen Fall verliert Dr. David Hunter die Route und strandet in Edendale, einem einsamen Bergdorf, das vom Schneesturm verschluckt wird. Die einzige Zufahrtstraße bricht weg, die Leitungen sind tot, kein Kontakt nach draußen. Dann legt ein entwurzelter Baum ein menschliches Skelett frei. Und plötzlich sitzt Hunter fest an einem Ort, in dem jede Bewegung beobachtet wird und Fremde nicht willkommen sind. Als weitere Tote auftauchen, wird das beklemmende Gefühl zur Gewissheit: Der Mörder ist nicht irgendwo im weißen Nichts. Er ist hier. Unter ihnen.

Meine Meinung:
Sooo lange habe ich auf den 7. Fall um David Hunter warten müssen – und endlich hat Simon Beckett mich erlöst! Ich habe „Knochenkälte“ regelrecht verschlungen. Trotzdem hatte ich das Gefühl, dass sich etwas verändert hat. Vielleicht liegt es an der langen Pause, vielleicht daran, dass der Prolog diesmal nicht diese brutale Wucht hatte, mit der Beckett uns sonst direkt in eine Todesart hineinzieht. Aber das ändert nichts daran, wie stark der Schreibstil zieht, wie sehr das Buch fesselt und wie schnell man in diesen Pageturner wegsuchtet.

Trotz der vielen Jahre war ich sofort wieder drin. David, seine Fälle und Erlebnisse – alles war präsent. Und Edendale, dieses kleine Sodom und Gomorrha im Schnee, hat mich sofort eingefangen. Ein Ort, der sich anfühlt, als würde er jeden Fremden mustern und abklopfen, bevor er entscheidet, ob er ihn duldet. Die Bewohner? Ein eigenes Kapitel. Ich mochte Nisha, aber bei anderen war ich genauso misstrauisch und wachsam wie Hunter. Dieses Bergkaff wirkt wie ein Ort, an dem man besser niemanden den Rücken zukehrt.

Der Fall selbst war wieder genial. Knochen – gehören sie wirklich zu Jed? Hillside House, das abgelegen auf dem Berg steht. Ein alter Armeeübungsplatz, der zerfällt. Alte Beziehungen, die neue Fehden heraufbeschwören. Schaurig-schöne Schauplätze, die wie gemacht sind für einen Thriller, der vor Knochen und Leichen nur so überquillt. Dazu der Schneesturm, diese hilflose Situation des Abgeschiedenseins – ich habe beim Lesen richtig gefröstelt. Die Spannungskurve war ein Spannungsbergkamm, der gar nicht enden wollte. Und vor allem am Ende ging es Schlag auf Schlag. Ich habe mitgefiebert, mitgefroren, mitgejagt und mitgerätselt und ja, auch der siebte Fall konnte mich mehr als begeistern, auch wenn ich immer noch das Gefühl habe, dass der Schreibstil des Autors irgendwie anders ist. Und ganz am Ende? Ja, da hatten alle mehr gemein, als man anfangs dachte. Das Buch ist gut, genial, fesselnd und absolut lesenswert!

Fazit:
„Knochenkälte“ von Simon Beckett zeigt eindrucksvoll, dass der siebte Fall von Dr. David Hunter wieder ein eiskalter Volltreffer ist. Eingeschneites Setting, misstrauische Bewohner, ein Mörder, der direkt zwischen ihnen sitzt – all das baut eine Spannung auf, die selbst beim Lesen die Temperatur fallen lässt. Auch wenn sich Becketts Ton für mich leicht verändert anfühlt, bleibt das Ergebnis ein kraftvoller, fesselnder Thriller, der bis zum Finale immer weiter anzieht und keine Verschnaufpause lässt.

Für mich ein atmosphärisch dichter Thriller und ganz klar 5 Sterne.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 17.11.2025
Fitzek, Sebastian

Der Nachbar


sehr gut

Er will doch nur helfen

Worum geht’s?
Sarah Wolff hat als Kind ihren Bruder verloren und trägt seitdem die Last, Schuld am Tod des Babys zu sein. Aber es änderte sich zum Guten. Sie war erfolgreiche Strafverteidigerin und Mutter einer kleinen Tochter. Alles schien perfekt – bis vor 11 Jahren ein neuer Schicksalsschlag ihr Leben aus den Fugen hebt. Elf Jahre später scheint alles in geregelten Bahnen zu laufen. Bis der Nachbar auftaucht. Und mit ihm beginnt etwas, das Sarahs Leben langsam, aber unaufhaltsam aus den Fugen geraten lässt.

Meine Meinung:
Ich bin ehrlich: Fitzek und ich – das ist eine toxische Leserbeziehung. Mal will ich das Buch an die Wand werfen, mal lese ich bis drei Uhr morgens weiter, weil ich den Puls einfach nicht mehr runterbekomme. „Der Nachbar“ gehört eindeutig zur zweiten Kategorie. Dieses Buch ist ein Sog. Ein dunkles Echo. Ein Albtraum, der sich in harmlosen Alltäglichkeiten versteckt. Fitzek bleibt Fitzek: sein Stil – scharf, direkt, unverkennbar. Sein Aufbau – vertraut und doch jedes Mal anders. Manchmal war ich an „Das Paket“ erinnert, vor allem in Bezug auf Sarah, die an ihrem eigenen Verstand zweifelt.

Die Figuren? Misstrauen deluxe. Ich mochte niemanden – und das meine ich als Kompliment. Bei Fitzek ist Sympathie nämlich nur der Köder. Kaum lässt man sich darauf ein, schnappt die Falle zu. Aus sympathischen Menschen plötzlich abgrundtief verstörte Psychopathen. Von daher: Trau, schau, wem. Aber alle Personen waren wirklich gut gewählt und perfekt in Szene gesetzt. Die Dynamiken waren genial und über manche, z.B. über Ralph oder Ruby, hätte ich gerne mehr erfahren.

Der Fall war grandios verwirrend. Sarah kam von einer Zwickmühle in die nächste, von einem Albtraum in den nächsten. Was im Klappentext groß genannt wurde – ihre Monophobie – blieb im Buch leider eher blass, was schade war, aber für den Plot nicht entscheidend. Denn der war wirklich stark. Fitzek kann es einfach: kranke, intensive Szenen schaffen, die einem die Gänsehaut über den Rücken jagen. Es fing harmlos an und steigerte sich schnell zu einem Wettlauf zwischen Angst, Panik und Todesangst. Dazwischen beängstigend reale Alpträume. Ab der Hälfte konnte ich kaum noch atmen – es ging Schlag auf Schlag. Meine Verdächtigungen wechselten gefühlt mit jeder Seite. Ja, manches war mir etwas too much, etwa bei Eddy, aber die Spannung blieb ungebrochen. Die Angst saß mir im Nacken, und am Ende war das Buch ein wahrer Pageturner des Grauens. Und dieser Epilog? Ein letzter, eiskalter Stich – mit einem Kribbeln, das noch lange bleibt.

Fazit:
„Der Nachbar“ von Sebastian Fitzek ist ein Psychothriller, wie er im Buche steht: düster, nervenaufreibend und absolut fesselnd – mit einem Plot, der sich wie ein Albtraum entfaltet und einen bis zur letzten Seite atemlos macht. Ein kleiner Punktabzug, weil es an einigen Stellen etwas zu viel war, aber die Spannung bleibt bis zum Schluss auf höchstem Niveau.

4 spannende Sterne von mir und eine klare Leseempfehlung!

Bewertung vom 15.11.2025
Winkelmann, Andreas

Entführung im Himmelreich / Mord auf Achse Bd.2


ausgezeichnet

Im Himmelreich gibt’s keine Brötchen

Worum geht’s?
Eigentlich sollte nach dem letzten Mordfall endlich wieder Ruhe ins Himmelreich einkehren – gemütlich Kaffee trinken, Brötchen essen, Leben genießen. Denkste. Statt Frieden gibt’s Chaos: Erst verschwindet der Bäcker (und mit ihm das Frühstück), dann wird auf dem Hausboot einer Camperin eingebrochen. Und als schließlich auch noch eine Leiche im Froster liegt, ist klar – das Himmelreich bleibt sich treu: herrlich mörderisch.

Meine Meinung:
Nach dem ersten Teil der Serie habe ich schon sehnsüchtig auf die Fortsetzung gewartet – und Andreas Winkelmann konnte mich auch mit „Entführung im Himmelreich“ wieder restlos begeistern. Der Kriminalroman ist, wie schon der Auftakt, eine wunderbar schräge Mischung aus Spannung und Humor. Schon Zeilen wie „Der Metzger hat Beef mit dem Bäcker“ sind so simpel wie genial und bringen mich jedes Mal zum Schmunzeln.

Allen voran erleben wir wieder Kupernikus und Annabell – die zwei sind einfach ein unschlagbares Team. Auch Kommissar Fass ist wieder mit von der Partie. Sein Name ist Programm, sein Herz am rechten Fleck und seine Beziehung zur Gerichtsmedizinerin so kurios wie liebenswert – Gegensätze ziehen sich eben an. Dass Fass immer noch bei seiner Mutter wohnt, die ihn mit „luststeigernden Rezepten“ umsorgt, setzt dem Ganzen dann wirklich die Krone auf!

Im Fall selbst geht es ganz wie im ersten Teil heiter weiter. Wir tauchen mitten in die Campingplatz-Atmosphäre ein, und besonders die Halloween-Party hat mir wahnsinnig gut gefallen. Die Kostüme haben den Ermittlungen nochmals eine Extraportion Würze verliehen. Die Ermittlungen waren erneut eine gelungene Mischung aus Spannung, Witz und Chaos – mit vielen Momenten, die mich zum Lachen und zum Mitfiebern gebracht haben. Und jedes Mal, wenn Kupernikus über seine Kaffeebohnen philosophiert, bin ich kurz davor, mir auch so eine French Press zuzulegen!

Hier stimmt wirklich alles: fesselnde Spannung zwischen Camping und Kaffee, garniert mit einer guten Prise Humor und charmant-schrägen Figuren. Ich liebe diese Serie einfach. Die urigen Charaktere, die besondere Atmosphäre, den trockenen Witz – das Ganze ist herrlich unterhaltsam, kurzweilig und einfach himmlisch gut! Von mir eine ganz klare Leseempfehlung!

Fazit:
Andreas Winkelmann beweist auch hier, dass Spannung und Humor wunderbar zusammenpassen. „Entführung im Himmelreich“ ist ein Krimi voller Charme, schräger Charaktere und herzerfrischender Situationskomik – kurzweilig, unterhaltsam und richtig gut geschrieben.

Ganz klare 5 Sterne von mir!

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 15.11.2025
Born, Leo

Blinde Rache / Mara Billinsky Bd.1


ausgezeichnet

Die Krähe ist zurück

Worum geht’s?
Mara Billinsky ist anders – schwarz gekleidet, tätowiert, unbequem. Nach ihrer Zeit in Düsseldorf kehrt sie nach Frankfurt zurück, um in der Mordkommission endlich zu zeigen, was in ihr steckt. Doch ihr Chef macht ihr das Leben schwer, und selbst ihre Kollegen zweifeln an ihr. Als eine brutale Mordserie die Stadt erschüttert, bekommt Mara ihre Chance – und beweist, dass sie nicht einfach „die Krähe“ ist, über die alle reden.

Meine Meinung:
Von Leo Born und seiner Thrillerreihe um Mara Billinsky hatte ich schon viel gehört, aber mit „Blinde Rache“ bin ich nun mittendrin gelandet – und völlig gefesselt. Das Buch ist von Anfang an rasant, düster und intensiv geschrieben. Born verwebt Spannung, Emotion und Atmosphäre so geschickt, dass man kaum merkt, wie schnell die Seiten verfliegen.

Mara ist keine einfache Figur. Sie ist hart, misstrauisch, manchmal fast unnahbar – und trotzdem spürt man die Wut und Verletzlichkeit, die sie antreiben. Ihre Vergangenheit ist voller Brüche: die Mutter ermordet, als sie zehn war, der Vater – Anwalt, Frauenheld und Lebemann – kaum präsent. All das prägt sie – und macht sie zu einer Ermittlerin, die niemals aufgibt, egal, wie viele Mauern man ihr in den Weg stellt. Und dann ist da Jan Rosen. Ihr Kollege wirkt zunächst wie ihr kompletter Gegenpol: ordentlich, korrekt, fast schon streberhaft. Doch Born deutet zwischen den Zeilen an, dass in ihm mehr steckt – etwas, das erst noch ans Licht kommen wird. Diese Entwicklung zu beobachten, fand ich besonders spannend. Während Mara kämpft, sich durchzubeißen, scheint Jan seinen Platz noch zu suchen. Ich bin sehr gespannt, wie sich seine Figur in den kommenden Bänden entfalten wird.

Der Fall hat es in sich: Wie der Titel schon sagt, geht es um Rache – grausame, kalte, zielgerichtete Rache. Die Opfer werden brutal gefoltert, regelrecht hingerichtet. Leo Born zieht seine Leser tief hinein in ein Milieu aus Menschen- und Drogenhandel, Prostitution, Mafia-Verstrickungen und Jugendkriminalität. Selbst die Nebenhandlungen – etwa die Serie von Einbrüchen durch jugendliche Täter – fügen sich nahtlos ins Gesamtbild ein. Auch der Junge Rafael Makiadi, den wir kennenlernen dürfen, ist eine spannende Figur. Ich bin mir fast sicher, dass wir ihn und Hanno wiedersehen werden – und freue mich jetzt schon auf das weitere Kennenlernen. Überhaupt ist das ganze Buch brutal, düster und durchweg spannend – ein Thriller, der kaum Luft zum Atmen lässt.

Das Ende kam zwar nicht völlig überraschend, hat mich aber trotzdem mitgerissen. Eine stimmige, solide Auflösung, die Lust auf mehr macht – und das Gefühl hinterlässt, dass wir von Mara Billinsky noch einiges zu erwarten haben.

Fazit:
Ein starker, kompromissloser Auftakt mit einer Ermittlerin, die sich in keine Schublade pressen lässt. „Blinde Rache“ ist düster, rasant und durchweg fesselnd – ein Thriller, der von der ersten bis zur letzten Seite unter Strom steht.

5 Sterne von mir und ich freue mich auf mehr!

Bewertung vom 15.11.2025
Jacobs, Anne

Wie das Schicksal spielt / Der Dorfladen Bd.3


ausgezeichnet

Ein Dorf voller Geschichten

Worum geht’s?
Auch 1927 wird es in Dingelbach nicht ruhiger. Frieda schaut ab und zu vorbei, blüht aber am Theater richtig auf. Ida steckt mitten in den Abiturvorbereitungen, verliebt sich in Florian und setzt damit alles aufs Spiel. Und Herta? Die brave Herta erwartet ein uneheliches Kind – und sorgt damit für reichlich Gesprächsstoff an der Ladentheke.

Meine Meinung:
Mit „Der Dorfladen – Wie das Schicksal spielt“ entführt uns Anne Jacobs bereits zum dritten Mal in das kleine Dingelbach, wo man nicht nur seine Nachbarn, sondern auch deren Sorgen und Geheimnisse kennt. Schon nach wenigen Seiten war ich wieder mittendrin im Trubel des Dorflebens, habe alte Bekannte getroffen, Neuigkeiten erfahren und mich gefühlt, als stünde ich selbst beim tägilchen Kaffeeklatsch am Tresen des Dorfladens.

Der Schreibstil bringt die Atmosphäre wieder wunderbar zum Leben – es ist, als würde man das Lachen der Mädchen hören und das Tuscheln hinter den Gardinen sehen. Besonders schön ist es, die Entwicklung der Haller-Schwestern mitzuerleben. Ida, Frieda, Herta – jede geht ihren eigenen Weg, und doch bleiben sie fest miteinander verwoben. Auch Lehrer Hohnermann war wieder dabei – ein liebgewonnenes Original, dem man nur das Beste wünscht, so empathisch und hoffnungslos verliebt ist er. Dann diese Tratschweiber, die ständigen Querelen unter den Bauern, kleine Intrigen und große Gefühle – es war herrlich lebendig. Und Ilse, ach Ilse – was sie sich mit ihrem Bruder rumschlagen muss!

Diesmal steht wirklich das dörfliche Miteinander im Mittelpunkt. Mir persönlich haben die historischen Fakten etwas gefehlt, die in den ersten beiden Teilen so geschickt eingewoben waren. Die politischen Spannungen, die Studentenkrawalle – sie werden nur am Rande erwähnt. Dafür widmet sich Anne Jacobs umso intensiver den Menschen, ihren Hoffnungen, Ängsten und Träumen. Und das liest sich einfach wunderbar – warmherzig, lebensnah, mitreißend. Wer die Figuren aus den ersten beiden Teilen schon ins Herz geschlossen hat, kommt hier voll auf seine Kosten. Und das Ende? Eigentlich schließt es die Trilogie ab – aber so vieles bleibt offen, dass man fast hofft, Dingelbach hätte noch ein paar Geschichten zu erzählen. Vielleicht dürfen wir ja noch einmal dorthin zurückkehren. Wenn nicht, bleibt wenigstens genug Raum für die eigene Fantasie: Ob Ida Anwältin wird, Frieda Regie führt, Herta glücklich wird – wer weiß das schon?

Fazit:
Mit „Der Dorfladen – Wie das Schicksal spielt“ gelingt Anne Jacobs ein Abschluss, der all das vereint, was ihre Reihe so besonders macht: Herz, Menschlichkeit und echtes Dorfgefühl. Es ist weniger ein historischer Rückblick als vielmehr ein lebendiges Stück Leben – mit all seinen Ecken, Sorgen, Träumen und leisen Momenten. Ein Roman, der nachklingt wie das Läuten der Kirchenglocken über Dingelbach.

5 Sterne von mir und ich wünschte, die Triolgie wäre noch nicht vorbei!

Bewertung vom 14.11.2025
Imlau, Nora

Was wütest du so sehr, kleiner Pandabär?


ausgezeichnet

Kleiner Panda, große Gefühle

Worum geht’s?
Tilly Pandabär ist ein kleiner Gefühlstornado. Alles in ihr wuselt, wuselt, wuselt und manchmal ist einfach Schluss mit süß und kuschelig. Dann macht es „PENG!“ und die Wut will raus, laut, schnell und mit vollem Körpereinsatz. Gut, dass Mama an ihrer Seite ist, die ihr zeigt, wie man das große Grollen in etwas Kleineres, Sanfteres verwandeln kann und herausfindet, was man wirklich braucht.

Meine Meinung:
Die Kinderbücher von Nora Imlau sind einfach ein Geschenk für alle, die kleine Menschen auf ihrem Weg begleiten. Sie bringt jedes Thema punktgenau auf den Punkt, ganz ohne Luftballonpädagogik, sondern mit echten Aha-Momenten, die einem beim Vorlesen warm ums Herz machen. „Was wütest du so sehr, kleiner Pandabär?“ bestätigt das wieder total. Dazu kommen die zauberhaften Illustrationen von Lisa Rammensee, in denen Tilly so lebendig, leuchtend und gefühlsstark gezeigt wird. Dazu viele liebevolle Details – die Bücher sind einfach wundervoll.

Die gereimten Texte sind Gold wert für Kinder ab 24 Monaten. Rhythmisch, rund, kindgerecht und gleichzeitig voller kleiner Zwinkermomente für uns Große. Mein Kleiner spricht schon nach ein paar Mal Vorlesen begeistert mit. Und ja, die Reime machen das Ganze einfach fluffiger.

Hier geht es um die Wut. Und Tilly hat wirklich reichlich davon im Gepäck. Nora Imlau zeigt die innere Gefühlswelt so einfühlsam, dass man selbst als Eltern plötzlich denkt: „Okay, ich verstehe dich jetzt wirklich besser.“ Wir hatten hier kürzlich auch wieder so eine herrlich explosive Wutphase (die nächste kommt bestimmt schon um die Ecke gewinkt). Da tun Bücher wie dieses einfach gut. Sie holen einen ab, geben einem das Gefühl, nicht allein zu sein, und zeigen gleichzeitig Wege, wie man begleiten und auffangen kann.

Was ich an der Reihe liebe: Die Bücher knüpfen aneinander an. Kinder treffen bekannte Figuren wieder – z.B. Juli Krokodil und Quirin. Wobei ich Quirin diesmal fast übersehen hätte, aber mein Kleiner hat ihn gleich auf dem Handydisplay von Tilly erkannt. Und dieses Mal sehen wir eine Szene aus dem Juli-Buch aus Tillys Perspektive. Das erweitert das Verständnis der Kleinen enorm, denn sie spüren: Jede Geschichte hat zwei Seiten. Am Ende gibt es dazu noch ein Nachwort für uns Eltern, kurz, klar und immer wieder ein Augenöffner. Die Bücher über Gefühle sind aus unserem Regal nicht mehr wegzudenken. Mein Kleiner kennt sie auswendig, wirklich jedes einzelne. Und sie werden täglich mehrmals gelesen. Ein Muss für Eltern mit Kids zwischen 2 und 4 Jahren.

Fazit:
„Was wütest du so sehr, kleiner Pandabär?“ von Nora Imlau, liebevoll illustriert von Lisa Rammensee, ist ein warmherziges, kluges und absolut alltagstaugliches Bilderbuch über große Gefühle in kleinen Körpern. Es holt Kinder genau da ab, wo ihre Wut wohnt, und gibt uns Eltern ehrliche, hilfreiche Impulse an die Hand. Ein wunderbarer Begleiter für Familien mit Kindern zwischen zwei und vier Jahren.

Ganz klar 5 Sterne von uns!

Bewertung vom 08.11.2025
Schreiber, Jasmin

Da, wo ich dich sehen kann


ausgezeichnet

Ein Buch, das unter die Haut geht

Worum geht’s?
Majas Vater, ihr Held und Lebensmittelpunkt, tötet ihre Mutter. Von einem Moment auf den anderen wird alles anders. Maja zieht zu ihren Großeltern, den Eltern ihrer Mutter Emma. Nur bei Liv, Emmas bester Freundin, findet sie ein Stück Halt zwischen all den Veränderungen, die ihr Leben plötzlich bestimmen.

Meine Meinung:
Von Jasmin Schreiber habe ich schon so viel gehört – und mit „Da, wo ich dich sehen kann“ endlich mein erstes Buch von ihr gelesen. Und was soll ich sagen: Es war intensiv, es war krass, es ging direkt unter die Haut und mitten ins Herz.

Die Geschichte wird aus verschiedenen Perspektiven erzählt – Maja, Liv, Brigitte und manchmal auch Emma kommen zu Wort. Richtig nahegekommen bin ich beim Lesen keinem der Charaktere, aber vielleicht ist das bei diesem Thema auch besser so. Zu sehr geht alles an die Substanz.

Die Autorin zeigt außergewöhnlich eindrucksvoll, wie unterschiedlich die Figuren mit ihrer Trauer umgehen – mit Ihrer Trauer um die Mutter, die Tochter, die beste Freundin. Besonders, was all das mit der kleinen Maja macht, ist herzzerreißend. Dazwischen finden sich Auszüge aus Zeitungsartikeln, Gerichtsprotokollen und Polizeiberichten. All das lässt diese Geschichte, die laut Frau Schreiber fiktiv ist, erschreckend real wirken – und dadurch noch grausamer. Denn Femizid ist kein fernes Thema, sondern eines, das leider überall passieren kann. Vielleicht sogar in deinem Nachbarhaus!

Sehr intensiv fand ich auch die auf schwarzen Seiten gedruckten Was-wäre-wenn-Kapitel, in denen sich die Figuren fragen, was sie hätten anders machen können. Ein großes Thema ist auch die Verarbeitung durch Therapie – wie hilfreich sie sein kann, aber auch, wie sehr sie noch immer mit Tabus behaftet ist. Und die Autorin zeigt, dass manchmal schon ein ehrliches, offenes Gespräch mehr bewirken kann als alles andere. Zwischen den Kapiteln musste ich immer wieder pausieren, durchatmen, alles in mir nachhallen lassen. Dieses Buch ging mir wirklich an die Substanz. Es war so nah, so lebendig, so brutal ehrlich – voller Schmerz, Trauer und Verzweiflung. Ein Buch, das lange nachhallt. Ein Buch, das aufrüttelt. Ein Buch, das bleibt.

Fazit:
„Da, wo ich dich sehen kann“ von Jasmin Schreiber ist kein Buch, das man einfach wegliest. Es fordert, es schmerzt, es zwingt zum Innehalten – und genau das macht es so stark. Mit sprachlicher Präzision und emotionaler Wucht erzählt die Autorin von Verlust, Schuldgefühlen und den unterschiedlichen Gesichtern der Trauer. Ein Buch, das aufwühlt, aufrüttelt und lange nachhallt.

5 Sterne – eine klare Leseempfehlung.

Bewertung vom 01.11.2025
Lillegraven, Ruth

Düsteres Tal


ausgezeichnet

Psychoempatisch – kalt, klug, gnadenlos

Worum geht’s?
Um ihrer Vergangenheit zu entkommen, flieht Clara Lofthus nach Nairobi. Dort baut sie für UNICEF eine Schule auf – ein Ort des Lichts in einem Land voller Schatten. Bei einem Terroranschlag beweist Clara einmal mehr ihre eiserne Kontrolle. Sie rettet die meisten Kinder, aber rettet sie sich selbst? Zurück in Oslo wird ihr erneut das Amt der Justizministerin angeboten. Eine zweite Chance – oder der letzte Schritt in den Abgrund?

Meine Meinung:
Nach dem letzten Thriller um Clara Lofthus hatte ich ehrlich nicht mit einer Fortsetzung gerechnet. Umso größer die Überraschung, als „Düsteres Tal“ von Ruth Lillegraven plötzlich auf meinem Stapel lag – und mich sofort in seinen Bann zog. Die Autorin versteht es meisterhaft, uns mit kurzen Rückblicken in Claras Vergangenheit zurück ins Spiel zu holen. Schnell sitzt man wieder in dieser beklemmenden, kühlen Atmosphäre, in der Moral nur noch ein Wort ist und Gerechtigkeit etwas, das Clara selbst definiert.

Clara bleibt ein faszinierendes Rätsel: eine Frau, die Mitgefühl ausstrahlt – und zugleich ohne mit der Wimper zu zucken tötet. Eine Psychoempathin, halb Engel, halb Rächerin. Man will sie hassen, aber sie lässt es nicht zu. Vielleicht, weil sie so eiskalt ehrlich ist. Und dann sind da Erik Heier, der plötzlich mehr als nur eine Nebenrolle bekommt, und Axel, Claras neuer Ehemann – beide auf ihre Weise Gefangene in Claras perfekt kontrolliertem Kosmos. Jeder Charakter ist kantig, beschädigt und doch präzise aufeinander abgestimmt wie Zahnräder in einer Uhr, die unaufhaltsam auf Explosion tickt.

Die Geschichte entfaltet sich wie ein politisch-psychologisches Labyrinth. Alte Sünden steigen an die Oberfläche – vom ersten Mord an Magne bis hin zu den jüngsten Taten. Heier verfolgt Claras Spuren mit verbissener Akribie, Axel kämpft mit der Wahrheit, und Claras Kinder beginnen zu ahnen, in welcher Dunkelheit sie aufwachsen. Terrorismus, Machtgier, Rache – und irgendwo dazwischen: Freundschaft, Schuld und der Wunsch nach Kontrolle. Die Spannung bleibt konstant hoch, bricht aber immer wieder eruptiv aus, wenn neue Puzzleteile ans Licht gezerrt werden. Lillegraven schreibt mit messerscharfer Präzision, schafft Szenen, die wie kalter Nebel über der norwegischen Landschaft hängen – und Figuren, die man selbst nach der letzten Seite nicht loswird.

Und das Ende? Ist es wirklich vorbei? Was ist mit Clara und Andreas? Bereitet Clara schon ihren nächsten Zug vor?

Fazit:
Ein düster-intelligenter Thriller, der zwischen Gefühl und Wahnsinn balanciert wie eine Klinge im Mondlicht. „Düsteres Tal“ von Ruth Lillegraven ist kein einfaches Buch – es ist eine psychologische Achterbahnfahrt durch Schuld, Macht und Moral. Wer sich traut, in Claras Kopf zu blicken, wird belohnt: mit Gänsehaut, Abgründen und brillantem Nervenkitzel.

5 Sterne – eiskalt, fesselnd, grandios.

Bewertung vom 01.11.2025
Lehmenkühler, Lissa

Ete Petete & Tohu Wabohu - Gegensätze ziehen sich an


sehr gut

So schön kann Durcheinander sein

Worum geht’s?
Ete Petete und Pico Bello haben ihr Leben perfekt sortiert – alles glänzt, glitzert und steht akkurat an seinem Platz. Doch dann ziehen Tohu Wabohu und Ramba Zamba nebenan ein … und schwupps, ist’s vorbei mit der feinen Ruhe! Statt Tee und Tischdecke gibt’s plötzlich Chaos, Krach und ganz viel Farbe!

Meine Meinung:
Was für ein herrlich verrücktes Buch! „Ete Petete & Tohu Wabohu – Gegensätze ziehen sich“ an hat uns vom ersten Reim an begeistert. Lissa Lehmenkühler jongliert mit Sprache wie ein Zauberclown – ihre Reime sind frech, klangvoll, voller Witz und gehen Großteils leicht über die Zunge. Dazu die Illustrationen von Julia Bierkandt: ein Farbenfest! So leuchtend, so lebendig – jedes Detail erzählt eine eigene kleine Geschichte.

Die Figuren sind einfach großartig. Schon die Namen sind ein Volltreffer: Ete Petete – die pinke Perfektionistin mit Pünktchen, Schleifchen und Haltung – und Tohu Wabohu, der kleine Wildfang, halb Rübezahl, halb Wirbelwind. Und dann diese Haustiere! Besser hätte man das Chaos-und-Ordnung-Duo gar nicht zeichnen können.

Mein 2,5-Jähriger war sofort hin und weg. Besonders, wenn ich Ete mit piepsiger Stimme sagen ließ: „Um Himmels Willen! Wir trinken nur Tee!“ – da hat er sich kugelig gelacht und es immer wieder nachgequietscht. Inzwischen kann er fast den ganzen Text mitsprechen und erzählt stolz die Geschichte anhand der Bilder nach. Ganz besonders schön fand ich Etes Verwandlung nach dem Sturz ins Loch – aus der steifen Ete wird plötzlich ein richtig liebenswertes, fast elfenhaftes Mädchen. Nur eine kleine Szene habe ich vermisst: den Moment, in dem Tohu sie wirklich rettet. So eine Rettungsaktion hätte besser gezeigt, wie die Freundschaft zwischen den beiden entstand und das Freundschaftsgefühl selbst noch stärker gemacht. Aber auch ohne das ist die Geschichte rund und herzerwärmend.

Nach sicher zwanzigmal Vorlesen entdecken wir immer noch neue Kleinigkeiten: winzige Witze in den Bildern, witzige Wortspiele wie „ordentliches Durcheinander“ oder „außerordentlich ordentlich“ – pure Sprachfreude! Dieses Buch bringt kleine und große Leser zum Lachen, Staunen und Mitreimen.

Fazit:
„Ete Petete & Tohu Wabohu – Gegensätze ziehen sich an“ von Lissa Lehmenkühler und illustriert von Julia Bierkandt ist ein fröhliches, buntes Chaos mit Herz und Witz, das zeigt: Gegensätze machen das Leben erst spannend! Wegen der fehlenden Rettungsszene gibt’s einen winzigen Punktabzug – aber ansonsten eine absolute Leseempfehlung.

4 kunterbunten Sterne von uns!

Bewertung vom 01.11.2025
Garcia, Jessie

The Business Trip


sehr gut

Business Trip – One Way Only

Worum geht’s?
Zwei Frauen, zwei Welten – und ein Mann, der sie beide verbindet. Stephanie, erfolgreiche Nachrichtenchefin mit glänzender Karriere, hat alles, was man sich von außen so wünscht. Jasmine dagegen hält sich mit Kellnerjobs über Wasser, gefangen in einer Beziehung, die mehr Schmerz als Liebe kennt. Was sie nicht wissen: Beide erzählen von demselben Mann. Und dann verschwinden sie – spurlos.

Meine Meinung:
„The Business Trip“ war mein erstes Buch von Jessie Garcia, aber ganz sicher nicht mein letztes. Der Aufbau erinnert stellenweise an Julie Clark – die wechselnden Perspektiven, die Zeitsprünge und diese klare, treibende Erzählweise, die einen sofort packt. Trotzdem hat Garcia ihren ganz eigenen Stil: direkter, dunkler, kompromissloser und mit einer Raffinesse, die sich erst nach und nach entfaltet.

Die Geschichte wird aus mehreren Blickwinkeln erzählt – nicht nur aus Sicht von Stephanie und Jasmine, sondern auch aus der des vermeintlichen Mörders Trent und verschiedene Nebenfiguren wie Robert, Lucy und Anna. Normalerweise kann eine solche Vielzahl an Stimmen schnell unübersichtlich werden, aber hier funktioniert es erstaunlich gut. Jessie Garcia schafft es, jeder Figur eine unverwechselbare Stimme und Tiefe zu geben, sodass man nie den Überblick verliert. Gerade diese unterschiedlichen Blickwinkel machen den Thriller so lebendig und psychologisch dicht.

Der Spannungsbogen ist von Beginn an straff gespannt und zieht sich gnadenlos bis zur letzten Seite. Schon der erste größere Twist – etwa im ersten Drittel – sitzt. Plötzlich werden Teile der Geschichte wiederholt, diesmal aber aus völlig anderer Perspektive, und auf einmal steht alles Kopf. Ich liebe solche Momente, in denen man denkt: Das kann doch jetzt nicht ernsthaft so gemeint sein! Doch Garcia meint es genau so. Und sie dreht weiter. Im letzten Drittel überschlagen sich die Ereignisse. Die Spannung steigt ins Unerträgliche, und zwischen all den Enthüllungen tun sich menschliche Abgründe auf, die einen gleichzeitig schockieren und faszinieren. Ich hatte tatsächlich das Gefühl, ständig auf der Hut sein zu müssen, weil hinter jeder Seite ein neuer Schlag ins Gesicht lauert.

Ein paar Passagen waren mir fast zu viel. Dennoch: Das Buch ist kein seichter Thriller, sondern ein emotionaler Wirbelsturm, der dich durchrüttelt und am Ende mit offenem Mund zurücklässt.

Fazit:
„The Business Trpi“ ist spannend, vielschichtig und mit Twists, die man so nicht kommen sieht. Jessie Garcia schreibt mit Tempo, Biss und psychologischem Tiefgang.

4 Sterne – und ein großes Wow für diesen Achterbahntrip zwischen Illusion und Wahrheit.