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Clemens
Wohnort: 
Bergkamen

Bewertungen

Insgesamt 47 Bewertungen
Bewertung vom 03.09.2022
Der finstere Pfad
Blackhurst, Jenny

Der finstere Pfad


ausgezeichnet

Jenny Blackhurst erzählt in ihrem 332seitigen Thriller "Der finstere Pfad" die Geschichte einer jungen Frau, Maisie Goodwin, die sich im Sommer 1999 aufmacht, den West Coast Trail im Südwesten von Kanada mit ihrer Freundin entlang zu wandern. Da ihre Freundin jedoch kurzfristig absagt, unternimmt sie die Fahrt zum Startpunkt der Wanderung zunächst alleine. Sie lernt vor Ort schnell zum einen ein Paar kennen, das sich als Bruder, genannt Ric, und Schwester, Sera, ausgibt und sie auf der Wanderung begleitet und zum anderen eine dreiköpfige Gruppe aus einer Frau und zwei Männern, die den Trail von der anderen Seite aus beginnend starten. Eine der beiden Frauen verschwindet eines Nachts spurlos und außer Blut kann die Polizei vor Ort nichts finden. Erst zwanzig Jahre später werden menschliche Überreste gefunden und für eine Frau, namens Laura, beginnt eine nervenaufreibende Auseinandersetzung mit den Vorfällen von 1999.
Doch wer ist diese Laura? Und was ist auf dem Trail tatsächlich geschehen?

Bereits das Cover des Thrillers erzeugt direkt eine unglaubliche Spannung. Eine junge Frau wandert einsam auf einem schmalen Wanderweg unter dunklen verhangenen Wolken in Richtung eines Gebirges.
Der Inhalt des Buches spiegelt diese düstere Spannung gleich auf den ersten sofort wieder.
Jenny Blackhurst gelingt es sehr gekonnt durch die permanenten Zeit- und Blickwechsel der beiden Frauen, Maisie im Jahr 1999 und Laura zwanzig Jahre später, einen Spannungsbogen aufzubauen, der die Leser/innen geradezu über die Seiten fliegen lässt. Sie schafft es aus im Grunde einem Geschehen auf dem Trail vor zwanzig Jahren, zwei Szenarien zu kreieren. In beiden Fällen stehen die Leser/innen vor jeweils einem Rätsel, welches es zu lösen gilt? Von wem stammen die sterblichen Überreste entlang des Trails und was hat Laura überhaupt damit zu tun, das sie sich sogar Sorgen um ihre Familie machen muss?
Dieses atemberaubende Verwirrspiel wird von der Autorin zudem noch durch Einwürfe von Zeitungs-ausschnitten, Nachrichten und Podcast-Korrespondenzen sehr geschickt angeheizt.

Mein Fazit:
"Der finstere Pfad" von Jenny Blackhurst ist ein unglaublich spannender Thriller, der sich durch den fließenden Schreibstil und die angenehm kurz gehaltenen Kapitel auszeichnet. Die Charaktere werden sehr authentisch und bildhaft dargestellt, so dass die Leser/innen schnell eine Beziehung zu ihnen knüpfen können.
Ein Buch also, das ich allen Krimi- und Thrillerliebhaber/innen, die Freude daran haben, bis zum Ende einer Erzählung im Ungewissen zu bleiben nur wärmstens empfehlen kann.

Bewertung vom 14.08.2022
Die Schattensammlerin - Dichter und Dämonen
Orgel, T. S.

Die Schattensammlerin - Dichter und Dämonen


ausgezeichnet

Außergewöhnlicher Historienroman - gespickt mit einer feinen exzellenten Prise Humor!

"Die Schattensammlerin - Dichter und Dämonen" erzählt die Geschichte der jungen Millicent (Milli) Wohl, die im Fastnachttrubel Zeugin eines Raubüberfalles wird. Ein Schädel wird gestohlen, der angeblich keinem Geringeren als dem Dichter Friedrich Schiller zugeordnet wird. Bei der anstehenden Suche nach diesem Schädel erhält Milli die Hilfe eines weiteren deutschen Dichters, Johann Wolfgang von Goethe und seinem geheimnisvollen Helfer Abaris. Während dieses Unterfangens treffen sie auf seltsame Personen, Bündnisse und Gruppierungen.

Werden sie den Schädel wiederfinden? Und wer oder was steckt hinter dem Raubüberfall?

T.S. Orgel (Pseudonym für die Gebrüder Tom und Stephan Orgel) erzählen ihre Kriminalgeschichte in Frankfurt um das Jahr 1830. Frankfurt ist bereits eine Großstadt, die die Menschen anzieht und ihnen einiges zu bieten hat. Dennoch ist die Stadt durchzogen von dunklen Gassen und vielen mystischen und geheimnisvollen Menschen, die die Leser/innen schnell in ihren Bann ziehen. Den Autoren gelingt es in kürzester Zeit einen Spannungsbogen aufzubauen, der uns durch den kompletten Roman begleitet und in einem schlüssigen Finale endet.

Hervorzuheben sind die feinen humorvollen Spitzen, die zwischen den Zeilen immer wieder auftauchen und die sehr authentisch gezeichneten Protagonisten. Die Leser/innen haben dadurch ständig das Gefühl, Milli und Abaris auf ihrer Suche zu begleiten und dem großen Dichterfürsten Goethe mal hautnah gegenüberstehen zu dürfen. Wer kann das schon von sich behaupten?

Mein Fazit:

Für alle, die eine absolut gelungene Kombination aus Historienroman und Kriminalfall gespickt mit exzellentem und passend platzierten Humor lieben, ist dieser Roman ein unbedingtes Muß! Ein Roman, der neben der bei einem Krimi zu erwartenden Spannung und vielen geschichtlichen Hintergrundinformationen auch noch einen sehr hohen Unterhaltungswert hat!

Bewertung vom 03.07.2022
Es frisst!
Siemer, Nicole

Es frisst!


ausgezeichnet

Die Dämonen sind näher als wir denken und es uns wünschen

Nicole Siemers 288 Seiten starker Psycho-Horror-Roman erzählt die Geschichte einer kleinen dreiköpfigen Familie, die von einem Moment auf den anderen durch den Fenstersturz des Ehemannes auseinandergerissen wird. Auf der eigenmächtigen Suche der Ehefrau, Inka, nach dem Grund für diesen Tod des Mannes, Peter, erfahren die Leser/innen viele Geheimnisse und bereits erfolgte Schicksalsschläge rund um Inka, Peter und ihren Sohn Elian. Dabei stößt Inka auf immer mehr unerklärliche Todesfälle, die bis heute ungelöst und rätselhaft erscheinen. Wird Inka für den Tod ihres Mannes am Ende eine Erklärung erhalten?

Der Schreibstil von Nicole Siemer ist herrlich fliessend, an den entsprechenden Stellen sehr detailiert und wunderbar bildgewaltig. Die einzelnen, für den "Feierabend"-Leser, überschaubaren Charaktere sind sehr gefühlsbetont und nachvollziehbar menschlich beschrieben. Die Leser/innen erleben Trauer, Wut, Entschlossenheit und seelischen Überlebenskampf hautnah mit.

Das Cover, auf dem auf einem grau-schwarzen Hintergrund eine dieser lästigen mit grünlichem leuchtenden Laib abgebildet ist, erzeugt sofort die entsprechende Neugier gepaart mit einem gewissen Ekel.

Mein Fazit:

"Es frisst" ist ein Fest für das gruselgeneigte Kopfkino ohne auf grosse Blutlachen oder Kampfszenen zurückgreifen zu müssen und regt dadurch gekonnt die eigene Phantasie an und dass sogar beinahe unterschwellig. Ein Psycho-Horror, den ich allen Grusel und Horror liebenden Leser/innen, die es lieben, tief in die menschlichen Seelen und Abgründe vorzustossen nur wärmstens empfehlen kann.

Bewertung vom 05.06.2022
Leichdorf
Rauh, Wolfgang

Leichdorf


ausgezeichnet

Horrorroman gespickt mit Schockelementen und wunderbarem Humor

Wolfgang Rauhs 452 Seiten starker Roman "Leichdorf" bleibt nach der Lektüre garantiert im Kopf für eine längere Zeit haften.

Bereits das skurril gestaltete Cover, welches einen Gesichtsausschnitt aus Jute mit seltsam starren Augen zeigt, erzeugt sofort eine erste Gänsehaut und erhöht die Erwartung auf eine gruselige Geschichte, der die Story dann in jedem Fall auch gerecht wird.

In einem kleinen Dorf, wo im Grunde jeder jeden kennt, treibt ein Serienmörder sein Unwesen, indem er seine Opfer nicht nur tötet, sondern auch noch häutet. Als er nach einem Autounfall die Frau seines Opfers gefangen nimmt und auch erste Bewohner der überschaubaren Gemeinde betroffen sind, eskaliert die Situation.

Nachdem uns der Autor zunächst über die ersten Seiten des Romans das Dorf, dessen Geschichte und die wichtigsten Bewohner vorstellt, gelingt es ihm sogleich einen ,im wahrsten Sinne des Wortes, irren Spannungsbogen aufzubauen, der uns bis zum Ende des Buches begleiten und nicht loslassen wird. Durch einige beinahe romantisch wirkende Phasen, in denen die zwischenmenschlichen Aspekte der Protagonisten, zum Tragen kommen und mit wunderbaren humorigen Passagen, hat der/ die Leser/in zwischenzeitlich immer mal wieder eine Auszeit, um sich von dem Horror und den Wahnvorstellungen zu erholen. Da diese jedoch erfreulicherweise in passender Kürze auftreten, tragen sie sogar zur erhöhten Spannung bei.

Mein Fazit: "Leichdorf" ist ein Ort, den die Liebhaber/innen von Romanen mit Horrorfaktor, Charakterstudien und einer herrlichen und willkommenen Prise Humor, unbedingt in Form einer Lektüre besuchen müssen, ansonsten besser in jedem Fall in Persona meiden sollten.

Unbedingt lesen!

Bewertung vom 23.04.2022
Kaltherz
Faber, Henri

Kaltherz


ausgezeichnet

Kaltes Herz, das erbarmungslosen kalten Schweiß erzeugt!

"Kaltherz" von Henri Faber erzählt eine vermeintlich altbekannte Schreckensgeschichte aller Eltern: Für einen Moment läßt die Mutter ihre Tochter aus den Augen, um eine Toilette aufzusuchen, und als sie zurückkommt ist die Tochter spurlos verschwunden.
Wie Henri Faber jedoch die Story aufbaut und entwickelt, ist geradezu brilliant.

Die Suche nach dem verschwundenen Mädchen wird aus vier verschiedenen Perspektiven beschrieben. Es dauert eine Weile, bis die Leser/innen die Namen zugeordnet haben. Dann jedoch entwickelt der Autor einen unglaublichen Spannungsbogen, der einen nicht mehr losläßt. Durch die Sichtweisen von der Kommissarin Kim Lansky, einem kleinen Mädchen mit Namen Marie, der Mutter Clara und ihrem Mann Jakob, ist der/ die Leser/in stets mitten im Geschehen und kann sowohl die Not der Eltern hautnah nachempfinden als auch die Ängste des Kindes und die aufkommende Verzweiflung und Ratlosigkeit der Kommissarin, je länger die Suche dauert.
Durch den ständigen Wechsel wird neben der permanenten Spannungssteigerung auch noch eine grpße Authenzität der Protagonisten erzeugt. Zwischendurch schwanken häufig Sympathie, Unverständnis bis zur Abneigung hauptsächlich bei der Sichtweise der Eltern.

Hervorragend setzt Henri Faber falsche Fährten und neue Details aus der Vergangenheit des Ehepaares ein. Immer wenn man denkt, Kim Lansky ist dem Ziel wieder ein Stück näher gekommen, tauchen neue Fragen und Irritationen auf und die Suche scheint von vorne zu beginnen.

Mein Fazit:
"Kaltherz" läßt uns beim Lesen durch einen permanenten Wechsel zwischen Hoffnung, Verzweiflung und Niedergeschlagenheit den eiskalten Schweiß ausbrechen. Dem Autor gelingt es sehr gekonnt, die Phantasie der Leser/innen derart anzuregen, dass sie dem Mädchen am liebsten selber zu Hilfe eilen möchten. Insbesondere dadurch, dass bei jedem Perspektivwechsel Wochentag, Datum und Uhrzeit mit angegeben werden, wird der Druck noch zusätzlich gewaltig erhöht. Ein Cover, auf welchem ein vergittertes Fenster in schlichten Grautönen dargestellt ist, hinter dem der Buchtitel in großen Lettern zu sehen ist, schüren das Gefühl der Angst und der Ausweglosigkeit noch zusätzlich.
Für alle Thrillerliebhaber/innen, die bis zum Ende völlig ahnungslos bleiben und den spannenden Nervenkitzel mögen, kann ich dieses Buch unbedingt empfehlen.

Bewertung vom 06.04.2022
Ostseekreuz / Pia Korittki Bd.17
Almstädt, Eva

Ostseekreuz / Pia Korittki Bd.17


sehr gut

Verhinderte Erholung im Kloster des Verbrechens

"Ostseekreuz" von Eva Almstädt ist der mittlerweile 17. Fall der Kommissarin Pia Korritki, der sich nahtlos an den 16. Fall anschließt.
Pia möchte in einem Kloster an der Ostsee die traumatischen Erlebnisse ihrer eigenen Entführung verarbeiten, neue Kraft schöpfen und wieder zur Ruhe kommen. Doch kaum hat sie ihr Zimmer bezogen und sowohl die ersten Mönche und die anderen Klostergäste kennengelernt, wird ein ermordeter Mönch in einer Kirchenbank entdeckt. Als ihr damaliger Entführer auch noch aus seiner Haftanstalt entkommen kann, wird schnell klar, dass Pia nicht die Ruhe finden wird, die sie sich erhofft hatte, sondern dieses Mal undercover mit der zuständigen Polizei ermitteln wird.

Der 414 Seiten starke Krimi wird dieses Mal in zwei Handlungssträngen erzählt.
Die eine Handlung beschreibt Pias Undercover-Fahndung und Mithilfe in der Mordsache von Bruder Zacharias. Parallel dazu versucht ihr Freund, Marten Unruh, den entflohenen Alfred Lohse zu fassen und zurück ins Gefängnis zu bringen.
Nach einem zunächst etwas ungewohnt sehr ruhigen Start nimmt der Krimi dann doch sehr schnell Fahrt auf und erzeugt - nicht nur durch den ständigen Wechsel zwischen den beiden Ermittlungen - die gewünschte Spannung. Eva Almstädts Schreibstil überzeugt erneut durch seine klaren Darstellungen. Egal ob Personen oder Landschaften beschrieben werden, so erzeugt die Autorin stets klare Bilder, die die Leser/innen mit ins Geschehen einbinden und Teil der Erzählung werden lassen. Eva Almstädts Protagonisten sind dabei keine fiktiven Übermenschen, sondern haben ihre Ecken und Kanten und sind sehr glaubhaft und authentisch beschrieben.
Im Finale werden alle Fäden überzeugend zusammengeführt und präsentieren eine klare Lösung.

Mein Fazit:
Trotz eines etwas holprigen Beginns liefert Eva Almstädt eine gelungene Fortsetzung und durch die Undercover-Teilnahme ihrer Hauptprotagonistin, Pia Korritki, eine willkommene Abwechslung in der Reihe.
Ein persönliches gestaltetes Nachwort und eine Übersichtskarte des Klosters runden das Lesevergnügen wunderbar ab.
Ich werde dieser sehr menschlichen und charmanten Kommissarin weiterhin die Treue halten und kann allen Krimiliebhabern, die zudem das Lokalkolorit der Ostsee lieben, Pias 17. Fall nur wärmstens empfehlen.

Bewertung vom 14.03.2022
Lange Krallen (eBook, ePUB)
Witt, Sylvia; Uschmann, Oliver

Lange Krallen (eBook, ePUB)


sehr gut

Ein etwas anderes Ermittlerduo auf Spurensuche

Schon das Cover von dem Jugendroman "Lange Krallen" des Autorenduos Oliver Uschmann und Sylvia Witt weckt das Interesse der jungen Leser/innen.
Schön dunkel gehalten mit unseren beiden Helden Leonie und ihrem Kater Bobby in Front und den seltsamen Nachbarn im Hintergrund erzeugt gleich die nötige Spannung.
Bei Leonie und ihren Eltern zieht eine bis dahin unbekannte Familie in der direkten Nachbarschaft ein. Leonies Kater Bobby sind die drei Bewohner gleich suspekt, welches er durch ein hundeähnliches Knurren verlauten läßt. Als dann bei dem "Dorfadel" eingebrochen wird, ergreifen Leonie und ihr Kater die Initiative und machen sich auf intensive Spurensuche, um den oder die Einbrecher ausfindig zu machen.

Den Autoren gelingt es auch gleich nach einer kurzen Vorstellung der Hauptakteure, der Dorfgemeinschaft und der neuen Nachbarn mit viel Humor und Witz einen Spannungsbogen ab Kapitel 3 aufzubauen.
Die Figuren werden sehr authentisch beschrieben, so dass man sich gleich in Leonie hineinversetzen kann, wenn sie mit Oskar, dem Nachbarsjungen erste Dialoge führt und ihm sein etwas angeberisches Gehabe auf die Nerven geht.
Die Kapitel sind angenehm kurz gehalten und die Schrift in einer harmonischen Größe, um den jungen Leser/innen die Freude am Lesen auch dadurch auch noch zu erhalten.
Zahlreiche comic-ähnliche Illustrationen von Timo Grubing und ein interessantes Ende runden den mit 115 Seiten eher kurz gehaltenen Jugendroman wunderbar ab.
Einziger Kritikpunkt: Ich hätte mir auch für einen Jugendroman etwas mehr Spannung gewünscht.
Fazit:
Für das kurzweilige Lesevergnügen eines mit viel Witz und Humor gespickten Jugendromans kann ich das Buch sehr empfehlen.

Bewertung vom 27.02.2022
Mrs Agatha Christie / Starke Frauen im Schatten der Weltgeschichte Bd.3
Benedict, Marie

Mrs Agatha Christie / Starke Frauen im Schatten der Weltgeschichte Bd.3


ausgezeichnet

Kriminalistischer Einblick in das Leben einer weltbekannten Krimiautorin

"Mrs Agatha Christie" ist nicht nur der Titel des Romans von Marie Benedict, sondern offenbart uns sofort eine der beiden Hauptprotagonisten. Den Gegenpart übernimmt Christies erster Ehemann Archibald Christie, Pilot der Royal Air Force.
Die Autorin erzählt uns in ihrem Roman im stetem Wechsel zwischen den Kapiteln, die mit dem Titel Manuskript und den anderen Kapiteln, die mit den Tagen nach Agatha Christies Verschwinden überschrieben sind. Im Manuskript beginnt die Geschichte mit dem ersten Kennenlernen des zukünftigen Ehepaares im Jahre 1912 und die anderen Kapitel behandeln die Zeit vom 04.12.1926 bis 14.12.1926. Aufgrund ihrer Bekanntheit wird sofort die Polizei eingeschaltet, die schnell Archie (Archibald) auf die Liste der Hauptverdächtigen setzt, da sie auch einen Mord nicht ausschließen kann.

Obgleich den meisten Lesern bekannt ist, dass Agatha Christie sehr alt geworden ist, erreicht die Autorin durch dieses Stilmittel des permanenten Wechsels einen sehr gut gestalteten Spannungsbogen, der sich durch den kompletten Roman hindurchzieht. Stetig fragt man sich, was mag damals während dieser 11 Tage des Verschwindens von Agatha Christie tatsächlich passiert sein. Durch die Kapitel des Manuskriptes wird die Suche nach ihr zwar dauernd unterbrochen, jedoch erhalten die Leser/innen hier neben zahlreichen interessanten Details aus Christies jungen Ehealltag und ersten schriftstellerischen Versuchen und Erfolgen auch sehr gut plazierte Hinweise, was mit ihr passiert sein könnte. Marie Benedict lässt uns somit an der Suche konkret teilnehmen!

Bis zum Ende des Romans bleibt das Verschwinden nahezu ungeklärt und überrascht dann mit einem unerwarteten und klug konstruiertem Finale.
Allen, die die Krimis von Agatha Christie lieben und dazu noch mehr über ihre Biographie unterhaltsam wissen möchten, kann ich "Mrs Agatha Christie" nur wärmstens empfehlen.

Bewertung vom 27.02.2022
Ein Präsident verschwindet / Philipp Gerber Bd.2
Langroth, Ralf

Ein Präsident verschwindet / Philipp Gerber Bd.2


ausgezeichnet

Junge deutsche Geschichte im spannenden Polit-Thriller-Gewand

Schon das das düstere in einem fahlen, kalten und künstlich blaugrün gestaltete Cover des Thrillers "Ein Präsident verschwindet" von Ralf Langroth weckt ungute Erinnerungen an das geteilte Berlin im Jahre 1954.
Ein Mann, Verfassungsschutzpräsident Otto John, der eigentlich für die westdeutsche Sicherheit sorgen soll, verschwindet urplötzlich von der Bildfläche und wird ausgerechnet in Ost-Berlin wieder entdeckt. Altkanzler Konrad Adenauer beauftragt daraufhin Philipp Gerber, einen jungen Kommissar, der Sache auf den Grund zu gehen, um zu verhindern, dass im schlimmsten Fall John westdeutsche Internas preisgibt.

Ralf Langroth nimmt uns mit nach Berlin, durch das um 1954 deutsche Bürger, sowohl aus Ost- wie auch aus West-Berlin die Grenze noch lediglich durch Grenzkontrollen passieren konnten. Es gelingt ihm von Beginn des Thrillers an, einen stetig steigernden Spannungsbogen aufzubauen, der seine Brisanz nicht nur durch das Verschwinden von Otto John erhält, sondern vielmehr getragen wird durch das gemeinsame Interesse von Ost und West an diesem Mann und seiner weiblichen Begleitung: Journalsiten Eva Herden, eher ostfreundlich orientiert und ausgerechnet die Freundin von Philipp Gerber. Somit bedient der Autor nicht nur den Wunsch nach Spannung und Thrill, sondern auch das Gefühlschaos der Protagonisten und damit auch der Leserschaft.

Die Figuren des Thrillers sind sehr authentisch dargestellt, so dass es den Lesern zum Teil schwerfällt zwischen Fiktion und historischer Realität zu unterscheiden. Genau das macht dieses Buch aber so lesenswert.

Mein Fazit:
"Ein Präsident verschwindet" ist eine sehr gelungene Komposition zwischen spannendem Spionagethriller und deutscher belegter Geschichte. Durch sehr authentisch präsentierte Protagonisten - hervorgehoben seien hier nur exemplarisch der wunderbar rheinische Dialekt des Bundeskanzlers und die französischen Einwürfe des Gegenspielers Walter Dorst aus seiner Zeit in der Fremdenlegion - erweckt Ralf Langroth diese Geschichte wieder zum Leben und läßt uns bis zum Ende des Buches nicht mehr los.
Für Liebhaber von politischen Thrillern und deutscher Geschichte ein absolutes Muß.

Bewertung vom 27.02.2022
Die Schule der Felidix / Mitternachtskatzen Bd.1
Laban, Barbara

Die Schule der Felidix / Mitternachtskatzen Bd.1


ausgezeichnet

Spannender Machtkampf im Katzenkönigreich

Die "Mitternachtskatzen" von Barbara Laban ist ein spannendes Abenteuer über den Machtkampf zweier Katzen um die Krone des Katzenkönigreiches von England in London. Um die neue Königin von England zu werden, nimmt die Katze Penelope die amtierende Königin Quinn mit Hilfe ihrer Anhänger gefangen. Die Leibgarde der Königin, die Mitternachtskatzen, werden nach und nach von Penelope ebenfalls außer Gefecht gesetzt. Nova und Henry, die die Schule der Felidix - Menschen, die sich mit Katzen unterhalten können - besuchen, werden nun gebeten, mit Hilfe der noch verbliebenden Mitternachts- und der Straßenkatzen von London, Königin Quinn zu befreien, um die Machtübernahme von Penelope zu verhindern.

Die Protagonisten in Katzen- als auch in Menschengestalt werden von Barbara Laban sehr schön und detailliert beschrieben. Zum Teil haben mich die Katzen an die Aristocats von Disney erinnert. Die Leser werden von der Autorin sofort mit in die Suche nach Königin Quinn integriert, so daß sie permanent auf dem Katzensprung sind, um aktiv an der Befreiung mitzuwirken. Die beiden Jugendlichen, die Schülerin Nova und der Schüler Henry sind auf Anhieb sehr sympathisch dargestellt und wachsen mit Fortschritt des Abenteuers zu wahrhaften Helden heran, die aber auch ihre verletzlichen Seiten haben.

Auch London haben die Leser stets bildhaft vor dem Auge, auch wenn die Autorin uns mit zu Örtlichkeiten der Weltstadt mitnimmt, wo mit größter Wahrscheinlichkeit noch niemand von uns gewesen ist und auch nicht unbedingt sein möchte.

Die "Mitternachtskatzen" ist ein sehr gelungener Abenteuerroman, der neben Spaß und Spannung auch Wissenswertes über die verschiedenen Katzen vermittelt und uns in eine Phantasiewelt mitnimmt, die es schwerfällt nach Ende des Buches wieder zu verlassen. Allen jugendlichen Lesern/ Leserinnen, die phantasievolle Abenteuer-, Detektiv- und Kriminalgeschichten lieben, seien "Die Mitternachtskatzen" von Barbara Laban sehr ans Herz gelegt. Ein sehr schönes Katzenportrait vor jedem Kapitel, die im übrigen in angenehmer Kürze geschrieben sind, und liebevoll gezeichnete Illustrationen von Jérôme Pélissier runden das Lesevergnügen gekonnt ab.
Ich bin schon sehr gespannt, was uns in Band 2 dann erwartet!