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Benutzername: kathiduck
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Bewertungen

Insgesamt 40 Bewertungen
Bewertung vom 29.10.2017
Sechs mal zwei / Berger & Blom Bd.2
Dahl, Arne

Sechs mal zwei / Berger & Blom Bd.2


ausgezeichnet

Alles beginnt mit einem Brief, der in einem Zustand vollkommender Verzweiflung und Paranoia geschrieben wurde. Adressiert ist er an Desiré Rosenqvist von der Stockholmer Polizei, die prompt ihren ehemaligen Kollegen Sam Berger kontaktiert, da der Brief Details eines ihrer alten Mordfälle enthält, die nur der Mörder selbst oder eine ihm vertraute Person kennen kann. Sam bricht sogleich mit Molly Blom in den schwedischen Norden auf, um die Verfasserin des Briefes zu finden und mit ihr zu sprechen. Allerdings scheint sie jemand mit allen Mitteln davon abhalten zu wollen. Hinzu kommt ein weiteres Problem für Sam und Molly: Nach ihren Enthüllungen des letzten Falls werden sie vom schwedischen Geheimdienst verfolgt.

Der Auftakt von Arne Dahls neuer Krimireihe mit den Protagonisten Sam Berger und Molly Blom war mit Abstand der beste Kriminalroman, den ich letztes Jahr gelesen habe, denn er brillierte mit einer fesselnden Handlung, die mit einigen unvorhersehbaren Wendungen aufwartete sowie starken Charakteren und nicht zuletzt einem Ende, das dazu animiert unmittelbar weiterlesen zu wollen. Deshalb habe ich die Fortsetzung "Sechs mal zwei" schon sehnsüchtig erwartet und dann war es vor einigen Wochen endlich soweit: Das Buch traf druckfrisch bei mir Zuhause ein, wo ich noch am selben Abend mit dem Lesen begonnen habe. Sogleich die ersten Seiten haben mich komplett in ihren Bann gezogen, denn darauf befindet sich der oben erwähnte Brief einer Jessica Johnson, die sich direkt an Desiré - kurz Deer - und Sam wendet, da sie einen Killer in ihrem Haus vermutet. Das fesselndste an dieser Szene: der Brief endet mitten im Satz abrupt und man wird ebenso wie die Ermittler im Dunkeln gelassen, was in den darauffolgenden Minuten passiert ist. Gemeiner- und irritierenderweise zugleich findet man sich darauf an einem vollkommen anderen Schauplatz wieder, wo ein Mann vor seinen Verfolgern über ein Schneefeld flüchtet und dabei einen fahrenden Bus aufhalten will, nur um kurz darauf wieder in seinem Bett in einer psychiatrischen Einrichtung zu erwachen. Seine Erinnerungen an die letzten Wochen scheinen komplett ausradiert zu sein und ich war entsetzt, was aus dem toughen Ermittler Sam Berger geworden ist. Allerdings hat sich schon bald herausgestellt, dass Sam Berger tatsächlich im Norden Schwedens gemeinsam mit Molly Blom untergetaucht ist, wo ihn der Hilferuf von Deer erreicht, die ihn bittet zu Jessica Johnson zu fahren. Begierig zu erfahren was es denn nun mit dem Brief der ersten Seiten auf sich hatte, habe ich die nächsten Passagen förmlich verschlungen. Arne Dahls geschicktes Spiel mit Sprache und Perspektive, mit Schein und Sein, begleitet den Lesern auf den kommenden Seiten, führt ihn oftmals vollkommen in die Irre, nur um den Sachverhalt danach genial aufzulösen. Abermals bestechen die stark ausgearbeiteten Charaktere, zu denen sich neben Molly Blom, Sam Berger und Desiré Rosenqvist, die dieses Mal eine größere Rolle einnimmt als in dem vorherigen Band, ein Psychopath gesellt, dessen Gedankengänge und Handlungen abstoßend brutal und entsetzlich sind. In Sachen Psychofaktor setzt Arne Dahl mit "Sechs mal zwei" somit noch einen drauf, weshalb das Buch eindeutig nicht für Menschen mit schwachen Nerven geeignet ist, sogleich aber auch die Erwartungen für die geplante Fortsetzung erhöht.

Bewertung vom 29.10.2017
Die Letzten
Prahs, Madeleine

Die Letzten


ausgezeichnet

Ein schon etwas in die Jahre gekommenes Wohnhaus in der Hebelstraße 13. Es gibt noch drei verbliebene Mieter, die sich nicht leiden können. Das sind die Teilzeitstudentin Jersey, die sämtlichen Formen von Genussmitteln nicht abgeneigt ist, die lebensmüde, ehemalige Lehrerin Elisabeth Buttkies und Karl Kramer, der als Hausmeister fungiert. Als sie der neue Eigentümer zwecks Sanierung loswerden will, schließen sie sich zusammen, um dagegen anzukämpfen. Doch, ohne dass die Drei es bemerken, naht Hilfe von ganz anderer Seite...

Angesprochen durch das außergewöhnliche Cover und den Titel bin ich nach dem Klappentext neugierig auf dieses Buch geworden. Die Leseprobe hat mich dann endgültig überzeugt diesen Roman unbedingt zu lesen. Die Begeisterung hält auch noch an, obwohl ich die letzte Seite beendet habe. Warum ist das so? Ganz einfach, der Autorin ist ein bewegendes Spiegelbild unserer Zeit gelungen. Ihre Geschichte ist gesellschaftskritisch und authentisch, kurzum einfach schön zu lesen.

Madeleine Prahs sieht ganz genau hin und bringt ihre Beobachtungen ohne Umschweife klar und prägnant direkt zu Papier. Das gilt auch für alle ihrer Charaktere - also nicht nur für Jersey, Elisabeth Buttkies und Karl Kramer. Man kann sie sich sofort bildlich vorstellen, so lebensnah sind sie beschrieben. Mal tragisch, skurril, dann wieder komisch, klasse.

"Die Letzten" habe ich auch deshalb so gerne gelesen, weil ich begeistert von der tollen Sprache der Autorin bin. Ihre Sätze perlen leicht und locker dahin. Etwas ganz Besonders ist für mich die Einbeziehung des Wohnhauses Hebelstraße 13 selbst als Erzähler, denn seine Gedanken und Beobachtungen sind hinreißend zu lesen. Eine ordentliche Portion schwarzer Humor spitzt hinter den Zeilen hervor und rundet das Lesevergnügen hervorragend ab. Absolut zu empfehlen! Es lohnt sich!

Bewertung vom 10.12.2016
Harry und der Tod am Regenberg
Kahn, C. Harry

Harry und der Tod am Regenberg


ausgezeichnet

Auf dem alltäglichen Spaziergang des Fotografen John Watson mit seinem Terrier Harry im kanadischen Vancouver, wo die Vorbereitungen für die Olympischen Winterspiele 2010 auf Hochtouren laufen, findet Harry eine Leiche. Wider Erwarten wird sein Herrchen zum persönlichen Berater der Polizei und zum Helfer eines semiseriösen Filmproduzenten, der ihm eine Menge Geld schuldet, wodurch Harry und Watson bald tiefer in dem turbulenten Fall stecken, als sie anfänglich dachten. Dabei sind sie jedoch nicht alleine, denn sie erhalten tatkräftige Unterstützung von Inspector Philip Marlowe, der hübschen Assistentin Sally und dem ortskundigen Squamish-Indianer Andrew Black Eagle. Alle Hinweise führen zu einem Naturschutzgebiet rund um den Regenberg und einer dubiosen Baufirma, die im wahrsten Sinne des Wortes über Leichen geht.

Selten fiel es mir so leicht fünf Sterne zu vergeben wie für den außergewöhnlichen Kanada-Krimi "Harry und der Tod am Regenberg". Schon die ersten paar Sätze haben mich zum Lachen gebracht und ich war mir bereits zu diesem Zeitpunkt sicher, dass ich diesem Buch nur die Höchstpunktzahl gegen kann, wie sich mit jeder Seite zunehmend bestätigt hat. So beginnt es mit "Harry ist ein Hund. Im landläufigen Sinne würde man ihn wohl kaum als solchen bezeichnen. Ich habe schon Katzen gesehen, die größer waren." (S.5), was ich irrsinnig komisch fand, zudem der Ich-Erzähler in Form des Fotografen John Watson seinen "Katzen-Hund" darauf ausführlich beschreibt und man den Eindruck bekommt, dabei handele es sich um einen waschechten Menschen. Dass er allerdings tatsächlich ein Hund ist, hat einige Vorteile, denn er findet nicht nur eine sondern gleich mehrere Leichen. Durch den Leichenfund einer Fotografin geraten Watson und Harry mitten in die Ermittlungsarbeiten der Polizei und helfen dieser entscheidend weiter, da ihnen Watson aufgrund seiner Fotografiekenntnisse wertvolle Informationen liefern kann. Hierbei war es außerdem sehr erfrischend, dass Inspector Philip Marlowe tatsächlich etwas von seinem Handwerk versteht wie auch der Rest seines Teams und nicht der Hobbyermittler alles besser weiß, wie es in so vielen anderen Krimis der Fall ist. Dieses Buch hat für mich viele Highlights, doch die herrlichen Charaktere, die unglaublich viel Charme versprühen und nur so vor Authentizität strotzen, sind unübertrefflich. Ich hatte John Watson mit seinem langen Mantel und dem Kameraequipment, Harry in der Tasche, bildlich vor Augen, wie er auf dem Regenberg steht, neben ihm seine hübsche Assistentin Sally und der ortskundige Squamish-Indianer Andy, im Wortgefecht mit der Chinesen-Bauherren-Mafia. Auf den ersten Blick wirkt diese Szenerie ziemlich amüsant, doch darunter verbirgt sich auch eine Sozialkritik, welche sich im Konflikt zwischen den Ureinwohnern und der dubiosen Baufirma ob der Nutzung eines Naturschutzgebietes für die Errichtung des Olympischen Dorfes widerspiegelt. Ein weiterer Pluspunktes des Buches ist der stets vorhandene ironische Unterton, bei dem ich an vielen Stellen Tränen vor Lachen in den Augen hatte, wie beispielsweise als Watson und Harry von Handlangern der chinesischen Baufirma entführt werden. Anstatt vor Schreck genau deren Befehle zu befolgen, fragt der Fotograf allen Ernstes "Ist das Ding echt?" (S.61) und greift danach. Einfach genial dieser Watson! Zudem nimmt er die gesamte Krimi- und Agentenwelt, wie wir sie tagein tagaus in Film und Fernsehen vorgesetzt bekommen, aufs Korn. Auch wenn "Harry und der Tod am Regenberg" hauptsächlich mit dem unnachahmlichen Humor sowie den außergewöhnlichen Charakteren brilliert, kommt die Spannung nicht zu kurz, denn die Geschichte endet mit James-Bond ähnlichen Action-Sequenzen in einem originellem Plot. Dieses Buch ist wirklich ein Beispiel dafür, dass ein Krimi auch ohne Blutvergießen grandios sein kann, weshalb ich dieses kleine Meisterwerk eines humorvollen Krimis absolut empfehlen kann!

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 07.12.2016
Sieben minus eins / Berger & Blom Bd.1
Dahl, Arne

Sieben minus eins / Berger & Blom Bd.1


ausgezeichnet

Als Kriminalkommissar Sam Berger den vermeintlichen Tatort verlässt, ein labyrinthisches Kellerverlies, ist er felsenfest davon überzeugt, dass es sich im Falle der verschwundenen 15-Jährigen um keinen Einzelfall handelt. Doch seine These eines Serienmörders, der sein Unwesen in der Umgebung treibt und junge Frauen entführt, kommt nicht besonders gut an, vor allem sein Chef Allan hat wenig Verständnis dafür und droht ihm mit der Kündigung. Berger jedoch gibt nicht auf und entdeckt bald schwerwiegende Hinweise, deren Bedeutung nur er erkennt, denn der Täter scheint ihn nur allzu gut zu kennen. Eine lange verloren geglaubte Erinnerung bahnt sich ihren Weg an die Oberfläche und hält Sam Berger vor Augen, wie eng die brutalen Verbrechen mit seiner eigenen Vergangenheit zusammenhängen. Aber als er diese Kausalität erkennt, ist es bereits zu spät, die Kontrolle hat schon lange ein anderer.

"Sieben minus eins" ist mir bei den Neuerscheinungen direkt ins Auge gefallen, weshalb ich mich natürlich umso mehr gefreut habe, als ich es endlich in den Händen hielt und lesen konnte. Dieses Buch hat mich sogleich gefesselt, in eine abgrundtiefe Welt voller psychologischer Raffinesse entführt und noch lange nicht losgelassen, weshalb es fünf Sterne bekommt. Sehr imponiert hat mir gleich zu Beginn der unmittelbare Einstieg in die Handlung. Man befand sich sogleich an der Seite von Kriminalkommissar Sam Berger, der sich mit seinem Team einer scheinbar verlassenen Hütte näherte. Bereits in diesen ersten Momenten konnte man die Spannung und das Grauen förmlich am ganzen Körper spüren, denn der Schreibstil Arne Dahls legt die Situation unglaublich authentisch dar. Diese sprachliche Fingerfertigkeit zeigt sich während des Lesens zunehmend, denn dem Autor gelingt es spielend, den Leser auf falsche Fährten zu locken und mit wenigen Worten eine Reaktion zu provozieren, die alles bis dahin Erfahrene in einem anderen Licht erscheinen lässt. Erst noch Komplizin des Mörders, im nächsten Moment verdeckte Ermittlerin. Das ist Molly Bloom, hübsch, talentiert und hochintelligent. Gemeinsam mit Sam Berger begibt sie sich auf eine Reise in die gemeinsame Vergangenheit und rückt dem Täter so gefährlich nahe. Alles begann mit einer Uhr, was sich jedoch erst zunehmend herauskristallisiert. Jenes Uhrenmotiv zieht sich in unterschiedlichen Facetten durch das gesamte Buch und taucht mal in Form der kondensierenden Tropfen in der Armbanduhr des Kriminalkommissars mal in Gestalt winziger Zahnrädchen auf, die am Tatort deponiert wurden. Gerade das stetige Anspielen auf die Uhren-Kausalität und die permanente unterschwellig spürbare Anwesenheit des Täters erzeugte bei mir Nervenkitzel pur. Mit jeder neuen Seite tut sich zudem ein neuer Gedanke oder Verdacht auf, der sich wie ein Parasit im Gehirn festsetzt und dort das unerhörte Grauen sät, welches sich mit exponentiell zunehmender Geschwindigkeit ausbreitet und für Gänsehaut am ganzen Körper sorgt. Aus diesem Grund hat es mich ehrlich gesagt auch ziemlich gewundert, dass die Handlung nicht in ein explosives Inferno gipfelt, sondern beinahe zu glatt abläuft. Ich hatte mich gerade mit diesem kleinen Schönheitsfehler abgefunden. Doch dann kam diese eine letzte Seite. Eine weitere unglaubliche Wendung in dem nicht endenden Spiel mit der Psyche des Lesers, welcher sich zwischen Realität und Imagination hin und hergerissen sieht. Dabei darf man jedoch nie den Handlungszeitraum des Buches vergessen, denn die gesamte Geschichte erstreckt sich gerade einmal über zwei Wochen und trotzdem wird man von Arne Dahl durch die Seiten gejagt, denn eins ist bei "Sieben minus eins" garantiert: Diesen Thriller kann man nicht mehr aus der Hand legen, denn der wie ein Schweizer-Uhrwerk funktionierende Plot mit zahlreichen abgründigen Wendungen sowie die ausdrucksstarken Charaktere und die unleugbare Spannung lassen keine Gelegenheit dazu.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 05.12.2016
Muffins und Marzipan. Vom großen Glück auf den zweiten Blick
Martin, Marta; Gerstenberger, Stefanie

Muffins und Marzipan. Vom großen Glück auf den zweiten Blick


sehr gut

Nach dem überraschenden Tod ihres Vaters musste Ella Ellerbrake Hals über Kopf mit ihrer Mutter und dem etwas seltsamen Hund Ewan von Köln nach München ziehen. Zwei Jahre später hat sie sich dort immer noch nicht eingelebt und das Verhältnis zu ihrer depressiven Mutter wird auch nicht gerade besser. Dann taucht plötzlich Familienhund Ewan in der Schule auf und spricht nicht nur zu ihr, sondern lotst sie auch direkt zu einem Casting für einen großen Kinofilm, wo sie für die Hauptrolle gecastet wird. Am Filmdreh blüht Ella richtiggehend auf, alle am Set sind wie eine große Familie für sie und da wäre noch der süße Jeremy, in den sie sich verguckt hat. Allerdings führt das noch lange nicht zum Happy End, denn Ella vermisst ihren Vater immer noch schrecklich und möchte mit ihrer Mutter endlich wieder eine Familie werden, doch dafür muss sie erst einmal das Rätsel um dessen Tod lösen.

"Muffins und Marzipan - Vom großen Glück auf den zweiten Blick" ist ein witziger Jugendroman, bei dem auch ernstere Seiten angeschlagen werden, der von mir vier Sterne bekommt. Es dauerte nicht lange, dann war ich bereits Teil der Geschichte und habe Ella zum Filmdreh begleitet und bin ich auch sonst überallhin gefolgt, manchmal bereitwilliger mal etwas weniger. Sehr positiv waren hierbei in meinen Augen die tiefen Einblicke hinter die Kulissen eines Filmdrehs, welche der gesamten Szenerie Authentizität verleihen und den Leser ganz nah an ein echtes Set heranbringen. An einigen Stellen hatte ich wirklich das Gefühl nur den Arm ausstrecken zu müssen, um in diese Welt einzutauchen. Mein absolutes Highlight war aber dennoch etwas beziehungsweise jemand anderes: Familienhund Ewan. Zunächst einmal ist die Idee, einen Hund sprechen zu lassen, alleine schon klasse, aber die Art wie Ewan alles trocken kommentiert ist einmalig. Mit seinem ungewöhnlichen Humor hat er mich an einen brummeligen Schotten erinnert, wie ich ihn mir vorstelle, nur eben in Hundeform, der mich im Laufe der Geschichte mehrmals zum Lachen gebracht hat. Für Ella hingegen ist er ein Rettungsanker, denn auch nach zwei Jahren ist die Wunde, die der Tod ihres Vaters in ihre Brust gerissen hat, noch nicht verheilt. An dieser Stelle kommt nun Ewan ins Spiel, auch wenn er zunächst nur fies zu Ella zu sein scheint, gibt er ihr doch Hoffnung, dass sie ihr Glück finden wird und das sogar schon bald. Hierbei zeigt sich der wechselseitige Charakter der Geschichte, der mir persönlich sehr zugesagt hat. Auf der einen Seite gibt es die fluffige Rosa-Zuckerwatte-Teeniewelt, in der alles toll, locker sowie einfach ist und Ella sich mit Haut und Haaren in Jeremy verliebt, auf der anderen jedoch verdichten sich die familiären Probleme in Form von düsteren Gewitterwolken immer mehr. Größtenteils meistert Ella diese Situationen auch dank der Unterstützung ihrer neuen Freundin Fiona und Hund Ewan mit Bravour, aber manchmal hätte ich sie gerne eine Runde durchgeschüttelt, denn ihre beinahe grenzenlose Naivität ist mir einige Male dermaßen auf die Nerven gegangen. Generell fordert Ella sehr viel von ihren Mitmenschen, jeder muss sich immer ihren Vorstellungen entsprechend verhalten und vielleicht ist das in gewisser Weise auch der Ursprung der familiären Probleme gewesen, denn Ella verlangt von ihrer Mutter den Alltag wie bisher weiterzuleben ohne sich auch nur ansatzweise für deren Trauer ob des Todes ihres Mannes zu interessieren. Doch dieser Kritikpunkt nur am Rande, insgesamt ist es wirklich ein tolles Buch, das ich jedem ab einem Alter von zwölf Jahren empfehlen kann. Auf den ersten Blick handelt es sich bei "Muffins und Marzipan" um eine locker leichte Teeniegeschichte über das Erwachsenwerden in all seinen Facetten mit einem Hauch von Ernsthaftigkeit, doch unter der Oberfläche verbirgt sich zudem eine ergreifende Geschichte über Verlust und die Kraft des Vergebens.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 25.10.2016
Der farblose Mann
Meder, Milan Johannes

Der farblose Mann


sehr gut

Im Alter von 63 Jahren blickt Christoph Schneider auf sein Leben zurück, das von Düsterkeit und Trauer geprägt war. Isoliert von seinen Mitmenschen war er lange Zeit alleine mit sich und seinen Gedanken, Begriffe wie Freiheit, Heimat, Liebe oder gar Zugehörigkeit waren für ihn nur leere Hüllen. Erst als er seine spätere Frau Sara kennenlernt, beginnt er nach und nach seinen selbst errichteten Schutzpanzer abzulegen und lässt sie schließlich in sein verwundbares und zugleich verzweifeltes Inneres blicken. Er erzählt Geschichte, die von Verrat sowie Verlust handelt und deren einsamer Held jedoch immer wieder versucht Farbe in sein Leben zu bringen, er selbst.

Es hat mich sehr gefreut, mit "Der farblose Mann" in die Lebensgeschichte Christoph Schneiders einzutauchen und den vielfältigen Wegen seiner Gefühle zu folgen, weshalb dieses kleine Büchlein von mir vier Sterne bekommt. Obgleich es nur wenige Seiten hat, 28 an der Zahl, enthält dieses Heftchen eine Geschichte, die so viel mehr aussagt als es auf den ersten Blick wirkt. Gemeinsam mit dem Protagonisten und Erzähler der Geschichte, dem 63 Jahre alten Christoph Schneider, begibt man sich auf eine Reise in die Vergangenheit, die zugleich tiefe Einblicke in die Seele eines von der dunklen Seiten des Lebens gezeichneten Menschen gibt. So sieht sich Christoph 1994 beispielsweise in Russland mit sämtlichen Auswirkungen des Krieges konfrontiert, was tiefe psychische Spuren hinterlässt. Wie eine dunkle Wolke beginnt sich das Gefühl des Verlustes in ihm auszubreiten. Das sich ankündigende Gewitter wird durch die schwierigen familiären Verhältnisse zusätzlich verstärkt, da sein Vater ihm eines Tages schonungslos eröffnet, er wäre ein Unfall gewesen und sie hätten sogar an eine Adoption gedacht. Christoph ist oftmals kurz vor dem Ertrinken und steht bereits in jungen Jahren auf der Schwelle des Todes, doch er findet immer wieder einen Weg zurück ins Leben, da er die Hoffnung nie aufgibt. Seine spätere Ehefrau Sara ist für ihn der Sonnenstrahl, der die Wolken durchbricht. Auf unglaublich berührende Art und Weise erzählt er ihr von all seiner Pein sowie den düsteren Gedanken, die er ertragen musste, doch auch seine von Erfolg gekrönten Wiederannäherungsversuche mit dem Vater auf einer gemeinsamen Japanreise enthält er ihr nicht vor. So wenige Seiten und doch so viel Inhalt, habe ich mir nach dem Beenden des Buches mehrmals gedacht. Denn Christoph thematisiert auch den ewigen Kreislauf des Lebens auf sehr eindrucksvolle Weise. "Der farblose Mann" ist ein Buch, das mit starkem sprachlichen Ausdruck von dem immerwährenden Kreislauf des Lebens erzählt, dem Leser ergreifende Einblicke in die gequälte Seele des einsamen Helden der Geschichte gibt und dadurch all jenen Hoffnung spendet, die sie dringend brauchen.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 18.09.2016
Unsterblich
Lubbadeh, Jens

Unsterblich


sehr gut

Wovon die Menschheit schon seit Jahrhunderten träumt ist endlich Wirklichkeit geworden: Unsterblichkeit ist mithilfe von Virtual-Reality-Implantaten nun für jedermann erreichbar, denn dadurch können die Menschen als perfekte Kopien für immer weiterleben. Auch bereits verstorbene Persönlichkeiten, wie etwa Marlene Dietrich, werden in die neue Welt integriert. Doch eines Tages verschwindet der weltweit gefeierte Star ohne den kleinsten Hinweis auf ihren Verbleib. Eigentlich sollte dies unmöglich sein, aber der Versicherungsagent Benjamin Kari, der sich auf die Suche nach ihrem digitalen Klon begibt, findet schon bald Dinge über die neue Welt heraus, die besser für immer verborgen geblieben wären. Damit stürzt er sich ein mörderisches Katz-und-Maus-Spiel, das für einige Beteiligte tödlich endet.

"Unsterblich" ist mir wegen des ansprechend gestalteten Covers direkt ins Auge gefallen und auch die Geschichte konnte mich begeistern, weshalb dieses Buch von mir vier Sterne bekommt. Zunächst wirkt die Welt, die in Jens Lubbadehs Debütroman skizziert wird, wie eine grandiose Erfüllung des größten Wunsches der Menschheit: die Unsterblichkeit. Doch je tiefer man in die Geschichte mit hineingezogen wird, desto offensichtlicher werden die Risse in der Fassade der perfekten Welt. Die Lebenstracker, die man zur Speicherung der Daten für die Immortalisierung benötigt, kosten ein Vermögen, weshalb sich die kleinen Leute hoch verschulden müssen und sich damit der Firma Immortal restlos ausliefern. Zudem haben die Ewigen eine Todessperre, sodass sie bei Dingen, die unmittelbar mit ihrem Tod in Zusammenhang stehen, immer ganz plötzlich das Thema wechseln. Außerdem stößt der Versicherungsagent Benjamin Kari, der auf den außergewöhnlichen Fall der verschwundenen Marlene Dietrich angesetzt wird, bei seinen Nachforschungen einige unschöne Dinge, welche die guten Absichten von Immortal in Frage stellen, da diese die Welt ganz nach ihren Wünschen zu modellieren scheinen. Benjamin Kari selbst ist ein starker Charakter, der zu Beginn der Geschichte von dem Tod seiner vor fünf Jahren verstorbenen Ehefrau Hannah geplagt wird, denn ihr Ewiger hat keinerlei Erinnerungen an ihre gemeinsamen Jahre, doch mit der Zeit heilen diese Wunden, nicht zuletzt, als er mit einer Journalistin zusammenarbeitet, die seine Nachforschungen entscheidend voranbringt. Dabei kommen Dinge ans Tageslicht, die so ungeheuerlich sind, dass es mir eiskalt den Rücken hinuntergelaufen ist, bei der Vorstellung dies wäre irgendwann keine Fiktion mehr, sondern Realität. Gesteigert wird dieses Unbehagen durch die nahezu linear ansteigende Spannung mit fulminanten Verfolgungsjagden, die in ein rasantes Finale mündet, das mir fast zu schnell ging. Auch wenn die Auflösung des Plots ein ansprechendes Ende des Thrillers darstellt, kam mir das doch ein klein wenig unrealistisch vor, denn es ist in meinen Augen doch ein sehr großer Zufall, dass genau diese Person immortalisiert wurde, obwohl sie zuvor ziemlich unbedeutend war. "Unsterblich" ist ein spannungsgeladener Thriller, der dem Leser die Verschmelzung unserer digitalisierten Gegenwartswelt schonungslos und absolut fesselnd vor Augen führt, wodurch ein kurzweiliges Lesevergnügen mit zahlreichen überraschenden Wendungen geboten wird.

Bewertung vom 24.07.2016
Hokuspokus, liebe mich
Alward, Amy

Hokuspokus, liebe mich


ausgezeichnet

"Hokuspokus, liebe mich" hat mich von der ersten Seite vollends in den Bann gezogen und meine Erwartungen bei weitem übertroffen, weshalb es von mir fünf Sterne bekommt. Dieses Buch erregte meine Aufmerksamkeit tatsächlich durch die starke Farbgebung des Covers, die meine Neugier auf den Inhalt weckte. Bei all dem pink erwartete ich eine kitschige Geschichte für Zwölfjährige, doch der Klappentext versprach eine spannende Schnitzeljagd auf der Suche nach einem Heilmittel für die vergiftete Prinzessin, die eindeutig ein älteres Zielpublikum anspricht als das Cover suggeriert. Kurz nachdem ich das Buch erhalten habe, stürzte ich mich mit großer Begeisterung auf den Inhalt, da dieser erfrischend anders klang. Die Erzählung beginnt mit einer kurzen Textpassage aus der Ich-Perspektive der Prinzessin beschrieben, welche die letzte Zutat zu ihrem Liebestrank hinzugibt, nur um darauf zu Samanthas Sichtweise zu wechseln, die mit der Inventur des kleinen Ladens der Familie beschäftigt ist. Daran sieht man bereits wie unterschiedlich die Welt der beiden ist. Die Prinzessin bekommt alles was sie will, so wirkt es zumindest auf Sam, die bei ihrem Großvater eine Lehre der Kunst der Alchemie bestreitet, da ihre Familie sich ein Studium desselben Faches an der Universität nicht leisten kann. Durch die wechselnden Perspektiven erfährt man zunehmend mehr aus den Welten beider Mädchen, wo sich schnell zeigt, dass in Evelyns ach so perfekter Welt doch nicht alles Gold ist was glänzt, denn sie steht unter einem enormen Druck, beispielsweise was eine baldige Heirat betrifft. Aus diesem Grund hat sie einen Liebestrank für ihren Angebeteten gemischt, damit dies endlich ein Ende hat, doch sie vertauscht aus Versehen die Becher und verliebt sich unsterblich in ihr Spiegelbild, was schließlich dazu führt, dass ihre Magie vollkommen außer Kontrolle gerät und das gesamte Königreich zu vernichten droht. Eine Wilde Jagd nach dem Heilelexier ist die letzte Hoffnung des Königshauses, die unheimlich spannend zu verfolgen ist, denn man fiebert sofort mit der sympathischen Sam mit, bei der sich schon zu Beginn des Buches ein unglaubliches Talent zeigt, denn ihr gelingt es mit Leichtigkeit die schwierigsten Tränke zu brauen. Die Jagd wäre jedoch langweilig, wenn es nicht die richtigen Konkurrenten gebe, die zweifelsohne vorhanden sind. So muss sich Sam gegen die intrigante und gefährliche Schwester des Königs, Emilia Toth, welche bereits zahlreiche Bewerber ausgeschalten hat sowie den Großkonzern ZoroAster, der synthetische Mittel produziert, durchsetzen. Zain, der Sohn des großen Pharmaunternehmers Zol Aster, ist ihrer Konzentration dabei auch nicht gerade förderlich, denn mit seinem Charme und seinem guten Aussehen bringt er ihre Gefühlswelt gehörig durcheinander. Die kurzen Sequenzen der beiden fand ich immer sehr schön zu lesen, denn darin sieht man Sam in gewisser Weise aus den Augen einer anderen Person und sieht ihr wahres Talent, das sie nicht zu erkennen scheint. Auf den letzten Seiten überschlagen sich die Ereignisse und man kann das Buch nicht mehr aus der Hand legen. "Hokuspokus, liebe mich" ist eine spannende Geschichte über ein Mädchen, das über sich selbst hinauswächst, auf der Mission das Leben mehrerer Menschen zu retten, und zugleich der Beginn der Love Potion-Reihe, die ich jedem nur wärmstens empfehlen kann.

Bewertung vom 23.07.2016
FLOWER
Craft, Elizabeth; Olsen, Shea

FLOWER


sehr gut

Das Leben der achtzehnjährigen Charlotte dreht sich nur um ihre Familie und gute Schulleistungen für ein Stipendium an der Stanford Universität, für Jungs bleibt dabei keinerlei Platz. Charlotte möchte Karriere machen und ihrer Familie ein besseres Leben ermöglichen und nicht wie zuvor ihre Mutter, Schwester und Großmutter in jungen Jahren ein Kind bekommen. Deshalb hält sie sich von Jungs fern, doch dann trifft sie an ihrem Arbeitsplatz, einem kleinen Blumenladen, auf einen Fremden, der ihr den Hof macht. Auf den ersten Blick ist es um sie geschehen und sie will unbedingt mit Tate zusammen sein. Was sie jedoch nicht ahnt: Tate ist der bekannteste Sänger seiner Generation, der nicht nur dem Rampenlicht sondern auch Beziehungen den Rücken zugekehrt hat.

Die Liebesgeschichte von Tate und Charlotte, wie sie in "FLOWER" zu finden ist, bekommt von mir nach langer Überlegung vier Sterne. Lange deshalb, weil ich mir nicht sicher war, ob ich vielleicht doch eine Bewertungseinheit weniger vergeben sollte, denn die Geschichte entspricht doch sehr dem Klischee. Ein normales Mädchen trifft auf den Mann ihrer Träume, der sich schließlich als berühmte Persönlichkeit entpuppt und welcher sie natürlich auch abgöttisch liebt. Auch die Tatsache, dass Charlottes Lebensinhalt nur aus Lernen für ein Stipendium für eine renommierte Universität und der Ermöglichung eines besseren Lebens für ihre Familie besteht, ist nicht neu. Genauso wenig das Bild des Rockstars Tate, der sich aus dem Rampenlicht zurückgezogen hat, um die wahre Liebe zu finden. Obwohl all jene Stereotypen vorhanden sind und die Handlung oftmals sehr vorhersehbar ist, hat die Geschichte doch etwas, das mich berührt hat und meine gute Bewertung rechtfertigt. Insgeheim hatte ich das Gefühl Charlotte würde sehr wohl gerne einen Freund haben, jede Emotion, die in diese Richtung geht, aber bewusst unterdrücken, weil sie die Fehler ihrer Mutter nicht wiederholen möchte. Ich denke deshalb lässt sie sich ziemlich schnell auf ein Date mit Tate ein, zumal er ihr seine ungeteilte Aufmerksamkeit schenkt und sie erstmals nur an sich denken kann, statt sich wie üblich um die Familie zu sorgen. Insofern ist Tate für sie ein Wegweiser, der sie aus ihren familiären Zwängen befreit und ihr zeigt, was es bedeutet wirklich zu leben und zu lieben. Tate selbst ist sehr schwer zu durchschauen. Auf der einen Seite fühlt er sich magnetisch zu Charlotte hingezogen und bemüht sich sie zu beeindrucken, aber andererseits stößt er sie sofort von sich, wenn ihre Gefühle für ihn zu stark zu werden drohen. Das klärt sich jedoch gegen Mitte des Buches zunehmend auf, denn als Rockstar hat er es schon mit einigen Mädchen zu tun gehabt, die ihre Obsession mit Liebe verwechselten, wovon ein Fall sehr unglücklich endete. Gegen Ende des Buches gibt es ein paar Wendungen, die mich doch sehr überrascht haben, jedoch positiv, bis das Buch schließlich in ein Happy End gipfelt, das Mädchenherzen höher schlagen lässt. "FLOWER" erzählt zwei Geschichten. Zum einen gibt es unübersehbar die Liebesgeschichte von Tate und Charlotte, doch noch viel interessanter ist Charlottes Ausbruch aus den gesellschaftlichen Konventionen, um sich selbst zu finden und die kühnsten Träume zu verwirklichen. Für einen entspannten Lesesommer ist dieses Buch genau die richtige Lektüre, jedoch würde ich es eher jugendlichem Publikum empfehlen, denn es ist in gewisser Weise eine moderne Variation von Aschenputtel.

Bewertung vom 18.07.2016
Schnee von gestern ...und vorgestern
Klößinger, Günther

Schnee von gestern ...und vorgestern


sehr gut

Endlich kann Kommissar Fox Prancock gemeinsam mit seiner Freundin, der Jungjournalistin Ilka Trebes, nach Frankreich in den wohlverdienten Urlaub fahren. Allerdings wird aus der ruhigen Zweisamkeit nichts, denn im Gästesafe ihres Zimmers in einer französischen Pension findet Fox eine seltsame Nachricht, auf der jemand dringend um Hilfe bittet. Sein kriminalistisches Gespür ist geweckt und so beginnt das Pärchen zu ermitteln, jedoch ohne zu ahnen mit welchen finsteren Gestalten sie sich dadurch anlegen würden. Zeitgleich recherchiert Prancocks Exfrau Else für ihre Kolumne in der heimatliche Zeitung über Verbrechen der Vergangenheit, wobei sie ein 30 Jahre altes Foto einer Leiche entdeckt, welches in der Gegenwart im Rathaus gehörig Staub aufwirbelt, denn der damals ungeklärte Mord war schnell in Vergessenheit geraten. Die Strippenzieher von damals versuchen auch heute wieder zu intervenieren, was die Freundin von Tochter Jasmin am eigenen Leibe zu spüren bekommt, als man versucht sie mitsamt ihrem Hexenhäuschen zu verbrennen. Die gesamte Familie Prancock und ihre Freunde wird gehörig auf Trab gehalten und begibt sich mit ihren Nachforschungen auf sehr dünnes Eis, denn mit diesen Ganoven ist nicht zu spaßen.

Nachdem ich bereits von Teil eins der Reihe Fox & Crime, "Blüten aus Babylon" so begeistert war, habe ich mich natürlich umso mehr gefreut, nun auch die Fortsetzung "Schnee von gestern und vorgestern" zu lesen, welches von mir ebenfalls vier Sterne bekommt. Der Titel ist mir zugleich sehr positiv aufgefallen und nach Beenden der Lektüre gefiel er mir sogar noch viel besser, da er perfekt zu der Geschichte passt, denn bei den aufzuklärenden Geheimnissen handelt es sich beinahe ausschließlich um Straftaten, die in der Vergangenheit begangen wurden und ungestraft geblieben sind. Dies an sich ist in meinen Augen schon ein gutes Fundament für eine vielversprechende Kriminalerzählung, aber eine Geschichte ist wie immer nichts ohne ihre Charaktere, die hierbei definitiv gegeben sind. Fox Prancock steht diesmal zwar nicht im Mittelpunkt des Geschehens, doch seinen Wortwitz und die herrlich brummelige Art muss man trotzdem nicht missen genau wie die Einblicke in Jasmins interessante Welt auf ihrem Weg zum Erwachsenwerden. Neben den üblichen Verdächtigen, die zum Familien- beziehungsweise Freundeskreis der Prancocks gehören, spielten zwei sehr unterschiedliche Parteien eine große Rolle. Zum einen gab es den Geheimdienst, der mehr an ein Killerkommando erinnerte und den beiden Urlaubern nach dem Leben trachtete, auf der anderen Seite waren da noch die Flüchtlinge, die auf Jeannies Farm Zuflucht fanden und jeweils eine eigene Geschichte zu erzählen haben, was das Buch aktueller denn je macht. Einfühlsam und berührend schildert Günther Klößinger die ergreifenden Erlebnisse der Migrantin Yasmin, welche ihr Leben lang auf der Flucht war und hilft somit, die Fliehenden und das was sie durchgemacht haben besser zu verstehen. Nicht minder interessant sind die Machenschaften in Politik und Staatssicherheit, in die Fox und Ilka sowie Else auf unterschiedliche Art und Weise mit hineingezogen werden. "Schnee von gestern und vorgestern" beeindruckt nicht nur durch die sprachliche Fingerfertigkeit des Autors und die konstante Aufrechterhaltung der Spannung durch zahlreiche Wendungen sondern wartet zudem mit einer unheimlichen Komplexität und charismatischen Charakteren auf, mit denen man einfach nur mitfiebern kann.