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Mein Wille geschehe
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Bernd Schwarze: Mein Wille geschehe

Eigentlich ist Bernhard Theves am Ende. Die Predigten des gerade einmal 42-jährigen Pastors lassen auch noch die letzten verbliebenen Gottesdienstbesucher einschlafen. Ein ehrgeiziger junger Vikar sägt an seinem Stuhl und die Ehe mit seiner vor allem künstlerisch-esoterisch interessierten Frau Silke ist gezeichnet von gegenseitigem Desinteresse und gelegentlichen Demütigungen. Doch eines Sonntags, direkt nach dem Gottesdienst, überreicht die zwölfjährige Clara dem protestantischen Pastor einen Zettel mit einer überraschenden Bitte: Ich möchte beichten. Die umstehenden Gemeindeglieder sind höchst erstaunt: Beichten gehört ins Mittelalter und ist nur noch etwas für Katholiken. Was mag dem als extrem verschlossen geltenden Kind so auf der Seele brennen, dass es beichten will? Doch Theves schlägt sich spontan auf Claras Seite und bietet an, ab jetzt auch allen anderen, die es wünschen, die Beichte abzunehmen. Die Folgen sind dramatisch.

Unter denen, die für die Beichte nur Spott übrig haben, ist auch Klaus Hambrück, der gewalttätige Betreiber der örtlichen Tankstelle. Er filmt sich selbst dabei, wie er seine Frau Nicole misshandelt. Dann sucht er betrunken den Pastor auf, will beichten und präsentiert voller Hohn dieses Video. Theves packt der Zorn. Er erschlägt Hambrück im Affekt. – In „Mein Wille geschehe“, dem Krimidebüt des Lübecker Pastors Bernd Schwarze, wird diese Tat zum Ausgangspunkt einer vielschichtigen Wahrheitssuche. Muss sich Pastor Theves der Polizei stellen, obwohl es für alle Beteiligten besser wäre, die Leiche irgendwie verschwinden zu lassen? Dürfen Theves und Hambrücks Witwe Nicole ihre schon lange schwelende, geheime Leidenschaft füreinander endlich ausleben? Hat Claras merkwürdiger Nachbar etwas mit ihrem Beichtwunsch zu tun? Und auch der in Sachen Hambrück ermittelnde Hauptkommissar Wilmers muss sich auf eine Weise mit Fragen nach Gut und Böse, …mehr
Autorenporträt
Schwarze, Bernd
Bernd Schwarze wurde 1961 in Lübeck geboren. Der promovierte evangelische Theologe arbeitet seit über zwanzig Jahren als Pastor in der St. Petrikirche zu Lübeck. Für sein außerordentliches Engagement in der Wissensvermittlung kürte ihn die Universität zu Lübeck zum Ehrenbürger. Als Dozent unterrichtet er Theologie an der Musikhochschule Lübeck, und er veranstaltet Ringvorlesungen gemeinsam mit allen Hochschulen der Hansestadt. Die Idee für seinen ersten Roman entstand durch seine langjährige Freundschaft zu Sebastian Fitzek.
Interview mit Bernd Schwarze zu „Mein Wille geschehe“

Gesetze und wie sie gebrochen werden: Dieses Thema zieht sich durch die Bibel wie ein roter Faden. Ist das ein Grund, warum immer wieder Geistliche zu Krimiautoren werden?


Im Zentrum des Neuen Testaments steht ein Todesfall, dessen Schuldursache bis heute nicht vollständig aufgeklärt wurde. Die biblischen Erzählungen haben mit den Kriminalromanen von heute viel gemeinsam: Die gute Ordnung wird gebrochen und wiederhergestellt. Mich hat beim Schreiben aber vor allem die Spannung zwischen Glaube und Zweifel fasziniert, die Frage, ob menschliches Handeln, im Guten wie im Bösen, einer höheren Orientierung folgt. „Mein Wille geschehe“ ist zudem so etwas wie eine postmoderne Passionsgeschichte, mit vielen Anspielungen an biblische Erzählmotive.

Es heißt, dass die Idee zu „Mein Wille geschehe“ bei einem Abendessen mit Sebastian Fitzek geboren wurde. Wie ist diese Freundschaft eines Berliner Bestsellerautors und eines Lübecker Pastors entstanden?

Sebastian Fitzek war zu Gast bei einer Kriminacht in meiner Kirche, St. Petri zu Lübeck, um aus seinem Thriller „Das Amokspiel“ zu lesen. Man hatte ihm fälschlicherweise erzählt, St. Petri sei ein entweihter Ort. Als dann sein mitgebrachtes Stuntteam in GSG-9-Manier eine Geiselbefreiung probte, intervenierte ich und sagte, dass ich mit Waffen in der Kirche ein Problem hätte. Schnell kamen wir ins Gespräch und merkten bald: Da haben sich zwei Typen mit vielen verrückten Ideen und schwarzem Humor gefunden.

Als Pastor, so behauptete der Patenonkel Ihres Protagonisten, müsse man nur sonntags arbeiten und hätte den Rest der Woche frei. Haben Sie Ihr Buch auch geschrieben, um mit diesem Vorurteil aufzuräumen?

Ach, nein. Diesen Spruch gab mein kirchenkritischer Vater zum Besten, als ich mich mit sechzehn Jahren über meine Berufsaussichten mit ihm unterhielt. Ich komme aus einer Arbeiterfamilie, und da wird Arbeit nun einmal anders definiert. Glücklich war mein Vater nicht, als ich mich dann tatsächlich für das Theologiestudium einschrieb. Später aber hat er meine Arbeit respektiert. Und bis heute versuche ich, Religion so zu kommunizieren, dass auch die Skeptiker etwas damit anfangen können.

In „Mein Wille geschehe“ begeht Pastor Benedikt Theves einen Mord im Affekt und erlebt dadurch eine Art Wiedergeburt als inspirierender Gemeindehirte. Glauben Sie, dass die Kirchen voller wären, wenn Geistliche mit ihren Schwächen anders umgehen würden?

Ich würde meinen Kolleg*innen sicher nicht empfehlen, ein Verbrechen zu begehen, um beruflich erfolgreicher zu sein. Etwas mehr Aufrichtigkeit hingegen könnte nicht schaden, emotional wie intellektuell. Bei Predigten habe ich oft den Eindruck, dass einige von ihnen das sagen, wovon sie glauben, es werde von ihnen erwartet. Stattdessen kommt man viel weiter, wenn man seine Glaubenszweifel und auch seine Schwächen offen benennt. Das eigentlich so wunderbare Liebesgebot, welches das pastorale Dienstethos bestimmt, kann zum inneren Zwang werden. Wenn man immer verständnisvoll und freundlich auftritt, auch wenn man mal vor Wut platzen könnte, geht das irgendwann nach hinten los. Das kenne ich auch aus eigener Erfahrung.

Ihr Kriminalhauptkommissar René Wilders wirkt besonders tapfer und bodenständig. Gab es für ihn Vorbilder?

Ein Schulfreund von mir hat heute einen Leitungsposten bei der Kriminalpolizei. Hauptkommissar Wilmers fällt allerdings nicht so sehr wegen konkreter und detailreich geschilderter Ermittlungsmethoden ins Gewicht. Mit seiner Familiengeschichte und seiner kranken Frau, die sich den Freitod wünscht, ist er vielmehr eine weitere Figur, die Benedikt auf seinem Weg zwischen Euphorie und Verzweiflung herausfordert. Der Mensch René Wilmers rückt in den Vordergrund, nicht so sehr der Polizeibeamte.

In Ihren Danksagungen erwähnen Sie auch den vor fünfzehn Jahren verstorbenen, großen Dichter und Humoristen Robert Gernhardt. Warum?

Gernhardt war für mich nicht nur ein wunderbarer Dichter, sondern mit seinem leidgeprüften Humor auch ein Seelentröster. Ich hatte einmal eine „Audienz“ bei ihm, als er im Buddenbrookhaus zu Gast war, wollte mit ihm ein Projekt planen, in dem klassische Dichtkunst und Spoken Poetry einander begegnen. Mit zitternden Knien betrat ich den Raum. Er kam auf mich zu, mit einem Kirchenführer in der Hand, zu dem ich die Einführungsworte geschrieben hatte. Dann sagte er: „Ach, Sie sind das! Ich habe gerade einen sehr schönen Text von Ihnen gelesen.“ Oh Mann. Gernhardt ist leider unersetzlich. Oder soll ich’s mal versuchen?

Bitte!

Will man ein großer Dichter sein / Vermeide man Betrügerei’n / Denn wer ein X macht für ein U / Gehört schon bald nicht mehr dazx.

Haben Sie jetzt Blut geleckt und werden z. B. weitere Krimis schreiben?

Einige Ideen habe ich schon gesammelt. Aber ich habe auch fünfzehn ungewöhnliche Weihnachtsgeschichten geschrieben, über deren Veröffentlichung ich mich freuen würde. Und ein Sachbuch schwebt mir vor, mit kritischen, nicht allzu ernsten Auslegungen der Artikel des christlichen Glaubensbekenntnisses. Ich sollte mich einmal wieder mit Sebastian zum Abendessen verabreden ...