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Zimmer 19 / Tom Babylon Bd.2
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Marc Raabe: Zimmer 19

Vor eineinhalb Jahren hatte es der LKA-Beamte Tom Babylon bereits mit einem spektakulären Fall zu tun. In der Kuppel des Berliner Doms hängend, war die mit schwarzen Flügeln geschmückte Leiche einer prominenten Pfarrerin gefunden worden. Ein Schlüssel mit der Nummer 17 diente Babylon damals als Ausgangspunkt seiner Ermittlungen. Nun beginnt auch der zweite Band der Tom-Babylon-Reihe des Kölner Autors und Filmproduzenten Marc Raabe mit einem schlagzeilenträchtigen Verbrechen. Oder zumindest mit dem Video eines möglicherweise tatsächlich begangenen Mordes. Es wird zu keinem geringeren Anlass gezeigt, als zur Eröffnung der Internationalen Filmfestspiele - und damit vor 3.000 geladenen Gästen. Unter ihnen befindet sich auch der Regierende Bürgermeister der Hauptstadt, Otto Keller. Er muss mit ansehen, wie seine eigene Tochter auf der Leinwand hingerichtet wird, verbunden mit der Drohung, dass sie nicht das letzte Opfer gewesen sei.

Das LKA hat einiges zu klären. Ist der Film echt? Sinje Keller arbeitete verbissen an ihrer Schauspielkarriere. Eine Mordszene glaubwürdig zu spielen, wäre ihr durchaus zuzutrauen. Wem galt die Drohung auf dem Video, und was bedeutet die 19, die offenbar extra für die Dreharbeiten neben einen Fahrstuhleingang gemalt worden war? Gibt es eine Verbindung zu der ermordeten Dompfarrerin? - Zumindest geben die Indizien Anlass, das Ermittlerteam von damals zu reaktivieren. Und schon machen sich Tom Babylon und die Psychologin Sita Johanns erneut an die Arbeit. Weil Bürgermeister Keller daran gelegen ist, vor allem die prominenteren Gäste der Berlinale-Eröffnung vor allzu intensiven Nachforschungen zu schützen, nehmen die beiden einige Honoratioren der Hauptstadt genauer unter die Lupe. Bald zeigen sich Verbindungen zwischen Keller, dem stadtbekannten Pharmazeuten Wolf Bauer und Heribert Morten, der zu DDR-Zeiten als Arzt und für die Stasi gearbeitet hatte. Dass dann auch noch Bauers …mehr
Autorenporträt
Marc Raabe scheint zu den Menschen zu gehören, die genau das verwirklichen, wohin sie ihre Leidenschaft führt - und ganz nebenbei entsteht so eine große Filmproduktionsfirma oder eben ein Buch. Aber der Reihe nach. Der gebürtige Kölner, Jahrgang 1968, las schon als Junge heimlich nachts unter der Bettdecke und liebte spannende Geschichten. Mit 15 Jahren begannen er und ein Freund, Super-8-Filme zu drehen. Eine Leidenschaft, unter der die Schule ziemlich litt, so Raabe. Das Abitur gelang zwar, doch die Bewerbung an der Filmhochschule München nicht. Raabes Antwort auf die Frage, wie denn sein Beitrag zum deutschen Film aussehen würde, lautete: "Ich würde ihn gerne etwas französischer machen." Das kam wohl nicht gut an... Es folgte ein Studium, in dem Raabe nicht glücklich wurde, und die Idee, ein Buch zu schreiben - doch damals, mit Anfang 20, war der Plan noch etwas zu groß für ihn. Dann kam alles, wie es kommen musste. Der Schulfreund und Raabe machten sich selbstständig mit einer Produktionsfirma, die heute zu den renommierten der Branche gehört. Dem Drang, ein Buch zu schreiben, gab Raabe dann mit Anfang 40 wieder nach. "Ich habe abends keine Bücher mehr gelesen, stattdessen habe ich versucht, eins zu schreiben." Eineinhalb Jahre später war sein Debüt, der Thriller "Schnitt", fertig. Marc Raabe lebt mit seiner Familie in Köln.
Das meint die buecher.de-Redaktion: Gänsehaut! Mit "Schnitt" hat Marc Raabe einen sehr gut erzählten Psychothriller vorgelegt - wir sind gespannt auf die nächsten Bücher.
Interview mit Marc Raabe

Was ist eigentlich spannend? Wodurch entsteht Spannung?

Marc Raabe: Ich bin immer besonders gespannt, wenn ich neugierig auf etwas bin oder wenn ich jemanden mag und mit ihm fühle, weil er (oder sie) in Gefahr ist. Deshalb bringe ich auch dieFiguren in meinen Büchern immer in so schwierige Situationen. Ich will dabei sein und zuschauen, wie sie sich da wieder herausretten. Ich glaube, es gibt viele Autor*innen, die ihre Geschichten planen. Ich mache das nur in Ausnahmefällen, weil ich beim Schreiben selbst etwas erleben will. Ich willneugierig bleiben, und manchmal gelingt es mir, mich in meinen Büchern mit einer Idee selbst zu überraschen. Das sind dann die spannendsten Momente.

Sie haben mit Ihrer Firma u. a. eine Doku über Stephen King produziert. Ist King jemand, der Sie zum Schreiben von Krimis und Thrillern inspiriert hat?

Marc Raabe: King ist ein toller Autor, und was ich inspirierend finde, ist seine unerschrockene schonungslose Art, mit dem Horror im Alltäglichen umzugehen. Ich mag seine Schreibweise, die immer so dicht an seinen Figuren ist. Ich glaube, dass King beim Schreiben in seinenCharakteren steckt. Das tue ich auch. Ich liebe es, die Welt durch die Augen eines kleinen Jungen, eines Mädchens, eines alten Heimleiters, einer Verrückten, eines Schurken oder eines Tom Babylon zu sehen, der größer ist als ich, jünger, attraktiver und stärker. Was für ein Privileg, dass ich das jeden Tag tun darf!

"Zimmer 19" ist nun der zweite Teil Ihrer Tom-Babylon-Reihe. Worin besteht die Herausforderung, einen erfolgreichen Roman fortzusetzen?

Marc Raabe: Die Herausforderung der Reihe ist für mich persönlich, dass jeder Band über den aktuellen Kriminalfall hinaus mehrere (Lebens-)Geschichten erzählt, die sich über viele Bände erstrecken. Liest man alle Bände, ist es wie bei einem großen Puzzle. Das Bild wird immer größer. Insofern bleibt auch immer einiges offen; ich will ja die Neugier wecken. Dennoch gibt es in jedem Band einen Abschluss. Besonders wichtig ist mir, dass jeder Leser auch ohne Vorkenntnisse mit Band 2 oder 3 einsteigen kann.

Haben Sie die Berlinale zum Schauplatz Ihres Krimis gemacht, weil Sie dort als Filmproduzent bisher nicht dabei waren?

Marc Raabe: Ha! Das wäre eine schöne Idee für einen weiteren Krimi! Erfolgloser Filmproduzent rächt sich an der Berlinale-Jury. Aber nein, so ist es nicht. Ich bin ja auch kein Filmproduzent, meine Firma arbeitet fürs Fernsehen, und das unterscheidet sich grundlegend vom Film. Die Berlinale habe ich ausgewählt, weil sie zu Berlin gehört und ein großes Ereignis ist. Mir gefiel die Idee, dieses Ereignis auf den Kopf zu stellen. Ich saß gedanklich sofort mit im Publikum, sah auf die Leinwand und hörte die Zwischenrufe im Saal. So ist das ganz oft, wenn ich ein Buch beginne: Ich begebe mich ins Innerste einer Idee. Ich setze mich in meinen eigenen Film und gucke, was passiert. Und dasschreibe ich dann auf. Für mich ist das jedes Mal ein Abenteuer.

Tom Babylon ist nun auch Vater eines kleinen Jungen. Ist die Vereinbarkeit von Beruf und Vaterschaft für Sie selbst auch ein Thema?

Marc Raabe: Mit zwei Söhnen im Alter von 17 und 21 war das früher natürlich für mich ein Thema. Familienleben und Arbeit miteinander zu verbinden ist ein Drahtseilakt, insbesondere wenn die Kinder klein sind und wenn beide Eltern arbeiten. Für die Familie etwas Dringendes im Job abzusagen ist oft schwer umzusetzen, weil es im Job meist viele Zwänge und wenig Verständnis gibt. Und wenn man jung ist, fühlt man sich oft nicht in der Position, bei der Arbeit einfach mal zu sagen: Ich kann jetzt nicht. Ich habe selbst lange dafür gebraucht, damit einen selbstverständlicheren Umgang zu finden, und ich weiß, wie sich das damals angefühlt hat. Auch TomBabylon ist als "frischgebackener" Vater in keiner einfachen Situation.

In "Zimmer 19" geht es auch um die manchmal unscharfen Grenzen zwischen Fiktion und Realität. In welchem Film wären Sie gern Hauptfigur gewesen?

Marc Raabe: Da ich in Filmen und Büchern besonders die gebrochenen Figuren interessant finde, kann ich gar nicht von "gerne" reden. Als typischer Autor und Drehbuchschreiber neige ich ja dazu, meine Figuren in die schlimmsten Situationen zu schicken. Ganz ehrlich, ich wäre auch nicht gerne Tom Babylon - bei dem, was ich dem armen Kerl alles zumute. Und trotzdem liebe ich es natürlich, in seiner Haut (oder der von Sita) zu stecken und mir zu überlegen, wie komme ich da jetzt wieder raus. Die von mir selbst erfundenen Figuren sind mir so nah, dass ich ab und zu recht gerne "sie" bin - selbst wenn sie böse sind. Aber die Hauptfiguren von anderen Autoren, das ist etwas anderes. Da bin ich lieber ich.

Hat für Sie als Kölner das Schreiben über einen Berliner Kommissar den Blick auf die Hauptstadt verändert?

Marc Raabe: Ich steige tiefer in Berlins Geschichte ein. Tom Babylon lebt in einer Stadt, die viel erlebt hat, viel durchgemacht hat, und manchmal entdecke ich staunend und erschrocken an Toms Seite, was alles tatsächlich passiert ist. Berlins Geschichte als fiktiver Roman, da würde der ein oder andere sagen: Das ist jetzt aber wirklich überzogen. Und trotzdem ist alles real.

Text: Literaturtest, 2019