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Nachts schweigt das Meer / Ben Kitto Bd.1
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Kate Penrose: Nachts schweigt das Meer

Leicht chaotisch, fahrig und "leicht verlottert auf die Welt gekommen": So stellen sich neue Kriminalkommissare selten ihrem Publikum vor. Benesek Kitto, kurz Ben, erweist sich jedoch schon auf den ersten Seiten von Kate Penroses Buch "Nachts schweigt das Meer" als ehrlicher, unprätentiöser Typ. Er kleidet sich nicht besser, als er sich fühlt. Selbst seinem Hund Shadow gegenüber macht er keinen Hehl daraus, dass er ihn eigentlich gar nicht leiden kann. Ob das einfach sein Naturell ist oder ob sich der Detective Inspector aus London aufgrund einer persönlichen Krise gerade nicht in der Lage sieht, sich vor seinem Umfeld in ein besseres Licht zu setzen, bleibt erst einmal offen. Fest steht, Ben gibt sich die Schuld am Tod einer langjährigen Kollegin. Er überlegt, den Dienst zu quittieren, und zieht vorübergehend in das marode Haus seiner kürzlich verstorbenen Mutter auf Bryher.

Die kleinste der Scilly-Inseln liegt knapp 50 Kilometer vor der südwestlichen Spitze Englands. Hier wohnen keine hundert Menschen. Man lebt vor allem vom Fischfang und Tourismus. Jeder kennt jeden. Zugezogenen gegenüber bleibt man auch nach Jahrzehnten noch eher reserviert, während ein Heimkehrer wie Ben einen nahezu unendlichen Vertrauensvorschuss genießt. Doch dann wird die kleine Inselgemeinde von einem brutalen Verbrechen erschüttert. Laura, eine allseits beliebte junge Frau, die kurz davor war, auf dem Festland ihren Traum von einer Schauspielkarriere zu realisieren, wird tot am Fuß einer steilen Klippe gefunden - mit einer Stichwunde in der Brust. Der Mörder muss noch auf der Insel sein, was auch die nächsten Verwandten sowie langjährige Freunde verdächtig macht. Ben werden die Ermittlungen übertragen; und seine vermeintliche Auszeit verwandelt sich umgehend in eine der größten Herausforderungen seiner Laufbahn.

Die Scilly-Inseln sind der Autorin Kate Penrose von zahllosen Urlauben seit ihrer …mehr
Autorenporträt
Penrose, KateKate Penrose kennt die Scilly-Inseln vor der Küste Cornwalls wie ihre Westentasche. Seit Kindertagen verbringt sie fast jeden Sommer dort und ist jedes Mal aufs Neue fasziniert von dem atemberaubenden Naturparadies. Die Idee für eine Krimiserie mit diesem einzigartigen Schauplatz kam ihr spontan bei einem Restaurantbesuch, und aus ein paar hastig hingekritzelten Stichworten auf der Speisekarte wurde einige Monate später der erste Insel-Krimi. Kate Penrose, die auch unter dem Namen Kate Rhodes schreibt, lebt mit ihrem Mann, dem Autor David Pescod, in Cambridge am Ufer des River Cam.
Interview mit Kate Penrose zu "Nachts schweigt das Meer"

Warum haben Sie Bryher, eine der Scilly-Inseln, als Handlungsort für "Nachts schweigt das Meer" ausgewählt?

Kate Penrose
: Ich durfte schon viel Zeit auf den Scilly-Inseln verbringen. Meine Sicht auf sie hat sich im Laufe derJahre allerdings verändert. Als ich ein Kind war, haben wir sie nur im Sommer besucht. Bryher erschien dann als herrlicher, wilder Ort, wo ich mich austoben konnte. Ich mochte es, dass fast jede Aktivität eine Bootsfahrt zu einer benachbarten Insel beinhaltete; und die sonnigen Tage schienen endloszu sein. Erst als Erwachsene begann ich, die Inseln in den Wintermonaten zu besuchen, wenn alle Touristen weg sind und Bryher von Stürmen und der heftigen Atlantikbrise heimgesucht wird. Ich habe einmal eine ganze Woche wegen schlechten Wetters auf Bryher festgesteckt - unter diesen Umständen kannsich die Isolation der Insel auch sehr gruselig anfühlen.

Detective Ben, der Held Ihres Buchs, hatte Bryher verlassen, um in London zu arbeiten, und er kehrt aufgrund einer persönlichen Krise zurück. Braucht es mehr Mut, um auf einer solchen Insel zu bleiben oder um sie zu verlassen?

Kate Penrose
: Ben hat eine widersprüchliche Beziehung zu seiner Heimatinsel. Als Junge fühlte er sich dort eingeengt und er träumte davon, in die Größe und Vielfalt der Stadt zu fliehen. Erst im Erwachsenenalter beginnt Ben nach der Einfachheit des Insellebens und nach den engen Bindungen zu suchen, welche die Menschen in einer so kleinen Gemeinde erfahren. Ich denke, dass es für beides - egal ob man geht oder bleibt - Mut braucht. Wenn man später wieder zurückkehrt, kann es allerdings schwierig sein, sich wieder zu integrieren.Die Beziehung zwischen Ben und seinem Hund Shadow ist ungewöhnlich.

Kate Penrose
: Ich liebe Hunde, besitze aber keinen. Das liegt daran, dass mein Mann und ich viel unterwegs sind; es würde also nicht gut funktionieren. Ich hatte nicht vor, einen Hund in meine Geschichte aufzunehmen. Aber dann habe ich einen Monat lang auf den Hundeiner Freundin aufgepasst und verliebte mich in diesen unglaublich cleveren tschechoslowakischen Wolfshund. Während ich schrieb, lag er zu meinen Füßen. Dann folgte er mir, bis er wie ein Schatten wurde. Fast unbemerkt fand er seinen Weg in meine Geschichte. Shadow ist klug genug, um Ben ein oder zwei Lektionen zu vermitteln.

Haben Sie das Buch tatsächlich auf Bryher geschrieben?

Kate Penrose
: Im Winter 2016 habe ich einen Monat dort verbracht und danach schrieb ich es bei mir zu Hause in Cambridge. Ich bin sehr glücklich darüber, dass die Inselgemeinschaft (bisher) sehr nett zu mir war und mich ermutigt hat. Die Leute wissen, wie sehr ich ihre Insel liebe. Einige haben sogar darum gebeten, dass sie in meinen nächsten Büchern, die auf den Scillys spielen werden, auftauchen. Das scheint mir eine besonders liebenswürdige Art der Zustimmung zu sein.

Sie haben über Tennessee Williams promoviert, der vor allem als Dramatiker bekannt ist. Inwiefern hat er Ihr Schreiben beeinflusst?

Kate Penrose
: Sein Einfluss auf mich war sehr stark. Ich habe ihn als Schulmädchen kennengelernt, als ich Platzanweiserin im Greenwich Theatre in London war. Früher saß ich am Bühnenrand und schaute seine unwiderstehlichen Stücke so oft an, dass ich sie fast im Schlaf rezitieren konnte. Seine Stücke lehrten mich, dass Dialoge knackig und relevant sein müssen, sonst können sie eine Geschichte verlangsamen. Ich habe auch gelernt, wie wichtig es ist, über starke Charaktere mit genau definierten Merkmalen zu schreiben und ihnen dann ein großes Problem zu geben, das sie lösen müssen.

Gibt es auch Krimiautor*innen, die Sie inspirieren?

Kate Penrose
: Es gibt zu viele wichtige, als dass ich alle meine Einflüsse nennen könnte. Aber der erste Kriminalroman, in den ich mich verliebte, war "Am Abgrund des Lebens" von Graham Greene. Seine brillante Beschwörung einer heruntergekommenen Küstenstadt hat mich gelehrt, dass das Setting für einen atmosphärischen Thriller fast so wichtig ist wie die Handlung.

Sie sind mit einem Schriftsteller, Dave Pescod, verheiratet. Für schreibende Frauen war das in der Literaturgeschichte oft eine unglückliche Kombination. Was ist das Geheimnis Ihrer Beziehung?

Kate Penrose
: Ich bin wirklich sehr glücklich, mit Dave zu leben. Er schreibt Theaterstücke und Kurzgeschichten, während ich Romane schreibe. So treten wir uns gegenseitig nicht auf die Füße. Wir bearbeiten ständig gegenseitig unsere Texte, was ich sehr hilfreich finde. Am Anfang haben wir da einiges falsch gemacht, aber im Laufe der Jahre haben wir gelernt, uns auf unterstützende Weise Feedback zu geben. Zum Glück! Ich denke, wir erkennen beide, dass das kreative Ego eines jeden zerbrechlich ist. Das schriftstellerische Selbstvertrauen ist sehr zerbrechlich. Deshalb gehen wir vorsichtig miteinander um. Es scheint zu funktionieren, denn wir sind seit 23 Jahren zusammen.

Sie veröffentlichen unter den Namen Kate Rhodes und Kate Penrose. Wo liegt der Unterschied?

Kate Penrose
: Meine Kate-Rhodes-Bücher sind viel dunkler als meine jüngsten Arbeiten. Ich habe sechs Bücher geschrieben, die in dem Teil von Südlondon angesiedelt sind, in dem ich aufgewachsen bin. Sie handeln von einer forensischen Psychologin namens Alice Quentin und ihrem Partner, Detective Inspector Don Burns. Alle Romane behandeln unterschiedliche Themen, welche die Stadt betreffen - von der Prostitution bis hin zu korrupten Bankern und Politikern. Meine Kate-Penrose-Bücher dagegen spielen alle auf den Scilly-Inseln. Deshalb male ich hier auf einer viel kleineren Leinwand, wodurch ich mehr Zeit mit dem Aufbau von Charakteren und einer glaubwürdigen Gemeinschaft verbringen kann. Ich schließe nicht aus, zu meiner Quentin-und-Burns-Serie zurückkehren, aber ich liebe den Ort und die Charaktere in von "Nachts schweigt das Meer". Ich plane, mindestens sechs Bücher zu schreiben, die aufden Scillys spielen. Das bietet mir die perfekte Ausrede, weiterhin Schreibferien an diesem außergewöhnlich schönen Ort zu verbringen.

Interview: Literaturtest, 2019