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3 2 1 - Im Kreis der Verschwörer
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Tony Kent: 321 - Im Kreis der Verschwörer

London befindet sich im Ausnahmezustand. Der britische Premierminister empfängt den US-Präsidenten. Gemeinsam wollen sie in einer großen öffentlichen Zeremonie am Trafalgar Square die Auslandseinsätze ihrer Streitkräfte würdigen. Nach außen hin scheint alles unter Kontrolle - doch hinter den Kulissen ist die Spannung hoch. Beamte der verschiedenen Sicherheitsdienste herrschen über ihren jeweiligen genau definierten Zuständigkeitsbereich, belauern sich gegenseitig mit einer Mischung aus Respekt und Argwohn. Auf den Dächern sind mehr als ein Dutzend Scharfschützen postiert, die auf verdächtige Bewegungen in der Menschenmenge achten. Ebenso sind Kameras der Fernsehanstalten auf den Ort des Geschehens gerichtet, um die Bilder des Tages zeitnah in die Welt hinauszusenden. Kurz vor dem Höhepunkt der Feierlichkeiten hallen Schüsse im Herzen der Hauptstadt wider. Der britische Außenminister ist tödlich getroffen!

Ein aus Belfast stammender Schütze wird festgenommen, da er verdächtigt wird, diesen Anschlag im Auftrag der "Wahren IRA" verübt zu haben. Seine Tat führt zu den verschiedenen Handlungsstränge, die sich im Lauf von Tony Kents Debütroman "321 - Im Kreis der Verschwörer" zu einem wahren Geflecht aus politischen, geschäftlichen und privaten Interessen auswachsen. Es kreuzen sich die Wege des erfahrenen Agenten Joe Dempsey, des Staranwalts Michael Devlin, eines Auftragskillers namens Joshua und der jungen Fernsehjournalistin Sarah, für die sich die Berichterstattung über die laufenden Ermittlungen als großer Schritt auf der Karriereleiter anbietet.

Dank Tony Kents Hauptberuf - er arbeitet als Strafverteidiger - ist "321" nicht nur ein atemberaubend spannender Thriller, sondern auch so etwas wie eine Privatführung durch den Alltag eines Londoner Anwalts. Man erfährt viele Details über die Arbeitsteilung zwischen dem Barrister, der in den Verhandlungen vor Gericht …mehr
Autorenporträt
Kent, TonyTony Kent studierte Jura in Schottland und arbeitet heute als Anwalt in London. Er ist regelmäßig im Old Bailey tätig und war Verteidiger und Ankläger in einigen spektakulären Strafprozessen. Nebenbei ist Kent erfolgreich als Boxer. »3 2 1 - Im Kreis der Verschwörer« ist sein erster Roman.
Interview mit Tony Kent zu "321 - Im Kreis der Verschwörer"

Sie arbeiten seit vielen Jahren als Rechtsanwalt. Was ist wichtiger für Ihr Schreiben:das Wissen, das Sie als Rechtsanwalt haben, oder die Fähigkeit, überzeugende Geschichten zu erzählen?

Tony Kent
: Es ist ein bisschenvon beidem, wobei letzteres wohl leicht überwiegt. Speziell für "321 - Im Kreis der Verschwörer" waren meine juristischen Kenntnisse und Erfahrungen allerdings von grundlegender Bedeutung. Ich habe versucht, das Buch so realistisch wie möglich zu halten, ohne dass es an Unterhaltungswert einbüßt. Ich habe für die Geschichte sogar einige meiner echten Kreuzverhöre verwendet.

Sie waren auch als Profiboxer tätig. Wie kam es dazu?

Tony Kent
: Ich war nur für kurze Zeit ein professioneller Boxer, eine langfristige Karriere hatte ich nie im Sinn. Durch einen Zufall musste ich während meiner juristischen Ausbildung eine einjährige Auszeit nehmen. - Ich hatte das Abgabedatum für einen Antrag falsch gelesen! Kein gutes Zeichen für einen Anwalt! - Und weil ich zuvor viele Titel als Amateurboxer gewonnen hatte, wollte ich die Zeit nutzen, um zu sehen, ob ich es auch als Profi schaffen könnte. Und tatsächlich: Ich habe drei Profikämpfe gehabt und alle drei gewonnen, den zweiten und dritten durch K. o. Glücklich habe ich mich dann zurückgezogen und meine juristische Karriere fortgesetzt.

Inwiefern hat Ihre neue Karriere als Schriftsteller Ihr Leben verändert?

Tony Kent
: Es war eine wunderbare, aber extrem anstrengende Erfahrung! Viele Leute glauben, dass Schriftsteller, die mit ihrem ersten Buch Erfolg haben, sich aus ihrem regulären Job zurückziehen und einfach Vollzeit Bücher schreiben. Leider war das bei mir nicht der Fall. Ich schrieb nebenbei und arbeitete weiter als Strafverteidiger, was mehr als ein Vollzeitjob ist. Es erfordert frühe Morgen, späte Nächte und sehr viele Wochenenden. Ich führe noch immer dieses Leben, versuche gleichzeitig, jedes Jahr ein Buch zu schreiben und arbeite jetzt auch noch als beratender Produzentder Adaption von "321", die von Hollywood-Regisseur Duncan Jones gedreht werden wird. Ich könnte wirklich etwas mehr Schlaf gebrauchen, aber trotzdem liebe ich es, wie sich mein Leben verändert hat.

Wie nah an der Realität sollte ein Krimi sein? Schätzen Sie es auch, sich literarische Freiheiten zu nehmen?

Tony Kent
: Die Antwort darauf muss unterschiedlich ausfallen, je nachdem, welche Art von "Kriminalroman" ein Autor schreibt. Bei Polizeiromanen, die in England sehr beliebt sind, muss man sehr nahe an der Realität und streng linear erzählen, was Tag für Tag im Laufe einerErmittlung passiert. Bei einem Justizthriller ist es ähnlich, allerdings muss man da bestimmte Dinge radikal kürzen, weil sich die beschriebenen Prozesse oft sehr in die Länge ziehen und zu 80 % unglaublich langweilig sind. Dann gibt es aber noch Krimis, wie "321", die ich eher zu den Action-Thrillern zählen würde. Da versuche ich sozu schreiben, dass Leser*innen das Gefühl bekommen, einen Film wie die "Bourne Identität" auf der großen Leinwand zu sehen. Das funktioniert eher durch eine ungeschriebene Vereinbarung, die zwischen Autor und Publikum getroffen wird: Wir wissen beide, dass es hierum eine überhöhte Realität geht. Es geht hier nicht zu wie in einem Stallone-Film aus den 1980er-Jahren, aber auch nicht wie in einer Serie wie "The Wire". Meine Bücher haben von all diesen Arten von Krimis etwas, und diesen Balanceakt genieße ich sehr.

Als Anwalt arbeiten Sie oft im Old Bailey, jenem altehrwürdigen Londoner Gerichtsgebäude, das in dem Comic "V wie Vendetta" durch einen Bombenanschlag zerstört wird. Machen Sie sich jemals Sorgen, dass diese Fiktion Realität wird?

Tony Kent
: Überhaupt in London zu arbeiten, ist für mich gefährlicher als die Arbeit an diesemspeziellen Ort. Als wichtiges Wahrzeichen von London ist das Old Bailey zweifellos ein klares Terrorziel - sowohl in der Fiktion als auch im wirklichen Leben. In den 1970er-Jahren wurde es von der IRA attackiert, was am Anfang von "321" auch kurz erwähnt wird. Trotzdem ist die Sicherheit im Old Bailey absolut wasserdicht. Ich mache mir eher Sorgen um die vielen einfacheren Ziele in London, am offensichtlichsten gefährdet sind natürlich die öffentlichen Verkehrsmittel. Ich weiß sowohl aus meiner Tätigkeit als Strafverteidiger als auch durch meine Recherchen als Autor, dass die britischen Sicherheitsdienste - MI 5, GCHQ und SO15 - eine unglaubliche Arbeit leisten, um uns zu schützen.

Die politische Welt verändert sich schnell. Wie hat sich aus Ihrer Sicht die Welt und vor allem Großbritannien geändert, seit Sie Ihr Debüt "321" geschrieben haben?

Tony Kent
: Leider sind die Veränderungen unermesslich. Ich werde jetzt nicht auf das Für und Wider in Sachen Brexit eingehen. Aber die Art und Weise, wie dieses Problem unsere Gesellschaft entzweit hat, ist tragisch. Das ist eine direkte Folge der Lügen auf beiden Seiten. Die Wahrheit ist, niemand weiß, was passieren wird,weil so etwas wie der Brexit noch nie geschehen ist. Und natürlich haben wir Donald Trump. Auch wenn wir wussten, dass es sich um eine willkommene Illusion handelte: Die USA waren für den Rest der Welt immer so eine Art Leuchtfeuer. Trump hat es ausgelöscht. Für mich als Schriftsteller hat das allerdings auch Vorteile. Mein drittes Buch spielt unter anderem im Weißen Haus. Für Leser*innen ist es heutzutage viel vorstellbarer, dass die Dinge, die da in meinem Roman schieflaufen, genauso auch tatsächlich passieren könnten.

Während "321" jetzt erstmals auf Deutsch erscheint, hat Ihr englisches Publikum bereits dessen Fortsetzung vorliegen. Worauf können wir uns in Zukunft noch freuen?

Tony Kent
: Meine Pläne gehen von meinen bisherigen Romanen aus. Wir werden uns weiter in deren Universum bewegen, mit Devlin, Dempsey und all den anderen. Neue Charaktere werden im Lauf derSerie hinzustoßen; neue Schauplätze werden eine Rollespielen und mir die Freiheit geben, alle weitere Geschichten so zu schreiben, dass sie sich jedes Mal wie neu anfühlen.

Interview: Literaturtest, 2019