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Nicht ein Wort
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Brad Parks: "Nicht ein Wort"

Egal, wie viel er gerade um die Ohren hat - den Mittwochnachmittag hält sich Richter Scott Hampson frei. Er ist fürs "Schwimmen mit Dad" reserviert. Die sechsjährigen Zwillinge Emma und Sam werden dann von ihrem Vater von der Schule abgeholt. Gemeinsam fahren sie ins örtliche Schwimmbad des YMCA, vergnügen sich im Wasser mit dem selbst erfundenen Baby-Hippo-Spiel oder schwimmen einfach um die Wette. Denn "es gibt nichts Besseres für die Seele, als echten Spaß mit seinen Kindern", stellt Scott fest. Doch was dann passiert, gehört wohl zum Schlimmsten, was Eltern zustoßen kann. An diesem Mittwoch hatte eine SMS von Scotts Frau Alison das geliebte Schwimmritual durchkreuzt: Sie habe einen Arzttermin vergessen und würde die Kinder selbst abholen. Am Abend stellt sich heraus, dass die Kinder verschwunden sind. Anscheinend ist Alisons Handy gehackt worden. Das Telefon klingelt und es wird zur schrecklichen Gewissheit: Die Zwillinge wurden entführt. Ob sie überleben, hängt davon ab, welches Urteil Richter Hampson in einem bestimmten Verfahren sprechen wird. Weder Polizei noch FBI dürfen etwas erfahren. Nicht ein Wort.

Seit sich Brad Parks, früher Sportjournalist der "Washington Post", auf fiktionale Krimis verlegte, hat er als Einziger die drei wichtigsten Krimipreise der USA gewonnen. Nun erscheint erstmals ein Roman von ihm auf Deutsch. Am Anfang steht eine Widmung: "Ich bin mit einer großartigen Frau verheiratet. Dieses Buch - ganz besonders dieses - ist für sie." Daraufhin etabliert Parks einen Icherzähler, der ebenfalls von seiner Frau schwärmt und, wie der Autor selbst, zwei kleine Kinder hat. So ist von Beginn an klar, dass es hier um eine sehr persönliche Geschichte geht. Dieses Gefühl verschwindet auch nicht, wenn sich einige Seiten später herausstellt, dass es hier nicht um die Familie eines Schriftstellers, sondern um die eines Richters aus Virginia geht, der seine Karriere in Washington …mehr
Autorenporträt
Brad Parks ist ein amerikanischer Schriftsteller, der als Einziger die drei wichtigsten amerikanischen Krimi-Preise Shamus, Nero und Lefty erhalten hat. Er arbeitete lange Jahre als Journalist bei der »Washington Post«, bevor er sich ganz dem Schreiben widmete. Der Autor lebt mit seiner Familie in Virginia.
Interview mit Brad Parks zu "Nicht ein Wort"

Ihr neuer Roman lebt unter anderem von häufigen Wechseln der Erzählperspektive. Was reizt Sie an dieser Technik?

Brad Parks
: Verschiedene Blickwinkel versorgen eine Geschichte mit Energie. Sie führen die Leser aus der Komfortzone und lassen sie fragen: "Okay, was ist denn jetzt los?" Diese Technik erlaubt einem Geschichtenerzähler, ein wenig zu tricksen. Ich kann den Lesern Informationen vermitteln, an die der Protagonist niemals gelangen würde - letztlich, um dem Leser einen Vorsprung gegenüber den Charakteren zu geben. Das kanneine Spannung erzeugen, die ein Buch wirklich vorantreibt.

Es kann den Leser aber auch beruhigen. Etwa, wenn Sie in "Nicht ein Wort" den Leser wissen lassen, wie es den entführten Kindern geht, während die Eltern im Ungewissen bleiben.

Brad Parks
: Im ersten Entwurf dieses Romanskamen die Kinder gar nicht weiter vor. Es stellte sich aber heraus, dass ihre Anwesenheit sehr fehlte. Ihr Leben steht auf dem Spiel, und ich habe gespürt, dass sie auftauchen mussten, zumindest ein bisschen. Warum sollte einen ihr Schicksal kümmern, wenn man sie nie zu Gesicht bekommt?

Woher wissen die Leser, dass der Icherzähler die Wahrheit sagt? Ist das überhaupt wichtig?

Brad Parks
: Sie wissen es nicht. Vielleicht lügt er, vielleicht nicht. Ist das nicht auch Teil des Spaßes bei einem Thriller? Um den zweiten Teil der Frage zu beantworten: Ich denke, am wichtigsten ist, dass jeder Charakter sich selbst treu bleibt. Ich denke an "Gone Girl"...

Ein Roman von Gillian Flynn, der mit Ben Affleck und Rosamund Pike auch verfilmt wurde ...

Brad Parks
: Er wurde hier in Amerika viel gelesen. Da hat eine Frau ihrem Mann etwas angetan, dasnachweislich verrückt ist. Aber was passiert? Wenn der Leser ihr später begegnet, stellt sich heraus, dass sie tatsächlich verrückt ist. So funktioniert es. Die Leser verzeihen einem Buch nahezu alles, solange die Charaktere in sich stimmig sind.

Ihr Icherzähler ist ein Richter. Hatten Siebereits in Ihrer Zeit als Journalist Interesse an diesem Beruf?

Brad Parks
: Ich bin seit Langem vom Rechtswesen fasziniert und insbesondere von Richtern. In Krimis kommen sie meistens als unergründliche Charaktere vor, die ihre Urteile von oben herab fällen und dann einfach verschwinden.Mit "Nicht ein Wort" wollte ich das Herz zeigen, das unter der Robe schlägt.

Wie sind Sie bei der Recherche vorgegangen?

Brad Parks
: Ich habe viel Zeit mit einem Bundesrichter verbracht. Damit er oder sie sich mir wirklich öffnen kann, ohne Konsequenzen befürchten zu müssen, habeich unbedingte Anonymität versprochen. Besonders bemerkenswert schien mir, wie stark er oder sie mit den Leuten im Gerichtssaal mitfühlte. Sogar mit den Kriminellen. Kein Fall wurde als Routine betrachtet, jedes Urteil gewissenhaft abgewogen. Ich hoffe, dass ich diesen Eindruck in "Nicht ein Wort"vermitteln konnte.

In Ihrer Beschreibung des Richters kommt hin und wieder auch Kritik am Justizwesen durch. Was sollte sich Ihrer Meinung nach ändern?

Brad Parks
: Wir haben diese eigenartige Sache in Amerika, die wir den "Krieg gegen Drogen" nennen. Wir führen ihn seit den frühen1970er-Jahren. Generationen von Politikern haben Drogen als kriminelles Problem behandelt. Sie sind es nicht. Sie sind ein Gesundheitsproblem. Drogenabhängige brauchen Therapie, kein Gefängnis. Richter, die an der Front dieses "Krieg gegen Drogen" stehen, sind besonders frustriert, weil sie dieselben Angeklagten immer wieder in ihren Gerichtssälen sehen und sie wissen, dass es das eigentliche Problem nicht löst, sie immer wieder ins Gefängnis zu schicken.

In "Nicht ein Wort" werden Kriminelle unbemerkt von einer Handykamera gefilmt. Was heißt es für Sie als Krimiautor, dass heute fast jeder ein Smartphone dabeihat? Ist das inspirierend oder auch ein Nachteil?

Brad Parks
: Es ist auf jeden Fall eine Herausforderung. Es ist immer wieder amüsant zu sehen, welche Anstrengungen Krimiautoren unternehmen, ihre Protagonisten und deren Smartphones auch mal voneinander zu trennen. Manchmal frage ich mich, was wohl Agatha Christie getan hätte, wenn Miss Marple ständig Videoaufnahmen des Mörders überreicht worden wären. Aber darin stecken auch neue Möglichkeiten. Ohne zu viel zu verraten, gibt es in "Nicht ein Wort" auch eine Figur, die mithilfe von Handyaufnahmen andere Charaktere in die Irre führt. So oder so, wir leben jetzt in einer Smartphone-Welt. Wir müssen eben das Beste daraus machen.

Sind Sie glücklich, wenn Sie einen Roman beendet haben?

Brad Parks
: "Glücklich" will ich nicht sagen. "Erschöpft" wäre ein besseres Wort. Mir fällt es schwer,loszulassen. Wenn ein Buch fertig ist, habe ich viel Zeit mit diesen Leuten verbracht. Ich vermisse sie, wenn sie weg sind.

Interview: Literaturtest 2018