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The Girl Before
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Der Spuk im Kopf



Häuser, in denen es nicht mit rechten Dingen zugeht und die ein unheimliches Eigenleben zu führen scheinen, üben seit jeher eine starke Faszination aus. In der Literatur und im Kino wimmelt es von solchen Gemäuern, deren vermeintlicher Spuk in der Regel nicht weiter ist als eine Projektion des traumatisierten oder boshaften Innenlebens der jeweiligen Bewohner. Auch der englische Autor JP Delaney, der unter Pseudonym schreibt, wählt für seinen Thriller "The Girl Before - Sie war wie du. Und jetzt ist sie tot." (Penguin) ein Haus als zentralen Ort für eine Geschichte, die Fans von Büchern wie "Gone Girl" oder Hitchcock-Filmen wie "Vertigo" begeistern wird. Dieses Haus, das sich in der 1 Folgate Street in einem schicken Londoner Stadtteil befindet, ist allerdings keines dieser jahrhundertealten Herrenhäuser, in denen Spinnennetze in den Ecken hängen, Dielen knarren und Geister umgehen. Vielmehr handelt es sich um ein sehr modernes Haus, das nach aller Kunst der geometrischen und minimalistischen Architektur und technologischen Finesse gestaltet wurde. "Von innen ist das Haus durchgestylt wie eine Galerie. Einfach wunderschön." So beschreibt eine der beiden Protagonistinnen ihr neues Zuhause.

Erzählt wird die Geschichte zweier Frauen: Jane und Emma. In sich abwechselnden Kapiteln wird der Leser in eine hypnotisch und dramaturgisch souverän aufbereitete Handlung hineingezogen, die ihre ganze Spannung zunächst schleichend und erst zum Ende hin mit voller Wucht entfaltet. Jane versucht nach einem Schicksalsschlag einen Neuanfang. Das mysteriöse Haus wird ihr neues Heim - und das, obwohl sich der Vermieter, der gleichzeitig der Architekt des Baus ist, eine Liste von 200 Geboten und Verboten als Bedingung für das Zustandekommen eines Mietvertrages ausgedacht hat. Der Vertrag verlangt von der Bewohnerin ein nahezu asketisches Leben, sprich: keine Bücher, keine Bilder, keine Zimmerpflanzen, keine Teppiche, keine …mehr
Autorenporträt
THE GIRL BEFORE ist der erste Psychothriller JP Delaneys. Zuvor veröffentlichte Delaney unter anderen Namen bereits einige Romane, die die Bestsellerliste eroberten. THE GIRL BEFORE erschien im Januar 2017 in insgesamt 40 Ländern. Die Verfilmung durch den bekannten Hollywood-Regisseur Ron Howard ist bereits in Planung.

Interview mit JP Delaney



Die zentrale Idee der Geschichte in Ihrem Thriller kreist um ein minimalistisch gestaltetes Haus, das einen Besitzer hat, der nur Mieter akzeptiert, wenn sie sich zu bestimmten Regeln bekennen. War Ihnen daran gelegen, die Sehnsucht des Menschen nach totalitären bzw. autoritären Regeln zu erforschen, was ja auch in Anbetracht der Renationalisierung der Politik in vielen Staaten ein sehr aktuelles Thema ist?

JP Delaney: Ja, das ist aktuell. Aber ich denke, dass das Thema zeitlos ist. Menschen mögen den Gedanken, dass da ein System ist, eine Methode oder eine Disziplin, das/die alle ihre Probleme lösen und die Löcher in ihren Herzen füllen kann. In diesem Fall ist es dieses minimalistische Haus, aber es hätte genauso gut ein Kult oder ein anspruchsvoller Job sein können. Einer meiner Charaktere realisiert schließlich auch, dass man seine Umgebung leeren und von allem Überflüssigen befreien kann, was aber nichts daran ändert, dass das Chaos in deinem Kopf womöglich bleibt.

Warum haben Sie sich für zwei weibliche Charaktere für die zentrale Geschichte entschieden?

JP Delaney: Es ist, nehme ich an, ungewöhnlich, wenn man eine männliche Obsession aus weiblicher Perspektive beschreibt. Ich denke, wenn man es ganz allgemein betrachtet, kann man sagen, dass Frauen viel besser ihre Gefühle ausdrücken können als Männer, was für den Leser sehr hilfreich ist - und einfacher für den Schreiber. Das ist vielleicht ein Grund, warum Actionthriller häufig männliche Protagonisten haben und Psychothriller eher weibliche.



Könnten Sie erzählen, wie die Idee zum Buch entstanden ist und wie lange es gedauert hat, sie zu entwickeln und aufzuschreiben?

JP Delaney: Ich kann mich nicht wirklich daran erinnern, wann dieses Haus sich zum ersten Mal in meine Gedanken geschlichen hat. Das liegt teilweise daran, dass ich das Buch bereits vor 15 Jahren begonnen habe. Ich war immer ein Fan von Spukhäusern. Und meine Idee modernisiert diese Tradition in gewisser Weise, indem ich ein unheimliches, modernes Haus benutze anstelle eines von diesen alten und maroden Herrenhäusern. Damals gelang es mir nicht, die Handlung zum Laufen zu bringen, obwohl ich sehr hart daran gearbeitet hatte. Letzten Endes habe ich das Buch zur Seite gelegt und habe etwas anderes geschrieben. Da dieses andere Buch recht erfolgreich wurde, erhielt ich einen Vertrag für eine Serie. Und jedes Mal, wenn ich ein Buch dieser Serie beendet hatte, bin ich zu jener Geschichte mit dem Haus zurückgekehrt und habe daran weitergearbeitet.

Ich erinnere mich,wie aufgedreht ich war, als ich an der zwanzigsten Version gearbeitet habe. Denn plötzlich traf ich auf das Narrativ, das zum Erfolg führte. Dieses basiert auf der Idee, dass sexuell motivierte Täter eine Signatur haben oder eine Vorgehensweise - sie mögen es, bestimmte Details des letzten Mordes sehr genau im nächstenMord zu wiederholen - genau wie ein Schreiber, der sein Buch umarbeitet. Mir ging es darum, zwei Frauen zu zeigen, die in einer Story gefangen sind, die sich wiederholt und über welche die Frauen keine Kontrolle haben. Das Aufschreiben der Handlung gestaltete sich als sehr komplex, weil ich bei jeder Szene in der Zeit vor- und zurückspringen musste.

Ihr Thriller wurde in vielen Ländern zu einem Bestseller. Der Film zum Buch wird von Ron Howard gedreht. Hand aufs Herz: Hatten Sie das Gefühl, dass die Geschichte zu einem Hit werden könnte, als Sie diese Ihrer Agentin vorstellten?

JP Delaney: Ich war immer davon überzeugt, dass meine Idee ungewöhnlich und originell ist. Und ungewöhnliche Ideen sind schließlich selten im Leben eines Schriftstellers. Also versuchst du, dieser Idee schreiberisch gerecht zu werden. Aber ich hatte auch schonandere originelle Ideen, die sich aber sehr schlecht verkauft haben. Du musst also zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein.

Aber die Reaktion auf diesen Thriller war sicherlich außergewöhnlich. - Fünfzig Seiten sind damals auf der Frankfurter Buchmesse rumgegangen, und innerhalb von 24Stunden hatten wir Angebote aus 35 Ländern für das Manuskript. Das Buch steht in Großbritannien immer noch auf der Bestsellerliste, drei Monate nach Veröffentlichung. Zwei Monate war es in den USA auf den Bestsellerlisten. Das habe ich ganz sicher nicht erwartet, aber - und das leugne ich nicht - ich genieße das alles sehr.

Psychothriller sind zurzeit sehr erfolgreich. Haben Sie eine Erklärung dafür?

JP Delaney: Ein Grund ist, dass Verlage seit "Gone Girl" erkannt haben, dass Charaktere in diesem Genre - im Speziellen weibliche Charaktere - nicht nur einfach "sympathisch" oder "lebhaft" sein müssen, sondern komplex, nuanciert, verwirrt und faszinierend sein können. Alle Schreiber schulden Gillian Flynn ein großes "Dankeschön" für den Anstoß dieser Entwicklung. Und dieses Genre kollidiert nun mit einer fundamentalen Frage in Zeiten des Internets: Wie gutkennen wir die Menschen, die wir lieben, wirklich?

Sie arbeiten als Direktor oder Direktorin einer Marketingfirma in England. Wann finden Sie dann überhaupt noch Zeit zu schreiben?

JP Delaney: Meinen Job mache ich drei Tage die Woche. Dann schreibe ich drei Tage undhabe einen freien Tag. Manchmal schreibe ich auch an diesem freien Tag.

Sie haben bereits unter anderen Namen zahlreiche Bestseller geschrieben. Warum haben Sie sich entschieden, Ihre Arbeiten unter unterschiedlichen Pseudonymen zu veröffentlichen?

JP Delaney: Ich tummele mich liebend gern in unterschiedlichen Genres. Es wäre für den Leser verwirrend, wenn er ein bestimmtes Buch in dem Glauben in die Hand nimmt, dass der Name eine bestimmte Art von Geschichte garantieren würde. Dass ich meinen Namen nicht preisgebe, soll aber kein großes Geheimnis darstellen.

Arbeiten Sie unter dem Pseudonym JP Delaney bereitsaneinem neuen Projekt?

JP Delaney: Das ist in der Tat so. Und ich habe bereits eine Idee für ein drittes Buch. Aber ich kann noch nicht verraten, worum es gehen wird. Denn dann könnte ich die Geschichte erst gar nicht niederschreiben.