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Under Ground
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"Under Ground" - Gefangen im Luxus

"Sarita schlägt die Augen auf, sieht aber immer noch nichts." Schon der erste Satz des Prologs des Romans "Under Ground" des südafrikanischen Autorenteams S. L. Grey führt direkt in die klaustrophobische Welt des "Sanctum", eines luxuriös ausgestatteten Katastrophenbunkers. Während die Welt draußen von einer tödlichen Grippeepidemie heimgesucht wird und schreckliche Bilder von Leichensäcken und Verkehrsstaus, von Panik und Chaos in der Öffentlichkeit kursieren, findet sich eine Gruppe Flüchtender in diesem vornehmen Refugium für die Reichen und Paranoiden zusammen, abgelegen zwischen Wäldern und Wiesen in Maine, um das Ende der Krise abzuwarten.

Es ist eine illustre Gemeinschaft, die sich in der unterirdischen Sicherheitsanlage versammelt hat. Da ist der geheimnisvolle, leicht passiv-aggressive Tyson, ein verwitweter amerikanischer Millionär, mit seiner kleinen Tochter Sarita und dem südafrikanischen Au-pair Cait. In der Etage unter ihnen wohnt eine koreanisch-amerikanische Familie - die Zahnärztin Stella, ihr Mann Yoo-jin und der hilfsbereite Sohn Jae-Lin, der ein begeisterter "Gamer" ist. Gleich nebenan leben die Guthries, richtige "Hinterwäldler"; Vater Cam und Sohn Brett sind sturköpfige Waffennarren, Tochter Gina befindet sich ständig im Konflikt mit ihrer fanatisch-religiösen Mutter. Unter ihnen wohnen Victoria und James Maddox, ein reiches Anwaltspärchen, Snobs aus Boston, sowie die Dannhausers - Caroline und Leo, ein älteres Paar mit seiner Tochter Trudi, 42 Jahre, einer gescheiterten Primaballerina. Fünf Familien, die sich diesen teuren Zufluchtsort leisten können, sowie der Besitzer des Sanctum, Greg Fuller, und dessen Bauleiter Will Boucher müssen ab sofort auf engstem Raum miteinander auskommen.

Dass das nicht gut gehen kann, wird schnell klar. Freuen sich die Flüchtenden anfangs noch, Schutz gefunden zu haben, zeigt das Miteinander schon bald erste Risse, vor …mehr
Autorenporträt
Grey, S.L.Hinter S. L. Grey verbergen sich die Bestsellerautoren Sarah Lotz und Louis Greenberg. Beide Autoren leben in Südafrika, Sarah in Capetown, Louis in Johannesburg. Als S. L. Grey beschäftigen sie sich mit der Frage, was passiert, wenn der Mensch in Extremsituationen geworfen wird.Schönherr, JanJan Schönherr, geboren 1979 in Weingarten, lebt in München und übersetzt aus dem Englischen, Französischen und Italienischen. Für seine Übersetzungen wurde er bereits mehrfach ausgezeichnet, u.a. 2016 mit dem Bayerischen Kunstförderpreis in der Sparte Literatur.

Unsere Angst ist überall - Die Entstehung von "Under Ground"



S. L. Grey: Das ist das Autoren-Pseudonym, unter dem Louis Greenberg und ich, Sarah Lotz, uns sorichtig austoben können. Wenn wir für unsere S. L. Grey-Romane recherchieren, legen Louis und ichgerne Sonderschichten ein. Für unseren nächsten Roman The Apartment etwa haben wir dieSchattenseiten von Paris erkundet - eine interessante Aufgabe. Als wir hingegen für Under Groundrecherchiert haben, mussten wir nirgendwo anders hingehen - erschreckenderweise.

Wir hatten gerade erste Ideen und Charaktere für Under Gound ausgearbeitet, als mein EhemannCharlie und ich um halb drei Uhr nachts von vier maskierten Männern, die mit Messern bewaffnet anunserem Bett standen, unsanft geweckt wurden.

Charlie war nach einem schweren Motorradunfall gerade erst aus demKrankenhaus entlassen wordenund konnte nur tatenlos zuhören, wie meine Tochter Savannah und ich durch unser kleines Landhausgezerrt wurden und die Wertgegenstände, die wir besaßen, auf Befehl hin zusammensuchen mussten.Ich werde nicht ins Detail gehen, was diese Nacht betrifft, außer dass wirruhig blieben und physischunbeschadet, wenn auch traumatisiert. Falls Sie auch nur das geringste über die Kriminalitätsrate inSüdafrika wissen - das Erbe von Jahrzehnten der Unterdrückung und Korruption -, werden Sie auchwissen, dass Einbrüche hier keine Seltenheit sind.

Die Polizei hatte keine große Hoffnung, die Täter zu schnappen. Wohl aber teilte man uns mit, dass dieVerbrecher mit hoher Wahrscheinlichkeit zurückkommen würden.

Wir verstärkten unsere Sicherheitsvorkehrungen, aber da unser Haus sehr abgeschieden liegt, gab esnicht viel mehr, was wir hätten tun können; außer vielleicht, es mit einem Käfig zu umgeben oder einenBurggraben auszuheben.

Freunde rieten uns, für eine Weile auszuziehen, aber ich weigerte mich stur, mich aus meinem Zuhausevertreiben zu lassen. Wir saßen nächtelang wach, horchten nach ungewöhnlichen Geräuschen,umklammerten Alarmknöpfe und provisorische Waffen. Trotz dieses paranoiden Verhaltens glaubte ichnicht wirklich, dass die Gang zurückkommen würde. Ich lag falsch. Ein paar durchwachte Nächte späterging der Alarm los und wir sahen draußen in der tiefen Dunkelheit gebückte Gestalten in den Büschenan der Seite des Hauses lauern. Dieses Mal schafften sie es nicht, hereinzukommen.

Ein paar Nächte darauf kamen sie wieder. Sie kamen wieder nicht rein, aber wir konnten so nicht mehrlange weitermachen. Wegen des Schlafentzugs konnte ich nicht schreiben, ich hatte Deadlines zuerfüllen und enttäuschte eine Menge Leute. Charlie bearbeitete gerade ein paar rechtlicheAngelegenheiten für eine Security-Firma, und als er ihnen von unserer Notlage erzählte, boten sie an,uns einen ihrer Kerle auszuleihen, der nachts bei uns auf Patrouille gehen würde.

Wir sagten zu. Am nächstenTag kam der Kerl(der Jonathan hieß) vorbei. Er zeigte uns seinhochmodernes Waffenarsenal.

Dank Jonathan und ein paar starken Angsthemmern stürzte ich mich wieder in die Arbeit. Under Ground spielt im Sanctum, einem Luxus-Bunker; ironischerweise genau die Art von Ort, an demich mich nach dem Einbruch gerne verschanzt hätte. Plötzlich wurde mir klar, dass es keinen Ort auf der Welt gibt, an dem du wirklich sicher bist.

In Under Ground geht es um eine ungleiche Gruppe Paranoider, die fliehen, als sich ein tödliches Grippe-Virus in Amerika ausbreitet. Siealle haben ihr Geld ins Sanctum investiert. Also begeben sie sich in die scheinbare Sicherheit hinter der wolframverstärkten Einstiegsluke und den luftdicht versiegeltenWänden, nur um zu erkennen, dass die Gefahr im Inneren des Bunkers viel schlimmer ist als das Virusdraußen. Schon bald nämlichsind sie eingeschlossen - mit einem Killer und mit ihren eigenen Ängsten.Louis und ich beendeten den Roman und mein Trauma verschwand langsam. Zurückblickend war dasGanze eine ziemlich seltsame, aber letztlich auch eine glückliche Erfahrung. Aus meinen Ängsten wurdeUnder Ground geboren. Wie eine unserer Figuren sagen würde: Wenn das Leben dir Zitronen gibt, machHandgranaten daraus

Sarah Lotz