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Eisenberg / Rachel Eisenberg Bd.1
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Wenn ein Albtraum real wird ...

Andreas Föhr gehört im deutschsprachigen Raum schon lange zu den Krimi-Bestsellerautoren. Seine Krimis wie "Wolfsschlucht", "Karwoche", "Totensonntag" oder "Der Prinzessinnenmörder" verkaufen sich fantastisch. Die Leser lieben Clemens Wallner, den korrekten und höchst kälteempfindlichen Leiter der Kripo Miesbach, und den krachledernen Anarcho und Polizeiobermeister Leonhardt Kreuthner und dessen kriminelles Potenzial. Föhrs neuer Kriminalroman allerdings ist kein neuer Fall für Wallner und Kreuthner.

Andreas Föhr geht in "Eisenberg" neue Wege. München löst die oberbayerische Provinz als Schauplatz ab und die Hauptfigur heißt Dr. Rachel Eisenberg. Die erfolgreiche Strafverteidigerin lebt und arbeitet in München und betreibt die Kanzlei "Eisenberg & Partner" mit ihrem Exlebensgefährten Sascha. Die gemeinsame Tochter Sarah lebt bei Rachel. Andreas Föhr spricht bei "Eisenberg" von einem "Gerichtskrimi" - und es ist einer, der es wirklich in sich hat. Denn Rachel Eisenberg erlebt einen Schock, als sie als Anwältin eines vermutlichen Frauenmörders ihren Mandanten zum ersten Mal besucht. Denn sie kennt diesen Mann, diesen nun obdachlosen Mann. Sie hat mit ihm zusammengelebt, ihn geliebt.

"War Heiko Gerlach, der Mann, den sie vor achtzehn Jahren geliebt und geküsst hatte, nachts wie ein Tier über eine Frau hergefallen? Hatte er sie umgebracht und anschließend die Leiche verstümmelt? War das denkbar? Eigentlich nein. Ein Restzweifel blieb. Rachel schob diese Gedanken beiseite und ging zur Anwaltsroutine über."

Warum lebt Heiko nun als Obdachloser und kann es wirklich sein, dass er den Flauchermord begangen hat? Den Mord, über den alle schreiben und sprechen, den grausigen Mord an der 19-jährigen Johanna Mend. Der Täter hat Johanna die Hände abgeschnitten und an den Kopf genagelt ... Das kann nicht sein, es darf …mehr
Autorenporträt
Andreas Föhr, Jahrgang 1958, gelernter Jurist, arbeitete einige Jahre bei der Rundfunkaufsicht und als Anwalt. Seit 1991 verfasst er erfolgreich Drehbücher für das Fernsehen, mit Schwerpunkt im Bereich Krimi. Zusammen mit Thomas Letocha schrieb er u.a für 'SOKO 5113', 'Ein Fall für zwei' und 'Der Bulle von Tölz'. Für seinen Debütroman 'Der Prinzessinnenmörder' ist Andreas Föhr mit dem begehrten Friedrich-Glauser-Preis ausgezeichnet worden.Andreas Föhr lebt bei Wasserburg.
Interview Andreas Föhr

Die Abendzeitung schrieb einmal, dass Sie daran "basteln", der "Henning Mankell der bayerischen Heimatkrimis zu werden". Gefällt Ihnen dieser Vergleich und sehen Sie sich selbst auch als "Heimatkrimiautor"?

Andreas Föhr: Mankell ist einer der ganz Großen des Spannungsgenres und viele seiner Romane spielen in der schwedischen Provinz - wie meine in der bayerischen. Insofern fühle ich mich durchaus geehrt. Und natürlich bin ich Heimatkrimiautor, denn meine "Tegernsee"-Krimis spielen auf dem Land und ich lasse einige Figuren Dialekt sprechen. Andererseits: Unter Heimatkrimi wird so vieles geführt, dass der Begriff eigentlich kaum etwas definiert. Für viele Krimileser bedeutet er leider, dass es in diesen Romanen mehr um Heimat und Humor geht als um Krimispannung. Das ist vielleicht bei einigen so, aber nicht bei allen. Insofern habe ich bei "Heimatkrimiautor" gemischte Gefühle.

Die Leser lieben Kommissar Wallner und seinen anarchischen Polizeikollegen Kreuthner. Bei Letzterem ist nie ganz klar, was er mit seinem beachtlichen kriminellen Potenzial eigentlich bei den "Guten" will ... Ob "Wolfsschlucht" oder "Totensonntag", "Schafkopf" oder "Karwoche" - Sie gehen diese Reihe sehr deftig bajuwarisch an. Was lieben Sie an Bayern und was eher nicht?

Andreas Föhr: Ich liebe an Bayern das südlich-entspannte Lebensgefühl (zu dem durchaus auch das Schickeria-München gehört), die Nähe zu den Alpen und Italien und einen bestimmten anarcho-bayrischen Humor. Negatives sollte man, finde ich, nicht pauschalisieren. Das wird der Sache meistens nicht gerecht.

Mit "Eisenberg" starten Sie eine neue Reihe um die Hauptfigur Dr. Rachel Eisenberg. Die Anwältin, 40 Jahre alt, lebt getrennt, ihre pubertierende Tochter Sarah wohnt bei ihr. Warum war es für Sie an der Zeit für Dr. Eisenberg?

Andreas Föhr: Aus zwei Gründen: Ich wollte schon lange einen Anwaltskrimi schreiben. Der Gerichtsroman wird in Deutschland leider so gut wiegar nicht gepflegt. Jedenfalls kenne ich im Romanbereich niemanden, der Gerichtskrimis schreibt. Dabei gehört das Genre für mich zu den spannendsten überhaupt. Kommt hinzu, dass ich als Jurist eine besondere Affinität zum Thema habe. Der zweite Grund war, dass ich auch mal was anderes als einen Heimatkrimi schreiben wollte. So sehr Wallner und Kreuthner Spaß machen - man braucht auch als Autor gelegentlich Abwechslung.

Der Verlag schreibt über " Eisenberg": "Jetzt hat der SPIEGEL-Bestsellerautor eine Figur geschaffen, die nicht nur sein juristisches Fachwissen teilt, sondern auch seinen Glauben daran, dass jeder, ob schuldig oder nicht, einen Verteidiger verdient, der ganz auf seiner Seite steht." Doch wie leicht sich so etwas schreibt oder sagt und wie schwer so etwas in der Realität sein kann, das bekommt Dr. Rachel Eisenberg in "Eisenberg" zu spüren. Denn sie kennt den Mann, den sie verteidigen soll. Was können Sie uns darüber erzählen?

Andreas Föhr: Das Thema "Ein Mensch, zwei Gesichter" hat mich schon lange fasziniert. Wenn man jemanden liebt, der plötzlich eines Verbrechens beschuldigt wird, dann ist das immer eine heikle Situation. Die erste Reaktion ist vermutlich: Das kann nicht sein. So was würde er/sie nie tun. Aber irgendwann kommen doch Zweifel und man fragt sich: Wie gut kennst du diesen Menschen wirklich? Sehr schön verarbeitet bei "Der Vorleser". In so eine Lage kommt auch meine Heldin Rachel Eisenberg. Ist der Mann, der einmal die Liebe ihres Lebens war, ein psychopatischer Mörder? Dass sie ihn auch noch verteidigen soll, macht die Sache zusätzlich kompliziert. Die Unschuldsvermutung gilt vor Gericht - aber auch im Herzen?

Ja, die Frage, wie gut wir unsere nächsten Menschen, unsere Kinder, Partner, Freunde kennen - und was wir ihnen und uns selbst zutrauen an Dunklem ...

Andreas Föhr: Ergänzend dazu: Über Zweifel und quälende Fragen hinaus gibt es noch einen weiteren Aspekt: Was, wenn der Mensch, den man liebt, bewiesenermaßen furchtbare Dinge getan hat? Istder Serienmörder der gleiche Mensch wie der liebende Vater, die KZ-Wächterin die gleiche Person wie die sanfte Geliebte? Bewirken Zeitablauf oder psychische Defekte, dass wir es mit zwei verschiedenen Menschen zu tun haben? Und wie komme ich als Betroffener damit klar? Verdrängen? Akzeptieren? Michabwenden? Da gibt es für einen Autor viel zu schreiben.

Sie haben "Eisenberg" vielschichtig angelegt. Das hält die Spannung hoch, nicht nur bei dem Fall um den mutmaßlichen Frauenmörder, sondern auch beim Schicksal zweier anderer Figuren: Leonora und Valentina aus dem Kosovo,Mutter und Tochter. Sie fliehen vor Blutrache und suchen in Deutschland Sicherheit. Doch die "Guten" werden zu "Bösen", niemandem ist zu trauen ... Wie schwer oder leicht fällt es Ihnen, dieses Dunkle sprachlich zu transportieren?

Andreas Föhr: Es fällt mir eher leicht, weil ich mich in solche bedrohliche Situationen gut hineinversetzen kann. Gut heißt: ins Detail bis hin zu Geräuschen und Gerüchen und dem, was jemandem in einem Zimmer auffällt, wenn er eigesperrt ist und weiß, dass der Tod näher rückt.

Wie recherchieren Sie für die Milieus, die in"Eisenberg" eine Rolle spielen, also z. B. die Juristenszene in München, das Leben der Obdachlosen, die Kosovo-Themen etc.?

Andreas Föhr: Vieles läuft heute natürlich übers Internet. Trotzdem muss man viel mit Leuten reden, die im Thema drin sind: Strafverteidiger, Staatsanwälte, Richter, Sozialarbeiter, Kripobeamte und manchmal auch einfach jemand von der Gemeindeverwaltung. Was man dadurch nicht recherchieren kann, ist z. B. die Atmosphäre und die Sprache in Justizkreisen. Das habe ich noch aus meiner beruflichen Vergangenheit mitgenommen.

Sie sind Jurist und haben u. a.als Anwalt gearbeitet. Welche Parallelen gibt es zwischen dieser Arbeit und der Arbeit eines Schriftstellers?

Andreas Föhr: Beides hat mit Sprache zu tun. Anwälte sind zwar nicht für ihr vorbildliches Deutsch bekannt. Es hilft aber durchaus, wenn Sie ineinem Schriftsatz einen Sachverhalt verständlich und ohne dass der Richter bei der Lektüre einschläft, erklären können. Wirklich gute Juristen schreiben im Übrigen auch gutes Deutsch. Wer unverständlich schreibt, hat meist selbst nicht verstanden, was er sagen will.

Was bedeutet Ihnen das Schreiben?

Andreas Föhr: Es ist, was ich immer wollte: das Erzählen von Geschichten zu meinem Beruf machen. Also: ein gelebter Traum.

Ihr liebstes Buch als Kind?

Andreas Föhr: Kater Mikesch.

WelcheBücher lesen Sie aktuell?

Andreas Föhr: Im Frühling sterben von Ralf Rothmann. Ein brillanter Stilist, der, wenn er nicht als Icherzähler agiert, nie direkt das Innenleben seiner Figuren beschreibt, sondern immer versucht, es durch andere Mittel erlebbar zu machen. Dasist für mich große Kunst.

Der goldene Handschuh von Heinz Strunk, der es schafft, einem das für Normalmenschen unbegreifbare Innenleben des Frauenmörders Fritz Honka näherzubringen. Auch das: großes Kino!

Interview: Literaturtest