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Feuermann
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Auf den dunklen Spuren der Liebe

Der norwegische Autor Torkil Damhaug brilliert auch in seinem dritten Thriller "Feuermann"

Ein Feuerteufel geht um in Lillestrøm, einer Kleinstadt in der Nähe von Oslo. Zuerst fällt ihm ein Pferdegestüt zum Opfer, dann ein Kindergarten. Aber es wird nicht der letzte Brandanschlag sein, der die Menschen im Jahr 2003 in Angst und Schrecken versetzt. Wer ist der Attentäter, was treibt ihn an, ihn, der mit den Bränden auch schmerzhafte Erinnerungen auslöschen zu wollen scheint? Der Thrillerautor Torkil Damhaug hat sich bereits mit seinen ersten beiden Büchern "Die Bärenkralle" und "Die Netzhaut" in die erste Reihe von Norwegens Autoren geschrieben, die es, wie beispielsweise Jo Nesbø, meisterhaft verstehen, tiefschichtig zu erzählen und den Nervenkitzel bis aufs Äußerste zu treiben.

Mit "Feuermann" erscheint nun Damhaugs dritter Roman in deutscher Übersetzung - er wurde 2011 in Norwegen veröffentlicht und dort von Presse und Publikum gefeiert. Unter anderem erhielt Damhaug für "Feuermann" den renommierten Riverton-Preis, mit dem jährlich Norwegens bestes krimiliterarisches Buch ausgezeichnet wird. Damhaug glänzt also auch in diesem Thriller wieder mit seinen Fähigkeiten, die ihn bekannt gemacht haben: eine originelle Handlung, psychologisch fein gedrechselte Charaktere und eine Sprache, die überzeugt.

Das Buch beginnt mit einer Vorgeschichte, die sich im vergangenen Jahrhundert in der pakistanischen Provinz zuträgt und die Geschichte eines Prinzen erzählt, der nach Norwegen auswandert und sich dort in ein junges Mädchen verliebt. Dann springt die Handlung in das Jahr 2003, in das Jahr, in dem der mysteriöse "Feuermann" sein Unwesen treibt. Neben den Brandanschlägen begleiten wir als Leser auch eine Liebesgeschichte: der achtzehnjährige Karsten verliebt sich in die gleichaltrige Jasmeen, die aus einer pakistanischen Familie stammt. Während Karsten ein rational …mehr
Autorenporträt
Torkil Damhaug, geboren 1958 in Lillehammer, studierte Medizin und Psychologie. Er arbeitete in Akerhus als Psychiater, bevor er sich ab 1996 dem Schreiben von psychologischen Thrillern widmete.

"Leute, die zwischen dem Rationalen und Irrationalen gefangen sind, beschäftigen mich."



Wenn man Ihre Bücher liest, bekommt man den Eindruck, Norwegen sei der düsterste Ort auf der Erde und voll von Leuten mit schweren Psychoproblemen ...

Torkil Damhaug: Natürlich ist es keine gute Idee, eine ganze Bevölkerung daran zu messen, was in einem Roman über sie geschrieben wird - vor allem, wenn es sich um Thriller oder Kriminalliteratur handelt. In Wahrheit also ist die Gesellschaft in Norwegen eine ziemlich friedfertige. Aber: Selbst anden friedlichsten Orten tragen die Menschen düstere Geheimnisse in sich ...

Die skandinavische Krimiliteratur kommt bei den deutschen Lesern sehr gut an. Haben Sie eine Idee, woran das liegen könnte?

Torkil Damhaug: Nun, es gibt seit Jahrhunderten eine enge Beziehung zwischen der deutschen und der skandinavischen Kultur. Skandinavische Autoren, Künstler oder Komponisten wurden immer mit großem Interesse vom deutschen Publikum aufgenommen. Und Deutschland fungierte als Türöffner für ein größeres internationales Publikum.

Was die skandinavischen Thriller anbelangt, die "Nordic noir", gibt es wohl verschiedenste Gründe für deren Popularität, die sich ja übrigens nicht nur auf Deutschland beschränkt. Da ist zum einen die Natur mit ihren weiten und nahezu unbewohnten Räumen. Klima und Natur tragen zu dieser ganz speziellen Melancholie des Nordens bei - und die kann auch eine emotionale Quelle für den Wunsch sein, Literatur zu schreiben. Zudem schaffen die nordischen Autoren diesen eigenen düsteren Ton, der ihre Krimis und Thriller auszeichnet. Eine andere Gemeinsamkeit der nordischen Länder sind ihre gut entwickelten Wohlfahrtssysteme. Unsere Gesellschaften sind für ihre Friedfertigkeit bekannt; dennoch gibt es viele unterschwellige Konflikte, die durch soziale und psychologische Instabilitäten verursacht werden. Ich denke, dass Geschichten unter solchen Umständen gut gedeihen - ruhig und verschlafen an der Oberfläche,darunter aber rauschen instabile Strömungen.

Ihr Buch "Feuermann" handelt von düsteren Dingen, die sehr aktuell in der norwegischen Gesellschaft sind: Rassismus und Nationalismus. Das Buch wurde 2011 veröffentlicht. Hat es bestimmte Debatten über rechte Tendenzen ins Rollen gebracht?

Torkil Damhaug: "Feuermann" wurde nur einige Wochen vor dem Terroranschlag in Oslo und auf Utøya fertiggestellt. In der Nachwirkung dieser tragischen Ereignisse konzentrierte sich die öffentliche Debatte auf rechte Gruppierungen und Personen, die ihre antimuslimischen Meinungen im Internet verbreiteten. Es war unvermeidlich, dass mein Buch ein Teil dieser Debatte wurde. Und ich hoffe, dass es eher zu einer komplexeren Sicht der Dinge beigetragen hat als zu einer Polarisierung.

Wie haben Sie für das Buch recherchiert? Haben Sie Mitgliedervon Pakistan-Gangs getroffen oder Neonazigruppen?

Torkil Damhaug: Meine Recherchen für "Feuermann" waren sehr umfangreich. Ich hatte schon vorher Kontakt zu Leuten aus den Pakistan-Gangs. Rechtsextreme Gruppen sind aktuell nur noch Randerscheinungen in Norwegen. Über diehabe ich vor allem im Internet recherchiert, dazu Interviews und die einschlägige Presse gelesen.

In dem Buch ist der achtzehnjährige Karsten eine der Hauptfiguren. Er denkt rational und kühl. Auf der anderen Seite: seine Teenagerliebe Jasmeen, die aus einer religiösen pakistanischen Familie stammt und eher der irrationalen Seite zugewandt ist. Wollten Sie diesen Konflikt zwischen dem Rationalen und Irrationalen in Ihrem Buch tiefer ergründen?

Torkil Damhaug: Leute, die zwischen dem Rationalen und Irrationalen gefangen sind, beschäftigen michin allen meinen Büchern. Wie Triebe, über die sich das Individuum nicht bewusst ist, Reflexionsfähigkeit und bewusste Prozesse wie moralisch motivierte Entscheidungen verdrängen - das interessiert mich. Kulturelle Differenzen und religiöse Überzeugungen können zu solchen Konflikten beitragen. Aber ich behaupte nicht, dass Religion unweigerlich Konflikte hervorbringt.

Liebe und die Erinnerung, die Liebe hervorbringt, wie auch der Schmerz, den sie verursachen kann, sind andere Themen des Buches. Unterschätzen wir die dunklen Kräfte der Liebe?

TorkilDamhaug: Den Begriff "Liebe" würde ich gern anwenden, wenn Leute uneigennützige Dinge tun und dabei ihre eigenen Interessen vergessen. Wenn sie also Gutes tun. Auf der anderen Seite entstehen starke Kräfte, wenn Individuen untereinander Aggression, Verlangen und Leidenschaft erleben. Diese Kräfte mögen der Ursprung von Kreativität sein, aber sie führen auch zu furchtbaren Handlungen. In der Fiktion kann man diese Kräfte erforschen. Sehr gute Romane können dazu beitragen, uns ein bisschen besser verstehen zu lernen.

Sie haben als Psychiater gearbeitet. Führt nicht unerfüllte oder fehlgeleitete Liebe zu Neurosen und Krankheiten?

Torkil Damhaug: Nicht selten findet man heraus, dass Patienten mit psychiatrischen Problemen in der Umgebung, in der sie aufgewachsen sind, Opfer von Grenzverletzungen waren. Besonders tragisch ist es, wenn manvon denen verletzt wird, von denen man eigentlich beschützt werden sollte. Das kann einen sehr tiefen und langanhaltenden Effekt haben. Aber solche Grenzverletzungen "fehlgeleitete Liebe" zu nennen, ist zweifelhaft. In meinem letzten Buch "Die Netzhaut" sind Kinder, die Liebe suchen, das zentrale Thema. Ihre Suche trifft schließlich auf die Lust und das Verlangen von Erwachsenen.

Ihre Charaktere sind sehr komplex entwickelt. Hat Ihnen Ihre Erfahrung als Psychiater dabei geholfen?

Torkil Damhaug: Romane zu schreiben oder als Psychiater zu arbeiten,ist ziemlich unterschiedlich, aber es gibt auchgewisse Gemeinsamkeiten. Wenn Sie lange als Therapeut mit Menschen gearbeitet haben, die missbraucht wurden oder deren Leben bedroht wurde, oder mit solchen, die womöglich gemordet haben, bekommen Sie natürlich ein Verständnis von den vielfältigen psychologischen und physischen Auswirkungen von Gewalt. Aber für meine Patienten muss klar sein, dass das, was ich von ihnen erfahre, niemals in meinen Romanen auftaucht. Es gibt aber einige Techniken, die ich während meiner psychiatrischen Arbeit erlernt habe, die mir auch beim Schreiben helfen. Empathie ist in der Psychotherapie eine essenzielle Methode. Sie ist wichtig, um zu verstehen, wie andere Menschen, die ganz anders als man selbst sind, ticken, denken und handeln. Und diese antrainierte Empathie ist natürlich auch beim Schreiben sehr hilfreich, um zu verstehen, wie sich Charaktere in kritischen Situationen verhalten; in Situationen, die zu Gewalt oder sogar zu einem Mord führen können. Ich denke, ich fand die Möglichkeit schon immer faszinierend, etwas aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu betrachten, und als Autor habe ich dazu natürlich nun alle Freiheiten.

Ihre Bücher sind Thriller, aber eben keine mit blutigen Action-Plots, sondern literarisch und mit komplexer Handlung. Haben Sie nie Angst, den Leser damit zu überfordern?

Torkil Damhaug: Nicht im Geringsten. Den Leser zu unterschätzen, ist schlimmer als ihn zu überschätzen. Der Leser, der meine Bücher zu komplex findet, legt sie zur Seite und findet etwas anderes zum Lesen. Es ist nicht meine Ambition, Romane zu schreiben, die jedem gefallen. Den Leser, den ich erreichen will, ist der Leser, der während des Lesens reflektiert.

"Feuermann" ist das dritte Buch in einer Reihe, die den Jahreszeiten gewidmet ist. Warum haben Sie sich entschlossen, jedes Buch einer Jahreszeit zu widmen? Und warum beschäftigt sich "Feuermann" mit dem Frühling?

Torkil Damhaug: Die Idee mit den Jahreszeiten entstand, als ich "Die Netzhaut" geschrieben habe. Dieses Buch spielt im Winter. "Die Bärenkralle" wiederum ist im Herbst angesiedelt. Jede Jahreszeit bringt ein besonderes Gefühl in die Geschichte. Gleichzeitig fungiert sie als eine Metapher. Der Herbst bezieht sich auf die späten Etappen des Lebens. Der Winter bezieht sich aufdas, was tot und gefroren ist, und der Frühling auf das Erwachen von Leben. Feuer ist eine destruktive Kraft, legt aber auch den Grund für neues Leben. In der Serie gibt es auch Referenzen zu den vier Elementen: Luft, Feuer, Erde und Wasser. Der Frühling handelt also auch vom Feuer.

Sie haben diese Serie beendet, wobei das letzte Buch noch nicht in deutscher Übersetzung vorliegt. An was für einem Buch arbeiten Sie aktuell?

Torkil Damhaug: Ich arbeite an einem Roman, der gewisse Ähnlichkeiten mit dem "Jahreszeitenquartett" hat. Aber er unterscheidet sich in der Weise, wie die Geschichte erzählt wird. Wer weiß, vielleicht führt er mich in eine fünfte Jahreszeit ...

Interview: Ingo Petz für Literaturtest