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BLACKOUT - Morgen ist es zu spät
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Kampf dem gläsernen Menschen

Der Bestsellerautor Marc Elsberg nimmt es in seinem neuen Thriller "ZERO" mit den dunklen Machenschaften der digitalen Revolution auf.

Cynthia Bonsant ist nicht unbedingt das, was man einen Techniknerd nennt. Sie ist Journalistin bei der "London Daily", sie kann einen Computer bedienen und nutzt das Internet für ihre Arbeit. Aber wenn es um die Vertiefungen, Verstrickungen und Vernetzungen der digitalen Welt geht, muss die Heldin in "ZERO", dem neuen Thriller des österreichischen Bestsellerautors Marc Elsberg, passen.

Dem Hacker ZERO gelingt es, eine Kameradrohne bei einem Besuch des US-Präsidenten in Stellung zu bringen und so dessen Rede live ins Internet zu übertragen. Cynthia wird daraufhin von ihrem Chefredakteur beauftragt, mehr über diesen geheimnisvollen Hacker in Erfahrung zu bringen. Bei ihren Recherchen kommt sie schließlich auch mit der IT-Firma "Freemee" in Kontakt. Diese betreibt eine Internetplattform, auf der User ihre persönlichen Vorlieben, Fähigkeiten und Interessen kundtun können - und alle User werden in einem Ranking bewertet. Durch das Nutzen bestimmter werbefinanzierter Apps können diese persönlichen Daten, der aktuelle Rankingplatz, aufgewertet werden, indem man in bestimmte angesagte Clubs geht, indem man einen teuren Friseur besucht, seine Sprachfähigkeiten bei einem ausgesuchten Sprachkurs verbessert oder indem man in einem Luxushotel übernachtet. "Freemee" entfacht so einen Wettkampf, bei dem der User immer mehr persönliche Daten preisgibt. Mithilfe einer Datenbrille sind die Nutzer rund um die Uhr in der Lage, ihre Daten via Internet weiterzugeben, zu analysieren und zu verbessern.

"Freemee" - User-Daten als Munition für Manipulation

"Freemee" - ein Name, in dem sich bereits die zynischen Absichten des Unternehmens verbergen - gelangt so in den Besitz einer Unmenge von Daten, welche die Firma in …mehr
Autorenporträt

Marc Elsberg, mit richtigem Namen Marcus Rafelsberger, hat 2012 mit "Blackout" einen Energie-Thriller geschrieben, der lange, sehr lange auf den Bestsellerlisten stand. Kein Wunder, denn der Plot, den Elsberg präsentiert, ist beklemmend und betrifft uns alle. Stromausfall in ganz Europa, Terroristen haben die gesamte Energieversorgung lahmgelegt. Alles kollabiert. Allein die Vorstellung, länger als ein paar Stunden ohne Strom auskommen zu müssen, ist für viele schwer vorstellbar. Aber Tage, Wochen, Monate? Undenkbar! Und genau dieses Szenario schildert Elsberg detailliert.


Die Recherchen dafür waren langwierig, Elsberg hatte schließlich den Anspruch, dass die Auswirkungen des Ausfalls realistisch sein müssen. Und so las er sich ins Thema ein, sprach mit vielen Experten und machte die Erfahrung, dass diese sich sehr freuten, dass "ihnen endlich einmal jemand zuhört". Vorwürfen zu "Blackout", wie z. B. dass die Schilderungen absurd oder falsch seien, kann Elsberg besten Gewissens widersprechen. Eine Studie des Bundestages - sie wurde präsentiert, als Elsbergs Manuskript praktisch fertig war - kommt zu denselben Ergebnissen, wie wir sie in "Blackout" nachlesen können.


Das Extreme scheint Marc Elsberg zu faszinieren. Der 1967 geborene Wiener schrieb auch schon vor "Blackout" Krimis wie z. B. den in Hamburg spielenden "Das Prinzip Terz", in dessen Klappentext es heißt: "Ein neuer Typ von Ermittler betritt die Krimiwelt: Einer, der schlauer und gefährlicher ist als alle anderen. Marcus Rafelsberger entfaltet Schritt für Schritt ein Szenario von erschreckender Plausibilität." Der Hamburg-Krimi entstand natürlich auch in der Zeit, als Marcus Rafelsberger, alias Marc Elsberg, in Hamburg lebte. Acht Jahre waren es (1985-2003), in denen der Grafiker, Texter und Konzeptionist in verschiedenen Werbeagenturen an der Elbe arbeitete. Zuvor hatte er an der Hochschule für angewandte Kunst in Wien studiert, sich parallel bei einer Wiener Werbeagentur engagiert und zugleich noch Kolumnen für die österreichische Tageszeitung "Der Standard" geschrieben.


Seine vielfältigen Interessen - Politik, Wissenschaft, Gesellschaft - lebt Marc Elsberg sowohl als Autor als auch als Leser aus. Er liebt es zu lesen - das war schon als Kind so bei ihm. Jüngste literarische Lektüre: "Ein anarchistischer Bankier" von Fernando Pessoa. Schätzt er auch Thriller? Ja, aber nur, wenn sie ihm auch "etwas Neues über die Welt erzählen". Er und seine Frau sind gerne in Wiens Kulturszene unterwegs - gehen ins Theater, Konzerte oder ins Kino. Und woran arbeitet Marc Elsberg aktuell? Nun, leider ist so gut wie alles zum neuen Buch geheim. Einzige Informationen: Es wird wieder ein Thriller, und Elsberg greift in dem neuen Buch wieder ein aktuelles und brisantes Thema auf...

In einem Interview zu Ihrem Buch "Blackout" haben Sie gesagt, dass Sie sich bei den Vorbereitungen angeschaut hätten, wo die moderne Zivilisation am verletzlichsten ist. Dabei wären Sie auf die Themen Energie und Kommunikation gekommen. Das erste Thema haben Sie in "Blackout" mit einer Attackeauf die Stromversorgung verarbeitet. Das zweite ist Thema in Ihrem neuen Buch "ZERO". War Ihnen damals schon klar, dass Sie die Problematiken der virtuellen Vernetzung in einem Thriller thematisieren wollen?

Marc Elsberg: Ja, wobei ich in "ZERO" ganz andere Verletzlichkeiten undGefahren thematisiere als in "Blackout". In "ZERO" müssen die Hauptfigur Cynthia Bonsant und andere nach und nach erkennen, wie machtlos und manipulierbar sie in der modernen Welt geworden sind. Ihr Leben und das aller anderen liegt völlig in den Händen einiger weniger, sie sind wie Marionetten.

Hat Sie in diesem Zusammenhang die Enthüllung von Edward Snowden über die Spionage der NSA gewundert? Oder war dies ein Szenario, das Ihnen im Laufe Ihrer Recherchen als sehr wahrscheinlich vorkam?

Marc Elsberg: Spekuliert wurde zumindest in Fachkreisen über Derartiges ja schon lange. Wir dürfen außerdem davon ausgehen, dass die Entwicklungen inzwischen bereits viel weiter sind. Und dass die USA nicht die einzigen sind - viele der besten Programmierer sitzen in Russland und China.

Aber in "ZERO" geht es weniger um staatliche Überwachungsmethoden als um Unternehmen, welche die Technik nutzen, um sich Konsumenten gefügig zu machen. Ist es heute wirklich denkbar, dass eine einzige Firma wie "Freemee", die in Ihrem Buch eine zentrale Rolle spielt, die Tagesabläufe von Menschen und deren Zukunftsentscheidungen entscheidend beeinflussenkann? Ist diese Bedrohung tatsächlich so enorm?

Marc Elsberg: Ein Experiment zeigte schon vor einiger Zeit, dass Google Wahlen entscheiden könnte. Mit der Macht von Google und einigen anderen Onlineunternehmen erleben wir gerade die Entwicklung dorthin.

Wir haben längstdamit begonnen, Entscheidungen an Programme auszulagern. Wie kreditwürdig ich bin, entscheidet bei der Schufa längst kein Mensch mehr, sondern ein Algorithmus. In manchen US-Gefängnissen entscheiden bereits Programme, wer im Gefängnis vor die Bewährungskommission darf - oder nicht. Diesen Programmengewähren wir immer mehr Zutritt zu unserem Leben. Den Anfang der persönlichen Ratgeber machten Fitness-, Gesundheits- oder Zeitmanagementapps, aber es erscheinen immer mehr zu allen anderen Lebensbereichen - zum Beispiel für Schüler zum Lernen, für die Karriere und für das Finden von Lifestylecoaches.

Natürlich entscheiden - derzeit noch - letztendlich Menschen darüber, was diese Programme tun. Aber nicht die Nutzer, sondern die Entwickler. Die Nutzer folgen also den Entscheidungen und Empfehlungen der Programmierer - beziehungsweise jener, von denen die Programmierer bezahlt werden.

Es klingt so, als würden Sie nicht an die Lernfähigkeiten und den Willen zur Selbstbestimmung des Menschen glauben. Sind wir den digitalen Machenschaften und den Algorithmen wirklich ausgeliefert? Sehen Sie eine Möglichkeit, wie man es schafft, die über Jahrhunderte errungenen Freiheiten des Menschen auch im Internet zu erhalten und zu schützen?

Marc Elsberg: Doch, ich glaube an beides. Aber diese Programme vereinfachen schlicht das Leben in einer komplizierten Welt. Das macht sie so attraktiv. Das ist per se auch gar nichts Schlechtes. Die entscheidendeFrage ist, wer die Regeln kennt und bestimmt, nach denen sie funktionieren. Wer die Macht über die Programme hat, hat die Macht über die Menschen, die diese benutzen.

Wobei es, wie gesagt, nicht nur um das Internet geht. Wie die Hauptfigur in "ZERO", Cynthia Bonsant, irgendwann begreift, ist auch derjenige, der nicht surft oder bei Facebook postet, schon heute dank Bank- und Kundenkarten, Handy, GPS im Auto und vielen anderen Techniken durchschaut und sein Verhalten vorhersagbar. Und selbst wer auch diese Mittel nicht benutzt, etwa Angehörige der älteren Generation, ist durch seine sozialen Verbindungen mit jenen, die sie benutzen, gut analysierbar. Das Argument "Mich betrifft das nicht, weil ich das alles nicht benutze!" ist leider eine Illusion.

Die weibliche Hauptperson Ihres Romans, die Journalistin Cynthia Bonsant, scheint eine Hoffnung in sich zu tragen. Und zwar die, dass die Menschen trotz allem schnell lernen können und daraus die richtigen Schlüsse für ihr Verhalten in Bezug auf Paybackkarten, Navigationssysteme, Facebook etc. ziehen können. Haben Sie sich Cynthia so gedacht?

Marc Elsberg: Cynthia ist eine von uns. Sie hatvon diesen Entwicklungen der letzten Jahrzehnte mitbekommen, dass sich die Bedienoberfläche ihres Handys verändert hat, von einer Wählscheibe über Tasten zum Touchscreen. Die viel wichtigeren Veränderungen haben sich aber unter dieser Oberfläche abgespielt - so wie sich unter der Puppenhaut die Raupe zum Schmetterling verwandelt. Sie haben Cynthia aber nicht interessiert - weil sie auf den ersten und oft auch den zweiten Blick nicht zu erkennen sind. Bis die Auswirkungen plötzlich mit voller Wucht in ihr Leben brechen.

Diese Cynthia ist nicht besonders technik- und internetaffin. Schimmert da auch eine Eigenschaft von Ihnen selbst durch?

Marc Elsberg: Ich kann weder löten noch programmieren, aber ich verfolge die Entwicklungen mit großer Neugier und mache mir Gedanken über ihre Auswirkungen - die negativen wie die positiven. Den Technik-/Internetteil der Medien lasse ich beim Lesen oder Sehen nicht aus, im Gegenteil. Entscheidend dabei ist aber nicht die Technik, sondern das, was die Menschen mit ihr machen - oder was die Technik mit den Menschen macht.

Im Buch gibt es die Hackergruppe "Zero", die durch spektakuläre Aktionen versucht, aufdie Gefahren des Datensammelns und der digitalen Technisierung aufmerksam zu machen. Das Unternehmen "Freemee" versucht, diese Gruppe zu kriminalisieren und spannt dafür die Medien und die Politik ein. Es scheint, als hätten Sie ein Herz für junge Hacker entwickelt, die sich politisch engagieren. Ist das so?

Marc Elsberg: Ich habe mit Hackern gesprochen und finde manche ihrer Aktionen auch gut. Viele sind aber auch entbehrlich. Ich heiße auch längst nicht alle Meinungen, die da vertreten werden, gut. Es existieren aber auch sehr interessante Haltungen. Diegrößte Schwäche bisher ist sicher, dass die meisten Aktionisten zu sehr in die technische und konzeptionelle Originalität verliebt sind. Dafür feiert sie die Community, aber die breite Masse erreichen sie damit nicht. Aktionismus, der niemanden aktiviert, bringt nichts. Die großen, massenwirksamen Ideen muss noch jemand entwickeln.

Nach den eingehenden Recherchen, die Sie betrieben haben: Leiden Sie nun an einer gewissen Paranoia, wenn Sie sich im Internet bewegen? Oder haben Sie Ihren Umgang mit dem Internet und den sozialen Medien sogar geändert?

Marc Elsberg: Das eine oder andere habe ich geändert. Statt Google verwende ich häufig anonymisierende Suchmaschinen wie startpage.com, surfe über TOR, ich setze Apps wie Disconnect ein, verwende keine Kundenkarten mehr und anderes. Aber derzeit ist das alles Kosmetik. In erster Linie brauchen wir eine breite gesellschaftliche Debatte und anständige Gesetze. Die Politik muss aktiv werden und das wird sie nur, wenn die Wähler schreien. Also müssen sie das tun.

Es gibt ja Menschen, die sagen, dass es ausreiche, Facebook nicht zu nutzen, keine Paybackkarten zu verwenden etc. Kannman sich der Gefahr des Datensammelns überhaupt noch entziehen, wenn man nicht gerade in der Sahara lebt?

Marc Elsberg: Nein, kann man nicht. Das muss auch Cynthia Bonsant in "ZERO" feststellen. Und selbst wenn man sich entzieht, ist man als Verweigerer identifiziert und berechenbar. Das ist wie das Luftbläschen in der Mineralwasserflasche - es ist kein Wasser wie die Mehrheit, trotzdem sieht man es ... sogar besser als die Wassertropfen.

Nachdem Sie sich nun mit zwei zentralen Herausforderungen der modernen Zivilisation gestellt haben. Was bleibt Ihnenfür ein nächstes Buch?

Marc Elsberg: Genug!

Interview: Ingo Petz im Auftrag von Literaturtest