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Der Bewohner
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David Jackson: Der Bewohner

War da nicht etwas? Ein fremdes Geräusch? Wo kam das her? – Solche kurzen, bangen Momente kennt man vom Zelturlaub. Oder von den ersten Nächten in einer neuen Wohnung. Doch das junge Paar Colette und Martyn Fairbright, die greise Elsie und ihre weiteren Nachbarn leben schon länger in ihren Reihenhäusern. Wie in vielen Randgebieten englischer Städte sind ihre Häuser über einen gemeinsamen, langen Dachboden miteinander verbunden. Dort allerdings hat sich ein ungebetener Gast eingerichtet. Normalerweise versucht er jedes Geräusch zu vermeiden. Er tritt nur auf jene Balken, die keine quietschenden Geräusche von sich geben. Durch die Dachluken schleicht er sich nur in die fremden Wohnungen, wenn er ganz sicher ist, dass die Bewohner fort sind. Dann sucht er in den Küchen nach Essbarem und füllt seine Wasserflasche auf. Er nutzt die Bäder und schaut auch mal in ein Schlafzimmer. Er kramt in Schubladen und drückt sein Gesicht in verführerisch duftende Kissen. Keine Frage, dieser Thomas Brogan ist der Albtraum jedes Menschen, der ein Dach über dem Kopf hat.

Aber er ist noch mehr als das. Brogan ist auf der Flucht vor der Polizei. Sein Fahndungsfoto wird immer wieder in den Fernsehnachrichten gezeigt. Er ist ein Serienkiller und hat gerade wieder zugeschlagen, ganz in der Nähe. Gerade deshalb hält er sich hier versteckt, wo ihn niemand vermuten würde. Damit ihm nicht langweilig wird, hat sich Brogan eine zweite Identität zugelegt, eine innere Stimme. Die beiden unterhalten sich fast permanent, meistens über sich selbst oder über ihre Katze Mitzy, mit der sie wohl die einzige liebevolle Beziehung ihres Lebens geführt haben. Oft geraten die beiden Brogans in Streit. Der eine ist auf Vorsicht bedacht, geradezu rational. Er vermeidet jedes unnötige Geräusch. Der andere ist ein Spieler, liebt das Risiko und findet einen besonderen Gefallen daran, die Menschen unterhalb des Dachbodens subtil auf sich …mehr
Autorenporträt
David Jackson ist in England ein bekannter Schriftsteller. Wenn er gerade nicht schreibt, verbringt er seine Zeit als Dozent an der Universität Liverpool. Er lebt mit seiner Frau und seinen beiden Töchtern auf der Halbinsel Wirral.
Interview mit David Jackson zu „Der Bewohner“ Ihre Mutter soll Ihre Liebe zur Literatur geweckt haben. Wie ist ihr das gelungen?

Meine Eltern waren begeisterte Leser – das hat natürlich auf mich abgefärbt. In meiner Kindheit hatten wir nicht viel Geld, um Bücher zu kaufen, aber meine Mutter besuchte jede Woche die Bibliothek, oft mit mir im Schlepptau. Bibliotheken sind magische Orte, und es ist eine Schande, dass so viele geschlossen werden.

Hat Ihre Mutter Ihnen auch Krimis nahegelegt?

Als ich jung war, habe ich so ziemlich alles gelesen, aber ich hatte eine besondere Vorliebe für Science-Fiction. Die Liebe zu Kriminalgeschichten kam später, als ich zum Beispiel Agatha Christie und Ed McBain entdeckte. Die Hauptfigur von „Der Bewohner“ ist ein Serienkiller namens Thomas Brogan. Hat diese Figur ein reales Vorbild?

Den Namen habe ich mir ausgedacht. Das Buch ist jedoch von einem wahren Ereignis in Japan inspiriert. Dort hat sich vor einigen Jahren eine obdachlose Frau in ein Haus geschlichen und sich im Schrank versteckt. Warum plötzlich Lebensmittel fehlten, fand der Besitzer erst heraus, als er Überwachungskameras aufstellte und die Frau entdeckte. Meine ursprüngliche Idee für den Roman war, dass so ein Eindringling dann Zeuge eines Verbrechens wird. Aber ich entschied schnell, dass es viel interessanter wäre, ihn in einen Serienmörder zu verwandeln.

Brogan ist ein Sadist, gleichzeitig traurig und einsam. Wie bringen Sie als Schriftsteller Ekel und Empathie in Einklang?

Niemand ist nur gut oder böse. Wir alle befinden uns in der Grauzone zwischen beiden Extremen. Und wo wir da genau stehen, ist letztlich subjektiv. Menschen, die mir schlecht vorkommen, sehen sich selbst wahrscheinlich nicht so. Es ist meine Aufgabe als Schriftsteller, beide Seiten zu zeigen. Ohne dieses Gleichgewicht besteht die Gefahr, dass ein Charakter zu holzschnittartig gerät.

Haben Sie einen Dachboden, auf den Sie sich nur mit Taschenlampe hinauftrauen?

Tatsächlich verbringe ich einen Großteil meines Arbeitstages auf dem Dachboden, aber nur, weil er in ein Arbeitszimmer umgewandelt wurde. Der restliche Teil des Dachbodens ist voller Spinnweben, Weihnachtsschmuck und Kisten mit Gerümpel. Ich musste vor Kurzem ein paar Mal dort hinaufklettern, als mein Verlag mich bat, einige Werbevideos zu drehen. Es war nicht angenehm …

Im Anhang Ihres Buchs danken Sie Autor*innen und Blogger*innen, die bereit waren, frühe Versionen Ihres Romans zu lesen. Gab es Ratschläge, denen Sie gefolgt sind?

Dieses Versenden an frühe Leser*innen wird von meinem Verlag organisiert. Allerdings schicke ich erste Fassungen auch an andere Autor*innen, die ich gut genug kenne, um sie nach ihrer Meinung zu fragen. Die Buchblog-Community hat mich sehr unterstützt und wirklich dazu beigetragen, das große Interesse an meinen Romanen zu wecken. Ein Ratschlag, den ich immer zu befolgen versuche, lautet: Schreibe einfach das Buch, das du selbst lesen möchtest. Es ist sinnlos herauszufinden, was in den Köpfen anderer vorgeht. Folge deinem Bauchgefühl! Auf diese Weise wird sich deine Leidenschaft in deiner Geschichte niederschlagen und die Lesenden mitreißen.

Ihr Thriller „Ausgestoßen“ handelt von einem Mann, der sich von seinen Liebsten isoliert, um sie zu schützen. In „Der Bewohner“ wird das eigene Zuhause zur Falle. Es scheint, als hätten Sie Probleme vorausgesehen, die wir jetzt während der Pandemie bewältigen müssen.

Nun, da Sie es erwähnen: Es kann sein, dass es in beiden Büchern einen Bezug zur Pandemie gibt. Isolation und Einsamkeit sind zwei jener Schlüsselthemen, die man wohl endlos erforschen kann. Es ist auf jeden Fall einer der Vorteile, die man als Autor im Krimigenre hat: Die Möglichkeiten sind unendlich. So kann man die gesamte menschliche Natur erforschen.

Interview: Literaturtest, 2020