James Lee Burke
Broschiertes Buch
Sturm über New Orleans / Dave Robicheaux Bd.16
Ein Dave-Robicheaux-Krimi
Mitarbeit: Huzly, Oliver;Übersetzung: Schmidt, Georg
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Hurrikan Katrina fegt über New Orleans hinweg und legt die Stadt in Schutt und Asche.Mit all seinem Können, feinen Charakterbeschreibungen und dichten Schilderungen der Südstaatenatmosphäre widmet sich Burke in seinem facettenreichen "Sturm über New Orleans" dieser Katastrophe. Wer Burke liest, spürt die Hitze der Stadt, schmeckt den Geruch der Zerstörung, riecht den Dunst der Bars. Inmitten des Chaos lässt er den eigenwilligen Dave Robicheaux seinen Job erledigen. Robicheaux ist Vietnam-Veteran und trockener Alkoholiker, der in seinem Leben diverse Schicksalsschläge hinnehmen musste....
Hurrikan Katrina fegt über New Orleans hinweg und legt die Stadt in Schutt und Asche.Mit all seinem Können, feinen Charakterbeschreibungen und dichten Schilderungen der Südstaatenatmosphäre widmet sich Burke in seinem facettenreichen "Sturm über New Orleans" dieser Katastrophe. Wer Burke liest, spürt die Hitze der Stadt, schmeckt den Geruch der Zerstörung, riecht den Dunst der Bars. Inmitten des Chaos lässt er den eigenwilligen Dave Robicheaux seinen Job erledigen. Robicheaux ist Vietnam-Veteran und trockener Alkoholiker, der in seinem Leben diverse Schicksalsschläge hinnehmen musste. Als Cop folgt er seiner ganz eigenen Vorstellung von Moral und Gerechtigkeit. Burke hat mit "Sturm über New Orleans" einen fulminanten Roman geschrieben. Der Leser taucht sofort in seine bildhafte Sprache ein und sieht einen Film vor seinem inneren Auge vorbeiziehen. Burke ist ganz großes Kino!
James Lee Burke wurde 1936 in Houston/Texas, geboren und wuchs in Louisiana an der Golf-Küste auf. Nach dem Studium schlug er sich mit diversen Jobs durch, unter anderem bei einer Ölfirma, als Journalist, Englischdozent und Sozialarbeiter. Burke wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, darunter als einer von wenigen Autoren gleich zwei Mal mit dem Edgar Allan Poe Award und mit dem Hammett Prize. Der Bestseller-Autor hat neben vielen anderen Romanen inzwischen 22 Dave-Robicheaux-Krimis geschrieben. Nach vielen Jahren erscheint mit "Sturm über New Orleans" endlich wieder ein Robicheaux in deutscher Sprache. In den nächsten Jahren werden weitere Robicheaux-Krimis im Pendragon Verlag erscheinen. Burke wurde mehrfach mit dem Deutschen Krimi Preis ausgezeichnet, zuletzt 2015.
Produktdetails
- Dave Robicheaux Bd.16
- Verlag: Pendragon Verlag
- Originaltitel: The tin roof blowdown
- Seitenzahl: 576
- Erscheinungstermin: März 2015
- Deutsch
- Abmessung: 205mm x 134mm x 53mm
- Gewicht: 668g
- ISBN-13: 9783865324504
- ISBN-10: 3865324509
- Artikelnr.: 41779842
Herstellerkennzeichnung
Pendragon Verlag
Stapenhorststraße 15
33615 Bielefeld
Perlentaucher-Notiz zur ZEIT-Rezension
Mit seinem Krimi "Sturm über New Orleans" schlägt James Lee Burke tief in "die Kerbe eines pervertierten Moralismus", berichtet Tobias Gohlis. Vor der Kulisse des von Katrina verheerten New Orleans lässt Burke vier schwarze Amerikaner einen krebskranken Priester töten, der ertrinkende Gemeindemitglieder retten wollte, und gibt, nachdem er zwei der Täter auf der Flucht sterben lässt, den anderen die Chance, sich zu ändern und Abbitte zu leisten, fasst der Rezensent zusammen. Am Ende dürfen sie sich sogar mit den Opfern aussöhnen, verrät Gohlis noch.
© Perlentaucher Medien GmbH
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Katrinas Opfer
Krimis in Kürze: Glasgow, Amsterdam, New Orleans
Oft ist ja nach der Lektüre die Frage interessanter, warum man das Buch unbedingt lesen wollte, als das Urteil, ob es denn gelungen ist. Bei dem Thriller "Die Suche" (Ullstein, 416 S., br. 12,90 [Euro]) war der Schlüsselreiz unwiderstehlich: Malaria-Tote in Europa, epidemische Ausbreitung mangels wirksamer Gegenmittel möglich. Man hoffte also auf eine Art Thriller, wie ihn früher Michael Crichton schrieb. Nick Louth, Wirtschaftsjournalist und Reuters-Korrespondent, hat auch ordentlich recherchiert. Man lernt daraus, dass das allein nicht ausreicht, wenn die wissenschaftliche Grundierung seriös wirkt, der Zuschnitt der Charaktere jedoch und die
Krimis in Kürze: Glasgow, Amsterdam, New Orleans
Oft ist ja nach der Lektüre die Frage interessanter, warum man das Buch unbedingt lesen wollte, als das Urteil, ob es denn gelungen ist. Bei dem Thriller "Die Suche" (Ullstein, 416 S., br. 12,90 [Euro]) war der Schlüsselreiz unwiderstehlich: Malaria-Tote in Europa, epidemische Ausbreitung mangels wirksamer Gegenmittel möglich. Man hoffte also auf eine Art Thriller, wie ihn früher Michael Crichton schrieb. Nick Louth, Wirtschaftsjournalist und Reuters-Korrespondent, hat auch ordentlich recherchiert. Man lernt daraus, dass das allein nicht ausreicht, wenn die wissenschaftliche Grundierung seriös wirkt, der Zuschnitt der Charaktere jedoch und die
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Verwicklungen der Handlung auch gutwilligste Leser überstrapazieren.
Das fängt beim Protagonisten Max an, früher bei der amerikanischen Küstenwache, jetzt metallverarbeitender Künstler, im Zuge des Plots zu einem Bond-artigen Helden reifend; und es infiziert folgerichtig den Antagonisten, dem eine Superschurken-Statur zuwächst. Epidemiologen, Parasitologen, Affenforscher, Schläger oder Kunsthändler werden rasch zu Statisten. Der Roman operiert auf zwei Ebenen. In der Gegenwart wird Erica, Max' Freundin und Malaria-Forscherin, in Amsterdam entführt, zwischendrin liest man ihr Afrika-Tagebuch aus dem Jahr 1992. Der Body Count ist nicht gerade knapp, was weniger an den Moskitos liegt, aber Ressourcen wie Sinn und Wahrscheinlichkeit schrumpfen bedenklich.
Es sollte sich niemand davon abschrecken lassen, dass "Der Killer hat das letzte Wort" (Fischer Taschenbuch, 384 S., br., 9,99 [Euro]) den zweiten Teil einer Trilogie bildet. "Glasgow-Trilogie" heißt sie, und man sollte sich auch nicht vom Lesen abhalten lassen, weil von Glasgow als spezifischem, unverwechselbarem Schauplatz nicht viel zu spüren ist. Was an Kolorit fehlt, kompensiert Malcolm Mackays Roman durch erzählerische Finesse und Genauigkeit in der Zeichnung der Charaktere. Parataktisch setzt er die Handlungen neben die Gedanken der Handelnden, neben ihre Bedenken, ihre Erwartungen und ihre Erwartungserwartungen. Und von denen gibt es viele bei einem alternden Killer wie Frank, der mit künstlicher Hüfte noch mal zum Comeback ansetzt; aber auch bei Peter, dem Chef der Organisation, der an einem verdienten Mitarbeiter wie Frank hängt und zugleich spürt, dass er gegen eine Konkurrenzorganisation nicht energisch genug auftritt.
Franks designierter Nachfolger Callum wiederum zaudert, weil er sich nicht binden möchte wie in einer Festanstellung, Fischer, der verbitterte Polizist in schlechtsitzenden Anzügen, kommt nicht voran. Mackays nüchterner Tonfall beschädigt den Spannungsaufbau nicht. Er sorgt für eine dokumentarische Anmutung. Es ist ein Porträt des Killers als gewöhnlicher Werktätiger, ohne Sensationsgier, dafür mit allen Problemen, welche aus anderen arbeitsteilig organisierten Berufswelten vertraut sind. Es geht um Geschäftszweige mit Wachstumschancen, um Probleme der Selbständigkeit und um Kleingewerbetreibende mit hohem Risikoanteil. Die Agentur für Arbeit könnte einen Berufsführer daraus entwickeln.
Ein Schwergewicht ist zurück: James Lee Burke. Genauer gesagt: sein Alter Ego, der Polizist Dave Robicheaux aus New Iberia, nicht weit von New Orleans, Held von mittlerweile zwanzig Romanen, von denen zwölf auf Deutsch vorliegen. "Sturm über New Orleans" (Pendragon Verlag, 576 S., br. 17,99 [Euro]) ist in den Vereinigten Staaten zwar schon 2007 erschienen, aber die Wut auf die Regierung, die Bestürzung und Trauer nach dem Hurrikan Katrina im August 2005 hallen in Burkes Prosa noch bis heute nach. Dass Robicheaux eine Vergewaltigung aufklären und einen verschwundenen Priester auffinden soll, wird nebensächlich angesichts der Verwüstungen, der Plünderungen, des Elends im Gefolge von Katrina. Und deshalb verzweigt sich die Erzählung auch lange Zeit fast so sehr wie das Delta des Mississippi, beobachtet Straßenszenen, schildert alltäglichen Rassismus und Momente, die Gläubige als Vorboten der Apokalypse deuten würden. Burke kann wunderbar dicht und pointiert beschreiben. Für die Atmosphäre einer Kneipe braucht er einen Satz: "Es war ein Lokal, in dem weder Freude noch Verzweiflung herrschten, in dem es selten zu Gewalt oder einem ersten Rendezvous kam." Und man liest in Krimis selten so lyrische Wendungen wie "New Orleans war ein Song, der unter den Wogen versank. Manchmal sehe ich in meinen Träumen eine Stadt unter dem Meer."
An Dave Robicheaux, dem Familienvater mit seiner Frau, einer ehemaligen Nonne, und der Adoptivtochter, einer salvadorianischen Indianerin, erkennen wir, was vom Helden der Hardboiled-Literatur übrig geblieben ist. "Wenn du kein Cop wärst, hättest du einen Priesterkragen um", sagt seine Vorgesetzte. Da er aber nun mal ein Cop ist, kann er nicht untätig zusehen, als seine Familie ins Visier eines Psychopathen gerät. Sobald sich diese Bedrohung zuspitzt, greifen auch wieder die Erzählmuster und Zwänge eines Krimi-Plots - was man nach den epischen Panoramaansichten fast ein wenig bedauert.
PETER KÖRTE
Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
Das fängt beim Protagonisten Max an, früher bei der amerikanischen Küstenwache, jetzt metallverarbeitender Künstler, im Zuge des Plots zu einem Bond-artigen Helden reifend; und es infiziert folgerichtig den Antagonisten, dem eine Superschurken-Statur zuwächst. Epidemiologen, Parasitologen, Affenforscher, Schläger oder Kunsthändler werden rasch zu Statisten. Der Roman operiert auf zwei Ebenen. In der Gegenwart wird Erica, Max' Freundin und Malaria-Forscherin, in Amsterdam entführt, zwischendrin liest man ihr Afrika-Tagebuch aus dem Jahr 1992. Der Body Count ist nicht gerade knapp, was weniger an den Moskitos liegt, aber Ressourcen wie Sinn und Wahrscheinlichkeit schrumpfen bedenklich.
Es sollte sich niemand davon abschrecken lassen, dass "Der Killer hat das letzte Wort" (Fischer Taschenbuch, 384 S., br., 9,99 [Euro]) den zweiten Teil einer Trilogie bildet. "Glasgow-Trilogie" heißt sie, und man sollte sich auch nicht vom Lesen abhalten lassen, weil von Glasgow als spezifischem, unverwechselbarem Schauplatz nicht viel zu spüren ist. Was an Kolorit fehlt, kompensiert Malcolm Mackays Roman durch erzählerische Finesse und Genauigkeit in der Zeichnung der Charaktere. Parataktisch setzt er die Handlungen neben die Gedanken der Handelnden, neben ihre Bedenken, ihre Erwartungen und ihre Erwartungserwartungen. Und von denen gibt es viele bei einem alternden Killer wie Frank, der mit künstlicher Hüfte noch mal zum Comeback ansetzt; aber auch bei Peter, dem Chef der Organisation, der an einem verdienten Mitarbeiter wie Frank hängt und zugleich spürt, dass er gegen eine Konkurrenzorganisation nicht energisch genug auftritt.
Franks designierter Nachfolger Callum wiederum zaudert, weil er sich nicht binden möchte wie in einer Festanstellung, Fischer, der verbitterte Polizist in schlechtsitzenden Anzügen, kommt nicht voran. Mackays nüchterner Tonfall beschädigt den Spannungsaufbau nicht. Er sorgt für eine dokumentarische Anmutung. Es ist ein Porträt des Killers als gewöhnlicher Werktätiger, ohne Sensationsgier, dafür mit allen Problemen, welche aus anderen arbeitsteilig organisierten Berufswelten vertraut sind. Es geht um Geschäftszweige mit Wachstumschancen, um Probleme der Selbständigkeit und um Kleingewerbetreibende mit hohem Risikoanteil. Die Agentur für Arbeit könnte einen Berufsführer daraus entwickeln.
Ein Schwergewicht ist zurück: James Lee Burke. Genauer gesagt: sein Alter Ego, der Polizist Dave Robicheaux aus New Iberia, nicht weit von New Orleans, Held von mittlerweile zwanzig Romanen, von denen zwölf auf Deutsch vorliegen. "Sturm über New Orleans" (Pendragon Verlag, 576 S., br. 17,99 [Euro]) ist in den Vereinigten Staaten zwar schon 2007 erschienen, aber die Wut auf die Regierung, die Bestürzung und Trauer nach dem Hurrikan Katrina im August 2005 hallen in Burkes Prosa noch bis heute nach. Dass Robicheaux eine Vergewaltigung aufklären und einen verschwundenen Priester auffinden soll, wird nebensächlich angesichts der Verwüstungen, der Plünderungen, des Elends im Gefolge von Katrina. Und deshalb verzweigt sich die Erzählung auch lange Zeit fast so sehr wie das Delta des Mississippi, beobachtet Straßenszenen, schildert alltäglichen Rassismus und Momente, die Gläubige als Vorboten der Apokalypse deuten würden. Burke kann wunderbar dicht und pointiert beschreiben. Für die Atmosphäre einer Kneipe braucht er einen Satz: "Es war ein Lokal, in dem weder Freude noch Verzweiflung herrschten, in dem es selten zu Gewalt oder einem ersten Rendezvous kam." Und man liest in Krimis selten so lyrische Wendungen wie "New Orleans war ein Song, der unter den Wogen versank. Manchmal sehe ich in meinen Träumen eine Stadt unter dem Meer."
An Dave Robicheaux, dem Familienvater mit seiner Frau, einer ehemaligen Nonne, und der Adoptivtochter, einer salvadorianischen Indianerin, erkennen wir, was vom Helden der Hardboiled-Literatur übrig geblieben ist. "Wenn du kein Cop wärst, hättest du einen Priesterkragen um", sagt seine Vorgesetzte. Da er aber nun mal ein Cop ist, kann er nicht untätig zusehen, als seine Familie ins Visier eines Psychopathen gerät. Sobald sich diese Bedrohung zuspitzt, greifen auch wieder die Erzählmuster und Zwänge eines Krimi-Plots - was man nach den epischen Panoramaansichten fast ein wenig bedauert.
PETER KÖRTE
Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Seit dem großen Erfolg des im Herbst 2014 in der deutschen Übersetzung erschienenen Thrillers „Regengötter“ ist James Lee Burke wieder in den Fokus der Leser gerückt. Nun erinnert man sich auch wieder an die Robicheaux-Reihe des amerikanischen Autors, die lange Zeit …
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Seit dem großen Erfolg des im Herbst 2014 in der deutschen Übersetzung erschienenen Thrillers „Regengötter“ ist James Lee Burke wieder in den Fokus der Leser gerückt. Nun erinnert man sich auch wieder an die Robicheaux-Reihe des amerikanischen Autors, die lange Zeit nicht mehr übersetzt wurde. Im Pendragon Verlag ist nun „Sturm über New Orleans“ erschienen (im Original aus dem Jahr 2007), in dem Burke die Ereignisse rund um Hurrikan Katrina literarisch verarbeitet.
„Was damals in New Orleans geschah, das war nicht nur eine Naturkatastrophe, das war das größte Versagen einer Regierung, der denkbar größte Verrat an der eigenen Bevölkerung. Es war ein Verbrechen. Eine nationale Schande. Eine Wunde, die in den Geschichtsbüchern auf immer festgehalten bleiben wird.“ Diese Zeilen hat James Lee Burke geschrieben, und man merkt dem Roman die Wut und Verbitterung deutlich an.
Es ist nichts mehr zu spüren von der Schönheit New Orleans‘ und des Lousiana Bayous, denn die Gegend ist überflutet, zerstört und versinkt im Schlamm. Es fehlt an allem und die Hilfsmaßnahmen von staatlicher Seite erschöpfen sich darin, den Superdome zu öffnen und die Menschen, die kein Obdach mehr haben, wie Vieh in dem Stadionrund zusammenzupferchen. Plünderer ziehen durch die verlassenen Häuser, von der Regierung bestellte Scharfschützen erschießen auf Verdacht Afroamerikaner, New Orleans ist ein recht- und gesetzloser Raum, der Apokalypse nah. Und in diesem Chaos soll Dave Robicheaux für Recht und Ordnung sorgen, ein Hohn angesichts der Zustände, wo es nur noch darum geht, die eigene Haut zu retten.
Es sind verschiedene Erzählstränge, die Burke in „Sturm über New Orleans“ zu einem Kaleidoskop der Katastrophe zusammenführt, denn alles hängt mit allem zusammen. Was aber am meisten beeindruckt, sind die Schilderungen der verwüsteten Metropole und die Verzweiflung der Menschen, die in jeder Zeile zu spüren ist. Lediglich Dave Eggers beschreibt dies in seinem Roman „Zeitoun“ ähnlich intensiv.
„Sturm über New Orleans“ bietet ein spannendes Leseerlebnis mit jeder Menge Sozialkritik – dafür gibt es eine nachdrückliche Leseempfehlung meinerseits!
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Broschiertes Buch
August 2005. Der Hurrikan Katrina, eine der verheerendsten Naturkatastrophen in der Geschichte der Vereinigten Staaten, hat die Stadt New Orleans zerstört. Die Stadt ist überflutet, unzählige Menschen sind gestorben. In den Trümmern und verlassenen Häusern treiben …
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August 2005. Der Hurrikan Katrina, eine der verheerendsten Naturkatastrophen in der Geschichte der Vereinigten Staaten, hat die Stadt New Orleans zerstört. Die Stadt ist überflutet, unzählige Menschen sind gestorben. In den Trümmern und verlassenen Häusern treiben Plünderer ihr Unwesen, in den gefluteten Straßen herrscht Gesetzlosigkeit. Schwelender Rassismus bricht allerorten auf, die Polizei ist hoffnungslos überfordert. Grund genug für eine selbst ernannte Bürgerwehr, das Gesetz selber in die Hand zu nehmen. Eines Nachts fallen wieder mal Schüsse und ein siebzehnjähriger Schwarzer ohne Vorstrafen stirbt. In unmittelbarer Nähe zu dem Haus einer weißen Familie, deren Tochter nach der Vergewaltigung durch mehrere Schwarze traumatisiert ist. Ein simpler Fall von Selbstjustiz? Cop Dave Robicheaux schaut genauer hin…
Dieser Krimi ist kein Wohlfühlbuch, er ist hart und brutal. Das beginnt schon bei der Schilderung des Szenarios. Katrina ist zwar viele Jahre her, trotzdem habe ich noch die Fernsehbilder präsent. Die allerdings durch die Wortgewalt der Beschreibungen im Buch noch mal enorm verstärkt werden. Ein pures Albtraum-Szenario, man kann es nicht anders ausdrücken.
Den Leser erfasst Zorn, ganz klar tritt hervor, wie die Opfer – vor allem die ohnehin schon ärmsten unter ihnen – im Stich gelassen werden. Fassungslos liest man von vergeblich auf Hilfe wartenden Menschen. Dass vor diesem Hintergrund Verbrechen und Gewalt blühen, wundert nicht, aber in seinem Ausmaß und der drastischen Darstellung schockiert es schon. Sensible Gemüter sollten besser die Finger von diesem Buch lassen.
Die Protagonisten scheinen alle gegen persönliche Dämonen zu kämpfen. Dave Robicheaux ist ein traumatisierter Vietnam-Veteran und trockener Alkoholiker. Sein Freund Clete war mal sein Kollege, musste aber den Polizeidienst verlassen und arbeitet jetzt als eine Art Privatermittler. Er ist sensibel aber aggressiv, engagiert aber unbeherrscht und nach meiner Einschätzung aktiver Alkoholiker oder auf dem Weg, einer zu werden. Die Guten haben mächtig schlechte Seiten, die Bösen unterscheiden sich im Grad ihrer Grausamkeit, doch auch bei ihnen wird ein Blick hinter die Fassade gewagt, nach den möglichen Ursachen ihres verkorksten Lebenswegs gefragt. Darin steckt gleichzeitig eine Menge Gesellschaftskritik, mindestens bei einem der Bösen war ich am Ende geneigt zu glauben, dass sein Leben unter günstigeren Startbedingungen einen anderen Weg genommen hätte. Ich merkte, wie sich beim Lesen meine Empfindungen wandelten. Beispiel: Vier Plünderer nehmen ausgerechnet das Haus eines Unterweltbosses auseinander. Über die Plünderer erfährt der Leser, dass sie einige wirklich schwere und grausame Verbrechen begangen haben. Da schleicht sich ein fieser kleiner Gedanke in der Art von „Jungs, dieses Mal werdet ihr nicht ungeschoren davonkommen“ ein. Aber wenn es dann so weit ist, kommt fast Mitleid auf. Wie gesagt, der Grad der Grausamkeit macht den Unterschied. Man darf auch nicht darauf hoffen, dass am Ende alles gut ist. Dafür steckt viel zu viel Realismus in der Handlung und die wirkliche Welt ist oftmals keine nette.
Es sind altbekannte Themen, die hier aufgebracht werden, Themen wie Gerechtigkeit, Rache, Vergebung und Schuld. Der Leser kommt nicht umhin, sich unangenehme Fragen zu stellen, die berühmten „was würde ich tun“ Fragen. Recht und Gerechtigkeit sind nun mal nicht immer eins. Und wenn es um die eigenen Kinder geht, übernehmen gerne Urinstinkte die Steuerung menschlichen Handelns.
Ich mag Bücher, die einen als Leser vor solche gedanklichen Herausforderungen stellen. Trotzdem brauchte ich ein wenig, bis ich in der Handlung war, der Einstieg war manchmal verwirrend. Dazu trugen sicher der Umgangston und die vielen benutzten Slangausdrücke bei, deren Übersetzung nicht immer nahelag. Auch für die mehreren Erzählstränge benötigte ich eine kurze Orientierungszeit, nachdem das geschafft war, hat mich das Buch aber wirklich gefesselt.
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