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'Kismet' beginnt mit einem Freundschaftsdienst und endet mit einem so blutigen Bandenkrieg, wie ihn keine deutsche Großstadt zuvor erlebt hat. Kayankaya ermittelt - nicht nach einem Mörder, sondern nach der Identität zweier Mordopfer. Und er gerät in den Bann einer geheimnisvollen Frau, die er in einem Videofilm gesehen hat.

Produktbeschreibung
'Kismet' beginnt mit einem Freundschaftsdienst und endet mit einem so blutigen Bandenkrieg, wie ihn keine deutsche Großstadt zuvor erlebt hat. Kayankaya ermittelt - nicht nach einem Mörder, sondern nach der Identität zweier Mordopfer. Und er gerät in den Bann einer geheimnisvollen Frau, die er in einem Videofilm gesehen hat.
Autorenporträt
Jakob Arjouni, geboren 1964 in Frankfurt am Main, studierte und jobbte nach dem Abitur einige Jahre in Südfrankreich und lebte dann in Berlin. Er veröffentlichte Romane, Theaterstücke, Erzählungen und Hörspiele. Für "Ein Mann, ein Mord" erhielt Jakob Arjouni 1992 den Deutschen Krimi-Preis. Derzeit lebt er vorwiegend in Südfrankreich.
Rezensionen

Perlentaucher-Notiz zur NZZ-Rezension

In Jakob Arjounis "Kismet", einem Wiederbelebungsepos seiner Erfolgsfigur Kemal Kayankaya, ist die frühere Qualität der Kayankaya-Romane einem soliden, aber auch austauschbaren Mainstream gewichen, findet Manfred Papst. Teilweise seien TV-Krimi-Elemente an die Stelle der einstigen Arjouni-Spezifika getreten: Schnoddrigkeit, Rhythmik und Genreparodie. In "Kismet" gerate der türkische Privatdetektiv, Verwandter von Philip Marlowe und Sam Spade, in die Fallstricke der organisierten Kriminalität und müsse sich mit viel Alkohol, coolen Sprüchen und Selbstironie durch einen rhapsodischen Plot wursteln. Der Handlung wegen braucht man "Kismet" aber nicht zu lesen, so der Rezensent. Wenig plausibel sei die Konstruktion, allzu lässig behandle Arjouni die Regeln der Logik, zu unverfroren setze er auf Effekte, Actionelemente und Klischees. Obzwar: Hohes Vergnügen bereitet dem Rezensenten der flapsige Arjouni-Sound, auch als treffender Situationsschilderer sei der Autor unterhaltsam. Auch die Milieuschilderungen findet der Rezensent meistens exakt geraten und die Dialoge zeigen, solange sie nicht Handlung zu transportieren hätten, viel Witz.

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 14.12.2007

Tatort Frankfurt
Mord zwischen Skyline und Stadtwald

Frankfurts Einwohnerzahl wächst, dem Rhein-Main-Gebiet geht es wirtschaftlich gut, und auch der Kriminalroman ist zwischen Mainz und Main-Kinzig-Kreis eine Wachstumsbranche. Die Leser lieben das literarische Verbrechen mit Lokalkolorit. In Stadt und Land wird deshalb Krimi um Krimi geschrieben. Heute und morgen bieten wir einen Überblick über Klassiker, Neuerscheinungen und einige Bücher des nächsten Jahres.

Von Katharina Iskandar und Florian Balke

- Was war, vergeht nie - das weiß jeder geübte Krimi-Leser. Was geschehen ist, überfällt nichtsahnende Nachgeborene, und tapfere Ermittler müssen mühsam Licht ins Dunkle bringen. So verhält es sich auch in Stefan Bouxseins "Die verlorene Vergangenheit". Das in diesem Jahr erschienene zweite Buch des Frankfurter Krimi-Autors beginnt mit einer Entführung im Main-Taunus-Zentrum und endet bei den dunklen Geheimnissen, die einen ehemaligen Fremdenlegionär mit Mobutus Zaire verbinden. Vom Main aus geht es also direkt hinein ins Herz der Finsternis. Für den Regionalkrimi ist es nicht eben selten, auf diese Weise lokal zu starten und dann ganz weit auszuholen. Aber Bouxsein weiß, was er tut. Er sagt, es sei durchaus logisch, über das zu schreiben, worin man sich auskenne, der Fluch des Regionalkrimis aber sei es, dass er sich nur regional verkaufe. Es nütze zwar, nach der Arbeit eigenhändig 50 000 Werbezettel in Frankfurter Briefkästen zu verteilen - Bouxsein hat es an den Verkaufszahlen seines Traumwelt Verlags gemerkt. Trotzdem hört er in Wiesbaden und Aschaffenburg, Frankfurt-Krimis verkauften sich dort nicht. Da gibt es für ihn nur eins: spannend weiterschreiben und bekannter werden.

Stefan Bouxsein: "Die verlorene Vergangenheit". Kriminalroman. Traumwelt Verlag, Frankfurt am Main 2007. 371 S., Taschenbuch, 12,- [Euro].

- Liebe ist Schicksal. In "Kismet" bekommt Privatdetektiv Kemal Kayankaya, Jakob Arjounis vierfacher Krimi-Held und harter Hund von Beruf, weiche Knie wegen seiner Heimatstadt: "Wie es auch immer um mich steht, jedesmal, wenn ich nach Frankfurt hineinfahre, geht mir beim Anblick der Skyline für einen Moment das Herz auf." Als Arjouni 1985 seinen ersten Kayankaya-Krimi schrieb, war er 19 Jahre alt und wusste, dass sein Buch ein Großstadtroman werden sollte. "Sicher, weil ich die meiste Zeit auf dem Land aufgewachsen war und mich danach sehnte, zu etwas Großem, Wildem, Aufregendem zu gehören." Formbewusstsein besaß der Anfänger trotzdem. Am Kriminalroman faszinierten ihn die festen Regeln: "Ein Verbrechen, ein Geheimnis, ein Ermittler, möglichst eine Überraschung am Ende." Zur Formel ist ihm das Schreiben nie erstarrt. Auch "Kismet", der 2001 erschienene, bislang letzte Kayankaya-Krimi, tobt von der Anfangsschießerei im Bahnhofsviertel bis zum Schlussdesaster genauso rasant und wild voran wie seine drei Vorgänger. Und sobald Arjouni wieder eine Geschichte einfällt, von der er glaubt, er könne sie am besten mit Kayankaya erzählen, wird er wiederkommen.

Jakob Arjouni: "Kismet". Ein Kayankaya-Roman. Diogenes, Zürich 2001. 272 S., Taschenbuch, 8,90 [Euro].

- Ein fester Gottesglaube, ein illusionsloser Blick auf das, was Menschen einander antun, und die Ansicht, dass es hinter glatten Fassaden nie sauber zugeht, kennzeichnen die Krimis von Andreas Franz. Außerdem ein Stil, der den geübten Schreiber von Bestsellern verrät, aber seine Bücher zu dem macht, was angelsächsische Buchrezensionen als "unputdownable" bezeichnen - hat man einmal begonnen, sie zu lesen, legt man sie nur schwer wieder aus der Hand. Vor ein paar Jahren wurde Franz der Frankfurter Verbrechen müde und ließ den Offenbacher Kommissar Peter Brandt in die Herzen von Opfern und Tätern schauen. In seinem neuen Roman "Das Todeskreuz" kehrt er nach Frankfurt zurück und macht Brandt mit Julia Durant bekannt, der pflichtbewussten, einsamen und überarbeiteten Heldin von zehn Romanen. In "Das Todeskreuz" bekommen die beiden es mit Korruption in Politik und Justiz zu tun. Und Durant hört mit dem Rauchen auf.

Andreas Franz: "Das Todeskreuz". Ein Julia-Durant-Krimi. Knaur Taschenbuch Verlag, München 2007. 516 S., Taschenbuch, 8,95 [Euro].

- Krystyna Kuhns "Wintermörder" ist einer der zahlreichen Krimis, in denen bei der Aufklärung heutiger Verbrechen Untaten der Nazizeit ans Licht kommen. Man merkt ihm an, dass seine Autorin neben Germanistik und Kunstgeschichte auch Slawistik in Moskau und Krakau studiert hat. Das Leid eines Krakauer Mädchens unter deutscher Besatzung steht am Beginn einer Ereigniskette, an deren anderem Ende eine eiskalte Unternehmerwitwe tot auf der Terrasse ihrer Villa an der Kennedyallee liegt. Ein Fall für Krystyna Kuhns einnehmende Ermittlerin, die Staatsanwältin Myriam Singer. Angelegt ist sie wie zahlreiche ihrer Kolleginnen als Mischung aus stark und schwach. Als Liebhaberin extravaganter Stiefel verfügt sie auch über die offenbar immer wieder unvermeidliche amüsante Marotte. Das ändert aber nichts daran, dass Kuhns Buch sehr lesbar geschrieben ist und eine anrührende Geschichte spannend erzählt.

Krystyna Kuhn: "Wintermörder". Roman. Goldmann, München 2007. 413 S., Taschenbuch, 8,95 [Euro].

- Die Sprache von Astrid Paprotta ist schlicht, fast rüde - gerade so, wie es sich für einen Krimi gehört, der ohne große Effekte daherkommen will. Grausames wirkt dabei noch grausamer. So wie zum Beispiel der Mord in ihrem jüngsten Roman "Feuertod". Eine unbeliebte Staatsanwältin wird tot in ihrer Wohnung im Nordend aufgefunden. Sie ist dort bis zur Unkenntlichkeit verbrannt. Das in diesem Frühjahr erschienene Buch ist der erste Fall für Paprottas neue Ermittler, den Frankfurter Hauptkommissar Niklas und seinen Kollegen Potofski vom Landeskriminalamt. Für Paprotta ist es eine weitere Gelegenheit, mit dem Kriminalroman Dinge anzustellen, die in Deutschland nur sie tut. An der Prosa der Trägerin des Deutschen Krimipreises scheiden sich die Geister. Manche finden ihre Bücher so bedrückend, dass sie kaum weiterlesen können, andere schätzen ihre Fähigkeit, den Krimi in ein Gefäß für Seelenkummer und psychische Not zu verwandeln. Wer seine Krimis gerne schwierig liebt, wird von "Feuertod" oder früheren Titeln wie "Die Höhle der Löwin" oder "Sterntaucher" reich belohnt.

Astrid Paprotta: "Feuertod". Kriminalroman. Piper, München 2007. 320 S., Taschenbuch, 12,- [Euro].

- Historische Kriminalromane muss man mögen. Sind sie zu geschichtsträchtig, langweilen sie schnell. Noch schlimmer sind Romane, die zwar spannend, aber nicht authentisch sind. Beide Fehler könnten Nikola Hahn niemals passieren, denn die Polizistin ist bekannt für ihre akribische Recherche und ihre ausgefeilten Plots. In "Die Farbe von Kristall" rollt sie einen echten Kriminalfall auf: den Mord an dem Klavierhändler Hermann Lichtenstein, der mitten am Tag in seinem Geschäft auf der Zeil ermordet wird. Wie schon in ihrem Krimi-Debüt "Die Detektivin" beschreibt Hahn nicht nur die frühen Anfänge der Kriminalistik und wie Frankfurt um 1900 ausgesehen hat, sondern verweist auch auf die damals herrschenden Standesunterschiede und die Schwierigkeit, sich als bildungshungrige Frau in der damaligen Gesellschaft zu behaupten. Und wer Hahns Krimi-Debüt "Die Detektivin" kennt, wird sich freuen, dass "Die Farbe von Kristall" die Romanze zwischen der eigenwilligen Viktoria und Kommissar Richard Biddling weiterspinnt.

Nikola Hahn: "Die Farbe von Kristall". Roman. Ullstein, Berlin 2004, 816 S., Taschenbuch, 10,95 [Euro].

- In Sachsenhausen und Laos spielt Frank Demants "Opium bei Frau Rauscher". Amateurdetektiv Simon Schweitzer verirrt sich in eine Schwulenbar in der Klappergass', gerät an eine kriminelle Juweliersgattin und bekommt es mit Rauschgift zu tun. Wie gut, dass ihn nichts schreckt. "Mein Detektiv kifft, säuft und trägt in keiner Weise zum Bruttosozialprodukt bei", sagt Demant über ihn. Seinen Lesern gefällt's: 80 Prozent sind Frauen über 50 mit 68er-Hintergrund. Wie Schweitzer versteckt Demant seinen klugen Kopf hinter dem, was er "Dumrumgebabbel" nennt - dem Schwatz in der Stammkneipe und einem plaudernden Schreibstil, der vor nichts Respekt, aber für vieles Verständnis hat. Nur nicht für Ungerechtigkeit. Für den Erfolg des Regionalkrimis hat der Autor der "Sachsenhäuser Kriminalepisoden" eine kluge Erklärung: "Je mehr sich die Welt globalisiert, desto mehr ziehen die Menschen sich zurück und verweigern sich."

Frank Demant: "Opium bei Frau Rauscher. Fünfte Sachsenhäuser Kriminalepisode". Roman. Röschen-Verlag, Frankfurt 2007. 176 S., Taschenbuch, 9,30 [Euro].

- Gestatten, hier ermittelt Kommissar Marthaler. Ein Polizist in mittleren Jahren, der zu viel raucht, trinkt und sein Privatleben nicht in den Griff bekommt. Und wenn er einen Mord aufklären muss, ist er von seiner Arbeit geradezu "besessen". Seghers' Protagonist erinnert ein wenig an Kommissar Wallander, die schwedische Krimi-Figur von Henning Mankell. Seghers selbst sagt, der Skandinavier sei sein Vorbild gewesen. Die Romane des Frankfurters sind jedoch weit mehr als eine bloße Kopie. Denn abgesehen davon, dass die Geschichten rund um die Protagonisten exzellent erzählt sind, wird Frankfurt von einer ungeahnt düsteren Seite gezeigt, die in Seghers' Sprache aber schon wieder eine gewisse Schönheit besitzt. "Man muss die Orte kennen, die man beschreibt", sagt Seghers. "Nur dann bekommen sie Leben, Geruch, Atmosphäre." Am 18. Januar erscheint im Wunderlich Verlag Seghers' neuer Roman, "Partitur des Todes". Wir sind gespannt.

Jan Seghers: "Die Braut im Schnee". Roman. Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek bei Hamburg 2007. 480 S., Taschenbuch, 9,95 [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 24.04.2001

Kemal Kayankaya ist wieder da
Nach langer Pause lässt Jakob Arjouni seinen Frankfurter Privatdetektiv in verändertem Umfeld ermitteln
Wie kein anderes Genre erlaubt der Kriminalroman seinem Schöpfer die Kommentierung politischer Verhältnisse. Weil er sich zwangsläufig in die Niederungen der Gesellschaft begibt, erübrigt sich die Frage, ob dabei die Regeln der political correctness eingehalten werden müssen oder nicht. Ein guter Krimi zeichnet sich nicht nur durch plausible Story und Spannung aus, sondern ist immer auch Spiegelbild einer Gesellschaft, dessen dunkle Seite er ausleuchtet.
Jakob Arjouni beherrscht nahezu alles: die packende Story, Situationskomik, eine liebevolle Skizzierung des Personals und die scheinbar beiläufig daherkommenden polemischen Kommentare. Sie fließen in die Überlegungen seines Protagonisten Kemal Kayankaya ein oder kommen wie jetzt in seinem neuesten Roman aus dem Mund der dem jugoslawischen Bürgerkrieg entflohenen Göre Leila, die sich als Bosnierin ausgibt, weil sie sich davon bessere Chancen verspricht: „In Deutschland besser Bosna als Sribija, sogar besser als Kroatia. Meine Mutter sagt: immer sagen Bosanka, nie Srbkinja. Die Bosanka ist wie arme Dackelhund von Heimleiter. Alle sagen: Ooh der arme alte Dackelhund. Srbkinja ist wie Frau von Heimleiter.‘
„Kismet” ist nach langer Pause der vierte Krimi um Kayankaya, den Privatdetektiv türkischer Herkunft, der in Frankfurt aufgewachsen ist. Mit den Verhältnissen hat sich auch sein Umfeld verändert. Denn es „kam die Wiedervereinigung, und nach einem knapp zweimonatigen Freudentaumel .. . verschoben sich plötzlich seine Feindbilder. Auf einmal gab es die Ostler .” Mittlerweile hat sich sogar der deutschnationale Hausmeister an den Privatdetektiv gewöhnt. Man respektiert sich zähneknirschend, „weil es tatsächlich angenehmer ist, sich im Treppenhaus zu grüßen, als sich jedesmal anzublaffen”. Damit zeigt Arjouni aufs schönste, dass alles eine Sache der Gewöhnung ist, aber auch, dass man hier und anderswo anscheinend immer jemanden zum Hassen braucht, um sich der eigenen Identität zu versichern. Und eine der besten Szenen des Buches bleibt die Beschreibung, mit welchen Tricks es der Hausmeister und Kayankaya schaffen, bei Gesprächen jeglichen Augenkontakt zu vermeiden.
Kayankaya ist zwar ein bisschen fülliger geworden, aber gesetzt ist er keineswegs: noch immer die alten Fehler, noch immer in permanenter Geldknappheit, noch immer zu vertrauensselig und sich alles verderbend, weil er den Mund nicht halten kann. Auch sein Freund, der Kleinganove Slibulsky ist wieder dabei, diesmal – dank einer genialen Geschäftsidee – als wohlhabender Mann, was ihn aber nicht daran hindert, mit Kayankaya halblegale Aktionen durchzuziehen und sich damit in die Bredouille zu bringen. Wie so oft geht von Anfang an alles schief. Was wie ein Freundschaftsdienst und damit wie ein unbezahlter Job aussah – nämlich mal zwei Schutzgeldeintreiber abzuschrecken –, endet in einem Fiasko und entwickelt eine Dynamik der Ereignisse, denen Kayankaya ständig einen Schritt hinterherhechelt. Am Ende wird er mal wieder ohne Geld, um einige Illusionen ärmer und mit der folgenlosen Erkenntnis dastehen, sich einmal mehr in etwas verstrickt zu haben, das eindeutig eine Nummer zu groß für ihn ist.
Doch bis es soweit ist, widerfährt Kayankaya alles, was einem erfolglosen Privatdetektiv mit einer Portion Ehre im Leib nur widerfahren kann. Weil er zum ersten Mal einen Menschen getötet hat und ihm dessen Identität keine Ruhe lässt, gerät er immer tiefer in den Sumpf des Frankfurter Rotlichtmilieus, in dem sich Schutzgelderpresser aller Nationen tummeln. Er wird beschimpft, verprügelt, sein Büro fliegt in die Luft, und er hat noch den äußerst nervigen „Tangomann” an den Hacken, der sich in seiner Wohnung einnistet und dessen Gewohnheiten die Geduld auf eine harte Probe stellen. In „Kismet” fließt viel mehr Blut als in allen Kayankaya-Romanen zuvor. Auch in dieser Beziehung haben sich die Zeiten geändert, die Verteilungskämpfe sind härter geworden, weil die Gangster im jugoslawischen Bürgerkrieg praktische Erfahrungen gesammelt haben und ihnen ein Menschenleben nicht viel wert ist. Da lohnt es sich – wie im richtigen Leben –, ein Netz aufzubauen, in dem einem der eine oder andere eine Gefälligkeit schuldet. Dennoch bleibt Kayankaya die bittere Erkenntnis nicht erspart, dass Gegner wie temporäre Verbündete ihm mit ihrer kriminellen Energie meilenweit überlegen sind.
Jakob Arjouni ist ein im guten Sinne klassischer Krimi gelungen, der sich dort bewegt, wo die Grenze zwischen Gut und Böse verwischt ist. Sein einsamer Held Kayankaya, der in einer heruntergekommenen Neubauwohnung aus den sechziger Jahren haust und sich ein bisschen mehr Lässigkeit wünscht, ist kein Nihilist geworden, auch wenn er sich das ab und zu einreden will: „Und darum dreht sich ja wohl alles: Geht man zu einer Haustür oder nicht. Gründe gibt’s immer. Gründe sind überhaupt das Allerlangweiligste.”
ELKE SCHUBERT
JAKOB ARJOUNI: Kismet. Roman. Diogenes Verlag, Zürich 2001. 288 Seiten, 39,80 Mark.
SZdigital: Alle Rechte vorbehalten - Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Jegliche Veröffentlichung exklusiv über www.diz-muenchen.de
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"Der Mann kann so erzählen, dass es kein Entrinnen gibt. Seine Dialoge, seine bilderreiche Sprache, sein Tempo, sein Witz, die Doppelbödigkeit aus scheinbarer Leichtigkiet und Unter- und Hintergründigem sind eine Klasse für sich. Es ist eine große Kunst, so unterhaltsam und spannend zu schreiben und dabei so pointiert, so klug und kritisch vom Leben in der Gegenwart zu erzählen. Arjouni beherscht diese Kunst perfekt." (Barbara Dobrick/Norddeutscher Rundfunk, Hamburg.)