PAYBACK Punkte
0 °P sammeln!
Vom Mut einer Frau in einer Welt, die ihr keinen Platz mehr lassen will - von Anja Kampmann eindringlich und bildgewaltig erzähltHedda hat sich ihren Traum erkämpft: Artistin im »Alkazar« auf der Reeperbahn. Doch nichts zählt mehr, als in den dreißiger Jahren die neuen Uniformen wie selbstverständlich im Publikum auftauchen. Die Freiräume werden enger und auch für die Mädchen im Varieté wird es gefährlich. Wem kann Hedda noch trauen? Ihr Bruder Jaan heuert als Harpunenschmied auf einem Walfänger an, für eine Fahrt in die Antarktis. Und auch Hedda sucht für sich und ihren kleinen...
Vom Mut einer Frau in einer Welt, die ihr keinen Platz mehr lassen will - von Anja Kampmann eindringlich und bildgewaltig erzähltHedda hat sich ihren Traum erkämpft: Artistin im »Alkazar« auf der Reeperbahn. Doch nichts zählt mehr, als in den dreißiger Jahren die neuen Uniformen wie selbstverständlich im Publikum auftauchen. Die Freiräume werden enger und auch für die Mädchen im Varieté wird es gefährlich. Wem kann Hedda noch trauen? Ihr Bruder Jaan heuert als Harpunenschmied auf einem Walfänger an, für eine Fahrt in die Antarktis. Und auch Hedda sucht für sich und ihren kleinen Bruder Pauli nach Auswegen.Anja Kampmann erzählt in einer unvergleichlich atmosphärischen Sprache, der es auch an Leichtigkeit nicht fehlt, eine Geschichte weiblicher Selbstbehauptung aus einer ganz und gar von Männern dominierten Zeit.
Anja Kampmann wurde 1983 in Hamburg geboren. Sie studierte an der Universität Hamburg und am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig. Sie debütierte bei Hanser mit dem Gedichtband 'Proben von Stein und Licht' (Lyrik Kabinett, 2016). Ihr erster Roman 'Wie hoch die Wasser steigen' (2018), wurde vielfach übersetzt, für den Preis der Leipziger Buchmesse sowie den Deutschen Buchpreis nominiert und war Finalist für den National Book Award in den USA. Zuletzt erschien der Gedichtband 'Der Hund ist immer hungrig' (2021), der mit dem Günter Kunert Literaturpreis für Lyrik ausgezeichnet wurde. Für ihr Werk erhielt sie 2024 den Marie-Luise-Kaschnitz-Preis.
Produktdetails
- Verlag: Hanser
- Artikelnr. des Verlages: 505/28120
- 5. Aufl. 2025.
- Seitenzahl: 496
- Erscheinungstermin: 19. August 2025
- Deutsch
- Abmessung: 205mm x 133mm x 43mm
- Gewicht: 596g
- ISBN-13: 9783446281202
- ISBN-10: 3446281207
- Artikelnr.: 73677090
Herstellerkennzeichnung
Carl Hanser Verlag
Vilshofener Straße 10
81679 München
info@hanser.de
»Kampmann schreibt über die Vergangenheit, als könne sie wieder stattfinden. Das Buch ist ein Mahn- und Denkmal für ein Proletariat, das sich unter widrigsten Bedingungen gegen den Faschismus positioniert. Ein Roman wie ein literarischer Seiltanz.« Carsten Otte, SWR Kultur, Lesenswert Magazin, 24.08.25 »Kampmanns Prosa prägt ein hochbewusster Umgang mit Sprache. Der Roman wird nicht durch den Plot bestimmt. Kampmann geht es darum, den Moment einzufangen und zum Leuchten zu bringen. Das gelingt durch knappe und präzise Sätze, eine oft vieldeutige und emotionale Sprache.« Holger Heimann, NDR Kultur, Buch des Monats, 18.08.25 »In lyrisch verdichteten Szenen entfaltet sich eine Atmosphäre zwischen Sehnsucht nach Künstlerbohème und erstickenden gesellschaftlichen Verhältnissen. Ein großer Gegenwartsroman, der zu den literarisch herausragenden dieses Jahres gehört.« Helmut Böttiger, Deutschlandfunk Kultur, Lesart, 25.08.25 »Kampmanns neuer Roman schildert virtuos den nationalsozialistischen Umbau der Gesellschaft. Die statische Sprache und die Dynamik der Ereignisse ergänzen sich zu fast filmischen Bildern. Man meint, alles ganz genau vor sich zu sehen.« Paul Jandl, NZZ, 21.08.25
»Die Autorin (...) erzählt sinnlich und mit feinem Gespür für Räume und Atmosphären.« Martina Läubli, NZZ am Sonntag, 30.11.25 »Der Strom der Erzählstimme, der Bewusstseinsstrom, den Kampmann ihrer Heldin auf den - wie aus dem - Leib schreibt, entfaltet beim Lesen eine Sogwirkung wie die Elbe vor den Landungsbrücken bei Ebbe. Es fällt schwer, das Buch für Pausen aus der Hand zu legen.« Stefan Grund, Welt, 03.10.25 »Mit 'Die Wut ist ein heller Stern' hat Anja Kampmann einen Roman geschrieben, der ganz von selbst zu leuchten beginnt.« Peter Neumann, Die Zeit, 02.10.25 »Ein großes Gedicht ... 'Es gibt eine Wut, die nirgendwo hin kann, was sind wir Frauen doch gut darin, wir reisen nach innen, immer.' Es sind Sätze wie diese, auf knapp 500
Mehr anzeigen
Seiten üppig verteilt, die einem bleiben, auch Tage nach der Lektüre.« Julia Rothhaas, Süddeutsche Zeitung, 01.10.25 »Kampmann schreibt über die Vergangenheit, als könne sie wieder stattfinden. Das Buch ist ein Mahn- und Denkmal für ein Proletariat, das sich unter widrigsten Bedingungen gegen den Faschismus positioniert. Ein Roman wie ein literarischer Seiltanz.« Carsten Otte, SWR Kultur, 24.08.25 »Kampmanns Prosa prägt ein hochbewusster Umgang mit Sprache. Der Roman wird nicht durch den Plot bestimmt. Kampmann geht es darum, den Moment einzufangen und zum Leuchten zu bringen. Das gelingt durch knappe und präzise Sätze, eine oft vieldeutige und emotionale Sprache.« Holger Heimann, NDR Kultur, 18.08.25 »In lyrisch verdichteten Szenen entfaltet sich eine Atmosphäre zwischen Sehnsucht nach Künstlerbohème und erstickenden gesellschaftlichen Verhältnissen. Ein großer Gegenwartsroman, der zu den literarisch herausragenden dieses Jahres gehört.« Helmut Böttiger, Deutschlandfunk Kultur, 25.08.25 »Kampmanns neuer Roman schildert virtuos den nationalsozialistischen Umbau der Gesellschaft. Die statische Sprache und die Dynamik der Ereignisse ergänzen sich zu fast filmischen Bildern. Man meint, alles ganz genau vor sich zu sehen.« Paul Jandl, Neue Zürcher Zeitung, 21.08.25
Schließen
Weder bereichernd noch unterhaltend
Die Schriftstellerin Anja Kampmann thematisier in ihrem Roman «Die Wut ist ein heller Stern» das Erstarken des Nationalsozialismus, das schlagartig mit der so genannten Machtergreifung am 30. Januar 1933 begann. In fünf Teilen, die mit den …
Mehr
Weder bereichernd noch unterhaltend
Die Schriftstellerin Anja Kampmann thematisier in ihrem Roman «Die Wut ist ein heller Stern» das Erstarken des Nationalsozialismus, das schlagartig mit der so genannten Machtergreifung am 30. Januar 1933 begann. In fünf Teilen, die mit den Jahreszahlen von 1933 bis 1937 betitelt sind, wird darin erzählt, wie in der Hamburger Hafenstadt das Leben der randständigen und auch der jüdischen Bevölkerung zunehmend schwieriger und bedrohter wird. Horden von randalierenden Braunhemden stoßen mit den kommunistisch orientierten «Roten» zusammen, Mord und Totschlag werden alltäglich und bleiben ungesühnt, ein rechtsfreier Raum entsteht mit der Zeit. Der Roman spielt im Milieu des weltbekannten Rotlichtviertels rund um die Reeperbahn, in zwielichtigen Etablissements, in den kommunistischen Boxvereinen, in einer trügerischen Glitzerwelt. Dem stehen im Privaten die armseligen Stuben und dunklen Hinterhöfe des Prekariats gegenüber. Es sind die Frauen, die im Fokus dieses Romans stehen, all die Tänzerinnen, Akrobatinnen und Halbweltdamen, von denen nicht wenige zumindest gelegentlich auch der Prostitution nachgehen, ohne dadurch wirklich aus dem nicht nur finanziellen Schlamassel heraus zu kommen. Für all diese Frauen verwendet die Ich-Erzählerin Edda im Roman immer nur den Begriff «Rita», sie sind Ritas allesamt.
Hedda arbeitet als Akrobatin im Varieté «Alcazar», wo sie am Seil turnt, während unter ihr in einem Wasserbecken zwei Kaimane herumdümpeln. Die müssen vorher gut gefüttert werden, sonst wäre bei einem Fehlgriff am Seil das Risiko viel zu groß. Als einmal die Fleischlieferung ausbleibt, beauftragt der Varieté-Chef deshalb einige Kinder, ihm zehn fette Ratten zu bringen als Futterersatz. Er ist eine allseits respektierte Größe der schillernden Halbwelt und gebietet über eine «Finken» genannte Truppe von Schlägertypen aus einem Boxverein, die sich durchzusetzen gewöhnt sind. Aber auch deren Macht schwindet, sie geraten zunehmend mit den Nazitrupps von SA, SS und Gestapo aneinander. Die profitieren davon, immer die Staatsmacht hinter sich zu wissen, sie bleiben ungeschoren auch bei den schwersten Verbrechen. Wenn Edda voller Wut über die wachsende Bedrohung spricht, verwendet sie für diese Schläger nur den Begriff «Keiler», für sie Inbegriff des Unheimlichen und Gefährlichen.
Besondere Sorgen macht sie sich um ihren rachitischen Bruder, der plötzlich nicht mehr am Unterricht teilnehmen darf, weil er ein Risiko sei für den «gesunden Volkskörper». Ihre Freundin, mit der sie sich ein Zimmer teilt, leidet als Prostituierte unter der rücksichtslosen Verrohung der Freier, insbesondere der aus dem Nazi-Milieu, für die sie als Untermensch gilt. Hedda schöpft Hoffnung, als ihr Bruder Jaan, der bei ihrem Onkel in dessen Schmiede arbeitet, als Harpunen-Schmied auf einem der vielen neuen Walfänger Arbeit findet. Mit dem Walfett will das Dritte Reich den akuten Fettmangel beseitigen. Sie glaubt an die Chance, dass sie und der kranke Bruder mit Jaans Schiff aus dem Land flüchten könnten. Denn auch «der Graue», ihr Stammfreier, kann ihr als ehemaliger Kolonialoffizier keinen Schutz mehr bieten. Ihr rachitischer Bruder wird in ein fragwürdiges «Heim» verbracht, ihr bester Freund verschwindet spurlos, und sie selbst wird schließlich zwangssterilisiert. Der Roman endet abrupt, das Ende bleibt offen.
Das von einer wütenden Hedda subjektiv Wahrgenommene wird von ihr in einer sachlich kargen Sprache erzählt. Anja Kampmann erklärte: «Ich wollte eine Stimme finden, die davon erzählt, aber die vor allem eine starke Lebendigkeit hat». Dieser komplexe Roman, der ohne historische Verweise bleibt, lebt weitgehend von seinen schillernden, zuweilen auch ambivalenten Figuren, die allerdings wenig Empathie zu erzeugen vermögen. In der Flut ähnlicher Romane bleibt als literarisches Alleinstellungs-Merkmal hier letztendlich nur die eigenwillige, poetisch anmutenden Stilistik der Autorin. Die erscheint aber weder thematisch angemessen noch als Prosa wirklich lesenswert, der Roman stellt also mitnichten eine unterhaltende oder gar eine bereichernde Lektüre dar!
Weniger
Antworten 0 von 0 finden diese Rezension hilfreich
Antworten 0 von 0 finden diese Rezension hilfreich
Sprachgewaltig, atmosphärisch und eindringlich – ein Roman über Mut, Freiheit und weibliche Stärke in dunklen Zeiten
Hedda hat sich in den 1930er Jahren ihren Traum erfüllt: Sie steht als Artistin im berühmten Varieté „Alkazar“ auf der Reeperbahn. …
Mehr
Sprachgewaltig, atmosphärisch und eindringlich – ein Roman über Mut, Freiheit und weibliche Stärke in dunklen Zeiten
Hedda hat sich in den 1930er Jahren ihren Traum erfüllt: Sie steht als Artistin im berühmten Varieté „Alkazar“ auf der Reeperbahn. Doch die schillernde Welt des Varietés verliert ihren Glanz, als die politischen Schatten immer dunkler werden. Uniformen füllen die Zuschauerreihen, Kontrolle und Angst nehmen zu und auch für die Frauen auf der Bühne wird das Leben gefährlich. Während Hedda versucht, sich und ihren kleinen Bruder Pauli zu schützen, begibt sich ihr Bruder Jaan als Harpunenschmied auf einen Walfänger in die Antarktis. Eine Flucht, die ebenso verzweifelt wie hoffnungsvoll wirkt.
In einer Welt, in der die Freiräume schwinden, sucht Hedda nach einem Weg, sich selbst und ihre Würde zu bewahren.
Anja Kampmann erzählt diese Geschichte in einer sprachlich beeindruckenden, poetischen und zugleich präzisen Weise. Jede Zeile ist durchdacht, jede Beschreibung trägt Atmosphäre. Ihre Sprache hat eine fast musikalische Qualität: dicht, bildhaft und zugleich voller Zwischentöne. Man spürt die Enge der Zeit, den Geruch von Schminke, Rauch und Angst, aber auch den leisen Trotz, der Heddas Handeln antreibt.
Besonders stark ist die Darstellung der weiblichen Perspektive in einer Zeit, in der Frauen kaum eigene Wege gehen durften. Hedda ist eine faszinierende Figur, die mutig, verletzlich und voller innerer Spannung ist. Sie steht für Selbstbehauptung, aber auch für die Zerbrechlichkeit jener, die im falschen Moment zu sichtbar sind.
Manchmal jedoch wirkt der Roman etwas distanziert, die poetische Sprache schafft zwar Tiefe, kann aber emotional auf Distanz halten. Einige Passagen sind sehr ruhig, fast fragmentarisch, was das Lesen stellenweise anspruchsvoll macht. Doch gerade diese sprachliche Eigenwilligkeit macht den Roman auch besonders. Er verlangt Aufmerksamkeit, aber er schenkt einem dafür eindrucksvolle Bilder und nachhallende Gedanken.
Fazit:
„Die Wut ist ein heller Stern“ ist ein intensiver, klug komponierter Roman über Freiheit, Angst und Selbstbehauptung in einer gefährlichen Zeit. Anja Kampmann verbindet literarische Sprache mit emotionaler Tiefe und schafft so ein Werk, das lange nachwirkt: ruhig, fordernd und wunderschön zugleich.
Weniger
Antworten 0 von 0 finden diese Rezension hilfreich
Antworten 0 von 0 finden diese Rezension hilfreich
Andere Kunden interessierten sich für
