Wahnsinn - Ketchum, Jack

Jack Ketchum 

Wahnsinn

Roman. Deutsche Erstausgabe

Aus d. Amerikan. v. Ralf Schmitz
Broschiertes Buch
 
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Wahnsinn

"Ein meisterlicher Autor. Jack Ketchum ist ein Synonym für packende Spannung." -- Robert Bloch

"Ketchum schreckt vor nichts zurück." -- Stephen King

"Der Mann ist mindestens so gut wie Stephen King ... Haarsträubend gut." -- Michael Althen, FAS

Schon bald nach ihrer Hochzeit entdeckt Liddy die sadistische Ader ihres Mannes Arthur. Nach der Geburt ihres Sohnes gerät er zunehmend außer Kontrolle. Er verletzt Liddy, schlägt und missbraucht sie. Um ihres Kindes willen erträgt sie zunächst schlimmste Demütigungen. Doch dann begreift Liddy, wie wahnsinnig Arthur tatsächlich ist, und nimmt den ungleichen Kampf auf.


Produktinformation

  • Verlag: Heyne
  • 2009
  • Ausstattung/Bilder: 2009. 352 S. 187 mm
  • Seitenzahl: 352
  • Heyne Bücher Bd.67552
  • Deutsch
  • Abmessung: 189mm x 135mm x 28mm
  • Gewicht: 280g
  • ISBN-13: 9783453675520
  • ISBN-10: 3453675525
  • Best.Nr.: 26263755
"Ein meisterlicher Autor. Jack Ketchum ist ein Synonym für packende Spannung." Robert Bloch

"Der Mann ist mindestens so gut wie Stephen King ... Haarsträubend gut."
Jack Ketchum ist das Pseudonym des ehemaligen Schauspielers, Lehrers, Literaturagenten und Holzverkäufers Dallas Mayr. Sein erster Roman wurde sofort als pornographisch und extrem gewalttätig gebrandmarkt. Weitere Meilensteine der modernen Horrorliteratur folgten, für die Jack Ketchum mehrere namhafte Auszeichunungen verliehen wurden.

Leseprobe zu "Wahnsinn" von Jack Ketchum

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Leseprobe zu "Wahnsinn" von Jack Ketchum

Ellsworth, New Hampshire - Ostern 1953 Es reicht, dachte sie. Himmelherrgott, jetzt reicht's. Das Baby weinte.

Das Baby wollte die Brust. Oder das Baby wollte auf den Arm genommen werden. Oder das Baby hatte sich vollgeschissen oder vollgepisst. Oder es wollte sie vollpissen oder vollscheißen. Vielleicht wartete es auch, bis sie in seine Windel sah, um ihr die ganze Scheiße, die es in sich hatte, ins Gesicht zu spritzen. Es wäre nicht das erste Mal gewesen.

Sie stand auf und ging zum Gitterbettchen. Der Mann neben ihr schlief weiter.

Sie nahm das Baby und fühlte an seiner Windel. Die Windel war trocken. Sie wiegte das Baby auf und ab. Es weinte noch lauter.

Tja, die Brust würde es nicht bekommen.

Ihre Nippel waren jetzt schon wund.

Sie war immer noch eine gut aussehende Frau. Und das würde auch so bleiben.

Ab morgen kriegst du die Flasche, dachte sie. Mir egal, was die Ärzte sagen.

Ich kann mit dir machen, was ich will, dachte sie. Ist dir das klar? Du gehörst mir.

Ihr war von dem vielen Portwein nach dem Abendessen immer noch ein bisschen schummerig. Sie hatte Kopfweh.

Sie trank sonst nicht viel. Außer in letzter Zeit. In diesem Moment wollte sie nur noch zurück ins Bett und sich ausschlafen, aber nein, stattdessen musste sie sich wieder mit dem Baby befassen. Jede Nacht die gleiche verdammte Geschichte. Jede Nacht das Baby. Ihr Mann wurde nie wach. Gut, hin und wieder schon, aber dann drehte er sich bloß auf die andere Seite und teilte ihr mit, dass das Baby weinte. Als wüsste sie das nicht bereits. Als hätte sie nicht schon längst wachgelegen und darauf gewartet, dass das Baby sich wieder beruhigte.

Anscheinend musste das Baby nicht pinkeln. Sie schon.

Sie nahm das Baby mit in der Hoffnung, dass es vielleicht wieder einschlafen würde, wenn sie es hin und her trug. Man konnte ja nie wissen.

Sie tappte den Flur entlang zum Badezimmer, zog ihr Nachthemd hoch und hockte sich mit dem Baby in den Armen hin. Sein Gesicht war vor Wut rot gefleckt, sein Mund stand weit offen und der Lärm, den es machte, schlug ihr ins Gesicht, beschallte den winzigen Raum, unaufhörlich, unerbittlich. Sie roch den strengen Duft ihres Urins und den warmen, eigenartig fleischigen Geruch des Babys. Selbst sein Geschrei schien einen Geruch zu haben.

Manche Menschen mochten ja den Duft von Babys.

Sie nicht.

Für sie roch das Baby nicht mal menschlich.

Als sie aufstand und spülte, schrie das Baby noch lauter.

Schrie wie am Spieß.

Sie schüttelte es. "Herrgott", sagte sie. "Wirst du um Himmels willen ruhig sein?" Das Baby weinte. Sie fühlte, wie der Zorn wie ein heißer Wind in ihr aufstieg. Ich werd dafür sorgen, dass du ruhig bist, dachte sie. Und zwar für immer.

Sie klappte die Klobrille hoch, packte das Baby bei den Füßen und hielt es mit dem Kopf nach unten über der Schüssel. Hab ich wirklich vor, das zu tun?, dachte sie. Wirklich? Und die Antwort lautete: Ja, verdammt nochmal, und ob. Mir steht das Geschrei, das Jammern, Saugen, Sabbern, Pissen und Scheißen bis hier. Ich hab die Schnauze gestrichen voll.

Sie tauchte seinen Kopf ins Wasser.

Und hielt es so.

Blubbern.

Strampeln.

Erbärmlich, kläglich.

Spucken.

Schwächer jetzt.

Das Baby starb.

Ihr Baby.

Oh Himmel oh Himmel Gott oh Himmel.

Sie zog es heraus. Es war tropfnass, die winzigen Augen aufgerissen, erstaunt. Aus dem weit geöffneten Mund strömte Wasser aus der Kloschüssel, und es war ruhig, einen schrecklichen Augenblick lang wollte es einfach nicht atmen, sein Mund stand offen, aber nichts passierte, und dann begann sie es zu tätscheln, klopfte ihm auf den Rücken, es hustete, dann schrie es, wie sie es oder überhaupt irgendetwas noch nie zuvor hatte schreien hören, starrte sie die ganze Zeit aus weit aufgerissenen Augen an, als würde der Kleine sie zum ersten Mal vor sich sehen und direkt in ihre kranke, wilde Seele blicken, so dass sie ihn fest an sich drücken musste, und sei es nur, um seinen Augen zu entgehen, dieser erstaunten Anklage, und so presste sie ihn an sich und dachte, was habe ich getan? Was, in Gottes Namen, habe ich getan? Baby, Baby, Baby, flüsterte sie.

Kinder Wolfeboro, New Hampshire - Juni 1962 Das kleine Mädchen hatte aufgehört gegen die Tür zu hämmern. Das brachte sowieso nichts.

Sie konnte die da draußen nicht mal mehr hören.

Die feuchte, stickige Luft in der Hütte roch schwer nach Erde und altem, fauligem Holz. Es wurde allmählich dunkel. Das Licht durch die Spalten in den fensterlosen Wänden wurde schwächer und schwächer.

Sie hatten irgendwas in den Türrahmen geklemmt, ein Stück Holz oder so. Sie konnte die Tür keinen Zentimeter von der Stelle bewegen. Zusammengekauert saß sie gegen die schwitzende, glitschige Wand gelehnt, roch den feuchten Lehmboden und den vollen Moschusgeruch ihrer Tränen und dachte: Keiner wird mich finden.

Sie stellte sich vor, wie sie irgendwo da draußen im Sumpf - gut möglich, dass sie inzwischen schon eine halbe Meile entfernt waren - durch flaches, schwarzes Wasser und Morast stapften, der einem die Gummistiefel von den Füßen ziehen konnte, und mit ihren zweizackigen Metallspießen nach Fröschen stachen. Jimmy hatte bestimmt schon ein paar beisammen, die jetzt tot oder sterbend in seinem Eimer lagen. Billy war nicht so schnell wie Jimmy und deshalb womöglich leer ausgegangen.

Das musst du dir ansehen, hatten sie gesagt. Das ist cool.

Die alte Blockhütte lag irgendwo am Ende der Welt. Ihr Daddy nannte so etwas ein scheußliches Bauwerk. Seit Jahren schon versank die Hütte langsam im Sumpf, und für Jagdausflüge wurde sie schon lange nicht mehr benutzt.

Liddy war erst sieben.

Sie hatte nicht reingehen wollen.

Die Jungen, Jimmy und Billy, waren neun und zehn. Warum hatte sie also als Erste reingehen sollen?

Warum immer sie?

Das hatte sie sich insgeheim gedacht, war dann aber doch durch die offen stehende Tür gegangen. Schließlich durfte sie die Jungs nicht merken lassen, dass sie Angst hatte.

Kundenbewertungen zu "Wahnsinn" von "Jack Ketchum"

4 Kundenbewertungen (Durchschnitt 4.5 von 5 Sterne bei 4 Bewertungen **** ausgezeichnet)
***** ausgezeichnet
 
(3)
***** sehr gut
***** gut
 
(1)
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***** schlecht
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Bewertung von PortaCaliginis aus Gegenerde am 15.11.2012 ***** gut
Jetzt im dritten Anlauf habe ich es endlich geschafft ‘Wahnsinn’ durchzulesen. Ich wollte anfangs mit dieser Geschichte nicht richtig warm werden, aber wo ich dann einmal drin war im Lesefluss ging es ganz gut. Liegt auch daran, dass sich Ketchum einfacher Sprache bedient. Ganz so wie in seinen anderen Werken auch und schlecht ist das nicht mal, weil es lässt Freiraum sich die Geschichte selbst in Bildern darzustellen.

Dennoch konnte mich diese Geschichte von Ketchum nicht überzeugen, denn es läuft auf Kindesmissbrauch hinaus und die Klischeebegründung dafür. Muss da ehrlich sagen, dass mir das zu langweilig ist, denn das Thema, so schrecklich es auch sein mag, ist ziemlich ausgelutscht. Die Geschichte ist zwar aus dem Jahr 1995 und da war es vlt. noch nicht so breit getreten. Hat mich jetzt auch nicht so mitgerissen, weil ich auch vor kurzem ein Buch las, welches sich auch dieses Thema als Aufhänger auswählte und da war es auch schon nicht wirklich dramatisch oder spannend.

An Spannung mangelt es auch ‘Wahnsinn’ – ohne zu viel zu verraten, aber man hangelt sich hier zwischen die Gerichtstermine und deren Hin und Her von Liddy und Arthur und nebenbei gibt es noch ein paar Morde. Die Morde sind nur eine kleine Nebenhandlung, welche auch weg gelassen werden könnte. Es gibt nicht so viele Figuren innerhalb der Geschichte und so kann man sich schnell alles selbst zusammen denken. Hat mir nicht so sehr gefallen.

Ganz gut dagegen gefallen hat mir, dass diese Ketchum-Geschichte mal nicht so sehr auf Splatter gesetzt hat. Gibt zwar noch Gewalt, aber diese ist nicht so so explizit. Ketchum kann also auch anders und es funktioniert. Kann hier auch nicht sagen, dass die Geschichte schlecht sei. Ich für meinen Teil fand sie eben nur etwas langweilig und vorhersehbar und dabei kann sich bei mir keine Spannung aufbauen. Würde es demnach auch erstmal nur Ketchum-Fans empfehlen.

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Bewertung von Morpheus aus Köngen am 24.05.2011 ***** ausgezeichnet
Dieses Buch war für mich noch wesentlich verstörender als Evil...
Es ist eine Geschichte aus einem Alptraum der Tag täglich in der Welt geschehen kann und es stellenweise leider Gottes auch tut. Genau aus diesem Grund ist es so unfassbar angsteinflößend. Das ist die Kunst des Jack Ketchum. Er erschafft eine Welt aus Angst und Gewalt und packt damit den Leser und erschüttert ihn bis ins Mark. Er braucht weder Vampire noch Zombies noch sonst irgendwelche Horrorgestalten. Das hat er auch gar nicht nötig, diese Story ist schlimmer als jeder Alptraum mit wahrlich psychischer Raffinesse geschrieben, eiskalt und direkt.
Heute morgen habe ich angefangen zu lesen und bin gerade fertig geworden. Es ist unglaublich packend.
Ketchum erzählt von den Lücken in unserem Rechtsystem die an Ungerechtigkeit und Irrsinn fast nicht zu überbieten sind.
Ein wahrlich ausgezeichnetes Buch das absolut nichts für schwache Nerven ist!

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Bewertung von Pablo aus Marburg am 13.08.2010 ***** ausgezeichnet
Ein sehr gutes Buch, ohne Pardon und eiskalt! Dem Leser wird gezeigt, was sich unter der Maske eines normal scheinenden Menschen für ein Monster verbergen kann. Es ging mir sehr unter die Haut.
Ich kann es nur empfehlen!

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Bewertung von BücherRumpelKammer aus am Waldesrand am 12.03.2010 ***** ausgezeichnet
Wahnsinn ! Jack Ketchum hat sich tatsächlich noch gesteigert. Packende Spannung bis zur letzten Seite, diesmal mit etwas weniger Brutalität , jedoch mit gerader und direkter Sprache. Im Gegensatz zu Stephen King braucht Jack Ketchum kein übernatürliches Böses oder andere Albernheiten, er beschreibt den realen, alltäglichen Horror dem jeder zu jederzeit begegnen kann. Unbedingt empfehlenswert.

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