Corpus Delicti - Zeh, Juli

Juli Zeh 

Corpus Delicti

Ein Prozess

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Corpus Delicti

Jung, attraktiv, begabt und unabhängig: Das ist Mia Holl, eine Frau von dreißig Jahren, die sich vor einem Schwurgericht verantworten muss. Zur Last gelegt wird ihr ein Zuviel an Liebe (zu ihrem Bruder), ein Zuviel an Verstand (sie denkt naturwissenschaftlich) und ein Übermaß an geistiger Unabhängigkeit. In einer Gesellschaft, in der die Sorge um den Körper alle geistigen Werte verdrängt hat, reicht diese Innenausstattung aus, um als gefährliches Subjekt eingestuft zu werden. Mia Holl will beweisen, dass ihr Bruder, verurteilt wegen einer angeblichen Vergewaltigung, unschuldig ist. Sie gerät also in Stellung gegen das System, hier "Methode" genannt, auch aus Liebe zu ihrem Bruder, der sich das Leben nahm.

Juli Zeh entwirft in Corpus Delicti das spannende Science-Fiction-Szenario einer Gesundheitsdiktatur im Jahr 2057. Sie zeichnet ein System, das alle und alles kontrolliert. Gesundheit ist zur höchsten Bürgerspflicht geworden. Die "Methode" verlangt ein festes Sportpensum ebensowie die Abgabe von Schlaf- und Ernährungsberichten. Buchstäblich über jeden Schritt seiner Bürger ist dieser Staat informiert.

Corpus Delicti handelt von höchst aktuellen Fragen: Wie weit kann und wird der Staat individuelle Rechte einschränken? Gibt es ein Recht des Einzelnen auf Widerstand?
Juli Zehs Corpus Delicti. Ein Prozess ist ein visionäres und ungeheuer spannendes Buch über unsere Zukunft, die wir immer weniger bestimmen können.


Produktinformation

  • Verlag: Schöffling
  • 2009
  • 44.-45. Tsd.
  • Ausstattung/Bilder: 44.-45. Tsd. 2012. 263 S.
  • Seitenzahl: 264
  • Deutsch
  • Abmessung: 212mm x 135mm x 27mm
  • Gewicht: 402g
  • ISBN-13: 9783895614347
  • ISBN-10: 3895614343
  • Best.Nr.: 25550288

Perlentaucher-Notiz zur NZZ-Rezension

Wenig konnte Rezensent Rainer Moritz dem Roman von Juli Zeh abgewinnen. Papieren wirken auf ihn die Figuren, es stört ihn auch der erhobene Zeigefinger, den er hinter allem hervorragen sieht. Dabei findet er das Thema des Buchs ausgesprochen bestechend. Zeh entwirft hier aus dem Gesundheitswahn heutiger Tage eine totalitäre Anti-Utopie, in der der Körper zum Fetisch einer "Fitnessdiktatur" wird. Aber eine adäquate Form für diese "bedenkenswerten Botschaften" konnte Zeh dafür nicht finden. Das findet Moritz außerordentlich schade, weil er diese engagierte Autorin sehr schätzt.

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 28.02.2009

Geruchlos im Hygieneparadies

Die Diktatur der Vorsorge als Enteignung der Gegenwart: Mit ihrer negativen Utopie "Corpus Delicti" rührt Juli Zeh an den Nerv unserer zutiefst verängstigten Gesellschaft.

Von Christian Geyer

Ein Wort, so unendlich menschenfreundlich und vernünftig: Prävention. Wer wollte sich schon dem Gedanken der Vorsorge widersetzen? Es wird Zeit, das totalitäre Potential der Präventionsidee sichtbar zu machen: Vorsorge ist prinzipiell unbegrenzt. Es gibt nichts, was unter dem Vorwand der Vorsorge nicht einklagbar wäre. Im Nu steht man rechtelos im Hemd da, wenn an eine bessere Zukunft appelliert wird, der man sich - so die Präventionsrhetorik eines jedes Krisenregimes - im Ernst ja wohl nicht widersetzen wolle. So aber wird schrittweise eine Enteignung der Gegenwart im Zeichen der Zukunftsvorsorge betrieben. Obwohl immer mehr Lebensbereiche von der Prävention durchherrscht werden, liegt die Kulturkritik dieser Herrschaftsfigur brach. Erst recht gibt es bisher keinen erzählerischen Versuch, hinter dem Vorsorgeanspruch den permanenten Ausnahmezustand sichtbar zu machen.

Das ist mit dem Buch "Corpus Delicti" nun …

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Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 14.03.2009

Das methodische Flackern der Antigone
Zukunft ohne Vision: In ihrem neuen Roman „Corpus Delicti” entwirft Juli Zeh das Science-Fiction-Szenario einer Gesundheitsdiktatur
In der Wirtschaft werden pensionierte Manager reaktiviert, auf deren Erfahrungsschatz man zu früh verzichtet hat. So ähnlich ist das auch auf dem Theater, wo die silver generation einen zweiten Frühling erlebt. Es sind aber nicht die Dramatiker, die von diesem Trend profitieren, sondern die Romanciers. Klassiker gelten als hoffnungsvollste Nachwuchsautoren. Mehrheitsfähig sind aber ebenso aktuelle Bestseller. All diese Romane bieten nicht nur den Vorteil, dass sie bereits beim Publikum durchgesetzt sind; ihre Zweitverwertung spendiert dem Regietheater zudem ein willkommenes Deckmäntelchen. Da der Prosastoff erst für das Theater urbar gemacht werden muss, legitimiert er Freiheiten, die gegenüber Dramentexten als Willkür empfunden werden könnten.
Dass sich die Regie die Lufthoheit auf Kosten des Dramatikers sichert, bekam auch Juli Zeh mit ihrem Erstlingsstück „Corpus Delicti” zu spüren. Endlich hatte da eine junge Autorin das gewichtige Theaterstück geschrieben, über dessen …

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»Juli Zeh ist mit Corpus Delicti der weibliche George Orwell der Gegenwart geworden.« Deutschlandradio

"Negative Utopie und Justizdrama, Polit-Thriller und Gesellschaftsstück, handfestes Horror- und hauchzartes Geschwistermärchen."

"Juli Zeh verfügt über den Scharfsinn und die Belesenheit, um ihre Einsprüche gegen den Zeitgeist so zu verfassen, dass sie nicht verlegen machen, sondern Wucht entfalten. Der Juristin im Nebenberuf gelingt es mühelos, die analytische Darstellung in die literarische Form hineinzuholen - hier, in CORPUS DELICTI, geschieht das in der Kunstform der Utopie, die seit je dem Diskursiven gebührend Raum gibt. So gebiert Belletristik analytischen Verstand und umgekehrt: Erzählen und Argumentieren sind eins. Darauf kann man sich bei dieser Autorin verlassen."
Christian Geyer, Frankfurter Allgemeine Zeitung

"CORPUS DELICTI ist politische Erweckungsliteratur, die allerdings ihren diskursiven Gehalt in einen ziemlich ausgeklügelten Kriminalplot verpackt. Und das ist nur eines der Genres und intertextuellen Echos, die Juli Zeh sehr belesen verwoben hat zu einem Ganzen, das all das zugleich ist: negative Utopie und Justizdrama, Polit-Thriller und Gesellschaftsstück, handfestes Horror- und hauchzartes Geschwistermärchen."
Christopher Schmidt, Süddeutsche Zeitung

"Juli Zeh schildert die Entgleisung ins Brutale mit seltsamer Kälte. Sie ist eine analytische Apokalyptikerin in der Nachfolge Jewgenij Samjatins, Ray Bradburys und Philip K. Dicks. Als solche polemisiert sie gegen eine postutopische Epoche, die sich zu viel auf die Überwindung der Utopien zugutehält. Die literarische Form ist eine Gerichtstragödie in Prosa, ein Traktat in verteilten Rollen, ein Science-Fiction-Krimi und stetig sich beschleunigendes Debattierstück."
Evelyn Finger, Die Zeit

"Zum Glück hält sich Juli Zeh nicht lange mit der detailvernarrten Ausschmückung ihres Überwachungsstaates auf. Stattdessen konfrontiert sie ihre Leser geschickt und ziemlich spannend mit dem philosophischen Für und Wider ihrer aller Metaphysik beraubten Beinahe-Idealgesellschaft. Die Kunst dieser Autorin besteht gerade im scharfsinnigen Gedanken-Pingpong ihrer Versuchsanordnungen, in einem heiter-diskursiven Furor, wie man ihn sonst nur (hölzerner) von Bernhard Schlink kennt und wie ihn früher Friedrich Dürrenmatt beherrschte."
Wolfgang Höbel, Der Spiegel

"CORPUS DELICTI erweist sich nicht nur als wichtiger politischer Warnruf, sondern auch als großes Lektürevergnügen, das jedem Besuch im Fitness-Studio vorzuziehen ist."
Alexander Altmann, tz

"Gesellschaftskritik und sprachliche Kunst tragen sich hier gegenseitig zur Vollendung. Juli Zeh ist hier so gut wie noch nie."
Saarbrücker Zeitung

"Zehs Geschichte packt den Leser und regt zum Nachdenken an, wie weit der Staat in die Lebenswelt seiner Bürger eingreifen darf."
Johannes Wagemann, dpa

"Diese Sprache ist ein Labsal, sie fließt und windet sich ganz mühelos um intellektuelles Sperrgut. Die Sprache will gesprochen werden, laut und deutlich, und trotzdem bleibt sie elegant ..."
Lars Grote, Märkische Allgemeine

"Juli Zeh treibt die Handlung schnörkellos voran, stellt ihre Poesie ganz in den Dienst ihrer Botschaft. Messerscharf und klar zieht sie ihre Schlüsse aus einem nur verworren wirkenden, in Wahrheit gut abgezirkelten Netzwerk der Macht. Die so heraufbeschworene Zukunft, sie könnte so bald sein. Zweifellos."
Caro Wiesauer, Kurier
Juli Zeh, 1974 in Bonn geboren, Jurastudium in Passau und Leipzig, Studium des Europa- und Völkerrechts. Längere Aufenthalte in New York und Krakau. Ihr Roman "Adler und Engel" (2001) wurde zu einem Welterfolg und ist mittlerweile in 24 Sprachen übersetzt. Juli Zeh wurde für ihr Werk vielfach ausgezeichnet, u. a. mit dem "Deutschen Bücherpreis" (2002), dem "Rauriser Literaturpreis" (2002), dem "Hölderlin-Förderpreis" (2003), dem "Ernst-Toller-Preis" (2003), dem "Carl-Amery-Literaturpreis" (2009) und dem Gerty-Spies-Literaturpreis der Landeszentrale für politische Bildung Rheinland-Pfalz (2009). Sie lebt heute in Leipzig.

Kundenbewertungen zu "Corpus Delicti" von "Juli Zeh"

5 Kundenbewertungen (Durchschnitt 4.8 von 5 Sterne bei 5 Bewertungen ***** ausgezeichnet)
***** ausgezeichnet
 
(4)
***** sehr gut
 
(1)
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Bewertung von Caro am 23.02.2011 ***** ausgezeichnet
Ein wirklich einzigartiges Buch, geschrieben in einer einzigartigen Art und Weise. Dieses Buch muss man einfach gelesen haben. In wirklich unglaublich schönen Formulierungen wird Kritik an Staat und Gesellschaft geübt, und diese Kritik wird durch sehr kluge Argumente und Diskussionen gestützt und begründet. Dieses Buch muss man auch gelesen haben, da sowohl Geschichte, wie auch Schreibstil und die Intention (meiner Meinung nach) sehr wichtig sind für das Verständnis der heutigen Welt und um das kritische Denken anzuregen.
Ich bin richtig begeistert von diesem Buch, es lässt einen bis zum Schluss nicht los, man muss einfach weiterlesen, und auch nach dem Ende wird es einen nicht loslassen und zum Denken anregen. Mich hat es total überzeugt und in meinem Denken von Staat und Gesellschaft bestätigt und dieses Denken ebenfalls erweitert.
Ich empfehle es allen Menschen. Und vielleicht sollten es gerade diejenigen Menschen lesen, gegen die die Kritik gerichtet ist ;) also Leute, denkt mal darüber nach, euch dieses Buch zu besorgen.

Diese Bewertung bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Broschiertes Buch

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Bewertung von kleinJuri aus Bad Berka am 17.10.2010 ***** ausgezeichnet
Sie ist fest von seiner Unschuld überzeugt. Doch die METHODE ist unfehlbar. Sie ist nahezu perfekt. Was soll sie glauben? Wie sich entscheiden? Die junge Naturwissenschaftlerin Mia Holl steht im Zwiespalt zwischen den schweren Vorwürfen gegen ihren Bruder und dem Rechtssystem, in dem sie lebt. Sie beginnt sich nicht mehr nur stur an die vorgegebenen Linien zu halten und stößt damit auf Widerstand im System. Nun ist es an der Zeit für Mia Holl, zu entscheiden, welchen Weg sie gehen will.
Wir leben im Jahr 2010, mittem im Zeitalter der modernen Medien. Unsere Entwicklung strebt zunehmend die Perfektion an. Autos, die von alleine perfekt in eine Parklücke fahren. Computer, die Arbeitsplätze ersetzen. Bereits der kleinste Fehler verursacht große finanzielle Schäden. Geld, welches wir zu Zeiten der Weltwirtschaftskrise als zu knapp empfinden. Wer jetzt nicht seinen Arbeitsplatz verlieren will, sollte möglichst gesund und fit sein. Aber all die Sorgen und Probleme die aus evt. Existenzängsten entstehen, lassen das Immunsystem leiden. Auch wenn unser Durchschnittsalter im Laufe der Jahrhunderte gestiegen ist, so fallen ein Großteil der Bevölkerung bereits schon im jungen Alter Krankheiten zum Opfer. Anders ist es im Jahr 2057 laut Juli Zeh. In ihrem Roman freuen sich die Menschen zwar über ein krankheitsfreies Dasein, aber die persönliche Freiheit, die sie damit aufgeben, ließ mir zum Teil den Atem stocken. Die Problematiken, die Frau Zeh mit ihrem Science Fiction Roman aufwirft, bieten Anlass zum Nachdenken, auch wenn man das Buch bereits zur Seite gelegt hat. Mich beschäftigte sehr oft die Frage, wie denn ein System, dass von Menschen erschaffen und gelebt wird, unfehlbar und perfekt sein könne? Dies widerspräche der menschlichen Natur. Auch in einem seit Descartes interessanten Zwiespalt befindet sich die Protagonistin. Vertrauen auf das Herz oder den Verstand. Empirismus gegen Rationalismus. Verändert sich der Mensch wirklich zunehmend in die Richtung des Vernünftigen und legt dafür mehr und mehr Emotionen und Gefühle ab? Wohin werden wir uns entwickeln. In anbetracht unserer derzeitigen Wirtschafts-, Politik- und Gesellschaftslage ist diese Frage nicht ganz unberechtigt. Wenn Juli Zeh es darauf abzielte, den Leser an ihre Geschichte zu fesseln und zu knebeln und einem zum Nachdenken zu zwingen, so ist es ihr durchaus gelungen!

Diese Bewertung bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Broschiertes Buch

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Bewertung von Lisa. aus Bad Berka am 08.10.2010 ***** sehr gut
Mia Holl, so ist ihr Name. Eine unglaublich intelligente und starke Frau di in einer Welt aufgewachsen ist, welcher sie jetzt den Rücken zu kehrt. Mia ist Biologin und lebte im Sinne der Methode. Das heißt sie strampelte ihr Pflichtkilometer auf dem Hometrainer ab, sie futterte ihr Tagesrationen an Protein und Kalorien, sie atmete, aß, lief und lebte wie es die Methode gerne saß. Dies sollte sich jedoch alle ändern als ihr geliebter Bruder Moritz sich auf grund eines Justizirrtums der ach so unfehlbaren Methode das Leben nimmt. Ihr geliebter Moritz, der es sich von der Gesundheit fordernden Methode, nicht nehmen ließ Fische aus unhygienischen Bächen zu essen. Moritz, der nicht spazieren ging um dem Gesundheitsbild zu entsprechen, sondern einfach nur weil ihm danach war. Nach dem Tod ihres Bruders gerät Mia ins Visier der Methodenbeamten, weil sie sich in ihre Trauer flüchtet und die Meldepflichten vernachlässigt. Der Sog aus Heuchelei, Einengung der Privatsphäre und der Zerstörung ihres Lebens nimmt an Schwung zu. Er ergreift die sonst so bodenständige Mia und wirbelt sie in die Arme von Heinrich Kramer. Hund oder Katze. Freund oder Feind. Er lässt sie fallen, so viel will ich euch verraten. Doch Mia wird weitergewirbelt und hört auf sich an der Methode fest zu halten. Sie hört auf der Methode treu zu bleiben. Sie will trauen dürfen. Sie will ihre Ruhe haben dürfen. Sie will frei sein. Doch dies entsprich nicht dem gewöhnlichen Wunschbild der Methode und Mia wird zum Staatsfeind, der natürlich eliminiert werden muss.
Juli Zeh als Bücherautorin und Juristin dem aufmerksamen Leser eine unglaublich packende Dystopie geschaffen. Die Zukunft wird wahnsinnig farblos, wenn Juli Zehs Ausblick irgendwann einmal Fuß in der Gesellschaft finden sollte. Dann gäbe es kein Privatleben, keine Freizeit und auch keine Freiheit mehr. Kein Leben, möchte man meinen. Dies haben und Figuren wie Moritz Holl deutlich gezeigt. Ich bin der Meinung, dass dieses Buch eine unglaubliche Durchschlagkraft besitz und somit zu nachdenken anregt. Es waren wiedereinmal die kleinen Details, welche die Geschichte mal abgesehen von der gruseligen Grundidee so faszinierend gemacht haben. Insgesamt würde ich dieses Buch jedem empfehlen, der nach einer anspruchsvollen, und kritischen Zukunftsvision sucht.

Diese Bewertung bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Broschiertes Buch

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Bewertung von Philipp aus Bad Berka am 03.10.2010 ***** ausgezeichnet
Vergessen Sie Mr. Spock und Darth Vader! Das Genre des Science-Fiction hat ein neues, ein faszinierendes Gesicht bekommen!
Wir befinden uns in der Mitte des 21. Jahrhunderts. Der Staat stützt sich voll und ganz auf die „Methode“, die Gesundheit zum Ziel allen menschlichen Strebens erklärt hat, denn laut ihr führt nur Gesundheit über die Vollendung des Einzelnen zur Vollkommenheit des gesamten politischen Systems. Die Menschen dürfen sich nur noch in vom Staat als hygienisch festgelegten Arealen aufhalten, müssen ständig detaillierte Berichte über ihren gesundheitlichen Zustand abliefern und schauen im Fernsehen die Sendung „Was alle denken“. Der junge Freiheitskämpfer Moritz Holl, entschiedener Gegner der Methode, wird vom Staat wegen Vergewaltigung angeklagt, obwohl er unschuldig ist. Schließlich bringt er sich um und überlasst seiner Schwester Mia sein geistiges Erbe. Diese beginnt langsam, öffentlich für die Individualität des Einzelnen einzutreten. Doch als ihre Aussagen über den Schuld der Methode am Tod ihres Bruders deren Unfehlbarkeit in Frage stellen, sieht sich der Staat bis in die Grundfesten erschüttert. Er weiß, dass die Gefahr Mia Holl aus dem Weg geräumt werden muss, um seine Macht zu erhalten. Die Methode beginnt mit allen Mitteln zu kämpfen wie ein in die Ecke getriebener Löwe….
Mit „Corpus Delicti“ hat Juli Zeh einen einmaligen Dialog zwischen dem Schutz der körperlichen Gesundheit und den Freiheitsbedürfnissen des Einzelnen geschrieben. Dabei gelingt es ihr, diese hochphilosophisch anmutende Argumentation durch eine beträchtliche Spannung zu einer unfassbaren Lebendigkeit zu erwecken, die den Leser die ganze Zeit in ihren Bann zieht. Die ausgesprochene Komplexität von Gedankengängen und Erzählweise lässt die Handlung teilweise schwer verständlich erscheinen, doch gerade dies macht die beeindruckende, fremdartige Erscheinung dieses Romans aus. Die Autorin lässt nur wenige Personen auftreten, doch diese überzeugen durch einzigartige, vielschichtige Charaktere. Selten ist es einem Roman gelungen, derart fließende, wechselhafte und manchmal sogar widersprüchliche Grenzen zwischen Sympathie und Abneigung, zwischen Freund und Feind, zu schaffen. Besonders gefiel mir persönlich das Ende der Geschichte, bei dem die Handlung unmittelbar vor dem Schluss eine überraschende, entscheidende Wendung nimmt.
Eine futuristische Ode an die persönliche Freiheit und eine Kriegserklärung an den heutzutage steig wachsenden Gesundheitswahn!
Beißende Gesellschaftskritik und hochkomplexe Philosophie, eingebettet in eine mitreißende futuristische Rahmenhandlung! Einfach genial!

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Bewertung von lui aus Bad Berka am 29.09.2010 ***** ausgezeichnet
Kein "Grüß Gott"mehr,sondern ein freundliches "Santé".Nie wieder eine Erkältung, nie wieder ein Kilo zu viel auf den Hüften, nie wieder Heuschnupfen. Wäre solch ein gesundes Leben nicht schön? In dem Buch "Corpus Delicti- Der Prozess" beschreibt die Autorin Julia Zeh eine Gesellschaft, in der Gesundheit die höchste Pflicht eines jeden Bürgers darstellt. Das Unterziehen zu monatlichen Untersuchungen und Tests gehört dabei zur Normalität. Doch was passiert,wenn Menschen nicht nach dieser "Methode" leben wollen? So auch die junge Naturwissenschaftlerin Mia Holl, welche sich nach dem Tod ihres Bruders vor dem Gericht verantworten muss. Grund dafür ist der zu stark genutzte Verstand, zu viel Liebe zu ihrem Bruder und die geistige Unabhängigkeit. Darüber hinaus begeht Mias Bruder nach einem Vorwurf zur Vergewaltigung Selbstmord. Doch die junge Frau will dessen Unschuld beweisen und stellt sich dadurch gegen das System. Bestrafung oder nicht? Scheintod oder Leben?
Julia Zeh zeigt in "Corpus Delicti" eine Möglichkeit, wie unsere Zukunft vielleicht bald aussieht. Dabei spricht sie auf interessante Weise Probleme in solch einer "gesunden Gesellschaft" an. Spannend ist vor allem dagestellt, wie Menschen die eigene Entscheidungs- und Meinungsfreiheit genommen wird. "Corpus Delici" ist ein nahezu handfestes Horror- und zartes Geschwistermärchen. Kaum liest man die ersten Seiten,schon schafft es die Autorin Spannung aufzubauen, so dass der Leser das Buch so schnell nicht mehr aus der Hand legt. Nach dem Lesen überlegt man sich dann doch, ob pure Gesundheit solch ein Leben mit der Methode wert ist. Das Buch ist nur zu empfehlen!

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